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Glotta 



Zeitschrift 



für griechische und lateinische Sprache 



Herausgegeben von 



Paul Kpetsehmer und Wilhelm Kroll 



VI. Band 





Gotttiij^en 

Tandcnboedt and Riipred)t 



Q. 



EEtPELBKRO 



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UniT.-Buohdmckerei Ton E. A. Huth. Göttingen 



Inhalt. 

Seite 

M. Lambertz, Zur Etymologie von doijlos 1 

Stanislaw Witkowski, Beiträge zur griechischen Syntax: 1. Der 
„Präskriptiv". 2. Der Genetiv „des ergriffenen Glieds". 3. Gen. 
bei den Verba des Herrschens. 4. Gen. bei der Negation ov. 
5. ini bei den Ausdrücken der Aufsicht. 6. jUfx« von der Ver- 
änderung. 7. Die homerische Sprache und die Parataxe. 8. Der 
Artikel in relativischer Funktion im Attischen. 9. Geschlechts- 
loses Ptc. aor 18 

Stanislaw Witkowski, Zwei angeblich neue griechische Wörter: 1. 

naQaajQayCa oder 7ic(QaaTQaTT}yia? 2. nQooaTito7'? 25 

Nixos A. Bärjs, Zur Bedeutung des neugriechischen xqü/ti]? .... 28 

W. Schmid, 'Eniovaios 28 

Carl Wessely, Der Name des Leoparden 29 

Paul Kretschmer, Zwei lateinische militärische Termini: 1. acies. 

2. auxilium 30 

Kudolf Methner, Die Entstehung des Ablativus qualitatis und sein 

Verhältnis zum Ablativus modi und zum Ablativus absolutus . 33 

A. Sonny, Demonstrativa als Indefinita 61 

Hans Keichelt, Etymologisches: 1. Lat. rancidus. 2. Lat. ambrices, 

racemus 70 

Vincenzo Ussani, Di una pretesa ellissi dell' ablativus coraparationis 

in Lucano 71 

Fr. Pfißter, Seu et in spätlateinischen Texten 73 

Paul Kretschmer, Die erste thrakische Inschrift ........ 74 

F. Stürmer, Sprachwissenschaft im Sprachunterricht 79 

E. Schwyzer, Kleinigkeiten zur griechischen und lateinischen Lautlehre 83 

E. Schwyzer, f^ähaaa 84 

P. Persson, Latina: 1. Zur Behandlung von u in unbetonter offener 

Silbe. 2. Zur Tendenz, einsilbige Wortformen zu vermeiden . . 87 

Pietro Rasi, Ire = sterben 95 

Paul Kretschmer, Zwei Nachträge 96 

Therese Stein, Zur Formenlehre der prienischen Inschriften .... 97 

P. Wahrmann, ZtfiXas, atfxxkkw 145 

— — aifaXös, 0(fdvtov 16^ 

Job. Compernass, Vulgaria 164 



IV Inhalt 

Seite 
J. H. Schmalz, Sprachliche Bemerkungen zu des Palladius opus agri- 

culturae 174 

Jarl Charpentier, Lat. räna 'Frosch' 190 

P. Kretschmer, Mävögog 192 

0. Immisch, Sprachliches zum Seelenschmetterling 193 

A. Musid, Zum Gebrauch des negierten Konjunktivs f. d. negierten Im- 
perativ im Griechischen 206 

A. Klotz, Sprachliche Bemerkungen zu einigen Stellen in Ciceros Keden 212 

H. Ottenjann, Nee mu nee ma 223 

J. Samuelsson, Die latein. Verba auf uläre {-tläre) 225 

P. Wahr mann, Caccitus bei Petronius, Cena Trim. 63 270 

Literaturbericht für das Jahr 1912 

Paul Kretschmer, Griechisch 273 

Felix Hartmann und Wilhelm Kroll, Italische Sprachen und 

lateinische Grammatik 312 

0. Immisch, Nachtrag zu S. 193ff. 380 

Register. Von H. Ottenjann 381 



M, Lambertz, Zur Etymologie des i^ovlog 



Zur Etymologie von dovXog 

Alle Versuche, dov'Kog aus dem indogermanischen Sprachschatze 
zu etymologisieren, stoßen auf Schwierigkeiten und ergeben kein 
befriedigendes Resultat, däaa^ das den Feind, dann den unter- 
worfenen Nichtarier, schließlich den Sklaven bezeichnet, legte es 
nahe, für dov'Kog eine ähnliche Bedeutungsentwicklung zu vermuten. 
Doch scheitert die auf diese Voraussetzung gegründete Ableitung 
von dko^), als dessen Grundform *ds-jio anzusetzen ist 2), ebenso 
wie die Annahme einer Grundform *doa-vXog^), deren Wurzel mit 
dem ai. das- identisch wäre, oder das Ausgehen von einem mit 
Afi/a 'Beute' verwandten *ÄofAog*), das sich durch Dissimilation zu 
öovlog gewandelt hätte, an den lautlichen Verhältnissen, die in 
ion.-att.-boeot. öovlog und in dcoXog, der Form im Recht von 
Gortyn und in der literarischen Doris, vorliegen. Denn bei der 
ersten Annahme bleibt das -ov-, bzw. to ganz unerklärbar ^), bei 
der zweiten hätten wir einen echten Diphthong als das Ursprüng- 
liche anzusetzen, während die kretischen und literarisch-dorischen 
Formen den monophthongischen Charakter des -ov- erweisen; die 
dritte Annahme ist überhaupt willkürlich. 

Die Heranziehung der vier viel besprochenen Hesychglossen^), 
deren auffallende Übereinstimmung in der Angabe der Bedeu- 
tung „Haus" für dovXog eine zu geringe Einschätzung ihres Wertes 
nicht angebracht erscheinen läßt, bedeutet einen Fortschritt 
in der Erkenntnis der Herkunft unseres Wortes ^), während die 



1) Passow's Handwörterbuch 1841. Pape-Sengebusch, Hdwbch" (1902) 
bezeichnet die Etymologie als fraglich. 

2) Brugmann, Grdr. I^, 270; II, 1063; G.Meyer, Gr. Gr.^ 593. 

3) So Düntzer, KZ 16 (1867), 27. 

4) H. Lewy, IE 2 (1893), 446 (Griech. Etymologien). 

5) So schon Curtius, Grundz.^ 234. 

6) SovXog rj oix(a, rj tt]V inl t6 avTO avviXevOiv rtHv yvvKixwv. — dcj- 
loöofifTg- oixoyfveTg (Ahrens will in ScSkoi, SfAoSfg ändern, das ist aber über- 
flüssig, da die Deutung des zweiten Bestandteiles durch W. Schulze, Quaest. 
ep. 95 Anra. 3, der hier mit Beiziehung der Hesychglosse fßd&T]- iyevvi^&T} 
einen Lautwandel wie in ßeQS&Qov y (^^qsS^qov u. a. sieht, lautlich möglich 
ist; Johanssons Ansatz eines Singulars SwkoSofitvg =^Hau8bewohner, schei- 
tert an der Tatsache, daß äs/nco ebenso wie So^itu nur bauen, nie wohnen 
heißt.) — .jkivvnog' vnoßXrjTog. — ivävXw 'h'äox^fv. 

7) Das Verdienst, auf sie zuerst aufmerksam gemacht zu haben, ge- 

Glotta VI, 1. 1 



2 M. Lainbertz 

Zusammenstellung mit got. taujan^), die viel Anerkennung gefunden 
hat 2), wieder vom rechten Wege abführt 3), sei es, daß man „Ar- 
beiter, Zimmermann" als Grundbedeutung annimmt*), sei es, daß 
man von der dem mhd. zoiiwic und nhd. Zofe eigenen Bedeutung 
„regsam tätig, geschäftig" ausgeht ^). Denn wir müßten auf Grund 
einer dann anzusetzenden idg. Wurzel *döu den Diphthong als 
einen echten ansehen und das läßt sich für das Griechische nicht 
erweisen ^). 

Da die indogermanischen Sprachen die Etymologie des Wortes 
dunkel lassen''), muß es erlaubt sein, in anderer Richtung zu 
suchen. Die Beziehung der ersten der eben erwähnten Hesych- 
glossen auf das 74. Fragment des Hipponax (Bgk) s), die Ahrens 

bührt G. Legerlotz, Etymologische Studien, Progr. (Festscbr.), Salzwedel 
1882; doch leuchtet seine Zusammenstellung mit äöXog, das zunächst das 
Kunstwerk bedeutet hätte, in semasiologischer Hinsicht nicht ein. Den 
etwas komplizierten Ansatz zweier idg. Wurzeln * dbido und döule, zu dem 
K. P. Johansson, IF 3 (1894), 229 f., greift, um das Nebeneinander von 
Soükog und öüikog zu erklären, hat M. Buttenwieser, IF. 28 (1911), 60, mit 
Recht lautlicher Schwierigkeiten wegen nicht akzeptiert. Er steht ohne 
Parallele da. Auch Wiedemanns Etymologie in Bß 27 (1902), 217 f., die auf 
der Johanssons basierend sie nur etwas modifiziert, hat dieselbe Schwäche. 

1) Sie stammt von Lorentz, IF 5 (1895), 342 f. 

2) Bei Prellwitz, Etymol. Wb. d. gr. Spr.-^ (1905) 120; E. Boisacq, 
Dictionnaire etymologique 198; S. Feist, Etym. Wb. d. gotischen Spr. 
(1909) 263; K. Brugmann, IF 19 (1906), 386 f. 

3) Eichtige Bemerkung von M. Buttenwieser IF 28 (1911), 59. 

4) Wie Lorentz, Prellwitz, Boisacq, die auf an., ags. töl Werkzeug, 
verweisen. 

5) Wie Brugmann a. a. 0., vgl. auch Kluge, Et. Wb*^ 437 Zofe. 

6) Während im Recht von Gortyn fast jeder Satz die Form JOAOZ 
enthält, schreiben gortynische Inschriften echte Diphthonge immer mit s 
so TiroFiös SGDI 4978, selbst [ß^oßaC SGDI 4976 ag, a gegenüber sonst 
überliefertem dorischem ßüig, eine Inschr. aus Vaxos (5125A9) anoßöSäv; 
vgl. E. Kieckers, Die lokalen Verschiedenheiten im Dialekte Kretas 22; 
C. D. Bück, Gr. Dial., S. 30 f., 70; besonders J. Brause, Lautlehre der kre- 
tischen Dialekte, 18. 

7) Dies wird zugegeben von Leo Meyer, Hdb. d. gr. Etymol. 3, 260 
und von Gust. Meyer, Gr. Gr.^ § 110 (171) Anm. 

8) Ov fxoi Sixctiwi f^oi^bs (iiiCüvai (^oxH 

KQiTirjg d Xtog iv xaawQtxwc öovkuc. (Text nach 0. Hoffmann, Die 
griech. Dialekte, 3, 152.) ^ovkioi ist die in den drei Oxforder Tzetzeshand- 
schriften (Gramer, Anecd. Oxon. III 308, 25) überlieferte Form. Die Ände- 
rung in (iö/ub), die Bergk dem Metrum zuliebe vornimmt, ist unstatthaft 
bei einem Dichter, den die Alten als abschreckendes Beispiel dafür zitieren, 
wie Zusammenwohuen mit Barbaren das Metrum verunstalte. (Die Gram- 



Zur Etymologie von äoidog 3 

vorgenommen hat, scheint mir doch nicht von der Hand zu 
weisen ^). Deswegen soll aber keineswegs für das alte Griechisch 
ein dovlog als Synonymum von ö6f.iog erschlossen werden 2), viel- 
mehr scheint noch ein Umstand darauf zu weisen, daß der Ge- 
brauch von öovXog im Sinne von ,, Haus'' den Griechen fremdartig 
vorkam. Au dem Tragödiendichter Achaios aus Eretria, einem 
jüngeren Zeitgenossen des Sophokles, tadelten die Alten bei aller 
Anerkennung der Eleganz seiner Komposition den oft dunkeln, 
vielfach rätselhaften Ausdruck 3). Eine Unklarheit enthält auch 
ein Vers aus einem der vielen Satyrspiele des Dichters, der Om- 
phale, in dem von einem Satyr gesagt wird: wg svdovXog, log 
evoiKog rjv^). Die Deutung, die wir bei Athenaeus lesen, der 
Dichter habe ,, eigentlich" sagen wollen, daß der Satyr gut gegen 
seine dovXot und seine olytsvai war, ist in zweifacher Hinsicht aus 
sprachlichen Gründen unzulässig, da erstens etor/og nichts mit 
olxhijg zu tun haben kann ^), zweitens die alten mit ev- gebildeten 
Adjektiva durchwegs Bahuvrihi sind. Ein £vor/.og ist einer, der 
ein gutes, also etwa reiches oder gastfreundliches Haus hat, und 
man wird kaum fehlgehen, wenn man in evdovXog eine gleichbe- 
deutende ^), von dem dunkle Ausdrücke liebenden Dichter gesuchte, 
halbfremde Bezeichnung sieht. 



matikerzeugnisse über das willkürliche Vorgehen des Hipponax in metri- 
schen Dingen hat Gr. Ceglinski im Lemherger Gymnasialprogramm 1880 
„De Hipponacte Ephesio iambographo" S. XIV sorgsam zusammengestellt.) 
Zudem nennt Tzetzes ne^l fj(T()ü)v 15 in einem Atem den Hipponax als 
Choliambendichter, mit dem er im Scholion auf den dreisilbigen sechsten 
Versfuß (es ist öoxiei zu lesen) in nnserem ersten Verse aufmerksam macht. 
— xaatüQvxoH ist von Bergk auf Grund der Hesychglosse xaawqCov noQveTov 
statt des verderbten y.caw§, xtüj^ der Hss, wie mir scheint, sehr glücklich, 
in den Text gesetzt. 

1) Wie Brugmann IP 19 (1906) 387 Anm. 

2) Von Brugmann, a. a. 0., mit Eecht zurückgewiesen. 

3) Athenaeus 10, 4510: l-ixaios ()" o 'EQtTQitbg ykntpvQog äv noirjTTjs 
niQi TTjV avv&saiv sad-^ ots xal fitkaCvti, ttjv (fgäair xal rioXka aiviyfiarojdwg 
ixif^QSt- usw. (es folgt ein Beispiel aus dem Satyrspiel Iris). 

4) Athenaeus 6, 267 D : 'yi/cubg d' iv ^O^ifäh] tkqi tov ZaTVQou X^ycjv 
(fTjaiv (x). tv. 0). iv. rj.\ iiSiwg ktyiov (ög /QrjOTog (tg Toug liovXovg larl xal 
Tovg oixfTceg. 

5) G. Kaibel wollte daher lug tvoixerrjg konjizieren, doch haben wir zu 
dieser Änderung kein Kecht; s. Nauck Trag. Graec. frag. 734. 

6) Auch der Komödiendichter Pherekrates soll evSovXog gebraucht 
haben (s. Kock, Com. Att. frgm. I Fragm. 212); in welchem Sinne, läßt sich 
nicht ergründen. Des PoUux (3, 80) Erklärung [xcd evSovXog Se 6 roTg 

1* 



4 M. Lambertz 

Wir dürfen nun vielleicht vermuten , daß die Bezeichnung 
öovXog für olnog dem Achaios durch einen Zufall von ebendorther 
bekannt geworden war, woher sie dem Hipponax geläufig war ^). 
Der Ephesier Hipponax, der sein Leben in Klazomenai als Prole- 
tarier verbrachte, galt schon den Alten als Typus der lonier, die 
durch das Zusammenleben mit Barbaren die Reinheit ihres Dia- 
lektes eingebüßt hatten ^). Bücherreiche Werke alexandrinischer 
Grammatiker 3) beschäftigen sich mit der Interpretation der hip- 
ponakteischen Gedichte, auf deren Spracbgebrauch sich denn 
auch nachweislich sehr viele unserer Hesych-, Suidas-, Eustathios-, 
Herodianscholien beziehen und noch viel mehr der herrenlosen Glossen 
wahrscheinlich bezogen haben. Unsere Hipponaxtragmente"^) bieten 
nicht nur viele griechische Worte, die für uns a/ta^ ElQrjf.dva^) 
oder wenigstens sonst sehr selten sind ß), sondern sind auch von 

SovXoig iv ;(Qw^ii'os naQci ^^iQixQÜrei) wird ebenso falsch sein, wie die des 
Athenaeus. 

1) Noch ein anderes fremdartiges, wohl ungriechisches Wort, ßnxxuQig, 
Bezeichnung für eine wohlriechende Salbe, hatte Achaios mit Hipponax ge- 
meinsam, 8. Athenaeus 15, 690 B: drofAnCtrctC ti /xvqov ßäxyccQig, ov /uvr]uo- 
vsvet xal 'InTiwva^ . . ., A^raiog d" h> Atd-wvi anTvoixäi usw. (es folgt das 
Zitat, s. Nauck, Trag. Graec. frag. S. 749, 10). 

2) Photius, A^l. avvay. 640, 8 (s. v. (fcto/uäxog)- . . . ovtol yuQ (sc. ot 
^'ibjveg) 'hu Ti]V ibiv ßaoßnQwv TiaQoixrjatv fh'/ui]vavTO ttJ? diaki'xrov rö nüxQiov, 
zu fiiiQu, Tovg ^rodvovg. (irj^oi xui Vtzttwj'«!. 

3) Athenaeus 7, 324 a spricht bei Zitierung zweier Hipponaxworte von 
Ol i^Tjyriaü/utvoi und 7, 327 b von den Büchern des Hermippos aus Smyrna über 
Hipponax {iv roTg tkoI 'Innwvuxrog). Über andere Grammatiker, die sich mit 
Hipponax beschäftigen (Herakleides, Euphronios, Pamphilos, Lysanias, He- 
rodianos) vgl. Gr. Ceglinski, De Hipponacte Ephesio iambographo, Lemberg 
1880, S. XXI. 

4) Bei Bergk, Poetae lyrici Graeci, 3(1866), S. 751 ff.; Hiller-Crusius, 
Anthologia lyrica *(1901), S. 56ff.; 0. Holfmann, Die griechischen Dialekte 3 
(1898), S. 135 ff. 

5) tlQsiüw = dntilöj (Etym. Magn.) frg. 70; ßa^ßuxvCo) vor Frost 
mit den Zähnen klappern {^lyüi xal ß. Plutarch nuoudo'^. ot Zrioixol usw. 6) 
frg. 17; xQiy-f} schwirrender Flügelschlag der Toten oder der Eule (Hes.) 
frg. 54; oifiXXo} ttjv OTsyrjv i. fege und oiftlficc der Kehrbesen (Tzetzes- 
scholion zu Lykophron 1165) frg 51; nuan aXt^ifäyog ygöf^cfig das mehl- 
fressende Mutterschwein (Photius Xs^. avvuy.) frg. 69; Triy avixag Pfann- 
kuchen, statt des sonst üblichen Tuyrjv- (Athen. 14, 645c) frg. 36; tqo- 
nrnov die Kelter (PoUux 10, 75) frg. 57; (peXtCav = xv(C<^' reibend in 
obszönem Sinne (Tzetzes) frg. 14; dazu die neugebildeten Komposita meist 
obszöner Bedeutung wie firjTQoxoijrjg , ßaauvtxogog, ßogßoQÖnrjg , uraaeial- 
(paXXog, fiiaariyvöoQTiox^aTrig u. a. 

6) clnuQTd] Reisegepäck (Pollux 10, 18) frg. 26, außerdem LXX; da- 



Zur Etymologie von (^ovlo; 



Bezeichnungen durchsetzt, die einen ungriechischen Eindruck 
machen 1) oder nach dem Zeugnis der Lexikographen phrygisch^) 
oder lydisch-karisch^) sind. Es sind durchaus Bezeichnungen aus 



xaQiCoi zapple (Etym. M.) frg. 33, außerdem Kratinos; ßökßiTov statt 
ßöXiTov Rindermist (Etym. M.) frg. 70 A [Hoffmann], außerdem Aristoph.; 
yQÖ/uiftg Sau (Photius) frg. 69, nur bei Lexikogr. ; sxpiae = lipcof^iCe füt- 
terte (Etym. M.) frg. 33, außerdem Lykophron.; zoA./lt| grobes Brot (Athen. 
7, 304b) frg. 35, außerdem Aristoph.; KoQu'itxhv Xdjnog ein nach dem 
Volke der Koqu'^oC benanntes Kleid (Tzetzes, Chil. 10, 378) frg. 3, das Ad- 
jektivura nur hier, das Volk öfter erwähnt; fxäk&ri eine wachsartige Masse, 
zum Einschmieren von Schiifsplanken verwendet (Harpokr.) frg. 50, Demo- 
sthenes einmal, Lexika und Scholien; (xaQiXri glühende Asche (Erotian) 
frg. 59. 71, außerdem bei Aristoph. u. Späteren; TQäfxiv männliches Glied 
(Erotian) frg. 84, außerdem Aristoph. Thesm. ; (fioiSug Brandblasen, bei 
Hipponax eher Hühneraugen (Erotian) frg. 59, außerdem Aristophanes. Zu 
Abweichungen im Vokalismus, Genus u. ä. s. Ceglinffki XXIII. 

1) «yj? schändlich (ob zu «yo??) nur bei Hippon. (aus Tzetzes, Chil. 
13, 321) frg. 11; ßüxxaQig eine Salbe (Athen. 10,690a) frg. 41, außerdem 
bei Achaios (s. o.) und Komikern; xaiirjs ein Meervogel (Tzetzes) frg. 2, 
außerdem Lykophron und Dichter in der AnthoL; Xsxog Schüssel (PoUux 
10, 87) frg. 58, nur bei Lexikogr.; Zcvd'cxör dcceaffccy/xa, das yvvui- 
xtlov idöoiQV (Apoll. Rhod. 4, 321 Scholion) nur frg 68 A [Hoffmann] des 
Hippon.; axanaoS ivaui nach der übergeschriebenen Erklärung in Tzetzes' 
Schol. Chil. 1, 144 (Gramer, Anecd. Oxon. 3, 351, 7) av/u^xa/rjotti, nach He- 
sych xfiivKt, oder /tKcvrivaccaff^ai oder Xoi&onfjacd (vgl. Bergk PLGr 751 u. 
Hoffmann Gr. Dial. 3, 135) frg. 1; /«At? der Wein (Tzetzes) frg. 73 (s. u.); 
xXovvrjg Wüstling (Iliasscholion Venetus B) frg. 61, verschiedene Erklä- 
rungsversuche bei Lexikographen. 

2) ßsxog Brot (Strabo 8, 340 KvnQiiov ßexog ifKyovat x! ^AfxuO^ovaCwv 
TivQÖv) frg. 82, außerdem in der bekannten Herodotanekdote 2, 2, vgl. La- 
garde. Gesammelte Abh. 286; Fick, Wbch II M09; Solmsen, KZ 34 (1897) 
70; H. Hirt, Die Indogermanen 598. — v^viarov (Pollux 4, 79 xb Sä v. 
iOTi fxiv 't'Qvyiov, ^Inn. ö^ctvrov f^vr]/Liovtv(i) frg. 129; r er qkxCvt] der Lat- 
tich oder eine daraus bereitete Speise (Athen. 2, 69 d) frg. 135, von Pam- 
pbilos iv yXwaaaig als gleichbedeutend mit d^Qiäa.'^ bezeichnet, KXeiTaQ/og 
6f 'pQvyctg Ol/TW xttXetv; vielleicht gehört auch das oben erwähnte /dXig 
zu den phrygischen Worten, vgl. ^nXü- 6 ol'vog &o(cx(g (Phot. Xäi. away.), bei 
Archilochos (Athen. 1, 7 f.) und im Makedonischen [xäXi&og- olvog Hesych, 
vgl. darüber 0. Hoffmann, die Makedonen S. 13) findet sich das Wort (dazu 
Tomaschek, Die alten Thraker, II, 11). 

3) ßeßQov frg. 64 [SeanÖTtoj ßtßQov) nach A. Fick, BB 11, (1886) 272 
zur Hesychglosse ßäßoo^ dyaO-ög, /^»jcrro?, xaXög zu stellen, im Oxforder- 
codex A der Tzetzesschriften (Cramer, Anecd. Oxon. 3, 310, 17) durch über- 
geschriebenes fia[Xax]ov (Ergänzung von Hoffmann) erklärt, vgl. auch Hoff- 
mann, Die Makedonen 53; Kavö avXa frg. 1, vgl. Kretschmer, Einl. 388f., 
Solmsen KZ 34 (1897) 77 ff., derselbe KZ (1912) 97 f.; /navXcariiQiov lydi- 



Q M. Lambertz 

dem täglichen Leben, die der Dichter dem mit lydisch-karischen 
Worten durchsetzten Jargon der Gasse von Klazomenai entlehnt, 
z. B. allerhand Ausdrücke für Speisen, so zwei verschiedene für 
den Pfannkuchen, zwei für Brot, zwei für Wein, einer für Mehl, 
eine Lattiohspeise, ein Gewürz. Ebenso sind Bezeichnungen für 
Kleider und Schuhwerk ungriechisch, für verschiedene Tiere, die 
wohl unter ihrem nichtgriechischen Namen auf dem Markte feil- 
geboten wurden, für Gegenstände des Haushaltes, wie den Kehrbesen, 
die Kohle, das Wachs, die Peitsche, die Sciiüssel; zwei fremde Aus- 
drücke gebraucht unser Dichter für den Sklaven. Die Grußformel 
ist der Sprache der Gasse entlehnt und eine stattliche Menge von 
Ausdrücken, die sich auf das Sexualleben beziehen, darunter zwei 
für das Bordell. Somit ist es wohl nicht zu kühn, auch in der 
Bezeichnung für Bordell, die in unserem Fragmente vorliegt (74: 

sches Wort (für Bordell?) hg. 126 (Hes.): Tiäl/xvg frg. 1. 15. 30A. B. 42 
vgl. Lagarde, Ges. Abhandl. 274 oben, Hirt, Die Indogerraanen 576; — 
ebenso wohl daxiqa frg. 19 und ilaxtQCaxa frg. 18 (Tzetzes, Lykophron- 
scholion) Schuhwerk; uTTavCjag Pfannkuchen (Athen. 14, 645c) frg. 36, 
nur hier, von arrctrov Pfanne (Hesych, wohl ungriechisch); xaawQixu) (coni. 
Bergk) frg. 74, abgeleitet von xaaojQfTov noQVftov Hesych, auch xaawQiTig, Pro- 
stituierte, kam bei Hipponax vor (Eustathius) frg. 117 Bgk.; xöriaxi frg. 64 
(Tzetzes in Gramer, Anecd. Oxon. 3, 310, 17), in den Hss durch /niQt 
glossiert, wofür es offenbar der lydische Ausdruck ist (vgl. Bergk S. 770; 
Fick BB 11 [1886] 272; Hoffmann Gr. Dial. 3, 150); x6f^ivdig frg. 66 (Etym. 
M.) ein Vogel (Ilias 14, 291 /nkxCS« xixXi^axovai ^fol, äv(^Qfg Jt xvfxtvSiv); 
xvnuaaCaxog frg. 18 (Tzetzes zu Lykophron 855), Name eines Kleidungs- 
stückes (vgl. Harpokration s. v. xinaaaig), das außer bei Hipponax noch 
bei dem gleichfalls auf griechisch -karischem Boden lebenden Hekataios 
erwähnt wird, der es als persisches Kleidungsstück bezeichnet: seinem 
Suffix nach gehört das Wort den kleinasiatischen Sprachen an. In frg. 64 
findet sich MaXCg, das Hesych mit 'A&rjvci glossiert, Fick (BB 11, 272) 
sieht in ihr die lydische Omphale; vixvQrng frg. 49 (Tzetz. Lykophr. 424) 
ist die Bezeichnung für das Sklavenkind (Hesych (^ovXfxd'ovXog), also gleich- 
bedeutend mit aivÖQOJv (das Athen. 6, 267c in demselben Sinn erwähnt), 
das daher mit Eecht von Bei-gk und Brink statt des korrupten aitßujvi 
unseres Fragments eingesetzt wurde; anfißakCaxix frg. 18 (Tzetzes Lykophr. 
855); a)]acifior frg. 36 (Athen. 14, 645c), die Gewürzpflanze, ihre Her- 
kunft aus dem Orient ist bezeugt, in Paphlagonien gab es eine Stadt 
^^ac(/jov oder J^rjOnuog, deren Name vielleicht mit der Pflanze in Zusam- 
menhang steht. — Dazu kommen noch die einzelnen Worte aßärig- fjciaTi^ 
frg. 98 (Hesych); dkCßag, der Tote, frg. 102; vxri- tovUg ein Meerfisch 
frg. 136 (Athen. 7, 327b). — Außerdem gebrauchte Hipponax das ägyp- 
tische Wort ännig für Wein frg. 51 (Tzetzes Lykophr. 1165), vgl. Peyron, 
lex. Copt. S. 48. 49. 



Zur Etymologie von i^ovXog 7 

'Nicht mit Recht scheint mir der Chier Kritias als Ehebrecher 
in einem Bordell ertappt worden zu sein'; der Sinn der Verse im 
Zusammenhange läßt sich nicht mehr ergründen), dovkng (= Haus) 
als ein der Sprache der Gasse entnommenes, nichtgriechisches, 
etwa karisch-lydisches Wort zu betrachten. 

Diese Vermutung, daß dnvl- ein kleinasiatischer Stamm ist, 
wird durch die Tatsache gestützt, daß sich dovX- gerade in Klein- 
asien vielfach als Stamm von Personennamen findi-t, während 
es sich in Griechenland in keinem einzigen Falle sicher nach- 
weisen läßt. Daß die Inschriften, die die Namen überliefern, alle 
aus späterer Zeit stammen, die meisten aus dem 2. oder 3. Jahr- 
hundert nach Chr., beeinträchtigt ihre Beweiskraft nicht, denn 
daß die kleinasiatischen Sprachen in jener Zeit noch durchaus im 
Gebrauch waren, steht außer Frage ^). Zudem besitzen wir aus 
älterer Zeit verschwindend wenige Inschriften aus Kleinasien. 

JovXog ist in folgenden Fällen als Personennamen erhalten: 
1) u. 2) ^VQ. Jov{Q)log öig, also sein Vater hieß gleichfalls 
JovXog, aus Selmea in Lykaonien, IHSt 19 (1899) 3012). 

3) Jovkog, Vater des ^vq. McxQ-z^og x£ ^vq. Ka[oar]dQog, eben- 
daher, a. a. 0. 299. 

4) ^i'Q. JovXog FoQyov aus Termessos in Pisidien, Heberdeys 
Skizzenbuch, Scheden der TAM. 

5) r. AvQ. Jovlog KoQxaivov l^Xe^dvÖQOv^), ebendaher. 

6) ^VQ. Jovlog MaQ/uarov ^), ebendaher, Gaheis' Skizzenbuch. 

7) Jovlog 6 YML Tavdriqg, ebendaher, Heberdeys Skizzenbuch. 

8) Jovlog Zoßaliiovug, ebendaher 5). 

9) JovXog, ebendaher. 

10) ^vQ. QeodovXog JovXov, ebendaher, JHSt 15 (1895) 127 f. 

11) JovXog Jioyhov aus ApoUonia in Pisidien ^j. 



1) Karl Holl bat im Hermes 18 (1908), 240 ff. nachgewiesen, daß die 
kleinasiatischen Sprachen noch im 6. Jahrhundert n. Chr. keineswegs aus- 
gestorben waren. 

2) Das Q im Namen ist ein Fehler des Steinmetzen, der sich in der- 
selben Inschrift ein JiSio^ir\Sr\(; (sie!) zuschulden kommen läßt. 

3) Seine Enkelin heißt Avo. 'Aouäina 'AQTtifiov. Die Namen zeigen, 
daß wir es mit einer durchaus kleinasiatischen Familie zu tun haben. 

4) Seine Tochter heißt Avq KoQ/.nCva. In der Familie sind also noch 
kleinasiatische Namen zu Hause. 

5) Sein Vatersname ist ungriechisch, auch heiratet er eine Frau aus 
echt pisidischer Familie, Avq. " Avra MoUovg. 

6) Seine Tochter heißt Avq. /fofjvn Es ist nicht ausgesclilossen, daß 



12 
13 



M. Lambertz 

^vQ. JovXog '^EQjLioyevov aus Ganzaiua in Pisidien. 

Dulus CIL 14, 3631 errichtet seinem Bruder Valerius Su- 

dius, miles leg. 1 Ital. provinciae Traciae ein Grabmonument. 
Joila oder JovXrj sind uns in folgenden Fällen erhalten: 

Jovla r/ y.al '^Povqnva aus Attaleia in Pampbylien, Scheden 

der TAM. 

Jovl-Yj Tj y.al ^/ALa aus Anabura in Pisidien, ebendort. 
Die Weiterbildung JovlUov begegnet: 

JovXiwv in Gerrae in Galatien^), Ärch.-epigr. Mitt. aus 

Österr. 7 (1883) 187, 62. 

qxSrav ccqiotov /hvXiwvav in Lykaonien, JHSt 19 (1899) 304. 

^VQ. JovXiwv, Termessos in Pisidien, Heberdeys Skizzenb., 

Scheden der TAM 2). 

^vQ. Jovliwv KEvdiqßov, Termessos, ebendort. 

^AQV£[iuei\g JovXicovog a/tE{Xevd-eQov) '^EQf.iaiov, ebendahei. 

TQ{o/.6vdag) JovUcovog^), ebendaher. 

K. ^EQfxalog 6 /.al JovXImv, ebendaher^). 

Jovl,i(x)v u^TioXhüviov, ebendaher. 
JovXig kommt vor: 

Gattin des [^^vQiccQyjig '^Egii-iaiov) or/.eTi]g, Mutter eines ''Eq- 

fAiavog^), Termessos, Heberdeys Skizzenb., TAM. 

JovVig MaQÜiovog, ebendaher, Gaheis' Skizzenbuch. 
Dreimal ist uns JovXixog erhalten: 

^vq. ^Aqxi^Eig d^(vydir]Q) Jovliyoü Lanckororiski, Städte 

Pamphyliens u. Pisidiens II 173 a, Termessos. 

u4vQ. ^'Oa JovXr/ov, Termessos, Heberdeys Skizzenbuch. 

^VQ. ^ElEhd^EQog JovXiyov, ebendaher ^). 



in dem römischen Cognomen der Tochter eine Beziehung zum Namen des 
Vaters vorliegt (s. u.). 

1) Bei diesem einen Falle ist es möglich, daß ein keltischer Naraens- 
stamm zugrunde liegt. Wir kennen eine Valeria Tagatia Duliimis filia 
aus Caesarobriga in Lusitanien CIL 2, 938, die mit Kleinasien kaum etwas 
zu schaffen hat. 

2) Seine Gattin heißt Avo. "Avva 'Eq/hkiov; ihr eigener Name wie der 
ihres Vaters sind einheimisch-kleinasiatische. 

3) Seine Tochter heißt echt kleinasiatisch Avq. "Oa. 

4) Sohn des K. 'EqjhuTos 6 xai 'Eroifxog 

5) Die Herrin ihres Gatten heißt Avq. 'OnXTjTcavr] IIiQlxkda. Nach 
den Namen zu urteilen, ist es also ein Kreis von echt kleinasiatischen 
Leuten. 

6) Sein Sohn heißt auch 'Eltv&tQog. Eine Beziehung zwischen den 
Namen ^EXtvd^tQog und Joihxog liegt fraglos vor und ist beabsichtigt (s. u.). 



Zur Etymologie von d'oCdos 9 

Einen zl ov^Lmog aTteleuS^egog ^^ttccXov kennen wir aus Gan- 
zaina in Pisidien. 
Außerdem kennen wir den Namensstamm nur noch aus Ta- 
nais am Nordufer des Pontus, wohin er entweder direkt von 
Kleinasien aus gelangt sein kann, oder durch Vermittlung der 
Thraker, die ihn, offenbar durch Entlehnung, auch haben. Aus 
Tanais kennen wir: 

1) "Oxcoöia-Aog^) JovXa, Thiasotenliste aus d. J. 225 n. Chr., 
Latyschev IPE 447. 

2) Jov'lag TQV(fwv[og] aus dem Anfang des 3. Jahrh. n. Chr., 
a. a. 0. 454. 

3) [OajCiovg Jovka, ebenda. 

In einem thrakischen Personennamen liegt der Stamm vor bei: 
^ovli^Celf-iig IG 2, 963, 26 in einem Kataloge aus dem vierten 
Jahrhundert vor Chr., vgl. Tomaschek I 39. 

Diesen 33 Belegen aus Kleinasien oder mit Kleinasien in Be- 
rührung stehenden Gebieten gegenüber haben wir aus der ge- 
samten griechischen Überlieferung einen einzigen derartigen Namen, 
nämlich JouXog auf einem Grabstein aus Tanagra (IG 7, 944); 
aber abgesehen von der Möglichkeit, daß wir es in diesem Falle 
mit dem in Boeotien beliebten (s. u.) Appellativum öovlog zu tun 
haben könnten, bleibt immer noch die Frage nach der Herkunft 
des Bestatteten ofifen. Auf dem Grabsteine in Tauromenion IG 
14, 442 Iv&dde {.iv^i-ia dovli^g Criadatjg ßiov atX. aus christlicher 
Zeit liegt wohl das Appellativum vor, das die Verstorbene als 
dovliq Xqiotov bezeichnen soll. Aus dieser demütigen Bezeich- 
nung hat sich dann ein Eigenname Jovläg entwickelt, den wir 
als christlichen Personennamen auf einer Inschrift vom Berge 
Sinai aus dem Jahre 527 n. Chr. (CIG 8634) antreffen 2). 

Da es nun aber in Kleinasien nichts Seltenes ist, daß eiu- 
und derselbe Namensstamm in einer Form mit dem Vokalismus 
-0-, daneben in einer mit -ov-, -v- oder -lo- erscheint 3), ist es 



1) Beliebter Name s. IPE ^A&"ACos 'Oxoiäidxov; 451; 454; 455; 4G2. 

2) Über die Herkunft des P. Aelius Dulus CIL 6, 10678 läßt sich 
nichts feststellen. 

3) /l6öu Jovön; KotxTU Kovag ; Kovd- Kovvduhg; -koze -kuzi Köattg 
KovaCwv KvaijQevs; KoTrjg -xvTog; yiöyßuaig -Xwyßuaig; MaQoöSrig -/^aQovörjg ; 
Moay^TTjg 'Ongafiöag 'OnQafioiJacg 'OnQa/uüJaig Mvärrijg Ki^Qa/uvag; MöXrjg 
MwXrjg Movkaaaa MvXaact ; 'AQaafjÖTrjg ^iQSet/novTTjg; 'OnQctf^oKg OvnQafxovaig; 
"Ou Ovaaig; "Oyoväa 'Oaöywa 'OßQuovyfQig "Yyuaaog; "Oxag ^Anovxwg; "Oaaag 
'Oaati'g "Yaacg ; Homana Ov/jävad'a 'Yfiriaarj; Zov/nfAKQovdrjg Zof^ßquOTi] und 



10 M. Lambertz 

wahrscheinlich, daß die Eigennamen Jölcov, Joh^og, Jolag, 
^oh'vag und zJvX- zu derselben Gruppe gehören. Auch diese 
stammen nun durchwegs aus denselbi-n Gegenrien wie die mit 
dovX- gebildeten Namen. Wir haben keinen Grund, den epischen 
Namen JoKtov (K 314 u. ö.) von dieser Gruppe zu trennen. Der 
griechische Zuhörer zwar hat den Namen gewiß als sprechenden auf- 
gefaßt und mit öolog „List" in Beziehung gebracht^). Nun zeichnet 
aber der Dichter des K in dem trojanischen Spion so deutlich 
und absichtlich eine Kontrastgestalt ^j zu den beiden achäischen 
Helden des Nachtabenteuers, daß ein charakteristisch asiatischer 
Name zur Vervollständigung des Bildes des Asiaten, der doch 
nicht allzuviel öoXog an den Tag legt, dazu gehört. Auch des 
Laertes treuer Obersklave Joliog im lo, sowie der zuverlässige 
Gärtner der Penelope im d^), an den die Königin sich in ihrer 
Angst um das Leben des Sohnes wendet, würden ihren Namen, 
wenn er ein redender griechischer wäre, so unverdientermaßen 
tragen, daß wir wohl besser tun, den Ursprung des Namens in 
der Fleimat des Epos zu suchen, wo er als beliebter Name der 
unterworfenen Kloinasiaten den griechischen Eroberern auch als 
Sklavenname geläufig gewesen sein mag. In späterer Zeit be- 
gegnen uns folgende Namen dieses Stammes: 



viele andere, vgl. Kretschiuer, Einleitung 333 ff. passini; J. Simdwall, Klio 
11 (1911) 467 ff. passim. 

1) So wird der Name auch von A. Fick, Die griechischen Personen- 
namen* 1874, 25 und von Fick-Bechtel- 387 etymologisiert. 

2) Er ist häßlich von Gestalt 316, reich 315, aber habgierig 322, 
großsprecherisch 324, überaus feige 361 und besonders 375, seine Waffen- 
rüstung durchaus die des Asiaten 333 ff. 458 ff. 

3) Ob wir in dem alten Diener des Laertes in w 222. 387. 397. 409. 
411. 492. 498, der der Vater von sechs Sklaven ist, in dem Gärtner der 
Penelope ö 735 und in dem dreimal [q 212, a 322, / 159) erwähnten Vater 
des Melantheus und der Melantho mit J. Bekker Homer. Blätter I, HO 
drei verschiedene Personen sehen, oder mit Lehrs Arist.^ 460 nur eine — 
vras mir übrigens weit annehmbarer erscheint; der greise Dolios ist eben der 
Sklaven vater x«r' i^o^n^ und den Vertrauten der Penelope in jener jungen 
Partie der Telemachie wegen Verschiedenheit der Situationen von dem 
alten Sklavenaufseher in w trennen zu wollen, heißt doch dem Dichter 
gar zu peinlich auf die Finger sehen — für den Namen ist die Frage nicht 
von Belang. Beachtenswert ist übrigens, daß auch des Dolios Gattin 
ZixsXri im w einen der in späterer Zeit für Sklaven beliebten Heimats- 
namen, also auch einen charakteristischen Sklavennamen führt (vgl. dar- 
über Verf. Die griech. Sklavennamen S. 16), was J. Wackernagel dem jungen 
Ursprung dos w zuschreibt. 



Zur Etymologie von ifovXos 11 

zJoXcov: 

1) [Jo^lcüv "AÖEif.iävTov, Verkaufsurkunde nach dem Hermoko- 
pidenprozesse IG 1, 274^). 

2) Joltüv, Titel einer Komödie des Eubulos, in der ein Sklave 
redend eingeführt wird, Athenaeus III, lOOa. 

3) Johov MaiiÖTfig IG 2, 3158. 

4) L. Cestius Dolo A. Ktoxiog Joloiv, Bilingue aus Smyrna, 
CIL 3, 416. 

5) Dolo, cod. Just. 2, 7, 1 (213 nach Chr.). 
Jolixog: 

1) u4vo. JüXiyog MaQOi'f.ia aus Laodicea combusta in Lykao- 
nien, Scheden der TAM^). 

Aoläg: 
1) Mävia Jola6[o]g, Thasos, IG 12, 8, 611. 

AoXlvag: 

1) AvQTjlLog JoXivag, Thasos, IG 12, 8, 527. 

2) [AQ]kri Jolivov, Thasos, IG 12, 8, 499. 
Ferner auf thrakischem Boden : 
Johrjg: 

1) 2) {Jol^iijg Jo[X\iqovg, Duraont, Inscr. et monum. fig. de la 
Thrace 22, 47. 

3) Jölrig Bld^iog, ebenda. 

4) T^aXig Joh'jovg 6 '/.al ^KOTtiadrjg, Monatsber. d. Beri. Akad. 
10 (1881), 429 (- Melanges S. 357). 

5) Jölrig -^i- • • ]' ^^^ einer Inschrift aus der Gegend zwischen 
Philippopel und Adrianopel, Zeit des Septimius Severus, 
Dumont, Inscr. et mon. fig. de la Thrace 61 a^ (= Melanges 
d'archeol. et d'epigr. herausg. von HomoUe-Heuzey S. 347). 

6) Jokrig Jeida, CIG 2019 (= Melanges S. 421, nr. 89b). 

7) JöXiqg, Inschrift aus der Gegend von Sestos BCH 1880, 515. 

8) Julius Longinus Doles Biticenti f. Bessus CIL 2, 2984. 



1) Vgl. übrigens dazu Verf., Die griechischen Sklavennamen 25. 
Der Name des Sklaven ist entweder der, den er aus Kleinasien, der Heimat 
der meisten Sklaven, mitgebracht hat, also zu beurteilen wie Tißiog, 
Mävris, Mnrjg, "ATTig u. a.,*oder er trägt ihn nach der gleichnamigen Person 
des Epos. 

2) /luUxog ZfxixQOJvog Ukctrntvg (IGT, 2724c) allerdings trägt, wie der 
Name seines Vaters erweist, einen griechischen Spitznamen; vielleicht auch 
/löXixog IG 4, 853, 9, Methana, aus römischer Zeit. Über den Namen 
Joh]^. . .] IG 7, 940, Tanagra, läßt sich nichts Bestimmtes sagen. 



12 M. Lambertz 

9) L. Aemüius Dolens, wahrscheinlich natione Bessus, wie der, 
dem er die Grabinschrift setzt CIL 10, 3625. 

10) Dolens cod. lust. 3, 35, 3. 5, 34, 3 aus dem 3. Jahrh. 

11) Dolens nat. Pautaliae (in Thrakien, westl. von Philippopel), 
CIL 6, 2G1G. 

Dolanus: 
1) Dolanus Esheni f., Bessus, eq. ex cohorte IUI Thracum 
CIRhen. 1523. 

Dazu kommt der mit dem Stamme övl- zusammengesetzte 
thrakische Name zJ vXvnoQLg IJarä auf einem Grabsteine in 
Aegina, IG 4, 112^). 

Zu demselben Stamme gehören möglicherweise die Namen der 
thrakischen JoXioveg und JaXLelg, ihrer Landschaft JoXiovia oder 
z/oXwvig, der JoXoyxoi, vielleicht auch die thessalischen JökoTteg 
(dazu die epischen Heroennamen //o'Aoi/', zlokoniwv, JoXoTtiovid'iqg). 
Die Insel Jolixioii] bei Lykien , JoXixri , eine der Kykladen, 
die Stadt JoU^ri in Kommagene {Juppiter Dolirhenus) , zJolixij 
in Thessalien und z/ovlixiov im ionischen Meere haben ihren 
Namen wohl eher von dem kleinasiatischen Namenstamme be- 
kommen als von dem griechischen Adjektivum. In Bithynien 
gibt es eine Jw'kavtov y.w(.iri, in Mösien einen Ort JovXiaQeg"^). 



1) Vgl. zu den thrakischen Namen Tomaschek II, 34. 

2) Wechsel von Tennis und Media scheint in den kleinasiatischen 
Sprachen ein gewöhnlicher Lautwandel gewesen zu sein. Für den Wandel 
der Tenuis in die Media nach Nasal hat Kretschmer, Einleitung 293 if. das 
Gesetz aufgestellt. Kluge, Mitt. d. vorderasiat. Ges. 1910, 116ff. und Sund- 
wall, Klio 11 (1911) 467 ff. finden den Wechsel auch in andern Fällen. 
Neben lyk. ktidali kudara u. a. stehen Köttjs Körvaig u. a., neben l[a]koz{i) 
Aijjyaaig; die Einwohner der mit rÖQxvg in Kreta gleichnamigen Stadt in 
Arkadien heißen auf Münzen und bei Hesych auch Koqtvvcoc (Belege in 
Pauly-Wissowas Realenzykl. 1672, Bölte, Artikel röiJTvg). Der Name des 
eponymen Heros der Stadt auf Kreta erscheint auch in der Form KoQ&vg, 
das auch als Personenname (z. B. SGDI 5032. 5079) begegnet. Weitere 
Belege für diesen Lautwandel bringt Kannengießer, Klio 11 (1911) 26 ff., 
die aber zum Teil noch nicht sicher genug sind, um auf ihnen weiterbauen 
zu können. Da aber der Wandel erwiesen scheint, dürfte die Heranziehung 
der kleinasiatischen Namen TovkovQaa ig Tovkiavdog {F'i&'uViQn) Tvkiaig 
(Kreta) u. a., ebenso der Ortsnamen auf -d'vk- = -hausen' zu unserer Namen- 
gruppe kaum zu gewagt sein. Sollte die Verwandtschaft der Etrusker mit der 
prähellenischen Bevölkerung der Inseln und Küsten des ägäischen Meeres durch 
die zukünftigen Forschungen sich als Tatsache erweisen und die auffallenden 
Übereinstimmungen zwischen dem etruskisch-italischen und kleinasiatischen 
Namensystem (vgl. Hommel in Jw. Müllers Hdb. 3, 1, 63 ff.; Hirt, Die Indoger- 



Zur Efymologie von (?ov).og 13 

Der Bedeutungsübergang von dovlog ,, Haus" über „Einwohner 
des Hauses" zu ,, Sklave" muß schon in den kleinasiatischen Sprachen 
vor sich gegangen sein, da wir im Griechichen keine Spur der 
Bedeutung „Haus" vorfinden. Er hat nichts Aufialliges an sich 
und seine Parallelen in Stiäe, Kamerad^ Bursche, rumän. femee, 
Frau, alban. femije, Kind, beide aus lat. familia u. a. i). 
Welche Bedeutung den kleinasiatischen Personennamen zugrunde 
liegt, läßt sich nicht entscheiden; jedenfalls bestanden die Be- 
deutungen dovlog ,,Haus" und dnvXog „Sklave" gleichzeitig 
nebeneinander, denn Hipponax kennt die ältere, gebraucht aber 
auch „duiXiog x6QTog^=: Sklavennahrung" und STtzddovXog, offenbar 
ein Schimpfwort. Daß der Grieche der späteren Zeit aus den 
mit JovX- gebildeten kleinasiatischen Namen vielfach die ihm 
allein geläufige Bedeutung des Stammes heraushörte, kann mau 
aus Fällen wie ^Eleid^EQog JovXr/ov unserer Zusammenstellung 
entnehmen. Daß die Bezeichnung der dienenden Stellung als 
Eigenname geführt wird, ist nicht selten ^). Ein Arbeiter beim 



manen 566 ff. ; Kannengießer, Klioll,26 ff.)sicli als nicht zufällig herausstellen, 
so könnte dann auch der etr. Personenname tule mit seinen italischen Weiterbil- 
dungen Tullius, TuUenus, TuUonius, TuUienus zu unserer kleinasiatischen'Gruppe 
gestellt werden. Ebenso könnte das in den etruskischen Grabinschriften so häu- 
fige Appellati vum tular, — als dessen Bedeutung schon Fabretti(CIItal. Glossar. 
1861) culumbarium vermutete, während 0. Müller-Deecke (Die Etrusker I 507. 
II 511) den Begriff der Grabsäule darin finden und es mit cippus wieder- 
geben und Corssen (Über die Sprache der Etrusker I 464 ff.) es mit griech. 
d^öXog zusammenstellt und in ausführlicher Begründung die Bedeutung 
„Grabmal" zu erweisen sucht (Rosenberg, Glotta 4, 71 ff. enthält sich einer 
Deutung des auch in den Agramer Mumienbinden häufigen Wortes tul), 
— wie das griech. &6i.oi mit kleinasiatisch Sovkog ,,Hau8" verwandt sein 
und das ,,Haus des Toten, sein Grabgewölbe, seine ein Haus darstellende 
Aschenkiste", schließlich ,, Grabmal" im allgemeinen bezeichnen. Man 
könnte noch weiter gehen und in dem uralten (vgl. 0. Richter, Topographie 
von Rom ^80) Brunnenhause TuLlianum des carcer Mamertinus in Rom ein 
etruskisches ,, Gebäude" tular sehen, dessen etruskische Bezeichnung, als 
man sie nicht mehr verstand, mit volksetymologischer Anlehnung an einen 
König TuUus durch Ersatz des etruskischen Suffixes durch ein halbwegs 
ähnlich klingendes lateinisches romanisiert wurde. Doch bleiben diese 
Parallelen, da die Prämissen vorläufig noch unsicher sind, problematisch. 

1) Vgl. Kluge, Etym. Wb. d. deutschen Spr.^ 64. 191. 386, ferner 
K. F. Johansson IP 3 (1894) 225 ff. und die dort zitierte Literatur; Leger- 
lotz, Etym. Studien, Progr. Salzwedel 1882; Brugmann, Grdr. 2^ 1 § 511 
lind IF 19 (1906) 378 Anm.; Schrader, Reallexikon 819. 

2) Vgl. Verf., Die griech. Sklavennamen 46 f.; Copalle, De servorum 
Graecorum nominibus capita duo, Marburg 1908, 54. 



14 M. Lambertz 

Erechtheionsbaue heißt ^ivöqiov (s. u., IG 1, 324), l-q/Jg, ^rjxultj, 
naidioy.ri begegnen als Namen Unfreier, BolliÜ^a (s. u.) heißt eine 
Sklavin in Delphi (Sammlung 1914, 156 — 151 v. Chr.). Aus latei- 
nischen Inschriften ist uns ein C. Mefanatius C. l. Diaconus (CIL 
5, 4651 Brixia) ein M. Valerius Diaconus (6, 4665) und eine 
Julia C. l. Diaconus (6, 20425) bekannt. Ferner kennen wir eine 
Sulpic[ia lib.J Dmois (5, 7169) und eine Cluturßa] Yperelhusa 
(6, 15862). Schließlich sind noch Cn. Calpurnius C. l. Oecogcnes 
(6, 14177), C. Julius Oecogenes (6, 20161), M. Cosinius Oecogenes 
(9, 1805 Benevent), Äug. Oecius lib. (10, 106 Croto), C. Vibius 
C. l. Oecides (14, 2556 ager. Tusc), und Gessia P. l. Oecusa (6, 
19043) zu nennen, sowie die ganz alltäglichen Personennamen 
Threptus und Trophimus^). 

Daß die Griechen die Bezeichnung dov'Kog für den Sklaven 
aus der Sprache des Landes entlehnt haben, aus dem sie das 
ganze Altertum hindurch fast alle ihre Sklaven bezogen, ist leicht 
begreiflich. Zudem stammen ihrem Äußeren nach wahrscheinlich 
auch die verschollenen Benennungen für den Sklaven oivöqcov (das 
Sklavenkind), vi/.vQiag, ßo?Jurj, vielleicht auch i-ivwg aus den 
kleinasiatischen Sprachen'-*). Übrigens scheinen auch die Römer 
nur in anculus und famulus altindogermanische Bezeichnungen für 
den df.i(pirtolog oder den ,, Hausgenossen" besessen zu haben, 
während servus, das aus dem indogermanischen Sprachschatze zu 
etymologisieren nicht recht gelingen will 3), an die etruskische 
Eigenuamensippe servi-, serve-, Servenius, Servena, Servole)ii, Ser- 
vius, Servilius, Serva, Servaeus, u. a. (W. Schulze, Zur Gesch. lat 
Eigenn. 231 u. 371), verna an das in etruskischen Inschriften 
vorkommende Kognomen Verna^), sowie an die zahlreichen vom 
etruskischen Namensstamme veru und vere hergeleiteten Eigen- 
namen erinnert"). 



1) Vielleicht hierher auch A. Sergius A. l. Acolutus CIL 10, 6493. 

2) Dazu die Athenaeusstelle 6, p. 267 D. 

3) Vgl. Walde, Etym. Wb.; Brugmann IF 19 (1906) 382f. 

4)' Worauf mich Emil Vetter aufmerksam macht. Vgl. CIEtr. 2165 
(Clusium) [l]ar»i . verna, ferner CIL 6, 28594; Ar. Vertia Ar. f. ;uf einem 
Säulchen aus Cäre im Museum in Paris, abgeschrieben von HoffiÜer, ver- 
bessert von E. Bormann; 6, 28 595 nomine Bernac[Ia]. 

5) Ähnlich entlehnt noch das Mittellatein die Bezeichnung für den 
Lehnsmann aus dem Keltischen, ital. vasallo von mlat. vassus zu ir. fuss, 
kymr. (juas der Diener, Sklave, vgl. Schrader Keallexikon 811 und Meyer- 
Lübke, Gramm, d. roraan. Sprachen I, 45. Über die Bezeichnungen des 
Sklaven als Angehörigen einer bestimmten unterworfenen Nation, die die 



Zur Etymologie von <JouXos 15 

Das Wort ist in der Form dod}Mg durch die ionischen Griechen 
Kleinasiens entlehnt. Durch die iunisch-attische Koine*) gelangt 
es im zweiten Jahrhundert vor Christus auch nach Boeotien und 
Phokis, die es vorher nicht besessen hatten^). Neben doulog be- 



Sklaven liefert, nämlich mhd. slave, nhd. sklave, engl, slave, franz. esclave, 
ital. schiavo = Slave, ags. wealh = Kelte, dann Sklave, ai. däsds = Nicht- 
arier, Burbar, Knecht im Gegensatz zum äri/a vgl. Brugmann IF 19, 379 und 
Schrader, Eeallexikon 806. — ZxotSog, das nach Hesych («(>//; rt? naqu 
Mnxeööat, TSTayf^svrj ^nl tüjv (^ixaaTrjQiioi', i] M'^ig y.thai, iv tkis ^niaTohdg 
lAXf^((i'd\)ov), Photius (ra^Cag Tig y.ai äioiy.frrjg, Mc(xtd'ovixbv öi Tovvo^a) und 
Herodian (1, 142, 6 atariutiunai, t6 axoTöog naga. Muxidöaiv o oixovofxog) 
ein makedonisches Amt, und zwar nach Hoffmanns Deutung (Die Make- 
donen 84) den Führer der Bagage und des Proviants im Heere bezeichnet, 
erscheint in einer Inschrift aus Naxos aus dem 1. — 2. Jahrhundert nach 
Chr. (IG 12, 5, 92) iu der Feminiuform axoiStu. Diese kann dort kein 
öffentliches Amt, sondern muß das Amt der Hausverwalterin, also einen 
Sklavinnenposteu bezeichnen. Die Inschrift lautet: oxouUu KkXXittöIh' 
ZwaäviSoa (d. h. KaXXtnöXti tij xcd Ziüoävöou, die Verwalterin führt einen 
Doppelnamen) fvaeßd xcd ffiXävöo«) M. 'lovXiog Zovxxtaaog (Libertenname, er 
ist der Gatte der axoi^ia] irj td\\c ivtQyiTidt. Wir haben also hier eine 
makedonische Bezeichnung für eine Person des dienenden Standes. 

1) So wird das Vorkommen in Boeotien richtig erklärt von M. Butten- 
wieser IF 28 (1911) 60. 

2) Es ist beachtenswert, daß gerade vier verhältnismäßig sehr alte 
Freilassungsurkunden aus Orchomenos (IG 7, 3198—3201) das echtboeotische 
Äquivalent fvxärctg für SuvXog erhalten haben (vgl. Buttenwieser a. a. 0.). 
Sie stammen aus dem 3. und dem Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr. In 
allen übrigen boeotischen wie phokischen Freilassungen (zumeist 2. und 
1. Jahrh. v. Chr.) finden sich SovXog und SovXr], in Boeotien 46 mal. Das 
Wort erscheint in dieser von den loniern übernommenen Form auch in 
sonst durchaus dialektischen Inschriften, z. B. IG 7, 3349 Gioöwqoj cIq/iü, 
f^sivog QiovCu} usw. dviiß^tirt top flöiov öovXov . . . dia rag ßwXäg , oder IG 
7, 3365 TW? FiäCtüg SovXwg, ebenso 3314, oder 3329 uvrKhtiTv tccv fiäircv SovXkv 
und in vielen anderen Inschriften. Neben SovXog findet sich das Verbum 
xataSovXiCta&at, oder xKTuSovXiTTaa&rj, auch schon in den erwähnten orcho- 
menischen Freilassungen, die noch fvxhng verwenden. Buttenwieser leitet 
den Gebrauch dieses Verburas sehr einleuchtend aus dem Formular der 
Freilassungsurkunden von Delphi ab, als der Stätte, wo die Art der 
Freilassung durch Verkauf an den Gott zuerst aufkam. — Betreffs des 
Vorkommens von äovXog ist viel bemerkt worden, daß sich wohl das 
Femininum (T 409, 3 12) in den homerischen Epen findet, überdies die 
Wendung <SovXiov ^/naQ (Z 463, I 340, q 323), ferner SoCdeiov [w 252) und 
öovXoavvTj [x 423), nie aber das Maskulinum. Daß die epische Sprache das 
Maskulinum nicht gekannt hätte, kann daraus aber keineswegs geschlossen 
werden, vielmehr hat das Fehlen von öovXog seinen Grund in der eigen- 
artigen Stellung des männlichen Sklaven in der homerischen Welt. Diese 



16 M. Lambertz 



unterscheidet sich nicht nur bedeutend von der des griechischen Sklaven 
in der historischen Zeit, sondern auch von der der homerischen Sklavin. Der 
homerische Sklave steht durchwegs als Besteller des Feldes, als Gärtner 
oder als Hirte neben seinem Herrn oder dessen Söhnen, seine Stellung ist 
der des hörigen Bauern unseres Mittelalters oder der unseres Bauern- 
knechtes viel ähnlicher als der des griechischen Sklaven in historischer 
Zeit (s. darüber E. Meyer in seiner Rede ,,Die Sklaverei im Alterturae" und 
Verf., Die griech. Sklavennamen S. 15 '^•'*), während sich zwischen der Stellung 
der Sklavin im Epos und der in historischer Zeit kein besonderer Unter- 
schied erkennen läßt. Wir können daher aus dem Fehlen von öovXog bei 
Homer vielleicht einen Schluß auf die ursprüngliche Bedeutungsverschieden- 
heit zwischen J^w?, das sich nach Gehrings Index Homericus 34 mal als 
Bezeichnung der männlichen Diener findet, und J"ofAo? ziehen: öjucög verhielt 
sich im homerischen Sprachgefühle zu i^oCdoi wie im Deutschen etwa Knecht 
zu Sklave. — Hesiod gebraucht den Stamm JouA- überhaupt nicht. Das 
hat wohl hauptsächlich seinen Grund darin, daß Hesiod als didaktischer 
Dichter sich zunächst an seine boeotischen Landsleute wendet und daher, 
wenn auch seine Sprache im allgemeinen die des ionischen Epos ist, doch 
manche Boeotismen annimmt (vgl. Kühner-Blaß I^ 28 f.), und in diesem 
Falle einen Ausdruck vermied, der seinen Landsleuten in jener Zeit noch 
unbekannt war. — Durch die ionische Lyrik und die attische Tragödie wird 
der Ausdruck in der griechischen Literatur ganz eingebürgert. — Die ältesten 
uns bekannten Fälle des Vorkommens in Inschriften sind, abgesehen von 
dem Recht von Gortyn, ionische, der älteste Dittenb. Syll. 2 laöcirag öovXog 
aus der Zeit des Dareios, Inschrift aus Tralles. Zwei Fälle liefert Attika 
aus dem vierten Jahrhundert (IG 2, 841 u. Dittenb. Syll. 163 äovkfvcj). Der 
{/lO^^lONAzIEIMANTO aus der Verkaufsurkunde des Hermokopidenprozesses 
läßt sich (s. 0.) zweifach deuten. Aus dem vierten Jahrhundert stammt 
auch IG 12, 8, 265, 6 tov öt Sovkov /jnaTiyüaavTcc illiojiov ilrui aus Thasos, 
aus dem dritten Jahrhundert stammt IG 12, 7, 386, 18, der Beschluß aus 
Aigiale auf Amorgos nach einem Piratenüberfall, der öoiik« aüfiara und 
iSohXoL erwähnt. Diesen Inschriften steht die Erwähnung von Sovlol ts xkI 
^oCkai in Magnesia a. M. (Dittenb. Syll. * 552) am nächsten, dann erst 
folgen nichtionische Inschriften mit öovkog, zunächst <lie boeotischen und 
phokischen P'reilassungsurkunden aus dem zweiten und ersten Jahrhundert, 
dann vom Ende des zweiten Jahrhunderts eine Inschrift aus Astypalaia 
(IG 12, 3, 171, 18 [iX]tvd^eQK ts x«t cToi/A«), erst in römischer Zeit begegnet 
(SovXog allgemeiner in nichtionischen Gegenden, so in Mytilene IG 12, 2, 
78 Cj, in Thera {(^ovkovg tnl Tfjg ywQag auf einem Ackerverzeichnis) IG 12, 
3, 343, 16, in Melos einmal IG 12, 3, 1232, 8. 13 [xal ((utXtvfhtQovg xal 
öovlovg), in Rhodos IG 12, 1, 1; 81, in Megara (Samml. 3106), in Argolis 
(3293), achtmal in der Mysterien-Inschrift von Andania vom Jahre 91 v. Chr. 
(Dittenb. Syll. 653), in Thessalien auch in römischer Zeit nur ein einziges 
Mal (IG 9, 2, 1282, 17) in Pythium auf Freilassungsurkunden aus der Zeit 
-des Augustus [[tr]v e^uvröjv öovXriv d(friy.«v fXsvH^tfiav, es dürfte auf demselben 
Stein noch dreimal gestanden haben, ist aber an den drei Stellen nicht er- 
halten). Dagegen findet sich in Thessalien 14 mal otxtTrjg als Ersatz für 



Zur Etymologie von d'ovlos 17 

steht J0^02 im Recht von Gortyn*), in den beiden Hesych- 
glossen^) und bei den Dichtern Thcokrit und Kallimachos3). Da 
aber bei dem künstlichen Dorismus dieser beiden gelehrten Dia- 
lektpoeten^) dioXog von ihnen keineswegs einem lebenden Dialekte 
entnommen zu sein braucht, sondern eine gemachte hyperdorische 
Bildung nach Analogie der lebendig dorischen Formen ßwXa (.lo)- 
aatüv d^i'kiöoa xwg däf-uo^) sein kann, die Quelle der beiden He- 
sychglossen aber nicht bekannt ist — sie können ebenso gut aus 
einem gelehrten Dialekttexte oder aus dem kretischen Dialekte 
stammen, wie aus einem anderen lebenden dorischen Dialekte — , 
so bleibt uns nur das J0^02 des Rechts von Gortyn als sicherer 
Beleg für das Vorkommen eines offenen o-Lautes in einem dori- 
schen Dialekte, als allgemein dorisch kann also dwlog keinesfalls 
angesprochen werden. Haben wir es nun in dovXog mit einem 
entlehnten Worte zu tun, so ist es durchaus möglich, daß die 
lautliche Verschiedenheit zwischen dem von den loniern entlehnten, 
fast allgemeinen dovlog und dem gortynischen öwlog auf dialek- 
tische Unterschiede in den kleinasiatischen Sprachen zurückgeht, 
daß dort bei dem erwieseneu Nebeneinandervorkommen derselben 
Stämme mit dem Vokalismus ov, w, o, v neben dovlog in einem 
andern Dialekte ein dcolog bestanden hat, was durch unsere Per- 
sonen- und Ortsnamen sehr wahrscheinlich gemacht wird, und 
daß die Gortynier die Form mit offenem Vokalismus von ungriechi- 
schen Stämmen, sei es Kretas, sei es Kleinasiens, mit denen sie 
in Berührung kamen, angenommen haben, während sich im übrigen 
Griechenland die Form durchsetzte, wie sie von den loniern ent- 

öovkos, das auch in Thera schon im dritten Jahrhundert (IG 12, 3, 336, 10) 
in einer Freilassungsurkunde begegnet, viermal, wie schon erwähnt, in der 
Form fvxtTag in Boeotien, und schon früher {foixtvg) neben Jw/lo? im Kecht 
von Gortyn. (SoiJlog ist also im 5., 4., 3. und der ersten Hälfte des 2. Jahr- 
hunderts nur in ionischen Gegenden heimisch (vom Kecht von Gortyn ab- 
gesehen), in den nichtionischen wird es durch oixe'rrjg ersetzt, das allerdings 
auch in ionischen Gegenden vorkommt; erst durch die Keine findet die 
weitere Verbreitung des Wortes doiJkog statt. 

1) Vgl. Johannes u. Theodor Baunack, Die Inschrift von Gortyn, 154. 
Der Stamm begegnet 22 mal in der Inschrift. z/O^iO-^ aus Gytheion, Samm- 
lung 3, 2, 4564 ist zu unsicher in der Lesung. 

2) SwXoöofAug und öwX^vvtTog a. o. 

3) Theokrit 2, 94; 5, 5. Kallim. 5, 47; 6, 96. Vgl. Ahrens Dial. II 
163; Meister I 231. 

4) Vgl. Wilamowitz, Textgesch. d. griech. Bukoliker, S. 18 ff., Thumb, 
JIdbch. d. gr. Dial. 162 ff. 

5) Thumb, Hdbch. d. gr. Dial. 222. 

Glotta VI, 1. 2 



13 Stanislaw Witkowski 

lehnt und gebraucht wurde, die ja infolge ihrer Handelstüchtigkeit 
die Beherrscher des griechischen Marktes, auch des Sklaven- 
marktes i), waren 2). 

Wien M, Lambertz 



Beiträge zur griechischen Syntax 

1. Der „Präskriptiv" 

Delbrück (Grundr. 4, 370. 386) nimmt für die Ursprache als 
einen besonderen Typus des Optativs den „Präskriptivus" an 3). 
Brugmann (Gr. Gr. ^ S. 504 Fußu., S. 506 Fußn. und Kurze vgl. 
Grammatik S. 585) stimmt dieser Ansicht insofern bei, als er ein- 
räumt, daß dieser Opt. als indoeur. Abart des wünschenden (oder des 
Potentialen) Opt. angesehen werden kann*). Meines Erachtens 
hat man keinen Grund, für die Ursprache neben dem Optativus 
und dem Potentialis einen besonderen ,,Fräskriptivus" anzusetzen. 
Im Griechischen ist der „präskriptive" Optativ nicht gemein- 

1) Chios ist der älteste und bedeutendste griechische Sklavenmarkt 
(Athenaeus 6, 265b, Thukyd. 8, 40). Es hat schon im 6. Jahrhundert v. Chr. 
verhältnismäßig überaus viel Sklaven (Plin. n. h. 12, 72; 15, 69 u. a.). Es 
folgen an Bedeutung Athen und Delos (Strabo 14, 668, 2). 

2) Ob es Zufall ist, daß gerade ein dorischer Dialekt die Form JwAo? 
entlehnt hat, während die ionischen die Form mit dem geschlossenen o-Laut 
übernommen haben, oder ob überhaupt die Verdumpfung des -o-Lauts ira 
Ionischen in gewissen Fällen (Ersatzdehnung und Kontraktion) auf eine 
Eigentümlichkeit der Artikulation des vorionischen ethnischen Substrates 
zurückgeht, muß bei dem jetzigen Stande unserer Kenntnis von den klein- 
asiatischen Sprachen unentschieden bleiben. 

3) Auch Thumb bei Brugmann-Thumb, Gr. Gr.* (München 1913) S. 579 
stimmt ihm darin zu: ,,daß er (sc. der präskriptive Opt.) uridg. ist, ergibt 
sich aus dem Ai., wo er in Eitualvorschriften üblich ist". 

4) S. 504 Fußn.: ,, Delbrück .... setzt neben dem wünschenden Op- 
tativ einen ,,präskriptiven" Opt. für das Uridg. an .... Daß diese Be- 
deutungsschattierung uridg. war, ist klar, und insofern ist die Aufstellung 
einer besonderen uridg. Kategorie nicht ungerechtfertigt. Für das Grie- 
chische meine ich aber von einem präskriptiven Opt. neben dem wünschen- 
den absehen zu sollen, weil eine Scheidung der beiden Kategorien in dieser 
Sprache durchaus nicht möglich ist ..." — S. 506 Fußn. : ,,Wäre der in 
Kede stehende el(ische) Optativ die Fortsetzung eines uridg. Opt. mit prä- 
skriptivem, also voluntativem Sinne, so wäre nicht zu verstehen, wie er 
sich mit x« hätte verbinden können Einen uridg. präskriptiven Op- 
tativ als Abart des wünschenden mag man dabei immerhin anerkennen . . . ." 



Beiträge zur griechischen Syntax 19 

griechisch, sandern dialektisch; auch in den Dialekten ist er nur 
schwach vertreten (elisch, kyprisch). Dem Attischen ist er fremd. 
Das dürfte beweisen, daß er im Griechischen spät aufgekommen 
ist. Die Tatsache, daß er auch im Altindischen vorkommt, besagt 
wenig: er wird hier ebenfalls ein jüngeres Produkt sein. Der 
Wunsch geht leicht in den Befehl über; aber auch der Potentialis 
ist vom Imperativ nur durch eine dünne Wand getrennt. Dieselbe 
Entwicklung, die in deutschen Ausdrücken : ,, er kann eintreten", ,,er 
mag eintreten" zu tage tritt, läßt sich aus dem Polnischen {„mozesz 
odejsö", du kannst weggehen — „odejdz'^, gehe weg) und wohl 
aus jeder Sprache reichlich belegen. Man braucht nur an die Ver- 
mischung des Optativs mit dem Imperativ im Slavischen zu er- 
innern, die sogar den Verlust des Imperativs nach sich zog. Die 
Beispiele, wie aksl. ne ubijaji "^töte nicht', die Brugmann (K. vgl. 
Gr. § 761) als Belege des ,,Präskriptivs" anführt, können nicht den 
griechischen a 141 iw (.inj xlg ttote rcaurcav dvijQ ad^Sf-iiOTLog 
sYt], «Ar o ys acyfj öwqa &ewv i-xot an die Seite gestellt werden, 
weil die griechischen Formen daneben gleichzeitig Optative, die 
altkirchenslavischen dagegen lediglich die imperative (prohibitive) 
Bedeutung hatten. Die homerischen Beispiele, wie das oben an- 
geführte oder ^ 149 y^^Qv^ xig ol fWotro, lassen sich auf den 
echten Optativ zurückführen, wie dies auch Thumb (a. a. 0.) tut, 
der mit Recht für das Griechische keinen besonderen Typus des 
Präski'iptivs ansetzt, sondern die betreffenden Beispiele als Nuancen 
der beiden Hauptarten des Opt. ansieht. Bei den Beispielen wie 
yirJQv^ Tig oi euoiro wäre m. E. auch der Potentialis nicht ausge- 
schlossen. Bei den elischen Beispielen avv[.iaxia yl l'a exarov J^erea 
'Bundesgenossenschaft mag (= soll) sein auf 100 Jahre* oder al 
di (xa avvaav, raXaviov % dqyvQCo dnotivoiav würde es wohl am 
nächsten liegen, an eine Abart des Potentialis zu denken, wie dies 
schon durch das xa angedeutet wird. Aber vielleicht mit größerem 
Recht führen Delbrück (a. a. 0.) und Thumb bei Brugmann- 
Thumb* S. 581 diese Beispiele auf den echten Optativ zurück. 
Man könnte dann das xa etwa folgendermaßen erklären. Nach- 
dem der ursprüngliche Optativ die imperative Bedeutung ange- 
nommen hatte, hat man angefangen, diese Formen mit den Po- 
tentialen mit äv (xa) auf eine Linie zu stellen, die ebenfalls einen 
Befehl ausdrückten, wie Soph. Phil. 674 xioQÖlg av eYöü). Eine 
Übertragung des av (xa) vom Potentialis auf den Optativ war dann 
ganz natürlich. — Die kyprischen Beispiele j^ dvßdvoi vv und rj 
diüy.ot vv ('er soll geben) (Bronze v. Edalion, Mitte d. 5. Jhd.?) 

2* 



20 Stanislaw Witkowski 

können den elischen mit v.a. nicht ohne weiteres an die Seite ge- 
stellt werden; beim Potent, hat das Kyprische X6; vv ist hier also 
keineswegs ein Vertreter des xe. 

2. Der Genetiv „des ergriffenen Glieds" 

Brugmann (Gr. Gr. ^ und K. vgl. Gr. § 558, ähnlich Gdr. ^ 
§ 505) hält den Gen. in den Wendungen wie: xov öe /teoovra 
noöwv elaßs J 463; \äßE yovvwv; örjoev Ttodog W 854 für eine 
Abart des Gen. loci. Dieser Auffassung folgen auch: Thumb bei 
Brugmann-Thumb 4 S. 446, Hirt, Gr. Gr. 2 (1912) § 299. Es 
handelt sich um Ausdrücke, welche bezeichnen, an welchem Körper- 
teil man die Handlung vornimmt. Gegen diese Auffassung spricht 
der Umstand, daß diese Ausdrücke den gewöhnlichen Charakter 
des Gen. loci nicht aufweisen. Bei dem letzteren fällt die Hand- 
lung lediglich in den Bereich, in die Sphäre einer Lokalität. In 
den in Rede stehenden Ausdrücken dagegen ist das ergriffene 
Körperglied genau bezeichnet. Meines Erachtens darf man nicht 
die Ausdrücke wie laße yovviov oder jtodiov elaßs von Ausdrücken 
trennen wie öovQog eXwv, Xdße TtizQrjg, diese aber sieht Brugmann 
selber nicht als Gen. loci an, sondern erklärt sie mit Recht aus der 
partitiven Natur der Handlung. Derselbe Brugmann, der laße 
yovvwv zu den Gen. loci rechnet, hält aTtiof-iat yovviov für parti- 
tiven Gen. Alle diese Genetive halte ich für partitiv. 

3. Gen. bei den Verba des Herrschens 

Bei den Verba: aQyoj, avdaaio, ßaoilevco, y.Qaitio, rjyeojLiai hat 
man nach Brugmann adverbalen Genetiv anzunehmen (Gdr. ^ 
§ 509, 6; ähnlich Hirt, Gr. Gr. ^ § 299). Nach meiner Auffassung 
ist der Gen. nach diesen Verba nur scheinbar ad verbal: ich sehe 
keine innere Beziehung zwischen dem Gen. und dem Verbum ; der 
Gen. ist nach diesen Verba weder partitiv noch Gen. des Sach- 
betreffs. Er hängt vielmehr von dem im Verbum steckenden Sub- 
stantiv ab, also ßaGilevio ud^anov = ßaoilevg el/ui ^^yauov. (Man 
beachte, daß die Verba vorwiegend Denominativa sind.) 

Die Tatsache, daß einzelne dieser Verba, wie y-gaTsco, auch 
den Acc. annehmen können, spricht nicht gegen diese Auffassung. 
Die Konstruktion mit dem Acc. (z. B. Thuc. Tovg ^vnixäxnvg fxdy;rj 
eyigarrioe) entwickelte sich erst, nachdem die ursprüngliche Bedeu- 
tung = ,, herrschen über" in eine neue (,, bewältigen", „überwäl- 
tigen") übergegangen war. Bei Homer kommt /.gareio mit dem 
Acc. noch nicht vor. 



Beiträge zur griechischen Syntax 21 

4. Q-en. bei der Negation ov 
Es handelt sich um Beispiele wie: vscpog oc cpaivExo naorig 
yairjg ovo oqhov P 372; oi'y, kan yvvij xaz Axai'iöa yaiav, ovze 
üvkov leQTig o(t ^'AqyEog cp 108. Delbrück glaubte (§ 175), 
daß aus solchen negierten Sätzen der Gen. loci entstanden ist. 
Wir brauchen jedoch nicht zur Negation unsere Zuflucht zu nehmen, 
um jenen Gen. zu erklären; m. E. erklärt er sich in befriedigender 
Weise aus der allgemeinen partitiven Bedeutung des Gen. Wenn 
Brugmann (Gdr. 2 § 518) und Andere glauben, daß sich in solchen 
Sätzen eine engere Beziehung des Gen. zu ov, wie sonst zu ovda- 
fiov (oiöaiiiov yrjg), entwickelt hat, so kann ich ihnen darin nicht 
folgen. Diese Sätze, vielleicht nur etwas anders formuliert, konnten 
von Anfang an den Gen. haben, auch wenn sie positiv waren, 
etwa: eoTt yvv^ IIvXoc leQrjg (vgl. eQXSGd^ai /cedioio). 

5. ijii bei den Ausdrücken der Aufsicht 
Den echten Dativ vermutet Brugmann (Gr. Gr. ^ S. 441; 
Gdr. 2 § 656, 3 wird auf Gr. Gr. ^ verwiesen; ähnlich Brugmann- 
Thumb* S. 505 und Günther IF. 20, 111) bei den Verba, die 
die Aufsicht über etwas bezeichnen, wie v 209 og (x ertl ßovoiv 
eiae, Xen. Cyr. 1, 2, 5 etiI xölg rtaialv e/. tiüv yegaLrsQcov ljQr]/.iavoL 
doiv, Dem. 19, 113 stvI t(ü S-siüqi'/m c'ov „Vorsteher der Theoriken- 
kasse". Bedenkt man aber, daß die slavischen Sprachen in diesen 
Ausdrücken den Instrumentalis haben (z. ß. poln. ,,postawil mie 
nad wolami"), so wird man zugeben müssen, daß wenigstens ein 
Teil dieser Ausdrücke auf den Instrumentalis zurückgehen kann. 
Auszugehen wäre dabei von Ausdrücken wie: TtifxriBLv avxov irrl 
joaovTOj aTQaiev/naTt Thuc. 6, 29, die sich solchen Sätzen wie 
T^v — o ye — %7T7ioLOL 'Aal agi-iaai Tie/urrs vieo&ai (d 8) gleich- 
stellen lassen, wo wir einen komitativen Instrumentalis haben. Vgl. 
weiter: Ci^relv tov argaTiqybv xov £7tl rrj dvvafiei reTayf-iivov Aeschin. 
2, 73. 

Ein Teil der betreffenden Beispiele kann natürlich auf den 
echten Dativ, noch ein anderer auf den Lokativ zurückgehen. 

6. (A,£zä von der Veränderung 
Einen Versuch, die Bedeutung der Veränderung bei den Com- 
posita wie ixeTa-zl^ri/.a, {.lExa-ßcclXo) usw. zu erklären, findet 
man bei Brugmann Gr. Gr.^ S. 445 (Brugmann-Thumb * S. 509). 
Brugmann geht dabei im Grunde von der späteren Bedeutung der 
Präposition („nach") aus. Es wäre aber zu erwägen, ob man nicht 



22 Stanislaw Witkowslci 

auf die ursprüngliche Bedeutung der Präp. zurückgehen soll. Geht 
man nämlich von der ursprünglichen Bedeutung der Präposition 
(„inmitten, zwischen, unter") aus, so läßt sich in den Composita 
wie (.ieTa-ri&ri{.u, /.leva - ßdXXw ,,ich lege, werfe etwas in die 
Mitte von etwas, zwischen etwas, unter etwas" die Entstehung 
der Bedeutung der Veränderung ebenfalls gut, ja vielleicht besser 
erklären. 

7. Die homerische Sprache und die Parataxe 

Brugmann bemerkt mit Recht (Gr. Gr. ^ S. 555, Brugmann- 
Thumb '^ S. 640): ,, Hätten wir aus späterer Zeit, sagen wir bei- 
spielsweise aus dem o. Jahrb. v. Chr., ein Werk, das uns die volks- 
tümliche Satzbildung etwa in dem Maße unverfälscht vor Augen 
stellte wie die homerischen Gedichte, so würde vermutlich die ho- 
merische Sprache in der in Rede stehenden Beziehung [nämlich, 
daß die Volksmundart die parataktische Ausdrucksweise in viel 
weiterem Umfang übt als die Schriftsprache] kaum erheblich alter- 
tümlicher erscheinen*'. 

Nun lassen sich aus den ägyptischen Papyri Proben solcher 
volkstümlichen Redeweise anführen. Zu diesen gehören Traum- 
beschreibungen des bekannten Ptolemaios, Glaukias' Sohn, der fast 
ungebildet ist und sehr unorthographisch schreibt. Ich führe hier 
diese Beschreibungen (Par. 50 und 51) an, indem ich den Letronne- 
schen Text (Notices et extraits de manuscrits de la Bibl. imperiale 
T. XVIII. 2. Paris 1865) an zahlreichen Stellen auf Grund der 
Facsimilia korrigiere. Ptolemaios lebt im 2. Jhd. v. Chr. 

Par. 50 . . (etovg) xß' (faguovd-i i . z6 tcqwzov h'vjcviov, o 
Eiöev NexO^ovßr^g tiqeI (= Ttegl) tuiv diöv/.uäv y.al iixavTOv. ' '^ttoA- 
ItLViov eiöov. 7CQ0O7i0QEVETai fxni- XiyEL (pap. "keyt)' „Xalge, 
Noyf.&€f.ißrjg, /MltZg. zb cd^v[Qi] q^a cpeQEOi ev QeyB". — Haüvi ev 
tiö BovßdaTOj Xf^iEwl ev tÖj or/.to toj "yifxixwvog tceX a!}a xf^oov 
%avi. — To TQiTOv eidov niolEf-ialov e'xovra fudxaigav iv zij xbqbl 
(= XBqi), 7iOQEVf.iEvnv (sie) öid zijg QVfJ.rig. y.QOVE[i] S^VQav /.al 
dvuyETE (sie). ecpaiQElg xiQ(xc ßovko/xEvog Ttaicc^ai artov. leyuf' 
„l-irjd^aixidg EQyijg 7] aTzolearig oov xov /calda. yu'Qiog ovv. a7ioX- 
XvEL Tov avTOv Tzalöa^'. yvvtj -Kad^rn-iivn^ htl ifiidd^ov, rcaidiov 
sxovoa iTtl TTJg iluä&ov ymI aXXiqv xazeravTL avvijg In a.X'k'^v 
ipiad-ov. Xeyio aiiij, ovi ,,^ xpiad^ög oov cpvol {(pvEi?) Xax<xvcov 
y.al yiQCLfxßrig, A,ad^rif.dvr]v Kai or xtvot'aa"/ — (paQf.iovdi xd' to 
ivvTcviop, EiÖEv NEATOj-ißrig ueqi zrig '/.axox^g Ttuv öidv^töv '/.al 
h^avxov , OTL dxvxö), y-ctl Tijg olxiag. oXezo avd-Qwrtov Xeyiv (sie) 



Beiträge zur griechischen Syntax 23 

fJOL' „cpege t6 deQf.ia toü rtodog oov '/.al hyio dojoo) ool to deg/xa 
Tov jToöog f.ior". Xiyo)' „ov 3-elto". Tb devxsQov w/xtjv oImuv 
yMd-aiQeod-ac, y.aX'kvvovTog avTtjv, Tb tqlxov io(.iiqv ycsgiorsgid i)* 
7/ ö' £7f.7cicfevyEV £x T^g X^po's f.iov y.ai 'A.OLTaxqiy(a ctvx^v Xsycov 
„ov (xri acpco avxtjV q)vyiv (sie)". yMTaXai.ißdvoj amr^v Aal sfxßäXXo) 
avxijV Eig ttj (sie) agsiazegav (sie) /T^av (sie) xat avvelxov avxrjv 
xal ßdeiv (sie; = uaieiv?)^ /ntj rtoxe cpvyVj. Tö T€TaQTo(v) ajf.irjv 
dvcü yvialvieg /.aS^rj/^isvag fiexa avÖQog, TtQOOrtai'Covoi (statt -ag) 
avx\io\ /Ml Ofiviiovrag (sie) ovicog' ,,Tt]i' Eiaiv zrjv dyiav^'. 

Par. 51. TlToXeli-ialog ] {ezovg) x/i' xvßi iß' 

slg r^v ly'. aiii[rjv] ßaciLeiv (= ßadiCeiv) f.ie [a/rjo Xeißig etog 
a[7it]Xi]c')Tov /.al dvarrLTtTOfiai in^ ccxvqov /.ai \d\vS^Qto7c\og\ and 
Xißog (.lOf, hyßuevog luov, [dv]a7ii7CT€i yca[l] avxog. ymi woneq 
ye^'keLf.ilivoi] (.lOc rjoav o\ bq)i)^aX!.ioi ixov '/lai k^ai\(pvrig^ avvyw {%\c) 
zovg 6(pd^aX(.io{:g /.lov /.al oqcj ooi [rag] öidvi-iag Iv xCo didaG'/,aXijci) 
zov Tod-fi[Tog]. ixäXeoav, rvQOoelsyov „öf.iua . . ilivx^g, 0^dQo[ei] . ." 
(diese o Wörter unsieher) Aai-nfiTriV xrjv odbv Irt Sfxs, ovi fxexa- 
/9«/?A[ijxaJ xrjv /oivrjv (unsieher) (.lov. 7Jy.ovGa To^r,g Xeyiov „i/vev- 
[XOftai] (unsicher)". ,,xl xavxa leysigi eyoj ■/araöTr(7[wJ . , . di- 
dvfxag s/cl c/c". cqw ooi avxbv (unsicher) v.ad^ioxiLvva avxdg. 
y.Xdyw (= xlaico) ^'/^TtgooS-ev auxcov. STZOQSvcfxrjV, f-'cog ytaxaXdßcD 
avxdg /al eQxof-iai elg xijv gvßrjv {== QVf.irjv) f.t€x avxtov. s'Xeyov 
avxdg (sie) arT[alg], oxi exi ßgayj e'xw ev xw a&Qsl (= dd-gsiv) /al 
TtQioi soxai, iog /.trj [ttqo] xov (diese 4 Wörter unsieher). löov fxiav 
avxiov Igiof-isiriv Ttqbg f-xegav (?) a/oxivdv (sie) xortov /al /ad^i- 
tdvEi OQOvoa (= ovQovoa). eidov svo . . . avxiov aTco/SKad^iGiai 
(sie). siTta '^Q^idsi a7i[6vGai £l]d-lv (sie) ai':x6v. xa< dXla xivd 
eidov TxoXXd. /al Ttdliv rj^iw/a xbv ^dgartiv /al xijv Tgiv Xiyiov 
„ili^i 1.101, d^ed d^ewv, eileiog yivofiivt], hid/ovoäv fxov, iXiriGov 
xdg 6iövf.iag. gv /axeöi/ag (wohl = Kaxadsds-Kag) didv/Aag, ifis 
leXv/ag jioXiag (beide Wörter unsicher) ejurv. dXXd oida, oxi iv 
.... x^aVw (sie) 7cavoo(Aai, avxai de yvvar/ig eloiv. Idv ^lav- 
d^ioaiv, [oi ju]^ yivovxai (sie) y-ad^agal ttottoxe (sie). — xrj lö' wi^ijv 
fi£ SV ^iXs^avögr^a fxe slvai indvio Tvvgyov {.leyalov. eixov nqo- 
oonov (sie) -/alov. eyvov (sie) /al ov-/ rjS^slov ovd-evl öi^ai (= öel- 
^ai) J.10V xb TioQOioTtov did xb [xJaAov avxbv (sie) [fifjx'at. /al 
yqav (sie) fxoi TtaQe/dd^iqxo '/al oxXog dnb ßogqä ^lov /al anb 
TiriXiöxrjg (sie) (der Rest des Textes ist stark beschädigt). 



1) TKQiOTiQiS^u- ixnfifevyfv M(el)y Revue critique 1901, 189; dem 
widerspricht jedoch das folgende ctvTi^v. 



24 Stanislaw Witkowski 

8. Der Artikel in relativischer Funktion im Attischen 
Im Attischen erscheinen inschriftlich seit dem 4. Jahrh. v. Chr. 
vereinzelt rov, ro, rovg, rag, xd statt ov, o, ovg, ag, a, jedoch nur 
in Privatinschriften, vgl. Meisterhans-Schwyzer ^ S. 156. Diese 
Erscheinung, die in den griechischen Mundarten weit verbreitet 
ist (und zwar in allen 3 Hauptgruppen) (vgl. E. Hermann, Griech. 
Forschungen I. Die Nebensätze in den griech. Dialektiss. Leipzig 
1912 S. 225), ist der attischen Literatur so gut wie fremd; in der 
Prosa und bei den Komikern kommt sie nicht vor; sie erscheint 
lediglich bei den Tragikern. Ich halte die Erscheinung für einen 
lonismus. Man hat das Unattische dieses Gebrauches empfunden, 
aber die Konsequenz nicht gezogen. Ed. Hermann bemerkt (a. a. 
0.): ,, . . wird dieser Sprachgebrauch der echtattischen Sprache 
wohl nicht angehört haben". Zweifelnd drückt sich auch Meister- 
hans-Schwyzer (a. a. 0.) aus: „Einfluß des Ionischen? S. jedoch 
auch Dieterich p. I98f. ; Brugmann p. 560". (Die beiden letzt- 
genannten Gelehrten scheinen die Erscheinung für attisch zu halten.) 
Vor dem 4. Jhd. kommt diese Erscheinung nach dem Gesagten nur 
bei den Tragikern vor, daß aber die Tragödie zahlreiche lonismen 
aufweist, ist allgemein bekannt. Aus den Inschriften führt Meister- 
hans-Schwyzer im ganzen 5 Beispiele an; davon fällt eios weg, da 
es der Zeit 200 — 150 v. Chr. angehört, wo wir mit dem Einfluß 
der Koine rechnen müssen (in dieser läßt sich die Erscheinung 
vielfach belegen). Auch ein zweites Beispiel, das aus dem Jahre 
300 V. Chr. stammt, ist von diesem Verdachte nicht frei. Außer- 
dem sind beide genannten Inschriften Vereinsdekrete (ein Thiasoten- 
und ein Orgeonenbeschluß) aus dem Piräus, einer Stadt, in der 
fremde Elemente so zahlreich sind. In dem späteren der beiden 
Dekrete kommen auch das unattische fVfixe»' und die Koineform 
vaov vor. So bleiben nur 3 Beispiele übrig. Eines davon, Defix. 
107 a 9, das von Meisterhans-Schwyzer dem Anfang des IV. Jhd. 
V. Chr. zugeschrieben wird, ist nach ihnen „vielleicht nicht von 
einem Attiker geschrieben". Über diese Fluchtafel sagt ihr Heraus- 
geber Wünsch (CIA. App.): ,,Haec lamina .... num ab homine 

Attico confecta sit, dubito ; semel (vs. 4) £X€{i)vio pro -votv) 

scriptum est; quod quamvis bis occurrat in titulis Atticis 

tarnen fortasse e Dorica dialecto explicandum est, cui convenit 

ßokvßdog [in hac lamina] , cum Atticorum sit [.loXvßdog ; 

quare Dorem quendam Atticae linguae studiosum tabellam nostram 
scripsisse statuamus". Derselbe Gelehrte macht ferner auf die Form 
ßovXevoLUTO aufmerksam. — Von den beiden Beispielen, die übrig 



Beiträge zur griechischen Syntax 25 

bleiben, findet sich das erstere auf einer Vase, die also auch von 
einem fremden Arbeiter herrühren kann ; ihr Verfertiger heißt Ly- 
kinosi). Das letzte Beispiel findet sich auf einer Kleruchen-Inschrift 
aus Samos, wo also ionischer Einfluß nahe liegt. Da demnach 
sämtliche Beispiele des in Rede stehenden Gebrauches entweder 
fremden Einflusses verdächtig sind oder erst der Periode der Koine 
angehören, dürfte der Schluß berechtigt sein, daß der relativische 
Gebrauch des Artikels ionischer Einwirkung zuzuschreiben ist. 

9. Geschlechtsloses Ptc. aor. 

In der späteren Koine verwendet man mitunter das Mask. des 
Partizips für das Femin., z.B. dy.ovaaGa -/mI ygcti^iag {heiMalalixs). 
Dieser Gebrauch erklärt sich daraus, daß das Mask. zu einer starren, 
genuslosen Form wird. Es läßt sich damit aus dem Polnischen 
das Ptz. praet. auf -szi/ {napisawszy == geschrieben habend) ver- 
gleichen, das vom Hause aus eine maskuline Form ist, aber mit 
der Zeit für alle drei Genera verwendet wird. 

Lemberg (Lwöw) Stanislaw Witkowski 



Zwei angeblich neue griechische AVörter 

1. jiaQaaxQayCa oder naQaaxQaxriyia^ 

P. Lond. I 20, 23fi\ liest man: ov&iv d' ereqov (statt ovd^evog 
d krigov) 7teQiyLVOf.ihov r^j-ilv did zijv xiov yQa(Xf.iaThov F Ttagaoiga- 
yiag rtXrjv xov /.aTacpü^elgsad^ai. W. Crönert glaubt (Class. Rev. 
1903, 26), daß wir hier ein bisher unbekanntes Wort rtagaorgayla 
haben; er leitet es von oxqayog = OTQayyog , »unverschämt (Phot.), 
listig, mürrisch" {Gxqayyög' oytoliog, axgeßkog, dvo'ÄoXog Suid.) ab. 
Ttagd verstärkt nach ihm nur die Bedeutung von oxQayia. Er 
übersetzt tv, ,,malae artes". Nun ist zuzugeben, daß oxQayia an 
sich diese Bedeutung haben könnte. Aber die zur Erklärung der 
Bedeutung von 7caQc'c angeführten Parallelen: /laQayqäfptiv 'nimium 
vectigalis poscere ab aliquo', TtaQaXoyi^ead^ai 'decipere^*, naqaovy- 
yQUifEiv 'pacta scripta migrare' (sie), TtaQaxsiqoyQacpELv (dasselbe) 
haben mit jtaqaaTqayia nichts zu tun; 7caQd dient in ihnen nicht 
zur Verstärkung des im Verbum steckenden Begriffes, sondern 

1) Kretschmer, Vaseninschriften nr. 177 (bei Meisterhans-Schwyzer 
irrtümlich 213). 



26 Stanisiaw Witkowski 

ist peiorativ, es verleiht dem Worte den Sinn des Verkehrten, Be- 
trügerischen usw., vgl, XEiQoyQacpko und uaQayeiQoyQatfko, loyito(.iai 
und 7caQaXoyi'Cof.iaL. naqä in TtaqaoTQciyia bleibt also unerklärt. 
Sehen wir uns jedoch die Überlieferung dieses Wortes in den Pa- 
pyri näher an. Nun haben wir von dem P. Lond. 20 ein Äpo- 
graphon im P. Par, 33. In diesem letzteren heißt die Parallel- 
stelle (Z. 18): öic zri[v\ (so ist nach dem Lond, Pap., nicht T^[g] 
mit Letronne-Brunet de Presle zu ergänzen) tiZv yQa[f.if.ia\ito)v 

otQO.Y Jg. Crönert ergänzt nun die letzte Lücke: OTQa[yla\g. 

Nach dem Facsimile füllt aber yca die Lücke nicht aus; 
man muß schreiben: GiQa.[ci]yia\g. Dies aTQa.[T7iyia\g entspricht nun 
dem uaQaozQayiag der anderen Kopie unserer Urkunde (Lond. 20), 
In dem P. Par,, wo naga vor GtQaTy^yiag fehlt, steht es in demselben 
Satze bei einem anderen Worte, bei dem es wiederum in der Lon- 
doner Kopie fehlt: Ttlriv tov •/.aiacfd^eiQEGd^ai lesen wir im P. Lond., 
TcXrjv TOV 7taQa/Mta(p&E[iQsod^ai im P, Par. In dem letzteren Worte 
ist TtaQa überflüssig; wir erwarten weiter nichts als nlrjv tov yta- 
Taffdeigeod^ai. Dagegen würde es bei avQaTriyiag vorzüglich passen; 
denn OTgarr^yia allein kann hier schwerhch die notwendig erwartete 
Bedeutung ' Hinterlist' ('manoeuvres' übersetzt mit Recht Brunet 
de Presle) haben, uagaoTgaTt^yia 'List, Hinterlist, malae artes, 
manoeuvres' wird durch den Zusammenhang gefordert. Es bietet 
sich also eine einfache Lösung: in dem Archetyp, von dem der 
Londoner und der Pariser Papyrus Kopien sind, lautete die Stelle: 
ovd^iv d i'iEQov nsQiyLvouh'Ov 

rji.iLV oia Ttjv Tiov yQcef.iuaTtcov 

OTQdTinyiac tiXtv tov 

'AaTarpireiQEoitaL. 
Dieses vom Schreiber vor OTgaTi^yiag ausgelassene und später am 
Rande oder zwischen den Zeilen nachgetragene uaga wurde von 
dem einen Kopisten richtig zu ocQaryyiag, von dem anderen irr- 
tümlich zu '/.aTacpd^eiQEa&ai gezogen. Diese Erklärung der Stelle 
habe ich bereits 1897 in meinem Prodromus grammaticae papyro- 
rum graecarum S. 32 (= Abh. d. Krakauer Ak. S, 227) gegeben; 
ich habe dort die Ansicht geäußert, daß im Londoner Pap. naqa- 
acqaylag für TcaqaaxQaxrfylag steht. Meine Erklärung ist offenbar 
übersehen worden. Ich halte auch heute diese Ansicht für richtig ^). 
Die ganze Stelle lautet also (nach Berichtigung von Irrtümern): 



1) Das Wort fehlt bei Herwerden, Lexicon graecntn suppl. et dial. 
(mir steht nur die 1. Aufl. zur Verfügung) und in der Appendix gänzlich. 



Zwei angeblicli neue griechische Wörter 27 

ord-svÖQ d" ereQOv TteQiyivof.i€vov TQ(.äv öia xr^v ziöv yga/xf-iateiov 
/caQaOTQatr^yiav Tt'Arjv zov y.aTa(p&EiQeo&ai. Das Zeichen F, das 
in dem Londoner Pap. vor TtagaoTgayiag steht, drückt nicht die 
Zahl drei aus (Crönert dachte an „3 Schreiber", aber die Wort- 
folge Tcov ygaf-mazliov tquov ist ungewöhnlich und überdies ist hier 
die Bezeichnung der Zahl der yQa!.if.iaTElg überflüssig), sondern ist 
wahrscheinlich aus dem Archetypus wiederholt, in dem es vor otQa- 
tr^yiag stand und den Leser aufmerksam machen sollte, daß das 
am Rande nachgetragene naga zu GTQaiiqyiag gehöre. Den rich- 
tigen Weg zur Heilung der Stelle ahnte schon Brunet de Presle; 
er vermutete richtig, daß naga nachgetragen ist, nur glaubte er, 
daß es ursprünglich über xara in /.aTaq>d^eiQsa9^ai stand und daß 
dieses letztere Wort in Ttagaq'd^eiQea^aL zu ändern wäre {Ttlijv zov 
TtaQaq&eiQeod^ai). Dieser Vorschlag war unglücklich. 

Das Wort TtagaazQazrjyico kommt z. B. Aristot. "L^S-. tioI. 6, 2 
avveßvj ydo zoj ^ölcovi /ti^?.Xovzi tioieIv zr^v aeioaxd^eiav — uaga- 
acQUZtjytjl&jrirai did zov cpllwv vor. Mit TtaqaoTQdzriyia vgl. z. B, 
Ttaqa^ZQEoßeia. 

2. jtQooaxeiov'^ 

In dem großen magischen Papyrus Lond. I S. 91 (Nr. 121) 
liest man in einem Rezepte nach dem Herausgeber Kenyon: 
Z. 212 [(x'A]iqe d/ro zov tvqooozeov f-iexQi tcov nodtov. Ein Wort 
tcqoogzeIov ist unseren Lexika unbekannt. Die Bildung wäre an 
sich möglich, aber was soll das W^ort heißen? was soll es vor allem 
hier heißen, wo es als Gegensatz zu den yrddec steht? Diese Über- 
legung wird wohl Crönert veranlaßt haben, hier die Photographie 
einzusehen. Crönert liest hier (CIR. 1903, 2(3) TOY . ePOOCT€OY; 
„inter v et 6 videtur quidem esse T, sed negligentia scribae hoc 
factum esse apparet". Nun vermutet Crönert: zov *ieQooaT€Ov; 
„vox '^•IsQOOozeov, cuius quarta littera malius exularet, idem signi- 
ficat atque Isqoi' cazeov 'os sacrum'". Aber man sieht nicht ein, 
warum der Verfasser des Rezepts nicht einfach dnö zov uqoi 
oazeov gesagt hätte, statt ein Kompositum zu setzen, und der 
Gegensatz zu den Füßen wird durch Crönerts Lesart auch nicht 
klarer als bei dem Kenyonschen nqooozlov. Ich konnte leider 
die Photographie nicht einsehen, vermute aber, daß das Original 
des Papyrus a/ro zov ngoGOTtov (nPOCOTTOY) [digi zöjv nodäiv 
bot und daß dieses Wort hier herzustellen ist. Verwechslung von 
und 10 ist in dem Papyrus häufig (3. Jhd. n. Chr.); man ver- 
gleiche: Z. 31 og aus tog verbessert, Z. 145 zwd' statt zovd' (in 



28 NIKOZ A. BEIIZ, Zur Bedeutung des neugriechischen xQa/rrjs 

einem Zitat aus der Odyssee), vielleicht auch Z. 173 (ivlo^j = ßov- 
ykiöaoov. 

Lemberg (Lwow) Stanislaw Witkowski 



Zur Bedeutung des neugriechischen itQccxnjg 

In der athenischen Zeitschrift L^^/ym Bd. XXII (1910) 
S. 468-72 (vgl. auch S. 490) hat Herr Dr. N. Livadas dem neu- 
griechischen '/.QcixTrjg eine Abhandlung gewidmet, worin die ver- 
schiedenen Bedeutungen dieses Wortes ausführlich behandelt werden. 
Hier möchte ich auf eine Bedeutung des neugriechischen yiQayrrjg, 
die Herr Dr. N. Livadas übersehen hat, aufmerksam machen: 
nämlich in vielen Klöstern Griechenlands bedeutet das Wort 
•KQcixTtjg den Mönch, der sehr anspruchsvoll im Essen und Trinken 
ist und sich immer über den Abt und die Vorgesetzten des Klosters 
beklagt. Es ist zu bemerken, daß diese Bedeutung des in Rede 
stehenden Wortes ziemlich alt ist. In dem Testament Germanos', 
Abtes des Theologenklosters auf der Insel Patmos, liest man unter 
den verschiedenen Ratschlägen, die er seinen Nachfolgern giebt^ 
folgendes: ,,. . . ^teqI di tov xoivov rijg adeXq^ovrjzog, wg 6 /MiQcg 
artaiTsi xai yj otof.iatr/.'q aöd^tvsia TrsQicp&Qf-i, öeI xal ytvßsQvav (-'va 
syiaOTOv sv ngaeia Aal tjovxfi» Gi-'f-ißovXjj xovg ovrag iv VTta^Aof] ytal 
atocpQOOi'vrj /.al cpoßo) ^eoü öidyovzag /.al ßovXoinsvovg acod^ijvai, 
xovg ÖS aTtEid^eig ymI avriXeyoviag ymI cpiovo/.QtttnvTag, ot y,al 
Xeyovrai xQa/.zai, dirtXio zw i^v[.i(i} 7ieQLe.xöi.iEvoi z<[j ivzog d^vf-up 
y,ai zo) l7.z6g, olvio öedovXiofAtvoi eig f.itd^Tqv, ov dwaf-iai ovz' avzogy 
0VZ8 od Karovioai, aXXa zjj oöto avzcov noQevd^rjOovzaL . . . ." 
(Miklosich-Müller, Acta et Diplomata Bd. VI, S. 232— 233). 
Dieses Testament trägt kein Datum, ist aber jedenfalls dem Jahre 
1272 zuzuschreiben. 

Athen-Berlin NIKO^ A. BEH^ 



^EmovGiog 



Den anregenden Ausführungen von Debrunner in dieser Zeit- 
schrift 4, 249 ff. wird man gern die Möglichkeit zugeben, das Wort 
auf ItcI zrv ovaav zurückzuführen, auch etwa hciziqdELog (aus sm 



W. Schraid, 'Emovaiog. Carl Wessely, Der Name des Leoparden 29 

Trjöe) vergleicheu. Aber die Möglichkeit würde erst zur Wahr- 
scheinlichkeit, wenn tj ovaa r]i.ieQa direkt — und nicht etwa bloß 
ein analoger Ausdruck wie o vh' f.iyv — in der Volkssprache ver- 
breitet und also geeignet wäre, die Basis für eine solche ,,Hypo- 
stasierung" zu bilden. Das ist aber mit keinem einzigen Beispiel 
belegt außer dem Vers aus Soph. Oed. R. 781, wo es sich um eine 
Improvisation handeln kann, die natürlich auf das neutestamentliche 
Griechisch keinerlei Bezug hat. Es kommt für die richtige Ety- 
mologie hier alles auf die tatsächliche Phraseologie der Um- 
gangssprache, auf den Usus an. Und da scheint mir doch die alte 
Ableitung (Cron Jahrb. f. kl. Philol. 144, 288 £f.) von tj l/riovaa 
('^fi€Qa) noch immer am meisten für sich zu haben. Sie wird ins- 
besondere gestützt durch eine meines Wissens unbeachtete Stelle 
des Dion von Prusa (or. 16, 8 Emp.), die ich in Erinnerung rufe: 
cpige yaQ, to fACczais, y.av rcavTa oot TalXa I^S y^cctci tqotiov, aXXa 
TOv ys Eig T^v STTiovoav i^/Asgav ßiojoeod^ai. xiva exeig nioxLV %al 
(xi] i-iSTU^v TiavTiov dd^qotog aqiaiged^rjvaL xwv öokouvtcov ayad-tov; 
Man wird aus diesen Worten schließen dürfen, daß die Vorstellung, 
am folgenden Tag noch zu leben, also auch für diesen Tag noch 
Subsistenzmittel zu haben, die feste und eingeübte war, mit der 
sich der Begriff des Glücksminimums verband. Dieses Minimum 
läßt sich ja nun in abstracto noch weiter, auf den laufenden Tag, 
herabsetzen, und so geschieht es in dem philosophischen Gespräch 
zwischen Solon und Kroisos bei Herodot I 32 (Tvlovaiog im Gegen- 
satz zu S7t rif.iiQrjv c^wr). Man muß aber angesichts der Tatsachen 
anerkennen, daß das gewöhnliche Volk in Griechenland nicht so 
bescheiden gedacht hat. 

Tübingen W, Schmid 



Der Name des Leoparden 

Ich veröffentliche in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie, 
philosophisch-historische Klasse, Band 172, 4, neue Materialien zur 
Textkritik der Iguatius-Briefe, nämlich Bruchstücke einer sahidi- 
schen Übersetzung, die, nach einem bestimmten Indizium zu schließen, 
sehr früh, etwa um a. 300 erfolgt sein muß. Ich möchte nun hier 
eine lexikalische Einzelheit daraus hervorheben, sie betrift't den 
Namen des Leoparden. 0. Keller, Die antike Tierwelt I 64 bringt 
dazu die Bemerkung ,,das (lateinische) Wort leopardus kommt vor 



30 Fan] Kretschmer 

den Scriptores historiae Augustae nicht vor". Die älteste Stelle im 
Griechischen, Ignatius ad Romanos c. 5, 1, lautet im Original 
i^rjQiO!.iax(Z dia yfjg yial d^aldxnqg dedef^avog deyia XeoTtägdoig (Ig- 
natius meint damit jene bösen 10 Soldaten, die ihn, den ad bestias 
damnatum, nach Rom transportierten). Die sahidische Übersetzung 
verwendet an dieser Stelle ein Lehnwort aus dem Griechischen, 
bringt aber nicht Xeo/tagöog, sondern Xeo/taQÖahg. Der Thesaurus 
zitiert aus der Vita S. Antonii, Opera Athanasii vol. 2 p. 458 le- 
övTcov agyiTojv XeoTcaQÖalcov; mag nun letzteres eine Sprech- oder 
Schreibvariante sein, jedenfalls wäre Xeo7i:aQÖalEtüv korrekter. Der 
sahidische Übersetzer könnte nun XeoTrocQdahg in seinem griechi- 
schen Irenaeus-Text gefunden haben; es ist aber auch denkbar, 
daß das Wort in der Form lEoycaQdalig, die jedenfalls ein älteres 
Gepräge hat, das Bürgerrecht im Sahidischen erhalten hatte; wir 
sagen z. B. nicht mehr Für hang, aber im vulgären Slovenischen 
heißt der Vorhang fir'nk, neugriechisch (fiqyäy/M, in der älteren 
Form entlehnt. Wir konstatieren also neben XeöuaQÖog die Be- 
nennung XeoTtagöalig. 

Wien Carl Wessely 



Zwei lateinische militärische Termini 

1. acies 
Es war mir lange ein Rätsel, wie acies, das doch zunächst die 
Schärfe, die Spitze oder Schneide eines Schwertes, Beiles od. dgl. 
bezeichnet, zu der Bedeutung 'Schlachtlinie, Schlachtreihe, Heer in 
Schlachtordnung' gelangt ist. Man kann sich zwar denken, daß 
in gehobener, poetischer Sprache das Heer als das Schwert des 
Feldherrn oder eines Volkes, schwerer schon, daß es als die Schneide 
seines Schwertes bezeichnet wird: wie aber konnte eine solche Aus- 
drucksweise, ein so poetisches Bild in der gewöhnlichsten Prosa, 
die doch acies in jener Bedeutung verwendet, Platz greifen? — 
Die Lösung des Rätsels ergibt sich, sobald mau den Ausdruck in 
den Zusammenhang der ganzen militärischen Terminologie einreiht. 
acies ist nur einer von den verschiedenen Namen für Heeres- 
formationen, die in der Schlacht zur Anwendung kamen. Gellius 
N. A. X 9 zählt die Ausdrücke auf, und Vegetius De re mil. HI 14 
beschreibt sie genauer, acies bezeichnet die normale Formation: 
exercitus instructus, frons quae adversum hostem spectat. Eine 



Zwei lateinische militärische Termini 31 

andere heißt ciineus'^ KoiV : primo angustior, deinde latior procedit 
et aduersariorum ordines rumpit. Gegen den Keil wird vom Feinde 
die forfex d, h. die Scheere in Anwendung gebracht, die wie eine 
Scheere den Keil in die Mitte nimmt. Eine vierte Schlachtstellung 
ist die serra, die Säge: quae ab strenuis direeta ante frontem 
obponitur hostibus, ut turbata acies reparetur; Fest. p. 517: Serra 
proeliari dicitur, cum assidue acceditur recediturque. Eine fünfte 
der globus: qui a sua acie separatus uago super uentu incursat ini- 
micos. Daß aber diese Ausdrücke alt sind, lehrt das Fragment 
von Cato De re militari = Fest. p. 516 ThcAvr.: sive forte opus 
sit cuneo aut globo aut forcipe aut turribus aut serra, uti adoriare. 
Man sieht, die Heeresformationen sind nach Gegenständen be- 
zeichnet, mit deren Gestalt sie sich vergleichen lassen: vocabula 
militaria, sagt Gellius a. a. 0., tralata sunt ab ipsis rebus, quae 
ita proprio nominantur. In der Gesellschaft von Säge, Scheere, 
Keil nimmt sich Schneide nicht mehr wunderlich aus: es bezeichnet 
die gewöhnlichste Schlachtordnung, die in gerader Linie gleich der 
Schneide eines scharfen Instrumentes aufgestellten Truppen. Weil 
aber die Bezeichnung dieser normalen Formation auch außerhalb 
der militärischen Fachkreise oft genannt wurde, wurde sie aus dem 
Zusammenhange gerissen, in dem allein sie verständlich ist. 

2. auxilium 

Die herkömmliche Verbindung von auxilium mit augeo, au- 
gmen, augustus, av^io aliävu), au^r^ Vergrößerung, Zuwachs, skr. 
öjas- Kraft, Stärke, got. aukan sich mehren, lit. äugu wachse, 
duksztas hoch wird wohl von niemandem bestritten, aber sie hinter- 
läßt uns doch kein ganz behagliches Gefühl, weil sich zwei Fragen 
dabei aufdrängen, die eine Beantwortung fordern, erstens eine 
semasiologische: die Begriffe 'vermehren, wachsen, Kraft, Stärke, 
hoch' und andererseits 'Hülfe, Unterstützung' liegen etwas weit von 
einander ab, wenn sie sich auch vermitteln lassen: wie ist der Be- 
deutungswandel in Wirklichkeit zustande gekommen? Die zweite 
Frage, die sich an jene Etymologie knüpft, ist eine morphologische: 

wie ist auxilium von aux der Nebenform von aug- und wohl der 

schwachen Form von *augos = skr. öjas (vgl. lat. augustus mit 
lit. duksztas) — abgeleitet? -ilio- ist kein Suffix noch eine übliche 
Suffixkombination, consilium, exilium sind mit -io- von consul, 
exul, vigilium von vigil, interscapilium von scapula abgeleitet. In 
concilium und in supercilium gehört l zum zweiten Gliede eines 
Kompositums. 



32 Paul Kretschmer, Zwei lateinische militärische Termini 

Die erste Frage ist prinzipiell dahin zu beantworten, daß der 
Bedeutungswandel da eingetreten sein wird, wo Hülfe in Ver- 
mehrung besteht. Das ist der Fall bei einer Verwendung des 
Wortes, die nach Ausweis der Belege im Thesaurus sehr häufig ist, 
bei der militärischen Bedeutung 'Hülf'struppen', die zur Vermeh- 
rung eines Heeres dienen, Verstärkungen. Dazu stimmt die 
Definition der Synonyme, die in den Difierentiae sermonum gegeben 
•wird: auxilium laborantibus mittitur, praesidiiim praeparatur, 
suhsidium servatur, ut, cum exegerit necessitas, detur. Schon 
Varro 1. 1. V 90 erklärt auxilium ab auctu, cum accesserant ei 
qui adiumento essent alienigenae. Nur hatte er eine technische 
Bedeutung von auxilia im Auge, die für den Ursprung des Wortes 
zu speziell ist: auxilia hießen speziell die Truppen, die die Bundes- 
genossen den Römern stellten (s. Pauly-Wissowa RE. unter auxilia). 

Ist aber die militärische Bedeutung 'Verstärkungen, Hilfs- 
truppen' die ursprüngliche, so hat der Plural auxilia Anspruch 
für älter als der Singular zu gelten. Denn in jener mihtärischen 
Bedeutung kommt das Wort fast nur im Plural, selten im Singular 
vor. Dann ist aber auch seine Bildung leicht zu erklären: auxilia 
ist von Haus aus der Nom. Plur. des Neutrums eines Adjektivs 
'*auxilis 'zur Vermehrung, Verstärkung dienend', das aber eben 
nur im Plur. ntr. gebräuchlich *) und von aux- abgeleitet war wie 
facilis von facio, utilis von utor , docilis von doceo usw. Die Be- 
deutung dieser Adjektiva war zwar größtenteils eine passivische, 
aber strigilis, das zum Schaben dienende Werkzeug, zeigt, daß sie 
auch aktivisch sein konnte. Zu auxilia hinzuzudenken war etwa 
agmitia, da Verstärkungen in Marschkolonnen anrücken. Da nun 
das Wort nur im Plural des Neutrums vorkam, hier aber bloß der 
Dat. Abi. '*auxilihus auf die HI. Deklination hinwies (denn in 
älterer Zeit ging der Gen. PI. auch in der II. Deklination auf -um 
statt -orum aus), so konnte auxilia leicht in die II. Deklination 
einlenken, und als das Wort vom militärischen auf andere Gebiete 
übertragen wurde und die Bedeutung 'Hilfstruppen' in 'Hilfsmittel' 
überging, wurde zu auxilia ein Singular auxilium 'das Hilfsmittel, 
die Hilfe' geschaffen. P]iue Parallele für diesen Vorgang bildet 
iügera = Csvysa, Dat. iügeribus, selten iugeris, wozu der neue 
Singular iügeruni, Gen. iügeri (vgl. Neue- Wagener Lat. Formenl. ^ 
I 839 ff.) gebildet wurde. Häufiger ist der Vorgang im Griechi- 
schen: ich habe Glotta III 266 zu den schon bekannten Fällen 

1) Wir brauchen also eigentlich nicht mit Stolz Hist. Gramm, d. lat. 
Spr. 1^461 ein besterntes d. h. unbezeugtes auxilis anzusetzen. 



Rudolf Methner, Die Entstehung des Ablativus qualitatis usw. 33 

einen neuen hinzugefügt: rdXavTov, Neubildung zu rdXavTa, Plur. 
von zdXav. 

Es ist merkwürdig, aber hei einem so kriegerischen Volk wie 
den Römern nicht verwunderlich, daß auch die Synonyme von 
auxilium, suhsidium und praesid'mni, ursprünglich militärische Ter- 
mini sind: suhsidium == qui subsidebant, die Reserve; praesidium 
dictum qui extra castra praesidebaut in loco aliquo, quo tutior 
regio esset (Varro 1. 1. V 90), also die Vorhut. 

Paul Kretschmer 



Die Entstehung des Ablativus qualitatis und sein 
Verhältnis zum Ablativus modi und zum Ablativus 

absolutus 

Daß die zum Ausdruck einer einem Gegenstande oder einer 
Person beigelegten Eigenschaft angewendete Nominalform nicht 
der eigentliche Ablativ sein kann, ist selbstverständlich. Nach 
dem Vorgang von B. Delbrück *) sieht man in ihr einen Instru- 
mentalis, und zwar geht Delbrück aus von dem Instrumentalis 
,,der begleitenden Umstände (Zustände, Stimmungen, Erscheinungs- 
formen)". Und in der Tat ist die Kasusform, deren Grundbedeu- 
tung Delbrück folgendermaßen bestimmt: ,,In den Instrum. trat 
derjenige Substantivbegriff, mit dem zusammen der Träger der 
Handlung diese vollzog" (§ 67 u. 102), sehr wohl geeignet, nicht 
bloß das Mittel oder Werkzeug, mit dem der Träger einer Hand- 
lung diese vollzieht, sondern auch die Art und Weise, in der 
er sie vollzieht, oder, wie Delbrück sagt, die begleitenden Um- 
stände 2) zu bezeichnen; unter begleitenden Umständen ist dann 
eben alles zu verstehen, was geeignet ist, die Art und Weise zu 
veranschaulichen, in der die durch das Verbum bezeichnete Hand- 
lung vor sich geht. Daß der Instrum. des Mittels und Werkzeuges 
und der der Art und Weise einander sehr nahe stehen, ist leicht 
begreiflich, denn wer ein Tier mit einem Messer tötet, ist mit 
einem Messer versehen, und so kann es auch heißen: er ging mit 
einem Messer auf mich los = er ging auf mich los, indem er mit 

1) B. Delbrück, Vergleichende Syntax I, S. 239 ff. 

2) Ich will den Ausdruck „begleitende Umstände" beibehalten, ob- 
■wohl es noch eine andre Art begleitender Umstände gibt, die ich beim 
abl. absol. besprechen will. 

Glotta VI, 1. 3 



34 Eudolf Methner 

einem Messer versehen war, und demgemäß auch: er betete mit 
bedecktem Haupte, er lief mit großer Schnelligkeit. Diese nahe 
Verwandtschaft zeigt sich auch im Griechischen, wo dia cum 
genet. nicht bloß das Mittel und Werkzeug, sondern auch die Art 
und Weise ausdrückt, z. B. öid raxovg, Sid OTtovdijg; ebenso kann 
dort der Dativ sowohl das Mittel, als auch die Art und Weise 
bezeichnen, z. B. q^d^oyyq) htEg^of-ievai (Hom. a 199). Bemerkens- 
wert ist auch der Gebrauch der Präposition ovv bei Homer, wo 
sie nicht nur einen begleitenden Umstand bezeichnet {ovv xEvyEGiv 
aAro xai-iaLB), sondern zuweilen auch rein instrumentale Bedeutung 
zu haben scheint {ovv erreoi f.idQvaoü^ai). Das Polnische, das 
einen Ablativ nicht kennt, verwendet noch jetzt zum Ausdruck 
eines begleitenden ümstandes den Instrumentalis, und zwar in 
Verbindung mit der Präposition z {= mit), z. B. biegt z ivielkq 
szybkosciq, er lief mit großer Schnelligkeit, wie auch im Altslawi- 
schen ,,bei manchen Typen die Präposition sü (= mit) geläufiger 
ist als der bloße Kasus" ^). 

Bei den von Delbrück gegebenen Beispielen aus dem Alt- 
lateinischen ^) ist ein Unterschied zu macheu. In den Sätzen ca- 
pillo passo in viam provolarunt, invocat deos capite operto, summa 
sonitu quatit ungula terram, wozu ich noch hinzufügen will clamore 
magno et multo fiagitabere (Plant. Pseud. 556), magna voce imperat, 
gibt der Instrum. etwas an, was bei der Tätigkeit, die das Sub- 
jekt ausführt, unmittelbar d. h. sinnlich wahrnehmbar ist; hier 
bezeichnet der Instrum. im eigentlichsten Sinne des Wortes einen 
„begleitenden" Umstand. Dagegen in den Sätzen animo audaci 
in medium se proripit, an illud ioculo dixisti läßt sich die Kühn- 
heit und der Scherz nicht unmittelbar wahrnehmen, sondern nur 
mittelbar erkennen, nämlich aus der Art und Weise, wie das 
Subjekt die Handlung ausführt, oder wie es sich bei der Ausfüh- 
rung verhält; diese Art und Weise selber und dieses Verhalten 
des Subjekts aber ist sinnlich wahrnehmbar. Ich erwähne diesen 
inneren Unterschied, weil er vielleicht von Bedeutung ist für die 
Erklärung des abl. qualitatis. Das Gemeinsame der beiden Arten 
von Sätzen besteht darin, daß, wie dort die Worte capillo passo, 
clamore magno usw. das körperliche Verhalten des Subjekts (seinen 
äußeren Zustand) bei der Ausführung der betreffenden Handlung 

1) Delbrück a. a. 0. S. 239. 

2) Diese Beispiele sind entnommen aus dem Aufsatze von Ebrard, de 
ablativi, loeativi, instinunentalis usu apud priscos scriptores latinos in Fleck- 
eisens Jahrbüchern, X. Suppleraentband, S. 618f. 



Die Entstehung des Ablativus qualitatis usw. 35 

bezeichnen, so hier die Worte animo audaci, ioculo das geistige 
Verhalten (den Gemütszustand). Und in beiden Fällen verbindet 
sich in der Seele des Sprechenden und des Hörenden mit der 
Vorstellung der Handlung die Vorstellung dessen, was an dem 
Subjekte bei der Ausführnng der Handlung entweder wahrge- 
nommen oder erkannt wird i). Und hieraus erklärt es sich wohl, 
daß sich, wie wir gesehen haben, in mehreren Sprachen an den 
Instrum. diejenige Präposition anschließt, die den Begriff des So- 
ciativen ausdrückt. Und so kommt dies auch im Lateinischen vor: 
Plaut. Trin. 840 ingreditur cum novo ornatu neben Bacch. 110 quas 
tu res hoc ornatu geras (vgl. auch Cic. Verr. 4, 24, 54 cum ttinica 
pulla sedere solebat); Ter. Phorm. 46 quod labore invenerit neben 
Plaut. Araph. 175 fenmdum hoc onust cum labore, und so heißt 
es auch cum dolore mori (Cic. fin. 5, 11, 31), cum febri domum 
rediit (de or. 3, 2, 6), multis cum lacrimis Caesarem complexus 
(Caes. b. gall. 1, 20, 2), quanto cum. dolore vidi eum extimescentem 
(Cic. Marc. 6, 16) neben Brutum vidi, quanto meo dolore, non dico 
(Cic. Phil. 1, 4, 9). Wenn die Instrumentale animo mente u. ä. 
sich nicht mit cuyn zu verbinden pflegen, so liegt dies wohl daran, 
daß man sich zwar die Kühnheit und den Schmerz u. ä. als ein Ver- 
halten des Geistes oder der Seele mit der Handlung, bei welcher 
der Schmerz und die Kühnheit sich zeigt, verbunden denken kann, 
nicht aber den Geist und die Seele selbst; deshalb kann es heißen 
(magna) cum audacia, (magna) cum impietate, nicht aber cum 
animo audaci, cum mente impia. 

Es gibt aber noch eine dritte Art hegleitender Umstände. 
Cic. Verr. 1, 24, 63 accidit, ut illo itinere veniret Lampsacum cum 
magna calamitate et prope pernicie civitatis, hier werden durch cum 
gleichfalls zwei Vorstellungen verbunden, aber die Worte cum 
magna calamitate bezeichnen nicht die Art und Weise, wie Verres 
ankam, sondern die aus der Ankunft zu erwartende W^irkung. 
Ebenso Caes. b. gall. 1, 10, 2 id si fieret, intellegebat magno cum 
periculo provinciae futurum. Es findet sich aber auch in diesem 
Falle der bloße Kasus, z. B. Nep. 6, 2 muros Atheniensium restituit 
praecipuo suo periculo. Plaut. Capt. 498 bene rem gerere bono 
publico. Amph. 366 malo tuo advenisti. (Dagegen bei Plaut. Men. 
199 nimio ego hanc periculo surrupui hodie bezeichnen die Worte 
nimio periculo die Art und Weise der Ausführung oder die ge- 



1) Aber, wohlgemerkt, das was hier wahrgenommen oder erkannt wird, 
ist keine dauernde Eigenschaft, sondern ein augenblicklicher Zustand. 

3* 



36 Kudolf Methner 

fährliche Lage, in der sich der Sprechende bei der Ausführung 
der Tat befand.) 

Nun fragt es sich, wie der zu einem Verbum gehörende In- 
strumentalis der begleitenden Umstände (uxor deos invocat capite 
operto) andrerseits auch in attributiver und in prädikativer An- 
wendung mit esse die dauernde Eigenschaft einer Person oder 
Sache bezeichnen kann. Delbrück nimmt eine Entwicklung an; 
er geht von dem Beispiel aus serpens immani corpore incedit, die 
Schlange geht mit ihrem furchtbaren Leibe einher, und sagt: „Da 
nun der Leib doch dauernd zur Schlange gehört, so wird immani 
corpore (nach Art eines adjektivischen Kompositums) mit serpens 
vereinigt und die Gruppe von der Verbindung mit dem Verbum 
gelöst, z. B. bei Lucretius 5, 33 asper acerha tuens immani corpore 
serpens". Ich halte diese Erklärung für gezwungen \). Vom prä- 
dikativen Gebrauch sagt er: „Der andre Weg scheint der gewesen 
zu sein, daß an Stelle und in Nachahmung eines volleren Verbums 
das Verbum esse eintrat, z. B. bono animo esse etwa nach bono 
animo aggredi, guten Mutes etwas unternehmen". Diese Erklärung 
trifft m. E. nicht die Sache, denn in diesem Beispiel bedeutet 
bono animo doch nicht eine dauernde Eigenschaft (Gesinnung), 
sondern eine augenblickliche Stimmung. Delbrück wollte aber 
doch zeigen, wie der Instrum. der ,, begleitenden Umstände" dazu 
kommt, in Verbindung mit esse eine dauernde Eigenschaft zu be- 
zeichnen. 

Auch J. Golling 2) konstruiert den Zusammenhang zwischen 
dem mit dem Verbum verbundenen (adverbialen) Instrumentalis 
und dem mit einem Nomen verbundenen (adnominalen) ähnlich 
wie Delbrück; die Stufen der Entwicklung sind nach ihm: \) homo 
maesto voltu ingreditur, 2) homo maesto est voltu, 3) homo maesto 
voltu. Doch sagt er (Sp. 4): ,, Freilich läßt sich fragen, ob nicht 
die genannten Fälle, die wir als Vorstufe zum abl. quäl, bezeichnen, 
vom Lateiner selbst schon als adnorainal gefühlt wurden". Und 
er meint, daß in einer Wendung wie maesto voltu ingredi der Ab- 
lativ sich sehr wohl auch als adnominale (attributive) Bestimmung 
zu dem Subjekte von ingredi auffassen läßt. Zur Unterstützung 
seiner Ansicht verweist Golling auf eine von Aubert^) angeführte 
Stelle: obviam fit Miloni Clodius expeditus, in equo, nulla reda, 

1) Auch Wölfflin im Archiv für lat. Lexikographie und Grammatik, 
Bd. XI S. 198 ist dieser Meinung. 

2) In einem Aufsatz im ,, Gymnasium", VI Nr. 1, Spalte 3 f. 

3) Aubert, Beiträge zur lat. Grammatik, Christiania 1856 (S. 25). 



Die Entstehung des Ablativus qufilitatis usw. 37 

nulUs impedimentis (Cic. Mil. 10, 28). Zu dieser Stolle bemerkt 
Aubert, daß „alle vier Glieder von expeditus an als beschreibende 
Attribute zum Subjekt aufzufassen sind". Ich bin durchaus der- 
selben Ansicht, und ich füge hierzu noch das schon oben ange- 
führte Beispiel uxor deos invocat capite operto (Plaut. Amph. 1093), 
wo durch die Worte capite operto zugleich etwas von dem Sub- 
jekt prädiziert wird: die Frau hatte ihr Haupt verhüllt, und der 
Sprechende sowohl wie der Hörende fühlte diese Beziehung, aber 
beschrieben wird doch damit nur ein augenblicklicher Zustand, 
keine dauernde Eigenschaft, ebenso bezeichnen die Worte expeditus, 
nulla reda usw., und maesto vultu nur einen augenblicklichen 
(oder vorübergehenden) Zustand, keine dauernde Eigenschaft, und 
hierauf kommt es doch an. Und so nützt uns die Stufenreihe der 
Entwicklung, wie sie Delbrück, Ebrard und Golling annehmen, 
nichts, denn sie führt nicht bis zum Instrum. der dauernden Eigen- 
schaft 1). 

Um diesem ganz offensichtlichen Mangel der Erklärung abzu- 
helfen, will Golling den „unpassenden Namen Eigenschaftsablativ" 
beseitigt und dafür die Bezeichnung Comitativus oder Sociativus 
eingeführt wissen, indem er auf die Bemerkung von Nipperdey zu 
Nep. Eum. 3, G hinweist: „Durch eine gröbere Anschauung be- 
zeichnen die Lateiner zuweilen das, was jemand hat, oder die 
Lage, in der er sich befindet, als seine Eigenschaft". Das ist 
m. E. durchaus unwahrscheinlich. Wenn ein Römer einen Men- 
schen verhüllten Hauptes ein Gebet verrichten sah, wird es ihm, 
auch wenn er keine grammatisch-logische Bildung besaß, nun und 
nimmer eingefallen sein, dies als eine „Eigenschaft" jenes Men- 
schen aufzufassen. 

Ich bin der Meinung, daß es zu der Erklärung, wie aus dem 
Instrum. der begleitenden Umstände der abl. quäl, entsteht, eines 
Umweges gar nicht bedarf. Sollte nicht jener Instrumentalis von 

1) An einer andern Stelle seines Aufsatzes (Sp. 50) spricht Golling 
von einem adnominal gebrauchten abl. absol. und führt als Beispiele au 
Verg. Aen. 9, 89 bellator equus positis insignibus Aethon it und Ov. Met. 8, 
627 venit positis caducifer alis (die beiden andern dort augeführten Stellen 
Verg. Georg. 4, 344 et tandem positis velox Arethusa sagittis und Hör. Epod. 
5, 11 insignibus raptis puer constitit werde ich weiter unten besprechen) ; 
gewiß mag auch hier der Lateiner die Ablative als adnominal gefühlt haben, 
aber grammatisch sind sie zum Verbum zu ziehen und geben den Zustand 
an, in welchem sich das Subjekt in dem Augenblick des Sehens und Kom- 
mens befand. Einen abl. absol., dessen Wesen ich weiter unten darzulegen 
versuchen werde, kann ich in diesen Stellen nicht erkennen. 



38 Kudolf Methner 

vornherein sich auch unmittelbar mit einem Substantiv haben 
verbinden können , um in dieser Verbindung die dauernde Eigen- 
schaft einer Person oder Sache zu bezeichnen? Wir haben oben 
gesehen, daß der (augenblickliche) körperliche oder geistige Zu- 
stand, in welchem sich ein Subjekt bei der Ausführung einer Hand- 
lung befindet, zugleich an dem Subjekte wahrgenommen oder er- 
kannt wird (und das ist auch Gollings Meinung). Und wenn nun 
in diesem Falle der Instrumentalis gebraucht wird, so erklärt sich 
seine Anwendung auch da leicht, wo es sich um eine dauernde 
Eigenschaft handelt, die an einer Person oder Sache wahrgenommen 
wird; was jemand als dauernde Eigenschaft an einer Person oder 
Sache wahrnimmt, verbindet er in seiner Vorstellung mit dieser 
Person oder Sache. Und diese Anwendung des echten und ur- 
sprünglichen Instrumentalis findet sich im Litauischen, so führt 
Delbrück das Beispiel an mergä ilgais plaukais ein Mädchen mit 
langen Haaren, auch der Pole gebraucht noch jetzt in diesem 
Falle den Instrumentalis (in Verbindung mit der Präpositiou z): 
dziewczyna z dlugami wlozami^). Und wenn jemand die beiden 
Sätze hört „da kam ein Mädchen mit langen Haaren" und „da 
kam ein Mädchen mit langen Schritten", so fühlt er, auch wenn 
er keine Ahnung von grammatischen Kategorien hat, trotz der 
gleichen Ausdrucksweise heraus, daß das eine Mal eine dauernde 
Eigenschaft, das andre Mal ein begleitender Umstand angegeben 
wird. Andrerseits können bei Plaut. Merc. 305 tun capite cano 
amas die Worte capite cano aufgefaßt werden als Umstand, der 
das amare als etwas Unerwartetes erscheinen läßt 2), = cum caput 
iuum canum sit = obgleich dein Kopf grau ist, aber auch als eine 
Eigenschaft des Subjekts = du mit deinem grauen Haar, du Grau- 
kopf. Also der Instrumentalis der begleitenden Umstände kann 
sich ohne weiteres mit einem Substantiv verbinden; in dieser Ver- 
bindung erfährt er eben eine Nüancierung seiner Bedeutung, indem 
er jetzt nicht mehr begleitende Umstände, sondern Eigenschaften 
oder Beschaffenheiten bezeichnet. 

Als Beispiele aus dem Lateinischen will ich nur wenige Stellen 
anführen, die ich z. T. den Arbeiten von Ebrard und GoUing ent- 



1) Bemerkenswert ist Cic. Tusc. 5, 5, 13 iste chorus virtutum in eculeum 
impositus imagines coiistituit ante oculos cum ainplissi?na dignitute, wo die 
Worte cu7n a. dign. doch wohl als Attribut zu imagines zu ziehen sind. 
Doch ist vielleicht quam zu lesen. 

2) Und der Vergleich mit Bacch. 1101 canu capite et alba harba miscrum 
me esse utiro emunctum spricht für diese Auffassung. 



Die Entstehung des Ablativus qualitatis usw. 39 

nehme; und zwar betrachte ich zunächst nur solche Fälle, wo es 
sich um sinnlich wahrnehmbare Beschaffenheiten handelt. Plaut. 
Merc. 13 forma eximia mulierem; 574 (senex) anima foetida, von 
übelriechendem Atem (auch das ist sinnlich wahrnehmbar). Ter. 
Eun. 230 virginem facie honesta. Heaut. 10(32 illam virginem 
adunco naso. Att. praet. 20 peciis lanigerum eximia pulcritudine. 
Pacuv. trag. 253 aetate integra virum (auch die Jugendfrische ist 
etwas sinnlich Wahrnehmbares). 

Cic. nat. deor. 1, 36, 101 aves excelsae, cruribus rigidis, corneo 
proceroque rostro. Verr. 1, 25, 64 mulierem eximia pulchrihidine. 
4, 3, 5 Signa eximia venustate, virginali habitu atque vestitu ^). Mur. 
25, 50 duo esse corpora reipublicae, unum debile, infirmo capite, 
alterum firmiim sine capite. Phil. 14, 12, 33 moles opere magni- 
fico. Rep. 6, 8, 8 triiimphos arescentibus laureis. Fain. 16, 15, 2 
epistulam vacillantibus Utferis, ein Brief mit zittrigen Buchstaben. 
Und so kann es auch heißen hoc exemplo litteras, eisdem oder his 
verbis litteras, auch hier bezeichnen die Ablative eine sinnlich 
(durchs Auge oder durchs Ohr) wahrnehmbare Beschaffenheit; 
denn zur Beschaffenheit eines Briefes, sofern nicht bloß das Äußere 
gemeint ist, gehört der Wortlaut und der aus dem W^ortlaut sich 
ergebende Inhalt. Ebenso Tac. Ann. 15, 59 testamentum foedis 
adversus Neronem adulationibus. Ähnlich erklärt sich Cic. Deiot. 
9, 25 dixit versum Graecum eadem sententia = mit demselben 
Inhalt. 

Nun bleibt noch die Frage übrig: wie erklärt sich die Ver- 
bindung des Instrumentalis der dauernden Eigenschaft (also des 
abl. quäl.) mit dem Verbum esse? Die Erklärung Delbrücks, der 
sich auch Golling2) anschließt, nützt uns nichts, wie wir gesehen 
haben, denn in den Sätzen ille bono animo, maesto voltu est be- 
zeichnen die Ablative einen vorübergehenden oder augenblicklichen 
Zustand. Aber wir können von Fällen dieser Art ausgehen. Wie 
esse in der Verbindung mit einem Adverb oder einer adverbialen 
Bestimmung nicht bloße Kopula ist, sondern die Bedeutung hat 
„in einem Zustande sich befinden, sich irgendwie verhalten, irgend- 
wie stehen, gehen" (Stowasser s. v.), z. B. Cic. Deiot. 7, 19 cum 
in convivio comiter et iucunde fuisset, so auch in Verbindung mit 



1) Denn da es sich um Bildwerke handelt, ist die Bekleidung natür- 
lich auch eine dauernde Eigenschaft. 

2) A. a. 0. Sp. 4f. Golling weist darauf hin, daß auch G. T. A. Krüger 
eine ähnliche Entwicklung annimmt: 1) maesto vultii aygreditur, 21 maesto 
vulta est. 



40 Kudolf Methner 

einem Instrumentalis der begleitenden Umstände (Zustände, Stim- 
mungen, Erscheinungsformen), z. B. Plaut. Most. 810 non tu vides 
hunc ut tristi est voltu, siehst du nicht, wie er mit trauriger Miene 
dasteht, Cic. Tusc. 1, 42, 100 cum ad mortem duceretiir et esset 
voltu hilari atque laeto, als er zum Tode geführt wurde und (trotz- 
dem) mit heiterer Miene ging, (auch wenn wir übersetzen ,,und 
trotzdem eine heitere Miene zeigte", so ist eben doch bloß ein 
augenblickliches Verhalten, keine dauernde Eigenschaft gemeint), 
Plaut. Epid. 12 ut tu es gradibus grandihus, was machst du für lange 
Schritte, Cic. sen. 10, 34 nullo frigore adduci, ut capite operto sit, 
er ließ sich auch durch die strengste Kälte nicht bestimmen, be- 
deckten Hauptes zu gehend); hier ist kein bestimmter Einzelfall ge- 
meint, sondern ein gewohnheitsmäßiges Verhalten, jedenfalls aber 
keine dauernde Eigenschaft. Plaut. Capt. 789 colledo est pallio, er 
geht mit gerafftem Mantel, oder er hat den Mantel gerafft, ey^ei to 
i[x6tiov ovveileyijevov. Ter. Eun. 314 virginum quas 7natres Stu- 
dent demissis umeris esse, vindo pedore, sie sollen mit herabhän- 
genden Schultern und eingeschnürter Taille gehen. Verg. Aen. 2, 
518 Priamum sumptis iuvenalihus armis ut vidit, wo esse zu er- 
gänzen ist: wie sie ihn dastehen sieht mit den für kräftige Männer 
bestimmten Waffen, die er (soeben) an sich genommen hatte. Ein 
negatives Gegenstück gewissermaßen findet sich Hör. Epod. 5, 11 
constttit insignihus raptis puer, wo constitit dem Sinne nach einem 
fuit gleich ist: da stand er ohne Kleider; ebenso Verg. Georg. 4, 
344 et tandem positis velox Ärethusa sagittis, wo aus dem Zu- 
sammenhange ein erat oder fuit zu ergänzen: auch Ärethusa war 
dabei die eifrige Jägerin, die endlich einmal (tandem gehört m. E. 
zu positis) die Pfeile weggelegt hatte; die Worte pos. sag. erat 
geben den Zustand an, in dem sie sich damals befand. Cic. Sest. 
24, 53 senatus fuerat veste mutata, befand sich im Trauergewande. 
Ein aus dem sinnlich wahrnehmbaren Verhalten des Subjekts er- 
kennbarer (augenblicklicher) Gemütszustand wird bezeichnet Cic. 
Lig. 2, 6 hie aequo animo esse potuit, hätte er sich in ruhiger 
Stimmung befunden, hätte er ruhig bleiben können, 9, 28 langui- 
diore studio fuistis, ihr verhieltet euch weniger eifrig; hierher ge- 
hören nun auch die so häufig vorkommenden Wendungen bono 
animo est, er befindet sich in guter Stimmung, bono animo es sei 
guten Mutes (Plaut. Pseud. 232 liquido es animo, sei ruhig). 

Und wenn nun esse sich mit einem Instrumentalis verbinden 



1) Vgl. Plaut. Cure. 288 capite operto qui amhulent. 



Die Entstehung des Ablativus qualitatis usw. 41 

kaiiü, insofern er einen augenblicklichen Zustand bezeichnet, so 
wird es sich auch dann ohne weiteres mit ihm verbinden können, 
wenn er eine dauernde Eigenschaft bezeichnet. Natürlich wird 
auch in diesem Falle die Bedeutung von esse eine Modifikation 
erfahren = behaftet, versehen sein mit etwas, wie dies auch der 
Fall ist in den Wendungen esse cum telo, esse cum imperio *). Diese 
Wendungen stellen zugleich den Übergang dar von einem vorijber- 
gehendeu oder augenblicklichen Zustand zu einer dauernden Eigen- 
schaft; esse cum telo = augenblicklich versehen sein, forma pulchra 
esse = dauernd versehen d. h. behaftet sein. Daß die Beziehung 
zwischen einer äußeren Eigenschaft und der Person oder Sache, 
von welcher diese Eigenschaft ausgesagt wird, unter dem Bilde 
eines Aulegens vorgestellt werden kann, ist begreiflich, man ver- 
gleiche Cic. Süll. 27, 67 beluae . . . forma hominum indutae. Ich 
führe nunmehr einige Beispiele au, um zu zeigen, welche ver- 
schiedenen (sinnlich wahrnehmbaren) Eigenschaften durch den abl. 
quäl, mit esse bezeichnet werden. Plaut. Pseud. 1217 qua fade 
fuit. Pers. 130 quia forma lepida et liberalist. Most. 1148 qui sis 
capite candido. Merc. 640 ventriosum . . ., subnigris oculis, oblongis 
malis (sc. esse aiebant). Pseud. 1218 7'ufus quidam, ventriosus, 
crassis suris, subniger, tnagno capite, acutis oculis, ore ruhicundo, 
admodum magnis pedibus (ein richtiger Steckbrief). Most. 576 
scio te bona esse voce. Turpil. pall. 13 quam sit gracili corpore. 
Lucret. 2, 764 ea quae nigro fuerint . . . colore, marmorea fieri 
possint candore. Cic. Phil. 2, 16, 41 qua facie fuerit. Nat. deor. 
1, 28, 71) erat perversissimis oculis. 2, 33, 85 quae sempiterna sit 
necesse est hoc eodem ornatu. Caes. b. gall. 5, 14, 3 sunt capillo 
promisso atque omni parte corporis rasa, wo rasa aber vielleicht 
anders zu erklären ist, wie wir sehen werden, ebenso Cic. Rose, 
com. 7, 20 qui capite et superciliis semper est rasis. 

In allen bisher angeführten Stellen handelt es sich um sinn- 
lich wahrnehmbare Beschaffenheiten einer Person oder Sache; 
diese Beschaffenheiten oder Eigenschaften legt das wahrnehmende 
Subjekt dem Objekt eben auf Grund der Art und Weise bei, wie 
es ihm erscheint, und eben deshalb kommt in diesem Falle der 
Instrumentalis der Art und Weise oder der begleitenden Umstände 
zur Anwendung. Wie ist es nun aber mit geistigen Eigenschaften? 
Auch hier findet sich sowohl der attributive wie der prädikative 

1) Ich brauche wohl nicht darauf hinzuweisen , daß ein solcher aus 
dem jeweiligen Zusammenhange sich ergebender Bedeutungswandel sehr 
häufig ist, z. B. Gullia est Ariovisti; domum rediit und domurn delevit. 



42 Rudolf Methner 

Gebrauch des abl. qualitatis, und doch lassen sich geistige Eigen- 
schaften nicht prädiziereu aus der Art und Weise, wie die be- 
treffende Person oder Sache dem wahrnehmenden Subjekte er- 
scheint, z. II Cic. Verr. 4, 2, 4 signa pulcherrima quattuor, summo 
artificio, summa nohilitate, wo zwar die ,, kunstvolle Arbeit", nicht 
aber die ,, Berühmtheit" etwas sinnlich Wahrnehmbares ist^). Und 
das gilt auch von den so oft vorkommenden Wendungen homo 
magno ingenio, summo officio, magna doctrina, forti animo usw. 

Nun könnte man ja diese Anwendung durch die Kraft der 
Analogie erklären, und das um so mehr, als ja auch der Instru- 
mentalis der begleitenden Umstände, wie wir gesehen haben, nicht 
bloß dann steht, wenn das Verhalten oder der Zustand des Sub- 
jekts sinnlich wahrnehmbar ist, sondern auch von einem geistigen 
Verhalten oder Zustand gebraucht wird, der sich nur mittelbar 
aus der Art und Weise erkennen läßt, wie das Subjekt die Hand- 
lung ausführt. Und so kann sich die Phantasie auch eine geistige 
Eigenschaft als ein Kleid vorstellen, welches der Person angelegt 
ist, z. B. hnieiuhog dXvJjV, dvaidehjv bei Homer, ferner bei Cic. 
Lig. 5, 14 omnem hiimanitatem exuisse"^). 

Gleichwohl glaube ich, daß bei nicht sinnlich wahrnehmbaren 
Eigenschaften noch eine andre Art der Entstehung des abl. quäl, 
angenommen werden kann, und in gewissen Fällen angenommen 
worden muß. 

Ich glaube nämlich, daß die Wendung vir magno ingenio und 
ebenso die prädikative Wendung est magno ingenio durch Euallage 
entstanden ist aus magnus ingenio (abl. limitationis, in welchem 
ja manche einen ursprünglichen Instrumentalis sehen). Zum Be- 
weise mag folgende Tabelle von Beispielen dienen, in der links 
solche Stellen aufgeführt sind, die die nach meiner Ansicht nach 
ursprüngliche Ausdrucksweise zeigen. 

Cic. Lig. 4, 10 homo cum in- Cic. rep. 2, o, 5 vir excel- 

genio tum etiam doctrina excel- lenti prudentia. Arch. 7, 15 
lens. Verr. 3 § 185 virum ex- homines excellenti animo ac 
cellentem, virtute auctoritate virtute. 
copiis. Quinct. § 72 Hortensius 

1) Im Deutschen läßt sich ein Unterschied in der sprachlichen Be- 
handlung der beiden Arten von Eigenschaften nachweisen; es heißt „ein 
Mädchen mit blauen Augen'', aber „ein Mann von edlem Charakter". 

2) Man vergleiche auch Cic. fin. 2, 22, 73 ex spoliis Galli et torquem 
et cognorneii induit, und die deutsche Wendung „mit einem Amte bekleidet 
sein". 



Die Entstellung des Ablativus qualitatis usw. 



43 



excellens ingenio nohilitate. Div. 
2, 1, 4 excellentes viri cum 
nohilitate tum copia. 

Fin. 1, ö, 20 homini in geo- 
metria perfecta. 

Marc 3, 8 adversarium nohi- 
litate ingenio virtiife praestan- 
tem.. Balb. § 46 quaeris aliquem 
praestantiorem virtute. 

De or. 1, 40, 180 homo in- 
genio prudentiaque acutissimu s. 

Verr. 2, 54, 134 Verron tan- 
tum avaritia semper hiante atque 
imminente fuisse. 

Sen. 7, 21 si sis natura tar- 
dior. 

Div. 1, 58, 132 non sunt ii 
aut scientia aut arte divini. 



Plane. 12, 30 hominem parem 
virtute integritate modestia. Caes. 
b. g. 5, 34, 2 erant et virtute et 
studio pugnandi pares nostri. 

Verr. 3, 69, 162 si est volun- 
tate similis. Off. 1, 17, 55 viri 
boni moribus similes. 

Vat 2, 4 nimium es vehemens 
feroxque natura. 

Liv. 22, 12, 11 quod impar 
erat imperio. 

Plaut. Mil. 1042 hominem tam 
praeclarum virtute et forma 
et f actis. 



Lad. 11, 38 perfecta sapien- 
tia siimus. 

Sen. § 12 praestanti digni- 
tate hominem. Har. resp. § 57 
poeta praestanti aliquis ingenio. 

De or. 1, 43, 191 homo acu- 
tissimo ingenio. 

De inv. 2, 8, 27 neminem esse 
tanta stidtitia. 

Leg. agr. 3, 2, 6 quem nostrum 
tam tardo ingenio fore putavit. 

De or. 2, 88, 360 summos ho- 
mines et divina prope memoria. 
Or. 31, 109 poetas divino in- 
genio. 

Phil. 7, 6 quin pari virtute et 
voluntate alii fuerint. 



De or. 3, 15, biS non tam 
docti, sed impetu mentis simili 
et voluntate. 

Cluent. 44 erat immani acer- 
baque natura. Pac. trag. 37 
feroci ingenio. 

Liv. 3, 70, 1 duo consules po- 
testate pari. 

Cic. Verr. 4, 14, 32 hydria 
praeclaro opere (hier handelt 
es sich allerdings um eine sinn- 
lich wahrnehmbare Eigenschaft). 

Plaut. Mil. 49 memoria es 
optumü. 



Ebd. 888 ea (mulier) sihi im- 
mortalis memoria est et sem- 
piterna. 

Ferner scheinen mir auf eine solche Enallage deutlich hinzu- 
weisen folgende Stellen Plaut. Trin. 824 nam te omnes saevomque 



44 Kuclolf Methner 

severumque atque avidis moribus (= avidum morihus) commemorant. 
Ter. Heaut. 9ü2 te animo esse omisso im Vergleich mit Adolph. 
830 ne sint omissiores; auch mente captä findet sich neben mente 
captus. Auch bei sinnlich wahrnehmbaren Eigenschaften begegnet 
uns jene der Enallage zu Grunde liegende Form, so findet sich 
bei Livius und Nepos häufig neben homo magno natu, maximo 
natu auch die Wendung homo magnus, maximus natu. Eine solche 
Enallage liegt auch Cie. Verr. 4, 45, 95 vor: nemo aetate tarn af- 
feda fuit für aetate affectus, s. Stowasser s. v. affedus. Auch bei 
augenblicklichen Zuständen kann man eine solche Enallage nach- 
weisen, so Plaut. Mil. lo23 animo eram ferocior (neben Most. 396 
potin tit animo sis quieto); man vergleiche bei Hom. 11. 24, 283 
ayyjftolov Off ijld^e '^E/Mßiq TETirpn S^vf-uj} mit 8, 437 rEcirjf.ievog 
r^ioQ, und Od. 9, 501 TCQOoetftjv /.Ey.0TTq6vL ^vf.toj mit II. 14, 191 
yiozeooaf.ttvri d-vfi(p. Auch im Deutschen findet sich diese Er- 
scheinung; die Wendung „ein Mädchen von schöner Gestalt" geht 
zurück auf ,,ein Mädchen schön von Gestalt", wo die Worte ,,von 
Gestalt" die Richtung angeben, von der aus das Wort ,, schön" zu 
verstehen ist, ebenso wie in der Wendung /Mlrj x6 oiö(.ia der Ak- 
kusativ die Richtung angibt, nach welcher hin xaZrJ zu verstehen 
ist. Jene Ausdrucksweise begegnet uns schon im Mittelhochdeut- 
schen. So heißt es im Nibelungenliede I Strophe 5 ^) die herren 
wären milte, von arde höh erhorn = von höh erborner arde, um- 
gekehrt III Strophe CO er ist von hohem künne = höh von künne. 
Statt ,,von" finden sich auch andere Präpositionen, z. B. XXVIII 
Str. 17 groz was er zen brüsten = (.leyag ijv xa ozTJd^ea^). An die 
Möglichkeit einer solchen Herleituug scheint Holtze, Syntaxis 
prisc. Script. Lat. zu denken, indem er (I S. 181) sagt: huc per- 
tinet ablativus, qui vulgo xar' i^oxrjv dicitur qualitatis, ut cum 
dicitur ,, corpore magno esse", quod tamen leni mutatione cogi- 
tatiouis se convertere etiam potest in ,, corpore magnum esse". 
Wenn wir neben der Herleitung aus dem Instrumentalis der 
begleitenden Umstände auch diese zweite Art der Entstehung des 
Ablativus qualitatis annehmen, so ist, wie schon gesagt, seine An- 
wendung auch bei rein geistigen, oder sagen wir, nicht sinnlich 
wahrnehmbaren Eigenschaften genügend erklärt: ein homo magno, 



1) Ich zitiere nach der Ausf^abe von Zarncke. 

2) Eine ähnliche Enallage liegt vor, wenn wir statt ,,er machte den 
Eindruck eines vornehmen Mannes" sagen „er machte einen vornehmen Ein- 
druck", obwohl ein „Eindruck" an sich wohl schwach oder stark, aber nicht 
vornehm sein kann. 



Die Entstehung des Ablativus qualit.itis usw. 45 

tanto, summo, excellenti, praeclaro, singulari ingenio ist ein homo 
magnus, tantus, summus (vgl. summi homines, summi viri), excellens, 
praeclarus, singularis ingenio. So ist auch homo ahundanti doc- 
trina (Cic. de or. 1, lÜ, 85) = abundans doctrina vgl. Brut. 67, 
238 non erat abundans (von einem Redner), und De or. 3, 61, 230 
homo studio flagranti = studio flagrans, und Fin, 3, 11, 36 quis 
fuit avaritia tarn ardenti aut tarn eff renalis cupiditatibus = ardens, 
effrenalus, und mulier lepida et pudico ingenio (Plaut. Most. 206) 
= mulier pudica ingenio. Wenn wir diese Entstehung annehmen, 
so erklären sich auch folgende Anwendungen. Plaut. Mil. 1369 
fide nulla esse te = fide nullum esse te = du seiest nichts wert 
in Bezug auf Treue, Cic. Phil. 3, 16 homo nullo numero (cf. Sest. 
15, 34 nullus erat senatus = nichts galt der Senat), Brut. 60, 217 
memoria ita fuit nullä. Verr. 2, 54, 134 Verrem tantum avaritia 
fuisse, ingenio et cogitatione nulla, ut . . . videretur. Liv. 24, 36, 7 
duplici numero classem habentibus Bomanis. Zu dieser Stelle be- 
merkt Draeger, daß der Gebrauch ungewöhnlich sei, Weißenborn 
sagt: „Wenn eine bestimmte Zahl angegeben wäre, so würde der 
Genetiv gebraucht sein"; ganz richtig, aber wenn hier, trotzdem 
es sich doch um eine Zahlbestimmung handelt, der Ablativ steht, 
so erklärt sich dies damit, daß duplex als wirkliches Eigenschafts- 
wort (doppelt groß) sich unmittelbar mit einem Substantiv ver- 
binden kann = classem duplicem numero, eine an Zahl doppelt so 
starke Flotte*); ebenso Cael. ad Cic. fam. 8, 8, 3 cum aequo nu- 
mero sententiae fuissent = aequae numero und Liv. 37, 40, 8 levis 
armatura trium milium, pari ferme numero pars Cretenses pars 
Tralles = pares numero. Caes. b. Gall. 3, 14, 5 falces non ab- 



1) Duplex triplex usw. bezeichnen als relative GrößenbegrifFe in dem- 
selben Sinne eine Eigenschaft wie magnus, parvus. Dagegen kann es nicht 
heißen classis ducentis navibus, denn die 200 Schiffe stellen nicht eine Eigen- 
schaft der Flotte dar, sondern sind die Flotte. Daß es sich um keine 
Eigenschaft handelt, geht schon daraus hervor, daß man für „er brach mit 
einer Flotte von 200 Schiffen auf" ohne weiteres sagen kann ,,er brach mit 
200 Schiffen auf". Und eine Enallage ist hier selbstverständlich ausge- 
schlossen. Edwards-Wölfflin (a. a. 0. S. 470) erklärt ein vallum tribus pe- 
dibus deshalb für unmöglich, weil außer den Dimensionen der Wall kaum 
andre Eigenschaften habe, sodaß Breite und Tiefe (Höhe?) zu seinem „Wesen" 
gehörten (und deshalb müsse eben der Genetiv stehen). Ich halte diese Er- 
klärung (ganz abgesehen von dem Unterschied, der nach Edwards zwischen 
Genetiv und Ablativ der Qualität bestehen soll) für ganz unzutreffend, denn 
zu dem „Wesen" eines Walles gehört doch wohl auch das Material, aus 
dem er besteht (ob Erde oder Steine u. ä.). 



46 Kudolf Methner 

simili forma muralium falciiim; hier nimmt man, um den Genetiv 
syntaktisch zu erklären, eine verkürzte Vergleichung an = forma 
non absimili formae (Dativ!) muralium falcium; das ist aber nicht 
nötig, der Genetiv hängt unmittelbar von absimili ab = falces non 
absimiles forma muralium falcium, Haken, die ganz ähnlich waren 
an Gestalt den Mauerhaken. 

In den zuletzt genannten Beispielen handelt es sich um eine 
sinnlich wahrnehmbare Eigenschaft, aber es ist begreiflich, daß 
auch in solchen Fällen der Ablativus qualitatis entstanden sein 
kann aus Adjektiv + Ablativus limitationis. Das ergibt sich aus 
folgenden Beispielen: Liv. 22, 16, 6 ludibrium oculorum specie ter- 
ribile neben Ncp. 14, 3, 1 hominem maximi corporis terribilique 
facie, ferner Yerg. Aen. 1, 72 forma pulcherrimä Deiopea neben 
1, 71 nymphae praestanti corpore; 4, 180 sororem pedibus celerem 
et pernicibus alis. Es sprechen dafür auch Stellen wie Plaut. Mil. 
630 clare oculis video, pernix sum pedibus, manibus mobilis; 
1390 qui forma est ferox. Und wenn es Cic. Verr. 4, 52, 117 
heißt urbs situ est munito, so scheint mir die Entstehung aus einem 
ursprünglichen urbs est situ munita ganz zweifellos. Ferner ist es 
leicht verständlich, daß, nachdem einmal die also entstandene Aus- 
drucksweise zur Bezeichnung rein geistiger Eigenschaften sich ein- 
gebürgert hatte, sie auch da Anwendung fand, wo eine Zurück- 
führung auf die ursprüngliche Form (Adjektiv + Ablativus limi- 
tationis) nicht gut möglich ist, z. B. homo incredibili (= divina) 
prudentia ^). 

Seltener kommt es vor, daß au Stelle eines Adjektivs sich ein 
zweites Substantiv findet, z. B. Caes. b. gall. 6, 2i5, 1 est bos cervi 
figurä, hier liegt entweder ein Instrumentalis vor oder es ist eine 
Enallage anzunehmen: es findet sich da ein größeres Tier (s. Dinter 
z. d. St.), seinem Aussehen nach ein Hirsch, cervus figurä^). Cic. 

1) Vgl. Cic. Brut. 68, 240 Q. Fompeius . . suvuno studio diccndi mul- 
taque doctritia, incredibili labure atque industria; ich habe wenigstens kein 
Beispiel gefunden für den Typus homo incredibilis scienfio, während divinus 
scientia vorkommt (Cic. Div. 1, 58, 132) s. oben. Dagegen bei Verr. 2, 43, 
106 cum esset Sthenius civitatis suae tiohilissimus, amplissima cogfiatione, plu- 
rimis amicitiis, cum praeterea tota Sicilia multuin aucluritate et gratia posset 
scheinen mir die Ablative mnpl. cogn. und plur. am. absolute Ablative zu 
sein, die dem Satze cum esset nobilissimus untergeordnet sind. 

2) Caes. b. gall. 6, 28, 1 hi sunt magnitudine puulo infra elep/iantos, 
specie et Jigura et colore tauri, hier halte ich tauri für den nom. plur. 3, 
13, 4 transira . . . clavis ferreis digiti pollicis crassitudine; hier hängt m. E. 
digiti pollicis von clavis ab. Wie es heißen kann fossa duodeviginti 2)edi(m, 



Die Entstehung des Ablativiis (lualitatis usw. 47 

rep. 2, 26, 48 qtii figura est Jiominis, Nat. deor. 1, 18, 48 hominis 
esse specie deos confitendum est. Liv. 21, 62, 5 in agro Amiterno 
multis locis hominum specie procul Candida veste visos esse; das 
Subjekt zu visos esse ist ausgelassen, weil man eben nicht wußte, 
was für Wesen es waren (ob Geister oder Menschen) = man habe 
Wesen gewesen mit Menschengestalt. 

Besteht die nähere Bestimmung des eine geistige oder, allge- 
meiner gesagt, nicht sinnlich wahrnehmbare Eigenschaft bezeich- 
nenden Ablativs aus einem Pronomen, so liegt gleichfalls eine 
Enallage vor, z. B. Cic. Mil. 24, 79 qui ea virtute ac fortuna est 
= qui is est virtute = og zoiovrog iativ aQezrjv. Man. 14, 41 
fuisse homines Romanos hac quondam continentia und ebenda ea 
temperantia magistratiis habebamus. Nep. 7, 5, 2 Älcibiades ea. erat 
sagacitate. Tusc. 1, 12, 28 hinc Liber Semele natus eademque famae 
celebritate Tyndaridae fratres. Phil. 12, 3, 7 censetis Italiam. fu- 
turam eodem siudio; man vergleiche hierzu Thuc. o, 38, 1 lyto o 
avrog eii.ti rij yrc6/.iiy, Soph. 0. R. 557 ymI vvv Id'^ abzog eif,it zw 
ßovlevf.iavi; Cic, or. ad Quir. 3, 8 amore idem, qui semper fuit. 
Rep. 1, 23, 37 quibus aiitem studiis fueris tenemus = olog 7]oi)^a 
OTtovöijv (denn mit studiis ist hier dasselbe gemeint, wie kurz 
vorher mit studio discendi). 

Folgende Stellen lassen sich meiner Ansicht nach nur durch 
die Annahme einer Enallage erklären, da das im Ablativ stehende 
Substantiv weder eine körperliche noch eine geistige Eigenschaft 
bezeichnet. Cic. Phil. 6, 5, 12 quis unquam tantis opibus, tantis 
rebus gestis fuit = tantus rebus gestis. Verr. 3, 90, 210 qui 
tanta auctoritate sunt, tantis rebus gestis. Fam. 4, 6, 1 darum 
virum et magnis rebus gestis. Sali. lug. 63, 7 nemo tam clarus 
neque tam egregiis f actis erat. Cic. Ac. 2, 40, 125 innumerabiles 
paribus in locis esse, eisdem nojninibus, honoribus, rebus gestis, 
ingeniis, formis, aetatibus = eosdem nominibus usw. Verg. Aen. 
7, 474 claris dexterä f actis = dextera clara f actis. Und so ließen 
sich vielleicht auch die oben angeführten Stellen Caes. b. gall. 5, 
14, 3 sunt omni parte corporis rasa und Cic. Rose. com. 7, 20 qui 
capite et superciliis semper est rasis durch eine Enallage erklären = 
omni parte rasi und superciliis rasus, wenn man zum Vergleiche 
heranzieht Cic. Sest. 12, 27 qui mutatä veste non esset neben Fam. 
5, 21, 1 cum alii mutati voluntate sint. 

Eine besondere Besprechung dürfte der Ablativ animo (mente) 

so auch clavtts (unius) di</üi poUicis, und crassitudine ist abl. limit., wie in 
mille numero naves. 



48 Eudolf Methner 

erfordern. Über seine Anwendung in der Bedeutung einer augen- 
blicklichen Stimmung ist schon gesprochen worden. Er bedeutet 
aber auch die Gesinnung, also eine dauernde Eigenschaft, z. B. 
Cic. Phil. 3, 1, 2 sunt optimo animo, summo consilio, singulari 
eoncordia-, hier liegt eine Enallage vor = optimi animo = tüchtig, 
brav in der Gesinnung; ebenso Ein. 5, 29, 87 Bemocritus consequi 
volebat bono ut esset animo; id enim ille summwn bonum svd^vf.dav 
et saepe dS^a/.ißiav appellet, id est animum terrore liberum. Oflf. 3, 
10, 45 Damonem et Phintiam ferunt hoc animo inter se fuisse. 
Caes. b. gall. 5, 41, 5 se hoc esse in Ciceronem animo = xoiovzov 
trjv yvw!iir]v. De or. 1, 39, 180 hac eum mente fuisse, 3, 3, 10 
qua mente fuit. Auch die attributive Anwendung findet sich, 
z. B, Tusc. 2, 21, 48 Placideius aliquis hoc animo. Ebenso er- 
klären sich die Wendungen animo constanti, forti, hostili, agresti. 
Man vergleiche Deiot. 13, 36 magno animo et erecto est und Off. 
3, 32, 114 excelso animo fuit mit Tusc. 5, 14, 42 poterit esse celsus 
et erectus, ferner Farn. 5, 12, 9 quod alacres animo sumus = 
alacri animo sumus. Aber auch in der Bedeutung ,, Stimmung" 
ist die Annahme einer Enallage möglich, man vergleiche Cic. 
Brut. 5, 30 si es animo vacuo und Verr. 2, 75, 185 animo soluto 
liberoque erat mit Tusc. 5, 15, 43 quem vacuum, solutum, liberum 
videris. 

Als ablativus qualitatis pflegt man auch solche Wendungen 
Avie iure, condicione esse u. ä. zu betrachten, z. B. Cic. Caes, 35, 
102 (Sulla) iubet eodem iure esse quo fuerint Äriminetises; leg. agr. 
2, 11, 29 tum ii decemviri eodem iure sint quo qui optima lege 
(sc. creati sint); ebd. 3, 2, 9 optimo iure ea sunt praedia, quae 
optima condicione sunt; libera meliore iure sunt quam serva. In 
allen diesen Fällen wird durch den Ablativ iure weder ein körper- 
liches oder geistiges Verhalten des Subjekts bezeichnet, wie in 
den Wendungen operto capite esse, bono animo esse, noch eine 
dauernde Eigenschaft geistiger oder sinnlich wahrnehmbarer Art, 
sondern eine durch Natur oder Gesetze oder sonstwie bestimmte 
Stellung oder Lage, in der sich das Subjekt befindet. Sollten da 
nicht vielleicht die Ausdrücke iure und condicione als ursprüng- 
liche Lokative anzusehen sein = diese Decemvirn sollen in der- 
selben rechtlichen Stellung sich befinden? Man vergleiche Cic. 
Arch. 5, 11 quem in iure civium esse versatum = daß er sich in 
der rechtlichen Stellung eines römischen Bürgers befunden habe. 
Und wenn Arch. 4, G quae cum esset civitas aequissimo iure ac 
foedere die Worte aequissimo iure unmittelbar zu civitas bezogen 



Die Entstehung des Ablativus qualitatis usw. 49 

werden können (was aber nicht notwendig ist), so liegt eine Ver- 
kürzung des Ausdrucks vor für quae cum esset ea civifas, quae aeq. 
iure erat; man vergleiche decemviri legibus scribundis, welches ein 
verkürzter Ausdruck ist für qui creafi erant legibus scribundis. 
Ferner findet sich neben eo statu esse (Cic. nat. de. 2, 34, 87) 
auch in statu, z. B. Liv. 26, 5, 1 cum in hoc statu apud Capuam 
res essent, vgl. Weißenborn zu Liv. 22, 9, 10. Man vergleiche 
ferner Cic. Font. 18, 40 meliore fortuna fuisset mit Marc. 1, 2 
virum talem non in eadem esse fortuna; und Nep. 22, 2, 1 ut num- 
quam pari periculo fuerit Carthago mit Cic. Cat. 1, 8, 19 qui magno 
in periculo essem. Ebenso findet sich aliqua condicione esse neben 
in a. c. esse. Auch in der Wendung magno honore esse handelt 
es sich nicht um eine Eigenschaft, sondern um die Stellung, die 
jemand hat auf Grund seiner Eigenschaften oder seiner Verdienste, 
z. B. Liv. 1, 40, 1 apud patres plebemque longe maximo honore 
Servius Tullius erat, man vergleiche damit c. 39, 6 in caritate 
atque honore fuisse, und c. 31, 1 in magna gloria regnum Tulli erat. 

Es würde sich demnach über Wesen und Gebrauch des abla- 
tivus qualitatis etwa folgendes ergeben: Der abl. quäl, ist teils 
auf einen ursprünglichen Instrumentalis der begleitenden 
Umstände zurückzuführen, teils durch eine Enallage 
eines Nomens mit dazugehörigem abl. limitationis zu er- 
klären; er bezeichnet dauernde Eigenschaften des Kör- 
pers sowohl wie des Geistes und steht sowohl attributiv 
wie prädikativ (mit esse). 

Die Tatsache, daß der abl. quäl, stets mit einem Nomen (Ad- 
jektiv oder Pronomen oder — selten — Nomen) verbunden ist, 
erklärt sich daraus, daß die Eigenschaften einer Person oder Sache 
eben nur dann besonders erwähnt zu werden pflegen, wenn sie in 
besonders hohem oder geringem Grade vorhanden sind; und bei 
Worten wie corpore, figura, animo ist das ganz selbstverständlich. 
Ebenso selbstverständlich ist dies da, wo eine Enallage angenommen 
wird (puella insigni forma = pueUa insignis forma). 

Wie stellt sich nun das Verhältnis des abl. quäl, zum gene- 
tivus qualitatis? 

Edwards-Wölfflin (a. a. 0. S. 198) erklären: „Als Grundlage 
muß seit Delbrück gelten, daß der Ablativ nur die begleitenden 
Umstände ausdrücken kann, also die vorübergehenden und wechseln- 
den Eigenschaften, der Genetiv dagegen als der Kasus der Zuge- 
hörigkeit das dauernde Eigentum, den bleibenden Besitz, die sta- 
bilen Eigenschaften". 

Glotta VI, I. 4 



50 Kudolf Methner 

Was hier von dem inneren Unterschiede zwischen beiden Kasus 
gesagt ist, kann unmöglich richtig sein, da das, was vom abl. quäl. 
gesagt ist, mit den Tatsachen im grellsten Widerspruch steht. 
Denn hundert und aberhundert von Beispielen finden sich im alten 
und im klassischen Latein, wo der abl, eine dauernde Eigenschaft 
bezeichnet. Oder sollte der Römer, wenn er von einer puella in- 
signi forma, einem homo magno ingenio sprach, diese Schönheit 
und diese geistige Kraft nur als eine ,, vorübergehende und wech- 
selnde" Eigenschaft haben bezeichnen wollen? Und merkwürdig 
ist die Art, wie sich Edwards-Wölfflin mit diesen unzweifelhaften 
Tatsachen abfinden. Gegenüber der Tatsache, daß schon bei 
Plautus der abl. quäl, auch von bleibenden Eigenschaften ge- 
braucht wird, erklären sie (S. 209), daß „in der Zeit des Plautus 
jene Unterscheidung noch nicht gemacht wurde". Und von Nep. 
Ages. 8, 1 statura fuit humili et corpore exiguo heißt es ebenda: 
„der abl. ist an sich aufi"allend und den Erklärern unbequem (?), 
aber vielleicht ein Konzinnitätsablativ, weil der Genetiv humilis 
vermieden wurde (?)". Und von der bei Vergil und Lukrez öfter 
vorkommenden Wendung magno pondere heißt es (S. 210): ,, Da- 
nach faßten unbegreiflicherweise L. und V. die Schwere als 
eine vorübergehende Eigenschaft des Steines, indem sie den abl. 
comitativus wählten". Es ist wunderbar, wie Edwards angesichts 
solcher Tatsachen nicht stutzig geworden ist und das Unhaltbare 
seiner Ansicht vom Wesen und Gebrauch des abl. quäl, erkannt 
hat. Und dabei weist er selbst auf die sorgfältigen Untersuchungen 
von Stegmann hin (in den Jahrbüchern für Philologie und Päda- 
gogik, 1885, II S. 243ff. und 1887, II S. 265ff.), die zu dem Er- 
gebnis gelangen, daß der abl. gegenüber dem genet. bei weitem 
überwiegt 1), daß der Gebrauch des letzteren sich im allgemeinen 
beschränkt auf Bestimmungen nach Maß und Zahl, Gewicht und 
Preis, Art und Gattung (1885, II S. 247), während er vom Ab- 
lativ in Übereinstimmung mit den Tatsachen sagt, daß er die 
Eigenschaft oder Beschaffenheit (also nicht etwas ,, Vorübergehendes 
und Wechselndes") bezeichnet. Ganz besonders autfallend aber 
ist an jener Behauptung Edwards, daß er sich auf Delbrück be- 
ruft, der ja doch ausdrücklich neben dem Instrumentalis der be- 
gleitenden Umstände einen solchen der dauernden Eigenschaft 
feststellt. 



1) Bei Cicero hat Stegmann neben 445 Beispielen für den abl., wor- 
unter allerdings auch solche sind , die einen augenblicklichen Zustand be- 
zeichnen, nur 27 für den genet. festgestellt (1887, II S. 267). 



Die Entstehung des Ablativus qualitatis usw. 51 

Was im übrigen die Entstehung und Erklärung des genetivus 
qualitatis betrifft, so glaube ich (und diese Erklärung erwähnen 
auch Edwards-Wölfflin, S. 198), daß er zurückzuführen ist auf 
einen genetivus pretii (vgl. Plaut. Mil. 145 hotno haud magni 
pretii und homo nihili gleichfalls bei Plautus) und dieser wieder 
auf einen Genetiv des Stoffes und des Betrages, vgl. Krüger, 
Griech. Sprachl. § 47, 8 nebst Anm. 1 und § 47, 17. Eingehende 
Untersuchungen über das Wesen des gen. quäl, habe ich nicht 
angestellt und so kann ich hier nur die Vermutung aussprechen, 
daß er (abgesehen von den Fällen, wo er „zeitliche oder räum- 
liche Größe durch Zahlenangaben oder die Art und Klasse, zu 
welcher das Beziehungswort zu rechnen ist"i), bezeichnet) zu 
Bezeichnungen von Eigenschaften von Personen und Sachen zu- 
nächst nur da zur Anwendung kam, wo zugleich ein Werturteil 
ausgesprochen werden sollte, z. B. homo magnae audoritatis, sumtni 
consilii, summae virtutis, singularis constantiae u. ä. Doch ist es 
leicht begreiflich, daß er auch in die eigentliche Domäne des Ab- 
lativs übergreift, z. B. homines tantulae staturae (Caes. b. gall. 2, 
30, 4), ho?no maximi corporis (Nep. 14, 3, 1). 

Demnach kann ich die Ansicht Gollings^) nicht billigen. Er 
erklärt, daß die Frage nach der Ausbreitung des einen und des 
andern Kasus entschieden sei durch die Feststellung G. T. H. 
Krügers: ,, Durch den Genetiv wird ein Gegenstand dargestellt, wie 
«r (nach der Ansicht des Redenden) ist, durch den Ablativ, wie 
er sich zeigt". Diese Feststellung würde nur dann richtig sein, 
wenn es erwiesen wäre, daß der Ablativ nur von sinnlich wahr- 
nehmbaren Eigenschaften gebraucht werde, was aber durchaus 
nicht der Fall ist. Oder aber der Nachdruck ist zu legen auf die 
Worte ,,nach der Ansicht des Redenden"; wenn Krüger damit 
meint, daß der Redende dem Gegenstande gewisse Eigenschaften 
beilegt, ihn also gewissermaßen bewertet, so kommt das ungefähr 
auf dasselbe heraus, was ich oben sagte, daß der Genetiv zunächst 
nur da gebraucht wurde, wo ein Werturteil ausgesprochen werden 
sollte. Auch der Folgerung, die Golling aus jener Feststellung 
zieht, kann ich nicht zustimmen; er sagt nämlich: ,, Jedes Merkmal 
eines Begriffes kann als seine Begleitung, in welcher er erscheint, 
aufgefaßt werden, d. h. jeder gen. quäl, wird im allgemeinen durch 

1) Schmalz in J. Müllers Handbuch II 2 (4. Aufl.) S. 363. Er fügt 
noch hinzu : ,,Man findet daher nur eiusmodi, mßximi pretii, trium pedum 
u. ä.". 

2) A. a. 0. Sp. 6f. 

4* 



52 Kudolf Methuer 

den abl. quäl, vertreten werden können, dagegen wird umgekehrt 
nur zufällig hie und da, was als begleitendes Moment eines Be- 
griffes erscheint, ein Merkmal darstellen". Abgesehen davon, daß 
für Genetive wie vita eins tnodi, fossa trium pedum nicht der Ab- 
lativ eintritt, und daß andrerseits das Wort Ingenium, das die 
Naturanlage, das geistige Wesen eines Menschen bezeichnet, im 
alten Latein sich nur im Ablativ findet i), während doch nach der 
Auffassung Krügers der Genetiv zu erwarten wäre, scheint mir 
hier der Standpunkt, von dem aus die Frage zu untersuchen ist, 
verschoben zu sein. Von dem gen. quäl, kann man zwar in ge- 
wissen Verbindungen, wie den eben genannten, zur Not sagen, daß 
er das Merkmal eines Begriffes augebe, aber in den weitaus meisten 
Fällen dienen beide Kasus nicht dazu, die Merkmale eines Be- 
griffes anzugeben, sondern die Eigenschaften einer Einzelperson 
oder eines Eiuzeldinges. Es zeigt sich, wie bei so vielen andern 
sprachlichen Erscheinungeu, auch hier, daß die logische oder rein 
logische Betrachtungsweise nicht imstande ist, solche Erscheinungen 
zu erklären. 

Von dem sogenannten Ablativus absolutus behaupten einige, 
daß er auch als abl. quäl, verwendet werde, so Aubert^). Wenn 
die Definition, die Etzler^) vom abl. absol. gibt, richtig ist, wo- 
nach „der abl. absol. mit einem Satze das Sein oder Tun eines 
andern Subjektes in Verbindung bringt", so kann man zwar in 
dem Satze uxor capite operto deos invocat einen abl. absol. sehen, 
aber es wird hier doch keine Eigenschaft bezeichnet, sondern der 
Zustand, in dem sich das Subjekt uxor zu einer bestimmten Zeit 
befand (sie ruft die Götter an, indem ihr Haupt verhüllt ist), 
ebenso verhält es sich Caec. Stat. pall. 271 quassante capite tristes 
incedunt, Tibull. I 6, 81 haue animo gaudente vident; auch hier 
liegt ein Instrumentalis der begleitenden Umstände vor. Wenn 
wir in solchen Fällen den Ablativ als einen beschreibenden be- 
zeichnen können, so müssen wir doch immer bedenken, daß nicht 
eine Eigenschaft, sondern ein augenblicklicher Zustand beschrieben 
wird. Und wenn man einen solchen Ablativ einen absoluten 
nennt, so ist dies eine rein äußerliche Auffassung, die eben nur 
die grammatische Form (Nomen + Partizip) berücksichtigt; in 
Wirklichkeit liegt ein Instrumentalis der begleitenden Umstände vor. 

1) Nach Golling ist das durch die Abhandlung von Loch, de geuitivi 
apud priscos scriptores Latinos usu, Bartenstein 1880, bewiesen. 

2) s. Golling a. a. 0. Sp. 42f. 3) s. Golling a. a. 0. Öp. 41. 



Die Entstehung des Ablativns qualitatis usw. 53 

Dagegen in dem Satze colledo est pallio (Plaut. Capt. 789) 
können die Worte collecto pallio auch nicht in rein formaler 
Beziehung als abl. absol. aufgefaßt werden, denn ihre Umwand- 
lung in einen besondern Satz (wie oben „indem ihr Haupt ver- 
hüllt ist") ist hier nicht möglich, sondern hier liegt ganz 
zweifellos ein mit einem adjektivisch gebrauchten Partizipium 
verbundener Instrumentalis der begleitenden Umstände vor, ebenso 
Ter. Heaut. 962, vidi te animo esse omisso, wo der geistige Zustand 
beschrieben wird, in dem sich das Subjekt {te) damals befand. 
Ebensowenig liegt ein abl. absol. vor in der schon oben besprochenen 
Stelle Cic, Phil, (j, 5, 12 quis umquam tantis rebus gestis fuit, wo 
meiner Ansicht nach eine Enallage anzunehmen ist, und Man. 9, 26 
qui iam stipendiis confectis erant = stipendiis confedi; so ist auch 
die Lesart einiger Handschriften. Ebenso ist die Annahme eines 
abl. absol. ausgeschlossen, wo die Wendung rebus gestis u. ä. sich 
in attributiver Anwendung vorfinden, z. B. Cic. fam. 4, 6, 1 darum 
virum et magnis rebus gestis = magnum rebus gestis. 

Dagegen liegt ein wirklicher abl. absol. vor Cic. Phil. 2, 6, 
13 L. Cotta, vir summo ingenio smmnaque prudentia, rebus üs gestis, 
quas tu reprehendis , supplicationetn decrevit. Hier bezeichnen die 
Ablative summo ingenio und summa prudentia Eigenschaften des 
Cotta, aber die Worte rebus gestis beziehen sich ja gar nicht auf 
Cotta, sondern Ciceros Taten sind damit gemeint, und sie gehören 
als nähere Bestimmung zu dem Verbum decrevit, aber sie be- 
zeichnen nicht, wie capite operto, animo audaci, die Art und Weise, 
wie das Subjekt handelt, oder den geistigen oder körperlichen 
Zustand, in dem es sich bei der Ausführung der Handlung befand, 
sondern sie geben an, wie sich das decernere erklärt, sie enthalten 
einen Umstand, der es erklärt oder begreiflich macht, daß Cotta 
den Antrag stellte, mit einem Worte, sie bezeichnen einen „näheren 
Umstand" und entsprechen einem Modalsatz mit cum = cum eas 
res gesserim oder gessissem^). Der Grieche würde sagen i^qio- 
xriQiä poi eyQaipev toiavTa /rgd^avTi, und weil der Lateiner kein 
Partizip des Aktivs hat, das die vollendete Handlung bezeichnet, 
so bedient er sich einer passiven Wendung. Und weil es sich 
dabei um nähere Umstände handelt, d. h. um solche Umstände, 
die den Zweck haben, einen Vorgang (hier das supplicationem de- 

1) Ich verweise auf meine Schrift: Bedeutung und Gebrauch des Kon- 
junktivs in den latein. Eelativsätzen und Sätzen mit cum. Berlin 1911, 
S. 95f. Ich habe dort auch von den einem Modalsatz mit cm?« entsprechen- 
den Partizipialsätzen gesprochen (S. 106). 



54 Rudolf Methner 

cernere) zu veranschaulichen, ins rechte Licht zu stellen, so steht 
derselbe Kasus, der als Instrumentalis die „begleitenden" Umstände 
bezeichnet^). 

Und wenn ich vorhin von einem wirklichen abl. absol. ge- 
sprochen habe, so möchte ich darunter einen mit einem Partizip 
(oder auch Nomen) verbundenen Instrumentalis verstanden wissen, 
der, eben infolge seiner Verbindung mit einem Prädikativum, 
einen näheren Umstand bezeichnet. Cic. Mur. 2, 3 negat Cato 
fuisse rectum me et consulem et legis ambitus latorem et tarn se- 
vere gesto consulatu causam L. Murenae attingere-, trotz der engen 
grammatischen Verbindung mit consulem und legis latorem vertritt 
der abl. consulatu gesto keinen Eigenschaftsablativ, auch jene Ak- 
kusative bezeichnen keine Eigenschaft, sie gehören nur scheinbar 
zum Subjekt me, in Wirklichkeit (ebenso wie consulatu gesto) zum 
Verbum, und enthalten nähere Umstände, welche das attingere 
in den Augen des Cato besonders bemerkenswert erscheinen lassen: 
Cato findet es unrecht, daß ich, der ich doch Konsul bin und das 
Gesetz de ambitu beantragt habe und in meinem Konsulat so 
energisch mich gezeigt habe, die Sache des Murena übernehme 
= cum oder qui consul fuerim et legem tulerim et consulatum se- 
vere gesserim. Der Grieche würde sagen gjut l'uaTov ovra ymI tÖv 
vöfiov yquipavTa y-al ttjv ciQxr/v ojtovöaiiog (xQ^avza VTteg tov M. 
Xeyeiv; so wenig hier die Partizipe den Zweck haben, Eigenschaften 
des Subjektes anzugeben, so wenig im Lateinischen die Substan- 
tiva consulem und latorem und der Ablativ consulatu gesto. Auch 
der Römer fühlte das consulatu gesto gewissermaßen als ein part. 
perf oder aor. activi, das zeigt sich auch Caes. b. gall. 2, 4, 2 
qui omni Gallia vexata Teutonos intra fines suos ingredi prohibuerint 
=^ o'o Toig TevTovag dr^woavtag tr^v FauXlav ey.wXvoav, aber trotz der 
scheinbar so engen Beziehung der Worte veaata Gallia zu Teutonos 
ist jener Ablativ doch nicht als abl. quäl, aufzufassen, sondern er 
vertritt einen Modalsatz = die doch oder obwohl sie doch ganz 
Gallien verwüstet hatten; dies ist ein näherer Umstand, der die 
kriegerische Tüchtigkeit der Beiger in um so hellerem Lichte er- 
scheinen läßt; bell. civ. 2, 14, 6 reliquos infecta re reppulerunt = 



1) S. Schmalz in J. Müllers Handbuch, 4. Aufl. S. 388 f.: ,,Der sogen, 
abl. abs. ist hervorgegangen aus dem mit einem Attribut versehenen Instru- 
mentalis"; aber er sagt auch: ,,Wir scheiden die im engsten Verband mit 
ihrem Satze gebliebenen Instrumentales (z. B. quassanfe capite incedunt) von 
den absolut gewordenen und sagen mit Recht: der abl. absol. ist ein mit 
einem Prädikativum versehener Ablativ". 



Die Entstehung des Ablativus qualitatis usw. 55 

tovg loiTtovg ovdev Ttga^aviag ccTt^Xaaav^). Cic. Süll. 10, 30 cum 
L. Torquatus, pritnum ipse his fundamentis adulescentiae iactis, ea 
spe proposita ampUssimae dignitatis, deinde L. Torquati . . . optimi 
civis filius, interdum efferatur immoderatione verborum, auch hier 
geben die abl. absoluti ebenso wie filius {rtalg wv) keine Beschrei- 
bung des Subjekts, sondern nähere Umstände, die den Zweck haben, 
die bei Torquatus bisweilen hervortretende Maßlosigkeit im Reden 
ins rechte Licht zu stellen: diese Maßlosigkeit ist unter solchen 
Umständen eigentlich nicht zu erwarten oder besonders auffallend. 
Etwas andrer Art sind folgende Fälle. Caes. b. civ. o, G7, 3 re- 
liquas cohortes, in qiiibus erat legio nona multis amissis centurioni- 
bus deminutoque militum numero, ad legionem Pompei . . . eduxit; 
hier entsprechen die abl. absoluti einem Relativsatz = welche 
viele Centurionen verloren und auch sonst starke Verluste erlitten 
hatte, und es w-ird damit ein Zustand bezeichnet, aber wohlge- 
merkt nicht der Zustand, in welchem das Subjekt sich bei der 
Ausführung einer Handlung befindet, wie bei capite operto invocat 
deos (auch bezeichnet der Satz in quibus erat, in welchen jene 
Ablative gehören, ja gar keine Handlung), sondern der Zustand, 
in welchem sich die Legion befand in dem Augenblicke, wo Cäsar 
jenen Marsch antrat, also ein vorübergehender oder augenblick- 
licher Zustand, keine dauernde Eigenschaft. Und zwar ist dieser 
Zustand zugleich ein näherer Umstand: Cäsar nahm auch die 
neunte Legion mit, obwohl sie sich damals in dieser Verfassung 
befand. Daß sie sich in dieser Verfassung befand, hat schon die 
vorhergehende Schilderung der Vorgänge ergeben, Cäsar hebt 
diesen Umstand in diesem Zusammenhange noch besonders hervor. 
Auch wenn es hieße quae multos centuriones amiserat, würde dieser 
Relativsatz ebenso wenig die ,, Eigenschaft" der Legion bezeichnen, 
wie Liv. 22, 59, 6 arma, in quibus nihil iam auxilii erat, hosti 
tradidimus der Relativsatz die Eigenschaft oder Beschaffenheit der 
Waffen bezeichnet 2). Liv. 2, 59, 11 consul ubi arma, ubi signa 
essent, singulos rogitans inermes milites, signo amisso signiferos, 



1) Wenn in den beiden zuletzt aufgeführten Beispielen die abl. abso- 
luti in besonders enger Beziehung zu den Nominibus Teutonos und reliquos 
zu stehen scheinen, so liegt dies daran, daß hier entgegen dem gewöhn- 
lichen Gebrauche das „logische" Subjekt der durch den abl. abs. bezeich- 
neten Tätigkeit nicht identisch ist mit dem Subjekt des regierenden Satzes, 
sondern mit dessen Objekt. 

2) Vgl. meine schon zitierte Schrift „Bedeutung und Gebrauch des 
Konjunktivs" S. 67. 



56 Eudolf Methner 

ad hoc centuriones dupUcariosque , qui reliquerant ordines, virgis 
caesos securi percussit; auch hier bezeichnen die Worte signo amisso 
ebenso wie inermes und qui reliquerant den Zustand, in dem sich 
die Fahnenträger befanden, als der Konsul sie anredete, und zu- 
gleich einen näheren Umstand, der es erklärt, daß er solche Strafen 
verhängte = cum signa amisissent. Sali. lug. 10, 1 parvum ego 
te, amisso patre, sine spe, sine opibus accepi und Caes. b. gall. 7, 
54, 3 quos et quam humiles, compulsos in oppida, multatos agris, 
Omnibus ereptis copiis, imposito stipendio . . . accepisset; in diesen 
beiden Stellen bezeichnen die Ablative (ebenso wie die andern 
Bestimmungen sine spe, compulsos in oppida usw.) den Zustand, 
in welchem sich die Aufgenommenen zur Zeit der Aufnahme be- 
fanden, aber zugleich die näheren Umstände, die das accipere ins 
rechte Licht stellen = cum patrem amisisses, cum omnes copiae 
ereptae essent^). Liv. 3, 60, 10 (consul) adortus (est) nee omnes 
dum eductos nee, qui erant, satis explicatis ordinibus; hierzu be- 
merkt Weißenborn: ,,Zu dem zu denkenden Objekt eos (qui erant 
educti) ist expl. ord. Attribut, etwa = nondum explicatis ordinibus 
sfantes oder ovzag . . .; es ist also ein abl. quäl., nicht abl. abso- 
lutus". Das ist eben falsch, es ist ein abl. absol. , der einen 
näheren Umstand bezeichnet: er griff sie an zu einer 2) Zeit, wo 
sie sich noch nicht formiert hatten, cum ordines non satis expli- 
cati essent, diesen Umstand hebt der Schriftsteller als besonders 
bemerkenswert hervor. Der abl. absol. hat also hier ganz dieselbe 
Funktion, wie in den beiden vorhergehenden Stellen. Caes. b. gall. 
7, 77, 16 (Gallia) in provinciam redacta, iure et legibus commutatis, 
securibus subiecta, perpetua premitur Servitute; auch hier gehören 
alle partizipialen Bestimmungen zum Verbum und geben nähere 
Umstände an, welche den allgemeinen Gedanken (perp. pr. Servi- 
tute) veranschaulichen sollen = cum ins et leges commutatae sint, 
cum securi subiecta sit. Auch in der vielbesprochenen Stelle Liv. 
3, 57, 9 non iuniores modo, sed emeritis etiam stipendiis pars magna 
voluntariorum ad nomina danda praesto fuere liegt kein abl. quäl, 
vor, wie manche wollen, indem sie emeritis stipendiis gleich setzen 
einem qui erant emer. stipendiis; Draeger nennt dies eine kühne 

1) Diese cum-Sätze würden dann den Inhalt einer Zeit angeben und 
zugleich die Zeit der Handlung des regierenden Satzes bestimmen, vgl. 
„Bed. u. Gebr. des Konjunktivs usw.", S. 86 f.; wenn ich dort Sätze solcher 
■Art als qualitative cum-Sätze bezeichnet habe, so ist natürlich die Qualität 
tler Zeit (ihr Inhalt) geraeint, nicht die Qualität einer Person oder Sache. 

2) S. ebenda S. 87. 



Die Entstehung des Ablativus qualitatis usw. 57 

Ausdrucksweise, aber das Subjekt braucht ja gar nicht ergänzt 
zu werden, es ist in den Worten magna pars voluntariorum deut- 
lich ausgedrückt, und jener Ablativ ist wirklich absolut, er gibt 
einen näheren Umstand, der es besonders bemerkenswert erscheinen 
läßt, daß sich auch Freiwillige in so großer Zahl meldeten: sie 
taten es, obwohl sie schon ausgedient hatten. 

Dagegen liegt kein abl. absol. vor Caes. b. gall. 7, 50, 7 hi 
tametsi dextris humeris exsertis aniniadvertebantur; dieser Satz läßt 
sich zurückführen auf die Form Romani eos exsertis humeris esse 
animadvertebant , und hier hat der Ablativ die gleiche Funktion 
wie in dem Satze capite operto est, collecto pallio est (s. oben) = 
sie gingen mit entblößten Schultern, aber das ist immer noch kein 
abl. quäl., sondern, wie wir gesehen haben, ein Instrumentalis der 
begleitenden Umstände, und das Partizip exsertis ist rein adjek- 
tivisch. Ein wirklicher abl, quäl, liegt vor Caes. b. gall. 7, 7o, 9 
taleae longae ferreis hamis inßxis, hier würde ferreis hamis ge- 
nügen, infixis ist der Deutlichkeit halber hinzugefügt: lange Pfähle 
mit eingebohrten eisernen Haken, ebenso Verg. Aen. 1, 702 tonsis 
mantelia villis. 

Um auf den wirklichen abl. abs. zurückzukommen, so ist es 
selbstverständlich, daß an Stelle des Partizips auch ein Nomen 
stehen kann, z. B. Sali, Cat. 11, 4 postquam L. Sulla armis 
recepta republica honis initiis malos eventus hahuit = cum bona 
essent initia, also ein näherer Umstand, der das malos eventus 
hahuit besonders bemerkenswert erscheinen läßt. Und so ist auch 
in der schon oben erwähnten Stelle Plaut. 305 tun capite cano 
amas ein abl. absol. anzunehmen = cum caput tuum canum sit, 
du liebst trotz deiner grauen Haare; aber selbst wenn wir einen 
abl. quäl, annehmen, so ist capite cano kurz gesagt für qui oder 
cum capite cano sis, denn der Zweck des Redenden ist nicht, die 
äußeren Eigenschaften des Angeredeten zu beschreiben (du hast 
graue Haare), sondern dessen Torheit hervorzuheben, der trotz 
seines hohen Alters noch Liebesgedanken hat. 

Wenn demnach dieselbe Konstruktion (Ablativ mit einem Part, 
perf.) zweierlei Funktionen hat, so ist dies zu vergleichen mit einer 
ähnlichen Erscheinung im Deutschen. Hier begegnen wir einer 
Konstruktion, die man als Accus, absol. bezeichnen kann, z, B. 
,,den Fall gesetzt, dieses vorausgesetzt" = „indem ich den Fall 
setze, voraussetze". Aber dieselbe Konstruktion findet sich (und 
zwar viel häufiger) im Sinne eines Instrumentalis der begleitenden 
Umstände, z. B. bei Schiller: „Kam ein alter Mann, angebissen 



58 Eudolf Methner 

den Arm von wütendem Hunger" ,,iu einem Erker standen wir, 
den Blick hinaus ins öde Feld gerichtet" (ein andres Beispiel „sie 
betet, den Kopf verhüllt = invocat deos operto capite ^). 

Was die Frage betrifft, ob und inwieweit ein abl. absol. auch 
zur Bezeichnung eines rein zeitlichen Verhältnisses dienen kann, 
so wird man wohl das Richtige treffen, wenn man sagt, daß dies 
nur dann der Fall ist, wenn die Zeit einer Handlung nach antiker 
Weise dadurch bestimmt wird, daß die zu dieser Zeit amtierenden 
Behörden genannt werden, also z. B. Cti. Pompeio M. Licinio Crasso 
consulibus, ebenso Cic. Tusc. 1, 16, 38 fuit Pherecydes meo reg- 
nante gentili. 

Die vorstehenden Ausführungen haben wohl gezeigt, wie drin- 
gend not eine ,, reinliche Scheidung" tut zwischen den verschiedenen 
auf einen ursprünglichen Instrumentalis zurückgehenden Gebrauchs- 
typen des Ablativs, und ich glaube hoffen zu dürfen, daß meine 
Ausführungen diese reinliche Scheidung herbeiführen können. 

Es sind folgende Gebrauchstypen zu unterscheiden. 

1. Der Ablativ der begleitenden Umstände (Zustände, 
Stimmungen, Erscheinungsformen); er bezeichnet die Art und 
Weise, wie sich ein Subjekt verhält, entweder bei Ausführung einer 
Handlung (a) oder überhaupt (b). 

a) In Verbindung mit einem Verbum, welches eine Handlung 
bezeichnet: uxor deos invocat capite operto; audaci animo 
se proripit. 

b) In Verbindung mit esse, welches in diesem Falle die Be- 
deutung hat ,,sich verhalten, sich befinden, stehen und 
gehen": est operto capite, er geht bedeckten Hauptes, er 
hat sein Haupt bedeckt; est bono animo, er ist guten Mutes, 
er befindet sich in froher Stimmung. 

Ich würde, um möglichst mit den herkömmlichen termini 
technici auszukommen, für diesen Gebrauchstypus die Bezeichnung 
ablativus modi vorschlagen. 

2. Ablativus qualitatis, er bezeichnet dauernde körper- 
liche und geistige Eigenschaften, die eine Person oder Sache hat. 

1) Vgl. Erdmann, Grundzüge der deutschen Syntax I S. 60 f. Ich kann 
E. nicht zustimmen, wenn er meint, daß der acc. absol. (z. B. „dieses vor- 
ausgesetzt") stets einem konditionalen Satz entspricht. Selbst wenn wir 
in der Stelle bei Lessing ,, alles wohl überlegt, dem Rate werde ich selbst 
folgen" den Satz einsetzen „wenn ich alles überlege", so ist dies noch kein 
Bedingungssatz, sondern entspricht einem Satze mit ,, indem", der einen 
näheren Umstand bezeichnet. 



Die Entstehung des Ablativus qualitatis usw. 59 

a) In Verbindung mit einem Substantiv: Jiomo pulchra facie, 
magno ingenio Qiomo magnis rebus gestis, nullo consilio, 
Enallage). 

b) in Verbindung mit esse, welches in diesem Falle die Be- 
deutung hat „behaftet, bekleidet sein mit etwas": Caius 
est pulchra facie, magno ingenio (Caius tantis erat rebus 
gestis, Enallage). 

3. Ablativus absolutus, er bezeichnet die näheren Um- 
stände, unter denen eine Handlung geschieht und durch welche 
sie ins rechte Licht gestellt wird; er entspricht einem konjunkti- 
vischen Modalsatz mit cum oder adverbialem Relativsatz i) : non 
rectum est, te tam severe gesto consulatu causam Murenae attingere 
= te cum consulatum severe gesseris oder qui gesseris. Oder er 
entspricht einem Temporalsatz mit cum: Pythagoras Tarquinio 
regnante in Italiam venit. 

Da der abl. absol. eine nähere Bestimmung zu dem Inhalte 
des ganzen Satzes enthält und selber die Geltung eines Satzes 
hat, so ist die Bezeichnung absolutus gerechtfertigt, und aus dem- 
selben Grunde gehört er in die Satzlehre, während die beiden 
andern Gebrauchstypen in die Kasuslehre gehören. 

Einige Fälle besonderer Art, denen wir begegnet sind, würden 
sich in der Form von Anmerkungen in die oben gegebene Ein- 
teilung einreihen lassen, und zwar zu 1, a 

Anmerkung 1: In gewissen Fällen bezeichnet der Ablativ 
(ohne und mit cum) nicht die Art und Weise, wie die Handlung 
geschieht, sondern die Wirkung, die sie hat: Verres Lampsacum 
venit cum tnagna calamitate civitatis. 

Anmerkung 2: Hat der Ablativ kein Attribut, so steht ge- 
wöhnlich cum, Ausnahmen iure, iniuria usw. 

Zu 1, b Anmerkung: In Wendungen wie aequo iure, eodem 
statu, magno periculo esse hat esse gleichfalls die Bedeutung „sich 
befinden", doch bezeichnet der Ablativ nicht die Art und Weise, 
wie, sondern die Stellung oder Lage, in der sich jemand befindet; 
zu diesem Ablativ kann auch die Präposition in hinzutreten. 

Zu 1, a könnte wohl auch auf den modalen Gebrauch des 
Ablativs des Gerundiums hingewiesen werden, z. B. Cic. nat. deor. 
2, 47, 122 alia animalia gradiendo, alia serpendo ad pastum ac- 
cedunt, alia volando, alia nando, nur daß hier nicht wie bei capite 



1) Vgl. meine schon zitierte Abhandlung „Bed. u. Gebr. des Konj. usw.'' 
S. 67 f. 



60 Eudolf Methner 

operto deos invocat ein zuständliches, sondern ein tätiges Verhalten 
bezeichnet wird. 

Nachdem ich die vorliegende Studio vollendet hatte, wurde 
ich aufmerksam gemacht auf eine Abhandlung von Weihenmajer, 
Zur Geschichte des absoluten Partizips im Lateinischen, Reutlingen, 
Programm 1891. Er bespricht hierin auch den abl. quäl, und den 
abl. modi, doch nur insofern , als er den Unterschied zeigen will 
zwischen diesen beiden Arten des Ablativs einerseits und dem abl. 
absol. andrerseits. Was diese letztere Anwendung betrifft, so sieht 
er, wie ich, das wesentliche Kennzeichen dieser Anwendung darin, 
daß der abl. absol. eine nähere Bestimmung darstellt zu dem 
ganzen Satze. Wenn er als weiteres Kennzeichen anführt, daß 
in dieser Konstruktion das Partizip (oder das ihm entsprechende 
Adjektiv oder Substantiv) als Prädikat zu dem in dem andern 
Ablativ enthaltenen Subjekt gefühlt wird, so erklärt sich dies eben 
daraus, daß der abl. absol. nach meiner Erklärung einen näheren 
Umstand 1) enthält; ein solcher näherer Umstand ist nicht eine 
einzelne Vorstellung oder ein einzelner Begriff, sondern eine Vor- 
stellungsverbindung, deren sprachlicher Ausdruck ein Satz ist. 
Es hat also der abl. absol. die Geltung eines Satzes, ganz ebenso 
wie in gewissen Wendungen der Ablativ mit der Präposition in, 
z. B. Cic. Cat. 2, 8, 18 qui magno in aere alieno maiores etiam 
possessiones habent = qui cum in magno a. al. sint, tarnen . . . 
habetit^), so schon Plaut. Capt. 404 bene ero gessisse morem in 
tantis aeriimnis tarnen. 

Wenn Weihenmajer bemerkt, daß es oft recht schwer ist zu 
entscheiden, zu welcher der von ihm aufgestellten 5 Kategorien 
des mit einer näheren Bestimmung versehenen Ablativs der ein- 
zelne Fall gehört, so liegt dies m. E. erstens darin, daß er zu 
viele solcher Kategorien annimmt. So begreift er unter 2) solche 
Fälle, wo der Ablativ zwar grammatisch zum Prädikat gehört, aber 
zugleich eine nähere Bestimmung zum Subjekt enthält, z. B. ca- 
pite operto anibulabant, wo durch cap. op. die Art und Weise, wie 
die betreffenden Personen spazieren gingen, bezeichnet wird, zu- 
gleich aber auch der Zustand, in dem sie sich befanden, ihr Aus- 
sehen, und unter 4) solche Fälle, wo der Ablativ ganz ausschließ- 
lich zum Prädikat gehört, z. B. nimio eam periclo surrupui (Plaut. 
Men. 199). Hierzu ist zu bemerken, daß, wenn das surripere mit 

1) Über diesen Begriff vgl. Bedeutung u. Gebrauch des Konjunktivs 
usw., S. 95 f. 

2) Ebenda, S. 106 Anm. 



Die Entstehung des Ablativus qualitatis usw. 61 

Gefahr verbunden war, der surripiens doch auch in dem Zustande 
der Gefahr war, ebenso Trin. 1087 capitali periclo per praedones 
plurumos me servavi. Die zweite Ursache ist die, daß Weihenmajer 
den Begriff des näheren Umstandes nicht anwendet. In dem Satze 
capite operto amhulabant ist der Ablativ kein absoluter, weil der 
Begriff des verhüllten Hauptes kein näherer Umstand ist, d. h. 
kein Umstand, der geeignet ist, den Inhalt eines Satzes ins rechte 
Licht zu stellen, sondern der Ablativ gibt nur an, wie die Hand- 
lung vor sich ging. Dagegen in dem Satze hoc nuntio allato Caesar 
in fines Sequanorum profectus est gibt der Ablativ nicht die Art 
und Weise der Handlung au (dies wäre der Fall, wenn es z. B. 
hieße citato agmine), sondern einen näheren Umstand, der es er- 
klärt, daß Cäsar ins Land der Sequaner marschierte. 

Indem W. den Begriff des näheren Umstandes nicht benutzt, 
erklärt es sich, daß er auch von dem Unterschied zwischen seinen 
beiden Kategorien 4) und 5) (abl. absol.) erklärt, daß derselbe 
nicht immer sicher festzustellen ist; so meint er, daß die Wen- 
dung me luhente zu 4), dagegen me invito zu 5) gehöre! 

Bromberg Rudolf Methner 



Demonstrativa als Indefinita 

Die deiktische, auf etwas Bestimmtes hinweisende Kraft des 
Demonstrativpronomens scheint den Begriff des Unbestimmten 
schlechterdings auszuschließen. Und doch kann sich seine Bedeu- 
tung unter Umständen diesem Begriffe nähern; ja es gibt Fälle, 
wo es geradezu für ein Indefinitpronomen zu stehen scheint. Dieser 
Gebrauch wird in den Grammatiken und Wörterbüchern übergangen 
und hat überhaupt noch nicht die gebührende Beachtung gefunden. 

Am häufigsten findet sich diese überraschende Bedeutungs- 
verschiebung beim lateinischen ille. 

Wir gehen von einigen Stellen des Horazkommentators Porfyrio 
aus, welche G. Woltersdorff in seiner Dissertation ,,Historia pro- 
nominis ille exemplis demonstrata" (Marburg 1907) S. 53 zu- 
sammengestellt hat : 

Porfyr. 62, 29 Hold, (zu c. II 6, 15) Graeca figura dictum est 
,,illi certat" pro ,,cum illo certat". 
63, 24 (zu c. II 7, 6) „Mero" autem sive dativo sive ablativo 



62 ^- Sonny 

accipias habebit suam rationem sensus: aut enim 
,,illa re fregi diem" aut ,,illi rei fregi". 
109, 30 (zu ein 11,26) „Inane dolium". Ita autem figu- 
ravit, ut e contrario „plenum vas [inante] illius rei" 
dicitur, ut et Terentius: „Vini plenum". 
186, 17 (zu epod. 1, 19) Attende elocutionem ,,illis timet" 
per dativum casum, non ,,pro illis timet". 
Woltersdorff bemerkt, ille stehe hier für ,,aliquis" resp. ,,ali- 
qui", und spricht sich mit Recht gegen den Versuch aus, letzteres 
Pronomen durch Konjektur in den Text des Porfyrio zu setzen. 
Er irrt aber, wenn er in diesem Gebrauch von ille eine „proprietas 
quaedam Porfyrionis" sieht; auch ist seine Erklärung dieses Ge- 
brauches, wie wir gleich sehen werden, nicht annehmbar. 

In ähnlichem Sinne findet sich ille bei zahlreichen anderen 
Schriftstellern. 

In seiner Abhandlung ,,Zur Geschichte der Pronomina demon- 
strativa", der wir die Anregung zu dieser Studie verdanken, macht 
E. Wölfiflin (Arch. f. lat. Lex. XII 254) auf folgende interessante 
Stelle der Hist. Aug. aufmerksam: 

Lamprid. Alex. Sev. 45, 2 illa die, illa hora ex urbe sum exi- 
turus. 
Schon früher hatte der russische Gelehrte E. A. Werth in 
seinem Aufsatze ,,Das Pronomen ollus" in den ,,Commentationes 
Nikitianae" St. Petersburg 1901 (russisch) S. 93 auf einige Stellen 
der Gromatici hingewiesen, an denen ille gleich dem griechischen 
o delra gebraucht werde: 

Hygin. p. 114 (Gromat. vet. ed. Lachmann) nam invenimus.saepe 
in publicis instrumentis significanter inscripta (Werth: 
descripta) territoria, ita ut ex colliculo, qui appel- 
latur ille, ad flumen illiid, et super flumen illud ad 
rivum illum aut viam illam, et per viam illmn ad 
infima montis illius^ qui locus appellatur ille, et inde 
per jugum montis illius in summum, et super sum- 
mum montis per divergia aquae ad locum, qui ap- 
pellatur ille, et inde dorsum versus ad locum illum, 
et inde ad compitum illius et inde ad monumentum 
illius. 
p. 118, 9 L. sed et haec meminerimus in legibus saepe in- 
veniri .... inscriptum, quos agros, quae loca quaeve 
aedificia intra fines illos et intra flumen illud, intra 
viam illam dedero, assignavero. 



Demonstrativa als Indefinita 63 

p. 132, 15 L. fundum illiim, jugera tot, in singulis jugeris 
tantum. 
Aggen. Urb. p. 14, 24 L. fundum illum, jugera tot. 

Dazu fügen wir noch: 
Sueton. Div. Jul. 41 et edebat per libellos circum tribus missos 
scriptura brevi: Caesar dictator Uli tribui. 
Ferner aus Marcellus Empiricus (vgl. Heim, Incant. mag. Fl. 
Jb. Suppl. XIX S. 474, 483, 477): 

Marc. Emp. ed. Helmr. 15, 103 dices remedii gratia te facere, 
ut illud, quod haeserit in faucibus tuis, vel illius, 
quem peperit illa, sine mora et molestia eximatur. 
20, 66 aufer dolores stomachi Uli, quem peperit üla, aufer 

mihi vel Uli stomachi dolorem. 
36, 70 illius, quem peperit illa. 
Überblicken wir sämtliche angeführten Stellen, so sehen wir, 
daß es sich überall um Formeln handelt. Bei Marcellus Em- 
piricus sind es Krankheitssegen, in welchen an Stelle des ille oder 
illa der Name des Betreffenden (resp. der Betreffenden) einzusetzen 
war. Bei Sueton haben wir das Formular eines an verschiedene 
Tribus gerichteten Schreibens, dessen Adresse lautete: ,,an die 
Tribus N". Bei Lamprid. liegt das Formular eines kaiserlichen 
Ediktes vor, in welchem Tag und Stunde jedes Mal entsprechend 
präzisiert wurden: „an dem und dem Tage, zu der und der Stunde". 
Ebenso vertritt in den Katasterformularen der Groraatiker ille 
die jedes Mal einzusetzende Benennung der entsprechenden Ortlich- 
keit. Bei Porfyrio endhch haben wir es mit grammatischen For- 
meln zu tun. 

Daß dieser Gebrauch von ille viel älter war, als die bisher 
beigebrachten Stellen, beweist das von Cicero erhaltene Bruchstück 
eines prätorischen Interdiktes de vi (Werth S. 94): 

Cic. pro Tullio § 44 Fuit illud interdictum apud maiores nostros 
de vi, quod hodie quoque est: „Unde tu aut familia 
aut procurator tuus illum aut familiam aut procura- 
torem illius in hoc anno vi dejecisti". 
Auch hier war an Stelle des ille im gegebenen Falle der be- 
treffende Name einzusetzen. 

Genauere Betrachtung erfordern zwei von Varro resp. Festus 
angeführte Formeln: 

Varr. de 1. 1. VII 42 Apud Ennium „Olh respondet suavis sonus 
Egeriai" olli valet dictum illi, ab oUa et ollo, quorum 
alterum, comitiis quom recitatur, a praecone dicitur: 



(54 -Ä^- Sonny 

olla centuria, iiou illa; alterum apparet in tuueribus 
indictivis, quom dicitur: olUis leto datus est. 
Fest. p. 254 praeco, qui in funeris (indictione ita pronuntiare 
solet): oUus Quirls leto datus est. 
Beide Formeln sind öfters besprochen worden, da die eine für 
das Staatsrecht, die andere für das Sacralweseu von Bedeutung ist. 
Nach dem Wortlaute bei Varro kann es keinem Zweifel unterliegen, 
daß nach seiner Meinung der Praeco in beiden Fällen das Pro- 
nomen ollus gebrauchte; hinsichtlich des funus indictivum hat auch 
Festus resp. Verrius Flaccus diese Ansicht gehabt. Es fragt sich 
jedoch, in welchem Zusammenhange der Herold dieses Wort sprach. 
Nach Mommsen, Marquardt und Lange befragte der den Comitien 
präsidierende Magistrat den Herold über das dem letzteren von 
den diribitores mitgeteilte Resultat der Abstimmung der einzelneu 
Centurien, etwa mit den Worten: praeco, die de centuria (Arnieusi 
juniorum), worauf der Herold antwortete: olla centuria usw. Hin- 
sichtlich des funus indictivum meint Jordan, der Herold habe sich 
vor das Trauerhaus gestellt und, mit der Hand darauf deutend, 
gerufen: ollus Quirls leto datus. Gegen diese Erklärung hat Werth 
a. a. 0. begründete Bedenken erhoben. Sicherlich lagen die Häuser 
nicht aller vornehmen Römer an den Hauptstraßen; in menschen- 
leeren, abgelegenen Gegenden aber hätte eine solche Bekannt- 
machung des Praeco ihren Zweck verfehlt. Ferner läßt sich kaum 
annehmen, daß die Besitzer aller Häuser, selbst der den Vornehmen 
gehörigen, dem Volke ohne weiteres bekannt waren. Endlich konnten 
im Hause des Vaters auch erwachsene Söhne wohnen, mitunter 
um den Staat wohlverdiente, die beim Ableben wohl auch der Ehre 
eines funus indictivum gewürdigt werden mochten; in diesem Falle 
wäre es unklar gewesen, auf wen das ollus Quirls im Ausrufe 
des Heroldes sich bezog. Werth behauptet gewiß mit Recht, eine 
derartige Bekanntmachung könne nur dann ihren Zweck erreicht 
haben, wenn sie auf dem Forum und an anderen belebten Stellen 
der Stadt stattfand. Um eine Beziehung für das ollus zu gewinnen, 
nimmt er an, in der Bekanntmachung des Heroldes sei den Worten 
ollus Quirls leto datus ein den Namen des Verstorbenen enthalten- 
der Satz vorangegangen, etwa so: Optime de civitate nostra meruit 
(P, Cornelius Scipio Aemilianus), woran sich dann die Formel ollus 
Quirls etc. schloß. 

Gegen diese Versuche, ollus in beiden Formeln auf etwas un- 
mittelbar Vorhergehendes zu beziehen, läßt sich einwenden, daß 
man in diesem Falle eher hie oder is erwarten würde. Überhaupt 



Demonstrativa als Indefinita 65 

erscheint es uns wenig wahrscheinlich, daß in der mündlichen 
Tradition sich die alte Form olhis erhalten haben sollte. Unseres 
Erachtens haben wir es hier mit dem Bruchstücke eines für den 
Praeco schriftlich fixierten Formulars zu tun, und ollus ist hier 
ebenso gebraucht, wie ille an den oben angeführten Stellen, d. h. 
olla centuria bedeutet „Centurie NN", ollus Quirls — „Bürger NN"; 
der Herold hatte bei seinem Ausrufe jedes Mal den betreffenden 
Namen einzusetzen. 

An diese Erklärung des ollus hatte auch Werth gedacht, je- 
doch aus zwei Gründen, von denen keiner uns stichhaltig erscheint, 
sie verworfen. Da das Pronomen ollus schon zur Zeit des Ennius, 
der durch seine Anwendung der Rede eine bewußt altertümliche 
Färbung verlieh, nicht mehr in lebendigem Gebrauche gewesen sei, 
so müßte die schriftliche Abfassung jener Formulare in die vor- 
ennianische Zeit zurückreichen, was unwahrscheinlich wäre. Wir 
sehen jedoch nicht, was dieser Annahme im Wege stände. Da 
ferner Festus von Varro unabhängig sei, wie aus der Hinzufügung 
von Quirls bei ihm hervorgehe, so müßte man, meint Werth, an- 
nehmen, daß Varro und Festus (resp. Verrius Flaccus) beide den- 
selben Irrtum begangen haben, was ebenfalls wenig wahrscheinlich 
erscheine. Doch können unsere beiden Zeugen auf dieselbe Quelle 
zurückgehen, etwa einen alten Kommentar zu Ennius, was die 
Fassung der varronischen Notiz nahelegt. Diesem Ennius-Kom- 
mentator kann man es wohl zumuten, daß er den Sinn des ollus 
in den von ihm vorgefundenen alten Formularen nicht richtig auf- 
faßte, was dann sowohl Varro als auch Festus resp. Verrius Flaccus 
irreleitete. 

Ein ähnliches Mißverständnis dieses besonderen Gebrauches 
von ollus findet sich in inschriftlichen Dedikationen von Heilig- 
tümern. In dem altüberlieferten Formular dafür stand ollis legi- 
bus, Ollis regionibus, wo ollus durch die jedesmaligen Angaben zu 
ersetzen war: „mit den und den Bestimmungen, mit den und den 
Grenzen". Die Verfasser der Inschriften nahmen dies ollis legibus, 
ollls regionibus unverändert in den Text auf und präzisierten weiter 
mit Anwendung des Relativpronomens oder der Konjunktion ut, 
wodurch sich mitunter eine sehr schwerfällige Konstruktion ergab: 
CIL I 603 (aus dem Jahre 58 a. Chr.) . . . olleis legibus, illeis 

regionibus, uti . . . 
— III 1, 1933 (aus dem Jahre 137 p. Chr.) . . . hanc aram dabo 

dedicabo ollis legib(us) ollisque regionibus, quas hie 

palam dixero, uti . . . 

Glotta VI, 1. 5 



66 A. Sonny 

Wie im Lateinischen ille, so wird im Griechischen oöe mit in- 
definiter Bedeutung gebraucht, zunächst in Formeln: 

Aristot. de animal. gener. 2, 1 (p. 737 a 26) i-ieva. toöe yiyveTei. 
Toöe, „nach A tritt B ein". 

— poet. 10 (p. 145a 22) diaq)SQEi. yciQ Ttolv zö ylyvead^at tccöe 

öid xdde iij (xerd rdde, „es ist ein großer Unterschied, 
ob gewisse Erscheinungen infolge gewisser Erschei- 
nungen oder nur nach gewissen Erscheinungen ein- 
treten". 
Plut. quaest. conv. I 6, 1 (p. 623 e) jrjvde xijv r^^eqav h. tov notov 
'/.ad^svdojv. 
Plutarch sagt hier, in den Hofjournalen Alexanders des Gr. 
fänden sich sehr oft derartige Bemerkungen. In den Originalen 
war natürlich jedes Mal ein bestimmter Tag angegeben. Aus diesen 
Angaben abstrahiert Plutarch eine allgemeine Formel. Eine solche 
haben wir gewissermaßen auch im Jacobusbriefe: 

Epist. Jacob. 4, 13 ol XsyovTsg' ^^i^isqov irj ccvqlov ftOQSvaofxe&a 
eig TTJvös rrjv Ttohv, ,,in die und die Stadt". 
Doch auch außerhalb von Formeln findet sich dieser besondere 
Gebrauch von oöe: 

Plut. de superst. 7 (p. 168d) e^ayogevei rivdg dfxaQTiag avrov 
%al TrXrjf.ifxe'keiag, cog TOÖe cpayövTog ^ rtiovTog 7} 
ßadiCovTog odov, r^v ovx ela tö daii-wvwv = „er habe 
das und das gegessen". 

— praec. conjug. 48 (p. 145 e) rovg . . Ttjgöe z^g Ttlovalag 

IxuQyaqiTag xat zd zijgöe zrjg ^ivYig oriQLxd. 

Hier kommt oöe dem Sinne des unbestimmten zig ganz nahe ^). 

Es erhebt sich die Frage : wie ist dieser Gebrauch des Demon- 
strativpronomens im Sinne eines Indefinitivum zu erklären? Nach 
Woltersdorf S. 54 weist das üle bei Porfyrio auf die betreffenden 
Ausdrücke des Horaz hin: Porfyrio his locis non universe loquitur, 
sed eam rem solam respicit quam explicaturus est; itaque ille 
ponens de verbis Horatii viridi Venafro (c. H 6, 15), implu- 

1) Das indefinite ille kann ich außerhalb von Formeln erst bei mittel- 
alterlichen Schriftstellern nachweisen, z. B. Jacob von Vitry, Exempla ed. 
Crane Nr. 56 (= J. Ulrich, Proben der lat. Novellistik des Mittelalters 
1906, S. 157) domine, ego sum illa infelix mulier, cuius asinum lupus illa 
die devovaravit, „ich bin die und die unglückliche Frau, deren Esel der 
Wolf an dem und dem Tage zerrissen hat". Hier weist das Demonstrati- 
vum auf die näheren Angaben der Frau, welche der Autor zu wiederholen 
nicht für nötig findet. Über den entsprechenden Gebrauch von talis siehe 
unten. 



Demonstrativa als Indefinita 67 

inibus ptillis (ep. 1, 19), mero (c. II 7, 15), lijmphae (c. III 11, 26) 
cogitat. Diese Erklärung trifft nicht einmal für Porfyrio zu (von 
den anderen angeführten Stellen zu geschweigen), denn daß er ge- 
rade universe loquitur, d. h. allgemeine Formeln anführt, ist ohne 
weiteres klar. — K. Brugmann „Die Demonstrativpronomen in den 
indogermanischen Sprachen" (Abh. d. phil.-hist. Kl. der Kgl. sächs. 
Ges. d. Wiss. Bd. XXII, 1904) S. 122 vergleicht zur Erklärung 
das deutsche „ein gewisser". Hier liegt jedoch der Begriff des 
Unbestimmten in dem „ein"; das hinzugefügte „gewisser" (wofür 
sich auch „sicherer" findet) besagt, daß der Sprechende etwas ihm 
(und vielleicht auch anderen) Bekanntes im Sinne hat, aber nicht 
für nötig hält, es näher zu bestimmen. Für die Frage, auf welche 
Weise das Demonstrativpronomen den Sinn des Unbestimmten be- 
kommt, Avirft das nichts ab. 

Den richtigen Weg zur Erklärung hat unseres Erachtens 
Wölfflin gewiesen, indem er jene Lampridiusstelle mit den Fällen 
zusammenstellte, wo zwei Demonstrativpronomina zusammen stehen i). 
Bisweilen nämlich weisen hie und ille, durch kopulative oder dis- 
junktive Partikeln verbunden, nicht auf etwas Bestimmtes hin, 
sondern deuten zwei beliebige Dinge „aus dem Kreise zahlreicher 
Möglichkeiten" an : 

Cic. de invent. II 99 provideri potuisse, si hoc aut illud fe- 
cisset, d. h. ,,wenn der Betreffende eine, nicht näher bezeichnete, 
durch den gegebenen Fall gebotene Maßregel ergriffen hätte". 

Sali. or. Phil. 11 expers consilii, inquies, haec atque illa 
temptans. Hier ist haec atque illa gleichbedeutend mit varia oder 
diversa. 

Wie Brugmann a. a. 0. mit Recht bemerkt, ist es die Mehr- 
heit des Pronomens, welche den Begriff des Unbestimmten erzeugt, 
dadurch, daß sie die Wahl freiläßt. Die Unbestimmtheit wird nun 
verstärkt, wenn dasselbe Pronomen doppelt gesetzt ist, da da- 
durch die Gleichheit der zur Wahl gestellten Dinge besonders 
hervorgehoben wird: 

Cornif. II 40 nam hoc aut hoc fecissem, sed me tum ratio fugit. 

Cic. de invent. I 99 cum vobis hoc et hoc sit demonstratum. 

Quint. VI 1, 3 quid responsurus sit adversarius his et his. 

— — 4 ad preces confugit merito, cum sciret haec et haec. 



1) Latente Polemik gegen Wölfflin scheint es zu sein, wenn Brugmann 
a. a. 0. behauptet, der unbestimmt hinweisende Gebrauch des einfachen 
Demonstrativpronomens sei von dem des doppeltgesetzten durchaus zu 
scheiden. 

6* 



68 A. Sonny 

Senec. epist. 39, 1 tu a me non est quod ülum aiit illum exigas. 
Hieronym. ep. 50, 4 nolo mihi ille vel ille respondeat. 

73, 3 illius vel illius criminis noxium. 

Im Griechischen wird löv xal xöv, ro xat to, tcc /.al tu ent- 
sprechend gebraucht, „von einem Gegenstande, den man nicht 
nennen will oder kann", Kühner-Gerth § 459, 1, f = II 1 S. 585. 
Aber auch ode wird so angewandt: 

Dio Chrys. 22, 3 eTtl Ttovöe 7] twvös gy-otioioiv. 

— 33, 48 üoTE (xeza rcovde /.al ziovöe ovofiätsoS^ai (v. Arnim 

unnötig i-ietcc xiov öelva y.ai tOJv deiva). 

— 40, 13 Tivvd^aveod^ai ttbqI tovös yial tovöe. 
Lucian. Rhetor. did. 14 tmöb r t(^öe TtaQaßaXelv. 

Proclus bei Kaibel, Die Prolegg. Tteql -/.coniiJÖiaQ IX a evtavd^a 
/Lisvei Tig Tccds ymI tade tloI nouov xcov yeiOQycäv. 
In einigen Fällen hat das doppelgesetzte Demonstrativum seine 
hinweisende Kraft noch voll bewahrt, z. B. Cic. Rose. Am. § 59 
credo, cum vidisset, qui homines in hisce subselliis sederent, quae- 
sisse, num ille mit ille defensurus esset; Erucius hatte bestimmte 
Personen unter den Anwesenden im Sinne und wies in Gedanken 
auf sie hin. Auch bei Mart. VII 10, 2 de cute quid faciant ille 
vel ille sua ist die Beziehung auf die im Vorhergehenden genannten 
Eros und Linus noch fühlbar. Bei Hieronymus dagegen ist ille vel 
ille ohne weiteres gleich aliquis. Zu beachten ist auch, daß die 
Mehrheit entweder noch empfunden werden kann, wie bei Martial 
(faciant!), oder aber vor dem Begriffe der Unbestimmtheit ganz 
zurücktritt, wie bei Hieron. (respondeat!). 

Die weitere Entwickelung geht von den Fällen aus, wo das 
doppeltgesetzte Demonstrativum nicht zwei beliebige Gegenstände 
zur Wahl stellt, sondern zwei zwar beliebige, aber von einander 
zu scheidende Gegenstände bezeichnet: 

Cic. de invent. I 98 illud docuimus, illud planum fecimus. 

Plin. ep. VI 20, 15 illud ruisse, illud ardere nuntiabant. 

Eigentlich sollte man illud vel (et) illud .... illud vel (et) 
illud erwarten; aber die zweimalige Wiederholung wäre schleppend, 
und das doppelte Pronomen deutet auch so genügend an, daß wir 
es mit beliebig gesetzten Beispielen zu tun haben. In diesem Sinne 
ist auch Suet. Div. Jul. 41 zu verstehen, wo es heißt, Cäsar habe 
vor den Wahlen an die Triben kurze Schreiben versandt des In- 
haltes: comniendo vobis illum et illum. Wölfflin S. 253 erklärt 
„'den und den' (den Herrn so und so)", nicht ganz richtig. Denn 
wie der Plural in den gleich darauf folgenden Worten: ut vestro 



Deraonstrativa als Indefinita 69 

suffragio suam dignitatem teneant zeigt, handelte es sich um zwei 
Personen, also: „Herrn X und Herrn Z". 

Die Notwendigkeit dieser gekürzten Ausdrucksweise ergab sich 
am ehesten in Formeln, weil hier leicht eine schwerfällige Pro- 
nominahäufung entstehen konnte. So steht denn bei Aristoteles 
fieza tode yiyveT£t Tods für f^era rode y.al tode yiyvevai roöe %al 
Toöe, bei Marcell. Emp. illius quem peperit illa für illius vel illius, 
quem peperit illa vel illa usw. Nachdem man sich gewöhnt hatte 
mit dem einfachen oöe resp. ille den Begriff des Unbestimmten zu 
verbinden, begann man es auch dort im indefiniten Sinne zu ge- 
brauchen, wo keine besondere Schwerfälligkeit des Ausdruckes 
durch Häufung der Pronomina zu befürchten war. 

Außer oÖ€ resp. ille werden vereinzelt auch andere Demon- 
strativpronomina in der Bedeutung von indefiniten gebraucht. In den 
oben angeführten Gromatikerformeln fanden wir tot und tantum 
so angewandt. Im Griechischen kommt gelegentlich ein ent- 
sprechender Gebrauch von xooovtog vor: 

Dio Chrys. XXVI 3 -/.ad^dnEQ ol aQZia^ovTeg l'oaoL [xiv otl ev 

Toig xeqolv e'xovoiv ol TtQO/.aleodi.ievoL avzovg yiQiji.ia, 

Ol) fxsvTOL oxL ToaovTov (dic von mir Ad Dion. Chrys. 

Anal. p. 195 vorgeschlagene Ergänzung tj tooovtov 

scheint mir jetzt nicht nötig). 
— LXXIV 9 Tolg v€(0V6Q0ig tooovtcüv exwv. 

Im mittelalterlichen Latein findet sich talis oft in dieser un- 
bestimmt hinweisenden Bedeutung; vgl. z. B. bei J. Ulrich, Proben 
der latein. Novellistik des Mittelalters S. 35 (Petrus Alphonsus 
saec. XII) praeco ita clamavit: Qui talem censum invenit, reddat; 
S. 56 (Johannes de Capua saec. XIII) scripsit ei, quod daret . . . 
talem medicinam; S. 63 et dixit ei Symeus: Scias meum habita- 
culum esse in tali loco; S. 67 scitote, quoniam sum fihus talis regis 
magnifici; S. 141 (Gesta Rom.) ad invicem dixerunt: Tali tempore 
recedet versus talem civitatem; S. 159 (Jacob. Vitr.) non potes 
abscondere, tu tali die et in tali loco pecuniam meam invenisti; 
S. 199 (Steph. Borb.) mandavit . . . quod exspectaret eam die tali 
et hora; S. 206 (Sammlung von Tours) respondit se dedisse clerico 
tali. Die Entwickelung ist dieselbe gewesen wie bei ode und ille-. 
der Begriff des Unbestimmten entstand durch die Doppelsetzung 
des hinweisenden Pronomens, welche die Wahl zwischen zwei (oder 
mehreren) Gegenständen freiließ; vgl. Hieron. epist. 108, 22 tali 
vel tali generatione; Claud. Mam. de stat. anim I 23 (p. 82, 11 
Engelbr.) de animabus . . . taliter esse vel taliter jure pronuntians. 



70 Hans Eeichelt 

Später wurde dann das Pronomen nur ein Mal gesetzt, die unbe- 
stimmte Bedeutung aber blieb. Aus diesem talis ist im Französi- 
schen das unbestimmte tel = Mancher hervorgegangen: Tel brille 
au second rang qui s'eclipse au premier (Voltaire). Im Italieni- 
schen ist zur Verstärkung des Begriffes der Unbestimmtheit noch 
unus hinzugefügt: taluno = talis -f- unus. Damit läßt es sich 
vergleichen, wenn im Spätlatein zu dem infiniten ille noch Gaiiis 
(= NN) beigesetzt wird: Placit. Papyr. de medicina 17, 19 dicens: 
tollo te, ut ille Gaius febribus liberetur. 

Kiew A. Sonny 



Etymologisches 

1. Lat. rancidus 

Den lat. Wörtern ranceo in rancens 'nach Fäulnis stinkend, 
ranzig', rancidtis "^stinkend, ranzig, übtr. ekelhaft, widerwärtig*, 
rancor *" ranziger Geschmack oder Geruch'' liegt das noch in Glossen 
(s. Niedermann Glotta I 266 ff.) nachweisbare Adjektiv rancus zu- 
grunde. 

Dieses rancus ist von Zupitza KZ. 36, 59 mit gr. Qvyxog 'Rüsser, 
QtyXOJ, giyy-w schnarche' und ai. srnkh- Viechen', srnkhänikä *^Rotz', 
von Wood Gl. Phil. 3, 83 f. mit mnd. wranc, wränge 'sauer, herb, 
bitter', mndl. ivranc, ndl. wrang 'herb, bitter und weiter noch mit 
aisl. rangr 'verkehrt, unrichtig', nhd. ringen verbunden worden. 
Aber keine der beiden Verbindungen hat etwas überzeugendes für 
sich, so daß Walde Lat. etymol. Wb. 2. Aufl. 641 das Wort mit 
Recht als unerklärt bezeichnet. Und gerade Walde hätte leicht 
auf die richtige Erklärung verfallen können. 

Da er nämlich in seinem Aufsatze über die Aspiraten-Dissi- 
milation im Latein IF. 19, 98 ff. festgestellt hat, daß die Anlaut- 
gruppe Media aspirata -f Konsonant ghr-, ghl- unverändert bleibt, 
wenn die nächste Silbe nicht mit einer Aspirata beginnt, und dann 
über %r-, yl-, hr-, hl- in r-, l- übergeht, kann rancus ungezwungen 
mit abg. gon>kz '^fcr/.gög, bitter', russ. görtkij 'bitter , gorhklyj, pro- 
görhklyj 'ranzig', gorcica 'Senf, görecb f. 'ranziger Geschmack oder 
Geruch, übtr. Bitterkeit, Trübsal', dial. gor6nÜ2> 'schmeckt bitter, 
ranzig, bg. ^ran/y' ranzig' und skr. ^rÄ;n?/^i 'etwas bitter sein' einer- 
seits und mit mhd.-mnd. garst 'ranzig, verdorben', an. //er s^r 'mür- 
risch', mhd. garst m., ahd. gerstl f. 'ranziger Geschmack oder Ge- 
ruch' und ir. goirt 'bitter' andrerseits vereinigt werden (vgl. Ber- 



Etymologisches 71 

neker Slav. etymol. Wb. 232 f., Stokes KZ. 40, 248). Die slav. 
Wörter, deren Grundformen *ghorko-, *ghTko- und *ghorno- sind, 
berechtigen ohne weiteres zum Ansatz einer durch k oder w er- 
weiterten Basis ^ghorä'', deren Schwundstufenform (S + R) in lat. 
ranco- aus (gh)r9-n-k-o- unschwer zu erkennen ist. Fraglich ist 
allerdings, ob auch die germ. Wörter und ir. goir't aus *ghorsti- 
(s. Stokes a. a. 0.) auf die zweisilbige schwere Basis bezogen 
werden dürfen. Denn, wenn sich ihre bisher vermutete Verwandt- 
schaft mit lit. grasi(s 'ekelhaft', grasä 'Ekel', gristu, gristi 'über- 
drüssig werden', deren urspr. Bedeutung noch nachgewiesen werden 
muß, bestätigen sollte, müßte man wohl neben *ghorä'' eine sekun- 
däre Basis ^ghr-e'os- ansetzen und die auf die Grundform '^'ghors- 
zurückzuführenden Wörter durch Vermischung von *ghorä'' und 
* ghrejos- erklären. 

2. Lat. anihrices, racetnus 

ambrices 'regulae, quae transversae asseribus et tegulis inter- 
ponuntur' Paul. Fest. 12 (ed. Thewrewk de Ponor), also die zwischen 
Dachsparren und Ziegeln untergelegten Querlatten liegen in gleichen 
Abständen von einander entfernt auf den Dachsparren auf und 
führen wie eine breite Leiter auf beiden Seiten des Daches zum 
Giebel empor. So drängt sich der Vergleich mit lit. rekles 'ein 
(über dem Ofen an der Stubendecke befestigtes) Stangengerüst, auf 
welches Brennholz zum Trocknen gelegt wird' (s. Nesselmann Wb. 
d. lit. Spr. 434) und russ. reh " Hühnersteige' von selbst auf. am- 
brices ist daher in '^amb-rac-es zu zerlegen und wie ratis 'Floß' 
(als Balkengefüge) neben ahd. ruota 'Rute, Stange', as. röc?öf ' Kreuz' 
zu lit. reju, reti 'schichten', idg. *re- 'schichten, aufstapeln' zu stellen. 
Lat. rac- aus "^rd-k- liegt auch noch in racemws 'Kamm der Traube'; 
meton. 'Beere, ganze Traube' vor, da sicherlich die Schichtung der 
Queräste am Traubenstamm den urspr. Sinn des Wortes ausmachte. 

Czernowitz Hans Reichelt 



Di una pretesa ellissi delF ablativus comparationis 

in Lucano 

Lucano L 444 — 446: 

Et quihus inmitis placatur sanguine diro 

Teutates horrensque feris altaribus Hesus 

Et Taranis Scythicae ?ion mitior ara Dianae. 



72 Vincenzo Ussani, Di una pretesa ellissi dell' ablativus coraparationis etc. 

La spiegazione che si da di questo passo o meglio dell' ultimo 
verso puö essere brevemente riferita nelle parole del Francken: 
"'Junge: et ara Taranis non mitior (arä) Dianae. Similmente 
rObermeier (Der Sprachgebrauch des M. Annaeus Lucanus pag. 59): 
'hier ist nicht bloß quam ausgelassen, sondern es ist auch noch 
aus dem Nom. ara der Abi. comp, zu ergänzen: der Altar des T. 
ist nicht milder als jener der scyth. Diana^. Come sarebbe av- 
venuta questa strana elhssi dell' ablativus comparationis non si com- 
prende. II Haskins nel suo commento cita come analoga i luoghi 
di Vergilio, Georg. IV. 207 : neque enim plus septima ducitur aestas 
6 di Orazio, Carm. IV. 14. 13: deiecit acer plus vice simplici, i 
quali ci indurrebbero a riconoscere nel luogo in questione una 
omissione di quam piuttosto che una omissione del termine para- 
gonato. Ma e evidente che si tratta di analogie fallaci, in quanto 
le citazioni addotte da Vergilio e da Orazio si riducono in ultima 
analisi alla consueta ellissi di quam dinanzi a numerali e dopo 
plus, amplius, minus: con casi di questo genere il luogo lucaneo 
non ha nulla di comune. Nemmeno riesce convincente la spie- 
gazione del Lejay, che parla di una brachilogia della stessa na- 
tura di quelle che appartengono allo stile famigliare, e rimanda 
alla Syntaxe latine d'apres les principes de la grammaire historique 
del Riemann, precisamente a quella che e ora la nota 2 della 
pag. 19 della 5 a edizione curata dallo stesso Lejay. In veritä 
nessuna delle libere costruzioni addotte in quella nota dalle lettere 
di Cicerone e da Livio presenta un sottinteso simile a quello pre- 
teso lucaneo. 

Mosso dalla difficoltä del problema, il Haskins ha accolto 
anche nel suo commentario l'ipotesi che il testo di Lucano sia cor- 
rotto, e debba leggersi con una comparatio compendiaria non giä 
Scythicae- Dianae, ma Scythica- Diana. Per quanto si voglia essere 
conservatori nella critica testuale, e certo che una simile ipotesi 
pur non suffragata da nessuna testimonianza di manoscritti, sarebbe 
preferibile al mostro grammaticale di quella insopportabile ellissi. 
Se non che, secondo me, non c'e qui bisogno, per usare la termi- 
nologia degli antichi grammatici, di "^emendare', basta 'distiuguere' 
diversamente dall' uso. lo interpungo cosi: 

Et quibus inmitis placatur sanguine diro 
Teutates horrensque feris altaribus Hesus 
Et Taranis: Scythicae non mitior ara Dianae. 
In questo modo il luogo non contiene nessuna ellissi di quam o 
di ablativus comparationis, ma si una costruzione paratattica che 



Fr. Pfister, Seu et in spätlateinischen Texten 73 

lo fa ascrivere alla categoria di quelle comparationes nelle quali 
*nulla omnino particula Lucanus utitur .... quibus locis vis com- 
parandi tan tum e sententiarum interpretatione patefit' (Hundt- De 
Lucani comparationibus, pag. 36). 

Debbo aggiungere che come intendo io, intendeva lo scoliasta 
delle Adnotationes (Endt, pag. 28) il quäle ci da nello scolio la 
costruzione della fräse in questo modo: Et Taranis ordo: et 
quibus placafur Taranis diro sanguine laetantur hie converti proelia. 
Evidentemente per lo scoliasta Taranis soggetto di placatur non 
poteva essere, come e per i commentatori moderni, un genitivo in 
dipendenza da ara. 

Palermo Vincenzo Ussani 



Seu et in spätlateiuischen Texten 

In Band IV der Glotta (S. 259 f.) hat Löfstedt über seu et 
im Sinne von atque etiam gehandelt und zur Stütze der von mir 
in meinen Kleinen Texten zum Alexanderroman S. 23, 11 festge- 
haltenen Lesart der Bamberger Handschrift auf zwei Stellen in den 
apokryphen Apbstelakten verwiesen. Dazu mögen noch zwei weitere 
Stellen genannt sein, auf Grund deren ich seiner Zeit trotz des 
Änderungsvorschlags einer Autorität wie Heraeus, der sed et ver- 
mutete (gebilligt von Schmalz, B. ph. W. 1911, 138 f.), an der 
Überlieferung glaubte festhalten zu dürfen. Sie gehören beide 
zeitlich wie örtlich ungefähr in denselben Bereich wie jene kleinen 
Texte. Einmal eine Stelle in dem in der zweiten Hälfte des 10. 
Jahrhunderts in Neapel geschriebenen Alexanderroman des Archi- 
presbyters Leo III 23 p. 118, 9 Pf; fecerunt mihi dona regalia 
et coronam ex precioso lapide adamantino seu et broniam et 
stellatam clamidem. Ferner Chronicon Salernitanum ed. Mon. Germ. 
Script. III p. 472, 1: üomiaculum atque Ferrarium seu et Istriam 
pugnando optinuit. Dazu ist zu bemerken, daß das seu et jener 
zwei Stellen aus den Alexandergeschichten auch in der sog. inter- 
polierten Historia de preliis (p. 205, 26 und 249, 4 ed. Zingerle) 
steht, die von der Bamberger Handschrift unabhängig ist; s. auch 
ebenda p. 254, 2. 

Heidelberg Fr. Pfister 



74 Paul Kretschmer 



Die erste thrakische Inschrift 

Ich beeile mich den Lesern der Glotta von einem Funde 
Kenntnis zu geben, der sich zwar nicht auf das Griechische selbst, 
aber auf eine wichtige Nachbarsprache des Griechischen, das 
Thrakische, bezieht. Der Direktor des Nationalmuseums in Sofia, 
Herr B. Filow, hatte die Güte, mir seine (zur Zeit noch nicht 
erschienene) Abhandlung Zlatenü prüstenü sü trakijski nadpisü 
(Ein goldener Ring mit thrakischer Inschrift) aus den ,, Berichten 
der Bulgarischen Archäologischen Gesellschaft" (Izvestija na ar- 
cheolog. druz. III S. 202—223) zuzusenden, nachdem die in Sofia 
erscheinende Zeitung „Echo de Bulgarie" 1913 Nr. 142 vom 18/31. 
Dez. über den Fund eine vorläufige Mitteilung gebracht hatte. Im 
April 1912 fanden zwei Bauern in einem Grabhügel bei dem 
Dorfe Ezerovo, Bezirk Borissovgrad, bei Philippopel einen goldenen 
Ring mit einer Inschrift in griechischer Schrift und in einer un- 
bekannten Sprache zugleich mit einigen anderen goldenen Schmuck- 
stücken, Stücken eines Bronzegefäßes und einem Bronzespiegel von 
archaischem griechischem Stil. Die Gegenstände ^aren sämtlich 
in der Mitte des nur 1 m hohen Tumulus entdeckt worden inner- 
halb eines Steinkreises von 2,ß0 m Durchmesser. Da der von den 
Bauern durchsuchte Grabhügel genauere Feststellungen nicht mehr 
zuließ, so veranstaltete der vom Museum in Sofia entsandte Kon- 
servator R. Popow Grabungen in einem ganz ähnlichen Tumulus 
in der Nachbarschaft und fand hier denselben Steinkreis sowie 
Spuren von Leichenverbrennung, Derartige Tumuli finden sich 
noch in anderen Gegenden Bulgariens: sie unterscheiden sich 
durchaus von denen der römischen Zeit und sind nach Filow nicht 
jünger als das IV. Jahrhundert v. Chr. 

Der erwähnte goldene Fingerring hat einen Durchmesser von 
27 mm (war also wohl für einen männlichen Besitzer bestimmt) 
und trägt eine um ihre Achse drehbare ovale, 20 mm lange, 17 mm 
breite Platte. Ringe dieser Art sind nach F. im V. Jahrhundert 
V. Chr. verbreitet und verschwinden bald danach, und in dieselbe 
Epoche und zwar eher in die I.Hälfte dieses Jahrhunderts weisen 
die übrigen Gegenstände, der Bronzespiegel und das goldene Dia- 
dem, die mit dem Ringe in demselben Tumulus gefunden wurden. 
Die Ringplatte trägt eine Inschrift in 8 Zeilen, die zum Teil der 
Peripherie des Ovals entsprechend gekrümmt verlaufen und zum 



Die erste thrakische Inschrift 75 

Schluß kürzer werden. Die 8. Zeile hat nur mehr auf dem Rande 
der Platte Platz gefunden. Die Inschrift lautet: 

POAUTENEA^N 

EPENEATIA 

TEANH^KOA 

PAIEAAOAA 
5 EANTIAEIV 

PTAMIHE 
PAI 
HATA 
Es ist griechische Schritt des V. Jahrh. v. Chr. Das Ny hat noch 
die altertümliche Gestalt mit kürzerer zweiter Längshasta, das V 
wird noch nicht von einer Längshasta getragen, das My hat 
schräge äußere Hasten, das Zeta hat noch seine ältere Form. 
Die Buchstaben ^, (f, /, ß, ^, \p fehlen, h findet sich Imal 
zwischen Vokalen {t, — e), 2 mal zwischen Konsonanten {v — ö, C — A), 
bezeichnete also vermutlich rj, nicht h, und wir haben es sonach 
mit dem ionischen Alphabet zu tun. A ist also als 1 zu fassen, 
und y fehlt. Auch das Fehlen von F kann Schuld des ionischen 
Alphabets sein, to ist nicht angewendet. 

Filow erklärt die Sprache der Inschrift mit guten Gründen 
für thrakisch. Dafür spricht vor allem der Fundort, In der Ge- 
gend von Philippopel, dieser Stadt, deren thrakischer Name Pul- 
pudeva noch im heutigen bulgarischen Plovdiv fortlebt, saßen im 
V. Jahrh. unseres Wissens nur Thraker, und der Tumulus, aus 
dem der Ring stammt, gleicht anderen in Bulgarien, die ebenfalls 
für thrakisch gelten müssen. Eine Bestätigung des thrakischen 
Charakters der Inschrift erkennt F. in dem Anfang der ersten 
Zeile POAIZ, der an den Namen des getischen Königs bei Dio 
Cassius 51 c. 24. 26 'PcrJA^g erinnert. Zweifelhaft ist, ob auch 
Oroles, Name eines dakischen Königs Justin. 32, 3, 16, dazu ge- 
hört, da dieser wieder von "OqoIoq "OloQog schwer zu trennen ist. 
Möglich ist auch, was F. zur Erwägung stellt, daß der vollstän- 
dige Name POAIITENEAX lautete, oder PoXiOTSvea, wobei man 
au ein hybrides Kompositum aus thrak. Qioh- und griech. oS-evog 
denken kann. Daß der Lautkomplex TIATEA mit dem Namen 
der thrakischen Gottheit Tdi^aUT^g oder Til^aUig^) zu vergleichen 
sei, ist weniger sicher. Denn was die Auffassung der Worte un- 
serer Inschrift und vollends ihre Deutung von vornherein sehr 
erschwert, ist der Mangel der Wortabteilung. Wir können die 

1) Inschrift auf einem Relief unbekannten Fundorts im Museum von 
Sofia mit Darstellung eines Gottes Arch. Anzeiger 1912 S. 567. 571. 



76 Paul Kretschmer 

Worte nicht abgrenzen und daher Stamm und Flexionsendung 
nicht erkennen. 

Dennoch ist die Inschrift von Erezovo als die erste in thra- 
kischer Sprache, die uns bekannt wird, von großem Interesse. Sie 
gibt uns wenigstens von den Lauten dieser Sprache eine Vorstel- 
lung. Es werden zwei e-Laute unterschieden, E und H: wir wissen 
nicht, ob ein kurzes und ein langes oder ein geschlossenes und 
ein offenes e. Diphthonge fehlen, aber auffällig oft (5 mal) be- 
gegnet die Verbindung ea. Ein ^/;-Laut kommt nicht vor, aber 
es kann dies darauf beruhen, daß dem ionischen Alphabet ß fehlte; 
£« könnte also auch so viel als eva sein, wie ^aä'Ciog auf einem 
Relief (Einl. in d. Gesch. d. gr. Spr. 195) für Savazios geschrieben 
wird. KOA könnte für qua stehen, wie KoaQzog für Quartus 
(Eckinger Orthogr. lat. Wörter 121). Vgl. dak. /.oadafia Toma- 
schek Die alten Thraker II 1 S. 31, Das in thrakischen Glossen 
und Eigennamen häufige 'C begegnet auf der Inschrift 3 mal. 

Den Ruhm des ersten thrakischen Sprachdenkmals hat man 
schon einer anderen Inschrift, der vorgriechischen Grabschrift von 
Lemnos, zuerkennen wollen: ihre ersten Herausgeber Cousin und 
Dürrbach BCH. X 5 erwogen nur diese Möglichkeit, Hall und 
Tomaschek verglichen das Phrygische, und Beloch, Griech. Ge- 
schichte ^ I 2 (Straßburg 1913) S. 53, rät den Sprachforschern, 
statt dem etruskischen Phantom nachzujagen, diese Inschrift aus 
dem Indogermanischen zu deuten — als ob sie das nicht schon 
längst, ohne Erfolg, versucht hätten. Es liegt ihm jedoch viel 
weniger an der Sprache als daran, die lemnischen Tyrrhener zu 
eleminieren und die Inschrift den thrakischen Sintiern zuzu- 
schreiben, die die llias auf Lemnos als Verehrer des Hephaistos 
kennt. Er hält es nicht für ausgeschlossen, daß diese Sintier zu 
einer vorindogermanischen, mit den Etruskern verwandten Bevöl- 
kerung der Balkanhalbinsel gehören, von der sich Reste auch 
südlich der Rhodope erhalten hatten. Auf jeden Fall zeigt die 
Ring -Inschrift von Ezerovo, die wir als thrakisch bezeichnen 
dürfen, keine Berührung mit der altlemnischen Inschrift. Auf 
dieser finden sich neben den Tenues die Aspiraten cp, ^ und, wenn 
sialxveiz zu lesen ist *), auch %• Auf der Ring-Inschrift fehlen die 



1) Für den Lautwert von Y = ;f in lemn. ClATYp^l^ spricht die 
Tatsache, daß Konsonantenhäufungen der Sprache dieser Inschrift sonst 
ganz fremd sind. Es kommen fast nur einfache Konsonanten, Verbindungen 
zweier Konsonanten nur in evis9o, eptezio und tavarzio vor. So ist Ixv 
wahrscheinlicher als Ipsv. Ein zweiter Wahrscheinlichkeitsgrund ist der, 



Die erste thrakische Inschrift 77 

Aspiraten vollständig. Um dies aber für Zufall zu halten, ist die 
Inschrift doch eigentlich zu umfangreich, sie besteht aus Gl Buch- 
staben. Sowohl die Inschrift A wie die andere B der lemnischen 
Grabstele, deren jede ungefähr denselben Umfang wie die Ring- 
Inschrift hat, enthält je 4 — 5 Aspiraten, die Ring-Inschrift keine. 
Dieser Sachverhalt stimmt jedenfalls zu der Ansicht, daß die thra- 
kische Sprache mit der phrygischen verwandt ist, die die indo- 
germanischen Mediae Aspiratae durch Medien ersetzt hatte, und 
daß das Idiom von Lemnos ein Rest der Sprache der vorgriechi- 
schen Urbevölkerung von Hellas und Kleinasien ist und wahr- 
scheinlich dem Etruskischen nahe steht. Der Wechsel von Tennis 
und Aspirata im Etruskischen ist bekannt, und für die Sprache 
der Urbevölkerung scheint sich die gleiche Erscheinung aus den 
Tatsachen zu ergeben, die Glotta IV 312 besprochen sind^). Die 
thrakischen Eigennamen enthalten allerdings in der griechischen 
Umschreibung, in der sie uns überliefert sind, auch Aspiraten, 
besonders ^, doch folgt daraus nicht, daß es sich um wirkliche 



daß die Sprache der Grabstele y und 9-, also wohl auch x besaß, während 
das mit i// parallele | fehlt: wenn dies auch Zufall sein könnte, so bleibt 
dennoch x wahrscheinlicher als |. Für den Lautwert Y = i// dagegen 
spricht die Nachbarschaft und Verwandtschaft des lemnischen (wie des 
phrygischen) Alphabets mit dem aiolischen, wo dieses Zeichen \\! bedeutet. 
1) Dazu Taqyr\kioq Taqyr\Xniiv neben Q^aqyr{kia Oagyrihog GnQyrjlicöv; 
doch ist dieser Name wohl in Kleinasien selbst zu Hause (vgl. Sittig, De 
Graecorum nominibus theophoris S. 57 f.). Auch verschiedene etymologisch 
dunkle griechische Wörter mit unerklärlichem Wechsel von Tennis und 
Aspirata (s. G. Meyer Griech. Gr. ^ 279. 284) dürften hierher gehören, z. B. 
die Pflanzennamen (pXöfxog : nXöfxog, daqtxQayos : aanäqayog, die Tiernamen 
äatfccXa^ : danaXa^, aifovSvXi] : anovövXr}, xQ^f^^S : xQ^i^vg usw. Natürlich 
könnten manche solcher Wörter auch noch aus anderen Sprachen stammen. 
Es ist ferner möglich, daß der griechische Wandel der idg. Mediae 
Aspiratae in Tenues Aspiratae, wenn auch nicht bewirkt, so doch 
befördert worden ist durch das Vorhandensein von Tenues Aspir. in der 
Sprache der Urbevölkerung, mit der die Hellenen verschmolzen. Es ist 
vielleicht kein Zufall, daß die Griechen diese Aspiraten mit den Armeniern 
gemein haben, deren Lautsystem ebenfalls von dem einer (kaukasischen) 
Urbevölkerung beeinflußt scheint, die solche Aspiraten besaß. Man beachte, 
daß Griechisch und Armenisch auch in der merkwürdigen Aspirierung von 
k und p vor s übereinstimmen (gr. ;f(T + yff : arm. khs phs). Letztere findet 
sich auch im Altindischen (vgl. Wackernagel Altind. Gramm. I 132), doch 
verdankt wohl auch diese Sprache einen Teil ihrer vielen sekundären Tenues 
Aspiratae, wie sie besonders auch im Prakrit zu Tage treten, einem nicht- 
indogermanischen Idiom. 



78 Paul Kretschmer 

Tenues Aspiratae handelt i). Denn die Griechen haben mit ihrem 
^, (p, % in Ermangelung anderer Zeichen auch Spiranten fremder 
Sprachen, wie der iranischen, wiedergegeben. 

Ferner begegnet auf der Inschrift von Lemnos der Diphthong 
üi 11 — 12 mal, darunter 6 mal im Auslaut {zivai, zeronai, arai usw.). 
Dagegen fehlt er auf der Inschrift von Erezovo vollständig 2). Auch 
im Übrigen zeigen die Wörter der lemnischen Inschrift mit den 
Lautkomplexen der Ring-Inschrift keine Ähnlichkeit. Das kann 
natürlich Zufall sein, aber wir wollen und können ja auch nur die 
negative Tatsache feststellen, daß die beiden Inschriften keine Be- 
rührungen mit einander zeigen. 

Die Inschrift von Erezovo lehrt, daß die Thraker in ihrer 
Sprache geschrieben und sich dazu des ionischen Alphabets, das 
ihnen vermutlich von den ionischen Kolonien an der thrakischen 
Küste zukam, bedient haben, und zwar schon verhältnismäßig früh- 
zeitig, eher in der 1. als in der 2. Hälfte des V. Jahrhunderts 
V. Chr. In der Folge erscheinen in Thrakien nur griechische, 
später auch römische Inschriften, obwohl die thrakische Sprache 
sich recht lange gehalten zu haben scheint. Tomaschek, Die alten 
Thraker I 77, bringt zwei Zeugnisse aus dem 6. nachchristlichen 
Jahrhundert über das Fortleben der hessischen Sprache. Der 
Bischof Theodoros von Petrai (um 530) erzählt vom heil. Theo- 
dosios (t 529), er habe am Ostufer des Jordan ein Kloster mit 
vier Kapellen erbaut, eine für die Griechen, eine zweite, ev^a xara 
TTiv oly.Biav yXiüooav yevog Beaawv rio vx^doTit) rag evxctg cltio- 
dlöcoGtv, eine dritte für die Armenier, eine vierte für die Besessenen. 
Das Itinerarium des Antoninus von Placentia (um 573), Corp. 
eccles. lat. 39 S. 184 c. 37, berichtet von einem Kloster am Sinai, 
'in quo sunt tres abbates scientes linguas, hoc est latinas et graecas, 
syriacas et aegyptiacas et bessas, uel multi interpretes singu- 
larum linguarum'. Nach Tomaschek wäre hier mit hessisch die 

1) Z. B. JoQCev»r}5 Tomaschek Die Thraker II 2, 34, Zivd^rig, :4»v- 
nagrjvog ebd. 55, ZovQsysd^tjs Tomasskek II 49, Bgov^evrig II, 2, 17, ßQvvxög 
Hesych, ^ißv&i(hg, ^o^tfctta dgl., dak. xaQoni&Xa, tf&i&oif&^&eXa Tomaschek 
II 33, Kav&og, Jivixev&og neben -centus, ZazQoxsvTcet II 2, 46, BCd^vg Bithi- 
centus neben Bitus, MiXroxv&rig Dioscuthes, Zißtkü^iovQÖog Tomaschek II 60 
neben ZißtXaovgSog, Z^Qw^og (wohl voridg. wie IT^Qiv&og, Köqtvd-og, Tqi- 
xÖQW&og) u. a., XccQvaßwv, ^QOfii^airrjg. 

2) In einigen thrakischen Eigennamen ist ai überliefert: OvoXoyaia)]g 
Vologaesa, BfQyatog Tomaschek Thraker II, 2, 13, /IsQvalog 30, Paiaxovnooig 
neben PaaxovnoXig, MaiaiQu 22. 26, ^aixcoatjg 29, ^iexairsog neben Deceneus 31, 
^QOfiij(((iTrig, EnraiTQuXig neben EmriTQakig 8. 



Die erste thrakiscbe Inschrift 79 

rumänische Sprache gemeint, weil die thrakische damals längst 
verschollen gewesen sei. Indessen ist bei Antoninus nach der Le- 
sung des Corpus (anders Gildemeister) die lateinische Sprache 
neben der hessischen genannt. Das Rumänische stand aber damals 
noch auf dem Standpunkt eines — vielleicht vorgeschrittenen — 
Vulgärlateins und konnte wohl nur als lateinisch oder romanisch, 
nicht aber als hessisch bezeichnet werden. Allerdings ist das 6. 
Jahrhundert etwas spät. — Mein Kollege Konst. Jirecek macht 
mich freundlichst darauf aufmerksam, daß Th. Uspenskij in den 
Berichten des Russ. Arch. Instituts IV 2. Heft (1899) S. 1G3 eine 
Predigt des Patriarchen Johannes Chrysostomus (4. Jahrh.) — 
ohne genaues Zitat — erwähnt, wonach auch die Skythen, Thraker, 
Sarmateu die heilige Schrift in ihre Sprachen übersetzt hätten. 

Es ist wohl zu hoffen, daß in den zahlreichen Tumuli der 
nördlichen Balkanhalbinsel künftig noch andere thrakische In- 
schriften zu Tage kommen werden, und wenn auch nicht Bilinguen, 
die überall selten sind, wenigstens Texte mit Wortinterpunktion, 
die auf der Ring-Inschrift schon deshalb fehlen mag, weil der 
Raum so beschränkt war. 

Wien Paul Kretschmer 



Sprachwissenschaft im Sprachunterricht 

Ein Programm 

Bei unserer Betrachtung gehen wir von den Zielen alles Sprach- 
unterrichts aus. Der Unterricht in den 5 Schulsprachen, d. i. in 
den beiden alten, den beiden modernen Sprachen und im Deut- 
scheu hat das gemeinsame Ziel: Verständnis der Hauptwerke der 
Literatur der betreffenden Kulturvölker; für die beiden neuern 
Sprachen kommt noch einige Fertigkeit im mündlichen und schrift- 
lichen Gebrauch derselben als Zielforderung hinzu. Als Grund- 
lage für dieses Ziel wird grammatisch-logische Schulung angegeben. 
Es ergibt sich aus dieser Zielbestimmung, daß die Kenntnis der 
Sprache hier als Mittel zum Zweck, nämlich zum Verständnis der 
Literaturwerke angesehen wird. Außer diesem Mittel zum Zweck 
ist aber die Kenntnis der Sprache auch als Selbstzweck zu be- 
trachten, weil die Sprache eines Volkes das unmittelbarste Er- 
zeugnis des Volksgeistes und, wenn wir von den Besonderheiten 



30 F- Stürmer 

des einzelnen Volkes absehen, das unmittelbarste Erzeugnis des 
menschlichen Geistes überhaupt ist. Wer also einen Einblick 
gewinnt in die einzelne Sprache, tut damit einen Blick in das 
Leben des Volksgeistes, ja des menschlichen Geistes überhaupt. 
Wenn wir die Sprachkenntnis als Mittel zum Zweck des Verständ- 
nisses der Literatur betrachten, so ist dafür folgendes nötig: sichere 
Kenntnis der Vokabeln, der Formen- und Satzlehre. Um diese 
sichere Kenntnis zu erzielen, müssen zwei Kräfte des Geistes heran- 
gezogen werden, nämlich der Verstand und das Gedächtnis. In 
dem bisherigen Sprachunterricht ist nun m. E. der Verstand des 
Schülers in der Regel nur bei der Satzlehre herangezogen worden, 
während in der Formenlehre und beim Vokabellernen meist nur 
das mechanische Gedächtnis in Anspruch genommen wurde. Daß 
es immer auch rühmliche Ausnahmen gegeben hat, soll durch diese 
wohl allgemein zugegebene Tatsache nicht bestritten werden. 

Nun ist es ein unbestreitbarer Satz der Psychologie, daß das, 
was verstanden ist, — wenn die andern Verhältnisse gleichartig 
sind — besser behalten wird als etwas, was nicht oder nur halb 
verstanden ist. Unter den anderen Verhältnissen verstehe ich die 
selbstverständlich unbedingt nötige Einübung. Baut sich also die 
Übung auf dem Fundament des Verständnisses auf, so wird da- 
durch die denkbar größte Festigkeit des Gedächtnisses erreicht. 
Es wird also notwendig sein, daß auch die beiden andern zur 
Kenntnis einer Sprache notwendigen Elemente, der Wortschatz und 
die Formenbildung auf die Grundlage des Verständnisses ge- 
gründet werde. 

Alles verständnisvolle Erkennen beruht auf Vergleichung, und 
zwar einmal auf der Vergleichung verschiedener Zustände oder 
Entwicklungsstufen desselben Objekts zu verschiedenen Zeiten — 
das ergibt die historische Erkenntnis des einzelnen Objekts — 
und dann auf der Vergleichung des einen Objekts mit anderen 
Objekten. Wenn wir diesen Satz auf unser Objekt, die einzelne 
Sprache, anwenden, so ergeben sich daraus die beiden Betrach- 
tungsweisen, die historisch-genetische und die komparative, oder 
anders ausgedrückt: 1) die geschichtliche Entwicklung der Einzel- 
sprache ohne Rücksicht auf andere Sprachen und 2) die Ver- 
gleichung der betreffenden Sprache mit andern Sprachen. Es 
muß aber gleich hier bemerkt werden, daß die historisch- genetische 
Betrachtung der Sprache durch die komparative sehr gefördert 
wird, weil sich oft frühere Entwicklungsstufen nur durch Ver- 
gleichung mit anderen Sprachen ermitteln lassen. 



Sprachwissenschaft und Sprachunterricht 81 

Wenn wir nun das Gesamtgebiet der Sprachwissenschaft über- 
schauen, so möchte ich für die Praxis 4 Teile unterscheiden, die 
Lautlehre, die Wortlehre, die Flexionslehre und die Satzlehre. Zu 
der Wortlehre rechne ich im besondern die Etymologie, die Wort- 
bildungslehre und die Bedeutungslehre. In den Schulgrammatiken 
spielten bisher eigentlich nur 2 Teile, die Flexionslehre und die 
Satzlehre, eine Rolle. Die Lautlehre wird nur in verhältnismäßig 
geringem Umfange zur Unterstützung der Formenlehre herange- 
zogen, die Wortbildungslehre nur höchst mechanisch und ober- 
flächlich in ein paar Paragraphen abgetan, die Etymologie fast 
gar nicht berücksichtigt. Hinsichtlich der letzteren wie auch der 
Bedeutungslehre ist allerdings das Wörterverzeichnis der Übungs- 
bücher wie die Wörterbücher, sei es zu den einzelnen Schrift- 
stellern, sei es allgemeine Schulwörterbücher, der gegebene Platz. 
Dasjenige Gebiet der Sprache, dessen Erforschung am spätesten 
von der Wissenschaft in Angriff genommen worden ist, ist die 
Bedeutungslehre. Immerhin sind auch hier schon verschiedene 
Gruppen des Bedeutungswandels festgestellt worden, und man ist 
auch bemüht, die mannigfaltigen Gründe für diese interessanteste 
Erscheinung im Sprachleben zu erforschen. 

Gehen wir nun auf die praktische Anwendung der im Vor- 
stehenden erörterten Grundsätze über, so ist die Forderung auf- 
zustellen, daß schon auf der untersten Stufe wissenschaftliches 
Verständnis des von den Schülern zu Erlernenden anzustreben ist. 
Selbstverständlich gilt dies, wie überhaupt im gesamten Unterricht, 
mit der Einschränkung: wissenschaftliches Verständnis, so weit 
es der Denkfähigkeit der Schüler entspricht. In jedem ein- 
zelnen Falle muß es dem Lehrer überlassen bleiben, zu beurteilen: 
wie weit kann diese Schülergeneration die wissenschaftliche Er- 
klärung eines Wortes nach Form und Bedeutung, einer Flexion, 
eines syntaktischen Gesetzes verstehen? Aber es darf sich auch 
niemand von vornherein damit beruhigen: Diese oder jene Er- 
klärung können die Schüler doch nicht verstehen, sondern er muß 
überlegen, ob er nicht doch und auf welche Weise er, die streng 
wissenschaftliche Form der Erklärung umwandelnd, sie für die 
Schüler verständlich machen könne. Ferner ist zu bedenken, daß, 
wenn den Schülern schon auf der untersten Stufe solche Erklä- 
rungen, die sie verstehen können, auch wirklich gegeben werden, 
ihr Verständnis sich allmählich steigert, so daß man dann je 
weiter, um so mehr in die Tiefe gehen kann. Der wichtigste 

Glotta VI, 1. 6 



82 F. Stürmer, Sprachwissenschaft und Sprachunterricht 

Grundsatz ist natürlich auch hier, daß die Schüler die Gesetze 
durch Vergleichung der Objekte selbst finden. 

Auf der untersten Stufe wird es sich hauptsächlich um die 
Wortlehre handeln, d. h. um die Etymologie, die Wortbildungs- 
lehre und einige einfache Vorgänge der Bedeutungslehre. Aber 
auch einige Erklärungen in der Formenlehre wird man ganz gut 
geben können. Die Erfahrung zeigt aber, daß auch einige Sätze 
der Lautlehre als Hilfsmittel für die Etymologie wie zur Erklärung 
der Flexionsformen herangezogen werden müssen. Anknüpfung 
einer neu zu lernenden Vokabel an andere schon bekannte Wörter 
derselben Wortfamilie, an bekannte Lehn- und Fremdwörter oder 
urverwandte Wörter, d. i. in diesem Falle aus dem Deutschen, 
wird ein Mittel zum Verständnis und zur Stärkung des Gedächt- 
nisses auch schon bei einem Sextaner sein. Beim Einprägen der 
Bedeutung ist immer von der Grundbedeutung auszugehen, die 
oft durch ihre sinnliche Vorstellbarkeit die Phantasie der Schüler 
sehr anregt. Ferner sind beim Vokabellernen, wie es sich ja von 
selbst ergibt, die Elemente der Wortbildung, Präfix, Wurzel und 
Suffix von einander zu scheiden. Durch die Zusammenstellung 
verwandter Wörter wird man von selbst auf einige Lautgesetze 
geführt werden. In der Formenlehre wird man stets an das früher 
Gelernte anknüpfen, auch Zusammenstellungen gleichartiger 
Flexionen nicht versäumen; ferner läßt sich bei später zu lernenden 
Sprachen oft von gleichartigen Bildungen anderer früher gelernter 
Sprachen, z. B. beim Griechischen vom Lateinischen ausgehen. 
Auch die Formenlehre wird der Lautlehre zu Erklärungen nicht 
entraten können. Bei der Erlernung der Satzlehre in späteren 
Klassen muß die Etymologie wie die Bedeutungslehre herangezogen 
werden, da z. B. manche Konjunktionen durch ihre etymologische 
Erklärung helles Licht erhalten und ihre Verbindung mit einem 
bestimmten Modus oft dadurch deutlich wird. Wo psychologische 
Gründe für syntaktische Regeln von den Schülern verstanden 
werden können, müssen sie entwickelt werden. Vergleichungen 
mit den gleichen oder ähnlichen oder auch abweichenden syntak- 
tischen Gesetzen anderer Sprachen mit Aufzeigung der Gründe 
für die Abweichungen werden viel zum Verständnis beitragen. 

Die aus dem Vorstehenden sich ergebende Forderung ist, daß 
unsere sprachlichen Lehrbücher, nämlich Grammatiken, Wörter- 
verzeichnisse und Wörterbücher nach sprachwissenschaftlichen 
Grundsätzen eingerichtet werden müssen. Das ist deshalb nötig, 
damit der Schüler die Möglichkeit habe, das, was in der Schule 



E. Schwyzer, Kleinigkeiten zur griechischen u. lateinischen Lautlehre 83 

durch gemeinsame Arbeit festgestellt worden ist, zu Hause sich 
noch einmal zu vergegenwärtigen und sicher einzuprägen und auch 
von Zeit zu Zeit Wiederholungen vorzunehmen. Zu diesem Zweck 
müssen in den Wörterverzeichnissen der Übungsbücher auch Zu- 
sammenstellungen mannigfacher Art ihren Platz finden. 

Vor der Hand sind erst Anfänge zur Erfüllung dieser Forde- 
rungen gemacht worden. Es muß daher das Bestreben aller derer 
sein, die mit den im Vorstehenden erörterten Grundsätzen ein- 
verstanden sind, durch öffentliche Besprechung der betreffenden 
Fragen, besonders durch Berichte über eigene Erfahrungen und 
Proben der Behandlung einzelner Abschnitte und, wenn irgend 
möglich, auch durch Abfassung sprachwissenschaftlich orientierter 
Lehr-, Übungs- und Wörterbücher zur Förderung der sprach- 
wissenschaftlichen Methode im Sprachunterricht beizutragen. 

Weilburg F. Stürmer 



Kleinigkeiten zur griechischen und lateinischen 

Lautlehre 

1. xot, ■/.otCiü. Es ist bekannt, daß o nicht ganz selten als 
jüngere Schreibung (im Einheitsalphabet) und dann auch als Aus- 
sprache für ß auftritt, in Fällen wie "Oa^og, ^OiXeig (vgl. die zu- 
sammenfassende Behandlung von Kretschmer, Wiener Eranos [1909], 
118ff.). Allgemein bekannt ist die Wiedergabe des lat. qu durch 
griech. xo (neben xf): KoivrilLog. Die gleiche Lautfolge wird in 
zwei echt griechischen Wörtern onomatopoetischen Charakters 
durch xo dargestellt: in xo'/' als Wiedergabe des Naturlautes junger 
Schweine (Aristoph. Ach. 780. 800ff.) und dem zugehörigen Verb 
'/.ö'Ctio (megar. yiot^exs ebd. 746). Denn die natürliche Grundlage 
dieser Wörter war doch offenbar die gleiche wie die für die 
(parallelen, nicht verwandten) onomatopoetischen Bildungen nhd. 
quieken, lit. kvykti, slav. kvicati (Boisacq DE. 481, Berneker, Slav. 
etym. WB. 656), und gesprochen wurde wohl ungefähr *x//, *Y.ßitw. 
Die zweisilbige Messung von xot- (als u _) an den genannten 
Aristophan es- Stellen bildet eine Parallele zu den von Kretschmer 
a. a. 0. behandelten Fällen wie ^Oilsvg, vctynrd-og (für /"«-). 

2. lat. st (als Interjektion). Die moderne Phonetik steht auf 
dem Standpunkte, daß grundsätzlich alle "^Konsonanten' auch als 



84 E. Schwyzer 

""Sonauten', d. h/ Silbenkerne' oder 'Silbengipfer gebraucht werden 
können (z. B. Sievers, Grundzüge der Phonetik* 41, Sütterlin, Laut- 
bildung 96 f.). Die einzelnen Sprachen und Sprachperioden weisen 
freilich starke Unterschiede auf. „Die Fähigkeit, Sonant zu werden, 
haben wenigstens in den älteren indogermanischen Sprachen wohl 
nur die mit Stimmton begabten Laute, und von diesen kommen 
tatsächlich wieder nur die ursprünglich stets ohne Beimischung 
eigener Geräusche des Ansatzrohres gebildeten reinen Stimmton- 
laute in Betracht, d. h. die Vokale, Nasale und Liquidae der her- 
gebrachten Bezeichnungsweise. In den modernen Sprachen erstreckt 
sich aber die Fähigkeit zu sonantischer Funktion zum Teil auch 
auf die Laute, welche auf Geräuschbildung beruhen" (Sievers a. a. 0.). 
Unter den Beispielen, die darauf angeführt werden, geht uns hier 
namentlich eines au: „Im Deutschen erscheinen z. B., wie schon 
Thausing hervorhob, s und seh als Sonanten in den Interjektionen 
bstl und scM" (vgl. auch dialekt., so Schweizerdeutsch bsl s\ ss\). 
Was nun diese Interjektionen anlangt, kann man sich freilich a 
priori keinen Unterschied zwischen älteren und jüngeren indo- 
germanischen Sprachen denken, soweit solche Interjektionen in den 
älteren Sprachen überhaupt vorkommen oder belegt sind. So kann 
sich z. B. die lat. Interjektion st von der gleich geschriebenen 
deutschen in der Aussprache doch nicht unterschieden haben. 
Daß lat. st als Interjektion die Geltung einer Silbe hatte, wird 
zum Überfluß durch die altlateinischen Szeniker bestätigt. Sie 
brauchen teilweise st als außerhalb des Verses stehendes Element 
(so Plaut. Epid. 181), teilweise messen sie es mit; letzteres trifft 
ein bei Naevius: st', tace, \ cave v^rbum faxisl (Diehl, poet. Rom. 
veterum rell. nr. 95 p. 15) und bei Plautus: st', tace dtque abi; 
nSque paro nique hodie coquetur Gas. 149 Leo. Diese Messungen 
werden durch die Lehre der modernen Phonetik erklärt und be- 
stätigt. 

Zürich E. Schwyzer 



fiiXiaoa 



Daß (xeXioaa, att. f^iXirra „Biene" mit /.uli „Honig" zu- 
sammengehört, wird so leicht niemand bezweifeln, wenn auch alte 
Etymologen den Namen der Biene vielmehr von (uslo) herleiten. 
Aber verdient die Zurückführung von fxiXioaa auf ^lueliTJa, die 



Gemeingut der Wissenschaft sein dürfte, dieselbe Wertschätzung? 
Das lautliche Bedenken (att. rr statt o{a) aus TJ) gilt freilich ge- 
meinhin als erledigt durch den Hinweis auf d^rJTza u. ä., wie man 
auch diese Fälle deuten mag. Aber wie steht es mit der Wort- 
bildung? -ja erscheint als Primärsuffix in einigen Wörtern ab- 
strakter oder von der abstrakten aus leicht erklärbarer Bedeutung 
wie oooa, cpvta (Brugmann Grdr. ^ II 2, 222); als Sekundärsuffix 
dient -ja vornehmlich zur Bildung movierter Feminina, außerdem 
erscheint es vereinzelt in sächlichen Koukreta (eig. Feminina zu 
Adj.): cQOvga, ayxvQa, yeq)VQa, oXvga (Solmsen, Beiträge zur griech. 
Wortforschung 1, 269 f.). Für fieliaaa kommt nur das Sekundär- 
suffix -ja in Frage. Wie soll nun das einst vorhandene oder 
ideelle Masculinum zu i-dliooa lauten? Etwa * (.lelixog. als Subst. 
oder *i.ieXLTcg als Adj.? Das sind wenig verlockende Postulate, 
und auch die anzunehmende Bedeutung erweckt Bedenken, ob man 
nun i-dlLaoa als *„Honigin" oder als *„Honigigin" sich verdeut- 
liche. Und nun meldet sich auch wieder das scheinbar glücklich 
beschworene lautliche Bedenken: beruht att. -xra statt -o{G)a aus 
-TJa in Wörtern wie d^rjrva auf Analogiebildung — dies ist die 
wahrscheinlichste Erklärung, vgl. Brugmann-Thumb 119f. und die 
dort genannte Literatur — begreift man schwer, wie ein isoliertes 
*f^£ho{a)a gleich behandelt worden wäre, das doch nicht als ein 
durchsichtiges moviertes Femininum zu einem danebenstehenden 
Masculinum empfunden wurde. Man könnte daran denken, der 
Schwierigkeit Herr zu werden, indem man att. ^llizra als Atti- 
zisierung eines nicht attischen *i.uhooa aus * (.leliTJa betrachtete 
(wie xaTTiTEQog, KarävÖQa); aber die Entlehnungshypothese ist hier 
an sich nicht wahrscheinlich und hebt nicht die Bedenken, die 
die vorausgesetzte Bildung "^f^ieXiTJa nach Form und Bedeutung 
erweckt. 

Sie scheinen mir stark genug, um den Versuch einer neuen 
Deutung gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Die Erklärung, die 
ich an Stelle der üblichen vorschlagen möchte, kann ebenso wenig 
streng bewiesen werden wie die Deutung aus * (xelLXJa; sie scheint 
aber nach Seite der Laute, der Bildung und Bedeutung einwand- 
frei, was für eine Etymologie immerhin etwas besagen will und 
von der üblichen Erklärung nicht gilt. /^leXiaaa, att. f-ishtta läßt 
sich zurückführen auf * ^lehxja und weiter auf *|U£M<Xja (woraus 
*f.ielixja durch Haplologie wie cfxcpOQEvg, aus *ai.i(ficpOQEvq usw.); 
*IAehlixJa wäre „die Honigleckerin"; die Form (xeli- (nicht (xeXito-) 
erscheint in der älteren Zeit durchweg in der Zusammensetzung, 



86 E. Schwyzer, /ueXiaaa 

z. B. i.isXiyt]Qvg, i.iE?u7]dt]g, /nsXrAQriTog, (.lElicpgcov bei Homer. Daß 
im Griechischen ^ih leixsiv von der Sammeltätigkeit der Biene 
gebraucht wurde, kann ich nicht belegen, wohl aber bietet das 
Indische für die ,,Honigleckerin" eine unbestreitbare Parallele: 
madhu-lih-, Nom. madhuUt heißt im klassischen Sanskrit die Biene. 
Im Griechischen wäre das dem indischen Kompositionselement lih- 
genau entsprechende Xiy- um das feminine Suffix erweitert, zur 
Heraushebung des natürlichen Geschlechts, vielleicht auch unter 
dem Einfiuß von (xvla (vgl. frz. mouc/ie o niiel für abeille). Nun 
ist freilich ind. madhulih- nur in der Kunstpoesie und bei Lexiko- 
graphen belegt, erweckt den Eindruck einer künstlichen Bildung, 
kann in seiner Beweiskräftigkeit für ein volkstümliches Wort wie 
fialiooa bestritten werden. Der Einwand schlägt nicht durch; 
auch *f.itXiXixjc( ,,die Honigleckeriu" müßte aus einer Sondersprache 
stammen, als ursprünglicher Deckname angesehen werden; gerade 
aus dem Gebiete der Bienenzucht lassen sich solche mehrfach 
nachweisen; wer die anregenden Ausführungen von Meillet, Quelques 
hypotheses sur les interdictions de vocabulaire dans les langues 
indo-europeennes (Paris 1906) und die daran anknüpfenden Er- 
örterungen von Meringer IF 21, 313 und Gauthiot MSL 16, 264:S. 
nachliest, wird im gleichen Sinne auch eine ^' f.t£Xihyja ,, Honig- 
leckeriu, madhulif"' annehmbar finden i). 

Zürich E. Schwyzer 



1) Obige Deutung von ^iXiaaa ist nicht auf der Suche nach verdun- 
kelten Komposita gefunden. Da sie aber doch auf diese Erscheinung führt, 
mögen hier noch zwei griechische Wörter berührt werden, für die die Mög- 
lichkeit einer ähnlichen Deutung besteht, wie sie für nhd. Messer aus 
*miiti-sahs ', Speisemesser", schwzd. /Mo6/i aus mhd. knohelouch (ahd. kloho- 
louh) und viele andere Tatsache ist. Für fava^, das trotz phryg. faraxTSt 
aus wortgeographischen Gründen als griechisch zu betrachten ist, eine Basis 
farccx- anzusetzen (Fraenkel Nom. ag. 1, 95^), führt nicht weiter; steckt in 
faja- ein Nomen konkreter Bedeutung zu ai. vanomi ,, gewinne" zur Be- 
zeichnung der Beute, in xt- ein nomen agentis zu xTüifiai? Fäva'^ hieße 
dann der Herrscher nach der Eigenschaft des Heerkönigs, die mhd. miltT 
heißt (vgl. die Ausleger zu Tac. Germ. c. 14). Daß homer. nroXie&Qor aus 
*7iToXii&Xov dissimiliert sein könne (E. Hermann, Probe eines sprachwissen- 
schaftlichen Homer-Kommentars. Festschrift der Hansaschule zu Bergedorf 
1908), ist vFohl schon eine ältere Vermutung (wenigstens wurde sie schon 
1894/5 in Brugmanns sprachwissenschaftlicher Gesellschaft in Leipzig ge- 
äußert); ist * TiToXttxhXov = *,, Burgsitz'' (vgl. mhd. *hurcses in spezieller 
Bedeutung, s. schwzd. Idiotikon 7, 1383 f.)'? *f&Xov aus *(&Xov, idg. *sedhlom 
aus * sed + dhlo7n wie juirctov aus *}ned + irom (de Saussure MSL 6, 246 f., 



P. Persson, Latina 87 

Latina 

1. Zur Behandlung von u in unbetonter offener Silbe 

IF. 26, 62 S. suchte ich zu zeigen, daß lat. u in unbetonter 
offener Silbe vor r lautgesetzlich zu e geworden ist. Ich wies auf 
die entsprechende Behandlung der übrigen kurzen Vokale in dieser 
Stellung hin (peperi aus '*peparai usw.) und führte als für u be- 
weisende Formen an: socero- aus suekuro- (gr. eAvqog usw.), -iero 
(in de-iero, per-iero usw.) aus -iüso (zu ious iüs), Gen. veteris aus 
*vetuses (Nom. vetus zu lit. vetuszas, aslav. vetüchü), arch. auger, 
augeratus neben augur, auguratus (was mir auf eine Flexion augur 
augeris hinzudeuten schien i). Seitdem hat Skutsch Glotta 3, 355 
meine Ansicht als nicht genügend gestützt bezeichnet, und dies ist 
der Anlaß, warum ich hier auf die Frage zurückkomme. Über die 
von mir zusammengestellten Beispiele läßt sich Skutsch folgender- 
maßen aus: ,,Das Problem, das deierare, perierare in ihrem Ver- 
hältnis zu ious bieten, ist zum Beweis wenig geeignet; daß vetus 
veteris Laut für Laut = gr. Fexog ßixeöoq ist, habe ich in einem 
Persson offenbar unbekannt gebliebenen Aufsatz Arch. f. Lex. XV 
36ff. erwiesen, socer soceri kann aus suekuro- durch Synkope der 
mittleren Silbe und nachfolgende Anaptyxe hervorgegangen sein, 
und augur auger ist uns etymologisch zu unklar, um als Stütze 
eines Lautgesetzes dienen zu können". Ich erlaube mir hierzu 
folgende Bemerkungen, aus denen erhellen wird, daß ich Skutschs 
Einwände samt und sonders für nicht zutreffend halte. 

Zunächst socero- : gr. k/.vQog. Hier meint Skutsch mit der 
Annahme auskommen zu können, daß zuerst suekuro- socuro- durch 
Synkope zu socro- geworden, und dann zwischen c und r Anaptyxe 
eingetreten wäre. Das ist einfach unglaublich. Wenn socuro- durch 
Synkope zu socro- geworden wäre, so hätte dies zu einer Flexion 
socer socri geführt, und warum diese, die in dem häufigen Typus 
ager agri eine starke Stütze gehabt hätte, in socer soceri umge- 
wandelt worden wäre, ist nicht einzusehen. Überhaupt pflegt ja 
im Lateinischen zwischen c und r keine Anaptyxe einzutreten. 



vgl. Wackernagel, Ai. Grammatik 1, 114) könnte, durch den wiederholten 
Verbalstaram verdeutlicht, auch in Me&lov stecken; vgl. dazu Fraenkel 
KZ 42, 234 f. 

1) Auch Niedermann in seiner Historischen Lautlehre des Lateinischen * 
(Heidelberg 1911) lehrt S. 20, daß „vor ?• jeder kurze Vokal in offener Mittel- 
silbe die Klangfarbe e hat", aber für u führt er keine Beispiele an. 



88 P- Persson 

socero- : gr. 8/.vQog wird also als Beispiel des in Rede stehenden 
Lautüberganges durch Skutschs Bemerkung nicht erschüttert. 

Gegen die von mir befürwortete Erklärung von -ierare im 
Verhältnis zu ious iüs hat Skutsch nichts Positives einzuwenden; 
er begnügt sich mit einer allgemeinen Redensart, die nichts be- 
weist. Auch für ihn scheint der Zusammenhang von -iurare und 
ious iüs festzustehen. Ich verstehe aber nicht, wie man diese 
Formen besser mit einander vermitteln kann als durch die An- 
nahme, daß -ierö aus -iürö wie socero- aus suekuro- entstanden ist, 
und daß -iürö weiter auf -iüsö, das mit ious iüs ablautet, beruht. 
Daß Ableitungen von s-Stämmen eine schwächere Ablautstufe zeigen 
als das Grundwort, kommt ja nicht selten vor (J. Schmidt Plural- 
bild, d. idg. Neutra 148). Die Versuche, aus *ioues5 nicht nur 
iürö sondern auch -ierö zu erklären, halte ich für mißlungen. 
Warren Transact. of the Amer. Phil. Assoc. 32 (1901), 112 f. nimmt 
folgende Entwicklungsreihe an: *per-joves5 (ich bezeichne hier und 
im Nächstfolgenden konsonantisches i und u der Deutlichkeit halber 
mit j, v) > *per-juerö y *per-jverö > "^per-jerö. Hier erregt be- 
sonders die Annahme, daß sich *per-Juerö zu *per-Jverö entwickelt 
habe, Bedenken. Man sieht nicht, warum u in dieser Stellung 
konsonantische Geltung bekommen hätte. Fälle wie klass. lärva 
gegenüber arch. lärua u. dgl., auf die sich Warren beruft, sind 
ja gar nicht analog. Auch ob ein *per-jverö zu per-jerö geworden 
wäre, läßt sich bezweifeln (vgl. Skutsch Vollmöllers Roman. Jahresber. 
6, 1, 449). Fay Amer. Journ. of Phil. 25, 169 f., dem Walde bei- 
stimmt Lat. et. Wörterb. ^ 570, meint, daß aus "^per-jovesö zunächst 
*per-iverö und dann weiter durch Schwund des v *per-ierö und 
schließlich durch Konsonantierung des i per-jerö entstanden wäre. 
Das ist nicht weniger gekünstelt und unglaublich. Um nur eines 
hervorzuheben: warum sollte in ''^per-iverö v geschwunden sein? 
Unrichtig wird dieser Schwund von Fay mit Verbalformen wie 
audiero gestützt. Hier hat ja kein Schwund von v stattgefunden, 
sondern es liegen Analogiebildungen nach iero (zu ii ire) vor. Es 
ist, soviel ich sehe, unmöglich -jerö aus -jovesö herzuleiten; daher 
müssen wir auf -jüsö rekurrieren. Aus diesem erklärt sich -jerö 
nach dem hier besprochenen Lautgesetz. 

Über vetus -eris muß ich ziemlich ausführlich sprechen, da 
Skutsch sagt, er habe erwiesen, daß vetus veteris Laut für Laut 
= gr. ßiiog Fheaog sei i). Das ist m. E. nicht der Fall. Skutsch 

1) Als ich in meinem Beiti-ag zu der Festschrift für K. Brugmann 
lat. vetus behandelte, waren mir Skutschs Ausführungen Arch. f. lat. Lexi- 



Latina 89 

erweist keineswegs, daß vetus == ßatog sei; er geht vielmehr 
davon aus, ohne nach anderen Möglichkeiten zu fragen, und zeigt 
nur, wie mau unter jener unbewiesenen Voraussetzung den Be- 
deutungszusammenhang zu erklären habe. Aber auch an seinen 
diesbezüglichen Aufstellungen ist vieles auszusetzen. Um die Be- 
deutung ""Jahr , die ja gr. ßhog hat, mit der Bedeutung 'alt' des 
lat. Adjektivs vetus vereinigen zu können, muß man nach Skutsch 
eine Mittelbedeutung 'jährig, einjährig' annehmen, und es gilt nun, 
diese Bedeutung in vetus nachzuweisen. Das gelingt aber nicht. 
Skutsch geht von der Verbindung vetus vinum aus; in ihr soll 
vetus allererst angewendet worden sein, und vetus vinum soll eigent- 
lich 'jähriger Wein' bedeutet haben. Es wird betont, daß diese 
Verbindung (was ja nicht Wunder nehmen kann) einigemal bei 
Plautus vorkommt. Aber Plautus gebraucht vetus öfter in anderen 
Verbindungen und zwar so, daß es nur 'alt', nicht 'jährig be- 
deuten kann. Dann ist es nicht wahrscheinlich, daß vetus vinum 
bei Plautus etwas anderes bedeutet als 'alter Wein', was überall 
einen guten Sinn gibt. Auch wird ja vetus vinum mit veteres fa- 
bulae, das nur 'alte Stücke' bedeuten kann, parallelisiert Gas. 
prol. 5f. Daß der Casina-Prolog erst einige Zeit nach Plautus' 
Tod verfaßt worden ist, besagt dabei wenig. Aber Skutsch beruft 
sich weiter auf die bei den Meditrinalien gebrauchte Formel: no- 
vum vetus vinum biho, novo veteri morho medeor. Hier ist vetus 
nach Skutsch = 'vorjährig' wie novus = 'diesjährig' i). Das mag 
sein, aber für die eigentliche Bedeutung von vetus beweist dies 
nichts. Bei uns spricht der Landmann z. B. von dem neuen und 
dem alten Roggen und meint mit dem neuen den diesjährigen, 
mit dem alten im Gegensatz dazu den vorjährigen. Es würde 
niemandem einfallen daraus zu folgern, daß 'neu eigentlich s. v. a. 
'diesjährig', 'alt' eigentlich s. v. a. 'vorjährig' sei. Auf Jahres- 
produkte bezogen, bekommen Adjektiva, die eigentlich neu , bzw. 
'alt' bedeuten, leicht jenen sekundären Sinn ('diesjährig', vor- 
jährig') durch den Zusammenhang. So wird es sich auch mit 
vetus in der obengenannten Formel verhalten. Schließlich führt 
Skutsch eine Varrostelle an, die eine schöne Bestätigung seiner 
Deutung von vetus geben soll. De r. r. I, 65 lesen wir: quod 



kogr. 15, 35 ff. nicht gegenwärtig. Bald nach der Absendung des Manu- 
skripts wurde ich aber auf sie aufmerksam , ohne mich dadurch veranlaßt 
zu fühlen, meine Auffassung in irgend einem Punkte zu ändern. 

1) Zur Erklärung der Formel vgl. Wünsch bei Deubner Neue Jahrb. 
f. d. klass. Altert. 27 (1911), 329 A. 5. 



90 P- Persson 

mustum conditur in dolimn, ut habeamus vinum, non promendum 
dum fervet, neque etiam cum processit ita, ut sit vinum factum, si 
vetus bibere velis, quod non fit, antequam faccesserunt anniculum 
prodit. Der Schluß ist verdorben, Keil schlägt vor: quod non fit, ante- 
quam accesserit annus : anniculum prodit. Damit mag, wie Skutsch 
annimmt, wenigstens der Sinn richtig getroffen sein. Aber die 
Stelle spricht nicht für Skutschs Deutung von vetus, sondern 
gegen sie. vetus kann hier nicht 'jährig' bedeuten, dann wäre 
nämlich der Zusatz quod tion fit, antequam accesserit annus ganz 
überflüssig und unerträglich. Natürlich hat vetus hier seine ge- 
wöhnliche Bedeutung 'a,lt*, Varro sagt nur, daß, wer alten (guten) 
Wein trinken will, weder den gährenden Most noch den daraus 
entstandeneu Wein binnen Jahresfrist genießen darf. Mindestens 
ein Jahr muß verfließen, ehe der Wein als alt gerechnet worden 
kann. 

Damit ist der hauptsächliche Inhalt von Skutschs Ausführungen 
über vetus geprüft; irgend eine andere Beweisstelle führt er nicht 
an. Wenn ich mich bei seiner Auseinandersetzung so lange auf- 
gehalten habe, so beruht es darauf, daß er selbst ihr einen so 
großen Wert beimißt, daß er von einem Beweis redet und seine 
Ergebnisse ohne weiteres in Stowassers Lat. -Deutsches Schul- und 
Handwörterb. ^ 785 aufgenommen hat. Nach dem oben Bemerkten 
wird aber kein Unbefangener zugeben können, daß es Skutsch 
wirklich gelungen ist, in vetus die Bedeutung "^jährig' nachzuweisen. 
Und auch wenn dem so wäre, würde daraus noch nicht folgen, 
daß sich diese Bedeutung in einem Substantiv mit der Bedeutung 
'Jahr' entwickelt habe, oder mit anderen Worten, daß vetus mit 
gr. J'ixog identisch sei. Bei der Erklärung von vetus muß man 
nämlich auch folgende Tatsache im Auge behalten (als Skutsch 
seinen Aufsatz Arch. 15 schrieb, kannte er vielleicht diese Tat- 
sache nicht, jedenfalls hat er sie nicht beachtet, und auch, nach- 
dem sie von mir IF. 26, 63 hervorgehoben war, läßt er sie in der 
Beurteilung meines Aufsatzes Glotta 3, 355 ganz außer Acht): 
es gibt im Indogermanischen nicht nur ein substantivisches *7i,etos 
(= gr. ßhog) mit der Bedeutung 'Jahr', sondern auch ein adjek- 
tivisches tietus- netus-o- (lit. vetuszas, aslav. vetüchü) mit der Be- 
deutung 'alt'. Die Wörter hängen offenbar etymologisch zusammen. 
Das Adjektiv mag anfänghch ' bejahrt', vielleicht auch 'jährig' 
bedeutet haben. Lat. vetus kann formell sowohl auf *netos als 
auf *uetus zurückgehen; begrifflich aber liegt es natürlich näher, 
das Adjektiv auf den adjektivischen ws-Stamm zu beziehen. In 



Latina 91 

der Tat ist es ja unglaublich, daß die begriffliche Identität zwischen 
dem lateinischen und den baltisch-slavischen Wörtern auf Zufall 
beruhe. Nehmen wir au , daß lat. vetus von Anfang an ein Ad- 
jektiv gewesen ist, so brauchen wir uns auch nicht den Kopf dar- 
über zu zerbrechen, wie aus einem Substantiv mit der Bedeutung 
'Jahr ein Adjektiv mit der Bedeutung *^alt' geworden sei, ein Be- 
griffsübergang, der, wie u. a. auch Skutsch hervorhebt, nicht so 
ganz leichtbegreiflich ist. Zwar bekommen ja oft als Apposition 
gebrauchte Substantiva adjektivische Geltung. Aber ein direkter 
Übergang von 'Jahr' zu 'alt' kann kaum stattgefunden haben. 
Man sieht sich gezwungen Mittelstufen anzusetzen. Brugmann KZ. 
24, 38 nimmt folgende Eutwicklungsreihe an: Jahr : längere Zeit- 
dauer, Bejahrtheit, Alter, Altertümlichkeit : alt; Skutsch, wie wir 
oben sahen, die folgende: Jahr : jährig : alt. Aber die hier ange- 
setzten Mittelbedeutungen sind konstruiert, sie liegen weder in 
vetus deutlich vor, noch sind sie, soviel ich weiß, überhaupt in 
irgend einem Wort für ^^Jahr' nachgewiesen (man denke an gr. 
ßerog, lat. annus usw.). Skutsch glaubt zwar zu der von ihm in 
vetus angenommenen Bedeutungsentwicklung (Jahr : jährig : alt) in 
lat. anniculus -a -um 'jährig' eine schöne Parallele gefunden zu 
haben. Dies soll nämlich früher ein Substantiv, Deminutivum zu 
annus, gewesen sein. Ich zweifle. Von o-Stämmen pflegen nicht 
Deminutiva mit dem Suffix -culo- gebildet zu werden. Dazu kommt, 
daß anniculus als Substantiv nicht belegt ist. Ich ziehe es daher 
vor, mit Thurneysen (Thes. 1. 1.) u. a. anniculus als Ableitung 
von einem Adjektiv *annicus, obwohl auch dies nicht belegt ist, 
aufzufassen. Übrigens unterscheiden sich anniculus und vetus darin, 
daß anniculus nur 'jährig, einjährig' bedeutet, nicht 'alt'. 

Ich bleibe also bei meiner Ansicht, daß vetus nicht mit gr. 
ßsTog identisch ist, sondern ein idg. *uetus 'alt' vertritt. Der Ge- 
nitiv veteris aus *uetuses ist mit dem hier in Rede stehenden Laut- 
gesetz vollkommen im Einklang. 

Wir kommen schließlich zu augur auger. Daß die Etymologie 
des Wortes nicht feststeht, habe ich selbst betont. Aber es kommt 
hier nicht alles auf die Etymologie an; trotz der Unsicherheit der- 
selben darf man versuchen, sich über den Vokalwechsel ein Urteil 
zu bilden. Walde spricht neuerdings Lat. et. Wörterb.^ s. v. die 
Ansicht aus, daß ein ^avi-gesos *avi-geros (zu avis und gerere) zu 
Grunde liege; daraus auger und weiter durch Vokalassimilation 
augur. Diese Erklärung scheint mir in begrifflicher Hinsicht nicht 
ganz einleuchtend; in formaler ist sie wohl unhaltbar. Auf Grund 



92 P- Persson 

eines Stammes avigero- wäre ein Paradigma auger -eri entstanden, 
das sicher keine Abänderung erfahren hätte. Assimilation des e 
an den zweiten Komponenten des Diphthonges au anzunehmen, 
geht kaum an. Wo begegnet man sonst im Lateinischen einer 
solchen Assimilation? — Das u der zweiten Silbe von augur kann 
auch schwerlich aus o hervorgegangen sein. Läge ein os-Stamm 
zu Grunde, so würde man nämlich am ehesten eine Flexion *aM^MS 
(augur) *augoris erwarten, -iiris kommt bei den os-Stämmen nur 
in solchen Fällen vor, wo ein u in der Wurzelsilbe assimilierend 
gewirkt hat (fulgur fulguris). 

Also ist aller Wahrscheinlichkeit nach das u der letzten Silbe 
von augur ursprünglich; dann muß das e von auger daraus in un- 
betonter Mittelsill)e entstanden sein, d. h. man wird auf eine ur- 
sprüngliche Flexion augur (*augus?) augeris, analog mit vetus ve- 
teris, geführt^). 

Mag es sich aber mit augur verhalten, wie es wolle, so ist 
der Übergang von lat. u zu. e in unbetonter offener Silbe vor r 
dennoch hinlänglich bezeugt. Er wird auch durch die analoge 
Behandlung der übrigen Vokale in dieser Stellung gestützt. Ander- 
seits lassen sich abweichende Formen mit ur statt er im allge- 
meinen leicht als Analogiebildungen erklären, wie ich IF. 26, 64 
angedeutet habe. 

Nach dem Gesagten glaube ich durchweg an meinen Auf- 
stellungen IF. 26, 62£f. festhalten zu sollen 2). 

2. Zur Tendenz, einsilbige Wertformen zu vermeiden 

Gellius bemerkt N. A. 12, 13,7: „tres istae voces 'intra ''citra 
^ ultra', quibus certi locorum fines demonstrantur, singularibus aput 
veter es syUahis appellabantur '^in '^ eis' '^uls . Haec deinde particulae 
quoniam parvo exiguoque sonitu obscurius promebantur, addita est 
tribus Omnibus eadem sgllaba". In neuerer Zeit ist von der hier 
berührten, in verschiedenen Sprachen hervortretenden Tendenz, 



1) Auf Grund der Foriuen mit er assoziierte man, von der Lautähn- 
lichkeit geleitet, die Schlußsilbe des Wortes mit dem Verbum gerere. Hierauf 
beruht m. E. die alte Etymologie augur ab avibus gen-ndoque dictus, quia 
per eum avium geslus edicitur Paul. Fest. 2. Vgl. auch die Glosse avigerus 
auguriator, qui aves aspicit CGL. 5, 169, 37. 

2) Auch gegen andere Ansichten, die ich IF. 26, 60ff. ausgesprochen 
habe, erhebt Skutsch in seinem Literaturbericht für das Jahr 1909 (Glotta 
3, 343 ff.) Einwendungen, die ich nicht gutheißen kann. Ich komme darauf 
an anderer Stelle zurück. 



Latina 95 

einsilbige Wortformen nicht zu bilden oder zu beseitigen, mehr- 
mals die Rede gewesen. Meillet gibt folgende Formulierung (Mem. 
de la Sog. de ling. 13, 359, vgl. noch ebend. 11, 16, Zeitschr. f. 
armen. Philol. 2, 21): ,,Les mots autonomes de la phrase tendent 
dans presque toutes les langues ä n'etre pas monosyllabiques; 
seuls demeurent ou deviennent en geueral vraiment monosyllabiques 
les mots accessoires, qui, le plus souvent, s'unissent dans la pro- 
Donciation ä des mots voisins". Ausführlicher behandelt Wacker- 
nagel den Gegenstand in seiner interessanten Abhandlung über 
'Wortumfang und Wortform' (Gott. Nachr. 1906, 147 ff.), wo Bei- 
spiele besonders aus dem Alt- und Mittelindischen, dem Griechi- 
schen und dem Lateinischen angeführt sind. Wackernagel zeigt 
auch, daß lautlich vollere Einsilbler, wie die mit langem Vokal, 
oft leichter geduldet werden als die lautärmeren. 

Aus dem Lateinischen belegt Wackernagel die Abneigung gegen 
einsilbige Wortformen durch folgende Fälle: der Imperativ *sci 
wird seit ältester Zeit durch scito ersetzt; im spätem Latein werden 
auch es 'sei' und l 'gehe verdrängt, und zwar ersteres durch esto, 
letzteres durch vade. Auch die übrigen einsilbigen Formen von 
ire weichen vor Formen von vadere oder amhulare (hierzu vgl. noch 
Wölfflin Arch, f. lat. Lexikogr. 4, 261, Löfstedt Komment, z. Peregr. 
Aetheriae 287 f.), und dasselbe gilt z. T. von den mit e vor Vokal 
beginnenden, also mit i consonans gesprochenen und dadurch ein- 
silbig gewordenen ursprünglichen Zweisilblern. Im Anschluß an 
Wackernagels Ausführungen vermutet ferner Löfstedt a. a. 0. 148, 
daß der spätlateinische Ersatz von tot, quot durch tanti, quanti 
hauptsächlich von der Kürze der ersteren Formen abhing ^). 

Dies sind die von Wackernagel und Löfstedt beigebrachten 
lateinischen Beispiele. Sie sind ja etwas spärlich. Ich möchte 
nun hier die Frage anregen, ob sich nicht auch andere Erschei- 
nungen unter den in Rede stehenden Gesichtspunkt bringen lassen. 

Ich denke zunächst an das Eintreten oder Ausbleiben der 
Synkope in gewissen lat. Nominativformen. In der 2. lat. De- 
klination stehen bekanntlich Nominative wie vesper, miser und zu- 



1) Andererseits meint Löfstedt a. a. 0. 321 f., daß die Erklärung der 
geringeren Lebenskraft des Verbums lacrimare gegenüber plorare (frz. pleurer) 
und dem Substantiv lacrima (frz. lärme) in der gröi3eren Länge des erst- 
genannten Verbums zu suchen sei. Das bedarf doch jedenfalls weiterer 
Begründung. Man beachte, daß z. B. in der Mulomedicina Chironis ire 
meistens durch ambulure ersetzt ist, welch letzteres ebenso viele Silben hat 
als lacrimare. 



94 P- Persson 

sammengesetzte wie furci-fer, igni-fer, armi-ger, ferner ager, niger 
usw. gegenüber solchen wie ferus, merus. D. h. in mehr als 
zweisilbigen Formen auf -eros wird das o der Endung synkopiert: 
Vesper -eri aus *vesper(o)s, igni-fer aus * igni-fer (o)s usw. Ebenso 
in zweisilbigen Formen auf Konsonant + ros, wobei aber durch 
die Synkope kein Silbenverlust bewirkt wird: der synkopierte No- 
minativ bleibt zweisilbig: ager aus ^'ager(r) *agrs ^agros. Bei den 
zweisilbigen Formen auf -eros aber, wo die Synkope einsilbige 
Formen hervorrufen würde, bleibt sie aus. Aus *feros wird nicht 
*/(er, sondern ferus (oder, wenn es je ein '''fer gegeben hat, so ist 
es wieder beseitigt worden). Daß hierbei die Scheu vor einsilbigen 
Formen eine Rolle gespielt hat, darf man wohl annehmen. Eine 
Ausnahme bildet zwar vir aus ^uiros. Aber dieser eigentümliche 
Nominativ kann, wie Sommer annimmt (IE. 11, 48, Rhein. Mus. 
56, 637, Lat. Laut- und Formenl. 364), von Nominativen bedeu- 
tungsverwandter Wörter wie gener, socer, puer beeinflußt sein^). 
Vielleicht wurde ^virus auch wegen des Anklangs an virus ver- 
mieden. 

In der 3. lat. Deklination behalten zweisilbige Nominative auf 
-is mit kurzer Paenultima allgemein ihren Endungsvokal. Es heißt 
cutis, rätis, sitis usw. ^). Formen wie *cus(s) aus cutis kommen 
als Simplicia nicht vor; dagegen erscheint -cus in einem mehr- 
silbigen Kompositum: interciis aus * inter cutis. Vgl. auch com-pos, 
im-pos aus * coyn-potis, '*im-potis, hospes aus *hosti-potis gegenüber 
potis (potis als Adjektiv ist jedoch weniger beweisend, weil die Ad- 
jektiva gewöhnlich parisyllabische Flexion haben). Auch hier liegt 
die Annahme nahe, daß die Tendenz, Formen mit zu winzigem 
Lautkörper zu vermeiden, gewirkt hat. Auf Formen wie ^cus 
passen Gellius' Worte: parvo exiguoque sonitu ohscurius promebantur . 
Von zweisilbigen Stämmen aber, die langen Wurzelvokal hatten, 
oder wo dem Wurzelvokal Liquida oder Nasal + Konsonant folgten, 
wurden in der Regel einsilbige Nominative gebildet: dös (St. döti-), 
ars (St. arti-), mors (St, morti-), mens (St. menti-) usw. Eine lange 
Silbe mag stärkeren Druck auf die Nachbarsilbe ausgeübt haben 
als eine kurze. Dazu kommt aber, daß Formen wie dös, wenn 
auch einsilbig, doch lautlich voller waren als solche wie *cus (vgl., 



1) Auf decem-vir, trimn-vir darf man sich kaum berufen, da diese durch 
"' Hypostase entstandenen Formen wohl später waren als der einfache No- 
minativ vir (vgl. Skutsch Jahrb. f. Phil., Suppl.-Bd. 27, 84 A. 2, Vollmöllers 
Jahresber. 6, 1, 440). Auch levtr (zu gr. (^cttjQ) ist vir nachgebildet. 

2) scobs, scrobs neben scobis scrobis sind jüngere Neubildungen. 



Latina 95 

daß im Griechischen augmentlose Formen mit langem Vokal wie 
z. B. orrj geduldet wurden, nicht aber solche wie *oxs)- Übrigens 
haben zu Konsonantstämmen gehörende, von Anfang an einsilbige 
Nominativformen mit derselben oder ähnlicher Lautkonstitution 
vorbildlich gewirkt. — Nominative wie celer aus *celeris, äcer aus 
*äcris stehen auf derselben Linie wie vesper aus *vesperos, niger 
aus *nigros. 

Es mag hier noch an die Behandlung der sog. Wurzelnomina, 
die ja im allgemeinen einen einsilbigen Nominativ hatten, erinnert 
werden. Diese Nomina waren schon vor der Sprachtrennung im 
Weichen, und in einigen Einzelsprachen fehlen sie fast ganz. Oft 
haben sie durch irgend eine Stammerweiterung ihre Einsilbigkeit 
verloren und sind in andere Deklinationsklassen übergeführt worden. 
Für das Lateinische vgl. z. B. aur-i-s (: aus-cultare usw.), nävis 
(: gr. vavg), humus (: gr. xd-cov) usw. Mehrere W^urzelnomina 
kommen nur in der Komposition vor: -fex (arti-fex usw.), -iux 
(con-iux), -ses {de-ses -sidis usw.). Dasselbe gilt von den mit Suffix 
-t- erweiterten: -it- "^gehend' (com-es -itis usw.), -plet- (locu-ples -tis), 
-stat- 'stehend' (prae-stes -itis) usw. Oft sind von den Wurzel- 
nomina nur einzelne Kasus gebräuchlich, insbesondere fehlt mehr- 
mals der einsilbige Nominativ im Singular, oder er wird selten 
gebraucht, vgl. Gen. dicis {*dix fehlt), Gen. vicis usw. (*vix fehlt), 
ops als Appellativ ist selten, ebenso daps, prex. Vielleicht kann 
man auch in diesen Erscheinungen etwas von der Abneigung gegen 
Einsilbler spüren, obwohl nicht Alles klar liegt und auch mit 
anderen Faktoren zu rechnen ist. 

Uppsala P. Persson 



Ire = sterben 



In der Abhandlung „Vermischtes über lateinischen Sprach- 
gebrauch" (Glotta V, 1/2, S. 98) bringt W. A. Baehrens Beispiele, 
una zu beweisen, daß ire, wie transire und abire, für 'sterben, 
nicht nur der poetischen Sprache angehöre, sondern auch in der 
Volkssprache bestand. Seine Behauptung kann auch durch den 
italienischen Gebrauch bestätigt werden, wo nicht bloß das Zeit- 
wort andare (andarne, andarsene : s. „Vocaholario degli Accademici 
della Crusca'', V. Aufl., L Bd., S. 489, Sp. II, n. XLIV), sondern 
gerade auch das defective ire, „proprio piuttosto del parlar fa- 



96 Pietro Easi, Ire = sterben 

migliare e talvolta anche, come gire, del poetico" (Bd. VIII, 
S. 1234, Sp. II), schlechthin auch die Bedeutung von 'morire' 
hat; vgl. die folgenden Stellen (S. 1236, n. XV): „:Not. Malm. 
1, 209: Questo prete Pioppo . . . ., fra l'altre, quando voleva dire 
11 tale h morto, diceva itibus, e intendeva Egli b ito. E da questo 
suo detto diciamo Come disse prete Pioppo : e s'intende il tale e 
morto. E appr.: Egli e ito; latino abiit, decessit, ohiit, e vita mi- 
gravit; e passato dt questa vita. Giust. Vers. 7: Quest' e ito; al 
rimanente — Toccherä qualche accidente." 

Daß aber ire = sterben nicht nur der poetischen und vul- 
gären Sprache angehöre, beweisen Stellen wie diese bei Livius (I, 
26, 4): „Sic eat quaecumque Romana lugebit hostem". 

Wie im Itahenischen, steht auch im Lateinischen ire = 
sterben, wie ich glaube, euphemistisch als simplex pro com- 
posito (vgl. abire, transire, obire, interire, perire). 

Padua Pietro Rasi 



Zwei Nachträge 

1. Glotta III 339 habe ich mit Hinweis auf Od. ö 229/30 
(ptQEi uiöcoQog ccQovQa q)(xQi.iav.a die Vermutung geäußert, daß 
tpäQfiaxov zu (ftgi-ia "^quod terra fert' gehöre, also ursprünglich 
das Zauber- oder Heilkraut, den aus Kräutern bereiteten Trank 
oder Salbe bedeute. Zur Unterstützung dieser Etymologie verweise 
ich auf alban. bar Kraut, Heu, Gras — Heilkraut, das eher zu 
bher- tragen: (ptQU), (fOQog, <p€Q/ua als zu lat. far Spelt gehören 
wird (vgl. G. Meyer Alb. Wb. 26). 

2. Glotta IV 311 bemerkte ich zu Ad. Wilhelms Lesung v/ta 
Xovaov auf einer Grabschrift von Saloniki, daß es nichts einem 
vjta entsprechendes im Ngr. gebe. N. nolLTrjg macht mich aber 
darauf aufmerksam, daß V7ta = VTtays aus byzantinischer Zeit 
belegt ist, vgl. ^aoyQacpia III 644. 

P. Kretschmer 



Therese Stein, Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 97 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 

Meine ursprüngliche Absicht, eine Laut- und Formenlehre von 
Priene zu geben, wurde durch Dienstbachs Dissertation: De titu- 
lorum Prienensium sonis, Marburg 1910, in ihrem ersten Teil über- 
flüssig, so daß ich gleich in der Bearbeitung des für den zweiten 
gesammelten Materials fortfahren konnte. Im folgenden ist aus 
dieser Sammlung nur das herausgehoben worden, was für die Ge- 
schichte der yioivTJ von Interesse sein konnte. Anderes wurde nur 
kurz berührt; bei den regelmäßigen (attischen) Formen ist eine 
Vollständigkeit der Belege nicht angestrebt worden. 

Zu der von Dienstbach gegebenen Einteilung der Inschriften 
ist zu bemerken: Der Brief und die Weihung Alexanders d. Gr. 
(Nr. 1 u. 156) müssen mit demselben Rechte den fremden zuge- 
zählt werden, wie z. B. der Brief des Lysimachos (Nr. 15). Ferner 
glaube ich nicht, daß der Beschluß des ionischen Bundes (Nr. 139) 
schlechthin als einheimisch zu betrachten ist (Dienstbach p. 6), 
wenn auch das Panionion, wo er gefaßt wurde, auf prienischem 
Boden stand. Zur Vorsicht mahnt auch der reine ionische Dialekt 
(Dienstbach p. 13); wir haben keine Inschrift aus Priene, die ebenso 
alt wäre (335 v. Chr. oder früher), aber die älteste», Nr. 2—10, 
deren Abfassungszeiten wohl in der 2. Hälfte des 4. Jhdts. liegen 
(Nr. 10 ist wahrscheinlich älter), weisen schon /.oiv^-, bez. nur 
mehr einzelne dialektische Merkmale auf (Dienstbach p. 14). Da- 
gegen ist der Beschluß der Besatzung der Teloneia (Nr. 19) wohl 
eher den einheimischen Inschriften einzureihen als den fremden 
(Dienstbach p. 9); auf der Burg von Priene lag eine besoldete 
Bürgerwehr und Hiller bemerkt ausdrücklich (1. c. p. XIII): „von 
fremden Söldnern ist keine Spur". Ihre selbständigen Beschlüsse 
waren doch Beschlüsse prienischer Bürger. 

Auch die wenigen Inschriften von Theben an der Mykale, die 
als Anhang dem Bande angefügt sind, darf man, wie ich glaube, 
nicht mit den „fremden" auf eine Stufe stellen, wie es Dienstbach 
tut, schon darum nicht, weil sie eben nicht in Priene gefunden 



1) Inschriften von Priene herausgeg. von F. Frh. Hiller v. Gaertringen, 
Berlin 1906. Die Arbeit von Kouffiac: Kecherches sur les caracteres du 
Grec dans le N. T. d'apres les inscr. de Prione (Bibl. de l'ecole des hautes 
etudes, sciences relig. 24/2, 1911), lernte ich leider erst während des Druckes 
kennen, so daß ich nur kurz auf sie verweisen kann. 

Glotta VI, 2. 7 



98 Therese Stein 

wurden und keine Beziehung zu dieser Stadt habend). Sogar zur 
Vergleichung eignen sie sich wenig, denn gerade die umfangreicheren 
sind älter als die prienischen (1. Hälfte 4. Jhdt., einige Grab- 
inschriften noch früher), und zeigen viel mehr ionische Elemente, 
was, nach Hiller, z. T. auch auf ältere Vorlagen zurückzuführen 
sein mag. Ich hatte nur wenig Gelegenheit sie zu berücksichtigen. 

Von den dialektischen Bestandteilen der einheimischen In- 
schriften hat Dienstbach das Wesentliche schon angeführt, es han- 
delt sich meist um Fälle, die sowohl der Laut- als auch der For- 
menlehre angehören; Einzelheiten sind gelegentlich nachgetragen. 
Die yiOLvri ist in Priene so früh zur Herrschaft gelangt (Dienstbach 
p. 14 u. 102), daß eigentlich nur die Geschichte ihrer Weiterent- 
wicklung Aufgabe dieser Arbeit sein konnte. 

Die fremden Inschriften sind auch im folgenden in 3 Gruppen 
geschieden: a) zon'*^'- Inschriften, b) Dialekt-Inschriften, c) Inschriften 
im römischen Kanzleistil abgefaßt. Die erste Gruppe wurde durch- 
wegs zum Vergleich herangezogen, die zweite nur bedingt, d. h. im 
allgemeinen nur dort, wo es sich um geraeingriechische Erscheinungen 
handelt, wie z. B. die alten fem. o-Stämme, oder die Passivaoriste 
auf -d^rj, doch sind diese Inschriften ausdrücklich als dialektisch 
bezeichnet. Auch ihr Wortschatz wurde gelegentlich berücksichtigt. 
Finden sich in ihnen neben den dialektischen auch /.ofv?^-Formen, 
so sind beide angeführt. Hierher gehören: Nr. ol u. 38 (rhodisch, 
Anf. 2. Jhdt), 60 (äolisch, um 135), 75 (dorisch, 2. Jhdt.) und 
139 (ionisch, v. 335). Von der dritten Gruppe (Dienstbach p. 9) 
wurden, von xotyi^- Formen abgesehen, die natürlich als ,, fremd" 
zu betrachten sind, charakteristische Einzelheiten nur erwähnt, so- 
weit sie sich im allgemeinen Zusammenhang ergaben. 

Was die Scheidung in offizielle und private Inschriften anbe- 
langt, so ist sie in Priene, wenigstens soweit die Formen in Be- 
tracht kommen, schwer durchzuführen; die offiziellen sind den pri- 
vaten nicht nur an Zahl, sondern auch an Umfang so bedeutend 
überlegen, daß eine Gegenüberstellung der beiden Gruppen kein 
klares Bild des Tatbestandes geben könnte; nur so viel läßt sich 
sagen, daß sie sich nicht wesentlich in den Formen von einander 
unterscheiden, wenn man von einigen ganz vulgären Graffitti ab- 
sieht. Trotzdem ist im folgenden durch ein beigefügtes oder P 
der Charakter der Inschriften bezeichnet worden; eine weitere 
Scheidung in Dekrete (diese bilden die Hauptmasse), Weihungen, 



1) Theben gehörte nicht zu Priene vgl. Hiller, 1. c. p. 185 zu Nr. 363. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 99 

Grabinschriften etc. ist, weil sich keine charakteristischen Unter- 
schiede zwischen den einzelnen Kategorien ergaben, auch nicht vor- 
genommen worden. 

Eine besondere Gruppe bilden die metrischen Inschriften Nr. 
196, 268 b, c, 287, 380 (Dienstbach p. 9). Von ihnen gilt, soweit 
sie im Dialekt abgefaßt sind, das oben von den Dialektinschriften 
Gesagte; 380 steht unter den Nachträgen und wurde wohl deshalb 
von Dienstbach übersehen; es ist die Grabschrift eines messenischen 
Söldners. Die Inschriften sind ausdrücklich als metrisch bezeichnet. 

Die Zeit der Inschriften ist möglichst genau angegeben worden; 
da sie fast alle vorchristlich sind, wurden nur die wenigen Aus- 
nahmen mit dem Vermerk „n. Chr." versehen. 

Zur Erklärung der Zeichen sei noch bemerkt, daß eine Schlangen- 
linie im Wort > das Hinübergreifen auf die nächste Quader be- 
zeichnet, ein vertikaler Strich j die Silbentrennung am Zeilenende. 
[] umschließen Ergänzungen, () vom Herausgeber hinzugefügte 
Zeichen, () Zeichen, die irrtümlich eingemeißelt wurden. Punkte 
unter den Buchstaben bezeichnen unsichere Lesungen. 

A. Deklination. 

§ 1. ä-Stämme. 

Die ionischen Formen der ä-Stämme hat, weil sie ja eigentlich 
in das Gebiet der Lautlehre gehören, Dienstbach p. 13 f. behandelt, 
vgl. auch § 2 p 21 ff. und p. 50, Note 2. Hinzuzufügen sind nur: 
]VJa[Q]iüi'iTe[tüv 10, 21 und MaQwviT[t]wv 10, 36 (0, 4. Jhdt.). Hiller 
verweist in der Adnotatio für Maroneia auf S. G. D. I. 5684. Die 
dort zusammengestellten Inschriften ergeben, daß in Maroneia selbst 
schon auf den Bronzen des 4. Jhdts. die Endung -twv herrscht, 
was Bechtel 1. c. attischem Einfluß zuschreibt; dieser machte sich 
um dieselbe Zeit auch bereits in Priene geltend, weshalb Dienst- 
bach, gewiß mit Recht, die Inschrift Nr. 10 (nicht 12) vor 332 
ansetzt; sie gehört jedenfalls in die 1. Hälfte des 4. Jhdts. Zu 
den Schreibungen des Namens ist auch Smyth, The sounds and 
inflections of the greek dialects. lonic p. 186, § 197 zu ver- 
gleichen. 

Von dorischen Elementen sind nur die in den metrischen In- 
schriften vorkommenden zu erwähnen, vgl. Dienstbach p. 9 u. 12, 
und was oben über diese Inschriften gesagt wurde. 

An Contractis sind zu belegen : f.ivav 123, ^ (0, 1. Jhdt.), f^vag 
Akk. pl. 84,4 (0, 2. Jhdt.); sehr oft in Inschriften jeder Art '^^ijva 



100 Therese Stein 

im Genitiv und Dativ '), ferner Formen von yij in Priene und auch 
einmal in einer fremden Inschrift, von diTtlrj, iSQrj^), sehr häufig 
von yjoLh.Yi, dann %qvori uud'^EgiArjg, u. zw. von diesem: '^EQfifjg 320 
(Graffitto), 'EQ/ii[ijg] 355, 3 (P, Stempel), '^Eg^irjc 179, 3 (P, noch 4. 
Jhdt), 'EQi-iel 180 (Diskus), 183 (P, viell. 4. Jhdt.), 181 (P, um 
300), 182 (P, 3. Jhdt.) 3); auch eg^ag, Akk. pl., 112, 114 (0 n. 84) 
kommt vor. Hierher gehört auch [^AtcejII'^v 284, 2 (0, etwa 1. 
Jhdt.)*) und^Auellov 313, 134 (Toposgraffitto aus dem Gymnasium, 
1. Jhdt. und später); vgl. die Kurznamen auf -äg '^TtoXXä, ^Atzo- 
Xav etc. weiter unten. 

Die wenigen Fälle der Genitive auf -ovg von m. ä-Stämmen 
(Namen) sind unten bei den s-Stämraen behandelt worden. 

Die Eigennamen auf -ag haben im Genitiv regelrecht -ov. Es 
dürfte unnötig sein, die sehr zahlreichen Belege anzuführen. Zu 
den wohl nur in fremden Namen vorkommenden Gen. auf -a vgl. 
Dienstbach p. 10. Hinzuzufügen ist ^^n:elle[a] 313, 209 (Topos- 
graff., 1. Jhdt. u. später). 

In Nr. 351 (Graff., christl.) steht NEiy.rj\va; der Name ist sonst 
in Priene nicht belegt. Ist vielleicht der aus Anth. Pal. c. XVI App. 
Plan. 47 (p. 536 Dübner) bekannte Zirkuskämpfer gemeint? Tov 
fxiyav iv 7ioXtf.ioiöi röv argofiov Tjysf.iovija \ Nr/.iqiav agercov eiv£Y.£v 
Ol TtgäöLvoi; vgl. hiezu das prienische Graffitto 353: iVetJt^g, Tv%ri 
ngaoLvcDv, In der späteren %OLvr^ wurden die Genitive auf -ov 
vielfach durch solche auf -a ersetzt. 

Von Namen auf -lag^) ist nur "Ava^iXag vertreten, 14 mal in 
Priene, einmal auf einer fremden Inschrift. 

Außerordentlich häufig sind die Kurz- und Spitznamen auf 
-äg\ ich gebe eine vollständige Liste: 

a) Nominative: ^u4]TtoXXäg 145, 21 (Namenliste, nicht v. d. 1. 
Jhdt.). ^AfioXXag 148, 12 (Ephebenliste, ,, späte Schrift"). ZtoTccg. 
144, 20 (Namenliste, schwerlich v. d. 1. Jhdt.). Zcu[zr]ag 149, 2 
(Ephebenkatalog, Schrift 1. Jhdt.). Mriväg 145, s. Mrjrgcg 144, 15. 

1) Nur in Nr. 156 (Weihung Alexanders d. Gr., nach 334) steht 
'A&Tjvairjc; vgl. Dienstbach p. 13 und die weiteren Belege p. 43, § 10. 

2) Vgl. Dienstbach p. 13 u. p. 50, 2. 

3) Vgl. Dienstbach p. 57. 

4) Vgl. Kouffiac, 1. c. 26. 

5) Hatzidakis, Einleitung p. 98, sieht in diesen Namen, gewiß mit Unrecht, 
nicht Dorismus, sondern selbständige zoti'Tj-Bildungen zu -A«of, \fie rQtjyÖQis 
zu rgrjyoQios; gerade bei Namen, die sich doch am längsten unverändert 
erhalten, scheint die Annahme einer Sonderentwicklung in hellenistischer 
Zeit unnötig. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 101 

[M]ori^ag 145, n. Movi/uag 309 (P, Grabschrift, nicht datierbar). 
nv&äg 144, 34. [2cp]ndQag 144, 4. ^toTÜg 17, a, 19 (0, bald n. 278). 
b) Genitive auf -a (-at) (die meisten stehen in 313, Topos- 
graff., 1. Jhdt. u. später): "Avtioya 313, 429. '^/reJUa 142, 11,5 
(0, Stephanephorenliste, 1. Jhdt. n. Chr.). ^AnoSJ^'käi 313, 10. 
^AtvoUo. 313, 88—92. ['-^/reAJXa 35. ^ArtoXkäi 540. 555, und die un- 
sicheren Fälle: W/reA[Aa86, und c x.AnEWiag?,'; (,, statt AtibVKöi. 
xov oder xai" Hiller 1. c). ^AQTE(.iä 313, 9. 147. i48. 149 (2 mal). 150. 

152. 533- 533a. AqTEIa[(Dc\ 151. [A]qTSI.ICC 153 — 155. AQ\T\e(.lä 156—158- 

^AQTEfxäi 40. Bay-xvXa 313, i64. ßitovc 201. Fvitä 188. Aa^a 203. 205. 
Ja/iiaL 204. z/g[;wä] 625. [^Jrj^m 221. JiqfxvXa. 313, 243. 343. 307. .^[^0]- 
vvrä 212. Aiov[vTa] 278. zJiovvzat 190^). EiQr]vät 297. EXevGÜ 304. 
'ETtacfQä 307. Evfta 343. Zi^va 144, 20 (0, Namenliste, schwerlich 

V. d. 1. Jhdt.). 313, 352. 447. ZWTTCC 27. 358- Zoizä 232. 290. 366. 367a. 
368 — 370. 373. ZwTÜi 367. 371- Zu)[tä]l 372. ZcOTCC 326, 3 (P, Undat.). 
i?J/a 313, 384. H^oa 391. 393. 393a. 516. 728. Hgai 392- OsvÖG 19. 426. 

KaxLCpä 719^). KvXXaL 392. KcükSIl 457. AiTiä 518. Mr]va i8o. 504. 
MtjTQc 179. 514 19. MriTQcc 324 (P, undat.). MovLfxä. 145, 8. 313, 
91. 528 (6mal, und 2mal ergänzt). 529— 533a. 731. Moffx« 78. 272.539. 

543. 634. MoOXai 540. 555- [Mjoö-X« 541. [MJcff^«'^ 637. NlT-Of-lä 200. 

566- Nixofxä (oder Ntyiof-id -xov) 565. -/Ta(j|ffaAä 3) 722. Ilavaä 148, 
II, 2 (0, Ephebenliste, späte Schrift). TIsQdu%ä 313, 484 '^). Tllovrä 

120. 588. 730in. nloVXai 589. Hvd^O. 548. 599. .5'm/lä 519. .S'wff« 260. 

632. 633. ^coToi 17, 46 (0, bald n. 278). [.^]wrät 313, 637« (Daaaa 

167. 658. OccaOUi 400- A'otff/ä 157. X[o]^Aat 546. . . • Pfff« 687. 



1) Vgl. zu diesem Namen Kretschmer, K. Z. 33, 469 f. 

2) Vgl. Dienstbach p. 31, der mit Hiller zweifelt, ob der Name von 
xaTr\(frig abgeleitet ist. Zur Etymologie des Adjektivs vgl. Fay I. F. 21, 193: 
xa\Ta\Trnf:rig (mit haplologischer Verkürzung) zu räffog, Staunen, Verwunde- 
rung, skr. dabhnöti '\/dhibh; abgesehen von dem nicht ohne weiteres ver- 
ständlichen T] in der Wurzelsilbe ist auch der Bedeutungsübergang nicht 
ganz einleuchtend, trotz des engl, wonderstruck , das Fay heranzieht und 
dem wahrscheinlich die ganze Etymologie zu verdanken ist; freilich wäre 
noch lat. stupeo zu berücksichtigen, das offenbar beide Bedeutungen in sich 
vereinigt. Schwyzer, Melanges de linguistique ofFerts a M. F. de Saussure, 
245 ff., bespricht die früheren Etymologien und stellt das Wort zu xad^änTW. 
Zuletzt hat Prellwitz KZ. 44, 123 f. (ohne Schwyzer zu berücksichtigen) Zu- 
sammenhang mit (fKog {*ä-bhes, Licht) wahrscheinlich zu machen gesucht; 
vgl. auch noch die während des Druckes erschienenen Artikel von Fick, 
KZ. 45, 56 f., und Brugmann, IF. 32, 319 f. 

3) Vgl. Dienstbach p. 96, § 39. 

4) Vgl. Dienstb. p. 39 (« ~ c) u. p. 99 {x ~ xx). 



102 Therese Stein 

.... (Ja 372. — Zugehörige Akkusative: lojTav 17, 39 (0, n. 378). 
In der Inschrift 60, is (0, dial., äol. Stadt, 2. Jhdt.) steht ^A]Ttollä 
mit dem Akkusativ ^noXav 14^). 

c) Genitive auf -a(5og: ^u4va^adog 313, 44. ^^ftoXloö og 93. ^^Q- 
TEfiädog 159. 160- z/af.iadog 206. z/jy,«[j;A]«6V)g 244. Eßa(f\Qaöog 315. 
Zcüoädog 365. Elaaöog 154. 299^). ©eudadog 427. Mo»'t|Wa6'o[g] 83. 
iHoa;^« d'og 543- .2'w(Tädog624. [2]coTädogT2o^)' WiliTtadog ise- — . • ccda 
Akk., 3, 34 (0, 334/3 od. bald nachher). 

Hierher gehören auch Baooeovöog 313, 444*) und EvvvyJ]dog 
(Münzbeamter). 

Bildungen mit x kommen in Priene nicht vor^), auch Appel- 
lativa fehlen noch; vgl. bes. Kretschmer, Entstehung d. Koine, 25, 5f. 

Wenn Dieterich, Untersuch, z. Gesch. d. gr. Spr. 166f. , den 
gleichsilbigeu Typus als ägyptisch, den ungleichsilbigen als klein- 
asiatisch bezeichnet, so gilt das nicht ohne Einschräukungen. 
Mayser, Gramm, d. gr. Pap. 273 ff., hat gezeigt, daß in den ptolem. 
Papyri der Gen. -a selten ist und die r-Bildungen vorherrschen; 
andererseits überwiegen in Priene und Magnesia die Formen auf 
-« ganz bedeutend 6); in Pergamon findet sich je ein Beleg. 

In Theben a. d. Mykale steht auf einer ionischen Inschrift des 
5. Jhdts. (Nr. 371) der Name Billag. Hiller stellt die noch nicht 
ganz erklärten Billagog und Billalog dazu; vgl. auch Hatzidakis, 
Einl. p. 81, Note 1. Die Stelle bei Herodian I, 55, 19 ist also 
wirklich nicht mit M. Schmidt (Philologus 23, 355) in tillcig zu 
ändern. 

Nicht sicher ist 313, lee ^Anollio (,,od. ^A7tol?M{viov)?^'' Hiller), 
vgl. zu diesem Namen Hatzidakis, 1. c. 79, Kühner-Blaß, I 494 e, 
Winer-Schmiedel s, p. 75, § 6, 7, g; p. 95, 5, u. 143 f., auch Mayser 275. 

Von einzelneu Wörtern sind noch hervorzuheben: TtQEoßevrrß', 
es kommt sehr häufig vor, bes. in fremden Inschriften, dagegen 
findet sich nur in 57, 12 (0, Kolophon, 3. Jhdt.) auch jTQioßeig. 
Dafür ist in 52, 4 (0, fremde Stadt, um 200) f,iETä7Te(.iTCT[oi ge- 
braucht. Hiller 1. c. vergleicht Herod. VHI, 67, vgl. auch Thuk, 



1) Vgl. Dienstb. p. 99 (X ~ XX). Nicht hierlier gehört KoQvlav , vgl. 
unten die nichtidg. Namen. 

2) Vgl. 313, 298 EiaäSov zu Eiactdrjg; zu «t ~ t vgl. Dienstb. 39. 

3) Daneben begegnen auch Formen von ZcüTdt^rjg in 331 (P, Namen). 
144, 28 (0, Namenliste, schwerlich v. d. 1. Jhdt.). 272, 3 (P, n. 133). 

4) Vgl. Dienstbach 96, Note 1. 

5) Zum Verhältnis der J- und T-Formen vgl. Kretschmer, KZ. 33, 469 f. 

6) Sie verhalten sich in Priene wie 137 : 17. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 103 

VI, 74, Xenoph., Anab. I, 4, 3. Auch in 72, 3 (0, fremde Stadt, 
1. Hälfte, 2. Jhdt.) wird /neTccTtelf^inTOL ergänzt. 

Neben häufigem aQ%aiQeoia steht (XQxaiQeoiov (pl.) : aQxaiQsaioig 
105, 82, cxQxaiQioia 105, ss (Einführung d. asian. Kalenders, c. 9), 
also nur in einer fremden Inschrift. Neben häufigem öiacpogov 
wird 110, 14 (0, Anf. 1. Jhdt.) dLCL[cpoQÖi ergänzt, 108, 37 (0, n. 129) 
t]^v l-iev o[T£yt]v; orayog fehlt. 

Nur in fremden Inschriften kommt oxeqxxvij vor: 42, 55. 56 (0, 
unbek. Stadt, n. 133), und auch in Theben a. d. Mykale 361, 7 
(0, V. 350), aber niemals in der Bedeutung ,, Kranz" (der heißt in 
Priene immer nur ozäcpavog, vgl. Hiller 1. c. XII); die beiden In- 
schriften handeln von Grenzbestimmungen und oxecfdvri bedeutet 
„Berglehne"; so ähnlich schon bei Homer, vgl. Hatzidakis, 1. c. p. 90. 
Neben näxQa 37, 161 (0, Rhodos, dial., Anf. 2. Jhdt.) steht Tthgog 
37,167 und 42,58 (0, unbek. Stadt, n. 133) 1). 

Zur Flexion lateinischer Eigennamen ist zu bemerken: a) 228 
(Ehrenstatue, 0, um 38 n. Chr.) steht jQOvo]iXlrii, doch ist die 
Ergänzung nicht sicher, Prott hat auch an /.isyjdlrj, cfijdXri etc. 
gedacht, b) Dem allgemeinen griechischen Sprachgebrauch folgen: 
Ka^ElUa^) 41, 3. 4 (S. C, 136), ]^I]ovliav 225, "lovliav 230 (0, 
august. Zeit), Ilwl\la, n.l\ioxia 310^) (P, Grabschrift, undat.). 
c) Das lateinische a behält gegen die griechische Regel 2ovßov- 
Qccva 308 (P, Grabschrift). Die Flexion der Maskulina wird illu- 
striert durch die Genitive MvQtva{v) 121,23 (0, Anf. 1. Jhdt.) und 
neQTtsQva 108, 225 (0, n. 129), und den Akkusativ TIeQTttQ]\vav 
109, 92' (0, um 120). 

§ 2. o-Stämme. 

Kontrakta auf -00g, -ovg erscheinen nur als Komposita von 
vovg und nlovg, und zwar stehen 12 kontrahierten Formen die 
beiden offenen evvoovg 97, 3 (0, wohl 2. Jhdt.) und evvocog 112, 15 
(0, n. 84) gegenüber. In den fremden Inschriften kommen nur 
zusammengezogene Formen vor; zu erwähnen sind £r(7|[7r]Aot'»' 60, 10 
und £-/,7tlovv, 60,11 (0, äol. Stadt, dial., 2. Jhdt.) (also nicht -wv). 

Als Kontrakta auf -8og, -ovg erscheinen nur Formen von xaA- 
KOig und %Qvöovg. Auf 18 kontrahierte Formen kommen 28 offene 
u. zw. verhalten sich die Formen von xQvoovg : xQv^^og wie 15 : 28; 
in den fremden Inschriften ist das Verhältnis 11 : 1. 

1) Nr. 42 ist die Bestätigung d. rhod. Schiedsspruches Nr. 37, kann 
also das Wort direkt übernommen haben, vgl. Dienstbach, 1. c. 10 u. 92, 

2) Vgl. zum Vokalismus Dienstbach 1. c. 29 f., § 3; 64, § 18. 



104 Therese Stein 

Selbstverständlich steht xQvotw in 60, 9 (0, dial., äol. Stadt, 
um 135). 

Allgemein läßt sich also sagen, daß, von XQf^^^og abgesehen, 
die kontrahierten Formen überwiegen; die Ausnahme wird sich da- 
durch erklären, daß x^ufftwi aTeqxxvcoi als feste Formel in den 
Ehrendekreten vorkommt i). Das zeigt sich in der Wendung XQ^- 
aio}L öTEcpä\[vuo\L drco xqvocöv Ssku 19, sg (0, 2. Hälfte 3. Jhdt.?); 
vgl. auch das Dekret von Karpathos, Ende 3. od. Anf. 2. Jhdt., 
Bull. Corr. Hell. VIH, 354, le: xQvahoi GTecpävioL cno x^üffwj' 
öe%[a . . .], und OT€(p]dvcoi %QvahoL arto xqvooZ 117, 72 (0, 1. Jhdt.), 
was auch 109, 267 f. ergänzt wird (0, um 120). Während für die 
Münze die kontrahierte Form üblich war, erhielt sich die offene 
Form des Adjektivs in dieser Verbindung. Darum ist vielleicht 
auch die Ergänzung 14, 14 (0, um 286) are(pcc[v]iüi \ [xqvowi] dnö 
XQVoiov y^iXiwv nicht richtig. 

Zur attischen Deklination ist zu bemerken: Während im Sim- 
plex ausschließlich vaog vorkommt (die Ergänzung am Zeilenende 
207, 3 (P, wohl 2. Jhdt.): \vu'] scheint unsicher), ist in Kompositis 
noch immer veoj- herrschend. Genau so liegen die Verhältnisse in 
Magnesia, vgl. Nachmanson, Laute u. Formen der magnet. Inschr. 
124; in Pergamon ist nur einmal -vaog im Kompositum belegt 
(avvvaog, vgl. Schweizer, Gramm, d. pergam. Inschr. 142 f.), sonst 
immer nur veco-. Xaog ist nur als 2. Kompositionsglied von Eigen- 
namen belegt, u. zw. in '^yelaog, ^^va^iXaog, 'AqyjkXaog und Ni/m- 
'kaog. Die Inschrift einer unbekannten Stadt 42, 23 (0, n. 133) 
zeigt die ionische Form Kqixo'kUo. Der Träger des Namens ist 
ein Samier. Im 1. Glied kommt nur luo- vor (AetJg als Appella- 
tivum fehlt) u. zw. in yleödaiAog, ytewfxedojv und yteoad-lvrig. In 
der ,,Ephorenliste" 316, a, 17 2) findet sich der Name ylewxQscpldov, 
den Hiller 1. c. wohl mit Recht als eine Verwechslung mit dem des 
Königs ^ecjTvxiörjg ansieht. (Nur in dem rhodischen Schieds- 
spruch 37, 134 (0, Anf. 2. Jhdt., dial.) kommt der Aaodi/.eLog rco- 
Xef^og vor, der mit prienischen Namen natürlich nichts zu schaffen 
hat.) Daß sich Xeio- und veco- als erste Kompositiousglieder länger 
hielten, erklärt sich dadurch, daß sie au dieser Stelle nicht flektiert 
wurden. 

Fem. o-Stämme: ^ d^eog steht neben r; ^sd (je 4 Fälle) (if-edv 
steht auch auf einer Ehrenstatue für Julia Aug. f., 225, 2, so stets 

1) Vgl. Bechtel, S. G. D. I., III, 2, p. IV; in Priene erscheint die Formel 
25 mal. 

2) Vgl. Dienstbach, 1. c. p. 10. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 105 

von Prinzessinnen). Hierher gehören auch die „Ämterbezeichnungen" 
QeöiiocpOQOvg (v. Demeter und Köre) in dem Epigramm 196, 3 
(P, um 350) und -/.ItjQovo/xog 255, 2 (P, Schrift etwa ausgehendes 
2. Jhdt.). 

Die alten Fem. auf -og sind vertreten durch Formen von 
v^aog, -oöog (nur einmal mit Artikel), ovyi/ili^Tog, xprjqiog^), -(.irivog; 
in den fremden Inschriften erscheint außerdem Ttagd^ivog; die Be- 
lege sind sämtlich nicht jünger als das 1. vorchristl. Jahrhundert. 

Von Frauennamen auf -lov kommt nur BaoiXiov 296, 5 (P, 
undat.) vor. 

Die attische Bildung mit -ccQxog ist nahezu allein herrschend 
(15 Fälle), nur einmal erscheint iTtTtaQxag (pl.) 44, 35 (0, 2. Jhdt.). 
Diese Formen nehmen erst in christlicher Zeit stark überhand. 

Dialektische Formen begegnen nur in der metrischen Grab- 
schrift des messenischen Söldners aus d. 3. Jhdt., 380: oj/noiaiv 4,; 
ergänzt ist, aber unsicher, in Z. 4 [€VTQOTcali^OfX£voi]o Idelv, wo 
Rehm TtQo'idelv lesen wollte. 

Eine rein orthographische Erklärung verlangt das linksläufig 
geschriebene Qeoaqlto 337 (P, undat.). Da Prott ein o am Ende 
zu lesen gemeint hat, scheint es jedoch unsicher „bewußten Ar- 
chaismus" der SchreibuDg anzunehmen, wie Hiller 1. c. möchte; 
vgl. auch unten § 16, a) letzten Abschnitt. 

Für Weihrauch wird nur Xißavioxög gebraucht, 174, 10. 17 (0, 
noch 2. Jhdt.) Xißavog kommt nicht vor. In der metrischen In- 
schrift 196, 5 (P, um 350) steht der Akkus. (pvka/.oy; vgl. dazu 
K.-Bl. I 506, Hatzidakis, Einl. 79, Kretschmer, Vaseninschr. 14 f. 
(auf einer kyrenäischen Vase des 6. Jhdts.), Smyth, lonic 386, 
§ 479 und 431, § 549, Dieterich, Unters. 163 Anm., Brugmann, 
Griech. Gramm. * 210, Anra. 3, Schwyzer, Vulgärspr. 257 (N. Jahrb. 
f. d. klass. Altert. Bd. V, p. 244-262, 1900). 112, 72 (0, n. 84) 
begegnet x^/xorg, die ionische (epische) Form für yiiQKovg; vgl. Her- 
werden, Lex. 473; zuletzt hat Fick, KZ. 44, 346 ff. das Verhältnis 
der beiden Formen behandelt. 

Bildungen auf -iv aus -lov sind in Priene nicht nachweisbar. 

Zur Flexion lateinischer Wörter ist anzuführen: 'OytTtoßgicov 
105, 23. 51 (0, Einführung d. asian. Kai., c. 9) mit dem gewöhn- 
lichen Übergang aus der lateinischen 3. Deklination in die grie- 
chische 2., vgl. Eckinger, Orthogr. lat. Wörter in griech. Inschr., 



1) Vgl. die Abstimmungsformeln bei Wilhelm, Arch.-Ep. Mitt. aus 
Gest. 20, 79 ff. XII. 



106 Therese Stein 

p. 134. In dem S. C. 41, 3 (135) steht elöviwv, eine Form, die 
noch deutlich den Übergang aus der lateinischen 4. Dekl. in die 
griechische 2. zeigt, vgl. Eckinger, 1. c. 137, zum Vokalismus Dienst- 
bach, 1. c. 40 § 7. 

§ 3. /-Stämme. 

Der Genitivausgang -stog ist in den einheimischen Inschriften 
sicher 45 mal belegt, -sog kommt nicht vor, wohl aber -log in Nr. 2, 4 
(0, Sommer 334): TTQvzdviog. Die Inschrift weist auch noch andere 
Dialektismen auf 1). In 196, 5 (P, metr., um 350) steht der epische 
Genitiv Ttöhuog^). In den fremden Inschriften ist -ecog sicher 
14 mal belegt, -sog fehlt 3). 

Die Eigennamen auf -ig haben sich z. T. der Flexion der d- 
Stämme angeschlossen*), vgl. unten p. 108 f. Die anderen haben 
-log (-et) -IV : ^Ad^7jvo7i[dl]iog 162, B, 2. '^4&rjvoTt6Xiog 162, C, 2 
(P, nicht jünger als 2. Jhdt.); Jr]i.t[tjT]Qiog 313, 237 (nicht sicher; 
Toposgraff., 1. Jhdt. u. später) zu zfrii.i7jTQig aus Jijf.i7JTQiog, wie 
rgiqyoQig aus FQiqyoQiog (vgl. Hatzidakis 1. c. 270. 365. Mayser 1. c. 
260, 6, Note 2), vgl. auch ^^(.ißqÖGig auf dem christl. Graffitto 347 
und ^AvaGTccaig, Priene 88; Zev^iog 313, 349; von Zev'^iag begegnet 
313, 350. 351 (2 mal) Zev^tov; 63, 34 (0, Parion, um 200) steht Qeo- 
Xagiog; -yaqiFog für -xäqiTog {-yaQidog) kommt schon im Altkypri- 
schen vor, vgl. Kretschmer K. Z. 33, 469. 

Dative auf -el sind nicht belegt, die Akkusative auf -iv geben 
zu keinen Bemerkungen Anlaß. 

§ 4. ««-Stämme. 

Substantiva kommen auf prienischen Inschriften nicht vor, in 
fremden das schon erwähnte Tiqioßeig öl, 12 (0, Kolophon 3. Jhdt.), 
ocfQvog 42,60, cxpqvv 42,59 (0, unbek. Stadt, n. 133). Von Adjek- 
tiven erscheinen rjfAiov 3 mal auf Inschriften d. 2. Jhdts., lttsq- 
rifxioEig (Nom.) 28, 30 (0, Vertrag zw. Milet und Priene, bald nach 
200), ferner Qod67t7]xv[g] 287, 1 (P, metr., wohl 1. Jhdt). Die 
Eigennamen sind vertreten durch Qqdovog 356, 5 (0, Stempel) 42, is. 



1) Vgl. Dienstbach 1. c. 14. 2) Vgl. Dienstbacli 1. c. 27. 

3) Vgl. für -fwff auch die Belege bei Handel, De lingua communi etc. 
(Studia Leopolitana Ij p. 48; da die Abhandlung während des Druckes er- 
schienen ist, kann hier und im folgenden nur kurz darauf verwiesen werden. 

4) Vgl. K.-Bl. I 421 f., Anm. 7. Meyer, Gr. Gramm. =* 417 f., § 321. 
Bechtel S. G. D. I. III. 2. p. VI. 



Zur Formenlehre der prienischeu Inschriften 107 

Jqv'C 37, lOG (0, dial. Rhodos, Anf. 2. Jhdt.); Tt^lv soll weiter unten 
bei Besprechuug des Wortschatzes behaudelt werden. 

§ 5. Stämme auf Diphthonge. 

Von Fem, auf -w sind belegt: ^H[y\riOii') 287, i (P, metr. wohl 
1. Jhdt.), iV/[>t]j^aw 173 (P, 1. Hälfte 3.' Jhdt.) (Bechtel S. G. D. I. 
5584 liest 'Hyriaa), Tvqivvco 170, i (P, 2. Jhdt.), wo Wilamowitz, 
nach Hiller 1. c, rvQivvco schreiben wollte. So war schon Tvqivvcc 
bei Kaibel, Epigr. 224, 40 in rvqivva geändert worden, was jetzt 
um so weniger gerechtfertigt erscheint, als auch der 2. Name ein 
T aufweist. Dienstbach 77 mit Note 1 spricht sich gleichfalls 
gegen die Änderung aus. Der Akkusativ ist vertreten durch iVr/.oi;v 
160,2 (P, 2. Hälfte 4. Jhdt.?)i). 

Von TjQiog kommen vor: '^'Hgcoi 129 (Altar, Kaiserzeit), rjQwa 
(_ u u) 196, 4 (P, metr., um 350), rJQWGi 11, 32 (0, um 297). 

o'ig kommt nicht vor, nur 7iQ6[iaiov^) : TtQoßdrioL in 174, n 
(0, noch 2. Jhdt). Auf der Inschrift von Theben a. d. Mykale 
362, 17 f. (0, um 350) steht: cpsqeiv de y.m Tovg t« | Ttgoßara ßoo- 
"/.ovrag dno vfjg noif-ivrig aqva, elav tcsvte reyicooi. 

Die Nomina auf -evg haben im Gen. sg. stets -ecog, nie -eog, 
im Dat. sg. nur -et, nie -iji, im Akk. sg. -sa; die Endung -rj ist 
nur vertreten durch TE[c]aQTfj 195, 19 (0, um 200). In 37, 150 (0, 
dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.) steht natürlich ßaoilij. Schweizer, 
Gramm, d. perg. Inschr. 149, betrachtet diese Bildungen als do- 
risches Residuum; vgl. Meyer, 1. c. 431 § 332; Thumb, D. Gr. Spr. 
im Zeitalter d. Hell. 92 f. In Ägypten fehlen sie ganz, vgl. Crönert, 
Mem. Hercul. 169, 6; Mayser, 1. c. 270, b; zuletzt Handel, 1. c. 49 f. 

Im Dat. pl. steht nur -£Üai{v), nie -eloi{v). Der Akk. pl. hat 
-Etg:[ß]aodsig 18,2 (0, etwa 270/262), [ß]a[ai]Mg 108, les (0, n. 
129), yov£7g 108, le. eo. 252, hgelg 11, 31 (0, um 297) 14, 21 (0, um 
286), TE{Ta)QT£ig^) 109, 214 (0, um 120), und die Ethnika: "^la- 
ßavdelg 121, 33. '^Xe^avdQslg 121, 29. Mv\XaGelg 121, 29 (0, Anf. 
1. Jhdt.). Iledidg 14, e (0, um 286). Im milesisch-prienischen Ver- 
trag, bald n. 200, Nr. 28,9: IlQirjveig. Fremd sind: UQiaveig 37, 
106. 113. nQia]vEig 116 (0, dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.). Jl^^tJlam? 

1) Diese (ionische) Form ist nach Cauer Del. '^ 121 bei K.-BL, I 455, 
Anm. 2, auch auf Kreta belegt. Thumb, Handb. d. gr. Dial. 356, § 312, 5, 
will sie wegen ihres späten Auftretens der xoivi^ zuweisen. 

2) Vgl. Moeris 204: o?s fiovoavXXdßcos lirrixoC, ngößara "EXkrjVis. 

3) TiQTfTs könnte nach Fredrich auch für TQutiq verschrieben sein, 
vgl. Hiller 1. c. 95. 



108 Therese Stein 

38, 4 (ebenso), ngirivlejlg 41,6 (S. C, 135). UgirivEig 57, le (0, 
3. Jhdt, Kolophon.) 61, 28 (0, v. 200, Magnesia), 47, 33 (0, Bar- 
gylia, um 200), 59, 29 (0, Laodikeia, um 200), 63, 15. 29 (0, Parion, 
um 200). IlQirjvslg 71, 31 (0, Thessalien? 2. Jhdt). Owxaieig 64,7 
(0, Phokaia, um 190). Die Endung -sag steht nur noch in [rs]- 
TaQT{e)ag 195, 19 (0, um 200) und in 60, 21 (0, dial, äol. Stadt, 
um 135): Ugirivtag^). 

Nach Meisterhans-Schwyzer, Gramm, d. att. Inschr. ^ 141, mit 
Note 1226 trat im Attischen schon seit 307 die geschlossene Form 
mit der offenen in Konkurrenz. 

§ 6. Stämme auf Verschlußlaute. 

Hier sind zunächst die Akkusative von x^Qi^S zu nennen, die 
beide in Priene auftreten u. zw.: xc^Iqi}'] 108, 333 (0, n. 129), doch 
ist es das letzte Wort der Inschrift und von der Zeile bleibt noch 
so viel frei, daß die Ergänzung nicht sicher scheint; x«ö'^ steht 
auch in 53, 13 (0, lasos, 2. Jhdt.). Dagegen erscheint xf^qixa in 
109, 132 (0, um 120) und 136, 13 (0, wohl 2. Jhdt.). xäqiv als 
Präposition kommt vor in 104, le. 112,25. 113,93. 119,1?. Diese 
Doppelformen verdanken ihre Entstehung einem Ausgleichungs- 
prozeß; die Form xagira ist ursprünglich dichterisch und tritt erst 
in römischer Zeit auch in der Prosa neben x'^qlv^). 

Nicht selten sind die Eigennamen auf -ig -idog^)-. ^'Ayidog 
316, a) 9 („Ephore" Graffitto) *). UUSiÖog 187,2.5 (P, 2. Jhdt.), 
Zsv^idog 313, 343 (Toposinschr., 1. Jhdt. u. später). TloXlLÖog 313, 
398.591.628. [/T]oAAf (5og 464 a. 7T]oZA[/](Jog 262, 3 (P, undaticrbar). 
2(pt]v6Qy\^L]öng 313, 724. [0\il6Qviöog (?) 313, 194 (Tl auf dem Stein). 
-ri^iöo- 313, 679 {4(l>]rji.iido[g]?''). 'Ai>ri\voTt6lidi 107, 3 (0, um 
130?) und die Fem.: 'HQoaiQaTiöa 275, 4 (P, Ende 3. Jhdt.) 101, 1 
(0, um 100). ZoXllida 162 C 1 (P, nicht jünger als 2. Jhdt.). In 
fremden Inschriften erscheinen: ^A\'keh\dog 50, b. ^Ale^idog 50, 5. 22 
(0, Erythrai, etwa 160). 71, 2a (0, Thessalien? 2. Jhdt.). 'Yipi^i^i- 
dog 42, 17 (0, n. 133, unbek. Stadt). '^Xe^idi 71, 21. 

1) Nicht einzusehen ist, warum 59, ,4 [ITQirjvsns . . .] ergänzt wird, 
wenn in Z. 29 -fts erhalten ist; die Lücke scheint groß genug, um sowohl 
A wie I möglich zu machen. 

2) Vgl. Moeris 213: /«ptv l-lrrcxoi, xÜQi,Ta "EkXr]V8g. 

3) Vgl. oben p. 106 die der 2-Flexion angehörigen Formen. Smyth, 
lonic 388 f. § 483, betrachtet diesen Typus als attisch-euböisch, -log als 
kleinasiatisch-ionisch. 

4) Vgl. zu dieser Inschrift Dienstbach, 1. c. 10. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 109 

'^QTSfiig hat stets -löog; ebenso werden die ägyptischen Namen 
flektiert: In 193 — 195 (3.— 1. Jhdt.) stehen ^Avnvßidog, "laidog, 
Sagdmöog, die entsprechenden Dative, und ["AJTtidi. Vgl. Mayser, 
1. c. 264 f. c. d. 

Bildungen auf -irog fehlen ganz. 

§ 7. r-Stämme. 

Sie geben nur zu wenigen Bemerkungen Anlaß; hervorzuheben 
ist der Akk. /^iccQTVQa 112, 19 (0, n. 84) zu /hccqtvq. NiyiavcDQ hat 
in Priene stets den Genitiv -oQog, 313 (Toposgraö". , 1. Jhdt. u. 
später): Nr/idvoQog 557- 648- iV<[>c]a»'o^o[g] 558 und vielleicht auch 
[Ni]7.dvoQ[o]g? iii und NL]Kdv[o]Qo[g]? 5 56-, vgl. Crönert, 1. c. 170,4. 

doQv ist nur vertreten durch ö]oQdTiüv 380, 2, öoQog 380, 3 (P, 
metr. Grabschrift eines messen. Söldners, 3. Jhdt.); die 2. Form 
ist die ausschließlich bei den Tragikern vorkommende, vgl. K.-Bl., 
I, 457 § 130. 

§ 8. «-Stämme. 

eItloiv wird stets als w-Stamm flektiert, es dürfte unnötig sein, 
die zahlreichen Belege anzuführen; die Bildung nach den ö/'-Stäm- 
men fehlt in Priene wie in Pergamon, Magnesia, den ptol. Papyri. 

Die Komparative auf -iiov sind weiter unten beim Adjektiv be- 
handelt; die kürzere, attische, Form ist nur vertreten durch /tleat 
108, 169 (0, n. 129) und fremd: fuEiCco 42, e? (0, unbek. Stadt, n. 
133). xaUi[o]yg 97, 3 (0, wohl 2. Jhdt., viell. fremd). 

Zu den Genitiven '^vÖQOvog und ^ega/tiovog 313, ee u. 515 
(Toposinschr.) gegenüber "^vdqwvog (vollständig od. sicher ergänzt) 
313,64.65 (2mal). ee (2mal). 67—69. 533. 533a. 729, vgl. Dienstbach, 
1. c. 69, § 22, 6a; die ältesten attischen Belege stammen aus dem 
4. Jhdt., vgl. Meisterhans- Seh wyzer, 1. c. 131, § 51, 3 (nur für 
BvTteranüv). Thumb, D. griech. Spr. im Zeitalter d. Hellenismus 
143, Note 2, denkt hierbei auch an Analogiewirkung, nicht einfach 
an den Ausgleich der Quantitäten, so auch Mayser 1. c. 285, § 66, 5. 
Das ist an sich sehr wahrscheinlich, nur müßten die Belege aus 
älterer Zeit, vor dem Quantitätenausgleich, zahlreicher sein. Näher 
präzisiert stellt sich die Sache so dar: In der älteren Zeit wirkte 
die Analogie, dann, neben ihr, auch der Ausgleich, und dann, nach 
dessen Durchführung (mit wenigen Ausnahmen vielleicht, etwa, wo 
durch Nebeneinanderstellung der Namen der eine dem anderen an- 
geglichen wurde) der Ausgleich allein. Ich glaube, daß für eine 
Zeit, in der o und w nicht mehr in der Aussprache von einander 



HO Therese Stein 

unterschieden wurden, die Analogie die ferner liegende Erklärung 
bietet, weil sie doch wohl in diesem Falle den komplizierteren Denk- 
prozeß voraussetzt. 

§ 9. s-Stämme. 

Der Gen. sg. der Neutra auf -og hat stets -ovg, rein dorisch 
ist natürlich OQSvg 37, 170 (0, dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.). Der 
Dat. sg. hat nur -si. Der Nom. Akk. pl. hat regelrecht -r^, eine 
offene Form findet sich in der metrischen Inschrift 287 (P, wohl 
1. Jhdt.): äv&ria (für -sa (_ w u) vgl. Dienstbach, 1. c. 28). 

Die Adjektiva auf -r^g -sg haben den Gen. sg. -oüg (der Dat. 
fehlt), den Akk. sg. -rj{i); die Endung -rjv kommt noch nicht vor. 

Mehr ist über die hierhergehörigen Personennamen zu sagen; 
diese bilden den Gen. teils auf -ovg, teils, in Angleichung an die 
rt-Deklination, auf -ov^). Ich führe die Belege vollständig an: 

a) Gen. -ovg: 4. Jhdt: '^Qi?]\qioyevovg 7, 5 (0, nicht v. 330/29). 
Evi.ievov[g] 160, 1 (P, 4. Jhdt.). nolvxdQOvg 4, 50 (0, frühest. 327|26). 
3. Jhdt.: 'Iu7tooi>tvovg 173, 1 (P, 1. Hälfte 3. Jhdt.) (Bechtel, S. 
G. D. I. 5584 liest ^btTiood-tveog). Ka'k]kr/.QCT0vg 2Q, 2 (0, 3. Jhdt.). 
n.olvx(xQOvg 22, 3 (0, etwa 270/262). 2. Jhdt.: 'E7tiq>avovg 109, 103 
(0, um 120). 1. Jhdt. und später 2): '^va$iK[Qd\T]ovg 382 (P, Graff.). 
Avd[Q]o/.i€vovg 313, ei. ^vTOAQccxovg 313, ise. i87 (2mal). iss- -^"»J- 
f.toöi)^ivovg 240- Jio(pdvovg 304, 4 (P, sepulkral od. Graft'.?). 'Eq/ho- 
yevovg 313, 330. 332 (2mal). 333. 401. EvQV/niiöovg 240. [KX\soo d-e(v)ovg 
681. KlEOjiiivovg 316, a, 2 (P, Graff., ,,Ephorenliste"). MsveKQCcTovg 
313, 4. 488- M7jTQog->(xvovg 271, 4 (P, nicht datierbar). nolvxQdrovg 
145, 10 (0, nicht v. d. 1. Jhdt.). ^Taoif.ievovg 313, 401. ^loy.qäxovg 
620, a. ^cooiyelvovg 313, 372. ^loGiylvovg 372- ^woWovg 145, 15. Tei- 
(.iOKQ(i[i\ovg 313, 275. -{.iiqdovg 142, II, 21 (0, 1. Jhdt. n. Chr.). 
Mrilvoyivovg 230,9 (0, 196(?) — 212 n. Chr.). Nicht sicher ist 
2iooLy[evovg\ 313, 373, fremd ^Eftiqjavovg 55, 2 (0, Ion. Bund, frühest. 
128/27). 

Übergang aus der «-Deklination zeigt ^A]oxXr^/ti(xdovg 132, 9 
(0, 1. Jhdt.), doch erscheint dieser Fall nicht als ganz sicher, denn 
es folgen ein paar undeutliche Buchstaben AT . erci . . ., so daß 
immerhin die Möglichkeit besteht das -g zum folgenden zu ziehen. 
Sonst hat dieser Name in Priene immer -ov: 313, 132- i76. 177 (2mal). 

1) Vgl. Handel, De lingua communi 50 ff. 

2) Aus dieser Zeit sind die meisten Namen erhalten, dank den Topos- 
graffitti des Gymnasiums (313); aus diesem Grunde läßt sich auch keine 
Trennung des 1. Jhdt. v. Chr. von der Zeit n. Chr. durchführen. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 111 

178. 179. 181. 305a. 147, 7 (0, Epliebeiiliste, späte Schrift) (vollständig 
oder sicher ergänzt). 

Hierher gehört wohl auch JiovevMvg 149, 7 (0, 1 Jhdt.). Es 
ist wegen des ersten Gliedes nicht wahrscheinlich, daß hier eine 
Zusammensetzung mit velxog nach Analogie von Ilolvvelxrig vor- 
liegt, wie vielleicht das bei Fick-Bechtel, Personennamen 215, an- 
geführte unsichere ^^QLaTOvelxr^g. (Einen ^EtilveUtiq hat Kretschmer, 
K. Z. 36, 271 in dem aus Kreusis C. I. (j. Sept. I, 2152 belegten 
UivrArig erkannt.) Hiller, 1. c. und auch Dienstbach 39 stellen den 
Namen zu viayi; -viKTjg als 2. Bestandteil von Namen kommt, nach 
Fick-Bechtel, 1. c. 218, nur in Sparta vor, u. zw. in mehreren 
Beispielen (vgl. bes. die Gen. JaiiovEr/.ovg, Kltjvi'yteng); sonst steht 
an dieser Stelle immer -vixog. Auch der Name ^ariytr^g auf einer 
Felseninschrift von Thera, I. G. Ins. III 580, könnte lakonischen 
Ursprungs sein, vgl. Kretschmer 1. c. Bechtel, Hermes 34, 406, 1), 
macht noch auf Coli. 1231 B 8 aufmerksam: AyiOvi/aeog (was dort 
zu [K]l{e)ovrA.eog ergänzt wird). Die Inschrift stammt aus Tegea. 
Belege für Jiovr/iog sind zuletzt zusammengestellt bei Sittig, 
De Graecor. nomin. theophoris, Diss. phil. Halens. XX, 1, 1911, 
p. 12. 

b) Gen. -ov: 3. Jhdt: Jio(pavov 275, 4 (P, 3. Jhdt). 2. Jhdt.: 
Kalhz-gaTOv 44, e. 21. 27 (0, 2. Jhdt.). Kleof-dvov 174, 34 (0, noch 
2. Jhdt). NavoiKQaTOv 108, 213 (0, n. 129). 1. Jhdt v. Chr. und 
später: l4f.i(piT€lov 313, 33. ^^vÖQOfxevov eo. '^mye'vov 72. ^^tcoX- 

XoqXXVOV 97. ^u4QLOT0ytV0V 87. 310. 669- 670. ^^QLÖtOfXkVOV 139. ^AqLOTO- 
(p<XV0\y\ 143. Jri(.lO%QdTOV 238a. /llOyivOV 246 (2mal). 247. 248. Jio- 

9)a[j']of 286- ^llo(/iawt' 287. ^ETTi'/iQdrov 320- 319' E()T\\y€vov (,^woh\ 
'jB^[jUo]y6Voi;" Hiller) ssi. 'Eqi-ioytvov 42. 300. seo. 326, 1 (P, un- 
datiert). '^Hgoyigärov 313,372. 0£O/6vod 53. 409. Oeoy\ivov uo- Kal- 
Xiyevov 442. 443. Kakiyivov 332, 1 (P, nicht datierbar). KXeoi-iivov 
147,6 (0, „späte Schrift"). ^e[i'j\o»Ivov 110, 1 (0, Anf. 1. Jhdt). 
MeveyiQccrov 313, 487. 489. M£V£y,Qdz[ov] 490. Mrjvoyevov 147, 15 
(Ephebenliste, „sehr rohe, späte Schrift"). Mrjvocpävov 313, 343. 509. 
524. Nav/.Q(XTOv 550 (2 mal). NiTio/xr^dov 137. 200 (2 mal). 217. 667. 568. 
[iV^(xo^]>^do[t;] 119. 'Ovrjor/iQaTov ön ■ IleQiyevov 586 • 5S7. 300 (P, un- 
datiert). Ilolvdevxov 208,3 (P, frühest. 1. Jhdt). UolvxQaTOv 126, le 
(0, 1. Jhdt).. 2ojy.Qdrov 313, 620. ^(oxgaTov 296, 2 (P, undatiert). 
^coaiysvov 147, 20 (Ephebenliste). 313, 220-629 — esi. .2'[w(j]<[y6']i'0ü 
220a. 2ioaiyt\[vov] däT . 2(oaixQd[T0v] '313, 633. 2wai/.Qdrov eai- Tei- 
fxayivov 542. TifxoAQdzov 262, 2 (P, undat.). [OL\XoxQdTOv 313, 664. 
-€oy«Voi;678, und die beiden Stempel: MeveKQdzov 357, 3 und -"KQdzov 



112 Therese Stein 

354, 22^). Nicht sicher sind: ^to/.QdTOv („oder -Tovg'') 144, 15 (0, 
Namenliste, schwerlich v. d. 1. Jhdt.), ^woly.q(xtov [(j]t'v- 111, 123 
(0, 1. Jhdt.), wo man wegen des folgenden a an Haplographie 
denken könnte. -G\d-ivov\ -Xq)ov 313, ess- Fremd sind: ^^vÖQOoS-evov 
42, 16 (0, unbek. Stadt, n. 133). "^vriyevov 47, 30 (0, Bargylia, um 
200). l^Qiavoyhov 42, is (2mal). Jtoyhoc 42, n (2mal). . . y.[Q]drov 
51, 15 (0, Vertrag zw. Herakleia am Latmos und Amyzon, 2. Hälfte 
2. Jhdt.). NrAo^riöov 55, n (0, Ionischer Bund, frühest. 128/27). 

Um einen Überblick über die Verschiebung von -ovg zu -ov 
im Laufe der Jahrhunderte in Priene zu gewinnen , habe ich ver- 
sucht, die Belege in eine Tabelle einzuordnen, ohne mich über die 
geringe Zuverlässigkeit einer derartigen Zusammenstellung zu täu- 
schen. Die Graffitti in Nr. 313 bieten mehr Namen (z. T. von 
Fremden) als alle übrigen Inschriften zusammen, und überdies 
lassen sie sich, vom 1. Jhdt. v. Chr. ab, nicht genauer datieren. 
Trotzdem mußten sie, eben weil sie die Hauptmasse der Namen 
enthalten, mit berücksichtigt werden; nur die unsicheren Lesungen 
und die in der vorstehenden Sammlung als undatiert bezeichneten 
Namen, wenn sie auch wahrscheinlich in diese Zeit gehören, wurden 
nicht aufgenommen; die Zahlen in den Klammern beziehen sich 
auf die fremden Inschriften; (,,um 200" = 3. Jhdt.) 



Endung 


4. Jhdt. ' 3. Jhdt. 2. Jhdt. 

1 i 


1. Jhdt. 
u. später 


-ovg 


3 i 3 1 1 (1) 


24 


-ov 


- ' 1 (1) ' 5 0) 


62 



Die Endung -ovg zeigt im 2. Jhdt. eine Abnahme und -ov eine, 
auch in der Folge anhaltende, Zunahme. Der erste Beleg für -ov 
stammt aus dem 3. Jhdt., während in Magnesia schon im 4. Jhdt. 
2 zu finden sind. Die Zahl der Fälle ist so gering, daß sich keine 
Schlüsse daraus ziehen lassen, aber es stimmt auch zu anderen 
Tatsachen, daß die attischen Formen sich in Priene länger hielten. 

Dialektisch sind Jiocfävevg 3, 19 (ionisch) (0, 334/3 od. bald 
nachher) (vgl. Dienstbach 1. c. 14), und Mvaoi[(p\6vevg 313, 271 
(wohl ein dorischer Ephebe, vgl. Dienstbach 10 f.). Selbstverständ- 
lich stehen im rhodischen Schiedsspruch 37 (0, dial., Anf. 2. Jhdt.) 
^^Xxiod^evevg 19. ^loo/.QdTSvg 31. Kal,}.LÄ.QäTevg 17. 



1) Stempel sind nicht beweiskräftig, denn schließende Buchstaben sind 
auf ihnen oft aus Eaummangel weggeblieben. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 113 

Der Dat. sg. hat stets die Endung -el: '^^QTto/.gdTSL^) 194,5 
(0, kaum v. 100) und fremd: ^waL/ilgacec 106, s (0, Brief oder 
Erlaß eines Procos.? 56 — 50?). -r^c fehlt, die Analogie der a-Stämme 
ist also hier nicht wirksam geworden; auch für die Umkehrung 
gibt es keinen Beleg. 

Anders ist es im Akk. sg., der durchwegs -rjv hat: Jiocpc'vriv 
275, 2 (P, Ende 3. Jhdt.). 'HQOXQdrtjv 53, 49. ee (2. Jhdt.). KaXli- 
AQdTrjv 54, 45 (ebenso). [nX]ovToy6vi]v 113, ße (0, n. 84) und fremd: 
HQoyiQccTrjv 53, 4. s- 21 (0, lasos, 2. Jhdt.). Ka]lXLXQdr7jv 54, 4. KaX- 
lr/.QdTriv 7 (ebenso); vielleicht fremd ist '^YTtEqdvd^rif.i 90, 4 (0, 2. 
Jhdt). -■»^ haben nur in fremden Inschriften EvdXy,i] 37, 121 (0, 
dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.) und Mai/naXioTtiq 42, es (0, unbek. 
Stadt, n. 133). 

Zweierlei Gen. haben auch die Namen auf -/.Xijg; a) die En- 
dung -ovg ist vertreten durch: 4. Jhdt: 'legoxXsovg 4, 48 (0, frühest. 
327/26). 3. Jhdt: MsvexXsiovg 199, 1 (P, 3. Jhdt). MrjTQoytXeiovg 
260, 3. 4 (P, wohl noch 3. Jhdt.). 2. Jhdt.: Jt.ovvGiy.Xsi ovg 108, 219 
(0, n. 129). Tiixoy.Xsiovg 53, 74 (0, 2. Jhdt). 1. Jhdt. und später: 
Jri(.ioy(.Xeiovg 313, ass. JiovvoixXeovg 46- zfiovvaLy,[X€]ovg 259. z/to- 
i't;[at]|zA£'oi'[g] 261. JioxXrjovg 313, 255. 256- EvTiXiolvg] 340. QeixiOTO- 
'/Movg 408. 326, 5 (P, undatiert). '^leqoyCXeiovg 145, le (0, nicht v. d. 

1. Jhdt). '^IsQO/Movg 149,6.8 (Ephebenliste, 1. Jhdt. od. später?) 

313, 155. 435. 436. ''l€QoyiXslov[g] 234. KaXXL-/.Xrjovg 444. Mva(Jiy.X€lovg 
526. IlaoiÄ.Xeovg 111.119». IJvS^oy.Xi^ovg 45. nv&o/.Xsovg 667. ^co- 
GmXriovg 632; fremd sind: 'ElxXdovg 42, le (0, unbek. Stadt, n. 
133). ^aixTtQovJXeiovg 47, 9 (0, Bargylia, um 200). . . . ;t]X£to[i;]g 
51, 9 (0, Vertrag zw. Herakleia am Latmos und Amyzon, 2. Hälfte 

2. Jhdt). Vielleicht fremd ist . . . yiXeiovg 91, 1 (0, 2. Jhdt.). Ver- 
schleppt ist vielleicht (DqaOL/ltovg 67, 4 (0, Samos „Schrift guter 
Zeit"). 

b) -ov haben: 1. Jhdt. und später: Jiovvor/iXeov 313, 2 so. 
'^IsQOxXtov 313, 279. 350 (christl.). '^Isgoy^Xr-ov 313, 437. Nicht sicher 
ist Tifxo-A,XeLov(g) 356, 5 (0, Stempel). 

Die Belege für -y.Xsov sind auch in Priene, wie anderswo, sehr 
selten; immerhin lassen sich 4 sichere beibringen, während sie in 
Magnesia z. B. ganz fehlen. Schweizer, Gramm, d. perg. Inschr., 
bringt 2 Belege aus Rhodos, Crönert, Mem. Herc, und Mayser, 1, c, 
nur solche für "HQW/.Xi^g. 

1) Vgl, zu diesem graezisierten Namen Schulze, K, Z. 33, 233 ff., Mayser, 
1. c. 173, Anm. 4, Sittig, 1. c. 162 f. und zuletzt K. Z. 45, 242 ff. 

Glotta VI, 2. 8 



H4 Therese Stein 

Analogiebildungen auf -i^g : -eovg oder -k'iovq sind nicht nach- 
weisbar. 

In dem rhodischen Schiedsspruch 37, 3 (0, dial., Anf. 2. Jhdt.) 
steht noXs[.iay(,lsvg. 

Der Dat. hat stets -xlel: Jioy2s[l] 82, 7 (0, um 200). '^Hgavilel 
194,5 (0, kaum V. 100), und fremd: Tli-iotlIeI 106,$ (0, Brief od. 
Erlaß eines Procos.? 56 — 50?). 

Im Akk. steht -y.l^v'^): JLO'/,]lrjv 82, 3 (0, um 200). JiokIt^v 
268, Ib, 5 (P, metr., 2. Jhdt.). fFi//]oxA>]v 54, se (0, 2. Jhdt); 
fremd ist "ETeo/.Xrjv 2b, e (0, Brief einer auswärtigen Macht, 3. 
Jhdt.?). -xAi'a kommt nicht mehr vor, -/Irjv ist die in der xotv^' 
übliche Endung. (Reinhold, De graec. patr. apostol. p. 57, bringt 
nur 2 Beispiele für -/l7]v, sonst finden sich bei den apostol. Vätern 
immer nur -xAiJ und -'/.Mo). 

Von Neutra auf -ag kommen vor: ysQug 268, IIb, 2 (P, metr,, 
dial., 2. Jhdt.). yYqag 268, c, 5. \r]^Q\ea^) 195, 25 (0, um 200). 
yiqa 201, is. 202, is (0, um 200). %qio}g 123, 7 (0, 1. Jhdt). ■/.Qt[a\ 
123,10. M(>£« 111,178 (0, Anf. 1. Jhdt). Formen mit r fehlen. 

§ 10. Adverbia. 
Neben Idiat steht '/.at" Idlav, u. zw. findet sich iölai in: 6, 3 
(4. Jhdt). 11, 26 (3. Jhdt.). 82, 13 (um 200). 109, 268 (2. Jhdt). 
99, 14 (um 100), und fremd 15, le (0, Brief d. Lysimachos, 3. Jhdt.). 
65, 7 (0, Phokaia, 2. Jhdt), xar' iölav in: 109, 239 (0, 2. Jhdt.). 
102, 6 (um 100). xa(r i)diav 114, 32 (1. Jhdt), und fremd 25, 5 
(3. Jhdt.? Brief einer auswärtigen Macht). 

dovlel Äal aGnovöel (nur 12, 27 umgekehrt) ist für die ältere 
Zeit sehr oft belegt: 4. Jhdt.: 2, 12. 6,13. 7, 15. 8,37. 3. Jhdt: 
12,27 (AlleO); fremd: 63,25 (0, Parion, um 200). 60, n (0, dial, 
äol. Stadt, um 135). 

aid^rif.iEQei steht 28, 17 (0, Vertrag zw. Milet undPriene, bald 
n. 200). Meisterh.-Schwyzer, 1. c. 147, 1266), führt das Wort als 
ciTt. ELQ. aus dem 1. Jhdt an, C. I. A. II, 471, 71; Riem. Rev. V, 
159; Priene bietet also einen um 100 Jahre älteren Beleg, durch 
den auch der angezweifelte erste sichergestellt wird. Die gewöhn- 
liche Form ist avd^^jfxeQOv. 

Von Adverbien auf -Tog erscheinen nur £x[f]dg 113, 64 (0, n. 84, 
„außerdem"), und fremd svzog 105, 33 (0, Einf. d. asian. Kai., c. 9). 

Ttdliv hat stets das v paragogicum bewahrt. 

1) Vgl. Handel, 1. c. 54. 

2) Scheint nicht ganz sicher. 



Zur Formenlehre der prienischea Inschriften 115 

Gegenüber sonstigem vvv steht einmal in 4, 14 (0, frühest. 
332/31) vvvL In 105, e begegnet ovii-, sonst nur oJ, om^ ov%\ der 
Bildung nach gehört es nicht hierher, es ist in ov-^l zu trennen 
(wie ved. na-hiy). 

Nur in fremden Inschriften, 37 (0, dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.) 
und 42 (0, n. 133, Bestätigung d. rhod. Schiedsspruches 37 durch 
eine unbek. Stadt), treten auf: nTthavTi 37, les. 42, 54. 59 und 
Y,axivaviL 37, 170, vgl. Dienstbach, 1. c. 92 § 35, u. Rouffiac, 1. c. 
34f. Nach Wackernagel, Hellenistica 1 — 6, gehören diese Formen 
nicht zu Akkusativen auf -lov {-iv), sondern sind mit dor. tvavzi 
zu vergleichen. 

Ich lasse nun eine Liste der Adverbia auf -wg folgen; bei der 
Auswahl habe ich mich von den von Mayser, 1. c. 415 B, aufge- 
stellten Grundsätzen leiten lassen, unter Berücksichtigung von 
Schmid, Atticismus, IV, 701 f.; die bei Polybius zuerst belegten 
Adverbia sind auch aufgenommen worden. Es sind zu nennen: 

a) von Adjektiven abgeleitet: 2. Jhdt. : axoAoi'^^wg 44, 7. 53,62. 
54, 57 (0, 2. Jhdt.). a%oKov^\io\Q, 109, 256 (0, um 120). avd^aiQhwg 
108,44 (0, n. 129)2). ivöo^tog 108,227. £vö6[^to]g 109,95. €vTdxtw[g] 
53, 52. evTciyiTtog 54, 43- lEQOTTQervtög 109, 216. oXooxsQcog 109, 130^). 
qiilayä&cog 108, 253. 2. und 1. Jhdt.: syiTSvcog 109, 231. 233- «[x]- 
T€vwg 112, 130 (0, u. 84). ev£Q[yerr/.]üJg 108, 310. suegy£Tr/.cog 104, 4. 
(fdoöS^wg 108,18. 109,231. 114,9 (0, n. 84). 118,2 (0, 1. Jhdt.). 
g)ilod6^[iüg 114, 23. 1- Jhdt.: di.ti(.i7Ciiog 111, 294 (0, Anf. 1. Jhdt). 
^xi-iezafislrjTCüg 114, s- a/tiQoy.dloj[g 112, 13. dvoeXrtiöTiog 111, 2. 
hyqäffiog 1\2>, it (0, n. 84). £Vy^ay[w]g 123, 5 (0, 1. Jhdt.). evd^kog 
113,37'*). Evvowg 112,15. f.ieyaXoi.ieQwg 115,2 (0, l.Jhdt.). xara- 
^iiog, „quod adverbium ad id ipsum (seil, hiatum vitandum) videtur 
finxisse Polybius" (Kälker, De elocut. Polyb. 250), begegnet in 
Priene schon im 4. Jhdt. : xara[^/]wg 8, 43 (0, frühest. 328/27) und 
dann noch 108, 19 (0, n. 129): '/.ata^iwg. Fremd sind: 2. Jhdt.: 
Evxd\A.T;iog 53, 24 (0, lasos, 2. Jhdt.). s\/iTEvwg 65, i6 (0, Phokaia, 
um 190). 

Über den Gebrauch von ev und xaAwg läßt sich nichts Sicheres 



1) Vgl. Brugmann, Gr. Gramm.-' 300, 2c, und 630, § 627. 

2) Vgl. Schmid, Attic. IV, 343. 

3) Vgl. Mayser, 1. c. 458 und 23, Note 1. Das Wort ist ionisch, er- 
scheint in Prosa zuerst bei Hippokrates 381, 15. Crönert, 1. c. 193, 7 bietet 
den Komparativ 6XoGx£QiaT{i]Qov PPar. 63, gi- Zur Verwendung im römi- 
frchen Kanzleistil vgl. Viereck, Sermo Gr. 75. 

4) Vgl. Mayser, 1. c. 245. 



116 Therese Stein 

aussagen, weil die Anzahl der Belege zu klein ist: ev steht 3, 27 
(0, 334/3). 17,40 (0, bald n. 278). 19, 13 (0, 2. Hälfte 3. Jhdt.?). 
113, 15. 21. 114, 8. 22 (0, n. 84). -/.aXiog steht: 4, 51 (0, frühest. 
327/26). 6,10 (0, nicht V. 330/29). 112,6. 113,33 (0, n. 84). 119, 12 
(0, Anf. l.Jhdt.). 122,10 (0, 1. Jhdt). 280 (P, frühest. 1. Jhdt.). 
311. 317 (P, undat.), und fremd: 58, 12 (0, Kolophon, 3. Jhdt.). 
59, 12 (0, Laodikeia, um 200). 63, n. 21. ([x]a>lw[g]) (0, Pariou, um 
200). Im 1. Jhdt. ist das Verhältnis 4:5; freilich kommen von 
SV je zwei Fälle in einer Inschrift vor, u. zw. in der Verbindung 
EV öiavid^ivTsg 113, 15. so diavid^elg 114,8. ev [Trad^ornov 113, 21. 
ev Ttad^ovTiov 114, 22. ev hat sich bis in das 1. Jhdt. hinein ge- 
halten, aber nur in bestimmten Verbindungen in offiziellen De- 
kreten, deren Sprache jedoch nicht sehr hoch steht. 

b) von Partizipien abgeleitet: 3. Jhdt. und 2. Jhdt.: ^vf-icpeQov- 
Tiog 18, 12 (0, etwa 270/262), av/LicpsQovTcog 108, lee. 222 (0, n. 129). 
1. Jhdt.: 7te(pQOVTLGixtviog 111, 28 (0, Anf. 1. Jhdt.) und das nicht 
ganz sichere a 7CQO(p\aoio[i.i\8Viüg 112, 35 (0, n. 84), 120,26 wird 
z[a]^jy[xoVrwg ergänzt (vgl. Kälker, 1. c. 298). Fremd sind: Um 
200: rtQoarj-KovTiog 41 ,% (0,Bargylia). ov/nqfSQovziog 63, 20 (0, Parion). 

c) von Numeralien abgeleitet: ^cgiozcog 117, 39 (vgl. Schmid, 
Attic. I, 134). 

Nur in fremden Inschriften erscheinen rmoiore 59, 24 (0, Lao- 
dikeia, um 200) und tkxvtote 105, 7 6 (0, Einführung d. asian. Kai., 
c. 9). Diese dienen in der -/.oLvri zum Ersatz von aei; in 105 
steht übrigens aei noch 3mal, 52.57.79. Für tote steht in der 
metrischen Inschrift 268, b, 5 (P, 2. Jhdt.) das dorische iroxa. aei 
wird auch durch ölcc :rtavz6g vertreten, so in 19, 39 (0, 2. Hälfte 
3. Jhdt.?). 108, 99 (0, n. 129). 109, 229.233 (0, um 120). 99,9^ 
104,3 (0, um 100). 111, 134. 209 (0, 1. Jhdt.), und fremd: 45,5 
(0, Athen, 2. Jhdt.). 

Präpositionalausdrücke in adverbieller Funktion kommen auch 
sonst noch vor, wie a/ro dixa/tuj' 122, s (0, 1. Jhdt.), und fremd; 
UTtb Tov örKaiov 50, s (0, Erythrai, etwa 160) etc. 

Nur in 37 (0, Rhodos, dial., Anf. 2. Jhdt.) erscheint Igte: 
113. 166. 169; es ist dorisch nach Et. Magn. 382, s, vgl. Meisterhans- 
Schwyzer, 1. c. 251, igeo). Herwerden 324 sieht in 37 fälschlich eine 
prienische (ionische) Inschrift. In der metrischen Inschrift 268, b, 3 
(P, 2. Jhdt.) steht, wie oft im Vers, avUa, die dorische Form. 

Von Komparativ- und Superlativformen ist nur ioxarov in der 
Bedeutung „spätestens" 4, 45 (0, frühest. 332/31) zu erwähnen. 
Doppelte Steigerungsformen sowie Bildungen auf -ZEQiog fehlen. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 117 

§ 11. Adjektiva. 

Adjektiva zweier Endungen sind nicht selten; es kommen vor: 
ayogalog, alconog, ßoQEiog, TTccTQiog, und fremd ysvtS-Xiog und yvojQi- 
f-iog; zusammengesetzt: df-iizgiog^) und fremd: lvT€Q/.aldQiog; evia- 
Xiog steckt in dem Graffitto 317, III: eveiaxi(ov) . . {yivey.a); ferner 
haben 2 Endungen: ddauavog, dxölovd-og, dTtaQdy.lt]Tog, tv/qacpog, 
kvvof.iog, eftiatjfiog, evor^i-iog, evxdQLOTog^), xalXiTey.vog, und fremd: 
av.oXov-d'og, svßohfuog, evdrjXog, Xsvy.6lid^og, OfiOQog. Unsicher ist 
do^iqg dTa\[Qdy.tov] 119,9 (0, Anf. 1. Jhdt.). 

Von anderen Adjektiven geben nur wenige zu Bemerkungen 
Anlaß: In 123,7 (0, l.Jhdt.) steht ßoeiov -/.gitog. ß6e{i)og ist die 
ionische, auch in der Poesie übliche Form, im Attischen steht dafür 
ßosLwg (später ßoi%6g); dieses begegnet in Priene 2 mal: /?ot[x]iJ»' 
dvoiav 112, 109. ßo'i%r]v ^. 113, 85 (0, n. 84). 

Oft erscheint in Priene das Fem. von /naQfiaQivog, während es 
in Magnesia nur einmal auf einer fremden Inschrift vorkommt; 
sonst hat dort dieses Adjektivum 2 Endungen. 

In dem Bruchstück 123, lo (0, l.Jhdt.) steht: roig evTSj-tsvioig 
d^eo~ig; vgl. Herwerden, 277 zu Dittenb. Syll.2 627, 4 (Inschrift v. Milet, 
Ende 4. od. Anf. 3. Jhdt.): tcov . . . S^ecov xwv \ {evc^EiAeviMv: „sv- 
TEfiiviot ^€01 dicuntur, quibus rei-isvT] sunt sine templis". Vielleicht 
ist €VTef.(iVLog ein ionisches Wort; weitere Belege scheinen zu fehlen. 

In der metrischen Inschrift 287, 4 (P, wohl 1. Jhdt.) wird 
ßaioxQ6[vov ßlov] ergänzt ; das Wort fehlt in den Wörter- 
büchern und scheint auch sonst nicht vorzukommen. 

Die Dekomposita auf -iKog haben stets 3 Endungen. Von 
Verbal adjektiven ist nur das auf -zog belegt, und nirgends ist die 
Bedeutung der Möglichkeit gegeben. Die Behandlung der zusammen- 
gesetzten Adjektiva, deren 2. Glied ein Verbaladjektiv ist, gehört 
in die Wortbildungslehre. Hier sei nur die Ergänzung 113, 90 (0, 
n. 84) [aJj^s'A [AtTTTOjg erwähnt; Hiller macht selbst darauf aufmerk- 
sam, daß dieses Wort nirgends sonst vorhanden ist ,,es gibt nur 
dvslliTtrjg'-^; vielleicht ist doch so zu ergänzen; dvslhjz^g (vgl. 
Schmid, Attic. I 156) hat nur einen Buchstaben weniger, und -tj- 

1) dfjioißriv .... u\[fi\i\lrQiov 113, 33 (0, n. 84) wozu Hiller bemerkt: 
„Eine unwahrscheinliche Bildung für afioiqov oder einen Ausdruck, der 
„abgeneigt" oder ,, gleichgültig" besagt". 

2) Vgl, zu diesem Wort Eutherford, Phrynichus 69 f., es kommt in 
Priene noch an folgenden Stellen vor: 103,8, ergänzt: 104,3 (0, um 100) 
und fremd : 15, 09 (0, Brief d. Lysimachos, um 286). tvxuQiareiv und ev/a- 
^laria sind häufig; vgl. auch Rouffiac, 1. c. 85 und 71 (3). 



118 



Therese Stein 



(für -T0-) gehört auch zu den umfangreicheren Zeichen. Die Ad- 
jektiva auf -rog sind später verschwunden und werden im Neu- 
griechischen durch Umschreibungen ersetzt. 

Das Fem. des Part. pf. act. ist nur durch die in der /.oivtj 
gebräuchhche, dorische Form TCQoe]aTeiy.€7av^) 118, 3 (0, 1. Jhdt.) 
vertreten. 

Was die Adjektiva der 3. Deklination betrifft, so ist hier noch 
das Verhältnis von /rag : aizag zu untersuchen, wozu nachstehende 
Tabelle dienen soll, in die nur die sicheren Fälle eiugereiht worden 
siud. (Die in fremden Inschriften vorkommenden Belege stehen in 
Klammern.) 





\ 4. Jhdt. 


3. Jhdt. 


2.?Jhdt. 


l.Jhdt. 


christlich 




nach Vokal 5 (1) 


10 


(4) 


26 (9) 


9(3) 


1 


Ttag 


nach Kon- a 
sonant i 


13 


(3) 


26 (5) 


23 (5) 


— 




nach Vokal 




1 


— 


1 


— 


UTcag 


nach Kon- 
sonant 


5 


4 




3 


5(1) 


— 



a.7ia.g ist besonders nach Vokal sehr selten, die Fälle von nug 
nach Vokal und Konsonant halten sich bis ins 2. Jhdt. so ziem- 
lich die Wage, während später, im 1. Jhdt., die 2. Gruppe ein 
starkes Übergewicht bekommt. Von einer Berücksichtigung des 
von Diels, G. G. A. 1894, 297 ff. , für die Attiker nachgewiesenen 
Hiatgesetzes kann somit in Prione keine Rede sein, xov ovvTiavxog 
steht 109, 197 (0, um 120); auch in Magnesia erscheint avf.i7tag 
nur einmal (2. Hälfte 2. Jhdt.). 

Die Komparation weist keine Besonderheiten auf. Steigerungs- 
formen auf -ioregog, -eazarog sind nur von Adjektiven auf -7]g be- 
legt. Von alten Komparativen sind erhalten: ßelrlojv, tjooiov, 
^EiCiov, eXdaoiov und Tikslwv; vielleicht fremd ist ^alli[o]vg 97, 4 
(0, Fragment, wohl 2. Jhdt), und fremd ^dsixov 105, 4, ijÖEiov 
105, 19 (0, Einführung d. asian. Kai., c. 9). 

Die Superlative auf -lozog sind vertreten durch: agiGTog, ßeX- 
TLOTog, '/.gdrioTog, /^leyiorog, ild^iOTog, 7i}^Eiaxog und xaDuarog; 
nur in fremden Inschriften erscheinen TJöiora 105, s und Tay]iaTr]v 
24, 14 (0, unbek. Stadt, n. 280?). {.idllov und fxdliOTa kommen 
häufig vor, werden aber nie zu Umschreibungen verwendet. Doppel- 



1) Für TTQOiaTTjxiiav; vgl. unten § 18. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 119 

komparative, auch Formen wie die z. B. von Dieterich, Unters, z. 
Gesch. d. gr. Spr. 181, 2 angeführten (ixeya'kwTEQog) etc. fehlen noch. 

§ 12. Pronomina. 
Die beiden Formen des Reflexivums tau- und avz- stehen 
nebeneinander; ich lasse die Belege folgen: 

a) ort-r-: 4. Jhdt. : naq aviölg 8, 53 (0, frühest. 328/27). 3. Jhdt.: 
Ttag^ avTOv 17, 33 (0, bald n. 278). 2. Jhdt.: ^Qog avtovg 53, 43. 
TtQog avJTOvg 54, 40 (0, 2. Jhdt.). 1. Jhdt: vcp avTOv 112, 19 
(0, n. 84); fremd: 3. Jhdt.: nag avxoig Gl, 23 (0, Magnesia, v. 200). 
2. Jhdt.: avTiov 37, 131 (0, Rhodos, dial., Anf. 2. Jhdt,). Ttqdg avTOvg 
53, u (0, lasos, 2. Jhdt.). 

b) lavz-: 4. Jhdt.: lavTov 2, 10 (0, Sommer 334). 3. Jhdt: 
eavxov 19, 22 (0, 2. Hälfte 3. Jhdt?). 2. Jhdt.: eavTOv 109, 33 
(0, um 120). eavTo[v] 108, 100 (0, n. 129). hcp' iavrov 108, 263. 
kavTiüi 69. £a[vTcoi] 162. Itt^fjrov 88- slg eavTOv 32s. savrovg 313. 375. 
elg ea[v]TÖv 109, 254. eavTOv 198, 3 (P, wohl 2. Jhdt.). um 100: 
kavTÖv 99,5. dg eavzöv 104, 20 (0). l.Jhdt: £a[T]o[D] 112, 69 ^ 
(0, n. 84). Ttaq havzov 111, 177 (0, Anf. l.Jhdt). Ttagä eavrov 
114, 26 (0, n. 84). Trag eav[tov 118, 15 (0, l.Jhdt.). eavTiui 112, 15 
(0, n. 84). eig savTov 110,6 (0, Anf. l.Jhdt.). eig saTov^) 113,9 
(0, n. 84). 7ra^' eavTrjg 208, e (0, frühest 1. Jhdt.); in dem mi- 
lesisch-prienischen Vertrag 28, 32 (0, bald n. 200) steht ecp eavTcdy; 
fremd: eavTOv 50, 7 (0, Erythrai, etwa 160). elg eavzcv 73, 12 (0, 
fremde Stadt 2. Hälfte 2. Jhdt). 





4. Jhdt. 


3. Jhdt. 


1 2. Jhdt 1. Jhdt 


avT- 


1 


1 (1) 


1 (2) 1 


eavT- 


1 


1 


13 (2) 9 



(Nur die sicheren Fälle sind mitgezählt, „um 100" = „2. Jhdt.", 
die fremden Belege stehen in den Klammern). 

Auch in Priene nehmen vom 2. Jhdt. an die Formen mit eavT- 
bedeutend zu, während die mit avr- zurücktreten, eine in dieser 
Zeit allgemeine Erscheinung; in Magnesia z. ß. ist avz- überhaupt 
nicht sicher zu belegen 2). 

1) Vgl. wegen av -^ a zuletzt Dienstbach, 1. c. 68, § 21. Einen weiteren 
Fall zitiert Schwyzer, Berl. phil. Woch. 1904 Sp. 535 aus Athen. Mitt. 27, 
305: thois (Thessalonike). Neue Belege bringen die Inschriften von Perga- 
mon, Athen. Mitt. 32, 261, Z. 3, und 35, 470 b, 3): icnöv. Journ. Hell. Stud. 
27, 226 steht icadilv („found among the ruins of Troj"). 

2) Vgl. Nachmanson 1. c. 144, § 66, 1. 



120 Therese Stein 

Nicht selten erscheint l'diog in Vertretung des possessiven Re- 
flexivums, freihch läßt sich oft keine sichere Entscheidung für die 
eine oder die andere Bedeutung treffen, z.B.: Ia rav Idiiov avaXio- 
ludriov 114, 27 (0, n. 84). [«]>t [Tt3]v Iditov 108, 152 (0, n. 129), 
vgl. auch: elg t^v ol/Jav avrov ttjv Idlav 55, 2a (0, Ionischer Bund, 
frühest. 128/27); zuletzt hat über l'öiog und mvzov gehandelt 
Moulton, Einl. in d. Spr. d. N. T. 140 ff. 

Seit das Reflexivum auch reziproke Bedeutung haben konnte, 
verringerte sich der Gebrauch von allrilog. Die spärlichen Belege 
aus Priene gehen nicht weiter als bis zum 2. Jhdt.: äXXrjXoig 28,6 
(0, Vertrag zw. Milet und Priene, bald n. 200), und fremd: rcgög 
cXXr/Aovg 73, 9 (0, fremde Stadt, 2. Hälfte 2. Jhdt.). Ttgog aAA[r)]|[Aag 
61, 5; alX[/]]lag 37 (0, Magnesia, v. 200); doch muß hervorgehoben 
werden, daß das Reflexivum in Priene niemals reziproke Bedeu- 
tung hat. 

Das Demonstrativum ode fängt schon im 2. Jhdt. zu schwinden 
an, um sich im 1. höchstens noch in festen Formeln (tdöe Xeyei 
im N. T., vgl. Blaß, Gramm, d. neutest. Griech. * 35, § 13, 2, auch 
Deißmann, Licht v. Osten, 285) zu erhalten; am häufigsten ist 
die Verbindung rode rö \pr]g)Laixa, oder ein cas. obliqu. davon, zu- 
letzt um 100: i:6d[s] t6 104, 15 (0); aus dem 1. Jhdt. stammt nur 
ein Beleg aus einer fremden Inschrift: rdds 105, es (0, asian. Ka- 
lender, c. 9), wie im N. T. 

Oüzog hat alle 3 Stämme bewahrt, die häufig vorkommen. 
exslvog erscheint, auch substantiviert, nicht selten ; in einem Bruch- 
stück 43, 3 steht wahrscheinlich l]/.eivot (0, um 136); '/.elvog fehlt. 
Das Neutrum des Determinativums ist nur durch t6 avro 107, 38 
(0, um 130?) vertreten; Formen auf -ov erscheinen noch nicht. 
Ebenso hat das Relativum og immer 0, nicht ov als Neutrum. 

Oft sind in einheimischen und fremden Inschriften Formen von 
ooTtg belegt: oozLg 8, 49 (0, frühest. 328/27). o'kLveg 14, s (0, um 
286). 19,41 (0,2. Hälfte 3. Jhdt.?). »/rtg 195, 32 (0, um 200). yjxig 
117, 25 (0, 1. Jhdt.). Ott 12, 18 (0, bald n. 300), und fremd: c'ojig 
61, 24 (0, Magnesia, v. 200). 63, 13 (0, Parion, um 200). o\orLg 50, 33 
(0, Erythrai, etwa 160). coxLg 60, 19 (0, dial., äol. Stadt, um 135). 
o'ixLVEg 47, 22. o'k\L\vEg 47, s (0, Bargylia, um 200). oiriveg 53, 31. 
o[l']T[t]j'€g 54, 27 (0, lasos, 2. Jhdt.). o'iTivsg 37, 12 (0, Rhodos, dial., 
Anf. 2. Jhdt.). [oY]zivEg 73, 7 (0, uubek. Stadt, 2. Hälfte 2. Jhdt.). 
^TLg 105, 23. 51 (0, asian. Kalender, c. 9). ai\Tiv€g 50, 27 (0, Ery- 
thrai, etwa 160). Vielleicht fremd ist das Bruchstück 97, 10 (0, 
wohl 2. Jhdt.): iol zivi; nach Kühner-Bl. I. 612 § 176, 3* und 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 121 

614, Anm. 4 fehlte diese Form bis jetzt in den Inschriften, wie 
auch bei den attischen Dichtern; auch Mayser, 1. c. führt sie nicht 
an. Ich habe nur einen anderen inschrifthchen Beleg zur Hand: 
OTivt, (f. utivl) S. G. D. I. 1222, 27 (Arkad., vorröm.). Moulton, 
Class. Rev. XVIII 155, zitiert aus 0. P. 491 (2/ ) i^nvioüv. 

Die abgekürzten Formen {otov etc.) fehlen, wie, von dem letzt- 
erwähnten Fall abgesehen, die cas. obl. überhaupt. 

Von oarcBQ erscheint nur \ri\L7iEQ 11, 7 (0, um 297). 

Die kürzere Form des Indefinitums findet sich noch auf 2 In- 
schriften des 4. Jhdts.: [£]l[a]v tov de[iq\xaL 6, 13 (0, nicht v. 330/29), 
«a[j'] Tov detüVTac 8, ss (0, frühest. 328/27), also beide Male in 
ähnlicher Verbindung. 

Folgende Pronomina mit Dualbedeutung sind noch vorhanden: 
afxcpoxsQOiy t/.(xTEQog und ezeQog. 

§ 13. Numeralia. 

dvo ist indeklinabel und stets mit dem Plural (Gen. und Akk.) 
verbunden. 

ÖLOOog und rgiaoog kommen nur in metrischen Inschriften vor: 
380, 5 (P, Grabschrift eines messen. Söldners, 3. Jhdt.), und 196, 4 
(P, um 350), 268, b, 2 (P, 2. Jhdt.). 

Das a von STtva kann elidiert werden: «yrr' oßoloig 195, 20 
(0, um 200). 

Zu den Numeralien als ersten Kompositionsgliedern ist Fol- 
gendes zu bemerken: Regelrecht steht TQisTriQiSag 113, 79 (0, n. 84). 
[T]sTQdf.i7^vov 19, 8 (0, 2. Hälfte 3. Jhdt.?); rtevTS wird vor Vokal 
zu jzevT: TtevzeTriQida 5, 3 (0, kurz v. 326/5). 7tev[TSTifiQida] 111, les 
(0, Anf. 1. Jhdt.) (nicht sicher); Ttivia- mit analogisch gebildetem 
Kompositionsvokal fehlt, doch erscheint dieser in l%ä\iT^ov 111, 27. 

In 4, 16 (0, frühest. 332/31) steht ÖE'Aaxixxaqa exri, ein ziem- 
lich früher Beleg für die später allgemein übliche Art der Zahlen- 
verbindung; andere Kardinalia zwischen 10 — 20 sind nicht belegt ^). 

Bei zusammengesetzten Zahlen geht immer die größere voran; 
mit einer Ausnahme, wo xa/ steht, sind sie unverbunden neben 



1) Meisterh.-Schw. 1. c. 160 weist SexargeTs schon 408 v. Chr. in Attika 
nach und Ssxk nivTS in der ersten Hälfte d. 4. Jhdts., doch nur mit vor- 
ausgehendem Substantiv. Zur attischen Form (rr) vgl. Dienstbach 1. c. 97, 
Wackernagel, Hellenistica 21: ,,Die Bevorzugung der attischen Form wird 
hier daraus zu erklären sein, daß die Zahlwörter Verkehrswörter sind, somit 
der lokale Usus der Nichtattiker hier weniger aufkommen konnte", eine 
Erklärung, die man hinnehmen muß, so lange keine bessere gefunden ist. 



122 Therese Stein 

einander gestellt; das Substantiv geht, von dem erwähnten Fall 
mit Aal abgesehen, voran (jüngeres System): a) i.iv\Qiag xal dioxi- 
liag dga/jidg 174, 28 (0, noch 2. Jhdt.). b) Einige Beispiele mögen 
genügen: 6ß]olovg öuo i^iiuwß6[hov 140, 5. 6ßo/.ov]g nävze tjf.uio- 
ßel[iov 140, 12 (0, um 300). ÖQa'ji-Uüv xilimv ÖLay.oaiajv oßolov xaX- 
■/MV TQuov 174, 37. ÖQaxiiHÖv f-itgicov ÖLGynliiov ovo 174, 35 f- etc. 

In den mit 10 zusammengesetzten Ordinalien geht stets die 
kleinere Zahl voran: d[cü]Ö€y.ccTrji, 113,8- (Jwdfixarijt 112,2 (0, n. 
84); huaide/MTi^g 28, 20 (0, Vertrag zw. Milet und Priene, bald 
nach 200); fremd: TeaaaQEa/.aid£y{.dT7jL 42, 2 (0, unbek. Stadt, n. 
133), yTev%Ey\aL\dbY.aTog 37, 126 (0, dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.). 
Schweizer, Gramm, der perg. Inschr. 165, 5, läßt, unter Berufung 
auf Herodot, diesen Gebrauch von lonien ausgehen; aus diesem 
Gebiet stammen auch die frühesten iuschriftlichen Belege. Maysers 
Einwand, 1. c. 18: ,, allein dieses Bildungsprinzip kommt (in sel- 
tenen Fällen) auch außerhalb der ionischen Sphäre, vor" ist nicht 
stichhaltig und hindert nicht, in diesen Bildungen ein ionisches 
Element der -/.oLvri zu sehen. Auf attischen Inschriften erscheinen 
sie erst in der Kaiserzeit. 

Umschreibung der Ordinalia durch Substantivnumeralia bei 
Angabe der Monatstage kommt 3 mal vor: i.it]v6g Mex\ayEL\[Tv\L[(7j]- 
vog TSTQCxdi loraixtvov 3, 3 (0, 334/3 od. bald nachher). . . «Jtxadt 
195, 3 (0, um 200). fxrivl ^^TvawvQuovL zrji, eiyM[öt 195, 32; sonst 
steht immer das fem. Ordinale. 

Von Brüchen ist außer dem oben erwähnten rj/xicüßeliov noch 
zu nennen: l^ i^fxiiyiTOv 174, 12 (0, noch 2. Jhdt.). Mit einer Prä- 
position zusammengesetzt ist: STtidaytarov 174, 31. STrideKcerov se. 
€7iiöey.dz[ov 201, 5 (0, etwa um 200). STt[ide-/.äTov] 203, 4 (0, wohl 
Anf. 2. Jhdt.); auch eine Umschreibung mit tniuov findet sich in 
108, 271 (0, n. 129): tivqwv reTaQtewg [i^]i.i[i ov. 

Zahlzeichen begegnen in Priene sehr selten: In 118 (0, 1. Jhdt.): 

A A ^ 

rr^'ö. ^1' 16. n"l^'i7, und in 312 (P, nicht datierbar) hojv'l^ 
(das Komma ist nach Hiller Trennungszeichen; zu den diakritischen 
Zeichen ' und vgl. Larfeld, Handb. d. Epigraphik, 547 f., 154). 
Außerdem erscheinen in den Namenlisten 141 — 147 (1. Jhdt. v. bis 
1. Jhdt. n. Chr.) neben den Namen der Stephanephoren bez. Epheben 
öfters ß' und einmal ö\ in 141 y' («' und ß' zu ergänzen); in 
dem Beiträgeverzeichnis 150 stehen unter je einem Namen Zahlen, 
nur in der 2. Zeile wird noch [A]AAA gelesen. („Die Zahlen be- 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 123 

zeichnen wahrscheinlich Drachmen" Hiller); die Herkunft des Steines 
aus Priene ist zweifelhaft. 



B. Konjugation. 

§ 14. Personalendungen. 

1) Aktivum: Die 2. Pers. sg. ist vertreten durch: Ner/Mg 353 
(P, christl. Graff.) und fremd: [bgccjig 380, i (P, metr. Grabschrift 
eines messen. Söldners, 3. Jhdt.). Von der 3. Pers. sg. sind anzu- 
führen: ß LO L (Konj.) 174,4 (0, noch 2. Jhdt.). oxecpavol 44,2 5 (0, 
2. Jhdt.). 104, 18 (0, um 100); fremd: Ti^al 53, 17 (0, lasos, 2. Jhdt.). 
OTEcpavol G3, 7 (0, Parion, um 200). oTeq)avo[l 56, e (0, Ionischer 
Bund, um 100). -coi{-(o) erscheint noch nicht. 

In der 3. Pers. pl. sind im Indikativ die alten Endungen 
durchwegs beibehalten : 

a) Impf.: tjvcoyov 196, 5 (P, metrisch, um 350). rjoeßovy 17, 10 
(0, bald n. 278). tvEvAlovv 111, iss (0, Anf. 1. Jhdt.). TcaQB[v\6[f.iovv\ 
17, 9. eTtf^veov 314, 1 (P, Graff., homer. Reminiszenz); fremd: ive- 
■aclIovv 37, 133 (0, dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt). sTiedeUvvov 69. e^[e]- 
öeizwov T3. ETtEldeiKvlvov 53- yraQEdEr/.[vvov] S6^)- 

b) Aor.: Vom z-Aor. sind nur Formen auf -vmv vorhanden; 
die Belege stehen weiter unten; z-Formen der 1. Pers. pl. kommen 
nur in fremden Inschriften vor (vgl. unten § 19, 2) c)). Auch die 
hierher gehörigen Formen des starken Aor. erscheinen nur in 
fremden Inschriften: sTtdyayov 37,22. EjtijXd^ov 53,2 (0, lasos, 2. 
Jhdt). Elayfiv 37, los. 121- 122. k^ineoov 37, 138. ecfS^eiQOv 16, le (0, 
Erlaß eines Herrschers, 1. Hälfte 3. Jhdt.). 

Formen auf -aav, die durch Übertragung dieser Endung auf 
den starken Aor. und das Impf, entstanden sind, fehlen. Nach 
Kretschmer, Entstehung der Koine 9 f., sind sie eine jungdialektische 
Neubildung, die aus dem Chalkidischen in die Gemeinsprache ein- 
gedrungen ist. Sie fehlen auch in den attischen Inschriften, wäh- 
rend in Pergamon und Magnesia einige Belege erscheinen, ebenso 
in den ptol. Papyri; doch überwiegen auch hier die regelmäßigen 
Formen bedeutend. 

c) Perf.: Die Endung -aoi ist allein herrschend, für -av fehlen 
wie für -aav alle Belege: rj^uo/MOiv 49, 10 (0, um 200). [ösdor/.aoiv 
202, 8 (0, etwa um 200). elh](faoiv 120, 26 (0, Anf. 1. Jhdt.). 
eoze(p[a\\\y\Lo-/,aoLV 53, 70 (0, 2. Jhdt.). iazeq)]avioy.aaiv 54, ee (ebenso). 



1) Vgl. zu diesen Formen weiter unten § 16 b). 



124 Therese Stein 

STCLiExäxaöLV 53, 56 (0, 2. Jhdt.); fremd: y,\E\yC[qiyMOiv 40, s (S. C, 
V. 136). 

Anders ist es beim Imperativ^), wo die hellenistische Endung 
-TCüoav die ältere -ovxwv vollkommen verdrängt hat, ein Vorgang, 
der in dieser Zeit ganz allgemein wird. Belegt sind TtQoaygacpeTco- 
oav 28, 15 (0, Vertrag zw. Milet und Priene, bald n. 200) (ganz 
unsicher in derselben Zeile: yQ\aq)eTtoaav . . .). TcaQadLd6tiooa\v st. 
iGTU)oa[v\ 12, 12 (0, bald n. 300). i/aid^hcoaav 28, 17; fremd: aTto- 
dcTiüoav 71, 31 (0, thessal.?, 2. Jhdt.). TtagaKaleiTwoav 71, 31. 
OT}]0(xxiooav 27, 9 (0, Smyrna, bald n. 200). Mischformen fehlen. 

2) Medium: Die 2. Pers. sg. ist nur vertreten durch die ho- 

? ? 
merische Reminiszenz ey.Qtf.iio 318 (Graff.), deren Lesung unsicher 

scheint. Die 3. Pers. pl. hat die Endungen -arat und -azo von 

Perf. und PIqmperf. Ind. in Priene, wie auch sonst meist in dieser 

Zeit, verloren und durch Umschreibungen ersetzt 2): Exprj(pL\ofx\e.[^^^^. 

da[l]v 8, 53 (0, frühest. 328/27). sYiolv t\priq)iofxlvot 69, 15 (0, um 

100). Auch in anderen Personen kommen Umschreibungen vor: 

i]v ctTtEotaXf-dvog 109, 126 (0, um 120). r^fxEv ^Qoy.eyQii.ievo[i 111, ne 

(0, Auf. l.Jhdt.); fremd: yeygiiieva s{i)o[zl] 40,5 (S. C, v. 136). 

ip' d7Te[aTal]i.iava 37, 73 (0, dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.). Hierher 

gehört auch das Fut. exact. torai avayeygafAiiUvov 47, 29 (0, Bar- 

gylia, um 200). Nicht umschrieben sind die von vokalischen 

Stämmen gebildeten Formen: /C6XTijvrat 3, 15 (0, 334/3 od. bald 

nachher). TtETtoirjVTai 53, 55. 54, 50 (0, 2. Jhdt.). 69, ig (0, 

um 100). 

Der einzige Beleg für denlmp.^) ist 7toieio&toaa[v 108,342 (0, 

n. 129); die Endung -od^cooav hat sich in dieser Zeit vollkommen 

durchgesetzt, so in Pergamon, in Magnesia, im N. T. 

§ 15. Augment und Reduplikation, 
a) Syllabisches Augment und syllabische Reduplikation: t] 
haben: rjßo[v]lsTO 108, ss (0, n. 129), und fremd '^ßovltjd-riaav 
21, 14 (0, Brief eines Herrschers? mit d. smyrnäischen Schieds- 
spruch, bald n. 200); tJ/heIXs 108, 229, aber eiu£l[lov 11, 5 (0, um 
297); '^övvr^^ri 113, 13 (0, n. 84), und fremd 39, a, 4 (Brief? und 
S. C, um 155). Von dem auch hierhergehörigen ^«Aw sind nur 
unaugmentierte Formen vorhanden. Im Attischen tritt ij seit 300 



1) Vgl. zuletzt Handel, 1. c. 55f. 

2) Auf attischen Steinen ist nach 410 dieser Gebrauch allein herr- 
schend; vgl. Meisterh.-Schw. 166. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 125 

an die Stelle von e, während in der -/.oivtj beide Formen neben- 
einander stehen. 

Das Augment si- erscheint in dem Impf. elgyaCeto 111, us 
(0, Anf. 1. Jhdt.). sgyaCof-iai hat im Attischen im Impf, und Aor. 
r-, im Perf. ei-, doch gilt dies nur für die klassische Zeit, später 
konnte auch das Umgekehrte eintreten; freilich waren zunächst 
nur Aoriste mit ei- belegt, das Impf, fehlt in den attischen und 
pergamenischen Inschriften, in den ptol. Papyri wie in den LXX; 
die gebräuchliche Form ist allein rigyaCero. Dagegen ist elgyaCevo 
bei späteren Autoren mehrfach nachgewiesen. Veitch, Greek Verbs 
irregulär and defective 263, zitiert für eiQyaL.6(.nqv Od. 3, 435; Hes. 
Op. 151; Ar. Nub. 880; Thuc. 3, 50; für eiQyaGccf.i7]v Aesch. Sept. 
845; Ar. Eccl. 134; Antiph. 5, 57; Lys. 2, 20; PI. Rep. 450; 
Pind. I. 2, 46 (-afiav); st erscheint auch im Passivaorist, Xen. 
Mem. I, 4, 5, Anth. 9, 807. 

Das aoristische et, (verschiedenen Ursprungs) erscheint in 
Formen von elXov, utvov, das perfektische in Formen von eid^io/xai, 
uXmpa, el'grjjxai (elQrj'/.a, fremd). 

s'xM und Komposita haben immer eax- nie elx-^) oder elox-. 
Das ei von elvac, eio&aL, von eidov und eidevat- weist keinerlei 
Unregelmäßigkeiten auf. 

Es kommt in Priene ausschließlich ä7rioTaly.a {-(xai) vor (vgl. 
die Belege bei Dienstbach 1. c. 83, § 34; hinzuzufügen ist das 
offenbar übersehene l^aTteozahAevai 71, 13 (0, thessal.?, 2. Jhdt.)). 
Attika, Magnesia, die Papyri und die LXX verhalten sich ebenso,, 
während Pergamon die aspirierte Form neben der unaspirierten 
verwendet. 

Das syllabische Augment fehlt in sKlve^i 268, b, 6 (P, metrisch, 
2. Jhdt.), wenn dieses Wort wirklich zu lytlveiv gehört und nicht 
zu '/.Xvetv; Wilamowitz (b. Hiller 1. c.) läßt beide Möglichkeiten zu; 
überdies steht es nach einer Lücke und die beiden ersten Buch- 
staben sind nicht ganz deutlich, sodaß es, ganz abgesehen davon, 
daß die Inschrift metrisch ist, nichts beweist. 

Nach dem die Reduplikation vertretenden e wird das q im 
Anlaut verdoppelt: sQQiozai 14, 10 (0, um 286); fremd: £(0(»f'j[ff]^[fi] 
25, 12 (0, auswärtige Macht, 3. Jhdt.?). tQQioad^e 27, s (0, Brief 
eines Herrschers?, bald n. 200). eQQcüaS^aL 15,6 (0, Brief d. Lysi- 
machos, um 286). Formen mit voller Reduplikation und einfachem 

1) 37, 107 (0, dial., Ehodos, Anf. 2. Jhdt.) wird 7TaQ[e(x]ovTo ergänzt; 
es wäre möglich, daß in der Lücke auch Eaum für la/- vorhanden ist, 
doch läßt sich ohne Augenschein keine Entscheidung treffen. 



126 Therese Stein 

^ kommen nicht vor. Von xTdo/xat- erscheint y.€/.TrjVTai o, 15 (0, 
334/3 od. bald nachher) neben dvs/,T{]ad^a[i 11, 15 (0, um 297); 
die erste Form ist attisch, die 2., dissimilierte begegnet schon bei 
Herodot^); weitere Beispiele bringt Schweizer, Gramm, d. perg. 
Inschr. 171, h., vgl. auch Mayser, 1. c. 339 f. IV, 10, a. 

Die attische Reduplikation ist durchaus bewahrt bei den im 
Simplex und Kompositum belegten Formen von r^yayov, 7Jvsyy.ov, 
iX^Xv^a, ev^veyfiai; von dem nach sv7'jvoxcc gebildeten dytjyoxa ist 
nur die spätere, dissimilierte Form -/MTayyloxEv 14, e (0, um 286) 
belegt, doch ist die Ergänzung unsicher, man hat auch an /mtc 
yrj[v . . gedacht. 

Die syllabische Reduplikation fehlt nirgends, {7ts)7tQayi,i[8V(jt)v 
119, 27 (0, Auf. 1. Jhdt.) hält der Herausgeber, gewiß mit Recht, 
für ein Versehen des Steinmetzen (sogar in den ptol. Papyri wird 
sie fast nur in Kompositis weggelassen). 

Von ursprünglich mit / anlautenden Verben sind zu nennen: 
iyovrj-KOTa^) 201, 17 (0, um 200) und fremd icps]gQaf.a[va 37, 25 (0, 
dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.). 

b) Temporales Augment und temporale Reduplikation. Neben 
TJaoev 113,35 (0, n. 84) steht eaosv 113,73; rj und £ stehen für 
€1. Der Wechsel el ^ e ist hinlänglich bekannt, und rj vertritt 
das zu / gewordene st vor a^). Hatzidakis, Einleitung 69, führt 
l'aoev aus Theophanes Chronogr. 325, 20 unter den augmentlosen 
Formen an, ebenso Reinhold, 1. c. 66 (bei den apostol. Vätern). 
Diese Auffassung ist berechtigt für eine Zeit, in der «t und ij in 
jeder Lage zu i geworden waren, sich also die augmentierten Formen 
von den unaugmentierten deutlich in der Aussprache unterschieden. 

Augmentiertes i wird immer nur durch t wiedergegeben, nie 
durch €i: YÖQvaev 196, e (P, metrisch, um 350). '/M]0-isQ[iüoev] 209 
(P, Kaiserzeit). '/.ad^Uqiooev 228 (0, um 38 n. Chr.); 2 weitere Fälle 
sind unsicher. 

ai wurde regelmäßig zu rjL (ij); die Belege stehen bei Dienst- 
bach 56f.; hinzuzufügen ist 7tqo\\r]qEtTO 108, 86 (0, n. 129). Von 
aiQU) erscheint regelrecht -^qev 111, e (0, Anf. 1. Jhdt.)*). In 

1) Crönert, 1. c. 265, 4), sagt, wolil richtig, von der augmentierten 
Porm : ab lonum lingua in volgarem transiit, während Schmid, Atticismus 
IV 597, mit Hatzidakis, Einleitung 74, hier nicht lonismus, sondern spätere 
Ausgleichung sieht. 

2) Das Aktivum ist sehr selten, gewöhnlich heißt es m'sojuai. 

3) Vgl. Dienstbach, 1. c. 48 f. § 11. 

4) Vgl. zuletzt Lautensach, Die Aoriste bei den attischen Tragikern 
und Komikern 212, mit Literatur. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 127 

fremden Inschriften findet sich Ersatz von i]L durch ei, wie er seit 
dem 3. Jhdt. häufig ist: siQsd-r^oav 47, so (0, Bargylia, um 200). 
slged^Tjoav 71, 37 (0, thessalisch?, 2. Jhdt.). ElQiqi.iivojv 51, e (0, 
Vertrag zw. Herakleia am Latmos und Amyzon, 2. Hälfte 2. Jhdt), 
und vielleicht £t]^»;jU6Vwv 51, 12. Auch in Magnesia (1 Fall) und 
in den Papyri erscheinen nur Formen von alqko mit diesem Aug- 
ment. Da im Impf. Formen mit t] {ijC) vorkommen, vgl. Mayser, 

1. c. 123, will Thackeray, A Grammar of the Old Testament in Greek 
201 f., el nach Analogie von £l'Qyaof.iai, ijQyaCofxrjv erklären; vgl- 
jedoch das oben p. 125 zu diesem Verbum Gesagte. 

OL wurde in Priene stets augmentiert: dLa)i/.rf/.lvaL 53, 52 (0, 

2. Jhdt.), und fremd: ^t]wr/ryff£ 24, 12 (0, unbek. Stadt, n. 260?). 
öi(oi\x7jfxsvGLg 37, 128. lolovTO 37, 117 (0, dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.). 
duürÄ,rj'/,£vaL 53,24 (0, lasos, 2. Jhdt.) ; ganz unsicher: a]j[va']r/tf(7aj' 
45, 6 (0, Athen, 2. Jhdt.). 

av wurde regelrecht zu rjv; dieses konnte später zu ev gekürzt 
werden, so in ovvenev^iqoev 109, 160 (0, um 120), der einzigen 
augmentierten Form. 

Ev ist niemals augmentiert: evqev 113, 32 (0, n. 84). Bv%QijOTiqöev 
108, 109 (0, n. 129). eviox^joev 117, 40 (0, 1. Jhdt). svdoKif.ii]/Jvai 
69, 5 (0, um 100); fremd: emgyeri^oev 105, 46 (0, Einführung d. 
asian. Kalenders, c. 9), und svgofxsv oft in 42 (0, unbek. Stadt, 
n. 133). evQETo 105,48. Nach Meisterhans-Schwyzer, 1. c. 172, ist 
diese Art der Augmentierung nach 300 die auf attischen Inschriften 
herrschende. 

Doppeltes Augment kommt nicht vor, nicht einmal bei dem 
dieser Erscheinung besonders ausgesetzten a7to'/.az&aTrioa : «Troxar- 
eazTiosv 114, 17 (0, n. 84). a7toy,azsai;r]q[E] 136,22 (0, wohl 2. Jhdt., 
viell. fremd), und fremd: a7zoyiaT€oz^\[aafxEv 42, u (0, unbek. Stadt, 
n. 133). Von sonst noch hierhergehörigen Verben (Kühner-Blaß II 
35 f. § 205, vgl. auch Rutherford, Phrynichus 83) sind in Priene, 
sofern sie überhaupt vorkommen, keine Praeterita belegt. a(xcpEO- 
ßctTEL 37, 99 (0, dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.), das einzig in Betracht 
käme, ist wegen des anlautenden dialektischen a (das vielleicht t] 
vertritt) auszuschalten. Crönert, 1. c. 207, 1), führt außerdem noch 
ccfxcpEolßaTT/.Ei^ 37, 129 an, wo bei HiWeY jetzt dfxq>Ea\ß ari^^iEiv steht ^). 
Die Angabe, die Inschrift gehöre dem Anfang d. 3. Jhdts. an, wird 
wohl auf einen Druckfehler zurückzuführen sein. 

ecprjßEvü) ist nicht augmentiert: iq)y ßEVÄ,6zag 113,43 (0, n. 84). 



1) Vgl. unten § 18. 



128 Therese Stein 

123, 8 (0, 1. Jhdt.). (Beispiele für rcpiqß- bei Nachmanson, 1. c. 
153, Anm. 3, Mayser, 1. c. 344.) i) 

Anm. 1. Auch verschlepptes Augment kommt nicht vor, nur 
avaliofia erscheint, nicht avriXiO(.ia. 

Anm. 2. 117, 20 (0, 1. Jhdt.) steht mcEld^ev; Hiller scheint 
die Form als Schreibfehler zu betrachten und hat a7t[ri\kd-£v in den 
Text aufgenommen. In 61, 7 (0, Magnesia, v. 200) dürfte ein 
Druckfehler vorliegen; der Text hat r^^u6oa[(.i\Ev, während in der 
Adnotatio cc^lwgoHev steht. 

§. 16. Praesens. 

a) Verba auf -10. 

Die Verba contracta sind durchaus regelmäßig gebildet; offene 
Formen fehlen, abgesehen von dem homerischen hcijvBov 314 (Graff.), 
(und den einsilbigen auf -eio). Von Infinitiven der Verba auf -aio 
erscheinen: '/.axavväv 112, 97 (0, n. 84). [r^jujaj/ 4, 41 (0, frühest. 
332/31). TLi-iav 26, 17 (0, 3. Jhdt.), und fremd: tl^öcv 57, 19 (0, 
Kolophon, 3. Jhdt.). Von tr^o) sind belegt: trji 201, 21. c[^t] 
202, 21 (0, etwa um 200), und öfters das Partizip; von xQdo/xao 
kommt nur das Partizip vor. Von ösio erscheinen öfters Formen; 
(Q)iovTt steht in 42, es (0, unbek. Stadt, n. 133); sn:ii.ulov!.iat ist 
vertreten durch: STtLfxEleixai 6, n (0, nicht v. 330/29). e[7T\L[{.ie- 
A£]Z[ff]^at 4, 34 (0, frühest. 332/31). i7tii.iele7.adai 18, 12 (0, etwa 
270/262); inLixäloi-iai fehlt ä). Häufig belegt sind Formen von 
aS.i6(x)'^), ßeßaioü), ßioio, drjloio, OTecpavoio; nur in 71, 9 (0, thes- 
salisch?, 2. Jhdt.) erscheint tr;Aai[(7]t. Infinitive auf -oh> kommen 
noch nicht vor, ebensowenig wie in Pergamon, Magnesia oder den 
ptol. Papyri. Bei den LXX steht nur einmal vipolv. Tob. XII, 6. B 
(wo A -ovv hat)^). 

In 37 (0, dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.) kommen dialektische 
Kontraktionsformen vor, z. B. aiQe[v[xevovg 11 1 oder 7t\eLQOv[fxevoi\ 102. 
Der Übergang der Verba auf -aw in die Flexion derer auf -elo hat 

1) Zum ganzen Abschnitt vgl. Stolz, Wien. Stud. 25, 127—142, und 
26, 157 f. 

2) In Attika verhält sich intuekov/xcct zu ^nifitlofxni wie 34 : 4, vgl. 
Lautensach, Verbalflex. d. att. Inschr. 9; vgl. auch Winer-Schmiedel, 1. c. 

129 s. V. ^iXu; Crönert, 1. c. 223. 

3) 139,3 (0, lonierbeschluß im Panionion, dial., v. 335) steht a^Covtwfv; 
Hoffmann, III 56, läßt die Frage offen, ob hier Eest der alten Orthographie 
= 01; oder Versehen des Abschreibers vorliegt. Vgl. Blaß, Ausspr. d. 
Gr. 3 31, Dienstbaeh, I. c. 66 § 20. 

4) Vgl. Thackeray, 1. c. 244, 4. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 129 

sich dann, von den nordwestgriechischen Dialekten ausgehend, in 
der /.oLvy weiter ausgebreitet, vgl. Hatzidakis, 1. c. 128, Kretschmer, 
Entstehung d. ytocvri 14 f. 

Von ol'oinai kommen nur die längeren Formen vor, olfxat fehlt. 

Die Verba auf -avct) sind vertreten durch {vrto)-%(x^ß(xvo), Im- 
Xav^dvü), Tvyxdvco; Xi^Tvdvio kommt nicht vor, nur XeItcoj und 
Komposita; für av^dvio steht, wie in Pergamon und Magnesia, das 
attische av^io : av^ovzog 132, 3 (0, 2. od. 1. Jhdt.?). TtgoasTtav^ov- 
Tog 107, 21 (0, um 130?), und fremd: ovvE7t[aü]^€iv 4b, s (0, Athen, 
2. Jhdt.). Von larrj/nt nach den Verben auf -avo) gebildet ist das 
erst in der xotvjj begegnende lardvo), in Priene nur durch xa^ta- 
rdve[iv 118, 27 (0, 1. Jhdt.) vertreten; den ältesten inschriftlichen 
Beleg bietet Magnesia, vgl. Nachmanson, 1. c. 157. 

Von Verben auf -oy.co erscheinen öfters Formen von yiviuO'/.co ^), 
sowie BVQiayLOfxev 37, 121 (0, dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.); 111, 10 
(0, Anf. 1. Jhdt.) steht 7tdG%SLv. 

Es kommt nur d^tXn) vor, die ältere Form sd^eXo) fehlt. In 
Attika ist ü^elco erst in der 2. Hälfte des 3. Jhdts. inschriftlich 
belegt, an anderen Orten aber schon früh zur Alleinherrschaft ge- 
langt (Meisterh.-Schw., 1. c. 178, 23). 

Auf der Tonscheibe 317 stehen die ganz vulgären Formen 
ßivofxlvrj (für ßivov/^tvr^v verschrieben) und y.eXriTitoaag (für y.£lrjtl- 
L,ovGav) (nur eingeritzt). Zur Schreibung für ov vgl. Mayser, 
1. c. 116, § 18, a) und Note 2), sie ist in den attischen Defixionen 
sehr häufig, vgl. Schwyzer, Vulgärspr. d. att. Fluchtafeln, N. Jahrb. 
f. d. klass. Altert. V, 248, der Reste alter Orthographie darin sieht. 
Mayser verwirft mit Recht Nachmansons Annahme (1. c. 61, Anm. 1) 
eines Ausweichens der Kontrakta in die Flexion der unkontrahierten 
Verba; auch muß dann für die zahlreichen, nicht hierher gehörigen 
Belege eine andere Erklärung aufgestellt werden, obwohl in all 
diesen Fällen doch offenbar dieselbe Erscheinung vorliegt; vgl. noch 
Schwyzer, Berl. philol. Wochenschr. 1904 Sp. 534. Dienstbach, 1. c. 
66, § 20, führt das zweite der genannten Worte nicht an, und 
spricht sich, wegen der Seltenheit der umgekehrten Schreibung ov 
für in Priene, gegen Maysers Annahme einer geschlossenen Aus- 
sprache des aus. Da die meisten prienischen Beispiele im Aus- 
laut für ov zeigen, so kann er wohl recht haben, wenn er meint, 
„ut claudentis diphthongi correptior fuerit in cotidiano Prienensium 

1) Über yiyvwaxa ~ ytvtüaxa vgl. Dienstbach, 1. c. 77 ; das Verbiim hat 
niemals in Priene 1 TTQoaysyQufxfiivov, vgl. Kühner-Bl., IL 589, Nachtrag zu 
391, Z. 3. 

Glotta VI, 2. 9 



130 Therese Stein 

sermone pronuntiatio"; doch ist damit für den Inlaut nichts gesagt. 
Wegen des fehlenden v am Schluß (ßivofX£vr]{v)) vgl. Dienstbach, 
88, a); vielleicht ist auch Platzmangel die Veranlassung gewesen; 
in /.sXriTilooag ist das v wohl wegen des ersten ff in g verschrieben. 

b) Verba auf -f.ii. 

Von den Verben auf -wj-il ist nur der/.vvi.ii belegt: ccTtodsiy-vv- 
IxEvoi 4, 41 (0, frühest. 332/31). EvöeUwrai 26, 5 (0, 3. Jhdt.), und 
fremd: /taQaöerKvvvTag 37, 155 (0, Rhodos, dial., Anf. 2. Jhdt.). 
Thematisch gebildete Formen i) (von der/.vbio, nach Hatzidakis, 
Einl. 289 f., Übertragung aus dem Konjunktiv) kommen nur in 37 
vor: dsiyivvsiv 102, sowie k7tedeiy.vvov und nagedsrnwov, vgl. die 
Belege oben § 14, 1) a). Maysers Beobachtung, daß im Aktivum die 
thematischen, im Medium die themavokallosen Formen herrschen, 
scheint auch, soweit das geringe Material überhaupt einen Schluß 
zuläßt, hier zu gelten; ausgenommen ist nur das Partizip 37, 155^). 

Bis auf das oben erwähnte lozävio sind keine Analogiebildungen 
auf -CO zu -|Ut- Verben in Priene nachweisbar; es sind durchwegs 
die alten Formen erhalten u. zw. kommen häufig vor (im Simplex 
und Kompositum): TiS^iqi.iL, lOTa/naL [lOTTjf^i), öiöw^i, /.eifiai, ij^ai 
(nur 'jiad^rjod^at 174, 14 (0, noch 2. Jhdt.)), dvvai-iai, q)iqf.ii^), ei/xi 
u. zw.: eiolvai 205 (P, schwerlich 3. Jhdt.), (eine Analogiebildung 
zu den schwachen Formen; einen weitereu Beleg bietet die perga- 
menische Inschrift, Athen. Mitteilungen 32, 294, Z. 14). rtaQiovaav 
216 (P, christlich). 7ts[Qi]\6vTos 108, m. TtsQiovaav 111, 32 (0, 
Anf. 1. Jhdt), und fremd: d/ri6vTog 42, 1. 3 (0, unbek. Stadt, n. 
133). Die Belege sind zahlreicher als in Magnesia, während Per- 
gamon ziemlich viele aufweist: eif^L kam später außer Gebrauch 
und wurde durch SQxo(.iai ersetzt. Aus der Menge der Formen von 
eiixl sind hervorzuheben: eozwaav 12, 12 (0, bald n. 300) '^) und in 
fremden Inschriften: sl'i.isiv 37, 123. 157. 162. lea und etf-iev 38, t (0, 
dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.)5). 

Von Partizipialformen zu slf-ii erscheinen: a) ewv: i6vT[i] 2, e 

1) Vgl. Veitcli, 1. c. 172 ff., für die frühesten Beispiele aus der Literatur. 

2) Vgl. Moeris 194: ösixvvai TiQonsQtaTKOfx^vws Idxrixoi, SsLxvvovan' 
"EXlijvfs • Sfixvvaai Sk Ol äevTSQoi 'Arrixoi. 

3) Das Partizip (fäaxwv fehlt wie in Pergamon (Schweizer, 1. c. 177). 
In Magnesia (Nachraanson 157) und den Papyri (Mayser 413) erscheinen 
beide Formen nebeneinander. 

4) Begegnet in Attika seit 200. 

5) iiy.€iv ist die spez. rhodische Form des Infinitivs, si/uev die in an- 
deren dorischen Städten gebräuchliche, vgl. Thumb, Hdb. d. gr. Dial. 77, 8. 
144, 9. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 131 

(0, Sommer 334). £oV[ra 3, 5 (0, 334/3 od. bald nachher), iovztov 
3,4, und ergänzt fcdi'jTWj' 2, 4; fremd: eoWeg 37, 75. b) cov: wV6, 7 
(0, nicht V. 330/29). ovtl 99, 9 (0, um 100). ovtojv 4, 4 (0, frühest. 
332/1). ovT(ü[v ö, 4. ovTüJv 7, 4 (ebenso), ovrag 8, s (0, frühest. 
328/27). Im milesisch- prienischen Vertrag steht ovreg 28, 30 (0, 
bald nach 200). i[v6v\\Tiüv 108, 102 (0, n. 129). av]v/taQ6vTog 
111,127 (0, Anf. l.Jhdt.); fremd: Övra 380, 1 (P, metr. Grabschrift 
eines Messeniers, 3. Jhdt.). ovrag 37, 120. ov\[a]tdv 59, 2 (0, Lao- 
dikeia, um 200). Die Inschriften 2 und 3, in denen allein die 
ionischen Formen vorkommen, zeigen auch sonst noch dialektische 
Färbung, vgl. Dienstbach, 1. c. 14. Etwa um 320 ist der Prozeß 
des Ersatzes von ecov durch cov in Priene abgeschlossen 1). In der 
rhodischen Inschrift 37 (0, Anf. 2. Jhdt.) stehen beide Formen 
nebeneinander, die dialektische und die xotvrJ-Form. 

Nur in Nr. 1 (0, Brief Alex. d. Gr., n. Mai 334) finden sich 
Formen von ir^fAt : a(firi(.u 1, 14 und ganz unsicher e (pi[tji.ii'^ 1, 15 
<I|<DII[. . . .]). 

§ 17. Futurum. 

Das attische Futurum haben bewahrt: dy.QaxiCco^) : dyiQUTielv 
113, 41 (0, n. 84); öeinvi^o) : dsinvieiv 113, 42; if-icpaviCo} : i/u(pavi- 
cvOL 14,11 (0, um 286), (aber fremd: s(.iq}avLOBL .59,2 9 (0, Lao- 
dikeia, um 200)); xaQiCo^icn : xaqLovvzai 68, u (0, Samothrake, 
wohl noch 2. Jhdt.). Ein sigmatisches Futurum erscheint also, 
relativ früh, nur in einer fremden Inschrift. Futura der Verba 
auf -a'Coi sind nicht belegt. 

Die kurzvokalischen Verba auf -ew {-ato fehlt) sind vertreten 
durch GvvTeUw : awrelel 201, 7 (0, um 200). ovvtsXe\1 202, 7 
(sicher ergänzt) (0, um 200), aber sigmatisch: ovvTel[ea]eL 195, u. 
üvvTsXiaovTa 195, 21 (0, um 200). Nur in fremden Inschriften 
kommen, ausschließlich sigmatisch gebildete, Futura von Ttaqa/.akko 
vor: 7taQaY.aUoei 59, 29 (0, Laodikeia, um 200). 50, 33 (0, Ery- 
thrai, etwa 160). 7i{aQa\\\Y.al]iGei 60, 21 (0, äol. Stadt, dial. um 135). 
naga/ialiGovaiv 47, 23 (0, Bargylia, um 200). 53, 32 (0, lasos, 
2. Jhdt.). iT[aQa]/MX[eo]ovaiv 54, 28 (ebenso). Die sigmatischen 
Formen wurden später allgemein, weil sie die Verwechslung mit 
dem Präsens unmöglich machten. 

1) Vgl. Smyth, lonic 590 f. § 710, jetzt auch Handel, 1. c. 60 f. 

2) Gebräuchlich ist sonst nur das Med. (das Akt. , nach Stephanus- 
Dindorf, in den Glossen); zum Ersatz med. Formen durch aktive vgl. Hatzi- 
dakis, 1. c. 197 f., Radermacher, Neutest. Gramm. 65. 

9* 



132 Therese Stein 

Erhalten ist das kontrahierte Futur der Verba liquida: Actza- 
ßa'ket 174, 30 (0, noch 2. Jhdt.), und fremd: dvayyelei 63, n (0, 
Parion, um 200), sowie die dialektischen Formen: yigivovvzi 37, 12 
und aTtocfavovvrai 37, 13 (0, dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.). 

Zu ^6Q(o erscheint a7t[o]i[oovTag 5, n (0, kurz v. 326/25; die 
Ergänzung dürfte sicher sein). 

Von txco kommt nur s^to vor (nicht oxriaio), ebenso wie in den 
attischen Inschriften^), in Pergamon und in Magnesia: Tcagil^et 
202, 15 (0, etwa um 200). nage^STac 174, 10 (0, noch 2. Jhdt.), 
und fremd: TtaQt^eod^ai 105, 26 (0, Einführung d. asiau. Kalenders, 
c. 9); axrjoio fehlt auch bei den LXX und im N. T. 

Ein mediales Futur ist belegt zu elj-ti und laixßcvco (nur Irnl^iSTat, 
174, 8 (0, noch 2. Jhdt.). 195, 25 (0, um 200)). Die vom passiven 
Aoriststamm gebildeten Futura werden weiter unten mit den be- 
treffenden Aoristen zusammen behandelt werden. 

§ 18. Perfekt. 

Von Bildungen des x-Perfekts ist zunächst die Form 7tQos]aTSL- 
Tieiav 118, 3 (0, 1. Jhdt.) zu erwähnen; sie ist wohl (wenn nicht 
einfach rein graphische Antizipation des el der Endung vorliegt) 
Analogiebildung zu reS^eiÄa (zu dieser Form vgl. zuletzt Mayser, 
370, § 77, 1, a) mit Literatur). An eine lauthche Erklärung ist 
nicht zu denken. Die Schreibung st für rj vor Konsonant kommt 
in dorischen Inschriften öfters vor, ist aber in der y.oivr], so lange 
7j noch nicht = l geworden war, außerordentlich selten. Einige Be- 
lege aus den ptol. Papyri stehen bei Mayser, 1. c. 77 ff., z. B. xaTaaret- 
oai (130 V. Chr.), doch scheinen auch diese nicht sicher zu sein,^ 
denn Crönert, 1. c. 25, macht darauf aufmerksam, daß rj und el 
einander palaeographisch in manchen Handschriften sehr ähnlich 
sind, und Mayser erklärt selbst eine Entscheidung in manchen 
Fällen für unmöglich. Zur Endung -eiav vgl. oben § 11. Im 
prienisch-milesischen Vertrag 28, 34 (0, bald n. 200) steht heoTTj- 
xoreg; das transitive tOTav.a fehlt, didioixi ist durch dsd(.6y.aoLv 
202, 8 (0, etwa um 200) vertreten. Formen von Ti&r^f.ii kommen 
nicht vor. Von l'xw erscheint 6'(JXJ^)t[wg 108, 20 (0, n. 129). 

Den kurzen Vokal behalten die Kontrakta auf -eo) u. zw. er- 
scheinen Perfekta von alvico und tsIsco. 

In der rhodischen Inschrift 37, 129 (0, dial., Anf. 2. Jhdt.) 
steht der dorische, nach dem Muster des Präsens gebildete Infinitiv 
a f.iqi€o\ßaT^y.eiv. 

1) Moeris 188 und 207 bezeichnet ax'jooj ausdrücklich als attisch. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 133 

Von alten Wurzelperfekten sind noch erhalten (als Simplex 
und Kompositum) yeyova^), olöa, sX-ijlvd^a, XiXoiTta, ni(priva; in 
37, 72 steht von Tticpevya: av(.i7tEcp[e.v\y6zeq. 

Das starke Perf. von lazrji^u ist vertreten durch: xa^ejaravat 
108,61. Aad^eöTavai, 108, loo- ivEöt[6jTa 114,29. sveaTtÖTog 18, 13 
(0, etwa 270/262). sveata)Ga[v 82, 21 (0, um 200). neQi]€aTioTa 
108, 142. 7rQ0£0Ttüa[T]i] 46, 21 (0, um 100). o]vveGrwT(jov 124, e (0, 
1. Jhdt); fremd: sveGTu'g 105, 73 (0, c. 9). Diese Formen, In- 
finitiv und Partizip, sind also in Priene viel häufiger als die x-Bil- 
dungen, wie auch sonst meist in der holvi]; auf attischen Steinen 
sind seit 400 nur x-Formen belegt, Thackeray, 1. c. 252 f. 7, hat 
festgestellt, daß in den LXX das Verhältnis von -Kojg : -wg = 95 : 51 
ist; in den Papyri stehen in der Bedeutung „gegenwärtig" beide 
Formen nebeneinander, sonst, mit wenigen Ausnahmen, nur solche 
mit X (Mayser, 1. c. 371 u. Note 1)). Attika und Ägypten, in 
denen die x-Formen fast allein herrschen, stehen hier der übrigen 
^oiv)] mit der umgekehrten Erscheinung gegenüber, während die 
LXX eine vermittelnde Stellung einnehmen. 

Das aspirierte Perf. ist noch erhalten in dem unsicheren xa- 
zay7][ox€v 14, e (0, um 286) (vgl. oben § 15), und in Formen 
von yeyQacpa, deöeixa, uliqcpa, T^lla^a, xkxata und xhEvya. : [vi\- 
TEvxsv 119, 19 (0, Anf. 1. Jhdt.). TEzevxevat, 108, 237 (0, n. 129); 
diese Form hat Phrynichus 395 (Lob.) verworfen, attisch ist te- 
xvyri^a. 

Das Impf, zum präsentischen Perf. avwya erscheint in 196, 5 
(P, metr., um 350): ^vtoyov^). f'xw und Komposita haben in Priene 
stets präsentische Flexion. 

Im mediopassiven Perf. erscheinen Formen von: yeyQafxf.iai, 
Sidsyi-iaL, dideiy^ai, ösdoyi-tat., £V7]V€yfxaij saraXinai, soTQafxi.iai, i]l- 
Iccyi-iai, rjyy£Xi.iaL, ^Qy^iai, 7ts7tQay{.iaL, rhayfxai, Ted^Qa/xf-iai. Von 
Verben auf -aCio, -iCm kommen vor: dyoQcc^co, ay,evd^co, aQWfnati^a), 
ed^iCoi, liieQitü), OQi'Coi, xtaQitw, oft ip7j(piCoi^ai: sip-^q)iOT[aL] 18, 22 
(0, etwa 270/262) steht in medialer Bedeutung, vgl. Meisterh.- 
Schw., 1. c. 194, 16; in 50, 9 (0, Erythrai, etwa 160) steht hv-exei- 
Qioi.tivvig. Für eine Übertragung des o dieser Verba auf andere, 
wie sie später nicht selten ist, bietet Priene noch kein Beispiel. 
Von Qtovvv/xi ist, abgesehen von s^Qioad^e und i^QÜSad-ai, die hier 

1) Hervorzuheben ist ysycug, 268, b, 4 (P, metr. dor., 2. Jhdt.), das nach 
ioTws gebildet ist; vgl. Kiihner-Bl. IL 238, § 318 a), Meyer, Griech. Gramm.» 
€33, § 553 Anm. 1. 

2) Vgl. zur Etymologie zuletzt Solmsen, K. Z. 39, 218 ff. 



134 Therese Stein 

nicht in Betracht kommen, nur s^qioxm belegt, 14, lo (0, um 286). 
Zu yivojuai erscheint yEyevr^fxaviov 5, 21 (0, kurz v. 326/5), im At- 
tischen seit 376 nachweisbar (Meisterh.-Schw. , 1. c. 192f. 9)), zu 
txia TtaQEOxr^Tcci 4, 10 (0, frühest. 332/31). 46, 4 (0, um 100). 114,7 
(0, n. 84), zu Xiyco öfters ei'Qi]fxai (fremd auch einmal elQrf/.6xag 
37, 154 (0, dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.)). 

Die Verba auf -^u sind vertreten durch: 'iOTt]i.ii : v.ad-eoTauiviov 
109, 176 (0, um 120). vqjEOTtt^iivog 108, 47 (0, n. 129); %a : avelrat 
112,115 (0, n. 84). TtQosixcti 114,8 (0, n. 84); didoj(.u : öedood-at 
11 mal in einheimischen und 4 mal in fremden Inschriften, und das 
Partizip dedof.iEv- 4 mal in einheimischen und 2 mal in fremden In- 
schriften; an Kompositis sind belegt: l>'[(J]£[(5]o(7[;9-af Ui, leo (0, 
Anf. 1. Jhdt.). TtQodEÖo/xii'tüv 107, 17 (0, um 130?). Formen von 
lid^EiixaL fehlen wie auf den attischen Inschriften und in Perga- 
mon, in Magnesia kommt ein Fall vor (Nachmanson, 1. c. 162); 
die ältesten Beispiele stammen aus Smyrna (3. Jhdt., vgl. Meisterh.- 
Schw., 188, e). 

§ 19. Aorist (Aktivum und Medium). 

a) Sigmatischer Aorist. 

Den kurzen Vokal bewahren: alveio, -/.aXeo), 01xvvf.11 undTelito; 
ebenso regelmäßig haben novlio und aTE(pavi](poQEco ihren langen 
Vokal erhalten. 

Auch die Verba hquida sind nicht anders gebildet als im At- 
tischen; es erscheinen Formen von dvayyEilai, agat, yEQccQai, -/.Xlvai, 
ÄQlvai, fislvai, vElfiai, GTEilai, (pr^vaad^aL, und fremd dia(fO-t{i)Qac 
(Rhodos, Anf. 2. Jhdt.). 

Die Verba auf -tw bilden den Aorist immer auf -oa, die En- 
dung -^a fehlt noch; vertreten sind ayogccUo)^), ßiduofiai, dr/MLWy 
öiTtlaoia'Co), doMfx(xLtü, Ey/Mf-iLato), OKEväuio, TQOxätco (und nicht 
sicher von svExvQaCo): EV€xvQd[oai 203, n (0, wohl Anf. 2. Jhdt.)), 
ferner: aycoviCof-iai, docpaHL.oiJ.ai, davEiCof.iai, öeiTtviUoj, doyuaTi'Co), 
^rjoavQiCco, -/.ofd^ofiaL, loyi'Cof.iai, OQitio^), (pqovTiuo, yEiQiL.10, ipiq- 
^iCofxaL, acuito). Nur in fremden Inschriften kommen vor: dvay- 
xaCw, aQTtdto), eroif^dCco, oImCco, (paviCu), dQ^iÖLoj^). 

i) ayoQÜaTji 174, 28 (0, noch 2. Jhdt.) in der Bedeutung „kaufen", vgl. 
Nachmanson 1. c. 163, 3). 

2) In 37, ,07 (0, Ehodos, dial., Anf. 2. Jhdt.l hat Hiller das von 
Chandler und Le Bas gelesene oQC'^aa&ca aufgenommen, wo Hicks oQiaua&at 
gelesen hatte; Z. 108 steht natürlich auch öiwQi'^avro. 

3) Dies und nicht äp^oirw ist wohl als Präsens anzusetzen, vgl. zu- 
letzt Lautensach, Aoriste 190 f. 10, auch Mayser, 1. c. 350 mit Literatur. 



Zur Formenlelire der prienischen Inschriften 135 

b) Asigmatischer Aorist. 

17 thematische Stämme sind belegt (auch als Komposita): 
ayayelv, ßalead^ai, ysvtad^ai, EiTteiv, tlslv-fXia&ai, sXd^eiv, ersyAslv- 
iveyyJod^ai, svQslv-evQtad^ai, Idelv, i/iiod^ai, laßelv-Xaßiad^ai, Xaxeiv, 
liTteiv (nur -/m] TaXi[rt- 108, 205 (0, n. 129) und fremd [xaraJ<]t- 
TtovTsg 42, 41 (0, unbek. Stadt, n. 133)), Ttad-slv, Tceoeiv-Tteotod^ai 
{7tQ0G!ieoio[d^fiii 17, 7 (0, bald n. 278) ist ein sehr früher Beleg 
für das seltene Medium, vgl. Schmidt, De Josephi eloc. 462 § 18: 
dLEY.7tEo6(XBvoi, Mayser 1. c. 386, b): ava7iLTcvof.iaL (160 v. Chr.); 
Veitch, Greek Verbs irregulär and defective 540, führt aus Polyaen. 
4, 2, 14. 7, 48 die^ETteoavTO an, „late also and rare". Nach 
Hatzidakis, Einl. 199, sollte die passive Bedeutung auch in der 
Form ausgedrückt werden; in diesem Falle wird wohl auch das 
Futur Tieoov^ai mitgewirkt haben), oxelv-oxEod^ai, tv^eiv; nur 
fremd d^avslv (metr.) und cpvysiv. Die Formen sind alle regel- 
mäßig gebildet. 

Von athematischen Aoristen erscheinen 7: ahovai, ßrjvai, 
yvwvai, öovvai, ^bIvul - d^io&ai, Jtgiaod^ai ^), OTrjvaL ^) und nur 
fremd eivai-f-od^ai (die meisten auch als Komposita). 

Die Belege für den z-Aorist führe ich vollzählig an: öidtoi-a: 
eötüKls 108, 45. Biü/.Ev 108, 58 (0, n. 129). 112, 92 (0, n. 84). Idio- 
'/.av 13, 1 (0, 3. Jhdt.). 53, 57 (0, 2. Jhdt.) (Hicks las dadtoYMv). 
120, 19 (0, Auf. 1. Jhdt.). ciTteöw^E 4, 52 (0, frühest. 327/26). 
d7riöa)y{,a[v 81, s (0, um 200). ÖLedw/.Ev 109, 218 (0, um 120). 
eft£Öioy.E 114, 12 (0, n. 84). /.lEvedcoytE 112, 99. f.iETeda)Y.Ev 112, 86. 
113, 82 (0, n. 84). TtaQEÖwKE 21, 14. TiagidcoAEv 22, 10. TtaQedo) \^/^v 
22,6 (0, etwa 270/262); fremd: e](Jwxa 106,7 (0, Brief od. Erlaß 
eines Procos.? 56—50?). eöcdI^/iev 105, 7 (0, Einführung d. asian. 
Kalenders, c. 9). eöm/miiev 37, 29 (0, dial, Rhodos, Anf. 2. Jhdt.). 
uragidco/Mv 64, 10 (0, Phokaia, um 190). — irn^ii: ftgo^/MZO 108, 107 
(0, n. 129). — TiS^rjfxi: e'd^rjyiEv 112, eo. 113, 28- E&rf/.E 112, 95. 
I'^i^fxfijjv 112, 109. avEd^rjAE 156, 207 (0, nach 334). a\vEd-Yi'AEv 112, 82. 
«»/[/]!%/« 208, 5 (P, frühest. 1. Jhdt.). avEi^rfAE 211 (P, „gute 
Schrift"); fremd: E^rfAa(XEv in 37 (0, dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.) 
6mal, in 42 (0, unbek. Stadt, n. 133) (teilweise ergänzt) auch 
6mal. v7tEQ]\Ed-ri-AEv 105, 38- V7tid^ri'/.E 55, 31 (0, Ionischer Bund, 
frühest. 128/27). 

1) Vgl. hiezu Schweizer, Gramm, d. perg. Inschr. 180, 4, Thackeray, 
1. c. 283, Lautensach, Aoriste 32, und oben zu dyoqciCtJi. 

2) Sehr häufig sind die Formen des Aor. I, alle transitiv; Verwechs- 
lungen zwischen sigmatischem und asigmatischem Aor. kommen nicht vor. 



136 Therese Stein 

Auch der x-Aor. wurde später durch den sigmatischen ver- 
drängt, ebenso wie der Aor. II. Zu dem sehr seltenen Medium 
TiQoiqy^axo vgl. Veitch, 1. c. 330 f., auch Kühner-Bl., II, 196 f. § 283, 
I, 2; zu X im Plural Veitch, 1. c. 189, 634f., Schmidt, De Josephi 
eloc. 479 f., Schmid, Atticismus III 38. IV 32. 596, Dieterich, 1. c. 
220 (für dLdcofj.c), Reinhold, 1. c. 89 (nur x- Formen), Helbing, 
Gramm, d. LXX, 94 f. e) mit weiteren Beispielen, Thackeray, 1. c. 
255, 10, Robertson-Stocks, Gramm, d. neutest. Griech. 60. 

Der Ersatz des asigmatischen Aor. durch den sigmatischen 
kann auf zweierlei Art erfolgen : Entweder erhält der starke Stamm 
die schwachen Endungen oder er wird überhaupt durch den 
schwachen ersetzt. Für den ersten Fall kommt in Priene nur ein 
Beispiel vor: TtQoeiXavTO 108, 99 (0, n. 129). Nach Wackernagel, 
Verm. Beitr. 48 (dem auch Nachmanson, 1. c. 166, 5, Note 2, bei- 
pflichtet), hat der s-lose Aorist der Verba liquida das Muster für 
diese Bildungen geliefert. Die zweite Möglichkeit zeigt s'yiavae 
112, 97 (0, n. 84), der (in Priene allein vorkommende) jüngere 
Aor. von xa/w. Zu Ißiayv erscheint, von eßlcoaa gebildet, das 
Partizip ßiomaoai (Nom. sg.) 311 (P, undatierte Grabschrift einer 
Samierin); das sonst häufige luijoa fehlt 1). Von dem zu olöa ge- 
bildeten Aor. el'öiqoa treten in Priene nur in fremden Inschriften 
Formen auf, u. zw.: sldrjar] 61, 23 (0, Magnesia, v. 200). eld^am 
59, 27 (0, Laodikeia, um 200). eldr^ocoai 57, n (0, Kolophon, 
3. Jhdt.). sldriGojGLv 68, e (0, Samothrake, um 100); vgl. die bei 
Schweizer, Perg. Inschr. 185, erwähnte Inschrift von Bargylia (Ditt. 
Syll.2 216, 42): eldtjaT^i. 

§ 20. Passiv-Aorist (und -Futurum). 

a) Bildungen auf -d^tjv. 

Den kurzen Vokal haben aived^^vao und aige^ijvai (und Kom- 
posita) bewahrt, -a^- hat TElea^ijvat {xEXsod^iqaeod^ai); zu cpiQOJ ist 
belegt: Ttgooevex^sig 112, le (0, n. 84). 7iQ0oevexd-üg 115, s (0, 
1. Jhdt.), nie mit eingeschobenem Nasal; ebenso zu lafxßdvcD: y,a~ 
zoXri(pd^ij[i 28, 48 (0, Vertrag zw. Milet u. Priene, bald n. 200). 
(Formen mit Nasal fehlen auch im Fut. med., vgl. oben § 17). 
Von jUf-Verben erscheint nur (sehr oft) zsÜ^ijvai {Tsd-iqGeod-ai), ohne 
Übertragung der Aspiration, die übrigens auch in Pergamon, Mag- 
nesia und den ptol. Papyri nicht nachweisbar ist. 

1) Vgl. Thackeray, 1. c. 211 und 234 (nur ißCoiau, nicht ißim>, doch ist 
«f?j(Ta viel häufiger). Veitch, 1. c. 133, bringt aus der Literatur Beispiele 
seit Herodot. 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 137 

yivo^ai (oft) und euiixelovfiai (stets) haben den medialen 
Aor. durch den passiven ersetzt, doch sind bei ylvofxai die medialen 
Formen bedeutend häufiger; die passiven stehen nur an folgenden 
Stellen: lysvriihrj 118, n (0, 1, Jhdt.). yevri&elg 108, 52 (0, n. 129). 
109, 184 (0, um 120). 114, 15. 19 (0, n. 84). y€vr}d-E['ioav 109, 56. 
^agayevr^&evTog 108, 223; daneben finden sich auf prienischen In- 
schriften vom medialen Aor. 5 finite Formen, 7 Infinitive und 29 
Partizipialformen , auf fremden 5 finite Formen, 3 Infinitive und 
17 Partizipien; hiezu kommen noch eine unsichere finite und eine 
solche Partizipialform; die Partizipia sind oft mit öid und ftagä 
zusammengesetzt. 

Nur in fremden Inschriften erscheint der Passiv- Aorist von 
auoyiQivouaL: d7toy.Qi\[d-f] 40, e (S. C, v. 136). a7toy,Qi]d-ijvaL 41, lo 
(S. C, 135), der früheste bisher bekannte Beleg für diesen Infini- 
tiv; Priene hat drcoy.oivaGd'ai. 

Weitere Passiv -Aoriste zu Deponentien sind: 1) Vokalische 
Stämme: övvij^rjvat (die Belege stehen schon oben § 15, a), dvva- 
ad-ijvuL fehlt), und in fremden Inschriften: TtOQEvd^ijvai: TroQevd^avveg 
42, 64 (0, unbek. Stadt, n. 133). TraguTz [oqsv] [d^ivTsg 42, es (ganz 
unsicher), und TtQovoiqd-fjvaL (?): nQOvorid-rii 27, 12 (0, Brief eines 
Herrschers? mit Schiedsspruch d. Smyrnäer, bald n. 200). uqovo- 
i^&rjiuev 75, 7 (0, dial., dorische Stadt, 2. Jhdt.), vielleicht auch 
avfißovXevd^fjvai: ovv€]ßoi?^e[vd^ri]aav? 42, 7. 2) Konsonantische 
Stämme: ßovlrid^rvai: ßovXrjd^elg 112, 84. 97. ßovkyd-ävlv'^^tov 113, 13 
(0, n. 84); fremd: rjßovh'd^rioav 27, 14 (0, Brief eines Herrschers? 
etc., bald n. 200). Von loyi^o/nat kommt in passiver Bedeutung 
Xoyiad^evza (Ligatur) vor, 246, 9 (0, 3. Jhdt. n. Chr.); gleichfalls 
passive Bedeutung hat diEipt]q>iad^ri 57, 20 (0, Kolophon, 3. Jhdt). 

Der Vollständigkeit halber seien auch die übrigen -,9-?^- Bil- 
dungen angeführt: 1) Vokahsche Stämme: dvayoQSvd-rjvaL^), öo- 
d-^vai, d^avaTwd^r^vai, '/.IriQioS^rjvai, Xv^ijvai, voriS-^vai, OQad-r^vai 
(d)Qd9[ri 1^^' 69 (0, n. 84), seltenere -äolv^ -Yorm für ocp-d-r^vai), 
6(pd^T]vaL (29, 2 (0, noch 3. Jhdt.) hält Hiller wqp^rjcr[ay für ge- 
sichert, während Prott wiijS^iq gelesen hat), arad-TJvai {azad^tjaead^ai), 
aTeq)ano^r^vai, vTtvtod-ijvai (nur vrcvtad^eig 196, 1 (P, metrisch, um 
350)), x^iQOTOvrid-TJvai. 2) Mit Metathesis: yclrid^rjvai. Nur fremd 
sind: d^iiod^rjvai, yswrj&rjvai, vecod^rivai, 7toXiOQy.rjd^rjVai, ziurid^ijvaL. 



1) Tritt an die Stelle von älterem uvuQQTjS^^vai, vgl. Lautensach, Ver- 
balflex. d. att. Inschr. 14, Meisterh.-Schw., 1. c. 187, § 72, 4; der älteste 
attische Beleg ist aus d. Jahr 307; vgl. auch Lautensach, Aoriste 300. 



138 Therese Stein 

3) Konsonantische Stämme: avSr]d-rjvai, axd^fjvat {ayßTqGEad-ai), da- 
vsiai^r^vat, dsL^d^r^vai {öeix^ijasod^cci), AQid^r^vai {/.Qid^ijaea&ai), vo- 
f-iLoi^rivaL, TteiaS^ijvai, nef.i(p9^rjvai, Ttgax^^vai, o/,svaad^rjvai, aco- 
d^r^vai, xQW^^'^^^^i^^'^' ^^icht zu ergänzen ist . . . Xr^d-tvTog 108,82 
(0, n. 129). Nur in fremden Inschriften treten auf: y.olaq)d-^vai, 
y.Of^uod^rjvai, /«(»a/^/^j^öf, yßLQiod^fjvai. 

b) Bildungen auf -rjv. 

alXayrjvai; ygacprjvai (für avayqacpriTto steht in 71, 28 (0, thes- 
salisch? 2. Jhdt.) avaygaipdTco, wahrscheinlich ein Fehler des Stein- 
metzen; die Inschrift weist auch sonst noch Fehler auf); dia?.EyrjvaL: 
öieltyriL 44, 7 (0, 2. Jhdt). dieXiyrjoav 53, 62. 54, 57 (0, 2. Jhdt.); 
fremd: 15, s (0, Brief des Lysimachos, um 286) (in aktiver Be- 
deutung). (Die -^rj -Bildungen sind attisch; in der /.ocvrj kommen 
beide Formen nebeneinander vor, einer allgemeinen Tendenz fol- 
gend ist aber, mit wenigen Ausnahmen, der Aor. II bestrebt, sein 
Gebiet zu erweitern. In Pergamon und Magnesia findet sich auch 
noch der Aor. I, in den LXX stehen neben einem auf -r^v 4 auf 
-d^iqv (Thackeray, 1. c. 237); dagegen fehlt er in Priene, den ptol. 
Papyri und dem N. T.); Ttaytjvai, aTa?.rjvai, OTQacprjvai, xayrjvai 
(-5^tj-Formen fehlen; Thackeray, 1. c. 237 hat nur 3 Part, mit -t^-ij, 
sonst nur -•»^); (pd^aqijvai. 

dvayyel'kio hat in Priene stets avayyelyivai, doch erscheint in 
fremden Inschriften daneben der Aor. I. — avayyElr^vai : avayyeXioöiv 
53, 58 (0, 2. Jhdt.) und vielleicht auch avayyeX\ojoiv 54, 54 (0, 
2. Jhdt.); fremd: a\\vayyelü)öiv 58, 5 (0, Kolophon, 3. Jhdt.). — 
dvayyeld^ijrai : avayysli^töaiv 53, 33 (0, lasos, 2. Jhdt.). 54, 30 
(ebenso). Wie bei diaXeyrjvai und Tayrjvai bevorzugt Priene auch 
hier den Aor. II; bemerkenswert ist, daß in 53 im iasischen Teil 
der schwache Aor. steht, aber im prienischen der starke, in genau 
derselben Verbindung: arecpavoi avayy6l{d^)cüaLv. 



Die -/.OLvi] ist in Priene sehr früh an die Stelle des Dialekts 
getreten (der Dual fehlt vollständig), und Dienstbach, 1. c. 14, hat 
dies mit Recht durch den infolge des Bündnisses mit Athen ent- 
standenen attischen Einfluß erklärt. Welch hohes Ansehen Athen, 
auch nachdem es schon lange für Priene bedeutungslos geworden 
war, genoß, zeigen die Inschriften 109 (um 120), wo (in sicherer 
Ergänzung) Athen als Metropolis genannt wird, und 113 (u. 84), 
wo es in einer Aufzählung von Städten an erster Stelle steht. Er- 
innert sei hier auch noch an die von athenischen Münzen über- 
nommene Eule auf dem Ziegelstempel 354, 32. Daß dieser Einfluß 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 139 

jahrhundertelang fortgewirkt haben muß, geht auch deutlich aus 
der Entwicklung der Formen hervor ; die Abweichungen vom Attischen 
sind relativ gering und beschränken sich hauptsächlich auf die 
Flexion der Noraina auf -evg, der s-Stämme, der Numeralia, des 
Imperativs und des Passiv-Aorists; mehrere Neubildungen erscheinen 
nur in fremden Inschriften, 

Vergleicht man damit die Formen von Pergamon und Mag- 
nesia, so läßt sich sagen, daß Priene den Inschriften der (atti- 
zistischen) kgl. Kanzlei näher steht als den magnetischen. Die Be- 
ziehungen zu Pergamon werden illustriert durch die Tatsache, daß 
Priene das Pergament, dessen Erfindung in die Regierungszeit des 
Ptolemaios VIII Euergetes fällt (146 — 117), schon früh verwendete, 
wie die Erwähnung von degf-idviva tbvxt^ {ßvßlla) neben ßvßXiva 
TSixf] in 113, 18 und 114, n. so (0, n. 84) beweist (vgl. Hiller, 1. c. 
103, der auch darauf aufmerksam macht, daß der Ausdruck nur 
noch einmal, im V. oder VI. Jhdt. n. Chr., in dieser Bedeutung 
wiederzukehren scheint). 



Einige den Wortschatz betreffende Bemerkungen haben schon 
in der Formenlehre Platz gefunden; ein paar weitere seien hier 
angeschlossen. 

An „neuen Wörtern" treten auf: ßov\lf/,-/,Xrj(TLci)v Gen. pl. 
246, 9 (0, 3. Jhdt. n. Chr.); vgl. Hiller, p. 150, der zweifelt (so 
auch Wilamowitz), ob Ratsversammlungen gemeint sind, die vor 
das Volk treten, ,,oder Rats- und Volksversammlungen" ?. (7i;i'|[a]A- 
XaTiT^zat 19, 13 (0, 2. Hälfte 3. Jhdt.?), vgl. Hiller, 1. c. 29: „wie 
owaXla/aeveod^ac bezeichnet es den Geschäftsverkehr, oder hier 
den Verkehr schlechthin"; TL/^iovyJtoi 12, 4 (0, bald n. 300) vgl. 
Hiller, 1. c. 18: „xifxovxLOv sonst nicht vorkommend''. 

öovXog und ol/^ezTig werden nebeneinander gebraucht; doüXog 
steht in: 113,39.56.83 (0, n. 84), 111,239 (0, Anf. 1. Jhdt.), oi- 
xgTTjg in: 108,259 (0, n. 129). 109, 179 (0, um 120). 113,77 (0, 
n. 84). 115,4. 117,46 (0, 1. Jhdt.). Die Belege umfassen kaum 
ein halbes Jahrhundert und stehen im Verhältnis von 4 : 5. ol/.hrig 
ist seit Herodot in der Bedeutung „Sklave" ganz geläufig, vgl. auch 
Chrysipp bei Athen. VI, 267: tovg auElevd-fQOvg fxsv dovlovg an 
Eivai, oi/,€Tag de rovg f.irj Trjg /.rrjaetüg dq)eLf.ievovg. ydg olvietrig, 
(fTqol, öovlog Iöxl AxiqaEL -/.aTaTsrayfiavog^). Für den Gebrauch 



1) Zu ^oixevs und ScöXog im Recht von Gortyn vgl. Lipsius , Abh. d. 
Sachs. Ges. d. W. 1909, XXVII, Nr. XI p. 398 f. 



140 Therese Stein 

bei den LXX vgl. Thackeray, 1. c. 7 f. Im N.T. ist dovlog Xqigtov 
stehende Formel; für das Urchristentum vgl. Deißmann, Licht v. 
Osten 240 ff. 286. 

In 113, 66 (0, n. 84) steht 7tavT6f^iix[o]v „die älteste Erwäh- 
nung des Pantomimen" (Hiller); vgl. hiezu Lukian, de salt. 67: 
ovK a7r€i/.6riog ds xal ol ^iTahcüTai tov OQXifiOTrjv 7tavT6(.u(xov y.a- 
XovOLV, (XTto TOV ÖQio^evov axedov. 

In 268, c, 1 (P, metrisch, dorisch, 2. Jhdt.) steht [s]g ttjXv. 
TTJlv wird von Apoll. Dysc. pron. 69, B (Schneider I, 1, 54) als 
Nebenform zu zijlE genannt, scheint aber bis jetzt nicht belegt 
gewesen zu sein; Ahrens, Dial. 155, 8) hält es für eine Konstruktion, 
aus TtjlvysTog abstrahiert, was jetzt endgiltig aufzugeben ist. ig 
f^kv ist konstruiert wie £tg vvv, sg varsQOv etc. 

Ergänzt werden: 158 (nicht v. d. 1. Jhdt.) a7tOQQ]dvd-Qa)i; vgl. 
Hiller, Berl. philol. Wochenschr. 1905, Sp. 613. Das Wort aVd- 
Qavd^QOv = a7tOQQavT7JQiov (Weihwasserbecken) kannte man nur 
durch eine Inschrift von Anaphe, I. G. XII 3. 248, 18 (S. G. D. I. 
3430, 15. C. B. IV, 3, p. 472; 474), vgl. auch Herwerden, Lex. 
dial. 99. 3, as (0, 334 od. bald nachhei-): ccTslr^g ds earw .... 
eixcf[vTEVTiy.ov] (n. B. Keil). Hiller bemerkt dazu: „das wäre die 
erste Erwähnung der Emphyteuse oder einer Vorstufe dieser Pacht- 
art". Herwerden 1. c. 267 bringt Belege aus byzantinischer Zeit. 
99,3 (0, um 100): oiY.od?]oixrjg, eine späte Bildung, im Neugr. all- 
gemein, vgl. Hatzidakis Einl. 292 zu Phryn. (Lob.) 421, auch 487 ff. 
und Schmid, Atticismus III 248. IV 687 e). 

Aus fremden Inschriften sind auch einige Fälle hervorzuheben. 
ßovvog (vgl. Dienstbach, 1. c. 10) ist belegt durch: ßovvov 37, les- 
169 (0, dial., Rhodos, Anf. 2. Jhdt.), 42, 51.65 (0, unbek. Stadt, 
n. 133), ß]ovv(xJv 42, 10, vgl. Herwerden, 1. c. 159. Über das W^ort 
existiert eine reiche Literatur, vgl. bes. Thumb, D. gr. Spr. i. Zeit- 
alter d. Hell., 224, Note 1). Nach Rutherford, Phryn. 460 f., und 
Kretschmer, Entstehung d. Koine 18 f., ist es dorischen Ursprungs 1) 
(Herodot IV, 199 bezeichnet es als kyrenäisch, Phryn. (Lob.) 355 
als sizilisch). Thumb 1. c. begnügt sich festzustellen, daß man es 
„eigentlich ohne zwingenden Grund" für dorisch halte, ohne näher 
auf die Frage einzugehen. Von Polybius an begegnet ßovvog sehr 
häufig in der xotv)/, um dann im Ngr. allgemein in Gebrauch zu 
kommen; dort kommt auch neben ßovvo (aus ßovvov, mit Genus- 
wechsel, vgl. Hatzidakis, 1. c. 357) ßovvi, das Deminutivum vor 2), 

1) Vgl. auch Kretschmer, Einl. 286 Anm. 1. 

2) ßovvl bedeutet aber gleichfalls „Berg". 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 141 

und auch dieses ist in 42 vorhanden: [ßov]vtov 41 und ßovviov 66. 

In 42 findet sich auch das ionische qd^iq: qccxsi 54, q^x^v 50, 
Qo:]\xiv 54, qaxscov 10; vgl. Thumb, 1. c. 213. 

In 37, 167 steht TtexQiovi, lee Ttetqiova. Herwerden, I. c. 659 
s. V. TtetQiov, führt nur diese beiden Stellen an. 

Im S. C. 41 (135) wird o%[Qarriy6g v]7taTog ergänzt; es ist der 
letzte sichere Beleg für diesen Titel, vgl. Viereck, Sermo graecus 
70, IV, mit Note 2). 

Zum Schluß noch einige Bemerkungen zur Namenkunde, Priene 
steht auf karischem Boden, und so dürfte es nicht überflüssig sein 
festzustellen, ob und in welchem Ausmaße sich noch Spuren der 
ältesten bekannten Sprachschicht vorfinden; dafür kommen natür- 
lich nur Namen in Betracht. 

Zu dem Namen der Stadt selbst vgl. Hiller, 1. c. Vff., der an 
thrakischen Ursprung denkt, doch dürfte die Zusammenstellung mit 
kret. JlQiavaog wohl mehr Wahrscheinlichkeit für sich haben, (So 
auch Goessler, Berl. Philol. Wochenschr. 1907, Sp. 1169), 

Von Personennamen sind zu nennen: ^'Axxalog, erscheint sehr 
oft, vgl. Kretschmer, Einl. 350. 

Ein Bslliüv TajzvQOv steht in der Ephebenliste 147, lo (Hiller 
bezeichnet ihn im Index als Fremden, wohl nur auf Grund des 
Namens). Billiov EvAeida heißt ein Spartaner, dessen Mutter 
"lUqa Büliovog, C. I. G, I, 1367, p. 665. Der Name gehört wohl 
zu BeXlsgocpcSv und auch zu dem pisid. Kto-ßallig, lyk. Koprlli, 
vgl. Kretschmer, 1. c. 298 und 326f. TartvQog erinnert an die 
vielfach bezeugten TanvQOi in Medien. Ramsay, Hist, Geogr. of 
As. Min, 71, zitiert aus Ptolemäus die Stadt Tajtovqa in Klein- 
armenien. Namen wie Tof-ivgig und Ta^iiqu klingen an, vgl. Justi, 
Iran. Namenbuch 328 s. v. Dr, M, Lambertz war so freundlich, 
mich auf das in Kleinasien nicht seltene Suffix -vqog aufmerksam 
zu machen; außer Kiß-vQa, 2äT-vQog, Tk-vQog nennt er mir aus 
seinen Sammlungen für Kilikien Kiverd-vQog, Mavöovß-vQog, Mlx- 
vQOg. — Auch Kevra-vQog und MivcuTa-vQog möchte ich — vor- 
läufig nur als Vermutung — hierherstellen, 

Kelßelog: Kelßsiov 313,384 erinnert an das ICt^/Jmwv /rfid/ov. 
Ein Kelßiavov in der Mäandergegend wird bei Ephraem 7531 ge- 
nannt, eine thrakische Stadt dieses Namens bei Kinnamos 2, 5 (3914) 
(Die Zitate sind dem Thesaurus entnommen). KsXßiavog erscheint 
als Personenname bei den Byzantinern, (Die Zeugnisse für e sind 
alle spät. Ephraem gehört in den Anfang d. 14. Jhdts., Kinnamos 
ins 12. Jhdt., vgl. Krummbacher, Gesch. d. byz. Lit. 390 und 279). 



142 Therese Stein 

KilXavrj: KiXXavijg 270 (P, uudat., Apices): Kill- ist sehr 
verbreitet (Kretschmer, 1. c. 368); Hiller 1. c. erinnert daran, daß 
der Name in dem phryg. y.illav{L)6v nediov (bei Strabo XIII, 629) 
wiederkehrt; vgl. Ramsay, Cities and Bishoprics, 278 f.: ,, Strabo 
knew of a town Killana in the Killanian piain" (ich habe die Stelle 
nicht finden können); K. wird dann weiter mit Gebren (Kebrene) 
gleichgesetzt. Bei Eustath. 33 werden die Bewohner von Killa 
„■/.ard x^v ^lovdaiav'^ Killavoi genannt, während die der karischen 
Stadt KillavTeg (nach Klllag, Killavxog) heißen. In den Topos- 
graffitti 313 erscheinen ferner Killiiov 72. 446. 447 und Killog i^i^. 
Vgl. auch Hillers Anm. zu 270, bezüglich der Namenverbindung 
Killavr^g ^r]/.itjTQlov. 

KoQvlag: Kogvlav 201, 2 (0, etwa um 200) mit dem in Karien 
häufigen A-Suffix gebildet, vgl. Kretschmer, 1. c. 327. Hiller faßt 
irrtümlich den Namen als Kurzform auf und akzentuiert Kogilav. 

MavÖQiov: McvÖQwvog 313, 406. 622, vgl. Fick-Bechtel , Per- 
sonennamen ^ 194 f.; zu MaiavÖQog gehörig? vgl. Kretschmer, 1. c. 
395, Note 1), Glotta I, 59, Note 2). 

MaQicov: MaQUü[vog] xov Maoio)[vog\ 313, 471. Nach Kretschmer, 
Einl. 366, enthält der Name wahrscheinlich ein kleinasiatisches 
Element (.tag-, und klingt nur zufällig an die von ^ua^ij abgeleiteten 
Namen an. 

Mivvuov: MLvv[uovog 140,6 (0, wohl sicher noch 4. Jhdt.). 
Mivvuo{v) 358, 4 (linksläufig auf einem Araphorenhenkel) ist von 
Mivo' ,, unbekannter Bedeutung", Fick-Bechtel 209, mit hypo- 
koristischer Verdopplung des v abgeleitet. Mivo- gehört zu Mivtog 
und ist wohl ungriechisch. 

Moayhrjg: Moayixijg 50, 9. Moaysxtjv 50, c. 29 (0, Erythrai 
f. einen prien. yqaix^axBvg, etwa 160). Zu i^oa- vgl. Kretschmer, 
1. c. 332 f. 

Ila/taQog: UaTcaQOv (vollständig oder sicher ergänzt) 313, 
6mal: 90. öso- ssi (2mal). 532 (2mal), gehört wohl zu den Lallnamen, 
vgl. Ma^i(.iaQog bei Kretschmer 339. Dazu üaTtagiiüvog 313, ssi 
(2 mal). 

Aus der Literatur bekannt ist TevTai-iog, der Vater des Biag, 
vgl. Kretschmer 325 und Hiller 1. c. VIII. Prellwitz, KZ. 45, 159, 
sieht in Tsvxla^log {ccvtjq ^Hlelog Thuk. III 29) und Tevxa^iÖTjg 
(II. 2, 843) idg. teuta. 

Wenn man bedenkt, daß unter den Genannten höchstwahr- 
scheinlich mehrere Fremde sind, so ergibt sich, daß autochthone 
Namen in Priene sehr selten waren. Sicher Fremden gehören fol- 



Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 143 

gende Namen au: 'Ey-aToi^viog 42, ss (0, unbek. Stadt, n. 133). 
51, 7 (0, Vertrag zw. Herakleia am Latmos und Arayzon, 2. Hälfte 
2. Jhdt.), vgl. Kretschmer 357, b); Wilamowitz, Herakles P p. 2, 
Note 4 deutet den Namen als Diener der Hekate. 

Ovhäötjg: aus Bargylia 47, 30 (0, um 200); aus Herakleia 
51,8 (0, 2. Hälfte 2. Jhdt); aus Samos 37, 130 (0, Anf. 2. Jhdt.) 
und unbekannter Herkunft 42, 1 (0, n. 133), vgl. Kretschmer 330. 
366; auch Schulze, Quaest. epic. 516 zu 104. 

Tlavauvrig (spez. karisch) 47, 30 (Bargylia); der I.Bestandteil 
erscheint auch in Namen wie navd-ßKrj[.iig, Ilavv-aaaig, vgl. 
Kretschmer, 1. c. 357 b), zum 2. vgl. oben Moa-yhTig. 

Auf der Grabstele 290 (noch 3. Jhdt.?) steht [''0]Qoavvevg (vv 
aus vd), vgl. Kretschmer 307 f., Dienstbach 85. ^ÖQoawevg kommt 
auf der Inschrift von Halikarnaß B. C. H. IV 401 vor (Hiller 224 
Nr. 576 möchte so auch auf einer athenischen Hydria statt JT^[irj]- 
vsvg lesen, da dies wegen des Artikels unwahrscheinlich ist). 

Oft erscheinen mit *^(»|U0- zusammengesetzte Namen. Kretschmer 
361 erklärt ihr häufiges Vorkommen in Lykien durch den Anklang 
an das lyk. Element '^Eqf.ia-, Die prienischen Namen sind natürlich 
Ableitungen von ''EQf.iijg; vgl. Sittig, De Graec. nomin. theoph. 113ff., 
der daran erinnert, daß bei der hauptsächlich Handel treibenden 
Bevölkerung loniens sich gerade diese Namen besonderer Beliebt- 
heit erfreuen mußten. 

Hier seien auch die übrigen ungriechischen Namen angeführt 
(die italischen sind bei Hiller, 1. c. 240 zusammengestellt). Die 
meisten stehen auch wieder in Listen, sodaß eine Entscheidung, ob 
sie fremd oder einheimisch sind, unmöglich ist. 

Dem von Hiller p. VI genannten Priener Hebryzelmis der In- 
schrift von Adrianopel sind anzureihen: 

^u^Qiagdd^rjg: ^^4[Qi]a[Q]ad-ov 313, 132 (Hiller XX), vgl. Justi 
1. c. 23 f. 

l^Qißag: ^^Qißov 313, 406. Hiller erinnert an den kappadoki- 
schen König ^AQißaiog bei Xen. Cyr. II, 1, 5, vgl. Justi 1. c. 25. 

Bdyag: Bdya 313, 504 (Hiller XX), paphlagonisch, vgl. Kretsch- 
mer 207. 

Bia&wv: ,Bia^a)vo[g 140, 10 (0, Anf. 3. Jhdt.). Der Name 
scheint nur noch in Magnesia, I Magn. 8, 37 vorzukommen: PIZOßN, 
das Hiller jetzt zu Biad^wv ergänzt, während er bei Kern '^Pi{v)d^a)v 
in den Text gesetzt hatte; vielleicht läßt sich BLaS^dviqg dazustellen, 
so heißt der Sohn des Artaxerxes III. Ochos bei Arrian III, 19, 4, 
vgl. Justi 69. 



144 Therese Stein, Zur Formenlehre der prienischen Inschriften 

Mvgycov: Mvqyoivog 313, 549. Hiller vergleicht MvQyig I. G. 
XII, 3, 1463. Der Name erinnert auch an die skythischen Mvq- 
yhai, vgl. Herodian I 73, 10: MvQyerrig ed-vog 2/.vd^iy.6v, und II 
552, 14: MvQyirai l'&vog 2'/.v^l/.6v. '^Ey.axcuog Evqcotiij. IV tlol 
ÖS TÖJV '^HQcoöiavov yQCKpETai öid zov y FvQysTtov YMMog; Steph. 
Byz. I 305, 25 (Dindorf). Zu erwähnen ist noch der Berg Mlq- 
yiov bei Epidauros (Paus. 2, 26, 4) mit der v. 1. Mvqtlov (diese 
hat Hitzig in den Text aufgenommen, weil Mvgyiov „sensu caret"), 
sowie die Hesychglosse /^vgyiiia == xprjyf.ia (die Lobeck, Path. El. 79 
von oixoQyvvfxi ableiten wollte!). 

Nvaiog JicpiXov, aycovo&erijaag z/iovvgcül 176, 1 (P, 2. Jhdt.) 
ist thrakisch, vgl. Kretschmer, 1. c. 242, Note 2) und Vaseniuschr. 200. 

Sicher Fremde sind: 2dßvlXog Qsooalög 12, is (0, bald n. 300) 
so heißt auch ein Bürger von Gela bei Herod. VII, 154. 2aß- 
weist nach Thrakien, vgl. Kretschmer, 1. c. 195f. und 196, Note 2 
vgl. auch ^aßvhvd^og, einen Feldherrn der Molosser und Atintanen 
Thuk. II, 80, bei Kretschmer 258, Note 1. Vgl. Solmsen IF. 30, 41 a 

MeyaßvCpg Meyaßvtov aus Ephesos, vgl. Dienstbach 1. c. 41 f. 

Zu den Namen mit Mriv- vgl. Dienstbach 24, und zuletzt 
Sittig, De Graec. nomin. theoph. 153 ff. 

Schließlich gehören auch hierher BgoyifxdaQog 313, les (Prott 
„eher als -öagov vgl. Brogitarus R. E. IIP 887", gallisch), Tixle 
358, 10 (Amphorenhenkel, vgl. Schulze, Lat. Eigennamen 244. 165, 7, 
etruskisch) und mehrere von Isis und Serapis (vgl. Dienstbach 1. c. 
23 f.) abgeleitete Namen; für Harpokrates vgl. oben p. 113. 

Von griechischen Namen sind noch zu erwähnen: Der für 
Priene charakteristische Kurzname Baoosag, nach Crönert aus 
BaoilsiSifjg entstanden; dazu gehören auch die Genitive jBaafffoi^fJog 
und Baoaikov, vgl. Dienstbach, 1. c. 96, Note 1. 

In 313, 268 findet sich ein JtovvoLog Kvvriydv (Prott hat über 
dem ersten v ein E gelesen); vgl. hiezu das Bruchstück 334: 
zt»»'»j[y]oi; (Kaiserzeit) (ein darüber stehendes . . . ov\ ergänzt Hiller: 
o T. JiovvOi\ov t\ov K.) Zu vergleichen ist OiXoKvvtjyog , Fick- 
Bechtel, 1. c. 182, Kaibel 332, 1. Als Appellativum ist das Wort 
im Neugr. geläufig (statt y.vvay6g oder y.vvTqysTtjg), vgl. Hatzidakis 
292 zu Phryn. (Lob.) 428, (Rutherford) 496 f. und Thumb, Gr. Spr. 
im Zeitalter d. Hell. 61, Note 5). 

Aus lasos ist ein ^^va^ayögag QaXEV'/.TOv, cpvosi ös Evatov 54 
(2. Jhdt.). Th. Reinach, Rev. et. gr. VI 1893, 166f. (Michel Re- 
cueil 469) hat „den seltsamen Namen ©aAet» zrog" (Hiller) auf einer 
iasischen Inschrift derselben Zeit in QaXisv7,Tog wiedererkannt. 



P. Wahrmann, Z(fiiXag, atpdkkca 145 

Wenn man für QccXevKtog nicht Verschreibung aus QaXievyiTog an- 
nehmen will, so kann man nur das, allerdings von Köhler an- 
gezweifelte, Qdl-L7t7tog C. I. A. II 4239, 2 (Fick-Bechtel, 1. c. 139) 
damit vergleichen, doch ist möglicherweise das i lang und in Qali- 
iTCTtog zu trennen. 

Zu ^AvTiysveldag, Vater einer '^Eg/xoyeveia, Theben a. d. My- 
kale 376 (Grab-Epigramm, vielleicht schon 1. Jhdt.) vgl. Schulze, 
Quaest. epic. 31 f., Note 7) und 509. 

Wien Therese Stein 



1. a(peXag 

acpeXag begegnet uns in der griechischen Literatur an fol- 
genden Stellen: 

Homer, Od. q 230 — 233, wo es in der höhnischen Ansprache 
des Ziegenhirten Melanthios an den vermeintlichen Bettler heißt: 
Ol A eXd^t] Ttqog öcüiuar' ^Odvooijog dsloio, 
TToXXd Ol d^cpl yiccQiq acpsXa ccvöqcjv sy, TtaXa^awv 
TtXevQcc T arcorQiil'ovoi döfxov Y.dra. ßalXoiievoLO^). 



1) So lese ich mit Bothe und Naber, Homerica post. 23, deren Lesart 
auch in der kritischen Odyssee-Ausgabe von Leeuwen und Mendes da Costa 
aufgenommen ist, indem ich uy,(fC adverbiell fasse, xäQt] und nlevQÜ als 
Akkusativ-Objekte zu clnoTQiipovai beziehe. Die gewöhnliche Überlieferung 
nXevQKi, wie nXfvgd, aus P von W. C. Kayser, dem Hentze folgt, in den 
Text gesetzt, ttXsvqC bei J. Bekker, Homer. Blätter I p. 318, Briggs nXtvoK 
y geben trotz Hentzes Erklärungsversuch [,,uie/e ihm von beiden Seiten um 
den Kopf (fliegende) Schemel werden (indem sie heruntergleiten) ihm die 
Hippen abscheuern"] keinen rechten Sinn, da der Widerspruch zwischen 
nXtvQaC bzw. nXavQÜ, mag man dieses als Subjekt oder besser mit Bekker 
als Objekt nehmen, unleugbar vorhanden ist. Bekkers Ausweg, ,,«,«yi/' xäor] 
bedeute eher, daß die Würfe ringsum fallen, als daß sie die Höhe des 
Kopfes erreichen'^ wird durch den Vergleich des von ihm selbst heran- 
gezogenen tlfxtf^l xKQTj xfxonojg a 335 recht unwahrscheinlich. Diese Parallel- 
stelle und die Cäsur nach (tfx(f\ xuqi] nötigen auch die Lesung d/LKfixagi] 
abzulehnen, wenngleich so die Schwierigkeit leicht beseitigt wäre, eine Er- 
wägung, die schon einige antike Interpreten (vgl. ApoUonios Soph. s. v. 
«fjtfixKQT], Eustathios, Od. p. 1818, 45 f., Scholia Graeca in Od. zu v. 231) 
wie auch H. Düntzer, Homer. Abhandl. 149, KZ. 13 (1864), 14 f. zur Auf- 
nahme von dfX(fixaQfj bzw. ccfXifixKQj] im Sinne von dfiqtoT^Qoi&sv Tceg xfifaXdg 
ixovTK als Attribut zu acf^Xa veranlaßt hat. 

Glotta VI, 2. 10 



146 P- Wahrmann 

Ebda, o 394 von Eurymachos: log ciga g)u)V)joag aq>£lag elXaßev, 

Apollonios Rhod., Argon. 3, 1158 

ICs d' eTtl x^afxaXu) acfEXaC yiXivTiJQog svBQd^Ev 
MxQig eQEiaafxivr] ^airj ETtl x^'?^ ftagei^jv. 

Nikandros, Ther. 643/44 

Tior ixtv ctTt avögaKccda 7tQoraf.uov ia/^gea ygaiof-ieiv 
Tj acpeXai r/ bl/xq) y.sdoag lij Qwyddt TVttQr^. 

Die Deutung des seltenen Wortes bei den antiken Homer- 
Erklärern, denen die modernen durchaus gefolgt sind, geht dahin, 
daß ocpeXag soviel wie vTTOTtodiov „Schemel" sei; so Apollonios 
Soph. s. V. of.iq)ixdQri; Xsyei ös rd vTionodia. Hesych. ocpeXag' 
i'TtOTtödLOv. ocfsXa' vTtorcööia. Etym. Magnum. ocf.' zb v. Schol. 
zu Od. p 231 G(pi.la ds rd ^ii'/,Qd VTtortodia. Eustath., II. 583, 17 
zu E 567, aq)6kag Iv ^Odvaoeia xb vTtOTtoöiOv u. ö. Daß der ge- 
lehrte Nachahmer Apollonios dieselbe Bedeutung im Sinne hat, 
geht aus dem Zusammenhang der Stelle hervor. Gegeben war 
diese Erklärung durch den Vergleich von (»231 und o 394 mit 
Q 409 und 462, wo Antinoos zuerst den ^Qrvvg unter dem Tisch 
hervorzieht und ihn dann gegen Odysseus schleudert. Indessen 
war diese Auffassung nicht die einzige. Eustath. Od. 1852, 11 zu 
a 394 acpeXag ös rj t6 vttotioölov y.al vvv rj y.al djt'kiog v.axd xovg 
nalaiovg ßXrjf-id ti oq>rilai Svrdfisvov, 1818, 45 zu q 231 ocpiXa 
TOiT BGVLv VTtOTtodia 7j /mI cijtXwg ßtXiq rd dt ootcov 7j ^vXtov iq 
ToiovTiov tivtov. und ebda. Z. 40 aq^sXa rj ßelwv EVTLvdy(.i(xza dvvd- 
fieva aq^^Xai; Schol. zu Od. (»231 acpela] zd VTto/todia tj zd iv- 
Tivdyf-iaza övvd/iieva 0(frjXai, o tozi /uvijaaL zeigen, daß man unter 
Gcpilag auch noch etwas anderes verstand, Dinge aus Holz oder 
Knochen, die mau werfen konnte, etwa Knüttel. Das Alter dieser 
Überlieferung wird durch den alexandrinischen Dichter Nikandros 
bestätigt, der acpelag nach dem Scholion: aq)iXa di, v.vQUog (.liv 
zb vnoTtööiov, vvv öe ^vXoj nvxviZ in dem Sinne von Holzstück 
gebrauchte^). Ein genaueres Eingehen auf den Zusammenhang 

1) So H. Keil nach P; dieser Überlieferung stehen nahe die Varianten 
K und g; aus der abweichenden Lesung von A {vvv Sk ^vXov xollov, diantQ 
xal oX/Liog) stammt die sachlich unzutreffende Erklärung der Lexika, daß 
ai^iXas an der oben angeführten Nikanderstelle den ausgehöhlten hölzernen 
Block bezeichne (so Passow s. v.). atf^Xag, oky.og, nszQrj Qcoyäg nennen die 
Werkzeuge, mit denen die Pflanze zerrieben wird, nicht den Mörser, in dem 
das geschieht, wenn sich auch in den Scholien die Erklärung oA^w* t^, 
d^v(cc (= d^vtiu), QuydSt, TiitQri' rrj Xi&Cvri lySr] findet, ZU der in A auch noch 
aifi^Xag gleich ^. x. hinzutritt. Diese Deutung hat ihren Ursprung darin, 
daß oX^og, eigentlich der walzenförmige Stein (Homer, IL A 147), auch den 



Z(fiXas, a<fakXio 147 

bei Homer macht es m. E. sehr wahrscheinlich, daß die letzt- 
genannte Erklärung die angemessenere ist. Melanthios kann doch 
wohl bei seiner Drohung nicht ohne jeden Zusatz Schemel als 
Wurfgeschosse der schmausenden Freier voraussetzen, während es 
naheliegend ist, Holzscheite, Knüppel, ^vla TtVÄvd, in dieser Ver- 
bindung zu nennen. Diese mußten den Zechern in reichlicher 
Menge zur Hand sein, da sie sich ja eben mit dem Schlachten 
und Zubereiten der ihnen zur Mahlzeit dienenden Tiere beschäftigt 
hatten (q 170 ff.). Abgesehen von dem Brennholz kann man an 
^ 425 erinnern, wo es von dem ein Schwein schlachtenden Eumaios 
heißt: xoi/'€ (sc. vv) d^ avaoxofxevog oxiCj] dgvog, tjV Htte aeicov. 
Als hingegen q 409 der ^qrjvvg eingeführt wird, da wird weit- 
läufig geschildert, wie Antinoos nach seiner Rede d-qrjvvv eXwv 
V7ta(p7jve rQaftsL.r]g yielfj^svov, (p q^ STtexsv XiTtagoug Ttodag ella- 
TCLvaCiav. G 394 nennt wieder ohne weitere Erklärung den 
„Knüppel", ocpllag. Auch vom poetischen Staudpunkt aus dürfte 
sich diese Auffassung von acpilag mehr empfehlen. Dreimal^) 
widerfährt Odysseus die schmachvolle Mißhandlung, aber jedesmal 
ist das Werkzeug ein anderes, q 463 der Schemel, a 394 der 
Knüppel, V 299 der ßoog rcovg. 

Wenn nun so, wie ich meine, die Gleichsetzung von acptlag 
und d^Qijvvg bei Homer nicht zu Recht bestehen kann, so beruhte 
sie doch nicht allein auf einer willkürlichen Deutung der antiken 
Interpreten, sondern fand auch eine Stütze im Sprachgebrauch, 
worauf ja schon das oben angeführte Scholion zu Nikander hin- 
weist. 

Wenig nur helfen der inschriftliche Beleg für acpslag und für 
das Deminutivum ocpelloyiov weiter. 0(ptlag steht in dem viel be- 
handelten iambischen Trimeter SGDI. 5421 2) in archaischer Schrift 
aus Delos: [TJot; aFvxov Xid-ov eif-il dvögtag /mI to acpeXag, d-er 
auf der Basis einer von Naxiern nach Delos gestifteten Apollon- 
statue erhalten ist. Man erklärt OifsXag hier als ßfjf-ia, so daß die 

Mörser bedeuten kann (Herod. 1, 200; Hes. egya, 423). Der Dichter führt 
hier ein starkes Holzstück, einen runden und einen abgesprengten Stein 
an, mit denen man die Pflanze zerquetschen kann ; vgl. dagegen Athen. 14, 
p. 648^ xägva xal uixvySKXa dg &ve(av TqCßuv; Aristoph. vitf,. 676 tv d^veCa 
aTQoyyvXrj ^vf/naTTizo. 

1) Zur Frage der drei Würfe vgl. Cauer, Grundfr. d. Homerkritik* 490 f. 
C. sieht in den drei Würfen eine Variation des Themas durch den Dichter. 
Anders urteilt Wilamowitz, Hom. Unters. I 2. 

2) Ältere Literatur bei Bechtel zu 5421 und bei E. Hoffmann, Epigr. 
no. 406. 

10* 



148 P- Wahrmann 

Bedeutung der von vTtOTzodiov nahe stünde, ohne daß freilich 
völlige Sicherheit erzielt werden kann. 

oifsllaKOv findet sich in der Übergabsurkunde der Schatz- 
meister der attischen Kleruchen der Hera auf Samos (346/5 v. Chr.), 
0. Hoffmann, Griech. Dial. HI S. 71, no. 169 1) Z. 50 unter den 
dort inventarisierten Gegenständen. Da Z. 46 ein dicpQuy.ov, Z. 49 
ein x}.tvTriQia/.og aufgeführt wird, liegt es nahe, hier an ein ähn- 
liches Gerät, an ein kleines VTtonödiov, zu denken. 

Besser beglaubigt wird die Bedeutung von Schemel, Bank 
durch das Kompositum iTtiafpeXixriq. Hes. £Tciaq)£lLT'iig' ^ ^Qccvhtjg' 
o(p€kag yag xb laTiEivdv öicpQiov, t6 vtiottööiov. xoiovxog ds xal 
6 ihgävog. e^u de xi^v avu) lögav. Ausführlicher bei Eustathius, 
Od. S. 1818, 45ff. zu q 231 loxeov de, oxi oq)tXag /.al Inl vriog 
Xeyexai • (priol yovv Ilavoavlag, oxi e7tioq)€Xixrjg 6 d^Qavi'xrig. a(feXag 
yag vTcojtoÖLOv. exsi de, cpiqaiv ovxog, xtjv ävio edqav, xtjv öevxeQav 
Cvyiog, X7]v xglxijv d^aXd^Log, o y.al d^aXdi-ia^ Ttagd xcZ y,iofxiyMj. 
Hienach ist acpelag synonym mit d^gdvog, i)Qaviov Ruderbank 
(PoUux 1, 94), bedeutuugsverwandt mit d-qfiwg^), wie bei Homer 
die Fußbank heißt, auf welcher der Steuermann hin- und hergehen 
konnte. Wie nun bei d^Qrjvvg, ^gävog, ^gavlov^) der seemännische 
Terminus aus dem allgemein üblichen „Bank, Sitz" hervorgegangen 
ist, so ist das wohl auch bei ötpeXag, ocpsliay.ov der Fall gewesen, 
so daß man diese Bedeutung als gesichert annehmen kann. 

Es stehen also zwei Bedeutungen für ocpeXag fest, 1) Holz- 
stück, Knüppel, 2) Bank, Schemel, Ruderbank, wobei der semasio- 
logische Zusammenhang auf der Hand liegt. Die Bezeichnung des 
Stoffes tritt für den aus demselben angefertigten Gegenstand ein. 
Man vergleiche etwa bei Hesych^) y.oQixög' ^Xdxiq, . . . -/.al eöga 
. . . /.al KioTtrj ytal xo elg ßQa%v avvxexfirjf-ievov ^vXov; dann nhd. 
Stock mit seinen verschiedenen Bedeutungsnüancen wie Hackstock 



1) Teilweise auch SGDI. 5702; vollständig bei U. Köhler, Athen. Mitt. 
7 (1882), 367 ff. ; zur neutralen Form von a(fsUay.ov vgl. Herwerden, Lex. Gr. 
suppl. 8. V. u. Kühner-Blass, Griech. Gr. I 2 S. 280. 

2) II. 729, Breusing, Nautik der Alten, 97. 

3) PoUux, 10, 48, 49. Zur Etymologie von »qüvos vgl. Prellwitz, Et. 
Wb., Boisacq, Dict. Et. s. v., P. Persson, Beiträge zur Indogerm. "Wort- 
forschung 641, wo übereinstimmend d^QÜvog, S^Q^aaa&ai (sich setzen) zu einer 
Basis dhere 'festhalten* (lat. frenum, fretus) gestellt wird, so daß die Grund- 
bedeutung „Stütz-, Sitzgelegenheit" ist. 

4) Persson, a. a. 0. 172 f., 383, der eine Fülle ähnlicher Beispiele bei- 
bringt. 



Zif^kag, a(ft(XXw 149 

USW., unter denen das dialektische „Stockerl" (Sitz ohne Lehne) 
eine schlagende Parallele zu o(pelag darstellt. 

Die eben ausgeführte, aus dem griechischen Sprachmaterial 
gewonnene Erkenntnis findet ihre Bestätigung auch durch den 
Vergleich mit den verwandten Sprachen, wo sich die acpilag zu- 
grunde liegende Wurzel in ganz entsprechender Weise nachweisen 
läßti): ai. phalakam^) zu phalati 'berstet', 'springt entzwei'; eigent- 
lich 'abgespaltetes Stück 3), Brett, Latte, Blatt, Tafel, Brettchen, 
Spielbrett, Fußgestell, hölzerne Bank' usw.; lett. spals 'Griff, Hand- 
habe'; got. s'pilda 'Schreibtafel'; an. spiald 'Brett, Tafel'; mhd. 
spelte 'abgespaltetes Holzstück, Handgerät der Weberei'; an. fjgl 
'Brett'; nhd. spalten; ab. polica 'Brett'*). 

2. ocpdDuo. 
Die Versuche, ocpallo} zu etymologisieren, führten zu wider- 
sprechenden und . noch keineswegs allgemein anerkannten Ergeb- 
nissen. So blieb die früher geläufige^) Vereinigung von oq)ä'kl(i) 
mit lat. fallo, ahd. fallan, fallen mit Recht nicht lange unange- 
fochten. Zunächst bereitete lat. fallo von semasiologischer Seite 
her Schwierigkeiten ß), indem sich die sinnliche Bedeutung des 
Zufallebringens im Lat. nicht nachweisen läßt, während sich die 
übertragene des Getäuschtwerdens bei o(faXXoj.iaL erst sekundär 
entwickelt hat; aber auch lautlich ist die Gleichung nicht ein- 
wandfrei, da der Zusammenfall lateinischer Tenues aspiratae und 
Mediae aspiratae durchaus zweifelhaft isf). Daher schlägt man 
für fallo jetzt zumeist ganz neue Wege ein und sucht es in an- 



1) Brugraann, Grdr. I'* 653, Persson, a. a. 0. 174, 418, Prellwitz, s. v. 
aifflccQ; Uhlenbeck, Etym. Wb. d. Altind. s. v. phalati. 

2) Zum Schwund des s Brugmann, a. a. 0. 725 ff.; zum Wechsel von 
sph und sp Persson a. a. 0. 416 ff. 

3) So nach den bisherigen Erklärungen, von denen ich im Verlaufe 
dieser Untersuchung einigermaßen abweichen werde. 

4) Andere Beispiele aus dem Slavischen bei J. Scheftelowitz IF. 33 
(1913), 143. 

^5) Breal, MSL 7 (1893), 145; Meillet, MSL 8 (1894), 294; Wilmanns, 
Deutsche Grammatik I 23, Noreen, Abr. d. urgerman. Lautlehre 105; mit 
Erwähnung anderer Möglichkeiten Prellwitz, Etymol. Wb. d. griech. Spr. ^ 
8. V. a(fjäXX(o; Falk-Torp in Picks vergleich. Wb. * 238; S. Feist, Etymol. 
Wb. d. got. Spr. 70, 239. 

6) W. Luft, KZ. 36 (1900), 147, C. C. Uhlenbeck, IF. 13 (1902/3), 213. 

7) Brugmann, Grdr. I^ 669, Sommer, Hdb. der lat. Laut- u. Formen- 
lehre, 189; Luft und Uhlenbeck a. a. 0. 



150 P» Walirmann 

deren Zusammenliaug zu bringen^). An der Verwandtschaft von 
atpallo) mit fallan wird indes von einigen festgehalten und die 
Reihe ai. sphal, phalam, gr. aqxxllio, germ. fallan^) bzw. aqxxlloj, 
hd. fallen, lit. pülu^) aufgestellt. 

Aber auch diese Verbindung ist schon in Zweifel gezogen 
worden, indem man oqxxlXio auf eine Wurzel sq^hal zurückführen 
und zu ai. skhalate'^er strauchelt, geht fehl', armen, sxalem, sxalim 
'ich gehe fehl, irre, strauchle, sündige' ziehen wollte^). Dagegen 
läßt sich einwenden, daß die Beispiele, die für die Vertretung des 
qah beigebracht werden, samt und sonders problematisch sind; so 
og)aiQa zu av. skarana ^), gr. cpaXliq ' Walfisch^ zu lat. squalus, ahd. 
wal^). Dazu kommt, daß die Bedeutungen des armenischen und 
des altindischeu Wortes mit der eigentlichen Grundbedeutung von 
ocpdXlü) so wenig übereinstimmen, daß sich von dieser Seite aus 
die Gleichsetzung kaum stützen läßt, was ich nunmehr, aus- 
gehend von den frühesten Belegen von affaXlco, im folgenden 
zeigen will. Gleichzeitig wird sich so die Gelegenheit bieten, auch 
zu der Gleichung ocpälXio '^ falle Stellung zu nehmen. 

Homer'), II. ¥^719 heißt es anläßlich des Ringkampfes zwischen 
Odysseus und Aias: ovz ^Odvosvg dvvaTO ocpijXai ovöei te Ttslda- 
oai. Od. Q 464/5 o d' eardS^Tj rjvte TtexQri IfiTtsdov ovo aga (xiv 
acprjlev ßslog ^^vtivooio, wo an beiden Stellen die übliche Über- 
setzung ,, brachte zu Fall" wohl angebracht scheint. 

Anders verhält es sich bei den Kompositis. II. 311 ver- 

1) Walde, Lat. etymol. Wb.'^ s. v., Thurneysen in Thesaurus 1. 1. s. v. 
Wenn Brugmann, K. vgl. Gr. 152 die Zugehörigkeit zu ahd. fallan, ai. sphal 
'anprallen lassen' aufrecht erbalten will, so ist das wohl durch die Be- 
deutung des lat. fallo sehr in Frage zu stellen. 

2) So Luft; dagegen vom Standpunkt des ai. Sprachgebrauchs aus 
Lüders IF. 42 (1909), 193 ff. 

3) Uhlenbeck a. a. 0. und im Etyra. Wb. der ai. Spr. 350, der die 
Beziehung mit ai. äsphälayati ablehnt. 

4) Scheftelowitz, BB. 29 (1905), 36; Brugmann, Grdr. I^ 587, Brug- 
mann-Thumb, Griech. Gr. 113, Hirt, Hdb. d. griech. Laut- u. Formenl.'^ 
209; Thumb, Hdb. des Skrt. 96; Walde, a. a. 0. s. v. fallo; als bloß mög- 
lich erwähnt bei Prellwitz und Falk-Torp. 

5) Persson, Beiträge I 417, Prellwitz s. v. und bei anvqad^og; Persson 
setzt es zu y(«)/;Äer bzw. 'y{s)per, die 'schnellen', 'zucken' bedeutet, was 
mehr für sich hat als obiger Ansatz, den Brugmann von Bartholomae, 
Altiran. Wb., übernommen hat. 

6) Von Brugmann, K. vgl. Gr. 168 selbst nur zweifelnd erwähnt; da- 
gegen Walde s. v. squalus und ballaena. 

7) Index Homericus von Gehring. 



S<f^kag, aipdJikcj 151 

fehlt Teukros den Hektor, indem Apoll sein Geschoß ablenkt: 
dX}^ oye /.al %6^ afxaQze' 7taQeaq)riXev yccQ ^^nokXtxiv. Hier ent- 
spricht zwar die gewöhnliche Wiedergabe „er ließ vorbeifliegen'^^) 
dem Sinn, ebenso wie die antike Erklärung bei Hesych: nage- 
acpaXev drcoTvxBiv Inoirioev', uaQeocprjXev o^oiiog^). Beides läßt 
sich jedoch mit der Grundbedeutung „zu Falle bringen" nicht 
leicht vereinigen. Ganz entsprechend liest man bei Pindar, Nem. 
XI 31 töv (5' av Y.aTa(.i€fx(p9-€VT ayav la%vv olyteitov naqtocfaXev 
v.aXüJv xuQog '^X'AOiv OTtiooo) d-vfxbg axoX^og eojv, wo es die Be- 
deutung von "^berauben' angenommen hat 3). 

E 567 eilt Antilochos Menelaos zu Hilfe, besorgt, fxr^ ri Ttdd-oiy 
fiaya öe ocpag aTcoacprjXsie tvcvoio d. h. „weit ab vom Ziele des 
Kampfes verschlüge d. i. das Ziel des Kampfes völlig verfehlen 
ließe'- ^). Od. y 319/20 heißt es von Menelaos, der aus weiter 
Ferne heimgekehrt ist: od-sv ovy, EXjtoLTo ye d^vfxoj sXd^efxev, ovtiva 
TtQCüTov dnoGtpiqXioaiv aeXXai. Angemessen erklärt Hes. aTTfi'ff^rjAfiV 
cctzotv/^eIv enolrjaev; a7toG(p}jXiüai[g]' d7teviyy.0JGi[g]; Eustathios zu 
E 567, 583 15 zo de d7toa(pi'Xst€ ttovov ccvtl tov i/^iTtodlasiev und 
583 17 aTtooffdXXsiv ds t6 TtoQQio itoielv /.al aTtOTtXaväv. Es liegt 
hier also ocpdXXeiv in beiden altbezeugten Kompositis die Bedeu- 
tung von Werfen, schleudern, stoßen zugrunde, nicht 'zu Falle, 
ins Wanken bringen . Daß aber diese auch oqxxXXeiv nicht fremd 
ist, lehrt sowohl das Zeugnis der Alten als auch die eingehende 
Deutung einzelner Schriftstellerbelege, die zugleich zeigen, aus 
welcher Sphäre aq)aXX€iv stammt. Während Hesych ocpdXXeLV 
■üXiveLv, yiaraßdXXeiv, ä^aozdveiv. — acprjXaL' nXavfjöai, ßXaipai 
wenig Neues bietet wie auch Suidas acp^Xag- y.azaßaXwv, tcqooov- 
diaag; heißt es bei Eustathios zu lUas E 567, 583 17 0(pdXXeLv de 
Xiyexcti xb oviA,rtodiLeiv v.ai QiTVTeiv, zu 311, 715ii oti cog erti 
TtoXv f.iev To ocpdXXeiv rivd /.al aq)dXXea&ai, vTto zivog e^TtodiOfxov 
diqXol -/.aza zo avvtjdsg; zur Odyssee q 231, 1818 40 oqiijXai, ioziv 
efXTtodlGai /al fxeza/iv^Gai. Von diesen Bedeutungen könnten sich 
zwar QLTZzeiv und auch (.leza/iv^Gai (vgl. aTtOTrXavav) mit der 
durch djTO-, naqaGcpdXXo) gewonnenen Bedeutung decken; besser 
aber wird man sie auf dasselbe Gebiet von Vorstellungen beziehen, 



1) Vgl. Kommentar von Ameis-Hentze zur Stelle. 

2) Eustathios zu 311, 715 „ ^yyhg tov acfukrjrai T^yaysv geht un- 
richtigerweise hier vom Passivum aus. 

3) J. Kumpel, Lex. Pindaricum, na^aatfakka. facio, ut excidat, quis et 
aberret a recta via. hier: abducit, privat. 

4) Ameis-Hentze zur Stelle. 



152 P- Wahrmann 

dem auch ocfäXlEiv gleich eixTVoditeLv seinen Ursprung verdankt. 
tfXTTOÖiteLv nun könnte wohl von der übertragenen Verwendung 
von ocpdXleiv im Sinne von „zu Schaden bringen" hergeleitet 
werden; wahrscheinlicher aber ist, wie sich zeigen wird, hier eine 
gute alte Überlieferung verborgen, auf die auch der Umstand hin- 
deutet, daß anläßlich der Erklärung des zu ocpalog 'Fuß block' 
gehörigen Verbums a(paXiLsiv auch tGtfr^XEv verwendet wird. Hesych 
ia<f>dh§ev lacpr^'Kev, sdrioe. acpaXbg ydg b dEOf.i6g. Photios ?.eB. ovv. 
22, 13 ia(p(xXiLev' ^aqxxXioev^), eocprjXev, Idtiaev ovtco y.al ro 7tt- 
daig drjaai. Mag auch hier das Streben vorliegen, einen etymo- 
logischen Zusammenhang zwischen ocfaliLELv und ötfäXleiv herzu- 
stellen, so kann doch ocpälltiv die Bedeutung s/nTtodiLsiv nicht 
fremd gewesen sein. 

Schon an der oben angeführten Ilias-Stelle 'F 719 wird acpdlletv 
bei der Schilderung eines Ringkampfes angewendet und die Ver- 
bindung mit ol'ÖEi Tieldaoai macht es wahrscheinlich, daß ocpdlluv 
hier nicht „zu Falle bringen^' heißt, sondern eine andere Etappe 
des Kampfes bezeichnet. Ebenso steht es Theokrit, XXIV 109/10 
0(7(7« ö^ a/cc o^isleiov eÖQOOTQOcfOi ^Qyi'&ev dvÖQsg dXXdkcog ocpdX- 
XovTt Ttalaioi-iaGi, wo der junge Herakles, dessen Bildung ge- 
schildert wird, nicht darin Unterricht erhält, wie die Argiver ein- 
ander zu Boden werfen, sondern was sie für Kunstgriffe (oooct 
ocfdllovTi) dabei anwenden, den Gegner zu besiegen. Plut. Sulla 29 
'Aa&dfrEQ eq>£dQog iyyvg iqXd^E tov aq^dXXEiv -/.al /.(tTaßdXXELv zeigt 
wieder die Verbindung von ocpdXXELv mit einem Ausdruck des 
Niederwerfens, wobei der Vergleich mit dem tcpEÖQog beweist, 
daß die Wendung aus der Sprache der Palästra stammt. Was 
man aber unter ocpdXXsiv verstand, darüber gibt die Erklärung 
eines Mediziners Aufschluß. Apollonios von Kition, Illustrierter 
Kommentar der Hippokratischen Schrift /veqI dgd'Qiov ^) , sagt in 
seiner Erläuterung der von Hippokrates geschilderten Arten von 
E(.ißoXai (d. i. Einrichten von Verrenkungen): amri r^ ei.ißoX7J xal 
Tj TiQoad^Ev ECQrjfXEvri ov /.ard q>vGLV eohoai d{.i(piO(pdXXovaaL ro 
ctqd^qov dvay^dCovoiv eiiTtlrtTELV .... BayixEiog zoivvv STtißaXXo- 
/üEvog rag '^iTtTtoY.qaTeiovg Xi^eig i^riyijoaad-aL y.al ^u] dvvrj&eig 



1) rja(faXi!^iv von da(f«UCiiv wird irrtümlicherweise herangezogen, da 
es lautlich in spätgriechischer und byzantinischer Zeit mit aifaUCnv zu- 
sammengefallen (Hatzidakis, Einl. 322) und ihm auch durch die Bedeutung 
'sichern, befestigen, schließen' semasiologisch nahegeriickt war. 

2) H. Schöne, Leipzig, Teubner 1906; p. 3 zu Hippokr. ntol aQ&owv 
IV 82 (Kühlwein). 



vorjoai, TL Ttoxe eoriv zö afX(pia(pcclXovaat. zb äqit^QOv TteQißdlXov- 
oai {l7i€^rjyi]oaTo) , eTieineq eiyvojarov vti^q^sv avT(p, ozt nage 
t(Z luTQif dfAcpl 7ceQl arjualvsi. yctog 6^ ov/, äv zLg Htzuev avzbv 
vre arcEiQiag avveaxtjf^Evov '/.al zrjv ztöv lazQwv A.al zr^v ztov (piXo- 
(xad^ovvi(jt)v ÖLEOZQocpivai, didvoiav; mtb yctg zov otpccXXeiv, ^ait^äneQ 
y.al iv 7iaXaL0ZQL'/.fi , z6 7ceQL0(päXkeLv (z6 df.iq>iO(pdkl8i-v) Iv zolg 
TiQoeiQrj^evoig evzezaAzai zip zö dqd-QOv öict zivog alcpviöiou negl 
zöv zörcov al'/.LOfxov JceqiOQioÜ^tv elg z6 VMzd (fvoiv dnoyiDQÜv 
dvaymKsod-ai. ov '/.azd (piotv d' olezat eivat zag 7iQ0Y.eLiA.tvag 
i^ßoldg ölcc zl fx^ ixezd /.azazdaEcog (Ziehen nach unten, Dehnung) 
avzdg ylveaif^ai. Dann läßt er noch einige Belegstellen dafür 
folgen, daß Hippokrates für die hier in Rede stehende t(.ißoXri den 
Ausdruck dixq)i-, TiEQiocpaXoig gebraucht habe. Welcher Art nun 
die Ifxßolal gewesen waren, für die das hier ausdrücklich als der 
Sprache der Ringer angehörig bezeichnete aipdlXeiv verwendet 
wurde, das zeigen die auf alte Originale*) zurückgehenden Bilder, 
deren Beschreibung ich nach H. Schöne wiederhole: „sfißoXrj oifxou 
■q öid zcov daxzvXcov zov lazqov yivoixEviq '/.al zov dy.Qiof.dov dvze- 
QEiOLog. Reposition der luxatio axillaris. Die starke Zerstörung 
des Bildes läßt die verwendeten Farben nicht mehr erkennen, doch 
sieht man noch deutlich, daß um den Patienten zwei Ärzte be- 
schäftigt sind. Der eine Arzt, in langem Gewände, setzt stehend 
seine rechte Hand in die Achsel des Patienten, um den Humerus- 
kopf in die Pfanne zu bringen, und stemmt, um sich fest zu 
stützen, seinen Kopf auf die Schulter desselben. Der zweite Arzt, 
unbekleidet kniend, scheint den Ellenbogen des Patienten in die 
Rippen zu drücken". Tafel II if^ßoli^ wfxov ^ ölu zijg Ttvyfxrjg zov 
lazQOv yivof.i€vt]. Repositio der luxatio axillaris. Der auf der stark 
zerstörten Darstellung nicht mehr sicher erkennbare Vorgang scheint 
folgender gewesen zu sein. Der Arzt, in langem rötlichem Ge- 
wand, stehend „bog den Vorderarm des unbekleideten Patienten 
rückwärts zum Rückgrat, faßte mit der rechten Hand den Ellen- 
bogen oben und stemmte die linke Hand neben dem Gelenke von 
hinten an". Das diesen beiden Methoden der Einrenkung gemein- 
same Merkmal scheint darin bestanden zu haben, daß der Arzt 
durch Stemmen unter oder neben dem verschobenen Gelenke auf 
dieses einzuwirken suchte. Dieses Vorgehen veranlaßte wohl den 
Kommentator, den Terminus d(j.q)ioq>dllELv mit GipdlXEi-v zu er- 
klären, wodurch für uns auf dieses ein neues Licht fällt. Haben 



1) Schöne, a. a. 0., Einl. XXVIII. 



154 P- Wahrmann 

es schon die oben angeführten Stellen wahrscheinlich gemacht, 
daß GifälXuv dort nicht „niederwerfen, zu Falle bringen" bedeuten 
kann, so wird es durch die Auslegung, die ApoUonios hier für 
dfxcpi-, ^€QLag)dlleiv bringt, fast zur Gewißheit, daß aq^dllsiv die 
dem Niederwerfen vorausgehende Stufe des Ringens bezeichnet, 
die darin besteht, daß man [den Gegner behindert „eix^codiCsi, 
Gcpalllei^^, ihm ein Bein stellt, indem man sich gegen ihn stemmt. 
Hiebei lasse ich es dahingestellt, ob ApoUonios mit seiner Deutung 
und der Polemik gegen Bakcheios im Rechte ist. Denn es wäre 
ebenso gut möglich, dfxtpi-, neQioqxxXXsiv gemäß den Kompositis 
TtaQtt-, ceTToacpdlXeiv mit „herumwerfen" zu erklären, worauf die 
Periphrasierung durch ^cegißdlXeiv au unserer Stelle und durch 
TtegiAvhaig bei Galen (18, I p. 326, 11 Kühn) hinweist. Beson- 
ders fällt gegen ApoUonios die von ihm mit Unrecht unter den 
obigen Belegen angeführte Stelle Hippokr. TtsQt Hq^^q. IV 88 /tsQl 
yaQ t6 vTiEQOSidig (medizinisches^) Instrument) 6 wfxog TJv y.al 
-/.azaTrsiTr^yr], TceQLOcfaXXeod^ai '/.ivövvog tö G(Jüi.ia t] zfj rj vf]^) in 
die Wagschale, wo tc. gewiß nur mit „herumgeworfen werden" 
wiedergegeben werden kann. 

So haben sich für Gcpdrisiv zwei Bedeutungen feststellen 
lassen, 1) die von „werfen, schleudern" für die Komposita und 
2) von „ein Bein stellen, im Kampfe behindern" für das Simplex 
von seineu frühsten Belegen an. Aus diesem Terminus technicus, 
der einem den Griechen jederzeit wohl vertrauten Gebiet ent- 
nommen ist, läßt sich unschwer die weitere Bedeutungsentwicklung 
von oifdXXeiv verstehen: ins Schwanken — zu Falle bringen; dann 
schädigen, ins Unglück bringen, täuschen, betrügen und ent- 
sprechend im Medium bzw. Passivum: wanken, taumeln, fallen, 
sich irren, fehlen, in Nachteil geraten, besiegt werden 3), Es will 
mir sogar scheinen, daß die übertragenen Anwendungen aus der 
hier angenommenen Sonderbedeutung*) ungezwungener hervor- 
gehen als aus der der Etymologie zuliebe eingesetzten von „zu 
Falle bringen". Überdies läßt sich aus dem Griechischen selbst 
eine schlagende Parallele in 7raQa/.Q0viü, -xQOvof.mi beibringen, das, 



1) Faust, de machinamentis ab antiquis medicis ad repositionem arti- 
culorum luxatorum adhibitis, Greifswalder Diss. 1912, war mir leider nicht 
zur Hand. 

2) Textherstellung nach Kühlwein. 

3) W. Gemoll, Griech.-Deutsches Schulwb. 

4) Schon bei Stephanus wird supplanto als erste Bedeutung angegeben, 
während bei den späteren Lexikographen diese Bedeutung ganz verschwindet. 



S<f)ii.ttg, aipii-ko) 155 

ebenfalls aus der Sprache der Palästra stammend, dieselbe Be- 
deutungsentwicklung durchgemacht hat^). Besonders lehrreich 
ist seine Verbindung mit ocpdXlio: Piaton, Theait. 167 -B — 168^ 
döiKelv d^ eoTLV sv xw toiovto), oxav tig i^tj x^^^S i"**' ^9 aycon- 
Co/xsvog Tag öiatQißag Tioirjtai, /w^fc? di diaXsyoixavog, v,al ev 
fxav Toj TtalKjj re y.a.1 GcpaXXr] y.ad^ oaov av övvrjTaL, ev de toj dia- 
Isyeo&ai o/tovöaKr] re Aal STtavogS^ol xbv TtQOodialsyöusvov, kv-slva 
(xova avTO) evÖEiy.yvfxevog ra a(pdXjiiaTa, a avrog v(p savtov y.ai 
Thw TtQOTEQCov Gvvovouov 7taQey(,ey,Q0vaT0, und Flut. Fab. 19 ftaQa- 

Y.QOVGdf.l€VOg SO(piql.E. 

Bevor ich mich der Behandlung der Etymologie zuwende, will 
ich einen kurzen Überblick über das Vorkommen von acfdlXo) in 
der älteren Literatur geben, soweit es mit Hilfe der jetzt zu Gebote 
stehenden Hilfsmittel möglich ist. Auch diese wird, meine ich, 
zeigen, daß sich das Vokabel nicht mit der Grundbedeutung 'zu 
Falle bringen bzw. "zu Falle kommen' über die ganze Gräzität 
ausgebreitet, sondern daß es seinen Ausgang von einem be- 
schränkten Gebiet und von der ganz bestimmt gefärbten Sonder- 
bedeutung aus genommen hat. Darin besteht ein charakteristischer 
Unterschied gegenüber da<fiaXrjg, das als Adjektiv und Adverb von 
Homer an viel allgemeiner im Gebrauch gewesen ist als aqxxllio. 
Indessen läßt sich auch bei dotpaXr^g dartun, daß es zu den später 
so häufigen Bedeutungen von 'ruhig, sicher' nicht von 'fallen 
machen, fallen aus gelangen mußte, sondern von dem in ccTto- 
7taQaoq)dllEiv vorliegenden 'werfen, schleudern, eventuell stoßen'. 
Ich führe die Stellen an mit der Interpretation von Hentze: Od. 
C 42: der Olymp heißt ^Eiovgl'öog dacpaltg asl 'unerschütterlich', 
was sich ebenso gut erklären läßt als der 'nicht geschleuderte', 
wie als der 'nicht fallende'. Dasselbe gilt von II. 683, wo der 
Kunstreiter über die vier zusammengekoppelten Pferde eilt E(.inEdov 
dog)alig dsl 'sicher, ohne Fehltritt, immer. Gegen die Deutung 
'ohne Fehltritt' spricht sogar der Vergleich mit N 141, wo der 
Fels docpaMoig d-ht l'fiTrEÖov, 'ohne Anstoß, ungehemmt', wo 'ohne 
zu fallen kaum anginge. Ebenso v 86, wo sich dieselbe Wendung 
auf ein Schiff bezieht 2). P 436 werden die Pferde des Achilles 



1) Passows Hdwb. s. v., Etym. Magn. 652, 49 dnarä dnb fieraipogäg 
rcöv TiakaiaTcöv, ov xuTKßaXkövTwv, dlV iv ajQa naQax^ovövTcav fj nodl ^ X^^Q'^ 
xai ov ^iTiTovvTCJV , rj dno twv h Toig Cvyols tOTürvToxv. Bei Harpokration 
8. V. wird nur das letztere Bild genannt, wohl mit Unrecht, da gerade die 
Verbindung mit atfdkXa) für das erstere spricht. 

2) Dem Verfasser des Scholion zu r 86 ist auch nach seiner Kenntnis 



156 !*• Wahrmann 

geschildert, die wie eine Säule /xevov doq)aleci)g TiEQLytaXXea dicpQov 
eXOVTsg, 'fest, ohne sich von der Stelle zu rühren'; d. h. auch, ohne 
sich 'fortschleudern — stoßen zu lassen. Ähnlich ip 325 vom 
VVagenlenker an dem zigi-ia: aAA' exei aoqiaXsiog xat tov tcqov- 
Xovva öoytevsi, 'er lenkt, ohne von der eingeschlagenen Richtung 
abzukommen'. Schon den späteren übertrageneu Bedeutungen 
nahe steht: Od. ^171 6 ö^ acpaltiog ayogevei 'ohne Anstoß, sicher . 
Gegen diese Auffassung von aocpahjg {-swg) könnte nur q 234/235 
sprechen, wo erzählt wird, wie Meianthios beim Vorübergehen dem 
Odysseus einen Tritt in die Hüfte versetzt: . . . ovö^ {.iiv t%x6g 
azagrciTov EOtvcpeXi^ev , all k'i.ie%^ aacpalkog, *^ohne zu Falle zu 
kommen, zu wanken nach Ameis-Hentze. Allein der Gegensatz 
in dem mit ouds eingeleiteten Satz beweist, daß auch hier die 
Erklärung von 'wegschleudern' angemessener ist. Überhaupt ist 
m. E. der Bedeutungsübergang von 'fallen' zu 'wanken' kein so 
einfacher, wie der Etymologie von a(fdXleiv zuliebe hier immer 
angenommen wird. Auf die übrigen stammverwandten Wörter wie 
acpalegog, GCfdlf.ia, bei denen die Verhältnisse ebenso liegen, gehe 
ich nicht weiter ein, sondern kehre zu otpalloj zurück. 

Bei Hesiod fehlt acpdllco; nur docpaXtg und docpaleiog finden 
sich an Stellen, die Homer nachgebildet sind: Theog. 8G, 117, 128^). 
Auch die alten Lyriker bieten wenig: Solon 33.1 (Bergk) cpQEvcov 
aTtoocfaXelg; Archilochos 584, 664 doipaltiog. Bei Pindar liest 
man*): Ol. H 89 dg "E/aog eacpaXe, mit unverkennbarem Anklang 
an Homer; deutlich fühlbar ist die Beziehung zur Palästra Isthm. 
HI (IV) 53 -/.al /.QtoGov dvÖQOjv ;(£f^c'j'wv tocpaXe xiyya AaTa^idq- 
ipaio^. Zur übertragenen Bedeutung führt hinüber: Pyth. VHI 19 
ßla ÖS y.al ^eydXavxov eocpaXev hv XQ^^V- Übertragen gebraucht 
ist das Passivum Parthenien 10 (Diehl) (o tlvi f.irj iL/cdreyivog 
ocpaXf] ndfXTtav ol^og. Heraklit verwendet G(paXX6f.i€vog B 117 
(78, 11) (Diels, Frgte der Vorsokr.) vom Betrunkeneu 3). Bei 
Herodot*) steht es aktiv VH 16, VII 142 (hier im Sinne von ver- 
wirren, „conturbare"); passiv VII 50 und VII 168a; ocfdXfxa I 207, 
VII 6 heißt Gefahr (periculum). Häufig findet sich o(pdXXto aktiv 



über aifjüXXo) die Stelle unklar: datfaköig xvQiwg inl twv /ni] ai^allo^^vtav, 
ifxniSbig 6k inl twv iv tw ntöCw i^QtC<^juivwv. tj 6f vavg ovts äatfulTÖg fariv 
ovTf iv T(^ ntdCü) IqqI^wtki,. fiXrjmKt ovv tig (fj.(faaiv rrjg dxhjovg xal fiij 
atfaklofievrjg iv ti^ ttIü. 

1) Index von Paulson. 2) Lex. Pindaricum von J. Kumpel. 

3) Index von Kranz. 

4) Lex. Herodoteum von Schweighäuser. 



2(f^kas, a<fdll(o 157 

und passiv bei Thukydides i). Unter den Tragikern ist Aischylos^) 
gegenüber ocpalho zurückhaltend; passiv Frgt 258; ebenso Eum. 
717 im Sinne von auoacpäXXeod^aL; anooffdllead^ai Prom. 472; 
Pers. 391, 392 {cpQEvwv, yvwfxriQ, wie schon bei Solon). Weitaus 
häufiger gebraucht es Sophokles 3), u. zw. aktiv und passiv; bei 
ihm tritt zuerst auch die ethische Färbung stärker hervor: u. a. 
Oed. C. 75; Tr. 621, 727. Ähnlich steht es bei Euripides*). 

Hingegen ist der Gebrauch bei Aristophanes ^) viel einge- 
schränkter. Er verwendet es im Passivum: einmal Ranae 689 vom 
Ringkampfe: aq)aX€ig zi Qgvvixov Ttalaiaf^aai; einmal Vespae 1324 
vom Betrunkenen; sonst noch Ranae 736, Plut. 351, Pax 146. 

Was die Autoren, die ganz oder z. T. schon dem vierten 
Jahrb. angehören, anbetrifft, ist a(pallo) bei Piaton ß) und bei 
Xenophon '^) nicht selten. Ganz anders verhalten sich die Redner. 
Bei Demosthenes *) fehlt og)dlla) ganz; die einzigen Beispiele im 
Corpus Demostheuicum stammen aus unechten Reden: XXV 3, 
XLI 2. Bei Aischines^) sind III 125 iTveidij ex tov cpavsQOv Tr]v 
TtoXiv avd^QOjTtog oiy. idvvavo oqirjXai und diaöcfäXkofxai im Aorist 
gleich djioG(f(xllo(.iaL II 35, III 91 wohl die einzigen Beispiele. 
Antiphon liefert nur V 75 xdx ccv Gq)aXstr]v^'^). Isokrates^^) TtQcg 
Jtlfx. 32 sagt im Hinblick auf die Einwirkung der Trunkenheit 
^ i/'t'X^ ^oKXo. aq^dXXezai diaq^d^ageiar^g r^g diavoiag. Andokides, 
Lykurgos, Deinarchos^^) werfen wieder nichts ab, ebensowenig 
Hypereides^sj, 

Dieses Verhalten der Redner, insbesondere des Demosthenes, 
der gewiß im Verlauf seiner Reden gerade dieses Vokabel oft 
hätte verwenden können, ist auffallend genug und bedarf der Er- 



1) Index von Essen. 2) Lex. Aeschyleum von Dindorf. 

3) Lex. Sophocleum von Ellendt-Genthe. 

4) Nach dem Ausweis der Lexika ; der Index verborum im 9. Band der 
Glasgower Ausgabe 1821 von Chr. D. Beck ist mir nicht zur Hand. 

51 Joannis Caravellae Epirotae Index Aristophanius ex codice Bod- 
leiano. Oxford 1822. 

6) Lex. Platonicum von Ast. 7) Lex. Xenophonteum von Sturz. 

8) Index von S. Preuß. 

9) Bei Aisch. und bei Lysias bin icb auf den alten, wenig verläßlichen 
Index von Reiske-Mitchell, Indices Graecitatis in oratores Atticos, Oxford 
1828 angewiesen. 

10) Index Antiphonteus von Cleef, Cornell Studies of Class. Phil. 1895, 
New York. 11) Index von S. Preuß. 

12) Index von Forman, Oxford 1897. 

13) Index in der Ausgabe von Blass. 



158 P- Wahrmann 

klärung. Ich kann diese nur darin finden, daß GqxxlXio dem Tenor 
der streng sachlichen Gerichts- und Staatsrede damals noch nicht 
angemessen war, was wieder damit zusammenhing, daß es kein 
echt attisches Wort war. Die oben angeführten Zeugnisse zeigen 
die Art des Eindringens in den athenischen Sprachschatz. Aus 
der ionischen Poesie (Homer) und der ionischen Prosa (Herodot) 
fand es Eingang in die Sprache der Dichter und der Historiker. 
Dazu stimmt, daß es besonders bei Sophokles, dem ,,'/covr/twrarog 
unter den Tragikern" i) häufig ist, dagegen selten bei dem der 
Sprache des Alltags nahestehenden Aristophanes. In die athenische 
Umgangssprache kam oq>älXw wohl zuerst als technisches Wort 
beim Ringen und als Ausdruck des Kneipjargons, der begreiflicher- 
weise der Sprache der Palästra nahe stand. Denn seit Heraklit 
findet sich das Wort immer wieder für den Zustand des Be- 
rauschten; abgesehen von den angeführten Beispielen, von denen 
besonders Isokrates zu beachten ist, nenne ich u. a. Kritias B 6 
(615, 22) Diels, Xen., rep. Lac. V 4 und 7. Eine jüngere Reminiszenz 
an diesen Sprachgebrauch ist es vielleicht, wenn noch Lykophron 
Alex. 207 von einem Bakchos ^(pctlzTig, spricht, worunter er freilich 
den Weinstock versteht, der den Telephos zu Falle bringt, indem 
er sich darin verwickelt. 

Weiter scheint aus den Beispielen bei den Rednern und bei 
Aristophanes hervorzugehen, daß sich das Passivum früher Heimats- 
recht erwarb als das Aktivum, wenngleich hier auch poetische 
Einschläge vorliegen können. Das einzige Beispiel für das Ak- 
tivum bei Aischines trägt wohl schon durch die Verbindung mit 
avd^QcoTTog (vgl. Dem. IV 9 u. ö.) vulgären Charakter an sich. Bei 
Piaton und Xenophon sind lonismen nichts Ungewöhnliches. 

Mit dem ionischen Ursprung steht auch die starke Ausbreitung 
des Wortes in der hellenistischen Schriftsprache in Einklang. So 
stammen die meisten Komposita, besonders diejenigen, die G(fdlXio 
in den übertragenen Bedeutungen voraussetzen, erst aus der 
alexandrinischen Zeit; teils sind sie noch jünger. 

avaacfallELv nach Eustath. II. zu 311, 715io to dveysiQsaS^ai 
ecTE d/tb voaov sYre djtb txiqov TtTtofxazog u. ö.; ähnlich Pollux 
y 108; Etymolog. Magn. 100, 47. Der älteste Beleg stammt aus 
dem pseudoplatonischen Axiochos 364 C, ist also schon hel- 
lenistisch 2); sonst bei Dion Chrysost., Aristain. 



1) Solmsen, Glotta 2 (1910), 303. 

2) Christ-Schmid, Griech. Lit. 656, Anm. 



aftoGcpccXhü ist alt; besonders häufig das Passivum; eigentlich 
'weggeschleudert von etwas' arcootpaleig rivog, das auch acpaleig 
und ÖLaoipaXeig beeinflußt hat. 

dLao(pdllofxaL schon bei Aischines; ebenso bei Diodor 20, 10. 
ÖLaacpdXXw, ein verstärktes aq)äXkco, erst bei Lukian. 

e7tiaq)dllii) nur hellenistisch. Josephus, Onasandros rregl 
OTQaT., Gregor v. Nyssa. 

TtaQaoq^dlXo) ist alt und behauptet sich auch später; [Plato], 
Epinom., Gregor v. Nyssa; Opp. Hai. 3, 200. 

TtBQi-, di.i(pLO(pcclla) sind schon durch ihre Beschränkung auf 
die ärztliche Terminologie als ionisch gekennzeichnet; sie haben 
überdies, wie erwähnt wurde, auch die Grundbedeutung bewahrt. 

7ZQOO(faXlof.iai ist nur byzantinisch. 

ovocpdllofxaL 'ich strauchle mit jem.' Max. Tyr. diss. 13, 4. 

vTtoaq)dXloi.iai 'ich irre ein wenig' Phot. ep. 26, 37. 

Diese Untersuchung über den Gebrauch von GcpdXla) hat somit 
nichts zu Tage gefördert, was gegen die obige Auffassung des 
Wortes spräche, scheint sie aber noch dadurch gestärkt zu haben, 
daß sie acpccXlco einem abgegrenzten Dialektgebiet als Ausgangs- 
punkt zuweisen zu dürfen glaubt, was der Entwicklung einer so 
prägnanten Bedeutung wie der des 'supplantandi' gewiß günstig 
ist. — Es fragt sich nun, wie sich die aus den ältesten Kompositis 
erschlossene Bedeutung und die für das Simplex wahrscheinlich 
gemachte mit einander vereinigen lassen. Ich gehe von der ersteren 
aus, die ich als die ursprüngliche ansehe^), und leite die letztere 
mit Hilfe eines dem primitiven Leben angemessenen Bildes aus 
ihr ab, das zugleich zu einer neuen Etymologie von ocpcclXtu führen 
wird. oq)dllio bezeichnet m. E. besonders das Werfen mit Knütteln, 
hölzernen Stöcken, die man als ,,Ur- und Hauptform" der mensch- 
lichen Werkzeuge betrachten kann, und die besonders als Hilfs- 
mittel bei der Jagd auch noch für die altgriechische Zeit bezeugt 
sind; so tragen die Jäger der griechischen Heroenzeit Orion und 
Herakles die Keule; auf vielen bildlichen Darstellungen sind die 
Jäger nur mit Stöcken bewehrt; eine beliebte Hirten waffe ist das 
layiüßolov, 'der Hasenwerfer' 2). Während nun einerseits die Be- 
deutung des Werfens und Stoßens verallgemeinert wurde, ent- 
wickelte sich andererseits der Terminus 'jemandem ein Bein stellen, 

1) Beispiele für die Bewahrung der Grundbedeutung in Zusammen- 
setzungen aus dem Deutschen bei Hirt, Etym. d. deutschen Sprache, 345, 351. 

2) Theokr. IV 49; vgl, Hörnes, Natur- u. Urgeschichte des Menschen, 
II, 190. 



160 P- Wahrraann 

ihn behindern' über die Zwischenstufen "^jemandem Prügel vor die 
Füße werfen, ihm einen Stock zwischen die Füße stecken', der 
sowohl der Jagd als dem Raufhandel entnommen sein konnte und 
von diesem auf den Ringkampf überging. 

Zu der in o(pdllio, laqxxlrjv vorliegenden Basis *sphelei^) stelle 
ich die Wurzelform *sphel(e), entsprechend der Reihe f.iaivof.iai, 
EfActviqv, jitevog^). Von *sphel(p) leite ich acpsXag ab, das in Über- 
einstimmung mit den obigen Ausführungen das 'geschleuderte Holz- 
stück, den Knüppel' bedeutet. Zur Form läßt sich di/^iag zu 
(Jf'juw: 'Körperbau, Gestalt', zur Bedeutung ai. ^«/'Waffen schwingen, 
schleudern' zu nhd/ Stock' ^) vergleichen. Außerhalb des Griechi- 
schen vereinige ich mit der Wurzel sphel(e) skrt. ä-sphälaijati 'läßt 
anprallen, patscht auf, schleudert gegen' ^), das wohl zu der nur 
im Dhätupätha überlieferten Wurzel sphal 'schwanken, zucken' 5) 
gehört. An der Bedeutungsverschiedenheit kann man, abgesehen 
davon, daß die Bedeutungsangaben des Dhätupätha oft recht vage 
sind, keinen Anstoß nehmen, wenn man sich an die ganz analoge 
Entwicklung von gr. TtdXXto in Ttalfjog (Zucken, Vibrieren eines 
Gliedes) erinnert. Größere Schwierigkeiten scheint zunächst in 
semasiologischer Beziehung die Wortgruppe zu bereiten, die man, 
wie oben angeführt wurde, zu acptlag zu stellen pflegt ß); ai. spha- 
titas 'gesprungen', sphiUati, sphotati 'platzt, springt auf, reißt, 
spaltet sich'; ohne s ai. pholati 'berstet, springt entzwei'; phalas 
Pflugschar, jwÄrt7aÄ:am 'Brett'; ai. patati 'spaltet sich, berstet', an. 
fJQl 'Brett'; got. spilda usw., denen z. T. die Wurzel (s)p(h)el(t) 
in der Bedeutung 'spalten zugrunde liegt. Indessen führt auch 
von dieser ein Weg zu sphel(e) 'werfe mit Stöcken'. Unter den 
oben angeführten Bedeutungen findet sich auch phälas, 'die Pflug- 
schar, angemessen gedeutet als die 'die Erde aufreißende'. Wenn 
man sich nun die älteste Form des Pfluges ins Gedächtnis ruft, 
so kann man in phälas den spitzen Grabstock wiedererkennen, 
mit dem die Erde aufgerissen, ^gesjmlten wird'^). Man muß also 



1) Literatur über diese Präsentia bei Brugmann-Thumb, Griech. Gr. 346*. 

2) Brugmann, K. vgl. Gr. 297: Persson, Beitr. 761. 

3) Kluge, Deutsches etym. Wb. s. v. Stock; Meringer, IF. 17 (1904/5), 120. 

4) BötWingk-Eoth, Petersb. Wb.; nach Uhlenbeck, Etym. Wb. d. ai. 
Sprache, wird mit Unrecht ü-sphalayati zu acfüU.tiv gestellt. 

5) Zu sphal und sein Verhältnis zu ahd. fallan auch Lüders, KZ. 42 
(1909), 198. 6) Persson, Beiträge 803 f. 

7) Meringer, a. a. 0. 121 (got. hoha Pflug zu ai. säkhä), 127 (Spitze 
des Ackerpflocks als Vorläuferin der Pflugschar). 



Ztfikctg, a(fciXX(o IQl 

von einem etwas erweiterten Begriff der Wurzel (s)p(h)el(e) (sphelei) 
ausgehen, indem man als Grundbedeutung die des'Hantierens mit 
einem (gespitzten) Holzstück' annimmt, die dann sich scheidet in 
"das Schleudern von Knüppeln^ und in *^das Reißen, Spalten mit 
einem Pfahl'. 

Daß übrigens die zweite Bedeutung auch ins Griech. Eingang 
gefunden hat, zeigen die schon lange mit der W. sphel(e) ver- 
einigten Wörter: acfaXdaaeiv nach Hesych i:ejiv£iv, /.evTslv; aq^dla^ 
Stechdorn, öcfdXa^, docpdXa^, orcciXa^, dortaXa^ "Maulwurf (der 
die Erde aufreißende) i), die von der schwachen Form von *sphel(e) 
ebenso wie yidqa^, xaqöooM von *yher(a) abgeleitet sind 2). 

Dagegen muß aus lautlichen Bedenken das von Persson und 
anderen auch hiehergestellte ocpaXoq "der Fußblock, die Wurf- 
scheibe' ausgeschieden werden. Denn man könnte von sphel(e) 
nur eine Bildung auf -0 mit Ablaut erwarten 3); '^spliolos nach 
(fOQog. Dieses würde gleich ai. phdla der '^spitze Stock^ bedeuten, 
dann erst das "Holzstück und die aus Holz gefertigten Gegen- 
stände'. Das a von aipalog müßte analogischem Einfluß ent- 
springen; doch ist dieser weder vorauszusetzen seitens der durch 
den Bedeutungswandel ganz abseits gerückten Gruppe von ocpa- 
laoaeiv, noch seitens eines zu ocpällw gehörigen *a(pdXog, vor- 
ausgesetzt durch dofpaliqg — zur Schwundstufe vgl. d^dqaog, 
•/.gdtog — , das aus semasiologischen Gründen und infolge des ver- 
schiedenen Akzents schwerlich auf acpaXog eingewirkt hätte. 

Zum Schluß möchte ich noch auf ein lokales Zusammentreffen 
aufmerksam machen, das zu der hier vorgetragenen Etymologie 
von ocpdllo) gleichfalls zu stimmen scheint. Gerade aus dem 
ionischen Sprachgebiet, wo sich ocpdlho in seiner Sonderbedeutung 
entwickelte, in seiner Grundbedeutung im Kompositum erhielt, 
stammen auch die inschriftlichen Zeugnisse für acpeXag; endlich 
verdient Erwähnung, daß Nikander, der ocpelag nach meiner Inter- 
pretation noch als Holzstück kannte, ebenfalls ein lonier aus Ko- 
lophon war. 

Wien P. Wahrmann 



1) Persson", a. a. 0. 418 und 803. 

2) Prellwitz, Etym. Wtb. s. v. 

3) Brugmann-Thumb, Gr. Gr. 210*, Hirt, IP. 32 (1913), 304 f. 



Glotta VI, 2. 11 



\Q2 P- Wahrmann 

acpaXoq, a<pdvLOv 

Bei Hesych liest man {a)q)aX[l]c'g- tazi yuQ ^vlov rtodwv ösa- 
fia}Ti'/.c'v. Ol ds '/.OQfxov tj öiav.ov. akXoi dLO'/.osidlg ri o/.evog (xoXvß- 
dir{ov) e'xov -/.q/kov, o öeGfxovvreg vjtEQ rijv yiecfaXijv qitctovöiv sv 
Toig aywoi. bei Pollux VIII 72 /.al aq)aX6g öi t6 deai.io)TL/.ov ^vlov 
fijcaAetTO" aXlo (.dv^), w edloy.£vov ex xaXci)dtov ^Qtrji^ievo). Endlich 
wurde von Borchart in dem Epicharm - Fragment Kaibel 148 
(Ahrens 99) das überlieferte acpd/ieXog schlagend emendiert in 
og)a?.ög. i/, öi KaTaöi/Mg niöai te '/.al OfpaXog xa^ tccfxia^). Die 
von Persson vorgenommene Verknüpfung von ocpalog mit Gq>tlag 
wäre seitens der Semasiologie wohl angemessen — Holz, Block, 
Holzscheibe — , kann aber lautlich schwerlich gehalten werden 3). 
Hingegen läßt sich ötfaXog als Ableitung der weitverzweigten W. 
sp(h)e, sp(}i)d mit Hilfe eines ^-Formans auffassen. Die Grund- 
bedeutung der genannten Wurzel ist nach Persson^) 'spannen, 
ausbreiten'; die Weiterbildungen bezeichnen nach ihm verschiedene 
Gegenstände, die entweder als 'Werkzeuge (Geräte) zum Aus- 
spannen, Aussperren, Einklemmen oder als selbst ausgespannt, 
eingeklemmt usw. oder aber nach ihrer in die Länge bzw. Breite 
gezogenen (d. h. langen, schmalen, breiten, dünnen, flachen, spitzen) 
Form benannt zu sein scheinen\ Es läge nahe, in aq)aX6g eine 
Spannvorrichtung zu sehen, eine Art von Fuß-'spange'. Allein 
dagegen sprechen die beiden anderen Bedeutungen, -/.OQfiog und 
öiOY-oeidig oxevog, denn diese lassen sich nur aus der dritten der 
oben angeführten Bedeutungskategorien ableiten, man müßte denn 
annehmen wollen, daß entweder durch Verblassung der Spezial- 
bedeutung aus 'hölzerner Fußblock' zuerst 'Holzscheit', daraus 
wieder 'Holzscheibe' wurde oder daß sich im Griechischen beide 
Bedeutungen 'Spannvorrichtuug' und 'Holzscheit' getrennt aus der 
älteren Sprachperiode erhalten hätten, was beides gleich unwahr- 
scheinlich ist. Dagegen ist unschwer zu verstehen, wie aus 'breitem 
Holzstück' die Bezeichnung des Fußblockes, der oft nur ^vXov^) 
heißt, und die einer Holzscheibe, bzw. einer Scheibe*^) schlecht- 
hin, hervorgehen konnte. 

1) Überliefert äXlöfisvov; hiefür liest Bekker «AAo ys ov, rj; einfacher 
ist m. E. obige Textänderung (zum isolierten Gebrauch von f^e'v s. Kühner- 
Gerth, Gr. d. Gr. Spr. II 2, 272). 

2) Herwerden, Lex. suppl. s. v. acpukög. 3) Vgl. Glotta VI S. 24. 

4) Beiträge zur Indogerm. Wortforschung 386 ff.; besonders 404. 

5) Z. B. Aristoph. equ. 367, 394, 705. 

6) In den archäologischen Abhandlungen über den Diskos, in denen 



aipctXög, Oifävtov lg3 

Zu derselben W. sp(h)e(i) wird m. E. mit Recht gr. ocpiqv 
gestellt, das man wohl am besten mit ahd. vo\iA. spän'' Span ver- 
gleicht ^) und als länglich zugespitztes Holzstück erklärt. Zu acpriv 
gehört wieder ein nur bei Hesych überliefertes ocpdviov • yiXividiov, 
das bisher bei der Behandlung der hieher gehörigen Bildungen 
unbeachtet geblieben ist. Es ist ein substantiviertes Neutrum eines 
von 0(fi]v abgeleiteten denominativen Adjektivs auf -log ^aqxxvLog 
(zu oq^riv, '^'Offavog vgl. ffQtp', q)Qaoi)^) und bezeichnet den aus 
Holzbrettern hergestellten Gegenstand analog zu ösfxvia^). Die 
DeminutivbedeutuDg ist erst sekundär von dem Erklärer hinein- 
getragen*), ocpaviov ist eine dem lat. sponda parallele Bildung 
und als solche wohl geeignet, die Ansicht derer zu stützen, die 
in sponda nicht ein 'Spannbett', sondern ein hölzernes Bettgestell 
sehen ^). 



die Frage, ob es Diskoi mit Schleuderriemen gebe, vielumstritten ist, ver- 
misse ich den Hinweis auf Oipcclog; so bei Kietz, Agonist. Studien I, der 
Diskoswurf bei den Griechen. Diss. München 1892; bei Jiithner, Abhand- 
lungen des Wien. Arch. Seminars XII. und in Pauly-Wissowa unter Diskos; 
bei Daremberg-Saglio ebda. 

1) So Persson a. a. 0. 404/5; Solmsen, Beitr. zur griech. Wortforschung 
129 vereinigt span und acfi^v, ai. sphyas, faßt es aber wohl als zugehörig 
zu einer W. sp(h)e(i), die 'spalten, schneiden' bedeutet, da er zu Holzspan 
den Zusatz 'messerförmig geschnittener' beifügt; Walde s. v. sponda ver- 
einigt Span 'Span' mit der W. spe 'schneiden, schnitzen', während Falk-Torp 
in Ficks Etym. Wb. III' 507 zwar spä7i zur oben genannten, in 'Spannen* 
vorliegenden Wurzel ziehen, dagegen 505 a(priv zu sphei, sphi, sphe 'spalten' 
stellen; letzteren pflichtet Meringer, Wörter und Sachen, I 180 bei. Die 
Keihe 0(fi^v, spän, sphyas ohne näheren Zusatz führt an Brugmann, Grdr. I 
507, 700; K. vgl. Gr. 151; Brugmann-Thurab, Gr. Gr.^ 129. 

2) Brugmann-Thumb, Gr. Gr.* 211/212. 

3) Prellwitz, Etymolog. Wb. s. v., Boisacq, Dict. etymolog. de la langue 
Grecque, s. v., Meringer, Die Stellung des bosnischen Hauses [Sitzungs- 
berichte der Wiener Ak. 144 (1902), 102]. 

4) Andere Beispiele dieser Art bei W. Petersen, Greek Diminutives in 
-cov (Weimar 1910), 49 ff. 

5) Walde, Latein, etymolog. Wb. s. v. sponda. Meringer, a. a. 0. und 
in 'Wörtern und Sachen' I (1909) 180, wobei ich allerdings nach der obigen 
Ausführung M.s älterer Aufstellung, nach der er sponda noch mit spän ver- 
einigt, den Vorzug vor der neueren geben muß, die in sponda eine Ableitung 
von einer W. speiidh 'Bast, Holz' sehen will. Mit Persson a. a. 0. 413 
stimme ich in der Vereinigung von sponda mit der W. spe bzw. spend 
überein ; nur sehe ich infolge des Vergleichs mit acfäviov im Gegensatze zu 
ihm auch in sponda nicht so sehr den 'Spannbalken' als schlechthin das 
Brettergestell. 

11* 



1(34 Jo'^- Compernass 

Noch einen Einwand gegenüber dieser Ausführung gilt es zu 
berücksichtigen. Man könnte leicht in acpr^v 'Keil' anbetracht des 
Umstandes, daß auch heute noch gerade bei Spannvorrichtungen 
Keile eine Rolle spielen, einen 'Spannbalken', 'Spannagel' erkennen 
wollen und demgemäß gerade OfpävLOv als 'Spannbett' betrachten. 
Wie bestechend das auch sein mag, so spricht doch der Vergleich 
mit dem nahe verwandten GcpaXög dagegen, bei dem aus semasio- 
logischen Rücksichten die Grundbedeutung eines Spanuagels ab- 
gelehnt werden mußte. Es scheint nun wenig glaublich, daß zwei 
nur durch ihre Bildungssuffixe verschiedene Wörter aus derselben 
Wurzel in ihren Grundbedeutungen auseinandergehen. Dazu 
kommt, daß die Verschiedenheit der Suffixe im Griechischen mög- 
licherweise auf dialektische Scheidung zurückgeht, was allerdings 
bei einem so wenig belegten Wort wie ocpaXog nur hypothetisch 
bleiben kann. Während ocpiqv wohl mit Recht als ionisch erklärt 
wurde ^), könnte man o(paXog in Hinblick darauf, daß es bei dem 
Dorer Epicharm vorkommt, und daß die Verbalbildung loqiäh^sv 
bei Hesych^) den nordwestgriechischen |- Aorist^) zeigt, für die 
nordwestgriechischen Dialekte in Anspruch nehmen. 

Wien P. Wahrmann 



"Vulgaria 

1. Neduni = non solum 

Cic. ad Attic. IX 7 A, zu Anfang eines Briefes des Corn. 
Baibus an Cicero, wird handschriftlich überliefert: Nedum hominum 
humüium, ut nos sumus, sed etiam amplissimorum virorum consilia 
ex eventu, non ex voluntate a plerisque prohari solent. Mit Recht 
hat Hellmuth in seiner Abhandlung 'Über die Sprache der Episto- 
logr. S. Sulp. Galba u. L. Cornel. Baibus (Progr. Würzb. 1888) 
S. 44 f. sich dahin geäußert, daß tiedum, welches sich auf hdschr. 
Überlieferung stütze, zu halten und es gewagt sei, mit Hand 
(Tursell. IV, 154) in nimirum zu ändern. Wenn er aber meint, 
daß der Gebrauch von nedum = non solum sich sonst in der 
röm. Literatur nicht vorfinde, so ist das ein Irrtum. Hellmuth 
hätte leicht aus denj. Acta SS., welche nicht in Spanien geschrieben 
sind, nachweisen können, daß dieser Gebrauch nicht bloß der 

1) Solmsen, a. a. 0. 2) Glotta VI S. 15. 

3) Thumb, Hdb. der griech. Dialekte, 76. 



Vulgaria 165 

iberischen Halbinsel, sondern dem ganzen Vulgärlatein, wenigstens 
eine Zeitlang, angehört hat. Folgende Beispiele sind besonders 
lehrreich. Acta ss. Leontii et Carpophori (Aquileae) c. 3: Uli vero 
sancti de ignis educti medio, nedum in corporibus, sed etiam in 
capillis et vestibus penitus apparuerunt intacti. Vita s. Silvestri 
pont. (Romae) z. Anf. : At Silvester nedum gaudebat illo suscepto, 
verum etiam omni excusso mein virique tum vitae rationem tum 
praedicutionem spectatam Habens, multis cum laudibus omnibus com- 
mendabat (vgl. Combefis, Illustr. Christi martyr. lecti triumphi 
p. 260f.). Vita s. Ampelii (Genuae) c. 12: qualiter domini famulus, 
nedum cum viveret, quin potiiis post gloriosum eins obitum miseri- 
cordiae et pietatis visceribus totus semper affluebat in domino. 

2. Suppediuni "Zuflucht, Hilfe' 

Suppedium = refugium ist bezeugt durch Gloss. lat. V 614, 57: 
supedium refugium, ib. V 244, 11: saepedium (lies: supedium) re- 
fugium, ib. V 580, 16 wo überliefert ist supedium somnium pssorum, 
was nur aufgelöst werden kann durch supedium : supedium omnium 
pressorum. Offenbar handelt es sich an letzterer Stelle um ein 
altes Italazitat, welches den Gebrauch von suppedium erklären 
sollte. Hierfür spricht auch Acta s. Zosimi (Conanis Pisid.) c. 4: 
7] y,aTa(pvy7] yial ^ avccTtavaig tcov re&XiixfJSvwv. Aus Columella 
und Plinius kennen wir pedare "^stützen'; ^suppedare ist mir 
nicht bekannt; Cicero hat die Ableitung suppeditare alicui = 
unterstützen, beistehen. — Daß suppedium wirklich volkstümlich 
war, beweisen Acta s. Cassiani ep. Tudertini c. 8: En mitto vos in 
carcerem et fatne peribitis, et parentes vestri nulla nobis (lies: vobis) 
dabunt suppedia. 

3. TJngula 'Nagel' 

Die lat. Schriftsprache hat stets streng geschieden zwischen 
unguis und iingula und niemals letzteres in der Bedeutung Nagel an 
Hand oder Fuß' zugelassen. Plautus gebraucht ungula beim Menschen 
nur in bildlichem Sinne "^Klaue"*, so Pseud. 853 f.: An tu coquinatum 
te ire quoquam postulas. Quin ibi constridis ungulis cenam coquas?, 
nachdem v. 852 ausdrücklich "^nisi miluinis aut aquilinis ungulis^ 
gesagt worden war; so auch Pseud. v. 643: Hoc, febrim tibi esse, 
quia non licet huc inicere ungidas. Erst in der Kaiserzeit lassen 
sich Beispiele für den aus den roman. Sprachen bezeugten Ge- 
brauch vernehmen, so z. B. Acta s. Cassiani ep. Tudert. c. 8: 
statimque fecit funem mitti in collum eins et in altum levari, et 



166 Job. Compernass 

cum ungulis ferreis ungulas eins tralii . et ridendo eum Urne cir- 
cumstantes dicehant: Veniat Christus et in digitos tuos ungulas ponat. 
Vita fabul. s. Macarii Romani c. 15: ungulae guoque manimm eins 
ac pedum longae nimis. Passio s. Miniatis (Florentiae) c. 3: et 
iussit sudes in ungulis eorum mitti et lora singula de dorso tolli, 
ib. 3: sed sanctis orantibus exilierunt sudes de ungulis eorum. Passio 
et inv. Quintini mart. (Aug. Viromand.) c. 11: ut faceret tarincas 
duas quae a cervice usque ad crura eius aitingerent et alias decem, 
quas inter ungulas et carnem mitterent in digitos eius, vgl. endlich 
die Beisp. in der lat. Übersetzung des Paulos v. Aeg. u. Kasseler 
Gloss. 36: uncla nagal. 

4. Plus und aniplins = potius Vielmehr 

Im Sinne von potius 'vielmehr' steht plus in Beispielen wie 
Acta s. lustinae (Patavii) c. 4: quam ita aggressus est imperator: 
Nomen tuum quo diceris condicionemque designa. ad haec beata 
lustina hilari vultu respondit: Christiana sum. Maximianus im- 
perator dixit: Ego te de nomine 'plus requiro et tu haec quae nolu- 
mus nostris auribus intimas; die tuum nomen, antequam moriaris. 
ad haec beata lustina respondit: lani dixi tibi, Christiana sum-, 
quod autem de nomine plus requiris, lustina vocor. Acta s. Pru- 
dentii Turiason. c. 9: Felagius humilis eius in vita et obitu archi- 
diaconus plus humili et veraci stylo quam sublimi sermone et com- 
jjosito haec de vita eius breviter descripsit. Dicta abbatis Priminii 
(ed. Caspari, Kirchenh. Anecd.) c. 11: qui plus volunt preesse 
quam prodesse in ecclesiis dei. 

Für dieses plus = potius konnte auch amplius eintreten; vgl. 
Reichenauer Gloss. 557 : Potius : amplius. magis. Dicta abb. Pri- 
minii c. 28: non remaledicitis , sed amplius benedicite. Acta s. 
Reparatae virg. (Caesar. Palaestin.) c. 1 : Christum adorabat 
amplius quam negaret. Wenn die Volkssprache der Kaiserzeit in 
diesem Falle nach amplius quam nur den Conjunctivus Potentialis 
setzt, nicht aber ein konsekutives ut einschiebt, so beweist sie ihre 
Zähigkeit im Festhalten der altlatein. Struktur, wie sie schon 
Plautus und Cicero aufweisen; vgl. Schmalz Syntax 308 a. E. 

5. Nisi quia = nisi 

Gloss. lat. IV 368, 43 ist überliefert nisi si nisi quia und V 
313, 56 ninisi nisiquia. Rönsch hatte schon Itala u. Vulg. p. 446 
folgende Beispiele aus der Vulgata nachgewiesen. Ps. 93, 17: 
Nisi quia dominus adiuvit nie, imtdominus habitasset in inferno 



Vulgaria 167 

anima mea = El {.irj ort -avqloq sßoiqd^iqot (.loi, 7iaQa. ßgaxv /taQ(o- 
AtiOE TW adji rj rpvx^j ^ov, Ps. 123, 1 — 3: Nisi quia dominus erat 
in nohis, dicat nunc Israel., nisi quia dominus erat in nohis, cum 
exurgerent homines in nos, forte vivos deglutissent nos (so der Amiat., 
die schlechte Uberl. korrigiert hier in Nisi dominus fuisset in nohis) 
== El firj OTi 'AVQiog r^v tv ^jfilv, ELTtato) dij ^logar^X, el fxri otl 
TttQiog rjv iv ijfxlv, tv zm STtavaarr^vai avd-QtÖTtovg ecp tjfxäg, aga 
ttöviag av ■/.aTSTtiov 7j^äg, Ps. 118, 92: Nisi quod lex tua meditatio 
mea est, func forte periissem in humilitate mea = el fxij ort o 
vofiog aov fXEltTrj (.lov sotlv, tote av arccoXoixTqv ev rfj TaTtEiviooei (.iov. 

Rönsch hatte diesen Gebrauch von nisi quia, nisi quod in 
irrealen Bedingungssätzen unter die 'Graecismen der Coniunction' 
eingereiht. Daß von einem Graezismus hier nicht die Rede sein 
kann, können schon folgende Beispiele aus der röm. Kaiserzeit 
erhärten, welche ganz gewiß ihre Existenz nicht einer Nachahmung 
der wenigen Psalmenstellen der Vulgata, sondern der lebendigen 
Entwicklung der lat. Volkssprache verdanken. Passio ss. Rufi et 
Carponii (Capuae) c. 8: per salutem deorum, nisi quia ex nobili 
gener e natus es, iam iusseram te feris tradi, Acta s. Aureae (ad 
Ostia Tiberina) c. 3: dixit ei imperator: Nisi quia nobili genere 
orta es, a diversis j^oenis te faciam interire, Vita s, Patriciae virg. 
(Neapoli) c. 8: Scitote, quoniatn per inobedientiam. mandatorum et 
illicitas voluptates mundus universus aquis deluvii devastatus est 
semel et nisi quia Noe cum sua familia innocens inventus fuit, in 
antiquum chaos haec omnia forsitan nunc laterent. 

Zur Erklärung dieser eigentümlichen Struktur beruft sich 
Rönsch auf Hagen, Sprachliche Erörterungen zur Vulgata (18(33) 
S. 41 und die dort angezogenen grammatischen Schriften. Die 
dort gegebenen Auseinandersetzungen sind heute nicht mehr ernst 
zu nehmen. Die einzig mögliche Deutung ist nur folgende: die 
Konstruktion ist durch eine Verquickung, durch eine Ineinander- 
schiebung zweier ursprünglich nebeneinander parallel laufender 
Vorstellungsreihen und Ausdrucksweisen entstanden, wie sie so 
häufig beim lebhaften Ausdruck der Gedanken jeden Tag zu be- 
obachten, und wie sie, rein sprachpsychologisch genommen, ganz 
selbstverständlich ist. Das Griechische und das Lateinische sind 
selbstredend ganz unabhängig von einander auf denselben Gebrauch 
gekommen. Das echt Vulgärlateinische in dem Gebrauche erweist 
das portugiesische nega = ni quia und nego = ni quod. Vgl. 
übrigens Cornu, Romania XI, 89 f. und namentlich Baist, Zeitschr. 
f. roman. Philol. VII, 634. 



168 Job. Compernass 

Einen Schritt weiter tat die Volkssprache, indem sie den 
durchaus berechtigten Indicativus nach quia aufgab und die Kon- 
struktion von nisi, also den Konjunktivus, annahm, sodaß nunmehr 
quia ganz pleonastisch hinzugefügt schien. Solche Beispiele haben 
wir bei Lucifer Caralit. p. 140, IGff. : neque enim Danihel leoties 
et tres pueri vincerent ignes, nisi quia credentes fuissent, ut hodie 
credit ecclesia, ibid. p. 268, 22 ff.: quotiens dicitur a nobis tibi non 
te potuisse dei unici ßlii negatorem existere, nisi quia sis adverso 
plenus spiritu (unabhängig: noti potuisti . . . existere, nisi quia sis). 
Diese interessanten Tatsachen scheinen Schmalz unbekannt ge- 
blieben zu sein. 

6. Ejfugatio, effuyare 

Glossar, lat. 11 242, 34 ist korrekt überliefert ^Tzocpvyn] ef- 
fugatio refuga hoc effugium, also = Zuflucht, Ausflucht, Entfliehen, 
Entgehen. Was wir erwarten, die Bedeutung 'das Verfolgen, das 
Indiefluchtschlagen' soll also nicht gelehrt werden. Daß fugare, 
effugare, in der späten Vulgärsprache die Bedeutung 'entfliehen, 
entkommen', also die nämliche wie fugire (fuger e) hatte, können 
uns schon die Reichenauer Glossen lehren; es heißt dort 4i Fu- 
gavit: fugire cepit, 10 3 Abire: effugare, li Profugus: porro fu- 
gatus, 343 Profugus: porro fugatus. Vgl. Hetzer, Beihefte zur Z. 
f. rom. Ph. (1907) 7. Heft S. 9 f. Hierzu kommt noch ein wich- 
tiges Zeugnis, Dicta abbatis Priminii c. 7: ille Egipto fugatus, in 
corpore circumcisus; ille a loanne quasi treginta annorum in lor- 
dane fluvio baptizatus. Wie ist aber fugare zu diesem merk- 
würdigen Bedeutungswandel gekommen? Daß ein Übergang des 
Verbums fugere bzw. fugire in die «-Konjugation stattgefunden 
habe, ist ganz ausgeschlossen. Die einzige Möglichkeit ist nur, 
daß das von fugere abgeleitete fugitare den Anlaß gegeben hat. 
Das Volk dachte sich also fugitare : fugare = clamitare : clamare, 
imperitare : imjjerare, rogitare : rogare, vocitare : vocare, volitare : 
volare statt des natürlichen fugitare : fugere = creditare : credere, 
pinsitare : pinser e, strepitare : strepere, vomitare : vomere oder auch 
fugitare : fugire = excüare : excire. 

Die Form fugatus lehrt uns zugleich, daß neben dem Perf. 
fugavi bereits ein fugatus sum 'ich bin geflohen' bestanden hat. 
Zu den späten bei Diez, Grammat. der roman. Sprachen, p. 972 
Anm. 2 genannten Beispielen seien noch folgende hinzugefügt. 
Acta s. Alexandri ep. (via Claudia in Italia) c. 6: ego reversus ad 
locuni, ubi applicati eramus, ib. c. 14: ego vero per noclem rapui 



Vulgaria 169 

corpus eius et posui eum, ubi eramus applicati, Acta s. Verissimi 
et SOG. (Ulyssipone in Lusitania) c. 3: nee credere debemus de- 
fmictos, quos throno coelesti novimus esse applicatos, Acta s. Floriaui 
(Laureaci iu Norico Rip.) c. 2: Cum autem venisset non longe a 
LaboriacOj . . . obviatus est cum quibus antea militaverat. Sortes 
Sangall. p. 55 Nr. 11: recessus est ab Jwc consilio, ib. p. 57 Nr. 24: 
recessus es et haec litter a prohibent te. 

Schon die ältere lat. Sprache kannte ein Nebeneinander von 
Activum und Deponens solcher Verba wie comitare : comitari, ag- 
gredere : aggredi, progredire : progredi, pälare : pälari, populäre : 
populari, peregrinare : peregrinari, proficiscere : proficisci, sectare : 
sectari, sequere : sequi, spatiare : spatiari, revertere : reverti, vagare : 
vagari. Es liegt auf der Hand, daß eine Kontaminationsbildung 
von dem Typus comifo, comitatus sum, comitare; spatio, spatiatiis 
sum, spatiare entstehen und dann weiter durch Analogiebildungen 
bei allen Verben derselben Begriffssphäre wirken mußte. Der 
einmal betretene Weg führte also zu Bildungen wie curro, cursus 
sum; cedo, cessus sum, ambulo, ambiüatus sum; intro intratus sum, 
venio, '^venutus sum u. dgl. Nur im engsten Zusammenhange mit 
dieser Neuschöpfung des Perfectum periphrasticum von Verben der 
Bewegung vermittelst des Hilfsverbum esse kann das Aufkommen 
des Participium Perf. Pass. von dergleichen Verben im Sinne eines 
Partie. Perf. Act. in Partizipialkonstruktionen gedeutet werden, wie 
sie von Schmalz Syntax § 184 Anf. mitgeteilt werden. Die nach- 
weisbaren Belege gehören größtenteils der Kaiserzeit an. Sol oc- 
casus in XII tabb. (Gell. XVII 2, 10); sole occaso bei Lucil. 67, 
u. Claud. Quadrig. 3; ante solenn occasum, ad solem occasum, post 
solem occasum bei Plautus, Varro frgm. u. Gell.; a sole occaso bei 
Gellius lassen sich ungezwungen als Analogiebildungen zu sol ortus, 
sole orto usw. erklären. Immerhin mögen vereinzelte Fälle wie 
Cael. Antip. histor. 4. frgm. 32 (bei Prisciau 8, 49): custodibus 
discessis, Cic. fil. in Ep. ad fam. XVI, 21, 2: cum otmüa mea causa 
velles mihi successa auf Echtheit beruhen und einen vereinzelten 
Ansatz bedeuten; durchgedrungen kann die Konstruktion erst in 
der Kaiserzeit sein, wie dies aufs beste Velleius II 97, 4 beweist 
in dem Ssitze: . peragratusque victor omnis partis Germaniae sine 
ullo detrimento commissi exercitiis . . . sie perdotnuit eam cet. Man 
konjugierte also peragro, peragratus sum, peragrare, während ein 
peragror, peragrari in jener Zeit nicht existiert hat. 



170 Job. Compernass 

7. Curare, facere, iuhere usw. 'lassen' mit Infinit. Act. 
Reisig Vorl. über lat. Sprachw. lehrt noch S. 812 über den 
Gebrauch von iuhere: „Wird der Infinitiv aber ohne Ausdruck des 
Subjekts gesetzt im Activo, so daß nicht das grammatische Sub- 
jekt zu denken ist, das im Hauptverbo vorangeht, so muß aus 
dem Zusammenhang der Begriif einer bestimmten Person ent- 
nommen werden können; ist dies nicht der Fall, so kann man 
nicht die aktive Konstruktion des Infinitivs setzen, sondern es muß 
die passive angewendet werden, z. B. iubeo fieri , nicht iiiheo fa- 
cere, so daß man dächte: irgend jemand, weil man kein Subjekt 
zu dem aktiven Infinitiv finden könnte". Diese Behauptung trifft 
nur zu bei Schriftstellern, die streng logisch und dem von Cicero 
einmal eingeschlagenen Wege treu nachgehend schreiben wollen; 
für die übrigen, namentlich die wenig Geschulten, ist eine starke 
Einschränkung zu machen, wie auch schon Fr. Hase in Anm. 602 
zu dieser Stelle Reisigs dargetan hat. Hierzu kommt noch eine 
Erwägung allgemeiner Art: Wie hätte man sich in der Zeit, wo 
das Passivum noch nicht durchgedrungen war, denn anders aus- 
drücken sollen als durch iuheo servuin torqueatis und iubeo servum 
torcjuere? Diese Erwägung beschränkt sich aber nicht auf iiibeo 
und Konsorten, sondern erstreckt sich auf alle jene Verba, welche 
einen Infinitiv in final-konsekutivem Sinne bzw. als Hilfsverba einen 
Infinitiv als Objekt zu sich nehmen konnten. 'Ein bestimmtes 
Subjekt der Infinitiv-Handlung brauchte nicht vorhanden zu sein' 
Brugmann K. V. Gr. 807. Daher dürften denn Beispiele folgender 
Art den ursprünglichen Typus am genausten widerspiegeln. Ovid. 
Heroid. XVI 173f.: et illum securum probitas, forma timere facit, 
Verg. Ecl. 11 43: lam pridetn a me illos abducere Thesti/lis orat, 
oder Cicero ad Att. XVI, 15: sed desperatis etiam Hippocraies vetat 
adhibere medicinam. Der Gebrauch hat sich durch das ganze 
Vulgärlatein erhalten. Unter den Schriftstellern, welche uns diesen 
Gebrauch im Lateinischen bestätigen, sind es namentlich die 
Dichter, welche ja gern ihren Ausdruck der ungezwungenen Volks- 
sprache anpassen, besonders Ovid und Vergil. Aus Ovid nenne 
ich nur Met. XIII 217: rex inbet incepti cur am dimittere belli, aus 
Vergil Aen. II o6fi".: aut pelago Danaüm insidias siispectaque dona 
praecipitare iubent siibiectisque urere flammis auf terebrare covas 
uteri et tentare latebras. 

Aus Horaz notiere ich noch Od. II o, 14: Huc vina et un- 
guenta et nimium brevis ßores amoenae ferre iube rosae, II 15, 17 ff.: 
iVec fortuitum spernere cespitem leges sinebant, oppida publica sumtu 



Yulgaria 171 

iuhentes et deorum templa novo decorare saxo. Weitere Belegstellen 
für das Latein der älteren Perioden gibt Fr. Hase in der Anm. 602 
zu Reisigs Vorlesungen. Besonders reich an Beispielen sind die 
der Volkssprache sich anlehnenden Acta Sanctorum. Passio et 
inv. s. Quintini (Aug. Viromand.) c. 10: tunc Bicciovariis iussit 
ponderosis catenis circa Collum eius circumdare, ibid. c. 13: tunc 
Ricciovarus iussit custodire corpus beati viri Quintini usque in 
noctem et secrete iussit in fluviuni supplumbare corpus eius et de 
limo terrae cooperire praecepit, Acta s. lanuarii ep. (Puteolis in 
Campania) c. 8: exaudi orationem nieam et iube Timotheo indigno 
oculos resiituere, Acta s. Verissimi et soc. (Ulyssipone in Lusit.) 
c. 3: sed cum penitus illaesa manerent, auferre iussit et in pelagum 
proici, Passio s. Domnini (Burgi apud Parmam) c. 4: Audiens haec 
Maximianus imperator ira furoris sui iussit eos decapitare, Passio 
s. Philipp! ep. Heracleensis et soc. (Hadrianopoli Thraciae) c. 4: 
Legem imperatoris audistis iubentis nusquam colligere Christianos, 
ibid. c. 14: Per mediain urbem te trahere pedibus iubeo, Passio s. 
Theodoriti (Antiochiae in Syria) c. 9: et tarnen neque per violentiam 
neque per iussionem aliquem eorum iiissi interficere , Acta s. Gau-- 
dentii ep. (Arimini) c. 17: cognoverunt eum interiisse haecque sanctis 
patribus curavere deferre, Translatio s. Nunilonis et Alodiae (Oscae 
in Hisp.) c. 3: cum celeritate Auriatum procurant mittere . . . ad 
civitatem Oscensem, Acta ss. Simplicii, Faustini et Beatricis (Romae) 
c. 2: tunc itaque fecit teuere beatam Beatricem et diici ad sacri- 
ficandum idolis, Passio et inv. s. Quintini c. 11 : sie Ricciovarus in 
sancti Quintini cervicem transfigere praecepit, Acta s. Alexandri ep. 
(via Claudia) c. 13: iratus autem Antoninus iuvenem teuere praecepit. 

Der Infinitivus Pass. nach derartigen Verben ist natürlich eine 
jüngere Bildung, welche erst eintreten konnte, nachdem der Typus 
iubeo servus torqueatur usw. gefestigt war. Von hier aus wurde 
das pass. Verhältnis auf den Infinitivus übertragen. 

Daß auch dem Griechischen die Konstruktion dieses Infinitivus 
Activi pro Pass. bekannt war, mögen folgende Beispiele erläutern. 
Aeschylus Eumen. v. 713f. : xa/wye %Qr^op.ovg tovg if-iovg te y.al 
Jiog raQßeiv y-eXbiio i-irjö^ d/MQ/tcuroig /aiaai, Xen. Anab. I 3, 16: 
/iieza TOVTOv alXog aveorri, S7tiÖ€r/.vvg uiv tr^v eir^i^Eiav xov xt 
Tt'kola alteiv -Kelsiovrog, id. 14, 14: tl ovv y.eXevw TtotrJGai; Plato 
Soph. 242 A: ei tovto zig eigyeL ögäv oy.vog. Wegen der Fort- 
setzung dieses Gebrauches in den romanischen Sprachen vgl. Diez, 
Gr. d. rom. Spr. p. 928. 

Bonn Joh. Compernass 



172 J- H. Schmalz 

Spracliliclie Bemerkungen zu des Palladius 
opus agriculturae 

Es war wohl im IV. Jahrhundert nach Christus, daß ein ge- 
wisser Palladius, ein vir illustris, wie er sich nannte, den Plan 
faßte ein landwirtschaftliches Regelbuch, geordnet nach den Mo- 
naten, zu verfassen. Er war gut vorbereitet für seine Arbeit; wie 
Varro r. r. 1, 1, 11 als Quellen (radices) seiner Schrift qiiae ipse 
in meis fundis colendo animadverti, et quae legi, et quae a peritis 
audii bezeichnete, so konnte Palladius als praktischer Landwirt 
viel aus eigener Erfahrung beibringen, auch machte er sich die 
Beobachtungen anderer, selbst von Ausländern, zu nutze, schließ- 
lich verfügte er über eine verhältnismäßig umfängliche Lektüre. 
Mochte er auch nicht zu den Quellen selbst hinabsteigen, so las 
und exzerpierte er das große Sammelwerk des Gargilius Martialis 
und einen Auszug aus Vitruvius, den Faventinus angefertigt hatte; 
ja es ist sehr wahrscheinlich, daß er selbst Columellas Werk über 
die Landwirtschaft, auf das er oft sich beruft, gerade wie die viel 
zitierten Graeci nicht aus unmittelbarer Lektüre kannte; eine Be- 
nützung des landwirtschaftlichen Sammelwerkes des Griechen Ana- 
tolios, die man früher annahm, kann vor den Ergebnissen der 
neuesten Forschung nicht bestehen (vgl. Well mann Palladius und 
Gargilius Martialis im Hermes 43, S. 16 und Stadler in PW, aber 
auch Sirch Die Quellen des Palladius in seinem Werke über die 
Landwirtschaft, Freising 1904, Programm). Das Werk des Palladius 
hatte Erfolg; wie es so geht, überholte der kurz und praktisch 
angelegte landwirtschaftliche Wegweiser bald den lateinischen 
„Klassiker der Landwirtschaft" Columella; des Palladius opus agri- 
culturae wurde viel gelesen und oft abgeschrieben (vgl. Sirch S. 391f.), 
und während wir heute noch auf eine moderne Ausgabe des ganzen 
Columella warten — für lib. X liegt eine solche von Häussner 
im Programm von Karlsruhe 1889 vor und die Ausgabe von W. 
Lundström umfaßt bis jetzt in drei Heften lib. de arboribus, Up- 
sala und Leipzig 1897, lib. X 1902, lib. XI 1906, lib. I und IV 
sind unter der Presse; so dürfen wir mit. Stadler und Sirch auf die 
Gesamtausgabe wenn auch nicht „in beschleunigter Gangart" hoffen 
— besitzen wir eine editio des Palladius von J, C. Schmitt, Leipzig 
1898. Ist dies auch keine Idealausgabe (vgl. Wölfflins Archiv XI, 
294), so hat doch Wölfflin mit Recht hervorgehoben, daß Schmitt 
das Verdienst bleibt, zuerst über die handschriftliche Über- 



Sprachliche Bemerkungen zu des Palladius opus agriculturae 173 

lieferung aufgeklärt zu haben. Er hat eine Reihe von Handschriften 
selbst verglichen, sie nach ihrem Werte geordnet, auch überall die 
ältesten Ausgaben beigezogen und in einem leicht zu überschauenden 
kritischen Apparat das Nötige vermerkt. Über die Sprache des 
Palladius ist bis jetzt nur wenig geschrieben worden; Dalmasso, 
der bekannte Verfasser einer Grammatica di C. Suetonio Tranquillo, 
Torino 1906, hat kürzlich in der Rivista di Filologia 1913 fasc. III 
eine Abhandlung über La formazione delle parole in Palladio und 
in den Atti della R. Academia delle Scienze di Torino 1912/13 
S. 668 — 706 über II vocabolario tecnico di un tardo scrittore ge- 
orgico (Contributo alla semasiologia palladiana) veröffentlicht; dazu 
kommen noch Kleinigkeiten von demselben Verfasser: Quaestiones 
Palladianae in Boll. fil. cl. XV 256 und Palladiana ib. XIV, 81. 
Grammatisch-Stilistisches ist eigentlich nichts von Bedeutung ge- 
leistet, und doch verdient die Sprache eine Untersuchung. Bei der 
ersten Lektüre bekommen wir diesen Eindruck weniger; der Satzbau 
ist sehr einfach, größere Perioden sind vermieden, die Aufzählungen 
sind einförmig und nehmen einen breiten Raum ein, die Syntax 
scheint sich in den Geleisen des schulmäßigen Lateins zu bewegen, 
der Ausdruck wohl überlegt, manchmal geradezu gewählt zu sein; 
der Verfasser ist dabei, wie er es in der Einleitung ausspricht, aller 
Rhetorik abhold, da er sonst nicht verstanden zu werden fürchtet. 
Aber trotzdem findet sich recht viel sprachlich Merkwürdiges, 
Syntaktisches und Stilistisches, das für sich und im Vergleiche mit 
der Sprache anderer Agrarschriftsteller oder spätlateinischen Autoreu 
oder im Hinblick auf allgemeine sprachliche Probleme Beachtung 
verdient; auch hat schon Gesner erkannt rhetoricari ipsum nimis 
saepe und Schneider stimmt in seinem Kommentar (Ausgabe von 
1795) dieser Auffassung bei. So habe ich mir denn vorgenommen 
einiges andeutungsweise zu behandeln, auf anderes nur aufmerksam 
zu machen und damit zu einer planmäßigen Behandlung der Sprache 
des Palladius Anregung zu geben. 

Wir lesen 1, 6, 14 Graeci iubent olivam, cum, plantatur et le- 
gitur, a mundis pueris atque virginibus operandum. Dieser Satz ist 
leicht verständlich seinem Inhalt nach, weniger hinsichtlich der 
Konstruktion; €s stören olivam und operandum. Die Vorschrift 
lautet für sich betrachtet: oliva cum plantatur et legitur, a mundis 
pueris atque virginibus est operandum. Palladius pflegt, was er 
den Griechen, wenn auch nur mittelbar, entnimmt, einzuleiten mit 
asserunt, praecipiunt oder iubent. Nach asserunt muß in Vor- 
schriften ein Ausdruck des Müssens folgen, Gerundium oder debere^ 



174 J. H. Schmalz 

z. B. 12, 10 trunco lapidem asserunt includendnm et . . dehere 
suffundi. Nach iubere dagegen ist der Acc. c. inf. am Platze, z. B. 
1, 35, 10 nucem perforari iubent, . . paleas indudi, . . aditus obrui, 
unmn foramen reservari, in ciiius aditu tiucetn sie poni, wo sogar 
der Relativsatz im Acc. c. inf. erscheint. Mit iubere ist im Spät- 
latein praecipere ganz synonym, vgl. meine Synt. * § 166. Beide 
Verba, praecijjere und iubere, nehmen nun naturgemäß die Kon- 
struktion des mit ihnen gleichmäßig gebrauchten asserunt an; so 
schreibt des Palladius Gewährsmann Gargilius Martialis (Medicina 
ed. V. Rose, Leipzig 1875, 143, 10) Hippocrates praecepit ad sistenda 
nimia menstrua . . . dandos und Palladius 12, 10 vitem Graeci ita 
praecipiunt esse curandam, trunco eius lapidem asserunt in- 
cludendum et debere . . suffundi, 5, 2, 3 Graeci oleas inseri 
debere praecipiiint, 12, 17, 2 zwar sales ac nitrum iubent oleo 
misceri, aber kurz vorher 12, 17, 1 Graeci iusserunt tatitum le- 
gendum esse olivae, quantum . . ., molam . . debere leviter esse 
suspensam. An dem Gerundium oder an debere nach iubere ist 
also kein Anstoß zu nehmen. Beginnt die Vorschrift 1, 6, 14 mit 
dem als Hauptbegriff vorausgeschickten oliva, so muß dies oliva 
in Abhängigkeit von Graeci iubent gebracht werden, also in den 
Akkusativ treten. So entsteht freilich ein leichtes Anakoluth, aber 
daran dürfen wir uns, wie wir sogleich sehen werden, nicht stören. 
Im Satze 3, 30 Vit es quae lacrimarum nimietate tabescunt et de- 
plorando vim roboris sui avertuntur a fructu, trunco earum la- 
cerato Graeci sinum fieri iubent ist auch der dominierende Begriff 
vites vorausgeschickt, der Schriftsteller will damit einstweilen an- 
kündigen, daß es sich \im lieben handelt. Dies vites ist Akkusativ, 
vielleicht in Voraussicht des folgenden Graeci iubent, wie wohl 
olivam im Anschluß an das vorausgehende Graeci iubent entstanden 
ist; bei Colum. arb. 4, 4 vitetn, quam ponis, fac ut ad orientern 
spectet ist der Akkusativ vitem ebenso vorausgestellt als Objekt zu 
fac, während wir einen Nominativ vitis als Subjekt zu spectet er- 
warten. Über ähnliche Beispiele von Prolepsis bei Varro vgl. 
Heidrich Der Stil des Varro S. 22, besonders r. r. 1, 2, 8 nee 
si potest refieere fructus, si videt eos fore ut pestilentia dispereant. 
Anders ist aber Pallad. 3, 30 der Satz insofern gebaut, als das 
vorausgegangene vites in die nachfolgende Konstruktion trunco la- 
cerato durch Wiederaufnahme mittels des Pronomen earum ein- 
gefügt ist. Dies erinnert an Cato agr. 128 terram quam maxime 
cretosam eo amurcam infundito = in terram atnurcam infundito. 
Keil bemerkt S. 131 zur Stelle: tribuendus est (sc. accusativus 



Sprachliche Bemerkungen zu des Palladius opus agriculturae 175 

terram) neglegentiae dicendi, quae videtur profecta esse ab usu 
demonstrativ! pronominis post nomina casu accusativo anteposita, 
ad quae pronomen refertur, eodem casu repetiti, z.B. 5, 3 amicos 
domini eos habeaf sibi amicos. Diese neglegentia dicendi findet 
Keil zu 135, 1 S. 137 namentlich in praeceptis. So wandelt 
denn Palladius ganz in den Bahnen des alten Cato, seines ältesten 
Vorgängers, wohl ohne es zu wissen, und so ist es auch nicht aus- 
geschlossen, daß olivam nicht erst durch iubent hervorgerufen wurde, 
sondern für das praeceptum selbst, also olivam cum 2)lantatur et 
legitur, a mimdis . . operandum est anzunehmen ist. Schließlich 
kann man auch auf das Anakoluth bei Authimus anecdot. ed. Rose 
II, 87, 4 cucumeres enim, etsi hie non sunt, tamen quando fuerint, 
semen illorum. quod intus est mafiducetur verweisen, wo cucumeres 
wie viies vorausgeschickt und durch illorum wieder aufgenommen 
wird; doch ist cucumeres vielleicht Nominativ, da Anthimus seine 
praecepta gewöhnlich mit passivem Verbum gibt. 

An der Stelle 1, 17, 1 Signinis parietibus magnitudo ea, cui 
delectaris et cui sufficis, construatur longior magis quam latior sehe 
ich von longior magis quam latior ganz ab; es ist dies eine Misch- 
konstruktion aus longior quam latior (Synt.* § 308) und longa 
magis quam lata-, für letzteres vgl. 2, 13, 2 tepidum magis quam 
frigidum und für Mischkonstruktionen in Vergleichungssätzen Glotta 
V S. 210; die gleiche Mischkonstruktion wie Palladius hat Festus 
ed. Wagener 13, 1 avarius magis quam iustius sowie Anthimus 
anecdot. ed. Rose II, 80, 9 tenerius magis fiat quam durius. Wich- 
tiger ist cui delectaris. Obwohl die gesamte Überheferung cui 
bietet — nur die lectiones Politiani und die editio Schneideriana 
haben qua — hat Schmitt doch qua statt cui aufgenommen. De- 
lectari aliqua re ist zwar das übliche; aber an Stellen wie 11, 11, 3 
loco pingui delectatur et umido ist Dativ und Ablativ nicht zu 
unterscheiden und delectari hat auch die Bedeutung sich hitigezogen 
fühlen zu, eingenommen sein für, nicht allein sich angezogen fühlen 
von; so ist immerhin der Dativ als Kasus der Richtung möglich 
und wenn Friebel Fulgentius der Mythograph und Bischof, Pader- 
born 1911, S. 14, beim Mythographen 27 e instare ad id quo (statt 
quod) delectatus es lesen will, so kann dies quo auch als Adverb 
der Richtung aufgefaßt werden = ivohin du dich gezogen fühlst. 
Auch der Infinitiv bei delectari, vgl. Friebel 1. 1. 113, spricht für 
den Dativ, vgl. meine Synt. * § 156. Bei Val. Max. 4, 8, 3 ist mit 
dem codex Bernensis, der nach Halm optimus est, praeter quem 
reliquorum usus est perexiguus, zu lesen qui nunc praecipue ne- 



176 J- H. Schmalz 

gotiationi delectantur. Wenn Bährens Philol. XII S. 497 hier 
wie in der reg. Bened. 33 si quisquam huic vitio deprehensus fuerit 
delectari einen Einfluß des Griechischen annimmt {yaiQeiv zivl), so 
stimmt er mit Wölfflin überein, der Archiv IX S. 520 und Bene- 
dikt von Nursia und seine Mönchsregel, Sitzungsber. der philos.- 
philol. Klasse der K. Bayr. Akademie der Wiss. 1895 Heft III S. 443 
für Benedikt auf xaiqeod^ai tlvl hinweist. Gegenüber der Fest- 
stellung Wölfflins, daß selbst Rönsch kein zweites Beispiel für de- 
lectari c. dat. nachweisen konnte, müssen wir jetzt als erstes Val. 
Max. 4, 8, 3, als zweites Pallad. 1, 17, i und als drittes erst reg. 
Bened. 33 anerkennen. An unserer Stelle wird weniger Einfluß des 
Griechischen, trotzdem Geopon. 10, 41 xaigei ipvxQolg y.al voxiooig 
tOTioig und ähnliches sich öfters findet, als vielmehr der Konzin- 
nität wirksam gewesen sein, indem das cui bei sufficit das cui bei 
delectaris begünstigte. Jedenfalls ist cui delectaris beizubehalten 
und im Thes. zu V 427 nachzutragen, — Daß im Satze 1, 19, 3 
herba conijza sicca, ut Graeci asserunt, suhstrata frumentis addit 
aetati das objektlose addit bei den Abschreibern der geringeren 
Codices wenig Verständnis fand, ist begreiflich. Das klassische 
Latein, sagen wir lieber hier das Schullatein, kennt und liebt den 
sogenannten absoluten Gehrauch der als Transitiva üblichen Verba 
wenig, um so mehr Fachschriftsteller. Wie wir sagen „der Baum 
wird in diesem Jahre reichlich trayen", so auch Palladius 2, 15, 1 
multas arbores et in crescendo et in ferenda exstitisse felices und 
3, 24, 6 contra austrum positi citius ferunt; selbstverständlich 
kann man auch fructum beifügen, wie z. B. Colum. de arb. oft 
sagt. Ebenso schreibt nun Pallad. auch 1, 19, 3 addit aetati, nicht 
wie cod. E überliefert aetatem oder mit cod. G additur. Objekt- 
loses addere kennen schon Plautus und Terenz, auch spätere 
Dichter und dann besonders das Spätlatein, z. B. Spart. Gar. 9, 11 
celebritati addere — erhöhen. Vgl. noch St an gl im Philol. 1910 
S. 538 und besonders Löfstedt zur Peregrin. S. 330 über objekt- 
loses dare^ tribuere u, ä.; auch die entsprechenden negativen 
Verba wie derogare, detrahere, demere darf man nicht unbeachtet 
lassen. Krumbiegel zitiert in seiner Diss. De Varroniano scri- 
bendi genere Leipzig 1892 S. 65 aus Varro r. r. 2, 7, 9 cum descen- 
denti (equo) dempsisset ab oculis objektloses demere, jeder dachte 
sich beim Pferd sofort vittam dazu; bei Colum. 8, 9, 3 lesen wir 
detrahit corpori und als Gegenstück zu addit aetati schreibt Pallad. 
selbst 3, 25, 23 sed arboris longae derogabit aetati. 

In 1, 18, 2 quod si cnpis (von cupa Kufe) locum suum de- 



Sprachliche Bemerkungen zu des Palladius opus agriculturae 177 

putabimus, is locus ad calcatorii simüitudinem testaceo pavimento 
solidetur und 5, 7, 5 si in cavae arboris ramo fuerit, acutissima 
serra idem ramus supra infraque decisus . . poterit adferri, wozu 
wir noch Colum. de arb. (3, 4 ed. Lundström sin autem vetus vinea 
dum taxat generis boni radices alte positas habebit . . ., eam vineam 
circa cal. Martias oblaqueato stellen wollen, haben wir eine neue 
Abart der bekannten Wiederholung des Nomens in Relativsätzen. 
Die übliche Form kennt Palladius auch, vgl. 3, 10, 7 corbicula viva 
terra repletur, ut sarmentum terra possit includi, quod s armen - 
tum prius intorquetur, 9, 9, 2 ut binos pedes structura concludat, 
quae structura vectibus ligneis denseatur und 4, 1, 2 infimus 
oculus ita infigendus est, ut trunco iunctus adhaereat: qui oculus 
exteriorem partem debet aspicere; sie mußte ihm umso geläufiger 
sein, als Vitruv dafür eine besondere Vorliebe hat (vgl. Praun 
Bemerkungen zur Syntax des Vitruv, Bamberg 1885 S. 83) und 
wie erwähnt Palladius bei Abfassung seines opus agriculturae auch 
einen Auszug aus Vitruv benützte. Fälle, wie sie Löfstedt Phil. 
Komm, zur Aeth, S. 81ff. und 225 erwähnt, nämlich verba, quae 
volantia poetae appellant, ea verba kennt Palladius nicht. Neu ist 
also bei Columella und ihm, daß das im kondizionalen Vordersatz 
{eav Tig = og äv) stehende Nomen im Nachsatz mit dem demon- 
strativen is (bezw. idem) wieder aufgenommen wird ; der Grund der 
Wiederholung ist in allen Fällen das Streben nach klarer, nicht 
mißzuverstehender Beziehung des betreffenden Wortes, also nach 
„möglichst großer Deutlichkeit" (Löfstedt 1. 1. 83). 

Die Häufung der Konjunktionen im Satze 1, 24, 2 non pereunt 
et neque locum deserunt, si . . suspendas hat schon bei den 
Schreibern der codd. S T F G E Anstoß erregt, sie haben gerade 
wie die editio Schneideriana et getilgt, Schmitt hat es beibehalten 
und mit Recht. In neuerer Zeit wurden die pleonastischen Ver- 
bindungen von Adverbien und Konjunktionen in ihrer Bedeutung 
erkannt und deshalb unangetastet gelassen; ganz besonders ist es 
Löfstedt zu danken, daß man hier die Texte nicht nach klassischen 
Mustern gereinigt hat. Er hat auch zur Verbindung et neque eine 
Parallelstelle beigebracht (Phil. Komm, zur Peregr. S. 61), nämhch 
Suet. Jul. 78, 2 ut proclamaverit et nee destiterit per continuos 
dies . . . polliceri; Bentley hat hier et gestrichen und Bücheier 
zwischen et und neque eine Lücke angenommen. Neque kann bei 
Pallad. und nicht, auch nicht und nicht einmal bedeuten; der 
Schriftsteller, auf den er oft Bezug nimmt, Columella, hat ja 
auch ähnliches; wie Kottmann De elocutione L. Junii Moderati 

Glotta VI, 2. 12 



178 J- H. Schmalz 

Columellae, Programm Rottweil 1903 S. 10 sagt, particula nee 
crebro ita usus est, ut legibus optimorura scriptorum repugnet. 
Somit heißt et neque locum deserunt ja sie verlassen nicht einmal 
den Platz, vgl. 2, 9, 2 qiiod nee desiderat = darnach verlangt sie 
nicht einmal, oder et dient zur Verbindung der Sätze und nee ist 
nur Negation, vgl. meine Stil.* § 40, oder die Satzverbindung ist 
in vulgärer Fülle doppelt ausgedrückt, positiv und negativ. Jeden- 
falls ist et nicht anzutasten. 

Fügen wir sofort eine ähnliche Stelle an, 2, 9, 2 si siccas 
segetes sarculaveris , aliquid et contra riibiginem praestitisti; hier 
hat Schmitt gegen die Autorität der besten Handschriften et getilgt. 
Ich sehe in et die schon im nachklassischen Latein häufige Kon- 
junktion = auch; bei Columella ist nach Kottmann S. 10 infinitus 
numerus eorum locorum, ubi et vice fungitur particulae etiam. Der 
Gedanke ist: wenn man trockene Saaten häckelt, so hat man damit 
auch etwas gegen den Rost geleistet, nicht nur gegen das Gras; 
denn vorher sagt Pallad ius, daß nur herbosis loeis das Getreide ge- 
häckelt werden soll. 

Über das Aufziehen und Mästen der jungen Gänse schreibt 
Palladius 1, 30, 3: parvi ijrimis decem diebus intus pascendi sunt, 
postea sereno eos poterimus educere, ubi Urtica non fuerit, cuius 
aculeos formidant. Quattuor mensum bene saginantur; nam 
melius in tenera aetate pingueseunt. Die editio Aldina hat mensibus 
für mensum; offenbar war dem Herausgeber die Konstruktion 
quattuor mensum unverständlich. Es ist der Genetiv ein Gen. 
qualitatis zu dem vorschwebenden Subjekt anseres. Schließt sich 
ein solcher Genetiv an ein gesetztes Subjekt an, wie Justinus 9, 8, 1 
decessit Philipp us XL et VII annorum, so ist daran gar nichts 
Auffallendes; aber sobald das regierende Nomen aus der Umgebung 
zu entnehmen oder aus einer gebräuchlichen Wendung zu ergänzen 
ist, so entsteht eine auffällige Brachylogie wie Nep. 17, 8, 2 cum 
(Agesilaus) annorum LXXX . . in Aegyptum iisset, ja es erscheint 
der Genetiv oft geradezu als Subjekt bezw. Objekt, also hier: Vier- 
monatige lassen sich gut mästen. Ähnlich schreibt Palladius 4, 10, 
32: surculus legendus est anniculus: inutilis enitn creditur maioris 
vel minoris aetatis = für unnütz gilt der ältere oder jüngere, und 

4, 9, 3 si semina eorum (carduorum) madefeceris laurino oleo vel 
nardo . . et postea siceata depresseris, eiusdem saporis orientur, 
cuius unguentum . . semina combiberunt = es werden ebenso 
schmeckende hervorkommen. Ähnlich ist ferner, was Löfstedt Aeth. 

5. 301 aus der Peregrinatio 28, 4 zitiert: quadragesimarum sie fit 



Sprachliche Bemerkungen zu des Palladius opus agriculturae 179 

ut diximiis => das Vierzigtägige findet also statt, wie wir gesagt 
haben. Vgl. noch Columella 6, 37, 2 nee tarnen aliter admittendus 
est (sc. aclmissarius) efiatn clementioris lihidinis, auch 7, 6, 3, 
die Stellen aus Plin. nat., welche Joh. Müller Der Stil des älteren 
Phnius, Innsbruck 1883 S. 102 anführt, z. B. 25, 6 vetant dari 
senibus, pueris, item mollis ac feminei corporis animive und was 
Dalmasso La gramraatica di C. Suetonio Tranquillo, Torino 1906, 
S. 47 aus Sueton zitiert Nero 57: cum exstitisset conditionis in- 
certae, qui se . . iactaret. Die Erscheinung ist dem Cicero fremd, 
findet sich aber allenthalben sonst vereinzelt, vgl. die kurze Notiz 
in meiner Synt. * § 72 Anm. 2. 

Wenn Palladius 1, 37, 1 (apium statio) sit abimdans floribus 
schreibt und sich nicht mit abimdet begnügt, so würde Marouzeau 
L'emploi du participe present latin a l'epoque republicaine, Paris 
(Memoires de la Societe de Linguistique de Paris tome XVI) S. 50 
kurzer Hand abundans als Adjektiv erklären, ebenso Barbelenet 
De l'aspect verbal en latin ancien et particulierement dans Terence 
Paris 1913 S. 54 (. . . Lucrez II 1089 est abundans sont devenus 
de vrais adjectifs). Ich sehe in sit abundans eine Form der con- 
iugatio periphrastica (vgl. meine Synt. ^ § 194, 1). Warum Pal- 
ladius sich nicht mit abimdet begnügte, darüber vgl. Löfstedt im 
Phil. Komm, zur Peregr. Aeth., S. 245 ff. Entscheidend ist hier der 
Modus des Verbs. Hartel hat bei Lucifer, der diese Art von 
coniug. periphr. besonders liebt, die Wahrnehmung gemacht, daß 
die in Frage stehenden Wendungen sich im Konjunktiv fast noch 
«inmal so häufig finden, als im Indikativ (vgl. Wölfilins Archiv III, 
38). Den Grund hiefür erkennt Löfstedt 1. 1. S. 249 darin, daß 
die Konjunktivformen ihre Stellung in der Volkssprache mit größerer 
Schwierigkeit behaupteten und deshalb gern durch Partizipia mit 
sit, esset u. ä. ersetzt wurden, die zu dem immer wiedervorkommenden 
esse gehörten und somit fester eingewurzelt waren. Ich glaube, 
daß der Charakter einer Vorschrift durch das an die Spitze 
tretende sit mehr gewahrt wird als durch den Vokal e in abundet 
und daß die Analogie solcher Vorschriften wie Colum. 7, 9, 10 sit 
autem vigilans u. Pallad. 1, 27, 1 sint praecipiie nigrae, 3, 18, 2 
sint a se dis&retae, 4, 11, 3 sint arguti, mansiieti, timentes hortamen 
clamoris ac verberis, cibi appetentes u. ä. mitgewirkt hat. Übrigens 
bestreite ich nicht, daß Palladius abundans auch als Adjektiv ge- 
braucht, vgl. 7, 7, 8 und daß abundans als Adjektiv sich sehr 
häufig findet, vgl. Stöcklein in Wölffhns Archiv VII, S. Iff. 

3, 9, 11 Ita et maturitatis ac floris tempora, quae in vite diver sa 

12* 



180 J- H. Schmalz 

sunt, suis poterimus oportunitatihus obtinere; die codd. S und E, 
sowie sämtliche alte edd. lesen et statt ac, gewiß weil ihnen die 
beiden Konjunktionen et und ac in parallelen Gliedern sich nicht 
zu entsprechen schienen. Tatsächlich hat auch Madvig de fin. 
284 die Entsijrechung et — ac für unlateinisch gehalten. Kottmann 
hat mittlerweile in seiner erwähnten Abhandlung S. 53 gezeigt, 
daß bei Columella sich et und atque öfters entsprechen, z. B. 5, 
10, 9 sorbi quoque et armeniaci atque persici non minima est gratia ; 
ebenso Joh. Müller S. 67 für Plin. maior. Wir werden deshalb 
auch bei Palladius ac mit der besten Überlieferung halten, und 
meine Synt. wird in einer neuen Auflage im § 246 die Korresponsion 
et — atque durch Colum, Plin. nat. Pallad. belegen. Nicht hieher 
gehört, soll aber zur Vervollständigung angeführt werden, daß auch 
et atque durch Löfstedt im Phil. Komm, zur Aeth. S. 61 als nicht 
unlateinisch erwiesen ist, so Lucifer S. 304, 2 H. faveas stultitiae 
tibi ingenitae. Et atque utinam . . . velis. 

Das Verbum demergere kommt bei Palladius öfters vor, wovon 
aber der Thesaurus keine Notiz nimmt. Zunächst bedeutet demer- 
gere eintauchen oder wie der Thes. sagt in res liquidas deicere; 
hier kann die Bestimmung, quo aliquid demergitur, nicht nur durch 
den Abi. mit in, den Akkus, mit in und den Abi. gegeben werden, 
sondern auch durch den Dativ; dies ist dem Thes. entgangen. Er 
erwähnt den Dativ unter B latiore sensu und auch hier nur in 
einer Klammer, wo er zu gladium demersit beifügt (/. defixit cfr. 
Apul. met. 1, 13 capulo tenus gladium totum ei demersit und 2, 32 
singidis altissime demergo gladium). Es ist also im Thes. unter A 
angustiore sensu noch einzufügen ö. cum dativo Pallad. agr. 3, 25, 
10 aliqui aquam salsam, cum coeperit undare calefacta, despumant 
et ei post iam frigidae pira servanda demergunt; ob hier servanda 
attributiv oder prädikativ aufzufassen ist, läßt sich schwerlich ent- 
scheiden und ist für uns unwesentlich. Unter B latiore sensu d. 
cum ablativo fehlt Pallad. agr. 3, 25, 9 vas brevi scrobe demergitur 
in eo loco, qui cottidie sole tangatur; hier gehört brevi scrobe un- 
mittelbar zu demergitur und dann folgt die allgemeine Ortsbestim- 
mung in eo loco = das Gefäß ivird in eine nicht große Grube eiti- 
gelassen und zwar an einem Orte, der . .; vgl. über die Parallel- 
setzung der engeren und der weiteren Ortsbestimmung C. F. W. 
Müller in Festschrift für L. Friedländer, Leipzig 1895 S. 543ff. 
Vas demergere sagt auch schon Columella 12, 18,5 (wie der Thes. 
richtig notiert), aber nicht scrobe, sondern hwni; daß dies gerade 
wie terrae bei Pallad. 3, 17, 8 terrae capite utroque demerso in den 



Sprachliche Bemerkungen zu des Palladius opus agriculturae 181 

Boden heißt, zeigt der Gegensatz vasa quae stallt super terrani. 

Auffällig ist 3, 25, 28 amica est morus et vitis. Plinius drückt 
sich in einem ähnlichen Falle besser so aus (nat. 10, 207 in.): 
amici (sunt) pavones et columbae; Palladius hatte es noch leichter 
zu sagen amicae sunt morus et vitis, da ja morus und vitis femi- 
nina sind. Da Palladius in diesem Abschnitte vom Maulbeerbaum 
spricht, so ist begreiflich, daß er beginnt amica est morus; statt 
nun fortzufahren viti, wie z. B. Cicero sen. 42 voluptas rationi 
inimica est sagt, fügt ev vitis als neues Subjekt hinzu; wir können 
auch sagen, daß Palladius aus den beiden Konstruktionen amica 
est (morus viti) + (amicae smit) mortis et vitis eine neue geschaffen 
hat, die wir allerdings als nicht besonders glücklich bezeichnen 
müssen; soll die Freundschaft als Gegenseitigkeitsverhältnis an- 
gesehen werden, muß es heißen amicae sunt morus et vitis; soll 
aber nur das freundschaftliche Verhältnis des Maulbeerbaums zur 
Rebe betont werden, so ist amica est morus viti richtig; der Schrift- 
steller ist aber von der zweiten zur ersten Auffassung übergegangen. 
Aus dem Gebiete der Kongruenz wollen wir als bemerkenswert noch 
9, 5, 3 rafanum sicut hrassicam constat esse vitihus inimicam 
anfügen ; der Anschluß von inimicam an das zunächst vorhergehende 
brassicam ist leicht begreiflich, vgl, meine Synt. * § 30, b. 

Bei der Stelle 1, 8, 1 de aedificio: ita igitur aestimanda est 
eius magnitudo, ut, si aliquis casus incurrerit, ex agro, in quo est, 
unius anni aut ut multum biennii pensione reparetur vermissen 
wir ut in allen codd., zwei alte Ausgaben haben [ut] multum. Es 
kann ut nicht entbehrt werden. Freilich beim Superlativ brauchen 
wir es nicht. So schreibt Palladius 4, 11, 5 aetatis maxime trimae 
höchstens drei Jahre aJt, Columella de arb. 20, 2 semina trifurca 
maxime ponito, 7, 6 propaginis scrobem minime triennio paulatim 
completo, vgl. dazu Lundström im Eranos 1897 S. 175, 19, 3 itaque 
placet inter ordines quadragenos pedes minimumque trigenos relin- 
qui, 24 ita ut tninime dies quinque et viginti ad brumam super- 
sint u. a. Wenn nun aber Pallad. 3, 26, 2 mihi vero utilius pro- 
batur experto, porcam, cui pabula suppetunt, ut pliirimum sex 
nutrire debere und Colum. 1. 1. 7, 3 ne passus fueris plus quam 
duas aut ut maxime tres gemmas habere schreibt, so zeigt dies, 
daß zum Superlativ das einschränkende ut treten kann, während 
€S zum Positiv multum treten muß; übrigens kann Colum. 7, 3 ut 
vor maxime durch Dittographie aus aut und Pallad. 3, 26, 2 ut 
vor plurimum aus der Ähnlichkeit von ut mit dem Schluß von 
suppetunt entstanden sein und das Fehlen von ut vor multum bei 



182 J. H. Schmalz 

Pallad. 1, 8, 1 durch Haplographie statt aiit iit erklärt werden. 

Im Satze 4, 10, 2 sed qui in scrobe deponit, si tres lapülos in 
ipsa radice constituat, providerit, ne poma findantur hat cod. E 
providerit in pirovideat geändert. Tatsächlich ist der Konj. Perf. 
als Jussiv fast ausschließlich von den eigenthch präsentischen Per- 
fekta novi, odi, memini gebraucht; sonst weiß Blase (Tempora und 
Modi in Hist. lat. Grammatik ed. Landgraf III, 1, S. 200) nur 
einige wenige und diese nur mit perfektischer Bedeutung aufzu- 
führen. Mir scheint iwoviderit nach Analogie des üblichen viderit 
= der mag zusehen gebildet zu sein; die Formeln viderit oder vi- 
derint begegnen überall im Spätlatein, wenn auch mit etwas modi- 
fizierter Bedeutung (Ruhnken: elegans formula eoruni, qui curant 
alicuius rei ad alium reiciunt, vgl. Blase 1. 1. S. 184 und Hartel 
im Index zu Cyprian s. v. viderit), daher ist auch ein ihnen nach- 
gemachtes providerit nicht zurückzuweisen. 

Während Cicero Verr. 4, 130 schreibt id signum usque ad 
hanc diem integrum inviolatumque servatum. est = hat sich bis 
auf den heutigen Tag erhalten lesen wir bei Pall. o, 2b, 18 mela 
rotunda sine cura toto anno servare se possunt. Ferner sagt Pall. 
3, 24, 5 si se imber abstineat = ivenn der Regen ausbleibt und 
11, 9 quicquid se Uli miscuerat, dann nicht etwa molliri oder mol- 
lescere für iveich werden, sondern 3, 2, 9 steht ubi (pira) se mollire 
coeperunt. Neben siccari 1, 10, 2 u. 1, 15 cum siccari coeperit 
treffen wir 1, 9, 2 cum se coeperit siccare, vgl. auch 3, 26, 1 se 
effundit. Im Spätlatein entwickeln sich, wie Löfstedt Phil. Komm, 
zur Peregr. Aeth. S. 140 ff. ausführt, in vielen Fällen reflexivische 
Konstruktionen bei Verba, wo in klassischer Zeit etwas Derartiges 
durchaus verpönt wäre. Daher kommen auch in den romanischen 
Sprachen die vielen Verba reflexiva, wie z. B. se taire, se vivre, se 
mourir, usw. Vgl. noch J. Pirson La syntaxe du verbe dans la 
Mulomedicina Chironis, Erlangen 1906. Die Herausgeber der edd. 
a c g s des Palladius, auch Schneider, fühlten sich offenbar in ihrem 
Sprachgefühl durch servare se verletzt und ersetzten dies daher 
durch servari, Schmitt hat sich jedoch mit Recht an die codd. ge- 
halten. 

Wie ein und derselbe Schriftsteller sich bald sehr einfach, 
dann aber auch im ganz gleichen Falle gewunden und gekünstelt 
ausdrückt, zeigt die Behandlung der Reziprozität bei Palladius. Die 
klassische Sprache scheidet genau zwischen Reflexiv und Recipro- 
cum, weniger aber die Sprache des Volkes und es darf geradezu 
als volkstümlich gelten, das Reflexiv zum Ausdruck der Rezipro- 



Sprachliche Bemerkungen zu des Palladius opus agriculturae 183 

zität zu verwenden. So schreibt denn auch Palladius 3, 25, ü alii 
pira, quae se non contingerent, in melle servariint, 3, 19, 3 ne se 
contingant und 12, 7, 1 ossa sunt ponenda hinis a se pedibus sepa- 
rata. Eine einfache Sprechweise ist auch die klassische mit inter se, 
so Colum. arb. 20, 2 ne inter se contingant, dann Pallad. 1, 34, 6 
qui inter se iungentur , 1, 13, 2 vi inter se cannarum membra 
cotisfringat, 1, 18, 2 spatio longiore inter se distantes. Seit Livius 
sehen wir das klassische inter se noch durch inricem verstärkt, 
später ebenso das volkstümliche Reflexiv, so bei Pallad. 12, 7, 2 
(nach Garg. Mart. II, 1, 399 R dum se invicem praetegant a solis ar- 
doribus) nee a se longius statuendae, ut invicem se a calore solis 
excusent, 4, 10, 33 ne se invicem tangant und entsprechend das 
Passiv in 12, 7, 22 castaneae servantur, ne invicem tangantur und 
4, 10, 8 si a tactu invicem separata paleis obruantur. Wie in- 
vicem findet sich auch einmal vicissim 4, 10, 22 ne ea vicissim 
tactus adficiat; in den beiden letzten Stellen ist invicem wie auch 
vicissim attributiv gebraucht; attributives invicem hat den rezi- 
proken Gebrauch zuerst bei Livius angenommen, reziprokes vicissim 
ist der Dichtersprache eigentümlich und erst spat in die Prosa 
eingedrungen. Die unflektierbaren Wendungen mit inter se und 
invicem ließen das Verlangen nach einem passenden Ersatz für das 
flektierbare al'krjlu)v usw. aufkommen; so schreibt Pallad. 4, 25, 21 
ita ponendae simt arbores, ne alteram quatiente vento stillicidinm 
tangat alterius, und 8, 2, 2 loci proprietas utriimque semen in 
alter um mutat; alter alterius gehört schon der klassischen Zeit 
an (Sali. Cat. 1, 7 alterum alterius auxilio eget), ebenso uterque 
alterum, z. B. Cic. off. 1, 4 uterque contempsit alterum. Nicht so 
einfach ist die jetzt kommende Stelle Pallad. 6, 9, 2 jmst aliquot 
dies solidatae iam formulae (sc. casei) per crates ita statuantur, ne 
invicem se unaquaeque contingat; genügen würde ne se contin- 
gant oder höchstens ne invicem se contingant, auch wie Columella 
7, 8, 5 sagt ne alter alterum caseus contingat. Unusquisque wird 
sonst in Fortbildung der erwähnten Wendung uterque alterum auch 
mit alterum oder alium verbunden, doch nur im Spätlatein; zu 
unaquaeque alteram würde der Singular contingat passen, zu invicem 
se unaquaeque nicht; wie in der Peregr. Aeth. 36, 5 ite nunc unus- 
quisque ad domum cellas vestras wird der Plural für die Gesamtheit 
gesetzt, unaquaeque ist eine Art appositio distributiva. Vergleichen 
wir Vict. Vit. 1, 38 vale sihi . . unusquisque dicehant, so steht hier 
richtig der Plural, aber die Überlieferung von W ß bietet auch den 
Singular dicebat. In beiden Fällen, bei Pallad. und bei Vict. Vit., 



184 J. H. Schmalz 

wirkt der Singular unusquisque (bezw. unaquaeque) mit zur Herbei- 
führung von contingat (bezw. dicebat), wie auch in Varro 1. lat. 9, 
34 quod g« (verba) homines ad suam quisque voluntatem fingat. 
Palladius hat nach allem die reziproken Ausdrucksweisen invicem 
se und unaquaeque alteram mit einander verknüpft, in unnötiger 
Breite und ungeschickt insofern, als der Singular contingat doch 
trotz der Einfügung von se invicem und des Fehlens von alierain 
beibehalten ist. Über den Ersatz des Reciprocums im Lateinischen 
vgl. die sehr eingehenden Untersuchungen von Thielmann in 
Wölfflins Archiv VII, 343 — 388, der jedoch auf Palladius wenig 
Bezug nimmt, dagegen ausdrücklich feststellt, daß Columella iyi- 
vicem geflissentlich meidet; öfters freilich als wir notiert, findet es 
sich auch nicht bei Palladius. 

Daß die Superlative schon bei Columella eine ganz abgeschwächte 
Bedeutung besitzen und sich vom Positiv kaum unterscheiden, zeigt 
Kottmann S. (J; ganz besonders gilt dies von den sog. unregel- 
mäßigen Superlativen, so denn auch von proximus. Wölfllin hat 
in Lat. u. Roman. Comparation Erlangen 1879 S. 60 nachgewiesen, 
daß jedenfalls in der Zeit des Gellius und Apuleius proximus auf 
der gleichen Stufe steht wie propinquus. So fasse ich denn bei 
Palladius 5, 4, 2 terrani diligit non nimis laetam, sed proximam 
tenui atque ieiunae das proximam nicht superlativisch, sondern = 
der nahe kommt. Ebenso verhält es sich mit dem Satze 5, 7, 2 
ac jirimo quam longe sint (sc. apes), exploremus , aut proxime = 
wie iveit sie weg sind oder ivie nahe sie sind, denn quam gehört 
a7tb yioivov auch zu proxime, zudem liest Schneider mit p quam 
longe aut prope sint. Genau so wird ib. § 3 ad proxima facile 
venies, ad longinqiia hoc genere perduceris das proxima dem lon- 
ginqua, also das Nahe dem Entfernten gegenüber gestellt, und 
schließlich bedeutet 3, 24, 2 agro mari proximo auf einem Felde 
am Meere. Fassen wir nunmehr den Satz 2, 13, 5 ins Auge: at 
maxime utile solum est, quod inter omnes 7iimietates temperamentum 
tenebit et raro proximum quam denso fuerit. Daß zu einem quam 
oft im Vorhergehenden ein tam zu ergänzen ist, ist in neuerer Zeit 
oft genug ausgesprochen worden, vgl. z. B. Löfstedt Aeth. 325, 
Bährens Philol. XII, 308, Stangl WfklPh. 1908, 18, Berl. VVoch. 
1912, 549 u. sonst; so könnte denn auch vor raro ein tam hinzu- 
gedacht werden, und der Gedanke wäre dann: am nützlichsten ist 
der Boden, welcher .... dem lockeren gerade so nahe kommt, wie dem 
festen. Nun aber schreibt Palladius am Anfang des Kapitels genau 
wie Columella 3, 1, 8 sed solum vineis ponoidis nee spissum nimis, 



Sprachliche Bemerkungen zu des Palladius opus agriculturae 185 

nec resolutum, propius tarnen 7-esoluto, ferner schiebt E ^ bei Pallad. 
2, 13, 6 plus vor proximum ein; damit ist ein anderer Weg ge- 
zeigt. Ist tatsächlich proximus auf die Stufe des Positivs herab- 
gesunken, so muß es sich wieder komparieren lassen; Seneca hat 
denn auch den Komparativ proximior und, was für uns wichtiger 
ist, Palladius bildet in der bei Columella und im Spätlatein z. B. 
bei Fulgentius beliebten Weise (vgl. Kottmann S. 6 und Friebel 
S. 56) den Komparativ umschreibend mit magis und schreibt daher 
1, 6, 9 fructus minores . . magisque amurcae proximos. Nun 
wissen wir (vgl. meine Synt. * S. 548 und Löfstedt Glotta IIl, 186, 
ferner Glotta V, 211), daß im Spätlatein oft magis nicht gesetzt 
wird, wo wir es vor quam erwarten, z. B. Tert. Marc. 4, 15 bonum 
est confidere in deum quam confidere in honiinem und Anthimus 
auecdot. ed. Rose II 83, 5 ut modice tenerum sit quam durum; so 
werden wir auch Pallad. 2, 13, 5 proximum = tnagis proximum 
auffassen dürfen und darnach übersetzen: am nützlichsten ist der 
Boden ^ der zwischen allem Übermaß die richtige Mitte hält, aber 
dabei doch dem lockeren näher kommt als dem festen (über et = 
aber vgl, meine Synt. * § 236). Komparative Bedeutung bekommt 
proximus auch in der Mischkonstruktion bei Ps. Apul. Physiognom. 
ed. Rose (anecdot. I, 131, 6) prout quaeque signa proxima sunt 
oculis {= quo propiora sunt signa oculis), potiora sunt ceteris; 
ferner gebraucht Ps. Apul. Physiognom. öfters proximus ganz gleich 
propinquus und 152, 12 sagt er magis proximus wie Palladius; 
letzteres bestätigt Rose ausdrücklich als Lesart der codd. LO. 

Bemerkenswert ist 10, 11, 1 in dolus picandis hie modus erit, 
ut dolium ducentorum congiorum duodecim libris picetur et deinde 
pro minoris aestimatione subducas ein Faß von 200 congii zu 
verpichen braucht man 12 Pfund und darnach muß man bei ge- 
ringerer Schätzung berechnen. Minoris aestimare ist eine bekannte 
Phrase, aber minoris aestimatio ist mir noch nicht begegnet. Der 
Thesaurus kennt es auch nicht. Palladius sagt freilich 4, 8, 1 
maximis arboribus sex congii, mediocribus quattuor, ceteris p)ro 
aestimatione sufficiunt, ebenso Ulpian dig. 3, 1, 1, 6 pro aesti- 
matione indicis, aber eine Zufügung der Wertbezeichnung zum 
Substantiv aestimatio ist ganz singulär und jedenfalls im The- 
saurus nachzutragen. 

Um zu den Präpositionen überzugehen, so ist zunächst festzu- 
stellen, daß Palladius absque, circiter, eis, citra, dam, coram, erga, 
extra, ob, palam, penes, pone, prae, Irans und versus nicht ge- 
braucht; am häufigsten verwendet er ab, de, in, ad, per und ex. 



186 J- H. Schmalz 

Wenn Praun 1. 1. S. 92 für Vitruv eine außerordentliche Ausdeh- 
nung des Abi. der Ortsruhe feststellt und Kottmann 1. 1. S. 21 
notiert, daß Columella häufig den Abi. loci von Substantiven ge- 
braucht, die kein Attribut bei sich haben, so hat auch Palladius 
für letzteres einige bemerkensw^erte Beispiele, so 12, 13, 5 oves . . 
moris est stabulo potins nutrire quam campo und 5, 3, 1 nunc 
bene seritur terra, quali volueris. Regelmäßig aber fehlt die Prä- 
position bei den mit einem Attribut bekleideten Ablativen, weshalb 
die Einsetzung von in tax solo uliginoso 1, 6, 6, wie die edd. a c g s 
sie bieten, ganz verwerflich ist. Ob auch der Separativ ohne Prä- 
position 12, 3 inter quartum et tertiiim pedem a terra . . feriatur 
steht, wo a vor terra sich sogar in P und L nicht findet, scheint 
immerhin zweifelhaft; denn 1, 6, 10 liest man quatuor pedibus a 
terra, 12, 7, 1 sunt ponenda binis a se pedibus separata; und 1, 
30, 2 incubant a calendis martii usque ad aestivum solstitium fehlt 
a nur in L und F, 1, 42, 4 a mense Januar io faciemus initium 
nur in L und G. Wenn schließlich Palladius 2, 15, 2 planta a 
ventis frequentibus agitata, 5, 7, 7 papiliones circa Imnen volitabunt 
et angustia vasculi ab igne proximo interire cogentur, aber 2, 10, 3 
sive fossoribus colantur seu bubus schreibt, so erklärt sich dies nach 
meiner Synt. * § 101 Anm. 5 u. 6; vgl. noch Stangl Philol. 1910 
S. 525. — Bemerkenswert ist 5, 7, 3 cum apes ingressae fuerint 
2)0st odorem, wo Columella 9, 8, 9 ad odorem irrepserunt sagt; 
hier bedeutet post odorem dem Gerüche nach. Post odorem hat 
Ähnlichkeit mit Ampelius 2, (3 post aquam anhelans = fusra vöioq 
oQEyöf-iEvog und mit Fulgentius 3, 10 post quam (sc. Eurydicen) 
maritus ad inferos descendit, vgl. Sorn Einige Bemerkungen zum 
liber memorialis des L. Ampelius, Programm Laibach 1901 S. 7, 
Zink Der Mytholog Fulgentius Würzburg 1867 S. 44 und Friebel 
1. 1. S. 60, dann namentlich der spätlateinische Gebrauch von 
praeter = ohne, z. B. 2, 9, 2 hqnnus . . herbas praeter auxilium 
cultoris affligit = die Wolfsbohne wird mit dem Grase auch ohne 
die Hülfe des Landmanns fertig und 7, 2, 2 pars Galliarum . . . 
praeter hominum labores unius bovis opera spatium totius messis 
absumit = ohne Anstrengung von seiten des Menschen (vgl. 1, 41 
sine animalium vel hominum labore und 2, 15, 12 sine cura ho- 
minis, auch meine Synt. * § 129, sowie Archiv XI, 427). Neben 
praeter ist propter wichtig. Daß ob bei Palladius nicht vorkommt, 
hat schon Wölfflin Arch. I 164 erwähnt; er will 25 Beispiele für 
2)ropter gezählt haben, es sind aber einige mehr. Ob paßt nicht 
in den Stil der Agrarschriftsteller ; schon Cato meidet es sichtlich 



Sprachliche Bemerkungen zu des Palladius opus agriculturae 187 

— er hat nur agr. 134, 4 ob struem obmovendam , wo vielleicht 
die Präposition im Verburn compositum rückwirkte. Varro hat es 
gar nicht, oft aber propter, wie Keil im Kommentar S. 68 notiert. 
Columella gebraucht es wohl in kausalen Formeln wie ob emn rem, 
quam ob causam., auch ob eximiatn virtutem (dem feierlichen Amts- 
stil entlehnte Wendung!), sonst aber nur einmal 4, 25 ob simili- 
tudinem, ähnlich steht es mit Vitruv, der propter sehr oft, ob nur 
viermal in der Verbindung quas ob res hat; vgl. hierüber Reis- 
singer Über Bedeutung und Verwendung der Präpositionen ob und 
p>ropter\ I. Teil Landau 1897, IL Teil Speyer 1900, sowie Löfstedt 
Phil. Komm. Aeth. 219. Interessant ist propter = zur Verhütung, 
z. B. 1, 8, 2 praetorü situs sit loco erectiore et sicciore quam cetera, 
propter iniuriam fundamentoriim et ut laeto fruatur aspectu — da- 
mit die Fundamente keinen Schaden leiden und das Haus eine er- 
freidichere Aussicht habe (beachte den positiven Finalsatz parallel 
zu propter iniuriaml); 4, 11, 8 propter iniuriam gravidarum = 
damit die Trächtigen keinen Schaden leiden; 6, 2, 1 propter in- 
iuriam venti = damit der Wind keinen Schaden zufügt', 12, 13, 5 
ut sie tuta cubilia propter iniuriam pretiosi velleris umor reddat 
elabens = (der Boden muß fest sein), damit so die Feuchtigkeit 
abfließen kann und die Lagerstätten sicher macht gegen Beschädi- 
gung des kostbaren Vließes; wir hätten tuta ab iniuria erwartet, 
vgl. 1, 19, 2 a mustelis tutae flunt; aber init propter wird nur die 
örtliche Auffassung geändert: tutus ab == sicher vor d. h. hat nichts 
von der Gefahr her zu fürchten, tutus propter = sicher neben d. h. 
hat selbst neben der Gefahr nichts von ihr zu fürchten, gerade 
wie Gargihus Martialis Medicinae ed. Rose S. 176, 3 tuto quiescant 
contra animalia gegenüber den Tieren schreibt. Für propjter mit 
Gerundiv bietet Pallad. auch ein Beispiel 1, 34, 7 propter spatia 
purganda. 

Ganz Singular ist folgendes: 11 tit. 14 quae Graeci vel alii 
super vina condienda curandaquae dixerunt. Schon bei Plautus 
findet sich super = de, immer mit Abi., in Prosa häufig seit Livius, 
fast maßlos bei Gellius, mit Gerundiv bei Hör. c. s. 18 decreta 
super iugandis feminis, bei Tac. ann. 15, 5 super petenda Armenia 
et firmanda pace sowie bei Fulgentius 304 C Corinthios super matri- 
monii honestate servanda informans, vgl. Friebel 1. 1. S. 50, nirgends 
jedoch mit Akkus, oder gar mit Akkus, und Gerundiv. Dies war 
dem Tertullian vorbehalten; er schreibt Gar. Chr. 18 dispositio 
rationis super filium dei ex virgine proferendum (vgl. Hoppe Syntax 



188 J- H. Schmalz 

und Stil desTert., Leipzig 1903 S. 41), und nach Tertullian scheint 
es Palladius allein noch aufzuweisen. 

Auf die Wichtigkeit des Kapitels über den Gebrauch der Tem- 
pora und Modi bei Palladius will ich nur hinweisen. Lundström 
hat im Eranos 1897 S. 175 zu Colum. arb. 7, 3 hoc modo propa- 
gata convalescit et tertio anno matre separahitur notiert: con- 
valescit retinere ne dubitemus; talis enim temporum variatio a 
Columella minime aliena; dieser Satz gilt auch für Garg. Martialis 
Med. 217, 7 et sie facies et mittis und für Palladius selbst. Die 
Ausgabe von Schmitt hat an vielen Stellen Tempus oder Modus 
der Überlieferung geändert, hier ist überall sorgfältig nachzuprüfen. 
Zu beachten ist auch der Tempusgebrauch in Vorschriften, vgl. 
hiezu Brolen De elocutione Celsi, Upsala 1872 S. 33 und was 
Bährens Philol. XII, 5 13 ff. zur Tempuslehre beibringt. 

Fassen wir nun noch einmal zusammen, was sich über die 
Kenntnis der Sprache des Palladius hinaus für allgemeine sprach- 
liche Probleme aus unserer Betrachtung ergibt, so ist dies haupt- 
sächlich 1) wie das Vorautretenlassen eines betonten und gewisser- 
maßen dominierenden Begriffes namentlich in Vorschriften den 
Satzbau stört und Anakoluthe veranlaßt, 2) wie parallele Satz- 
glieder in der Konstruktion sich angleichen {cui delectaris et cui 
siifficis) und so seltene Fügungen herbeiführen, 3) wie gewöhnlich 
transitiv gebrauchte Verba ohne Objekt erscheinen, wenn sich dies 
aus der gewohnheitsmäßigen Verbindung von selbst ergibt (addit 
— detrahit), 4) wie das Streben nach Deutlichkeit Wiederholungen 
von Wörtern veranlaßt und hier übliche Konstruktionen {qui locus 
. . . is locus) andere nach sich ziehen (si locum . . is locus), 5) wie 
die Umgangssprache in ihrer Vorliebe für Fülle des Ausdrucks auch 
Konjunktionen häuft (et neque), 6) wie nur im Gedanken vor- 
schwebende, aber sprachlich nicht zum Ausdruck gelangte Begriffe 
doch nähere Bestimmungen erhalten, die dann selbständig er- 
scheinen (quatuor mensum saginantur), 7) wie Umschreibungen im 
Verlaufe der Sprachentwicklung immer mehr der Hebung der 
Deutlichkeit dienen und so denn auch periphrastische Verbalformen 
die nicht mehr scharf hervortretenden Konjunktive ersetzen {sit 
abundans für ahundet), 8) wie oft gebrauchte Formen eine Bedeu- 
tungsschwächung erleiden (Superlative) und auch hier dann zum 
Ausgleich eine Umschreibung hilft, 9) wie durch ungeschickte Ver- 
mischung mehrerer Konstruktionen lästige und unklare Breite ent- 
steht (Reziprokum), 10) wie Präpositionen immer mehr ihr Gebiet 
erweitern und besonders eine Wendung die andere nach sich zieht 



Sprachliche Bemerkungen zu des Palladius opus agriculturae 189 

(super vinis condiendis und dann auper vina condienda dicere)^ 
11) wie substantiva verbalia die verbale Kraft ihres Stammwortes 
so erhalten, daß sie nicht nur den Objektskasus des Stammverbums 
(manum iniectio, obtemperatio le(jibus, meine Synt. ^ § 61 und § 84 
Anm. 2), sondern auch andere mit diesem sich verbindende Be- 
stimmungen (minoris aestimatio) beibehalten können und schließ- 
lich 12) wie eingelebte Wendungen (viderint) verwandte Formen 
(z. B. Komposita, providermt) entgegen üblichen Sprachregeln mit 
modifizierter Bedeutung nachziehen. 

Und nun noch einige Fingerzeige für die Beobachtung von 
Wortformen und Wortbedeutung u. ä. Die Macht der Analogie 
zeigt sich in dem Superlativ utillimus, den sehr oft Ps. Plin. de 
medicina ed. V. Rose und dann Palladius 11,4 aufweist; die durch 
den Stoff verlangte Abweisung von Formen der gehobenen Sprache 
bezeugt der vollständige Mangel der 3 plur. perf. auf ere, nur 4, 
10, 25 lesen G und die alten edd. peperere; die Vorliebe für Wörter 
der Umgangssprache beweist z. B. die Bevorzugung des Verbs de- 
siderare (Löfstedt Aeth. 115). Wie Wörter im Laufe der Ent- 
wicklung der Sprache sich ablösen, erkennt man aus dem Zurück- 
treten von saepe gegenüber frequenter und subinde (Löfstedt Aeth. 
276 und Rose zu Ps. Plin. S. 127); wie die Bedeutung sich wandelt, 
sieht man an forfis, das im Spätlatein = stark wird und an in- 
iuria (öfters propter iniuriam), das spätlateinisch = Schaden, 
Verlust bedeutet, vgl. Hoppe 1. 1. S. 121; wie sehr der Gebrauch 
der Abstracta als Konkreta zunimmt, lassen viele Beispiele, so 3, 
21, 2 ariditas (= das dürre Holz) universa reciditur erkennen; 
wie Simplicia im späteren Latein immer mehr an Stelle der Kom- 
posita treten, zeigt 2, 13, 6 und 3, 25, 2 specfare für exspectare; 
wie sie mit Adjektiv oder Partizip durch die ganze Latinität geht, 
läßt 11, 10, 1 sie salitam (olivam) in novis canistris esse patieris 
= gesalzen wie sie ist, vgl. Berl. Phil. Woch. 1912 Sp. 555 und 
Cic. Rose. Am. 71 sie nudos, Liv. 2, 10, 11 sie armatus, erkennen 
und schließlich zeigen Stellen wie 4, 10, 28 arbores fici und 1, 0, 9 
oleae grandes arbores, daß der Plural von arbor fici und arbor 
oleae, was bezweifelt wurde, arbores fici und arbores oleae lautet 
(Löfstedt Aeth. 151). 

Zum Schlüsse wäre zu prüfen, inwiefern Palladius seiner ein- 
gangs erwähnten Absage an die Rhetorik im Verlaufe des Werkes 
treu geblieben oder untreu geworden ist und nach Gesner nimis 
saepe rhetoricatur. Auffällig ist jedenfalls, daß er da, wo Gargilius 
Martialis (II, 1, 399) dum se (arbores) invicem praetegunt a solis 



190 J^^l Charpentier 

caloribus schreibt, 12, 7, 2 ut invicem se a calore solis excusent 
das gewöhnliche Verbum praetegere durch das nur von menschlicher 
Tätigkeit und in diesem Sinne nur hier gebrauchte excusare ersetzt. 
Überhaupt ist die Personifikation eine bei Palladius ganz gewöhn- 
liche Erscheinung; nicht nur von Tieren, auch von Pflanzen, ja 
selbst von dem Boden wird gesagt, daß sie laetantur, delectantur, 
umant, diligunt, desiderant, timent, formidant; die Reben lacrimarum 
nimietate tabescunt et deplorando vim rohoris sui avertuntur a frudu, 
die tenera infantia eines Baumes diligenter nutriri debet; bei der 
Sorge für die Nachzucht muß man manchmal darauf sehen, ut 
facem libidinis augeat dilatio voluj)tatis, bei den Pflanzen ut nova 
laetius herba succedat u. ä. Vgl. hierüber noch den Sprachgebrauch 
des älteren Plinius, der wenn auch nur indirekt als Quelle des 
Martialis auf Palladius eingewirkt haben mag, Job. Müller 1. 1. 
S. 128. 

Freiburg i. B. J. H. Schmalz 



Lat. 7'ana 'Frosch' 

räna 'Frosch* ist von mehreren Forschern verschiedentlich 
etymologisch gedeutet worden. Vanicek Et. Wb. 25 und Walde 
Wb.2 639. 641 stellen das Wort als 'Brüller zu racco oder ranco, 
-äre 'wie ein Tiger brüllen i); räna wäre dann aus *räcsnä oder 
*rancsnä entstanden. Wiedemann BB. XXVII, 249 erklärt 
wiederum räna aus ^vränä und zieht es zu lit. varle 'Frosch', das 
sonst selbst unerklärt ist. Der Vollständigkeit wegen soll auch 
erwähnt werden, daß es Bury BB. VII, 82 ff. mit gr. ßdtgaxog 
'Frosch' zu verbinden sucht, eine Etymologie, die wohl kaum ihren 
Urheber selbst zu überzeugen vermochte 2). 

Mich überzeugt keine dieser Erklärungen, und ich möchte hier 
eine andere zu geben versuchen. Bekanntlich sind die Namen des 



1) Diese Wörter führen Fick IP, 230; Walde Wb.^ 639 u. a. zu ahd. 
ruohhön 'brüllen', lit. rekti, lett. rekt 'brüllen', ab. reka 'spreche', air. reimm 
'Geschrei' usw. Es fragt sich, ob nicht *r(Sk-, *rök- in *rd-k-, *r5-k- zu zer- 
legen ist und weiter zu lit. reju 'schreie laut, brülle los', ai. rayati 'bellt' 
usw.) gehört, racco und ranco würden dann eher *r9-k- enthalten. 

2) ßaTQu/og, wozu ja viele dialektische Formen (ion. ßQOTayog, ßä&QCixog 
usw.) vorliegen, ist selbst unklar, vgl. Fick BB. VI, 211; Wb. I^, 410 und 
Boisacq Dict. et. 116 f. 



Lat. rana "Frosch' 191 

Frosches in den indogermanischen Sprachen größtenteils unklar: 
lt. hüfo 'Kröte' ^) soll als osk.-sabell. Lehnwort zu apr. gabawa 
""Kröte', ab. zaba "^Frosch' gehören nach Niedermann BB. XXV, 
83 f.; Ernout Elem. dial. lat. 130; Walde Wb.^ 101; FickWb.^I, 
407 zieht wiederum das Wort zu ai. godhd * große Eidechse'; viel 
besser scheint mir aber die Vermutung von Persso u Beitr. z. 
idg. Wortf. 2G1 A. 4, wonach biifo einfach zur Wurzel *ie«.-, *6«1- 
*"aufblasen, aufgedunsen sein' usw. gehört, vgl. die wahrscheinlich 
zur selben Wurzel gehörigen mengl.^jo(/(i?e* Kröte', mndX. podde Ao.^.^ 
imdde 'Aalquappe' u. s. w. Lt. rubeta 'Kröte' soll nach Walde 
Wb.2 660 zu ruber 'rot' gehören; nach Schulze SBBAW. 1910, 
807 f. ist das Wort vielmehr aus ^-urdh- entstanden und gehört 
zu lett. ivarde 'Frosch' 2); Persson Beitr. z. idg. Wortf. 299 A. 1 
zieht aber rubeta zu räbidus 'roh, uneben' (Pt. Gas. 310, Stich. 230) 
und weiter zu rübus, got. raupjan 'raufen, rupfen', vgl. das wahr- 
scheinlich verwandte lit. rupüze 'Kröte' zu rüpas 'rauh, holperig', 
was wohl das richtige trefifen wird. Eine Farbenbezeichnung ent- 
hält aber sicher gr. cpQvvi], cpQvvog 'Kröte', das sich nicht gut von 
ahd. brün 'braun' usw. trennen läßt 3). Daß endlich die Namen 
des Frosches im Germanischen in irgendwelchem Zusammenhang 
mit Verben, die 'springen, hüpfen' bedeuten, stehen, hat zuletzt 
Osthoff Et. Par. I, 336 ff. in ausführlicher Darstellung bewiesen 
(aisl. fraupr^ aschw. frodh 'Frosch' zu ai. °pru-t- 'springend', pluti- 
'Sprung' usw., vgl. zur Bedeutung ai. plava-, plava-ga-, plavam- 
gama- 'Frosch'). 

Der Frosch wird also bisweilen durch seine Fähigkeit beim 
Hüpfen und Springen benannt; das zeigen deutlich die letzt- 
erwähnten germanischen und altindischen Wörter. Daneben kann 
wohl aber die Aufmerksamkeit auf die langen, kräftig entwickelten 
Hinterschenkel gelenkt werden, und man möchte denken, der Frosch 
könnte als 'Schenkeltier oder ähnlich bezeichnet werden. Ich 
möchte also in rüna ein Wort finden, das eigentlich 'Schenkel' 
bedeutet*) und betrachte das Wort als der Hauptsache nach iden- 



1) 'Kröte' und 'Frosch' lassen sich nach Seh rader Eeallex. 483 
sprachlich nicht s.treng unterscheiden. 

2) Wie verhält sich lett. warde 'Frosch' zu lit. varle das.? 

3) Vgl. A. Kuhn KSB. 1,200; Grimm Wbch. II, 234; Verf. KZ. XL, 
474 (gegen Sommer Griech. Lautst. 69 ff.) ; Persson Beitr. z. idg. Wortf. 
18 usw. 

4) Man vergleiche zur Bedeutung lt. lacerta 'Eidechse' zu lacertus 
'Oberarm', s. besonders Johansson PBrB. XV, 518. 



192 J^'J*! Charpentier, Lat. rana 'Frosch' 

tisch mit av. räna- m. "^der äußere Teil des Oberschenkels, Ober- 
schenkel', Vd. 8, 59—61; 9, 21 f.; 16, 16; F. 3 g (Bartholomse 
Air. Wb. 1523), auch in räna-pa(y)- m. 'Beinschützer, Beinschiene' 
Vd. 14, 9, von welchem Worte räna 'Frosch' sich nur in Bezug 
auf das Genus unterscheidet i). Das avestische Wort zieht Fick 
Wb.^ I, 339 zweifelnd zu lit. strenos 'das Kreuz (am Rückgrat)', 
was aber kaum angeht; Bezzenberger BB. XVII, 215 u. a. stellen 
es zu ai. aratni- 'Ellbogen, Elle', gr. wlivr] dgl., wls-'HQavov 
« '^wlevo-KQavov, Brugmann SB. 1901, 31 ff.), lt. ulna 'Ell- 
bogenknochen, Arm usw., was für mich nicht besonders über- 
zeugend ist und der oben gegebenen Deutung direkt wider- 
sprechen würde, da diese Wörter idg. l haben. 

Meinerseits glaube ich eher, daß der dem lateinischen und 
iranischen Worte zu Grunde liegende Stamm *räi\o- in *rä-no- zu 
teilen ist und denke zunächst an Zusammenhang mit lt. rä-mo- in 
rämus m. 'Ast, Zweig', das m. E. nicht mit Vanicek Et. Wb. 
275; Curtius Grundz.^ 532; Walde Wb.2 640 aus '^uräd-mO' zu 
erklären und mit rädix 'Wurzel usw. zu vereinen ist. Viel eher 
möchte ich mit Hirt Abi. § 188; Meringer IF. XVII, 121 2) 
lt. rä-mo- mit ar-mo- in lt. armus 'Arm, Oberarm, Schulterblatt, 
Vorderbug', germ. ^ar-ma- 'Arm' und ab. ramo, ram^ 'Schulter', 
*fmö- in ai. Irma- 'Arm, Vorderbug', av. ardma- 'Arm' zusammen- 
halten. Die Bedeutungen 'Zweig' und 'Arm', 'Schenkel' sind gar 
nicht unvereinbar und der Suffixwechsel "^ra-no- : rä-mo- und 
"^ ar-mo-, "^-f-mö- hat an sich nichts unerhörtes. 

Upsala Jarl Charpentier 



MävÖQog 

Zu Glotta V 282 erinnert Alfred Körte daran, daß er schon 
Athen. Mitt. XXII 7 f. ein Zeugnis für den kleinasiatischen Gott 
MdvÖQog beigebracht habe, den phrygischen Ortsnamen Mandri 
fontes Liv. 38, 15, 15, wo man fälschhch Älandri fontes zu schreiben 
pflegt. 

P. Kretschmer 



1) Vgl. das eben angeführte lacerta : lacertus. 

2) Widerspruch bei Persson Beitr. z. idg. Wortf. 634. 



0. Imraiscb, Sprachliches zum Seelenschmetterling 193 



Sprachliches zum Seelenschmetterling 

Zwei Fragen allein sollen im Folgenden beantwortet werden: 
Wie war die Vorstellung von der Schmetterlingsseele in archai- 
scher Zeit beschaffen? und: wie und wo vollzog sich der Über- 
gang von dieser, wie sich zeigen wird, rohen zu der veredelten 
Vorstellung, die den spätren literarischen und namentlich den 
bildnerischen Denkmälern zu Grunde liegt? In beiden Fällen soll 
vornehmlich die Sprache uns Rede stehen. 

1. 
Als gesichert wird vorausgesetzt, daß auch der Seelenschmetter- 
ling eine Abart des sogenannten Seelenvogels ist, nicht als das 
einzige Insekt. Es steht also am Anfang etwas, was weit entfernt 
ist von dem anmutigen Elfeutum der spätren Faltermädchen und 
was sonst von zierlicher Symbolik in Frage kommt. Seelenvögel 
sind ein unheimliches Gelichter. Es lag deshalb nahe, was Waser 
annahm (nach seiner Darstellung bei Röscher 3, 3234 kürzlich im 
Arch. f. Religionsw. 16, 1913, 382), am Anfang sei der Nacht- 
falter gemeint gewesen. Mit ihm verbinden sich anderswo nach- 
weislich unheimliche Vorstellungen, wie sie zu schweifenden Seelen 
wohl passen. In der Schweiz und in der Lausitz bringt er den Schlä- 
fern den Alpdruck (Laistner, Rätsel der Sphinx 1, 270), desgleichen 
bei den Südslaven (Grimm, DM 2 ^ 905), bei den Albanern das Fieber 
(Boisacq, dict. etym. de la langue Grecque 327). Für die Griechen 
ist zu beachten, daß eins dieser Tiere rjTciolog oder TjTtwlrig heißt, 
6 Ttfgt xbv Xvxvov TieTOf-ievog, nach Aristot. rt. to. "CiZa igt. 605 b 14. 
Der Name ist doch wohl nicht zu trennen von ^TclaXog und ecpidX- 
Tijg; vgl. Boisacq a. a. 0., wo sich auch noch andre Belege und 
Parallelen finden. Ferner darf für das Altertum vielleicht Vergil 
als Zeuge in Anspruch genommen werden. Von den Trugträumen, 
die auf dem düstren Ulmenbaum in der Unterwelt hausen, sagt er 
(6, 284): foUisque sub otnnibus haerent. Norden (S. 211) denkt 
dabei freilich an Vögel, wie zweifellos schon Silius (13, 597 ff.). 
Er verweist auf Homers TtsiaXolg VTionETCTr^oiTeg von den Sper- 
lingen {B 312). Das Charakteristische an Vergils Ausdruck ist 
aber „unter jedem Blatte einer", und es düi'fte mit größerem Recht 
verglichen werden, was Nikander von einem Nachtschmetterling 
sagt (Ther. 764): ftsgafiog vnoTQtifExai nerdXoLOi. Außerhalb der 

Glotta VI, 3. 13 



194 ^- löimisch 

Flugzeit hängen die Tiere ja wirklich gern an der Rückseite, der 
dem Lichte abgewendeten Seite der Blätter. Trugtraum und Alp- 
druck stehen sich nahe genug. Wenn wir ferner aus dem Nikander- 
scholiasten lernen, daß bei den Spätgriechen der Nachtschmetter- 
ling auch ipcoga heißt, so ergänzt sich die Vorstellung dahin, daß 
er auch die Krätze bringt, doch wohl durch Abstäuben seines reich- 
lichen Flügelstaubs; auch in unsrer Volksüberlieferung trägt die 
,, fliegende Elbe" Krankheiten zu (Grimm 968). Waser seinerseits 
macht nur auf den Umstand aufmerksam, daß die Form des Seelen- 
schmetterlings auf den Denkmälern öfter an die Motte denken lasse, 
indem sich vielfach mit besondrer Kurzflüglichkeit ein auffällig 
dicker Leib verbinde: vridvg de ßaQvverai sagt auch Nikander von 
dem eben erwähnten Tier. Indessen möchte ich auf diesen Um- 
stand nicht allzu viel Gewicht legen. Abgesehen von Ungeschick- 
lichkeit der Verfertiger und Materialschwierigkeiten kommt da noch 
eine besondre Erklärungsmöglichkeit von ganz andrer Art in Be- 
tracht, auf die wir später zurückkommen. Auch ist die ganze An- 
nahme von der ursprünglichen Bedeutung des Nachtfalters') nicht 
von besondrer Wichtigkeit. Denn sicher ist schon sehr früh die 
Verallgemeinerung erfolgt. Gerade die ältesten Denkmäler zeigen 
keineswegs die ausgesprochne Mottenform. Dasselbe lehrt die 
Sprache. Nikanders Bezeichnung für den Nachtfalter, (falXaiva, 
erklärt der Scholiast für einen rhodischen Provinzialismus, d. h. 
das Wort bezeichnete schon zu des Dichters Zeiten gemeingriechisch 
den Schmetterling überhaupt, wie es denn die Spätren mit ipvxr^, 
Ttsxofxhiq ij-'vx^ (seit Aristoteles nachweisbar) gleichsetzen^). Dar- 
nach haben wir unsre Fragestellung einzurichten. 



1) Ob sie wohl nachwirkt in denjenigen Bildern des Eros-Psychekreises, 
die Psyche mit der Packel gepeinigt darstellen? Der Nachtfalter, der von 
der tötlichen Glut des Lichtes nicht lassen kann. 

2) Schol. Nie. 1. 1. tÖ ^cpov xkXsitcu xQavoxokänTrig, (fctXaivrj (über die 
Orthographie später) ()" IotIv o/uocov, i]V (fdlaivav vvv xpwQnv xalovatv. — 
T] (fäkccivü icTTiv 7j ttkq' Tifiiv ^pv/Tj. TccvTrj ovv Tr] tpv^y lf^(ffQrj (frjac tot 
y.QavoxoXämriv. (fdkccivu Se 'PoSicdv IotIv ovofia. ovtoj yag avTol r« mo'i 
Toiig Xv)(vovg TiiTÖfiiva d^rjoia xkIovöiv. Die Kurzform tfällri erklärt Hesych 
mit 17 nnofxfvr] rpy^rj. Über die andre Hesychglosse axrjv, o rivtg ^tv \l>v/rjv, 
Tivfg öi (fciXairav später. — Phalaenae nannte Linne im Gegensatz zu Di- 
urna und Crepuscularia die Nachtschmetterlinge; später hießen die Spanner 
Phalaenidae ; neuerdings ist auch dieser Name gefallen, wie anderseits auch 
Psyche auf eine Spinnergattung von etwa 18 Arten beschränkt ist, deren 
Kaupen in röhrenförmigen Säckchen leben; Eeichenow, Handw. d. Zoologie 
usw. VI (Breslau 1892) 149. 541. 



Sprachliches zum Seelenschmetterling 195 

Prüfen wir zunächst die ältesten Denkmäler. Die schmetter- 
lingsflüglige Sphinx auf einem kretischen Siegelstein (Journ. of hell, 
stud. 22, 1909, t. VIII 74) wird uns nicht aufhalten: es ist zu 
fraglich, wieweit diese Produkte in den Einzelheiten religiöser und 
wieweit sie heraldischer Phantasie zuzuschreiben sind. Daß die 
Schmetterlinge auf den goldnen Wagschalen von Mykenai nichts 
mit einer Psychostasie zu tun haben, sondern rein ornamental auf- 
zufassen sind, lehrt das zweite bei Schuchardt 240 mit abgebildete 
Exemplar einer solchen Wage. Das gleiche gilt von den 11 goldnen 
schmetterlingsbeflügelten Seepferdchen aus Mykenai, Bosanquet 
Journ. of hell. Studies 24 (04) 324. Auszuscheiden hat nach meiner 
Ansicht auch die spartanische Elfenbeinskulptur (wie es scheint, 
des 8. Jahrh.), auf der A. Abt im Philol. 69, 1910, 143 den Seelen- 
schmetterling erkennen wollte. Wie die Abbildung im Annual of 
the Brit. school 13, 100 zeigt, handelt es sich um einen sehr un- 
deutlichen Gegenstand, der nicht sowohl über dem Gesicht des zur 
TtQod^eoig aufgebahrten Toten angeordnet ist, als vielmehr so aus- 
gesprochen vor der Brust des hinter dem Toten zu dessen Raupten 
stehenden Mannes, daß das eine Flügelende (wenn es sich um ein 
solches handelt) sogar hinter dieser stehenden Figur verschwindet. 
Obendrein aber kann der scheinbare Schmetterling auch irgend 
was andres sein, Teilstück der links weggebrochnen Darstellung. 
Das scheidet also aus. Redend ist dagegen sofort das nächste 
Zeugnis, unter den sichern wohl das älteste, ein schwarzfiguriges 
attisches Vasenbild in Berlin, öfter beschrieben und besprochen; 
vgl. zuletzt Waser 383 und Pagenstecher, Eros u. Psyche, SB. d. 
Heidelberger Ak. 1911 no. 9, S. 5. Nach Furtwängler ist dargestellt 
„ein stehender bärtiger Mann nach rechts mit vorgebeugtem Kopf 
die Doppelflöte blasend; sein Phallos ist horizontal erigiert, und vier 
Samentropfen fallen nieder in der Richtung auf einen Schmetter- 
ling, der in der Luft fliegt und im Verhältnis viel zu groß gemalt 
ist". Ein bei Waser mitaufgeführter Sardonyx zeigt eine Variante 
der gleichen Szene. Eine zweite Variante weist mir Deubner nach 
auf der Gemmenphotographie Cades 78 b (3. Reihe v. u.): Unter 
einem Symplegma Schmetterlinge zu beiden Seiten eines Phallos. 

Um das zu verstehen, ist es nötig die außergriechische Volks- 
überlieferung zu befragen. Dabei sei gleich bemerkt, daß in Me- 
sopotamien und Ägypten der Seelenschmetterling fehlt, wohl aber 
in Ostasien zuhause ist. Für das letzte verweise ich neben der 
von Waser 387 zitierten birmanischen Parallele auf die zierliche 
japanische Geschichte in Lafcadio Hearns Kwaidan (Frankfurt 1909) 

13* 



0. Immisch 

109 ff. nebst seinen Bemerkungen über chinesische Schmetterlings- 
geschichten. Wir begnügen uns mit dem europäischen Material, 
das Grimm (2 ^, 897. 905. 968) und Elard Meyer bieten (Myth. d. 
Germ. 76). Da ist der Schmetterling tatsächlich als unheimliches 
Wesen wohl erkennbar, und zwar gehört er, was stark zu betonen 
ist, in eine enge Verbindung mit den weiblichen Unholden, zumal 
den Hexen. Bald bringt er als ,, fliegende Elbe" allerlei Schaden 
und Krankheit, bald gilt er geradezu als „Hexenseele"; so bei den 
Südslaven, und die ,, Altweiberseele" in Schweden ist wohl nur eine 
abgeblaßte Form des gleichen Glaubens. Die Hexenhaftigkeit tritt 
besonders auch in den deutschen und englischen Namen zu Tage, 
die z. T. uralt sind und die auf die Lieblingsbeschäftigung der 
Hexen sich beziehen, Milch und Butter und alles was damit zu- 
sammenhängt zu verderben oder zu entwenden: Butterfliege (butur- 
flioga für pajnlio schon CGIL 5, 382, 37) und hutterfly, Butter- 
vogel, Schmantlecker, Milchdieb, Molkendieb, Molkentöwer (bezaubrer). 
Auch in Schmetterling selbst sucht man Schmetten, einen Ausdruck 
für Milchrahm. Der Sinn von alledem ist nicht zweifelhaft. Le- 
bensneidisch und lebenslüstern sind alle die schweifenden Seelen- 
wesen. Worin sich die Vitalität besonders verkörpert, ist stets der 
Gegenstand ihres Verlangens: Blut, Milch, Sperma. Das letzte tritt 
statt der Milch in der griechischen Vorstellung in den Vorder- 
grund: was ihre fliegende Elbe lüstern macht, zeigt das Vasenbild 
aufs unmisverständlichste. Aber weiblich, wie bei den Germanen 
und Slawen, muß auch bei ihnen die Seele gedacht sein, die solches 
lockt. Die Trennung der Seelenwesen nach dem Geschlecht ist 
auch nicht befremdlich. Man denke an Genius und Juno. 

Hier tritt nun die Etymologie in ihr Recht. Neben dem Aus- 
druck 71 {■rtExof.itvrj) xlwxiq (und noch neugr. ipvxctQi; vgl. den Namen 
Psicharis) stand wie wir sahen tj qxxl'kaLva, ursprünglich vielleicht 
überall, später nur noch im Rhodischen auf den Nachtfalter be- 
schränkt. Es ist zunächst ein recht rätselhaftes Wort, da es be- 
kanntlich auch den Walfisch oder sonst ein (Meer)ungeheuer be- 
deuten kann, wie aus Aristophanes (Vesp. 35. 39) und namentlich 
aus dem lat. Lehnwort hallaena bekannt ist. Schmetterling und 
Walfisch, wie geht das zusammen? — Festzustellen ist zuerst, daß 
die Orthographie, wie jetzt anerkannt ist, durchweg die geminierte 
Schreibung fordert: (fdllaiva (nicht (fdXaiva), (fdlliq, ballaena, 
ballo; vgl. C. B. Hase im Pariser Thes. 8, 614: ex quo colligi ^mtest 
veram nominis scriioturam esse (fdlXaiva, quam utroque in versu 
Arisfopham's servavit codex Bavennas, apud Aristotelem, Li/copJiro- 



Sprachliches zum Seelenschmetterling 197 

nem et Aelianum praebent Ubri optimi, Fhilostrato et Nonno im- 
prudenter exemerunt editores recentiores. XX haben auch die zwei 
besten Nikanderhsr. (GM) Ther. 760. Dazu der neue Thes. lat. 
2, 1699, 56: meliores Ubri dant ballaena vel ballena, quam forinam 
postulant linguae romanicae ; rarius occurrit balaena. Bei dieser 
Sachlage ist sicherlich die von Üsthotf, Etyin. Parerga I (1901) 
321 ff. vorgenommene Scheidung von cpalaiva „Motte" (zu cpäog) 
und (pdllaiva „Wal" aufzugeben und mit aller Bestimmtheit die 
von ihm schon erkannte und von Prellwitz ^ 480 als möglich be- 
zeichnete Deutung durchzuführen : cpdXlatva zu cpaXXog wie Xv/Miva 
zu Xv'y.og (oder mit gleichem Akzentverhältnis d^taiva zu S-eöq); 
vgl. '/.ccTtQaiva, Xeaiva, vaiva usw., besonders auch g)i6üaiva neben 
q)coxog (pioAri. (DaXXog selber wird von Walde (^ 304) und andern 
gewiß richtig mit einer Reihe von Wörtern zusammengestellt, die 
alle bedeuten etwas Aufgeblasnes , Geschwollnes, einen Schwell- 
körper; vgl, lat. f Ollis. Man sieht leicht, wie hierher der Walfisch 
paßt, als ein schwimmender Schlauch gleichsam. Bei Walde 
stehen aber auch die Belege für die weitverbreitete Wendung dieser 
Vorstellungen ins Sexuelle, zur Bezeichnung für das veretrum, 
sowohl virile wie auch mtdiebre. Wenn der hessische Dialekt beides 
zugleich durch eine Wortpaarung bezeichnet Bille und Bulle, so ist 
das geradezu wie eine Unterschrift für das Berliner Vasenbild; 
griechisch lautete sie OaXXög und OdXXaiva. Vgl. auch das Paar 
ßavßwv und ßavßai (nach Radermacher, Rhein. Mus. 59, 1904, 
311 ff.). 

Die oben (S. 194) erwähnte Neigung der Künstler, den 
Schmetterlingsleib unverhältnismäßig dick zu bilden und auf Kosten 
der Beflügelung zu betonen, findet nun vielleicht eine näher liegende 
Erklärung als die Wasersche. In wie weit die gemalten, gemeißelten, 
gegossenen Flügelphalli, die es gibt, sich anreihen lassen, kann und 
mag ich nicht untersuchen. Wichtiger ist, daß die ursprüngliche 
Weiblichkeit der griechischen Schmetterlingsseele insofern auch 
noch in dem spätren Bilderkreise nachwirkt, als trotz aller 
Austauschvorgänge, Neubildungen und Verallgemeinerungen die 
Schmetterlingsbeflügelung der weiblichen Wesen ausgesprochen 
vorherrscht. Das haftet noch am „ethnischen" Untergrund. Aber 
der griechische Geist hat auch dieses Stück Urväterglauben ver- 
edelt und erhöht. Gewiß gilt für mehr als eins der „ethnischen" 
Erzeugnisse das Wort Nietzsches, das mir kürzlich ein Freund 
volkskundlicher Forschung zurief: „die Nacht ist tiefer als der Tag 
gedacht". In unserm Falle aber ist der Tag nicht nur schöner. 



198 0. Immisch 

sondern auch wirklich und um vieles tiefer. Das soll die Antwort 
auf die zweite der eingangs gestellten Fragen dartun. 

2. 

Um es vorweg zu nehmen, die geheimnisvolle Metamorphose, 
der Wechsel von Raupe, Puppe und Schmetterling, wie er noch 
heute immer erneuten Anlaß zu erbaulicher Symbolik bietet, war 
auch bei den Griechen der Ausgangspunkt für eine Umbildung des 
Schmetterlingsglaubens, durch die er für das sinnreiche Gedanken- 
und Formenspiel erst befähigt wurde, das sich später aus ihm ent- 
wickelt hat. Entscheidend war dabei, worüber man sich von vorn- 
herein klar sein muß, eine Verschiebung in den wichtigsten Grund- 
anschauungen. Im alten Epos ist, wenn Leib und Seele sich 
scheiden, der Leib der avrog. Ein ganz andres Wertverhältuis 
zwischen Leib und Seele setzt es voraus, wenn der Körper im 
Leben der Raupe, im Tode dem Puppengehäuse verglichen wird, 
aus dem sich das Seelenwesen befreit und nun erst beflügelt seine 
höchste und schönste Lebensform entfaltet. Daß solcher Glaube 
auch bei den Griechen schon früh eingetreten ist, wird heute nie- 
mand mehr grundsätzlich bestreiten. Schon in jungepischer Schicht 
ist der Leib einmal nicht mehr der avTog, sondern /.onpri yala 
(ß 54). Mit gutem Grunde zitiert die antike Exegese dazu Heraklit 
(96 D.): vi-Ä.vEq yaq '/.orvQiiov SKßXrjTOTeQOi. Heraklit auch ist's, der 
von den Seelen sagt (77): t'rjv r]f.iäg xov i/ieivcov d^avaiov y.al 'Crjv 
tAEivag Tov 7jf.ieT€Q0v &dvaTOv. 

Einen wichtigen Exponenten dieses Glaubens haben wir in 
einem Wort, dem wir uns aus einem Grunde zuwenden, der sich 
erst später enthüllen wird. Es bezeichnet zwar auch den Leib 
schlechthin, aber ersichtlich von Haus aus mit jener dem Diesseits 
abgewendeten Wertungsweise, welcher er nur als eine Hülle, ein zer- 
brechliches Gehäuse gilt. Das ist das Wort oxijvog, zweifellos zu 
GAX^viq gehörig: corys en tant qu' enveloppe de Väme, Boisacq, dict. 
etyni. 874. Sein pejorativer Gebrauch — ebenso Gy.rivioi.ia, und 
o/.rjvovv vom Verweilen im Erdendasein — in der biblischen und 
christlichen Literatur ist bekannt und bedarf keiner Einzelbelege. 
Die Unteilhaftigkeit des Leibes am 'Leben' geht soweit, daß ayfjvog 
auch Leichnam bedeutet. Als Beispiele seien genannt Nikanders 
ay,riveoL 7tvd^Of.ievoiGi (Ther. 742) und (.wgxov Gv.^veog . . dedovTrörog 
(Alex. 446). Aus Zauberpapyri wies mir A. Abt eine ganze An- 
zahl von Belegen nach: ovTteq ano oy.'^vovg yiarixco rode und ähn- 
liche Formeln (Pap. Par. 448. 1949. 1970 Wess., Berol. I 319 



Sprachliches zum Seelenschmetterling 199 

Parth.), Ttäv (j-äXog tov vsaqov tovtov /.al to 7tvEv(.ia tovzov tov 
oy,r]va)(i^iaT)og, pap. Berol. 9909; vgl. auch Reitzensteiu, d. hell. 
Mysterienreligionen 136. Ein Grab ist errichtet, ocpga /.livr] oy.rjvog, 
vMv kÖvio, ovaa rv^i] (Benndorf-Niemann , Reisen in Lykien usw. 
p. 79 no. 56 (2. Jahrh. n. Chr.). oy.i]va)f^a cadaver las ich noch im 
Leben des heiligen Symeon von Leontius (7. Jahrh., Migne 93, 1732). 
Natürlich fehlt auch die pseudopythagoreische Literatur nicht. Als 
Beispiel genüge Tim. Locr. jt. </a'/. xoff^a. 100 A: xw ondvsog 
ajiavTog ist der Kopf das vnarov fxegog, wobei das Pejorative nur 
noch schwach nachklingt. Dagegen ist es wiederum aufs schärfste 
ausgeprägt in den mystischen (posidonischen) Gedanken bei Sextus 
(adv. phys. A 73): die Seelen treten in das Purgatorium unter 
dem Monde ein e-/.G/.rjvoL ysvöfxsvai; vgl. Heinze, Xeuokrates 127 
(wo auch das nötige über die unmögliche, von Mutschmann leider 
beibehaltene Überlieferung Ixaxjjvot i^Uov, extra solis scaenam). 

Die Hauptfrage ist zunächst: wie weit ist diese Ausdrucks- 
weise, deren spätre Zeugnisse irgendwie vollständig sammeln zu 
wollen mir ganz fern liegt, nach rückwärts zu verfolgen? Vor- 
hellenistisch ist schon Axioch. 366 A: r^(.lEig f.dv yccg sofxsv xj-'v^iq, 
Cujov a^avaxov iv d-vr^TtTj 'Aaö^eiQyfxivov (pQOVQicij. xb ös oyiijvog 
xovxl TiQog Y.aY,ov TtegiriQ^ooev ^ q>voig. Dahin gestellt muß bleiben, 
ob auch Plato selbst in Frage kommt. Von der Ungerechtigkeit, 
die beim Lebensende dem Bösewicht keineswegs das ihm will- 
kommne Ende der Seele bringt, sagt er Rp. 10, 610 E: Ttöggo) 
Ttov iox,^vrjxai xov d^avdoifxog elvac. Vielleicht denkt er an das 
Hausen im ay.ijvog; vgl. i(f ooov elfxl ev xovtoj xw Ojiiqvtö/Aaxc 
2. Petr. 1, 13. Doch ist das unsicher und auch unwichtig, denn 
wir kommen ohnehin über Plato und das Attische hinauf ins ältre 
Ionisch, sodaß sich auch in diesem Falle wieder Hellenistisch und 
Ionisch zusammenschließen. Wie der Kranzsche Index zu Diels' 
Vorsokratikern lehrt, tritt Demokrit mit einer ganzen Reihe 
sicherer Beispiele ein: o xd ipvxrjg dyad-d alQsofxsvog xd d-sLoxsga 
aiQ€€xaf 6 da xd amjveog xd dv&QWTtiva (37). Kxr^puov /nfv ev- 
yeveia tj xov aYJjveog svd-ivELa, ad-giofrcov öi rj xov TJdsog evxQOTtiiq 
(öl). Wvxrjg fxsv ydg xelEÖxrjg ay.rjv€og /uox&i^qltjv oq&oi, ayJjveog 
de loxvg dvEV XoyiO(j.ov ipvxrjv ovdtv xi df-ieivo) xid-rjoiv (187). 'ßv 
xo G'/ii^vog x(>jy/L£fc, TtdoL TzdQsaxLv £Vf.iaQEwg dxsQ [xo^d-ov -/.al xa- 
XaiTtwQirjg ' 6'/.6oa ös ^ox^ov v.al xalaLTtWQiTjg XQ^'X^t^ '^ctl ßiov 
aXyvvEL, xovxiüv ovy. IfisiQExai xö O/iijvog, dXX Yj xfjg yrw^rjg %a'A.o- 
d^iylrj (223). In dem letzten Beispiel ist der Ausdruck nicht mehr 
cum contemptu gesetzt, und das gilt auch für 270: oi/Jxaiaiv wg 



200 0- Inimisch 

[xigeai tov GKijvsog x?w allq) ttqcq alXo und für 288: voGog oiv.ov 
v.ai ßlov ylyvETai oKwa/reQ y.al a'/.ijvEog; vgl. auch S. 381, 9 Diels'^. 
Die gleiche Neutralität im Gebrauch zeigen auch hippokratische 
Schriften, in denen a/.^vog nur wie ein gewählterer Ausdruck für 
und neben aw^t/a vorkommt, doch ist z. B. lehrreich tt. sßd. 52 
(S. 79 ed. Röscher 1913): aixoXsi/rovaa de i] ^'^x^ t^o tov Gnjfxaxog 
0'A.ijvog To xfJvxQOv y.al to i^vqrov eidcoXov af.ia xat X^^f] "''-"^ cuf-iaxi 
y.al (fltyi-iatL /.al öaQ/1 nagedioxer. Man sieht, in einer Gedanken- 
verbindung, die es ihrer Natur nach begünstigt, tritt die mit dem 
Etymon gegebne Geringschätzung fühlbar hervor; so noch viel 
später beim Verfasser Ttegl vHiovg 32, 5, wo er Xenophons und 
Piatos Schilderungen des menschlichen Körpers wohl nur deshalb 
eine avarof-iri xdvd-QioTTivov o'/ii]vovg nennt, weil ihre Gesamtwir- 
kung allein das Verdienst der darstellerischen Kunst (7rof.i7ti/Mg, 
^eiojg) sein soll, nicht des Gegenstands, der deshalb ein wenig 
cum contemptu bezeichnet wird. Das wichtige ist aber, daß sich 
uns die allgemeinere Gebrauchsweise, bei welcher der üble Nebeu- 
sinn zurücktritt, auch ihrerseits als bereits sehr alt erwies; noch 
älter also, viel älter als Demokrit, muß die vom Etymon selbst 
angezeigte verächtliche Bedeutung sein, so daß wir demnach wirk- 
lich zurückgeführt werden bis in die Zeiten jener ostgriechischen 
Mystik, die bei Heraklit weiterklingt und aus deren Stimmung heraus 
vielleicht schon der jungepische Dichter von Aoycprj yala redete. 

Aber der Seelenschmetterling? Was hat der mit GY.'^vog zu 
tun? Die Antwort gibt eine Hesychglosse: az^v, o Tivsg /.lev ipvx^v, 
Tivig de (fakaivav. An die Form des Wortes mögen sich Bedenken 
knüpfen: die Verbindung des Seelenschmetterlings mit dem reli- 
gionsgeschichtlich wie wir sahen bedeutsamen Worte a/Sjvog ist 
aber ganz klar. Das kann wohl nur so verstanden werden, daß 
Gy,ijv zunächst die Puppe, das Zelt oder Gehäuse des Falters, be- 
zeichnete und dann erst übertragen den Falter selbst. Der gleiche 
Vorgang spielt sich bei xq^^'^^^^'^'i ^b: UpoV ii, o\ dt Ttjv a/tö xifi 
y.din7rijg yivof.i£V)]v xQ'^oaXllv leyovGiv Hesych; vgl. Aristoph. bist. 
anim. epit. S. 9, 5 Lambros. Auch von einer andern Seite her 
läßt sich die Bedeutung ,, Puppe" für ein Wort aus der Gruppe 
(jx^rog wahrscheinlich machen. Vom Aufbeißen der Schlangeneier 
durch den Ichneumon gebraucht Nikander das Verb öiaoKrjvlTttw 
(Ther. 193). Also auch das „Gehäuse" des Eis muß G/Sjvog be- 
deutet haben. Ei und Puppe erschien aber den Griechen als etwas 
gleichwertiges: TVQoeX^iov de (^loör^g ylvezai 6 gy-ioIij^' j; ydg XQV- 
GaXklg y.alovf^evij övraf-iLv u)Ov exet, Aristot. tt. 'Conov ysv. 733 b 13; 



Sprachliches zum Seelenschmetteiiing 201 

vgl. 758 b 15. Endlich kommt noch in Betracht, daß der Bienen- 
schädliug yiliJQog oder TcvQavoxrig, der als Made (ffxwAr^/tov) in der 
Honigzelle erscheint (Aristot. 7t. xa Cwa \ox. 605b 9 ff.), nach 
Hesych, wie es scheint, gleichfalls ay.ijvog hieß: G/.rjvog' ow/.ia' iq 
Tcdd^og Iv (xE^iaGaig, oxav tv zo) oi-irjvei ye'viqrai aycculri^. Man ver- 
gleiche die ganz analoge Entwicklung bei der Biene selbst, wie 
der oy.i6Xri'S. zur Nymphe wird und TtsQisiQy/LUvog in der verklebten 
Zelle (xvTTaQog) sitzt, dyivvtjTiCiov, bis zum Ausbruch. So war 
ay.ijvog für das v.riQiov mit der sich umbildenden Made drin ein 
passender Ausdruck. 

Um aber dem Einwand zu begegnen, es werde auf dem schmalen 
Fundament der einzigen Hesychglosse oy,riv zu viel aufgebaut, nehmen 
wir das Lateinische zu Hilfe. Auch die Römer haben ja, wohl 
schon früh und durch ostgriechisch-etruskische Vermittlung (vgl. 
Furtwängler, d. antiken Gemmen 3, 202), den griechischen Seelen- 
schmetterling übernommen. Wenn nun vulgärlateinisch, besonders 
im sermo castrensis, das Wort pajj'dio auch ,,Zelt" heißen kann, 
was in Pavillon noch heute fortlebt, so muß die Vermittlung doch 
wohl darin liegen, daß schon griechisch a'^T^viOf.ia (welches W^ort 
nach der Glosse CGIL 2, 143, 5 dem lateinischen papilio entspricht) 
beides heißen konnte, Schmetterling wie Zelt, und zwar Schmetter- 
ling infolge der von uns angenommnen Vermittlung, über die Puppe 
hinweg, die als zerbrechliches, leichtes Gehäuse aufgefaßt ist. Viel- 
leicht steckt übrigens in Hesychs ayiijv, von welcher jtiovTJQiqg le^ig 
sonst niemand etwas zu wissen scheint, nichts andres als eben 

Die abkürzende Vereinfachung, welche wir annahmen, wobei 
die Namengebung eine Form der Metamorphose überspringt, findet 
sich noch viel stärker in den zwei Plutarchstellen , wo wir nun 
wirklich eine literarische Ausprägung der an die Metamorphose 
angeschlossenen Symbolik vor uns haben. Beidemal ist da „Raupe" 
für die ,, verpuppte Raupe" gesetzt. Ganz klar zunächst de anima 
6,2 (7, 22 Bern.): dio di] zat loyov s/et yiad^uTtegel yid/.i/tr]g rivög 
dvEiGrjg Oiov E^azTeiv -Kai dvad-elv Tr]v ifivxfjv anonveovzog zov 



1) Sonstige Belege für papilio „Zelt" bei Maaß, Tagesgötter 98. Daß 
die Ähnlichkeit von Zelten mit Schmetterlingen, wie er meint, die Doppel- 
bedeutung erkläre, dürfte er nach dem oben Ermittelten schwerlich fest- 
halten. Wie vag der Vergleich ist, zeigt der Umstand, daß er unter den 
von Maaß gesammelten Notizen in umgekehrter Eichtung vorkommt (CGIL 
5, 555): papilio nonien verrnis volantis. dictus a similitudine papdionis i. e. 
tentorii, 



202 0- Inimisch 

owjLiazog avavcveovaav avTtjv xat avaijjvxovoav. Die Puppe ist es, 
nicht die Raupe, ^ aviiqoi tt^v xpvyirjv. Unmöglich, mit Dübner 
yM(.i7irjg zu schreiben, was den Tod der gefürchteten ,, Wende" der 
Rennbahn gleichsetzen würde, hinter welcher der erfreuliche Sieges- 
lauf nach dem Ziele zu beginnt. Der ganze Zusammenhang der 
Stelle sträubt sich dagegen, wo alles ,, Aufwärtsbewegung" ist: avxo 
TOivvv t6 tov d^avcLTOv TtQiozov ovx vTio yrjv eoi^ev ovze xarw ösl- 
-/.vvvai '^(joqovv xo inezaXlrjxdg aXV arto (p8Q6iA.evov '/.al S-e'ov. Näm- 
lich: d-avaiog von d^elv und avoyl Ferner ist entscheidend die 
zweite Plutarchstelle (wo allerdings xa^iz/r^g überliefert scheint) mit 
den Beiwörtern vyQcc und f.taXd^ay.rj bei y-df-ircri, die auf keine Weise 
zu einer Rennbahnkehre passen. Die lückenhaft erhaltene Stelle 
bedarf aber der Interpretation (cons. ad ux. 10, 611 F): das Trau- 
rige am Greisenalter ist, daß die Jenseitserinnerung, die das Fer- 
ment der Seele sein soll, matt wird wie abgestandner Wein (t^v 
i^wx'fjv fcoXov jcoleI Tolg (xv^ji-iaig xwv txel). Die Seele gewöhnt 
sich am Diesseits zu haften. Das Alter krümmt {/M/.iTCTeil) und 
drückt sie, daß sie den ax^jf-iatiaf^ög festhält, ov s'oxsv VTtb %ov 
öojfxavog iv xiy jcenovd^ivaL. Dies ndd-og ist, wie der Zusammen- 
hang des Kapitels lehrt, die körperliche yiveoLg: der zusammen- 
gekrümmte Greis wird dem Embryo ähnlich. Das Unheil einer 
erneuten yiveoig kündigt sich so gleichsam an. Wie es abgewendet 
wird, verdunkelt leider eine Lücke: r^ de Xr^cfi^eloa .... Es muß 
darin gestanden haben, wie die Seele vtio XQEixcovwv der Gefahr 
entgeht, natürlich durch die Befreiung vermittelst des Todes ^). 
Dann geht es weiter: £(Q)xeTat /.a^äfteQ Ia. AÜ^iTciqg vyqäg aoI 
(.iakd^aY.rig dvaxccivioaaa^) TtQog o 7ti(pv'/.ev. Das muß, wie man 
sieht, zugleich die Befreiung von dem vorher erwähnten axtjixaTia- 
f.i6g enthalten: /.di-ircTeiv und /.dfxrtTj beziehen sich aufeinander. 
Auch hier muß also Tidf-iTtri die Puppe bedeuten, in welcher der 



1) Das zeigt der gleich folgende Vergleich: „Wie das Feuer, wenn es 
einer erst auelöscht und dann gleich wieder anzündet, sich wieder belebt 
und schnell erholt". Also Auslöschen des Lebens und gleich drauf neues 
Leben: eine besondre Variaute in der Streitfrage wegen der Entstehungs- 
weise des Jenseitslebens; vgl. E. Heinze, Tertullians Apologeticum 477 ff. 

2) So Wyttenbach für das schwerlich mögliche avaxalTiafxa. Das 
Lexikon zeigt, daß Plutarch das Verb auch sonst als eine jener verallge- 
meinerten Metaphern gebraucht, bei denen das ursprüngliche Bild verblaßt 
ist. Des Verbums wegen muß also nicht die Eennbahn statt der Eaupe 
eingeführt werden, für die, wie gesagt, entscheidend schon die beiden 
Epitheta zeugen. 



Sprachliches zum Seelenschmetterling 203 

Falter der Befreiung harrt, zusammengekrümmt wie der Embryo 
in seiner Hülle und wie die Seele im gekrümmten Greisenleib. 

Es ist nicht gleichgiltig, daß sich Plutarch am Eingang des 
Kapitels auf den Trdxqiog löyog beruft xal rd fxvöxrAcc ou/xßola 
Tojv Ttsql Tov JiovvGov OQyiao/,udv, a ovvia/iiEv aXT^ri^oLg of xot- 
vutvovvTeq. Daß das Schmetterlingssymbol uns wirklich weit hin- 
aufführt, bis in die Quellengegend der mystischen Strömungen, 
sahen wir schon. Auf halben Wege begegnet uns noch ein letztes, 
wichtiges Zeugnis der Sprache. Es lehrt uns zugleich, daß wie 
oft bei der Benennung von Naturdingen, auch hier neben ab- 
kürzender Übertragung die differenzierende Sonderbenennung ihr 
Spiel treibt. 

Es handelt sich um das Wort vE-/.vdaX(k)og, das zu meiner 
Freude auch Waser schon beachtet hat (a. a. 0. 383), obwohl 
nicht ohne Irrtum. Denn es kann keine Rede davon sein, daß es, 
wie er annimmt, das griechische Wort für Schmetterlingspuppe 
überhaupt gewesen ist. Bouitz im Iudex zu Aristoteles sagt kurzer- 
hand: nescimus quid sit. Die schwierige Aristotelesstelle, an der 
es steht (tt. t« twa igt. 551b 9 ff.), rechnet Athenaeus (8, 352 F) 
zu den d-avfiaza ^logolg, die sich Aristoteles nach der Ansicht 
seines Deipnosophisten geleistet hat. 

Aristoteles spricht vom Seidenwurm und seinen Metamorphosen, 
woran er eine heurematographische Angabe über die koische Seiden- 
spinnerei schließt. Man nimmt mit Grund an, daß diese die sämt- 
lichen Vorgänge der Züchtung nicht veranschaulichen konnte, weil 
sie sich importierter Cocons bediente (vgl. Blümner, Technologie 
1 3 202). Doch gehört der Ausdruck vsy,vdaXog ihr zweifellos zu 
eigen; also ein kölscher Idiotismus. 

Nach unserm Text, der von dem Falter selbst (ßof-ißv^) und 
den Eiern schweigt, folgen die Entwicklungsformen so aufeinander, 
daß zunächst die Made (a-Kwlri^) zur Raupe ('/.df.i7tr]) wird. Daß 
dieser bloße Wachstumsunterschied zum Forraenunterschied mit 
selbständiger Benennung wird, hat seine Analogie z. B. kurz vorher, 
in der Beschreibung des Kohlweißlings (551a 16). Es ist wichtig, 
weil (nach meiner Auffassung) dies Verfahren sogleich wiederkehrt, 
und eben hierin liegt das Verständnis der noch ausstehenden zwei 
Glieder der Reihe. Auf /.d(.iuri folgt ßof-ißvliog (vi. ßofxßvXig), 
£x de TOVTOv vEKiöaXog (vi. vey.vöaXlog, G'/,vdaXXog). Die weiteren 
Zeugnisse werden uns die Deutung bestätigen, daß ßoi-ißvXiög die 
Raupe ist, wenn sie ins Anfangsstadium des Einspinnens tritt, wo- 
für charakteristisch ist die Anfertigung und Befestigung des losen 



204 0. Immisch 

Fadengeflechts, innerhalb dessen dann die Anfertigung des eigent- 
lichen Cocons erst beginnt Dieser selbst heißt dann vsyJöalog, 
und: ex tovtov vov uqwv /.al la ßof.ißv/ua dvaXvovoi xwv yvvai/.iöv 
Tiveg ava/tijvi'Coi-ievai xarcuxa vcpaivovGLV Ttgtöx^j ds leyeTai iq)rjvai 
iv K(j) nafiq)iXi] FlldiEa) (?) d^vydxtjQ. 

Athenaeus bestätigt genau unsern Aristotelestext (mit den 
Formen ßofxßvhög und v£/.vdallog). Sachhch stimmt dazu auch 
das Exzerpt aus Aristophanes' Epitome (S. 9, (j Lambros): tx di 
ZLov (.tsydlwv o/mI^yuov xtov xaxd yrjv Key.QVf.i/.(evtov^) /.dfXTtfi xig 
yivexai, ix di xavxi]g Ixdvexai^) ^ Xsyofxivi] ßo(.ißvlig (sie), }.iexa~ 
oxmanCo(.ilvnj di avxtj yivexai 6 'keyöf.ievog vExvöalog (sie) axwh]^, 
sS ov di'a/triviu6/.isvai al yvvalxeg xd ßof.ißvxiva £7tiß6laia vcpai- 
rovoiv. Die Hauptsache ist hier für uns die völlig unmißverständ- 
liche Festlegung dessen, was vsxvöaXog ist. Der unmittelbare An- 
schluß der Worte 6s ov dvaTtr^n^o/^evai xxX. weist auf den Cocon. 
Bei Aristoteles selbst war das nicht ganz so klar, weil da auf ix 
di xol'tov vexudalog erst noch die Zwischenbemerkung folgt: tv e^ 
öi f.iKiol fxeraßdXXEi xavxag xdg /.logcpag 7tdaag, so daß das weitere 
ix di xovxov xov Kojov xal xd ßo/iißi'xia dvalvovoi xxX. nicht un- 
bedingt gerade auf vexvdalog zielen mußte, sondern auch auf das 
Tier überhaupt gehen konnte. Sehr willkommen ist ferner die 
Bestätigung unsrer Auffassung durch den Wortlaut eines Gregor- 
scholions, das Boissonade zu ps. Herodians Epimerismen S. 227 
mitgeteilt hat. Es bezieht sich auf Gregor Naz. Or. 31, 562 C, 



1) Dem entspricht bei Aristoteles ix öe Tivog axwXrixog fxsyüXov, og 'iyti 
oiov xsQKTct xKi öiuifiQSi T(jjv l'().k(x)v. Die eiüs wie die andre Fassung bietet 
sachlich Anstoß. 

2) Sollte das abgeblaßt für yivsTKi stehen? Oder ist hifverai zu 
schreiben (vgl. (f>v(TKi unten bei Clemens)? Freilich die Bedeutung ,, wächst 
sich aus" ist bedenklich. Am schlimmsten wäre, wenn man annehmen 
müßte, der Verfasser deute ßo^ßvXlg als den Falter ßö^ßv'^ selbst und ver- 
stehe xc{unTj wie Plutarch (oben S. 201 f.) von der verpuppten Kaupe. Dann 
wäre freilich die Unklarheit über die Herkunft der (in Kos importierten) 
vfxiSaXot, oder Cocons sehr groß gewesen. Man müßte sie für eine Um- 
wandlungsform des Falters gehalten haben, was kaum denkbar ist, obwohl 
die wie es scheint auf Aristophanes zurückgehende Hesychglosse wirklich 
darauf führt : vixvöüXaog (natürlich = vixiiäakkog) • to ix tov ß6/ußvx(og) fwor 
(sinnlos wird noch hinzugefügt rj 6 axciXt]^ Tj)g x<xfinr]g, vielleicht dadurch 
veranlaßt, daß es bei Aristophanes 6 nxvSaXog axwXr]^ heißt). Die Glosse 
zeigt aber wohl nur, daß das durch ixövnai veranlaßte Mißverständnis 
von ßofxßvXCg als ßo/jßv^ schon antik ist. Aristophanes selbst kann es kaum 
so gemeint haben. Vielleicht schrieb er ivövETac, kurz für yivtrai ivövofxivr\ 
(die sich einspinnende). Doch wage ich nichts zu entscheiden. 



Sprachliches zum Seelenschmetterling 205 

wo eine allgemeine Äußerung über Tiermetamorphosen steht, die 
es durch ein Beispiel erläutern will, ersichtlich entlehnt aus der 
aristophanischen Epitome: ton (.isv eYä-q -/.dixicrig öiacpoga, t^ v)v 
Tial rj /.leyaltj ßo/ußvlig (sie), tj (.ieTaGX'ri(xatLZo}ifivri yiverai 07.16X7]^ 
6 vs'/.vdakXog (sie) eigr^/usvO::, e^ ov a.va7zr]vtC6ixevaL ai yvvai'Äsg tä 
ßof-ißv-^Lva vcfccivovOLv. Also ßojLißvkig wirklich eine Raupe, und 
vETivöallog wirklich der Cocon. In andrer Weise wiederum be- 
stätigt sich unsre Interpretation durch Plinius 11, 76, wo eine von 
unserm Aristotelestext verschiedene, auch auf Aristophanes nicht 
ohne weiteres zurückleitbare Fassung derselben Doktrin vorliegt: 
auch hier folgen aufeinander vermiculus, urica, deinde quod vocahir 
bomhylis, ex ea necydallus (vi. nycidallus, necydalus), und richtig 
wird hier noch hinzugefügt: ex hoc in sex mensibus^) bombyx. Dies 
schließt die Deutung von bombylis als bombyx ebenso aus, wie es 
die Deutung von necydalus als Cocon nahezu fordert. Wenn dem- 
nach bombylis und necydalus nur zwei Stadien der Einspinnung be- 
zeichnen, so wäre es eine letzte Probe auf die Richtigkeit dieser 
Auffassung, wenn gelegentlich diese beiden Namen, die so schwachem 
Unterschiede dienen, für Synonyma erklärt würden, und das ist 
wirklich der Fall bei dem letzten Zeugen, den wir zu verhören 
haben, Clemens Alexandrinus, Paed. 2, 10, 107: xat Tovg neQieQ- 
yovg ßof-ißv/Mg xaiQstv etüvrag, og azwArj^ (fvexai ib tiqiotov, Elia 
i^ avTOv öaosla avacpaivEzat y,a/ii7ir^, f.ie{^ t^v slg zglzr^v f.isTaj.iÖQ- 
(fiüGLV vEoxixovrai ßofißvXiov {01 öi vE'/.tjdalov avrö /.aXovaiv), e^ 
ov /.la'üQÖg xi/iTEzaL OT7Ji.uov, '/.ad-dfCEQ ex rijg agccxw^S zr^g aQaxvi^S 
{.dzog. 

Es kann demnach als erwiesen gelten: vE'/.i'da'k[l)og war ein in 
der koischen Seidenindustrie üblicher Name für den Cocon. Wegen 
der Bildung des Wortes hat schon Schwyzer (bei Waser a. a. 0.) 
mit Recht auf %0Qv-dal{l)6g hingewiesen, „Haubenlerche". Daß 
der erste Bestandteil mit vi-A.vg zu tun hat, liegt auf der Hand. 
Die Beobachtung des äxivriztUEiv der Chrysalliden und ähnlicher 
Formen (Aristot. jt. zd Lf^a laz. 551a I8ff., tt. l. yEv. 758b 17ff.) 
ist wohl die allgemeine Voraussetzung für solche Namengebung, 
aber sie kann noch nicht die Wahl gerade des Wortes vtv,vg er- 
klären. Wir sehen uns vielmehr auch hier vor einem Teilstück 
der religiösen Symbolik, die uns beschäftigt. Nicht als ob damit 
ihr besondrer Ausgangspunkt bezeichnet wäre, aber zur Verdeut- 
lichung ihrer Wertungsweise im allgemeinen kann es beitragen, 



1) Was auf die Dauer der sämtlichen Metamorphosen zu beziehen ist. 



206 A. Music 

wenn wir an den Attisglauben der Phryger erinnern, die Attis 
vfixi^g nannten, wenn er im Kerker des Leibes begraben ist (Wend- 
land, die hell.-röm. Kultur 2 179). Die sprachlichen Indizien führen 
die Schmetterlingssymbolik, wie wir sahen, in frühe Zeiten hinauf. 
Auch daß Aristoteles eine heurematographische Notiz anschließt, 
spricht dafür, daß die Seidenspinnerei auf Kos und damit das Wort 
veAidal{l)og lange Zeit schon vor ihm bestanden haben. Wir dürfen 
sagen, im gleichen Jahrhundert, wo der attische Maler noch im 
urväterlichen Glauben befangen einen fliegenden Phallus malen 
wollte, war der Seelenfalter in der Levante schon Gegenstand einer 
vergeistigten Auffassung, das Sinnbild der aus Erdenschwere und 
Leibeshaft zu ihrer höchsten Daseinsform befreiten Seele. 

Königsberg i. Pr. 0. Immisch 



Zum Gebrauche des negierten Konjunktivs für den 
negierten Imperativ im Griechischen 

Wohlbekannt ist die interessante Erscheinung der griechischen 
Sprache, daß f.i'^ zwar mit der 2. Person des Imperativs Prae- 
sentis, aber nur ganz ausnahmsweise mit der 2. Person des Im- 
perativs Aoristi verbunden wird, wofür gewöhnlich die 2. Person 
des Konjunktivs Aoristi eintritt, daß hingegen bei der 3. Person 
l^iri sowohl in Verbindung mit dem Imperativ des Praesens als auch 
mit dem des Aoristes (seltener mit dem Konjunktiv des Aoristes) 
gebraucht wird, — daß man also zwar ,a^ yQC((f>s, aber nur ganz 
ausnahmsweise i^rj yqäipov sagt, wofür gewöhnlich i-irj yQdu>rjg ein- 
tritt, daß hingegen sowohl inrj yQacfiio) als auch {.itj ygaüidrco 
(seltener f.iij ygotp)]) gebraucht wird (vgl. Kühner-Gerth, Ausf. 
griech. Gramm. ^ II, 1. S. 237,3). Die Erklärung dieser Erschei- 
nung hat von der Erkenntnis auszugehen, daß ursprünglich *me 
fgriech. ,a^, aind. ma) nicht mit dem Imperativ, sondern nur mit 
dem Injunktiv verbunden werden konnte. Diesen Zustand zeigt 
noch das Vedische (wo bei mä regelmäßig der Injunktiv Aoristi 
erscheint), während im klassischen Sanskrit daneben auch die Ver- 
bindung des mä mit dem Imperativ vorkommt. Im Griechischen 
hat sich die Möghchkeit der Verbindung mit f.i7] über alle Formen 
des Imperativs sowohl des Praesens als auch des Aoristes ausge- 
dehnt, nur von der Verbindung mit der 2. Person des Imperativs 
Aoristi ist f.nq fast ausgeschlossen; in diesem einzigen Falle er- 



Zum Gebrauch d. negiert. Konjunktivs f. d. negiert. Imperativ im Griecb. 207 

scheint im Griechischen bei f.irj fast nie der Imperativ^), sondern 
fast inamer der Konjunktiv (vgl. Brugmann-Thumb, Griech. Gram- 
matik S. 575, Brugmann, Kurze vergl. Grammatik S. 579, Delbrück, 
Vergl. Syntax II. S. 363 f.). Die Frage, die zu beantworten ist, 
lautet also: Warum ist von allen Formen des Imperativs die einzige 
2. Person des Imperativs Aoristi von der Verbindung mit inr'j fast 
ausgeschlossen? Um zu einer befriedigenden Antwort auf diese 
Frage zu gelangen, ist nach meinem Dafürhalten folgendes zu er- 
wägen. 

Vor allem ist in Betracht zu ziehen, daß im Altindischen der 
Imperativ der 2. Person (in den Typen ihi und bhdra gewöhnlich 
so gemeint ist, daß der Eintritt der Handlung unmittelbar er- 
wartet wird, während bei einer Handlung, deren Eintritt erst für 
einen gewissen Zeitpunkt der Zukunft ins Auge gefaßt wird, der 
Typus bhdrntäd (sowohl für die 2. als auch für die 3. Person) ver- 
wendet wird (Delbrück, Vergl. Syntax II. S. 358 ff.). Auch im 
Griechischen, insbesondere bei Homer, wird der Imperativ der 
2. Person meist so gebraucht, daß eine sofortige Ausführung des 
Befehles verlangt wird, während die an eine 2. Person gerichteten 
Befehle, die nicht sofort, sondern erst nach Verlauf einer gewissen 
Zeit oder unter gewissen Bedingungen ausgeführt werden sollen, 
regelmäßig durch den imperativischen Infinitiv ausgedrückt werden. 
Für die 3. Person des Imperativs wird der Infinitiv nur ausnahms- 
weise gebraucht, eben weil die an eine 3. Person gerichteten, für 
die Zukunft geltenden Befehle durch die 3. Person des Impera- 
tivs (Typus (pEqärio) ausgedrückt werden können (vgl. R. Wagner, 
Der Gebrauch des imperat. Infinitivs im Griechischen. Schwerin 
1891; Delbrück, Vergl. Syntax II. S. 454ff.). Beachtet man noch 
dazu, daß auch im Lateinischen die Form auf -tö gewöhnlich im 
Sinne eines Imperativs Futuri der 2. und 3. Person gebraucht 
wird, so wird man kaum fehlgehen, wenn man für die indoger- 
manische Ursprache die Regel aufstellt, daß der Imperativ der 
2. Person (Typus *idhi, *hhSre) in Befehlen gebraucht wurde, die 
sofort ausgeführt werden sollten, während für den Fall einer Aus- 
führung in der Zukunft der Typus *hhereföd geschaffen wurde 
(*bhere + töd im Sinne von „von da an, dann"). 

1) Bemerkenswert ist es, daß in den paar Beispielen, wo bei Homer 
fiiq mit der 2. Person des Imperativs vorkommt, die Verbalform eigentlich 
dem Injunktivsystem angehört {tcj fir] /xot nar^QKs nod-' ofiod^ svd^fo rifx^. 
^y 410. — dklK av fikv fj.ri 7i(a xaTaSvaso judjlov ^yiQtjog. .5^ 134. — "Ai.Xo öf' 
Toc Igfco, ah Sa fj-t] ^ö^ov ^v&eo d-vfxt^. (o 248. 



208 A. Music 

Aus dem erwähnten Gebrauche der 2. Person des Imperativs 
erklärt sich nun eine für unsere Frage wichtige Erscheinung der 
griech. Sprache: daß nämlich, wo bei Homer jt/jf mit der 2. Person 
des Imperativs Praesentis gebraucht wird, in der weitaus über- 
wiegenden Anzahl der Fälle die Handlung des im Imperativ 
stehenden Verbums zur Zeit des Gebrauches des Imperativs tat- 
sächlich vor sich geht, oder mit anderen Worten, daß durch {.irj 
mit der 2. Person des Imperativs nur die Fortsetzung der be- 
reits vorsichgeh enden Handlung verboten wird; z. B. 

aXX id^L, /iiy LI sged^iue, oatoieQog alg xe veriai. ^ 32. 
(Agamemnon war bereits durch die Ankunft und die Bitte des 
Priesters gereizt.) 

aAA' aye, Aij/ tQLÖog [.iriös ^i(f>og el^EO x^iqL ^ 210. (Vgl. 
f'Axero d' fcx /.oleolo fieya ^Icpog. ^ 194.) 

laxeod^, ^AgyeiOL, fxrj ßdXXets, '/.ovqol ^A'^auov. F 82. (Vgl. 
xia d' €7cSTo^aCopio yiUQ7j /MjiiowvTEg \AxciLol I loioiv T€ TLTVO'/M- 
IxsvoL Xdeaol x l'ßallov. /" 79. 80.) 

OQiToS^, iTiTioöafioi TQioeg, i-irid' eX/.ST£ ^öp,"*?? 

l^Qyetoig. /l 509. (Vgl. lo'iqr^aav 6^ vno te uQOi-iayoL y.al 
q>aiöii.wg 'E/uvwq. J 505.) 

\xij XL qoßovd dyoQsv', Itiel ovde as TteiolfAEv of'w. E 2b2. 
(Vgl. iitrjdfc /<ot oiXio I ^üve did 7iQO(.idyiov , /.irj rctog (fi'kov r^xog 
oXioor^g. E 249.) 

f.11] f.iE Tid^it', '^EXivrj, (fiiXiovad tveq' ouös f.is TtEiOEig. Z 360. 
(Vgl. dll^ dys vvv sl'oEkd^E /.al e'Cso xoj ö etiI ölcfgo). Z 354.) 

^AxQEidiq, (xri öiq f.iB tvoIvv xqovov hvd-dd' sqvxe. d 594. (Vgl. 
oi; de /ue yqövov ivd^dö' egcyiEig. d 599.) 

■/.d^l.iOQE, i-itJ 1.101 sx Ev&dd^ oöuQEO /xr^öi xoc aiiüv 

(f^iväxto. £ 160. (Vgl. xov d' OQ E7t d/.xijg evqe Ka&T]fXEVov 
ovÖe Ttox oaoB ! öa/,Qv6cpiv xeqgovxo, VMXEißexo de ylvy.vg anov ' 
vöoxov odvQOfiEvo), ItieI ovY.ixL rjj'dai'fi vvfxcpiq. « 151 — 153.) 

Ttözva ^Ea, (.iiq (.iol xööe yi'jEO. e 215. (Odysseus faßt die 
Worte Kalypsos e 203 — 213 als Ausdruck ihres Zornes wegen 
seiner Sehnsucht nach der Heimat auf.) 

riQiog, f.ii] f-ioi xovvEyi d/.ivi.iovc( vely-ee xoi'^r^i'. iq 303. (Vgl. 
^£7)'', ^ xoL f.iEv xovxo y ivaiaif.tov ouy, ivörjoev \ ndlg £jt<?/, ovvEAa 
o oi' XI iiEX dfAffinöloiOL yvvai'fiv \ r^yEv kg rji.iaxEQOv. tj 299—301.) 

Viel seltener kommt der Fall vor, daß die Handlung des im 
Imperativ stehenden Verbums zur Zeit des Gebrauches des Impera- 
tivs noch nicht vor sich geht; z. B. 

"uiqytioi, Liiq niijg xi (.isd^iEXE S^ovQLÖog «Ax^g. J 234. (Vgl. 



Zum Gebrauch d. negiert. Konjunktivs f. d. negiert. Imperativ im Griech. 209 

jta/ ^' ovg fiiv GTtevdovtag Xöol Javaiöv taxvTttoXtov , | rovg ^dXa 
d^aQGvveoAS TtaQLOTdfxevog eTtssaaiv. J 232 — 233.) 

^jy jue £« Ttaqa vT]val /.vvag -/.aradaipaL ^^x^uov. X 339. (Vgl. 
ff« jUfV yivvEg ^(5' oliovoi \ lAxijffOfd^ atzcJg. A' 335.) 

Tf/7 fXLv STtELyofxsvoL aTtOTCefiTtsTE f.iridt rd dioqa 

ovrio xQT}i^ovTi -/.o^overe. X 339 — 340. 

/.iiq /its Tcage^ aye vr^a, dioTQScfig, dlXd Xut avxov. o 199. 

Häufig sind hingegen solche Fälle beim Imperativ der 3. Person; 
z. B. 

dXXd av afjOiv e'xs q>Qsai, fir^öt ae Xijd^rj 

aigetTü), svt dv as /.leXicpQiov VTtvoc, dvr^jj. B 33 — 34. 

Tio fxiq Tig ttqIv i/teiysad-w orKovöe vaead-ai, 

TiQLv TLva Ttdq Tqwiov dXoxio y,azay(.oif^ij&^vai. B 354 — 355. 

fj.rjöi Tig aXKog dfxa Tqojiov IV w dvi^Q. Q 148. 

Giyjj vvv /xt] tig fxe TtQooavdorio eTcieoaiv 

vfiETtQCüv erdgiov. o 440 — 441. 

TÖJV (J' dXXcov f-irj Tig ^A^ULivv 

7tev^£od-oj. TT 133—134. 

Doch kann auch durch den Imperativ der 3. Person mit \xri 
die Fortsetzung einer bereits vorsichgehenden Handlung verboten 
werden; z. B. 

Tsvjvov, i-itj TOL xavra /.atd (pQeal ofjoc fxeXovTwv. T 29. 
(Vgl. dXXd jua/l' alvwg | dsidio, (urj (xoi xocpQa Msvoiziov aX-Aifxov 
vlbv j fxvlai vMddvoai xard x(^^^oTV7tovg toreiXag \ svXdg syyeiviov- 
zai, demloacüOL ös vsxqov. T 23 — 26.) 

(UJ^ örj roi Y,eivcg ye Xlrjv sv&tfxiog eazio. v 421. (Vgl. tiTtTe 
X aq oh ol seiTtEg, hl q)Q£ol jidvxa Idvla. v 417.) 

Darnach muß man annehmen, daß der Imperativ der 2. Person 
mit (xri eigentlich bestimmt war, das Verbot der Fortsetzung einer 
bereits vorsichgehenden Handlung auszudrücken. Diese Bestim- 
mung des Imperativs der 2. Person mit f-ir^ folgt aber eben aus 
dem erwähnten Gebrauche der 2. Person des Imperativs in Be- 
fehlen, die sofort ausgeführt werden sollen. Denn wenn durch 
den positiven Imperativ der 2. Person jemand aufgefordert wird, 
die durch das Verbum ausgedrückte positive Handlung sofort 
auszuführen, so wird durch die 2. Person des Imperativs mit [iri 
jemand aufgefordert, die durch das Verbum ausgedrückte negierte 
Handlung sofort auszuführen. Dieser Aufforderung kann aber nur 
derjenige Folge leisten, der mit der Ausführung der positiven 
Handlung eben beschäftigt ist. Sofort nicht schreiben z. B. kann 
nur derjenige, der eben schreibt. 

Glotta VI, 3. 14 



210 ^- Ganschinietz 

Der Unterschied zwischen dem Imperativ des Praesens und 
dem des Aoristes besteht nur darin, daß durch den Imperativ des 
Praesens die betreffende Person zur Ausführung einer imperfek- 
tiven, durch den Imperativ des Aoristes hingegen zur Ausführung 
einer perfektiven Handlung aufgefordert wird. So müßte denn 
durch die 2. Person des Imperativs Aoristi mit i^rj jemand auf- 
gefordert werden, die durch das Verbum ausgedrückte negierte 
perfektive Handlung sofort auszuführen. Und auch dieser Auf- 
forderung könnte nur derjenige Folge leisten, der mit der Aus- 
führung der positiven perfektiven Handlung eben beschäftigt wäre. 
Mit der Ausführung einer perfektiven Handlung kann man aber 
nicht beschäftigt sein, denn sobald sie angegriffen wird, ist sie 
auch schon vollendet und vergangen. Oder: wenn durch die 
2. Person des Imperativs Praesentis mit /aiq die Fortsetzung einer 
bereits vorsichgehenden imperfektiven Handlung verboten wird, so 
müßte durch die 2. Person des Imperativs Aoristi mit jU^^ die 
Fortsetzung einer bereits vorsichgehenden perfektiven Handlung 
verboten werden. Die Fortsetzung einer bereits vorsichgehenden 
perfektiven Handlung zu verbieten hat aber keinen Sinn, denn die 
perfektive Handlung hat keine Ausdehnung, ihr Anfang und Ende 
fallen zusammen. Durch die 2. Person des Imperativs Aoristi 
würde also eine Aufforderung ausgedrückt werden, der es unmög- 
lich wäre Folge zu leisten, denn sie käme zu spät. 

Hauptsächlich zwei Momente sind es also, die dieVer- 
bindung der Negation u^ mit der 2. Person des Impera- 
tivs Aoristi unmöglich machen: die Perfektivität der 
durch das Verbum ausgedrückten Handlung und die Be- 
deutung der 2. Person des Imperativs, durch die die 
Aufforderung zur sofortigen Ausführung der Handlung 
ausgedrückt wird. 

Zagreb (Agram) A. Music 



^AnodhüJöis 



^^Tto&ecooig ist ein terminus der ägyptischen Priestersprache 
für Vergeltung durch den Tod, der in letzter Zeit in mehrfacher 
Hinsicht die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat. Griffith (Zeit- 
schrift f. ägypt. Sprache XL VI 132 ff. Apotheosis by drowning) 
hält für das Wesentliche, daß das Opfertier, um das es sich handelt, 



I 



Idno&^wavs 211 

in einer heiligen Flüssigkeit getötet werde; so daß der hinzu- 
kommende göttliche Charakter nicht von dem Tabucharakter der 
Tiere, sondern von der Flüssigkeit abhänge. Reitzenstein (Die hel- 
lenistischen Mysterienreligionen, Leipzig 1910, 213) folgt Griffith 
in der Erklärung. Doch läßt sich trotz der beschränkten Anzahl 
von Dokumenten, in denen dieser Ausdruck begegnet, nachweisen, 
daß diese Erklärung nicht haltbar ist; daß die a/ro^fwortg vielmehr 
durch den sakralen Charakter, der den betreffenden Wesen bereits 
zu ihren Lebzeiten zukommt, bedingt ist. 

Es begegnet zunächst, außer in dem Dekret von Kanopus 
Z. 54. 56 und der hauranischen Inschrift bei Clermont-Ganneau, 
Recueil d'archeologie Orientale II 63 vgl. Röscher Lex. II 2015 
(Netsiqov äno&eojd-avTog iv ra Xißtixi, wo es sich doch wahr- 
scheinlich um einen Unfall handelt) in Pap. Genf. 36, den gut 
Wilcken, Arch. f. Papyr. III 393 kommentiert hat: 'damit ist ge- 
sagt, daß der lebende Apis noch nicht ein d-eog ist. Er wird erst 
zum d-Eog nach seinem Tode durch die Verbindung mit Osiris, als 
"OoogäTtig. Vorher ist er (wie alle andern heiligen Tiere) nur ein 
Uqov t(^ov. Anderseits ist aber auf die Nachricht hinzuweisen, daß 
Apis ertränkt wird (Plin. n. h. VIII 184. Solin. 32, 18. Ammian. 
Marc. XXII 14, 7). Hieran reihen sich die Belege aus den Zauber- 
büchern. Pap. Berol. I 5 ist bei dem fragmentarischen Zustand des 
Textes zu unsicher; doch findet es sich noch Pap. Lond. CXXI v. 694 
{Xaßiov -/.alaßcorriv . . . eaoov avTOv elg yiqivivov ttog av dftod-siüd-f^); 
an der andern Stelle steht dafür iv^d-eovr (Pap. Paris. 2455 laßcov 
ixvyalov h.d^twoov Tnqyaup vdati yial Xaßwv /.av&ccQOvg aeXtjVia- 
üovg ovo h/,^i(x}oov vöari 7toraf.d(j)), das Wünsch (Aus einem griech. 
Zauberpapyrus, Gießen 1912) richtig vom Tode verstanden hat, 
während Preisendanz (Berl. phil. Woch. 1912, 453) dafür die Kon- 
jektur £/.d^£(Qf.i)cooov vorschlug. Schließlich begegnet dieser Ter- 
minus noch Kyraniden 1 ^ 25 (Les Lapidaires grecs edd. Mely- 
Ruelle, Paris 1898 p. 42) laßcov ovv b'^axa (heiliges Tier des 
Horus-Apollo, vgl. den Anfang des ersten Berliner magischen Pa- 
pyrus, Berl. Akad. 1865) xov ■kolvÖv ov ytaXovaiv ■"/.lq/lolov, ßvd-iaov 
vdaxt Ttriyaiüj log ^f.oxvXag ovo e'fog ov aTtoS-Ecod-jj, zovTiazLV Jtvl^ov 
elg To vdioQ tov Uga/ia ecog ob ccTtod-dvTj. Ebd. p. 43, 2 ßaXwv 
elg TTQoneTtOTLOfXEvov dyyelov ootqcl'mvov zo vÖwq sv u aTto-d-ecod-fj o 
Uga^ (dafür korrigiert die Hs. R aTted-avev). Ebd. p. 46, 24 sav 
de avrov ccTtoS^ewoag vöari lij oivto dog tlvl rtislv /,tX. Unmittelbar 
bestätigt also dieser Wortgebrauch für die Kyraniden, daß sie aus 
Ägypten stammen und wahrscheinlich mit der Tempelliteratur zu- 

14* 



212 Alfred Klotz 

sammenhängen. Direkt dürfen wir aber aus dieser Ausdrucksweise 
folgern, daß die Wesen, von denen die aTtod-etooig ausgesagt wird, 
sakralen d. h. wahrscheinlich Tabucharakter tragen: und hiermit 
stimmen in der Tat die anderweitigen Berichte überein. 

Anschließend erwähne ich noch den Ausdruck legaTSveod^at-, 
der ebenfalls mißverstanden worden ist. In der von Berthelot- 
Ruelle besorgten Collection des alchymistes grecs (Paris 1888) sagt 
der Geist Jon (p. 108, 9) 1^ avdyy.rig iSQaTevo/xevog Ttvevi-ia. relov- 
(lai; Berthelot (Coli. Alch. II 118) übersetzt dies: ainsi consacH 
pretre par la necessitS, je deviens un esprit; vielmehr erhält der 
Satz erst dann einen Sinn, wenn man l. als geopfert, getötet' 
übersetzt: es bezieht sich auf die Zerstückelung (Reitzenstein, Poi- 
mandres, Leipzig 1904, 368 f.). 

Berlin K Ganschinietz 



Sprachliche Bemerkungen zu einigen Stellen 
in Ciceros Reden 

Cic. p. red. sen. 14 

Eine sprachliche Feinheit scheint bisher nicht beachtet zu sein 
in der Charakteristik des L. Calpurnius Piso. Cicero ist besonders 
bemüht, ihn in den Augen der Senatoren als ungebildeten Menschen 
herabzusetzen: cum hoc homine an cum stipite in foro constitisses, 
nihil crederes interesse. Zu Hause habe er sich allen Lüsten er- 
geben, aber insgeheim. Neuerdings habe er auch Philosophie ge- 
trieben, aber nicht in ernsthaften Studien, sondern bloß durch das 
Wort riöov^ des Epikureismus gefangen. Da heißt es: cum vero 
etiam Utteris studere incipit et belua immanis cum Graeculis phi- 
losophari, tum est Epicureus, non penitus Uli disciplinae quaecumque 
est deditus, sed captus uno verbo voluptatis. 

So lautet die Stelle durchweg in den neueren Ausgaben. An 
zwei Stellen erscheinen bedeutsame Varianten. Zunächst beruht 
belua auf dem Erlangensis und dem Korrektor des Erfurtensis. 
Die andern Handschriften bieten folgendes: veluus P^: belluus G: 
helluus E 1 : heluus P c, d. h. in der Familie des Parisinus ist beluus 
überliefert. Und so hat auch schon ein alter Grammatiker gelesen, 
wie hervorgeht aus Augustin GL V 520, 26 ubi geminata u littera 
in nominativo est, nomen est non participium, ut fatuus ingenuus 



Sprachliche Bemerkungen zu einigen Stellen in Ciceros Eeden 213 

Carduus exiguus heluus ut Cicero dixit, et talia. Daß sich diese 
Stelle Augustins auf p. red. sen. 14 bezieht, haben die Cicero- 
Herausgeber übersehen, bei denen das Wort heluus unter den Frag- 
menta incerta erscheint (z. B. Mueller IV 3 p. 413 K 26, Baiter- 
Kayser XI p. 146 frg. L 34). Welchem Grammatiker Augustin die 
Notiz über das Vorkommen von beluus bei Cicero verdankt, weiß 
ich nicht zu sagen. Daß die Stelle aber bei den Grammatikern 
eine Rolle gespielt hat, dafür scheinen die Glossare zu sprechen, 
in denen heluus durch morihus hestiarum erklärt wird ^). Außerdem 
vgl. Gloss. II 328, 33 d-r^giiuörig beluus efferus. 

Daß es eine vulgäre maskuline Nebenform von helua gegeben 
hat, lehrt Capitol. Gord. 33, 1 fuerunt suh Gordiano Romae ele- 
fanti triginta et duo, quorum ipse duodecim miserat, Alexander 
decem, alces decem, tigres decem, leones mansueti sexaginta, leopardi 
mansueti triginta, belhi (id est yaenae) decem eqs. heluus war also 
für die Hyäne eine volkstümliche Bezeichnung, die der Schrift- 
steller für sein gebildetes Publikum erklären will. Ob diese Neben- 
form schon zu Ciceros Zeiten volkstümlich gewesen ist, bleibt 
zweifelhaft. Daß zu dem femininen helua das Volk eine maskuline 
Variante bildete, war ja an sich naheliegend. Es ist aber nicht 
ausgeschlossen, daß Cicero selbst um die 'Bildung' des Piso vor 
seinen Standesgenossen lächerlich zu machen, auf Grund einer 
Augeubhcksschöpfung statt des von ihm auch als Schimpfwort 
häufig gebrauchten immanis helua^) den Neologismus gebraucht 
habe. Jedenfalls scheint die vulgäre Form mit ganz besonderer 
Absicht gewählt. Dafür spricht auch die Wortstellung. 'Ein ko- 
lossales Schaf hat den Ton auf dem Adjektivum. Das ist auch 
bei immanis helua der Fall, wenn es als Schimpfwort verwendet 
wird. 

Verr. V 109 sed quid ego hospiti iura in hac immani helua 
commemoro. ibid. cum homine [enimj crudeli nohis res est an cum 
fera atque immani helua. 

Sest. 16 hanc taetram atque immanem heluam. 

Phil. IV 12 non est vohis res, Quirites, cum scelerato homine 
ac nefario, sed cum immani taetraque helua. 

XIII 15 quihus enim saeptis tam immanis heluas continebimus? 



1) Das Material Thes. ling. lat. II 1865, 46 sq. Loewe, Prodomus 
p. 70 wollte (similis) hinzufügen. Vielleicht läßt sich moribus als abl. quäl, 
auffassen. 

2) Thes. 1. 1. II 1863, 26 sq. 



214 Alfred Klotz 

Auch prov. cons. 15 si qui sunt (amici) auf si beluae tarn 
immani tamque taetrae possunt ulli esse amici lehrt die Stellung 
des Substantivs nach dem betonten si, daß der Ton auf den Ad- 
jektiven liegt ^). An unserer Stelle aber steht helua immanis so, 
daß der Hauptton auf helua liegt. Auf dieses Wort wollte also 
Cicero die Aufmerksamkeit der Hörer lenken. Das hatte er aber 
nicht nötig, wenn er das alltägliche Schimpfwort immanis belua 
verwendete, sondern nur, wenn auch bei dem Substantivum etwas 
Besonderes zu bemerken war, d. h. wenn er beluus immanis sagte. 

Auch in einem andern Ausdruck dieser Stelle drückt sich 
Cicero, um den Bildungsstand des Angegriffenen zu bezeichnen, 
plebejisch aus: cum vero litteras studere incipit steht im Parisinus 
und von erster Hand in der zweitbesten Handschrift, dem Gem- 
blacensis; in diesem ist korrigiert litteris, wie auch der Erfurtensis 
hat. Daß der regelrechte Dativ durch die Schreiber eingeführt 
werden konnte, ist viel wahrscheinlicher, als daß ein Abschreiber 
irrtümlich den Akkusativ einsetzte, studere c. acc. erweist sich 
aber als volkstümliche Konstruktion durch folgende Beispiele: 

Plaut. Mil. 1437 minus has res studeant. 
Truc. 387 illum Student iam. 

Titin. CRF tog. 85 Ferentinatis populus res Graecas studet^). 

Die Archaisten, Apuleius und Fronto, haben die Konstruktion 
aufgenommen. Wenn Charisius GL I 296, 5 unter den idiomata 
casuum anführt: studeo Graecas litteras et Graecis, so läßt sich 
aus dieser knappen Notiz über die Ausdehnung der Akkusativ- 
konstruktion nichts entnehmen. Namentlich ist durch nichts an- 
gedeutet, daß litteras studere in späterer Zeit vulgäre Ausdrucks- 
weise gewesen ist. Für Charisius genügte es, wenn der Akkusativ 
an einigen Schriftstellerstellen belegt war. Es ist also sehr ge- 
wagt, wenn Schmalz ^) studere Graecas litteras als ein Beispiel der 
Ausdehnung des Akkusativobjekts im Vulgärlatein anführt. Es ist 
als volkstümlich für Plautus und die Togata bezeugt. Weitere 
Schlüsse gestattet auch die Charisiusstelle nicht. Apuleius und Fronto 



1) Anders geartet ist Sulla 76 nolite iudices arbitrari, hominum illum 
impetum fuisse . . . beluae quaedam Mae ex portentis immanes ac ferae fonyia 
hominum itidutae extiterunt. Hier mußte -wegen des Gegensatzes zu homines 
auch beluae betont sein. Phil. IV 12 ist nicht ganz gleich, weil da sce- 
leratus dabei steht. 

2) Natürlich gehören die Fälle nicht hierher, in denen ein pronomi- 
nales Neutrum im Akkusativ dabei steht. 

3) Syntax * 1910 p. 372. 



Sprachliche Bemerkungen zu einigen Stellen in Ciceros Eeden 215 

beweisen nichts für die spätere volkstümliche Ausdrucksweise, die 
sie die Konstruktion als Archaismus übernommen haben können. 
Volkstümlich ist sie also in vorklassischer Zeit. Dazu gesellt sich 
nun die Cicerostelle, in der gerade die plebejische Ausdrucksweise 
den Gegner charakterisieren soll. Natürlich durfte sich Cicero 
diesen Scherz nur im Senat gestatten, vor dem Volke wäre er als 
Witz nicht verstanden worden, oder der Halbgebildete hätte sich 
gewundert, daß Cicero nicht gewählteres Latein sprach. Im Senat 
brauchte er dies nicht zu befürchten. 

Cic. de domo 1 

cum multa divinitus, ponfifices, a maioribus nostris inventa atque 
instituta sunt, tum nihil praeclarius quam quod eosdem et religioni- 
bus deorum immortatium et summae rei publicae praeesse voluerunt, 
ut amplissimi et clarissimi cives republica bene gerenda religiones, 
religionibus sapienier interpretandis rempublicam conservarent. 

So lautet der Text in der Muellerschen Ausgabe. Dabei ist 
zunächst das überlieferte rem publicam bene gerendo ebenso willkür- 
lich geändert, wie p. red. pop. 21 ulciscar . . . malos civis re publica 
bene gerenda aus dem überlieferten rem publicam bene gerendo ge- 
macht ist. Der Unterschied beider Ausdrucksweisen liegt auf der 
Hand: bei rem publicam bene gerendo ist der Verbalbegriff der 
regierende und tritt infolgedessen schärfer hervor. Das lehren 
deutlich Stellen, wie div. Caec. 60 eas (iniurias) ferenda maiorem 
laudem quam ulciscendo mererere^). 

Aber auch bei dem zweiten Glied ist eine Änderung vorge- 
nommen, die überflüssig ist. Überliefert ist: religionibus sapienter 
interpretando. Daraus hat Halm unter Berufung auf 4 certum et 
definitum ins religionum gemacht: religionum ius sapienter inter- 
pretando. Mit Recht haben die neuesten Herausgeber diese Kon- 
jektur verworfen. Das Substantiv ius stört den klaren Bau der 
Antithese. Schon längst hatte man auf andre Weise zu helfen 

1) Ob auch am Schlüsse von p. red. pop. 21 dieselbe Ausdrucksweise 
am Platze ist, ist sehr fraglich. Die Überlieferung liegt folgendermaßen: 
ratione repetenda P^: ratione expetenda sY: rationem repetenda G^: rationem 
repetendo PcQc. Das letzte hat Petersen aufgenommen. Dadurch wird 
zwar eine äußere Angleichung an die vorhergehenden Gerundia erzielt, aber 
er entfernt sich von der Überlieferung, die doch deutlich auf ratione repe- 
tenda als Lesart des Archetypus führt, er entfernt sich, um die treffliche 
Klausel ratione repetenda zu zerstören. Daß dies richtig ist, lehrt auch 
der Sinn: bei rationem repetere ist nicht, wie vorher bei rem publicam bene 
gerendo, der Verbalbegriif betont. 



216 Alfred Klotz 

gesucht. Bereits in einer jungen Handschrift war geändert: reli- 
gionibus sapienter interpretandis , was neuerdings L. Lange Spici- 
legium criticum in Ciceronis orationem de domo Progr. Leipzig 
1880 p. 14 empfiehlt. Auch hier ist die Wirkung der Antithese 
geschwächt, wenn dem ersten Gliede rem puhlicam bene gerendo 
gegenüber gestellt wird religionibus . . . interpretandis. So ist denn 
Petersen zu der alten Lesart zurückgekehrt, die schon Orelli in 
den Text gesetzt hatte: religiones sapienter interpretando. Die 
Schärfe der Antithese bleibt erhalten. Indes das zweimal auf ein- 
ander folgende religiones wirkt eher verwirrend. Es ist aber gar 
nicht nötig auch nur einen Buchstaben zu ändern: religionibus 
sapienter interpretando rem puhlicam conservarent ist so gut latei- 
nisch wie Verr. IV 104 earum autem rerum nullam sibi iste neque 
infitiandi rationem neque defendendi facultatem reliquit, oder Plaut. 
Capt, 852 nominandi istorum tibi erit magis quam edundi copia, 
1008 lucis das tuendi copiam. Warum Cicero die sonst gemiedene 
Konstruktion dom. 1 verwendet, liegt auf der Hand: er wollte dem 
doppelten religiones aus dem Wege gehen. 

Cic, de domo 18 

rem maximam fuisse, summi periculi non solum a fame, sed 
etiam a caede incendiis vastitate nemo negat. 

Statt a fame, wie Halm vermutete, hat P ea me, die übrigen 
Handschriften eam. Dieser Tatbestand führt auf fame {F ist in E 
verschrieben), und es liegt m. E. kein Anlaß vor, davor die Prä- 
position einzusetzen. W. A. Baehrens') hat eine Menge von Bei- 
spielen gesammelt, in denen bei zwei oder mehreren Gliedern eine 
zu allen gehörige Präposition beim ersten Gliede nicht gesetzt ist. 
So wenig ich für alle von ihm angeführten Fälle ihm beistimmen 
kann^) so möchte ich doch das Kind nicht mit dem Bade aus- 



1) Beiträge zur lateinischen Syntax Philol. Suppl. XII 2. Heft 1912 
p. 235 sq. 

2) Krolls Urteil über das von Baehrens gesammelte Material (Khein. 
Mus. LXIX 1914 p. 96) ist nicht ungerechtfertigt: 'B. führt massenhaft 
Beispiele ... an — aus den kritischen Apparaten". An manchen Stellen 
ist eine andre Interpretation am Platze, z. B. Cic. Att. VIII 3, 7 legionem 
Fausto conscriptam indiciliam sibi placere a consule duci scripserat ad con- 
sules hindert nichts Fausto als Dativ aufzufassen. Ich sehe nicht, warum 
das nicht möglich ist, wenn Cicero z. B. Tusc. IV 44 schreibt cui non sunt 
auditae Demosthenis vigiliae oder wenn Varro (in einer Kaufformel) sagt 
(rust. II 2, 5) tanti sut)t mi emptae (oves). Auch Liv. XXI 56, 4 qui passim 
per agros fuga sparst erant, vestigia cedentis sequentes agminis Placentiam 



Sprachliche Bemerkungen zu einigen Stellen in Ciceros Eeden 217 

schütten. Baehrens will im Dialogus des Tacitus dieselbe Erschei- 
nung finden, wahrend sie in dessen andern Schriften fehlt ^). Dann 
würde man in ihr bei Tacitus einen bewußt angewendeten Cicero- 
nianismus sehen dürfen. Aber 6 nam ingenio quoque sicut in agro, 
quamquam diuturna serantur atque elaborentur, gratiora tarnen 
quae sua sponte nascuntur ist es mir zweifelhaft, ob nicht nam (in) 
ingenio zu lesen oder ingenio als abl. loci aufzufassen ist 2). Höch- 
stens 27 utere antiqua lihertate, qua vel magis degeneravimus quam 
ah eloquentia, wiewohl auch hier der bloße Ablativ möglich wäre, 
und (a) qua eine einfache Konjektur ist. 

Können wir also auf die Tacitus-Stellen nicht sicher bauen, so 
gibt es doch einen Weg, um nachzuweisen, daß die Auslassung der 
Präposition beim ersten Teile eines Doppelgliedes mit et . . et als 
ciceronianisch galt. Eumen. Paneg. IX I, 2 (p. 249, 19 Bs. fil.) 
ist überliefert: a quo (foro) ego me fateor, quamquam mihi sedes 
ista iustitiae et agendum et ad dicendum amplissima videretur, diffi- 



contendere, aliis timor hostium audaciani ingrediendi ßumen fecit etc. stimme 
ich zwar Baehrens bei, wenn er die Zufügung von {alii) vor vestigia für 
überflüssig hält. Nur glaube ich nicht daran, daß man dieses alii in Ge- 
danken aus dem folgenden aliis zu ergänzen hat, so wenig als z. B. bei 
Caes. Gall. I 8, 4 Verg. Aen. VII 394 sq. Plin. paneg. 88, 8 ist die natür- 
liche Interpunktion doch: ideoque ille parens hominutn deorumque optimi 
prius nomine, deinde maximi colitur, wie auch Kukula zu der Steile bemerkt. 
An andern Stellen ist nicht einzusehen, warum gerade diejenige Überliefe- 
rung, bei der sich eine figura anb xoivov ergibt, auszuwählen ist. So wird 
kein Herausgeber Plin. nat. bist. XIV 103 vinum fit et siliqua Syriaca et e 
piris etc., ausschließlich dem Codex Moneus zu Liebe schreiben, schon weil 
für et ... et gar keine Veranlassung vorliegt. Die andern Handschriften 
haben richtig vinum fit e siliqua. Daß Präpositionen leicht ausfallen konnten, 
ist selbstverständlich. Kroll zeigt dies an einem besondern hübschen Bei- 
spiel: Victor EL 439, 12 fehlt in einem Zitat aus Cic. orat. 70 ein in, was 
in den Cicero-Handschriften steht. Baehrens zitiert die Worte als Julius 
Victor, hat also nicht beachtet, daß es sich um ein Cicero-Zitat handelt. 
Dergleichen ist ihm mehr als einmal untergelaufen. So hat er auch Glotta 
IV p. 179 mit Unrecht bei Donat. Ter. Eun. 1065 ordo est: {si te) post (un)- 
quam in platea offendero hac, peristi das überlieferte postquatn als post inter- 
pretieren wollen. Donat paraphrasiert ja den Wortlaut des Terenz-Verses, 
in dem er lediglich die Wörter umstellt. Weßners Konjektur trifft also 
unbedingt das Kichtige. 

1) Was Baehrens als verwandt vergleicht, ist andrer Art: z. B. Ann. 
XII 7 palam severitas ac saepius superbia wird es niemandem einfallen saepius 
anb xoivov auch zu severitas zu ziehen. 

2) Daß bei in agro die den Ort deutlicher bezeichnende Präposition 
beigefügt ist, kann bei dem Ortsbegriff nicht wundern. 



218 Alfred Klotz 

sum tarnen ingenio meo antehac afuisse. Hier wie IX 8, 2 (p. 253, 
12 sq.) war die Figur bereits richtig im Thes. ling. lat. I 473, 33 
notiert, was Baehrens entgangen ist. Wenn Eumenius so ge- 
schrieben hat an einer Stelle, die deutlichste Anlehnung an Cicero 
im Gedanken und Wortlaut aufweist^), wenn er, der maxime Cice- 
ronianus unter den Panegyrikern , von der ciceronischen Vorlage 
gerade abweicht in der Anwendung der Figura cctvo xoivov, dann 
wird er eben diese Figur auch als ciceronisch betrachtet haben. 

Aber cicerouianisch könnte sie nicht sein, wenn Kroll Recht 
hätte, der in ihr einen Gräcismus sieht 2). Er führt Stellen aus 
Lucilius, Catull, Vergil und Horaz an. Syntaktische Gräcismen 
bei Lucilius wären an sich bedenklich. Aber wir brauchen nicht 
Lucilius als Zeugen für die echt lateinische Ausdrucksweise. Sie 
findet sich ja bei Plautus, z. B. 

Asin. 163 solus solitudine ego te atque ab egestate abstuli. 

Pseud. 124 oculum anne in aurem?^) 

Bei Plautus wird man weder Verszwang noch griechischen 
Einfluß annehmen wollen^). 

Daß sich die Figura a/ro -/.olvov bei Caesar nicht findet, wird 
niemanden wundern. Bei Cicero ist sie an sich nicht bedenklich. 
Für gewisse Fälle möchte ich sie ihm allerdings zugestehen. 

Den psychologischen Vorgang bei dieser Erscheinung darf man 
sich wohl so vorstellen: der Ausdruck eilt zum zweiten Glied, und 
darum wird das erste so knapp als möglich erledigt. Das ist be- 
sonders dann leicht möglich, wenn im ersten Glied etwas schon 
auf das folgende hinweist, also bei et . . et, nee . . nee, cum . . tum, 
non solum . . sed etiam u. ä. 0). Natürlich ist dabei Voraussetzung, 
daß das zweite Glied, das die notwendige Ergänzung bringt, nicht 
zu lange auf sich warten läßt. Fälle wie Liv. VI 31, 5 Sy. Furius 
M. Horatius dextrovorsus maritimam oram atque Antium, Q. Ser- 
vilius et L. Geganius laeva ad montes Ecetram pergunt gehören 



1) Cic. Manil. 1; vgl. auch Muren. 63. 

2) 1. 1. p. 97. 

3) cf. Leo, Analecta Plautina I 1896 p. 43. Auch Bacch. 738 scheint 
ad dno xoivov beim zweiten Glied zu stehen, doch ist die Herstellung des 
Verses nicht sicher. [Yielleicht auch Pseud. 534 non ununi diem , verum 
hercle in omnis quantumst (der Text ist unsicher). Die Konstruktion kann 
bei Plautus rein lateinisch, bei den Augusteern doch vom Griechischen mit 
beeinflußt sein. W. K.] 

4) Diese plautinischen Beispiele fehlen gerade bei Baehrens. 

5) Das hebt Baehrens 1. 1. p. 258 richtig hervor. 



Sprachliche Bemerkungen zu einigen Stellen in Ciceros Keden 219 

m. E. nicht dazu. Daß hier ad auch zu maritimam oram zu be- 
ziehen ist, kann ich nicht glauben. Wenn man sich nicht entschließt, 
das versus von dextravorsus auch für die folgenden Substantive 
wirken zu lassen, so ist selbstverständlich {in) oder (ad) zu er- 
gänzen. 

Wenn ich also die fragliche Erscheinung bei weitem nicht in 
allen Fällen anerkennen kann, so leugne ich doch ihre Möglich- 
keit nicht ohne weiteres, sondern sehe in ihr eine innerhalb ge- 
wisser Grenzen wohl begründete Ausdrucksweise, die sich wie im 
Griechischen, so auch im Lateinischen selbständig entwickelt hat. 

Und die Cicero-Stelle, von der ich ausgegangen bin, scheint 
mir allerdings zu denen zu gehören, an denen die Figur anzu- 
erkennen ist. Die leichte Korruptel, die fame zu eame entstellt 
hatte, hat gerade unter der schützenden Decke das Echte bewahrt. 
Wenn wir aber dorn. 18 non solum fame, sed etiam a caede in- 
cendiis vastitate gut heißen, so dürfen wir in folgenden Fällen nicht 
anders urteilen: 

dom. 141 magna vis est cum deorum immortalium numine, tum 
vero in ipsa republica (wo allerdings (in) leicht ausfallen konnte). 

dom. 146 quorum (numerum) ego non tarn facultatem umquam 
et copiam expetendam putari quam et utendo rationem et in carendo 
patientiam (so P^; PcG fügen vor utendo (in) ein; nötig ist das 
nicht, die Stelle hat ihre schlagende Parallele bei Eumen. paneg. 
IX 1, 2). 

Phil. V 4 decrevistis ut et praemiis militum et de honoribus 
imperatorum . . . referretur (so V, D bietet et de praemiis, was na- 
türlich ebenfalls möglich ist^)). 

Wie weit diese Erscheinung für Cicero anzuerkennen ist, bleibt 
noch zu untersuchen. So wenig wie bei Caesar dürfte sich dieser 
Vulgarismus in den sorgfältig ausgearbeiteten Schriften Ciceros 
finden. So habe ich z. B. in der Miloniana kein Beispiel bemerkt, 
auch in der Rede pro lege Maniha ist mir dieser Vulgarismus nicht 
aufgefallen. 

Nicht wundern wird man sich, in den nicht vollendeten 
Büchern de legibus zu finden I 4 qui in isto periculo non ut poeta, 
sed ut a teste veritatem exigant. Eingehende Beobachtungen über 
die Zulassung oder Vermeidung dieses und ähnlicher Vulgarismen 
können also ein wertvolles Mittel werden zur Bestimmung der Sorg- 



1) Diese Stelle führt auch Baehrens 1. 1. p. 533 an. Aber nicht alles, 
was er dort bringt, halte ich für richtig. 



220 Alfred Klotz 

falt, die der Schriftsteller auf einzelne Werke oder Teile verwendet 
hat. So unsicher also in jedem einzelnen Falle die Entscheidung 
sein mag, ganz bestreiten wird man sie nicht können. 

Cic. de domo 4'7 

Zu den bekanntesten und besten Witzen Ciceros gehört der 
Ausdruck ius Verrinum. Eine ähnliche Zweideutigkeit ist an 
einer andern Stelle lange verkannt gewesen, dorn. 47 heißt es 
von dem Spießgesellen des Clodius, dem Sex. Clodius: Sexte 
noster, bona venia, quoniam iam dialecticus (es) et haec quoque 
liguris, quod factum non est, ut sit factum, ferri ad populum 
aut verbis ullis sanciri aut suffragiis confirmari potest? So die 
Herausgeber wohl durchweg. F. Schoell ist m. W. der Einzige, 
der diese Fassung beanstandet hat^). Er weist darauf hin, daß 
Rufinian, der Rh 40, 15 diese Stelle als Beispiel des oag- 
7iaGf.i6g anführt, nicht so gelesen haben könnte, und empfiehlt 
den Wortlaut des Rufiniauischen Zitats in den Text aufzunehmen. 
Rufinian zitiert: quoniam etiam iura liguris. Der GaQ/.aofx6c, liegt 
in dem Doppelsinn von iura. Daß aber die in den Handschriften 
überlieferte Lesart aus diesem Texte, wie ihn Rufinian bietet, ent- 
standen sei, wäre nur bei einer ganz kolossalen Zerrüttung des 
Textes der Rede de domo möglich. Nun sind wir ja abgesehen 
von jüngeren Handschriften für diese Rede lediglich auf dem be- 
rühmten Parisinus und den ihm nahe stehenden, aber nicht aus 
ihm abgeleiteten Gemblacensis angewiesen, d. h. die Rede ist uns 
durch eine einzige Handschrift aus dem Altertum überliefert, die 
mannigfache, namentlich äußere Schäden aufzuweisen hatte. Aber 
so arg, wie es sein müßte, wenn die handschriftliche Lesart sich 
aus der Rufinians entwickelt hätte, ist die Sache nicht. Rufinian 
zitiert auch sonst sehr ungenau. So hat er gleich p. 41, 4 sq. 
dom. 22 mit einigen Ungenauigkeiten zitiert: protulisti statt des in 
den Cicero-Handschriften überlieferten finxisti und nudatmn est 
statt patefactum est. Keine von beiden Abweichungen verdient hier 
den Vorzug vor der Lesart der Handschriften. Aber wie Rufinian 
uns § 22 hilft, einen Fehler der Handschriften zu beseitigen 2), so 
dürfen wir auch für die andre Stelle durch ihn auf Hilfe hoÖen. 

Gut ist quoniam iam dialecticus: 'da du jetzt dich auf Logik 
verstehst, mußt du selber einsehen, daß dein Antrag sinnwidrig ist'. 

1) Rhein. Mus. XLIII 1888 p. 422. 

2) Ehein. Mus. LXVII 1912 p. 376, wo mir Schoells Behandlung der 
Stelle nicht gegenwärtig war. 



Sprachliche Bemerkungen zu einigen Stellen in Ciceros Eeden 221 

Aber worauf bezieht sich haec"? Auf ein aus dialecticus zu ent- 
nehmendes dialectica? Das wäre weder geschickt noch klar, und 
ein unklarer Witz, einer der nicht verstanden werden kann, ver- 
dient nicht gemacht zu werden. Da hilft nun Rufinian. Fügen 
wir aus ihm hinzu (iura) so ist alles in bester Ordnung: et haec 
quoque (iura) liguris. Nun liegt in der Stelle der aaQy,aaf.i6g, den 
Rufinian drin fand, nun hat ligurire seine Bedeutung. Daß jeder 
Hörer die Doppelbedeutung von iura richtig erkannt, dafür ist ge- 
sorgt durch das vorangehende dialecticus, das auf die Bedeutung 
'Recht' hinweist, und durch das folgende Verbum ligurire, zu 
dem die Bedeutung 'Brühe' paßt. 

Ein Wort noch über die Auslassung von es im ersten Glied! 
Die neueren Herausgeber fügen es durchweg ein. Das scheint mir 
überflüssig. Die sogenannte Ellipse von esse, soweit nicht eine 
Schädigung des Verständnisses herbeigeführt wird, ist der lateini- 
schen Umgangssprache zu allen Zeiten geläufig gewesen, namentlich 
natürlich bei den mit Partizipien zusammengesetzten Verbalformen, 
z. B. rep. I 24 rem enim magnam adsecutus, quod hominibus per- 
turbatis inanem religionem timoremque deiecerat. Sest. 14 ita dic- 
tum a Q. Hortensio. 135 lex scripta de gladiatoribus. Pis. 95 at 
contra bis Catilina absolutus. Phil. II 87 ideone L. Tarquinius 
exactus. Auch im Nebensatz findet sich diese Erscheinung: off. III 
16 qui sapientes habiti et nominati (so auch Lact. inst. VI 6, 27). 
opt. gen. 6 ea igitur in quo summa, erit perfectissimus orator. de 
orat. III 87 puer didicit quod discendum. Es bedarf kaum des 
Hinweises auf plautinische Stellen, wie Bacch. 510 qui ad hunc 
m,odum haec hie quae futura fabulor. Amph. 1088 ubl utero exorti 
dolores. Cure. 354 postquam cenati atque adpoti. Most. 84 recor- 
datus multum et diu cogitavi. Most. 158 iain pridem ecastor fri- 
gida non lavi magis lubenter, nee quom me melius, mea Scapha, 
rear esse deficatam. Pseud. 575 um diese Stellen als gut lateinisch 
zu schützen^). Auch Terenz entzieht sich dieser Freiheit der Um- 
gangssprache nicht: Phorm. 45 haud existumans quanto labore par- 
tum. 83 ea serviebat lenoni inpurissumo, neque quod daretur quic- 
quam^) (mehr Beispiele Hauler zu Ter. Phorm. 80). Vgl. auch 



1) Auch Nep. Epam. 2, 1 natus igitur patre quo diximus, genere honesta, 
pauper iam a maioribus relictus, eruditus autem sie ut nemo Thebanus magis 
hat man früher est eingeschoben. 

2) Ganz ähnlich dieser Stelle ist die mehrfach beanstandete Stelle 
Stat. Silv. III 1, 77 nee quo convivia migrent. Sprachlich ist auch Plaut. 
Gas. 182 nicht zu beanstanden, doch ist das Metrum unklar. 



222 Alfred Klotz 

Caecil. CRF 245 st tacete, quid hoc clamoris? quibus nee mater nee 
pater, tanta confidentia? Diese Erscheinung tritt in der klassischen 
Sprache etwas zurück, weswegen auch classicistische Herausgeber 
sie dort zu beseitigen Neigung gezeigt haben, wo sie an sich ganz 
unbedenklich ist. Sie ist aber immer lebendig geblieben und Stellen, 
wie Plaut. Most. 84, sollten davor warnen z. B. Liv. XXI 48, 2 
quos Poenus benigne adlocutus et dimisit oder Val. Max. IX 2, 2 
clarissimique et civis et oratoris sanguine contaminari mensae sacra 
passus atqiie etiam P. Annium . . in sinum suum . . recepit zu 
ändern, um so mehr als der Dichtersprache des 1. Jahrb. dies sehr 
geläufig ist: Val. Flacc. V 131 sie fatus et . . . audit (wo Langen 
fatur schrieb, cf. Stat. Theb. III 496. X 271. V 689). Stat. Silv. I 
2, 202 quod durum permensus Her coeptique laboris prendisti portus 
u. a. Auch beim zweiten Glied kommt die Auslassung vor: Plin. 
nat. bist. III 139 ius Italicum habent eo conventu Älutae . . . im- 
munesque (seil, sunt) Asseriates. Apul. Plat. I 3 (Plato) ad Italiam 
Herum venit et Pythagoreos . . . sectatus. Val. Flacc. VI 292 haec 
ait auditusque Erebo. Stat. Theb. III 253 dixit et attoniti iussis. 
IV 725 sq. al. 

Aus diesen Beispielen, die zu vermehren keine schwere Auf- 
gabe wäre, ergibt sich, daß wir bei Cicero, wenn anders wir ihm 
überhaupt eine lebendige volkstümliche Ausdrucksweise zutrauen, 
an dem Fehlen von esse keinen Anstoß zu nehmen haben. Die 
volkstümliche Sprache hat da ja gerade eine ursprüngliche Aus- 
drucksweise bewahrt, die von der dem Verstände immer mehr unter- 
worfenen Sprache zurückgedrängt worden ist. Und wenn man viel- 
leicht Phil. X 21 veterani, qui^) primi Caesaris auctoritatem secuti, 
conatum Antoni reppulerunt schwanken könnte, so sehe ich für 
dom 47 keinen Grund ein (es) einzufügen, sondern nehme keinen 
Anstand, wenn wir lesen: quoniam iam dialecticus et haec quoque 
{iura) ligurris. 

Cic. de domo lOl 

Mehrfach ließen sich gerade in der Rede de domo volkstüm- 
liche Ausdrucksweisen nachweisen, die sonst bei Cicero zurücktreten. 
So werden wir auch an folgender Überlieferung keinen Anstoß zu 
nehmen nötig haben: 101 Sp. Cassio domus ob eandem causam 
eversa atque in eo loco aedis posita Telluris. Der Dativ Cassio 
steht im Parisinus und den jüngeren Handschriften MV, die zwar 



1) qui V: que D: quidem Faernus. gewöhnlich schreibt man secuti {sunt). 



Sprachliche Bemerkungen zu einigen Stellen in Ciceros Reden 223 

von ihm beeinflußt sind, aber doch sich nicht ausschließlich aus 
ihm ableiten lassen. Daß im Gemblacensis der Genetiv Cassii ein- 
gesetzt ist, ist leicht zu erklären. Daß er unmöglich wäre, läßt 
sich nicht behaupten. Indes hat Cicero, wie sich aus den sorg- 
fältigen Sammlungen von W, Havers, Untersuchungen zur Kasus- 
syntax der indogermanischen Sprachen 1911 p. 199 sq. ergibt, den 
sympathetischen Dativ nicht vermieden, obgleich die klassische 
Sprache entschieden die Tendenz hat, ihn besonders beim Nomen 
zu Gunsten des strafferen Genetivs zurücktreten zu lassen. Havers 
bemerkt aber auch, daß der Eigenname wegen seines ausgesprochen 
persönlichen Charakters dem Personalpronomen in der Verwendung 
des sympathetischen Dativs nahe stehe: vgl. Flacc. 97 qiii P. Len- 
tulo ferrum et flammam de manibus extorsimus. Ganz entsprechend 
unsrer Stelle hat Cicero geschrieben: ad Q. fr. II 10, 5 ne Appio 
suae aedes urerentur (Havers p. 207). So dürfte auch dom. 101 
der Dativ als eine volkstümliche Ausdrucksweise beizubehalten sein. 
Daß der individuelle Fehler im Gemblacensis besonders nach dem 
vorausgehenden Sp. Maelii . . . domus leicht entstehen konnte, ist 
ohne weiteres klar. Cicero hat aber gerade in der Einführung der 
Beispiele gewechselt: Sp. Maelii regnum appetentis domus, Sp. Cassio 
domus . . eversa, in Vacci pratis domus fuit M. Vacci, M. Manlius 
eqs. Er hat also nicht nach einer äußerlichen Gleichförmigkeit 
gestrebt; wir haben kein Recht, sie zu erzwingen. 

Prag Alfred Klotz 



nec mu nee ma 

„Besonders ausgeprägt", schreibt Wölfflin, Sitz.-Ber. d. bayr. 
Ak. 1881, 18, „ist in vielen Sprachen der Tonfall von i auf a . . ., 
vor allem im Deutschen in Ausdrücken wie Klingklang, Wirrwarr, 
Mischmasch, Zickzack, Drickdrack, Tingltangl, im Französischen 
in flic-flac." Vergleichen könnte man noch aus dem Italienischen: 
'^Quel che vien de tinche tauche, Se ne va de tünche nanche^ , was 
J. Haller, Altspanische Sprichwörter, Regensburg 1883, I 308, 40 
so übersetzt: Was mit kling klang kommt, geht mit ning nang 
fort', oder: I 557, 111: 'Was von Tingel Tangel kommt, geht mit 
Ningel Nangel davon', u. ä. (s. Haller a. a. 0.). 

Aber neben diesem Tonfall erscheint ein anderer von Bedeu- 
tung, nämlich der von u auf a. Im Deutschen wenigstens wechselt 



224 H. Ottenjann 

der eine geradezu mit dem andern. So beginnt ein und dasselbe 
Kniereiterlied bald mit 'Bimbam^ bald mit "^Bumbam' (vgl. Bahl- 
mann, Münsterländiscbe Märchen, Sagen usw. Mstr. 1898, 235 und 
Zeitschrift für rhein. u. westf. Volkskde. 1913, 177). Ebenso singen 
die Kinder beim Glockengeläute bald: "Bimbam die Glock ist 
krank . . .', bald 'ßumbam' usw. (ZrhwV. 1911, 123 und 1913, 
119). 'Bumm-Bamm' hören wir sodann auch am Schluß eines 
Kinderliedes, das sich an den Spielmann wendet (vgl. K. Wagen- 
feld, Volksmund, Essen 1911, 56). Weitverbreitet ist das Kinder- 
lied, das mit ' Krunekrane' anhobt (z. B. ZrhwV. 1913,263). 'Pusse 
passe' heißt es im Anfang eines Wiegenliedes (Bahlmann a. a. 0. 233). 

Genau dieselbe Tonfolge finden wir im lat. ''tux tax (Plaut. 
Pers. 264: tux tax tergo erit meo). Dazu bemerkt P. Richter 
(Studemund, Studien I 2, 628): „plagarum . . . sonum significari 
apparet, quem nos dicimus 'klatsch klatsch' . . .". So jetzt auch 
wieder E. Thomas, Studien zur lat. und griech. Sprachgeschichte, 
Berl. 1912, 51: ,^tux tax (etwa 'klatsch klatsch')". Aber diese 
Übersetzung ist offenbar nicht genau; sie gäbe gut' toa; toic' wieder, 
was an dieser Stelle auch überliefert ist, trefi"eud aber noch nicht 
einmal '^tax pax^, was wir bei Charisius (GLK. I 239, 12) lesen. 
Vgl. Gl. III 253 ff. 

Mit ''tux tax aber steht, was die Tonfolge betrifft, ohne Zweifel 
auf gleicher Stufe ''7nu — ina (Petron 57: tu . . nee mu nee ma 
argutas). A. Otto, Die Sprichwörter und sprichw. Redensarten der 
Römer, Lpz. 1890, übersetzt: 'Du sagst weder gicks noch gacks', 
ersetzt damit aber die in ''mu — ma vorliegende Tonfolge durch 
die eingangs erwähnte i — a^). Passend wäre 'weder guck noch 
gack', was Thomas Murner noch schrieb (vgl. Borchardt - Wust- 
mann ^, Die sprichw. Redensarten im deutsch. Volksmunde, Lpz. 
1895, 176). Bei W. Heinse steht jetzt (1913) in der Übersetzung: 
'weder mu noch mä', was gar nicht paßt. Friedländer ^ 1906 läßt 
es einfach bei 'nicht Mu, nicht Ma'. Einen auffallenden Anklang 
bietet uns ein Vers bei J. Werner, Lateinische Sprichwörter und 
Sinnsprüche des Mittelalters aus Handschriften gesammelt, Heidel- 
berg 1912, 100, 46: ''Vinum sepe facit, quod homo neque '^hu neque 
"bd seit', und dazu haben wir eine treffende Parallele in einer noch 
heute gebräuchlichen Redensart aus der Gegend der Niederwupper 
(ZrhwV. 1906, 228): 'Hä säht nit Buff noch Baff'. 

1) Ebenso Haller a. a. 0. 307, 24: 'Quel che vien di ruffa rafa, Se ne 
va di bufa in baffa : 'Was grips graps kommt, geht biif baff fort'; dagegen 
S. 556, 97: 'Was ruff raff kommt, geht biff baff davon'. 



nee mu nee ma 225 

Ob scliließlich auch noch 'butubatta (bei Walde " steht buttu- 
batta), das Dach Festus 'Naevius pro nugatoriis, nach Charisius 
(GLK. I 242, 10 f.) ' Plautus pro nihilo et pro nugis posuit\ in 
diesen Zusammenhang gehört? Nach der Lesart '^buta bata (s. thes. 
1. 1. II 2261) wäre es wohl gleich zuzugeben; aber diese ist jeden- 
falls nicht die richtige. Ebensowenig ist freilich mit dieser Vox 
iocose ficta' ^burdubasta (vgl. thes. 1. 1. a. a. 0.) zu vergleichen. 
Nicht unmöglich erscheint es mir dagegen, daß in der Erklärung 
unseres Wortes von %u — tu, ba — ta auszugehen ist (vgl. auch 
Handii Tursell. II 2 \ . . butubatta (i. e. bu tu bat ta) . !; im ein- 
zelnen verweise ich auf Gl. III 253 ff.), so daß bu — ba gewisser- 
maßen die primären Bestandteile dieses Wortes wären. Darauf, 
daß wir SiMch '^ butubata lesen, ist jedoch kein Gewicht zu legen; es 
mag in der Regel '^butubatta gelautet haben. Das tut nichts zur 
Sache. Dann wäre aber '^ butubatta , was den Tonfall betrifft, doch 
mit '^tux tax und 'mw — ma auf gleiche Stufe zu stellen. 

Greven i. W. H. Ottenjann 



Die lateinischen Verba auf -ulare (-ilare) 

Die Frage nach den sogenannten deminutiven Verben ist noch 
wenig untersucht worden. Die einzigen deminutiven Verba von 
Verbalstämmen, die allgemein anerkannt werden, sind diejenigen 
auf -illo. Funck (Archiv für Lat. Lex. IV S. 68—87; 223—46) 
hat diese Verba behandelt. Er macht darauf aufmerksam (S. 223), 
daß dergleichen Bildungen auf die älteste lateinische Literatur zurück- 
gehen. Anderseits betont er (S. 245), daß es wenige Verba gibt, die 
eigentlich als deminutive betrachtet werden können. Dies ist auch 
in weiterem Sinne richtig, insofern als die deminutive Bedeutung wohl 
kaum anderswo als in einigen Verben auf -illo deutlich hervortritt. 
Anders aber verhält sich die Frage nach der Deminutiv-Bildung. 
Man muß nämlich diese Begriffe auseinanderhalten. Genau ge- 
nommen braucht man ja nicht Verbalbildungen mit dem Suffix 
-ulo den Deminutivnamen zu geben, weil das Nominalsuffix -ulus 
-ula -ulum eine zweifache Funktion hat, eine deminutive und eine 
verbaladj ektivische. 

Kü hn er -Holzw ei ssig (Ausführliche Gramm, der Lat. Sprache ä 
I 957) erwähnt als deminutive Verba erstens diejenigen auf -Ulare, 
weiter diejenigen auf -iculare ,,von vorauszusetzenden Deminutiven" 

Glotta VI, 3. 15 



226 Johan Samuelsson 

z. B. gesüculare. Dann führt er als Deminutiva durch einander 
auf „ventilare < ventulus, puUulare < pullulus, postulare < *postu- 
lus < poscere, mutilare < 7nutilus, nidulari < nidulus, ustulare < 
*ustulus < ustus, opitulari < opitulus, violare < *violus und ver- 
gleicht violens, violentus, ambulare < *ambulus vgl. ambire, gratu- 
lari < *gratulus < gratus, gratari, eiulare < eia; iaculari < ia- 
culum". Diese sogenannten deminutiven Verba, die bei Kübner- 
Holzweissig aufgezählt sind, besteben aus einem bunten Gemisch 
mehrerer Typen. Stolz ^) drückt sich noch kürzer aus: „Von 
Substantiven auf -ulo- (-0I0-) -ulä- sind die wenig zahlreichen Verba 
auf -ulare (-ilare) ausgegangen, von denen ich nenne ambulare (fun- 
ambulus ist Rückbildung, W. el-), capuläre „abziehen" Plin., grä- 
tuläri Terent. u. sp., stipuläri (stipulus), violare, ventilare (ventulus) 
Varr. u. ff. Hierher auch postulare". 

Es gibt, so viel ich weiß, keine andere Erörterung über die 
Verba auf -ulare noch über die deminutiven Verba überhaupt. 
Jedoch soviel ist klar, daß man — abgesehen von der deminutiven 
Bedeutung — nicht bei den Verben auf -illo stehen bleiben kann, 
denn diese sind sehr nahe mit Verben auf -ilo verwandt, z. B. sor- 
bilo (Funck S. 225), eine Form, die in der Literatur sogar besser 
als sorbillo bezeugt zu sein scheint, vgl. Spengel zu Terent. Adelph. 
V. 591; cantilo (Funck S. 226) und stritilo (S. 243); die auf -ilo 
sind wiederum — wie unten ausgeführt ist — von den auf -ulo 
nicht zu scheiden. 

Im Folgenden wird ein Versuch gemacht werden die lat. Verba 
auf -ulare (-ilare) einzuteilen und in übersichtlicher Darstellung 
aufzuzählen. Dabei muß man vor allem einen Unterschied machen 
zwischen den denominativen Verba auf -ulo, die aus wirklichen de- 
minutiven Nomina auf -ulus -ula -ulum hervorgegangen sind, und 
denjenigen Verba, deren Endung -ulo auf ein nominales Formans 
-(e)lo- zurückgeht. In formeller Beziehung ist es ja dasselbe For- 
mans oder Suffix, aber der deminutive Sinn ist so zu sagen eine 
sekundäre Funktion dieses Formans -lo, während die primäre An- 
wendung am meisten mit derjenigen des Partizips gleichzustellen ist. 
Ferner ist der wichtige Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen 
festzustellen, daß das sekundäre Formans immer an Nominal- 
stämmen angeknüpft wird, das primäre aber niclit selten im nächsten 
Zusammenhang mit Verbalstämmen steht. Vgl. v. Planta, Gramm. 



1) Historische Grammatik der Lat. Sprache, S. 596. 



Die lateinischen Verba auf -Ulare {-ilare) 227 

der osk.-umbr. Dialekte II S. 22 ff. über -lo -elo in den italischen 
Sprachen; Brugmann, Grundriß der vergl. Gramm. ^ II 1,373 — 5; 
Griech. Gramm.* (in I. v. Müllers Handbuch) S. 231; Stolz, 
Lat. Gramm. 4 (in I. v. Müllers Handbuch) S. 94; 86; Hist. Gr. 
S. 506ff.; Lindsay-Nohl, Die Lat. Sprache S. 378f. 

I. Denominative Verba auf -ulare 

A. Aus Nomina mit dem Suffix -bulum -hula. Vgl. Brug- 
mann Gr. 2 II 1 379f.; Kurze vergl. Gramm. § 411, 2; 413, 2. 

latibulo(r) von latibulum; 

pabulo(r) von pabulum; 

stabulo(r) von stabulum-, 

tribulo (con-J von tribulum. 

Vgl. fundibulator von fundibulum; prostibulata: meretrix quae 
prosternitur vel prostat C. Gloss. Lat. IV 149, 34 u. mehr, von 
prostibulum; vgl. prostibulatrix Gloss. V 511, 42. 

venabulator (Gloss.) ') von venabulum. 

Vgl. auch patibulatus von patibulum; tinnibulatus von *tinni- 
bulum (Sidon. Apoll, ep. II 2. 14). 

Zwar brauchten eigentlich nur die Nomina auf -ulätor, -ulätio 
hier in Betracht zu kommen, nicht die adjektivischen auf -ätus (vgl. 
Stolz, H. Gr. S. 532), wenn sie nicht partizipiellen Charakter auf- 
weisen; wegen der Vollständigkeit aber werden auch diese mit- 
gezählt. 

fabulo(r) von fabula; fibulo von fibula (s. Brugmann Gr. ^ II 1 
S. 380); desübulo, insübulo von sübula-, tabulo (fabulandae, fabulatus; 
contabulo gewöhnlich) von tabula (vgl. Walde, Lat.-Etym. Wörter- 
buch » S. 759f.; Brugmann Gr. 2 H 1 S. 380). 

B. Aus Nomina mit dem Suffix -culum C< -tlo-J. Vgl. Brug- 
mann, Gr.a H 1 S. 342f.; Kurze Vergl. Gramm. § 411, 1; 413, 1; 
Lindsay-Nohl, S. 378, 381. 

adminiculo(r) von adminiculum, vgl. Walde S. 12; 

operculo von operculum; 

periculor von periculum; piaculo von piaculum; 

redimiculo (Gloss.) von redimiculum; sarculo von sarculum. 

Vgl. perpendiculator von perpendiculum; 

poculator (Gloss. = propinator) von pö-eulum; 

vehiculator, vehiculatio von vehiculum. 

1) So bezeichne ich Corpus Glossar. Lat. ed. G e t z etc., wo die fraglichen 
Glossen im 6. imd 7. Bande leicht nachzuschlagen sind; nur wenn sie er- 
heblicher Art sind oder sonst diskutiert werden, zitiere ich genauer. 

15* 



228 Johan Samuelsson 

cerniculator von cerniculum (vgl. incerniculum) ist unsicher, vgl. 
A. L. L. X S. 188. 

(Vgl. auch cenaculatus von cenaculum und cuhiculatus von cu- 
biculum.) 

Diese Nomina auf -culum sind sämtlich primäre Bildungen von 
Verbalstämmen, sei es nun, daß das Suffix instrumental oder lokal 
ist. Eine besondere Stellung hat das plautinische Verb pandiculor i). 
Stolz (H. Gr. S. 595) sagt zwar, daß es ein denominatives Verb 
ist; aber es kommt mir weit wahrscheinlicher vor, daß pandiculor 
direkt aus pando(r), analogisch nach periculor oder vielleicht nach 
Verben auf -culo, die aus Deminutiven auf -culum stammen, ge- 
bildet worden ist. Es gibt ja kein Nomen pandiculus, pandiculum 
(als Deminutiva von pandus können diese supponierten Formen 
wegen des Suffixes -culo- nicht betrachtet werden) und es ist nicht 
leicht zu sagen, was sie bedeuten sollten (etwa ein Nomen agentis? 
vgl. ridiculus etc. s. unten). Daß eine direkte Verbalbildung ohne Ver- 
mittlung eines Nomen auf -culo noch sonst vorkommt, zeigen Verba 
wie missiculo < misso, oder missum (s. unten). 

C. Aus Deminutiven auf -culus -cula -culum. Eine ziemlich 
genügende Behandlung dieser Nomina findet man bei C. Paucker, 
Materialien zur Geschichte der lat. Wörterbilduug II, Die Deminu- 
tive mit dem Suffix -c-ulus, -a, -um, Zeitschrift für Österr. Gym- 
nasien XXVII 1876 S. 595. 

articulo von articulus; carhunculo von carbunculus; 

clanculo von clanculum, clanculo (Adverb.); 

fraterculo von fraterculus; geniculo(r) (con-, in-) von geniculum; 

gesticulor von gesticulus, emasculo von masculus, -a, -um. 

masculus ist wohl eine direkte Deminutivbildung von mas, vgl. 
flosculus, musculus etc. Es dünkt mich nicht vonnöten zu sein mit 
Osthoff (s. Stolz, H. Gr. S. 578) anzunehmen, daß dieses Wort 
ein Deminutiv von *mascus sei. Man kann nicht nur auf floscule, 
das ein Adjektiv flosculus vorauszusetzen scheint, hinweisen; mas 
wird oft adjektivisch gebraucht (z. B. Plaut. Poen. 1311) und 
so lag es ja sehr nahe ein masculus -a -um zu bilden, das in- 
folge seiner geschlechtlichen Flexion zweckdienlicher als Adjektiv 
war. Die vielen komparativen Deminutiva auf -usculus (z. B. plus- 
culus Ter. Phorm. 665 pluscula supellectile) boten sich als ana- 
logische Bildungen dar. 

naviculor (nauculor) von navicula; osculor von osculum; 

1) S. Arch. L. L. I S. 341. 



Die lateinischen Verba auf -ülare {-tlare) 229 

pediculo, peduculo (s. Fuuck, A. L.L. VIII S. 382) von pediculus; 

pelUculo von pellicula; soliculor (s. Funck a. A. S. 386) von 
*soliculus; 

surculo von surculus (unregelmäßig gebildet, wenn es nach 
Festus Deminutiv von surus ist. Vgl, Paucker S. 603). 

testiculor von testiculus; tudiculo von tudicula; 

vermiculor von vermiculus. 

aesculor (aesculator) entbehrt eines entsprechenden Nomens. 
In den Glossarien wird es mit griech. x<^^'^oXoyuv [xaly-oloyog) 
übersetzt und ist wohl nach seiner Bildung am nächsten mit os- 
culor zu vergleichen. Auch betreffs gesticulor kann es zweifelhaft 
sein, ob es aus einem Deminutive gesticulus, das zuerst bei Ter- 
tullianus hervortritt, gebildet ist oder eine direkte verbale Ableitung 
von gestus, gestio (vgl. missiculo oben S. 228) ist. Andererseits 
kann es nur zufällig sein, daß gesticulus, die regelmäßige Deminutiv- 
bildung von gestus, nicht früher in der Literatur erhalten ist. 

Hier sind ferner folgende Bildungen zu vergleichen: 

exauriculatus von ex und auricula; 

canaliculatus von canaliculus; cauliculatus von cauliculus; 

cornicidatus, sogar corniculans von corniculum; 

crusticulatus, unregelmäßige Deminutivbildung von crusta; 

denticulatus von denticulus; funiculatio von funiculus; 

latrunculator von latrunculus; lenticulatus ^) von lenticula; 

orbiculatus von orbiculus; particulatio und particulatus (spät- 
lat., Mart. Cap., Hilar.) von particula; reticulatus von reticulum; 

ventriculatio (spätl., wird nur aus Cael. Aurelianus zitiert) von 
ventriculus; 

vericulatus von vericulum. 

Hieher ziehe ich auch cuniculator von cuniculus, obgleich es 
sehr zweifelhaft ist, ob cuniculus ein Deminutiv ist, vgl. Walde 
S. 211. 

D. Aus Deminutiven auf -ulus -ula -ulum. Vgl. v. Paucker, 
Die Lat. Deminutive auf einfaches -ulus, -ula, -ulum etc. Mitau 1876. 

calculo von calculus (Demin. von calx, das auch maskul. ist); 

circulo und circulor von circulus (Deminutiv von circus; so 
Breal et Bailly, Dict. Etym. Lat. v. Paucker dagegen S. 24 
will das Wort circulus eher auf das Adverb circa zurückführen). 
circulo ist transitiv und spätlateinisch, circulor ist intransitiv. 
circulor kommt einmal bei Caesar vor, De hello civ. I 64, 3: 



1) Das Wort ist aus Gradenwitz, Laterc. voc. Lat. hergenommen. 



230 Johan Samuelsson 

totis vero castris milites circulari; Sen. Epist. 52, 8: in privato cir- 
culantur-, das Participium Praes. Cic. Brut. 54, 200: videt oscitantem 
iudicem, loquentem cum altero, nonnumquam etiam circulantem; Sen. 
Ep. 40, 3: vim dicendi rapidam atque ahundantem aptiorem esse 
circulanti quam agenti magnam rem (also in demselben Sinn wie 
bei Cicero) und endlich Sen. Ep. 88, 40: Apion tota circulatus est 
Graecia. Das Verb wird gewöhnlich mit „sich scharen", „Unter- 
haltungsgruppen bilden" übersetzt. (Vgl, z. B. Piderit an der 
Brutusstelle.) Demnach sollte circulor aus circulus entstanden sein. 
Diese Erklärung stimmt auch gut zu circulator, circulatrix und 
circulatorius. Indessen kann das Verb bei Caesar und an der 
dritten Senecastelle auch ebensogut mit „umherstreifen" circumire 
übersetzt werden. Vgl. Gloss. circulatur : circat, circumit. Auch 
bei Cicero möchte es eher mit „umherspazieren" als mit „Unter- 
haltungsgruppe bilden" wiederzugeben sein. Sonst müßte man cir- 
culantem nach den vorhergehenden Worten als eine müssige Wieder- 
holung betrachten. Oder sollte circulantem im Gegensatz zu cum 
altero loquentem hier cum pluribus loquentem bedeuten? Also 
scheint Sto Wasser 1) mit Recht ein Fragezeichen nach der üblichen 
Herleitung dieses Verbes aus circulus zu setzen. 

Wenn man weiß, daß die gewöhnliche Aussprache von circumeo 
circueo war und daß das Wort bisweilen circire ausgesprochen 
wurde, vgl. circum ire Plaut. Pseud. 899, Asin. 742 circum iit (die 
Handschriften haben zwar it aber die Herausgeber, z. B. Leo und 
Lindsay, schreiben iit) Phaedr. 3, 19, 5; 4, 22, 4 (man schreibt 
in diesem Falle mit Tmesis circum ire), wenn man weiter die sel- 
teneren Schreibungen circitus, circitare, circitura, circitorius und 
die gewöhnliche circitor für circumitus usw., die gewiß alle Sprech- 
formen wiedergeben, vergleicht, so könnte man zu der Annahme 
geneigt sein, daß circulor (= circumeo) aus einer in der Aussprache 
vorkommenden Form circeo analogisch nach anderen Verben auf 
-ulo(r), die aus Verben auf -eo und -io herstammen, wie z. B, va- 
gulo aus vagio (siehe unten) gebildet sei. Auch das Nomen circu- 
lator kann ebensogut mit qui circumeundo artem exercet wie mit 
qui homines circum se colligit übersetzt werden. Die Glossarien 
übersetzen zwar circulator mit oxkayayog, ayvQzrjg wie auch cir- 
culor mit ox^ccycoycö, eine Bedeutung, die sonst nicht in der Lite- 
ratur belegt ist, aber dies kann nicht zu schwer ins Gewicht fallen, 
da diese gewiß sekundäre Bedeutungsentwicklung ebensogut aus 
circumire wie aus circulus zu erklären ist. 

1) Latein.-Deutsches Schulwörterbuch. 



Die lateinischen Verba auf -ülare {-tlare) 231 

exassulo von assula; haedulo (C. Gl. L. II 68, 3 haedulat rtalyeL 
{naitet)) von haedulus oder haedus. 

ioculo(r) von ioculus. Das Wort ist nur einmal in der Lite- 
ratur bezeugt Liv. VII 10, 13 ioculantes, wahrscheinlich von ioculor; 
überdies kommt noch eine Glosse vor C. Gl. L. II 91, 34 ioculare 
evTQaTteliaai, nQOTttjlayilaat,', aber vgl. Ableitungen wie ioculator, 
-atio, -anter. 

iugulo von iugulum; manticulor von manticula. Es wird rat- 
samer sein das Wort auf diese Weise mit Festus zu erklären als 
es mit mentior oder anderen verbalen Wurzeln zu verbinden. Vgl. 
Walde S. 462, 476. 

modulor von modulus', nidulor von nidulus; 

recapitulo, -or von capitulum; spiculo von spiculum (auch spi- 
cula -ae und adjekt. spiculus -a -um; auch in dem Grundwort 
wechselt bekanntlich das Geschlecht); 

sportulor von sportula; exungulo von ungula, vgl. ungulatus. 

Hier sind ferner folgende Bildungen zu vergleichen: 

porculatio -ator von porculus; tubulatio von tubulus; 

voculatio von vocula; 

anulatus von anulus; crustulatus von crustulum; ebriulafus von 
d)riolus. Außerdem gibt es ein Verb ebriulare Non. Marc. 108. 
Eine Handschrift hat ebruüare, die übrigen ebrulare; Lindsay 
schreibt ebriulare; man sollte jedoch ebriolare erwarten, vgl. com- 
malliolo, debrachiolo, fasciolo (Gradenwitz); palliolatus, alveolatus, 
variolatus, vgl. A. L. L. I S. 284. 

laculatus von lacus; hier fehlt natürlich ein Deminutiv — 
die Wörter der vierten Deklination bilden ja ihre regelmäßige De- 
minutivform auf -iculus (-uculus) — aber laculatus, das übrigens 
spätlateinisch ist, kann von Wörtern der zweiten Deklination be- 
einflußt sein. 

Ungulatus von Ungula; loculatus von Ioculus; rapulatus von 
rapulum; sagulatus von sagulum; undulatus von undula; 

virgulatus von virgula. 

Gröber, A. L. L. V 456 nimmt infolge romanischer Verba 
ein vulgärlateinisches Verb sag'lare an. In der volkstümlichen 
Sprache kamen ohne Zweifel eine Menge Deminutive vor, die in 
der Literatur nicht erhalten sind. Vgl. Wölfflin, A. L.L. IV 267. 
Daher habe ich auch die Formen auf -ätus angereiht, weil sie hin 
und wieder wie sagulatus auf ein Verb auf -ulare zurückgehen 
können. 



232 Johan Samuelsson 

In den beiden letzten Gruppen (C D) sind Verba vorgeführt, 
die aus Deminutiven gebildet sind. Also stellt sich die Frage leicht 
ein, ob diese Verba mit der Endung -culo und -ulo etwas von ihrem 
deminutiven Charakter behaupten. Meines Erachtens ist es schwierig 
diese Frage kategorisch zu entscheiden. Aber wenn man die ein- 
zelnen Fälle durchmustert, wird man geneigt sein im allgemeinen 
den deminutiven Sinn zu leugnen. Je gewöhnlicher das Verb ge- 
braucht wird, um so mehr ist die deminutive Bedeutung abge- 
schliffen worden. Daß einem derartigen Verb wie ioculor au der 
Seite von iocor eine deminutive Nuance anhaftet, ist wohl kaum 
zu bezweifeln. Und eine occasionelle Bildung wie nauculor hat die 
nahe Zusammengehörigkeit mit dem Deminutiv noch nicht ver- 
lieren können. 

E. Aus Nomina auf -ulus -a -um, die nicht Deminutive sind. 

Hier sind also solche Verba aufgenommen, welche aus Nomina 
auf -ulus -a -um herstammen, die meistens mit dem primären For- 
mans -(eßo -(e)la (s. oben S. 226) gebildet sind. Natürlich ist es 
nicht immer möglich zu entscheiden, ob -ulus ein Deminutivsuffix 
ist oder nicht. So ist es z. B. sehr wahrscheinlich, daß oculus ein 
Deminutiv ist, weil aber das Stammwort im Latein, fehlt, habe ich 
das zugehörige Verb in dieser Gruppe aufgeführt. Weiter deuten 
die sonderartig gebildeten Wörter regula, tegula einen etymologi- 
schen Zusammenhang mit den Verben rego, tego an; jedoch habe 
ich regulo, tegulo zu dieser Gruppe hinzugefügt, nicht zu den de ver- 
balen Verben auf -ulo, da sie nicht gerade aus Verbalstämmen ge- 
bildet sind, sondern eine andere Ablautsstufe repräsentieren. Sie 
können ja auch vielleicht Deminutive sein, vgl. Lindsay-Nohl, 
S. 379. Ferner habe ich angenommen, daß diese Verba aus einem 
Nomen entstanden sind, und dies wird auch ohne Zweifel meisten- 
teils der Fall gewesen sein. Aber wer kann mit Gewißheit z. B. bei 
baiulus und haiulo sagen, ob das Verb im Verhältnis zu dem 
Nomen sekundär oder das Nomen zu dem Verb gebildet ist? 

aemulor von aemiilus; anculo von anculus; angulo von angulus. 
Dieses Wort wird ja gewöhnlich als ein Deminutivum von ancus 
betrachtet. Vgl. z.B. Sommer, Lat. Laut- u. Formenlehre S. 153, 
Walde S. 43. Klotz (A. L. L. XII S. 94) dagegen glaubt, daß 
die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „innere Ecke" gewesen 
ist und daß demgemäß Varro im guten Rechte ist, wenn er das 
Wort mit angustus zusammenstellt. Auch Stowasser i) und Breal- 

1) Latein.-Deutsches Schulwörterbuch. 



Die lateinischen Verba auf -ülare {-ilare) 233 

Baillyi) führen das fragliche Wort auf ango, angustus zurück. 
Persson, Beiträge zur Indogerm. Wortforsch. I S. 421 (420 Anm. 1) 
vermutet, daß eine Wurzelform ank- mit ang- wechselte. 

haiulo von baiulus; caculor von cacula (vielleicht ein Deminutiv, 
8. Walde S. 104). 

cernulo von cernulus; wie bekannt, gibt es auch ein anderes 
Wortpaar mit derselben Bedeutung: cernuus und cernuo, dessen 
Gebrauch gewöhnlicher und älter ist. Wahrscheinlich ist cernulus 
im Verhältnis zu cernulo primär und die Analogie von cernuus : 
cernuo ist also für die Bildung von cernulo bestimmend gewesen. 
Jedoch ist es mir zuwider cernulus als ein Deminutiv von cernuus 
zu fassen, wie v. Paucker, Die lat. Demin. auf eint -ulus etc. S. 5. 

cumulo von cumulus', epulor von epulae -um; 

famulor (-o) von famulus -a -um; figulo (figulatio) von figulus. 
figulus stammt zwar aus der gleichen Wurzel wie das Verb fingo 
(vgl. Sommer, Lat. Laut- und Formenlehre S. 200, Walde S. 293) 
aber man kann nicht deshalb behaupten, daß figulus eine verbale 
Bildung ist, wie z. B. hihulus (s. unten) weil der Verbalstamm im 
Lat. einen infigierten Nasal hat (vgl. oben regula, tegula). Dieselbe 
Wurzel wird sowohl für verbale als für nominale Ableitungen ge- 
braucht, vgl. figura. 

fistulor (-lo) von fistula; degulo von gula. Dieses Verb hat 
natürlich nichts mit dem Formans -(e)la zu schaffen, obgleich das 
Nomen gula zufälligerweise dieselbe Form hat (s. Walde S. 355); 
der Vollständigkeit halber sind indessen auch solche Verba herbei- 
gezogen. 

hariolor von hariolus; infulo (Gloss.) von infula; 

maculo von macula; oculo von oculus (apoculo Petron. 62; 67, 
hört nicht hierher. Siehe unten S. 235); 

papulo von papula; pustulo von pustula (s. Walde S. 626 f.); 

regulo -or von regula; 

simulo von simul similis. Es wird ja allgemein angenommen, 
daß similis (vgl. griech. ofxaXög) von der o-Deklination zur i- De- 
klination übergegangen ist. S. z. B. B rüg mann Grundr. 2 II 1 
S. 374. 

stimulo von Stimulus; stipulor von stipulus -a -um. S. Persson 
Beitr. etc. S. 712f. Beiläufig sei hier bemerkt, daß, wenn das Verb 
aus einem Adjektive gebildet ist, die Medialform die regelmäßige 
ist, vgl. aemulor, famulor, imbecillor. 

1) Dict. Et. Lat. 



234 Johan Samuelsson 

tegulo (s. A. L. L. VIII S. 387; vgl. integulatus) von tegula. 

titulo von titulus. Daß titulus ein Deminutiv sei, kann nicht 
für sicher gelten, s. Walde S. 782. 

tumulo von tumulus. 

Hier seien auch folgende Bildungen verglichen: 

caerulans von caerulus; commanipulatio von commanipulus. Wie 
bekannt findet sich auch eine eigentümliche Form (com)-maniculus, 
-culatio oder -manuculus sowohl auf Inschriften (s. W. Schulze, 
A. L. L. VIII S. 134 und Thesaurus) wie auch in Handschriften, 
vgl. Wölfflin, A. L. L. XII S. 20. Weiter setzen die romanischen 
Sprachen dieselbe Form voraus. Ob denn maniculus ein Deminutiv 
von manus ist? Das Geschlecht des Wortes scheint zwar nicht 
dafür zu sprechen, aber dergleichen Ausnahmen kommen doch vor, 
z. B. porticulus, vgl. v. Paucker, Zeitschr. f. Österr. Gymn. XXVII 
S. 6 11 f. Jedenfalls ist die übliche Zusammenstellung von mani- 
pulus mit simplus und duplus nicht befriedigend. Über amplus s. 
Persson, Beitr. etc. S. If.; über discipulus s. unten S. 241. 

merulator C. I. L. VI 13481, vermutlich ein Beiname, von 
merula (oder merum'?)', 

scripulator, scrupulaior (Gloss.) von scripulum, scrupulum; sim- 
pulator, simpulatrix (Fest.) von simpulum; singulator (= singularius) 
(s. A. L. L. VIII S. 386) von singulus. Vgl. weiter insulatus, men- 
tulatus, pusulatus, stragulatus, tutulatus. 

Es folgen hier einige vereinzelte Verba, die wohl als Denomi- 
native zu betrachten sind, deren Bildung aber entweder anders- 
artig oder nicht ganz klar ist. 

opitulor von opitulus. Wenn man auf diese Weise opitulor für 
ein denominatives Verb hält, kann man erklären, daß es in die 
Bahnen der «-Konjugation eingelenkt ist^). 

praesulor (Gradenwitz, Laterculi) von praesul. Daß prae- 
sulor (wohl spätlat., vgl. Wölfflin A. L. L. XII S. 5 ff.) ein de- 
nominatives Verb ist, ist offenbar. Obgleich das Nomen dritter 
Deklination ist, hat das Verb die Form der ä-Derivativen ange- 
nommen. Das Muster exsul exsulo ist bei der Bildung des Verbs 
wirksamer gewesen als consul consulo. 

populär (-o) von populus. Zu dieser alten Zusammenstellung 
hat man in letzter Zeit von neuem zurückgegriffen, s. Glotta III 



1) Persson Beitr. S. 633 sieht in opitulari eine zweisilbige Base -tela-. 
In solchem Falle wäre opitulus als sekundär zu fassen. 



Die lateinischen Verba auf -ulare {-ilare) 235 

S. 196f. Diese Etymologie ist jedoch nicht unverdächtig, sei es 
daß populor als „entvölkern" oder als „verheeren" gedeutet wird, 
aber das Gleiche gilt auch von anderen Erklärungen, s. z.B. Walde 
S. 599, Persson Beitr. S. 804. 

Schließlich führe ich hier Ableitungen von Lehnwörtern aus 
dem Griech. an, die im Latein, die Endung auf -ulus -a -um be- 
kamen. 

crapulor von crapula {■KgaiTtdltj) s. Walde S. 198; Stolz H. 
Gr. S. 180; paenulatus von paenula {cpaivolTjg) Stolz S. 180. 

oppessulatus von pessulus (TtdaaaXog) Stolz S. 180; Walde 
S. 579. 

scutulatus von scutula {o'/.vTd'kri), falls mit Niedermann, Ind. 
Anz. XIX 35 scutula im Sinne von ,, rhombusähnlicher Figur" nicht 
mit scutula'^) „flache Schüssel" und scutra, scutella (s. Walde 
S. 692) zusammenzustellen, sondern mit a'/.vTdXrj ,, Stock mit ver- 
dicktem Ende" vereinbar ist, was mir wenigstens möglich vorkommt. 
Oder ist scutulatus „karriert", ,, rautenförmig" im Grunde nur eine 
Bedeutungsentgleisung von ,, gegittert", virgatus, d, h. in zwei Rich- 
tungen gestreift, von scutula OKvidXr] (vgl. griech. GxvTalcoTog' 
gaßöcoTog Etym. Magn. 720) und von diesem scutulatus aus scutula 
im Sinne von „Raute" nach den quadratischen oder rhombischen 
Figuren des „opus scutulatum" sekundär entstanden? 

Aus dem Griech. stammt auch strangulo von OTQayyaXoü) 
(Walde S. 745) oder besser von atQayyalda) (mit Stolz, H. Gr. 
S. 180), das wirklich belegt ist. Hieher hört wohl auch apoculo 
(vgl. oben S. 233) von a/roxaAw (so Buch el er zu Friedländer, 
Cena Trim.; Stolz S. 8 von aTioAvluo [?]). 

H. Verba auf -ulare (-ri), die zwar mit Nominalstäininen zusammen- 
hängen, aber ein vermittelndes Nomen axif -ulus -a -um nicht haben 

Man kann natürlich nicht kategorisch behaupten, daß ein 
vermittelndes Nomen auf -ulus überhaupt niemals vorgekommen, 
nur daß es nicht in der Literatur erhalten ist. Es kann z. B. ein 
gratulus, wovon gratulor gebildet wurde, gegeben haben, obschon 
das Wort nachher ausgestorben ist. Aber es ist nicht vonnöten 
anzunehmen, daß jedes Verb auf -ülo denselben W^eg über ein 
Nomen auf -ulus gewandert ist. Das Sprachgefühl kann die En- 



1) Jedenfalls keine betreffs des Geschlechts unregelmäßige Deminutiv- 
bildung von scütum, wie v. Paucker a. a. 0. S. 614 glaubt. 



236 Johan Samuelsson 

düng -ulo als ein selbständiges Verbalsuffix aufgefaßt haben. Wenn 
man modus und modulor, nidus und nidulor oder ein iocor (locus) 
ioculor hatte, lag es nahe, das Zwischenglied zu überspringen 
und von einem grat- (gratus, grates, grator) aus ein gratulor zu 
bilden. 

focilo -or, foculo, refocilo, refoculo zu focus, s. Walde 
S. 302. Über den Wechsel zwischen i und u s. unten. Über die 
Formen focilo und focillo s. Funck A. L. L IV S. 226f. Aus 
Funcks Stellenverzeichnis erhellt, daß focilo die ältere Form ist, 
obschon Funck diesen Schluß nicht zieht. Nur Seneca') und 
spätere haben focillo, Varro (Non. 481), Festus (excerpt. Pauli S. 75, 
Lindsay; Funck schreibt zwar focillationes, aber die beste Über- 
lieferung und die Herausgeber Lindsay und Thewrewk de Ponor 
haben focilationes) , Sueton (Aug. 17; auch hier schreibt Funck 
focillatam, Roth und Ihm dagegen focilatam), Plinius und Fronto 
haben focilo. Betreffs der Form foculo führt Funck beiläufig nur 
die Nonius-Stelle (9 foculare = fovere) an. Aber dieselbe Form 
kommt noch in den Glossarien mehrmals vor: C. Gl. L. V 295, 49 
foculentur nutrientur; IV 278, 35 refoculat recreat; IV 560, 50; 
V 327, 50 refoculavisti recreasti. 

gratulor zu gratus, grator. Andere Deutungen scheinen mir 
zu wenig das Verb grator zu berücksichtigen, das ganz und gar 
denselben Sinn wie gratulor hat. Die älteste 2) Bedeutung von gra- 
tulor ist, wie mich bedünkt, „danken". Auch grator hat bisweilen 
denselben Sinn: Ovid. Fast. III 418; Liv. VII 13, 10. Daß grator ein 
dichterisches Wort war, bedeutet ja nur, daß die Dichter (Verg. 
Ovid.; Liv. Tac.) anstatt gratulor, welches Verb in der Gemein- 
sprache für das außer Gebrauch gekommene grator einen Ersatz 
gewährte, aber nicht gut in dem heroischen Verse verwendet werden 
konnte, ein altertümliches latein. Verb wieder ins Leben riefen. 

Das italienische gradire setzt ein vulgärlateinisches *gratio 
-ire voraus 3), und es findet sich in der Tat eine Glosse gratior 
gratias ago (s. Loewe, Prodromus S. 160); infolgedessen könnte 
man vielleicht erwägen, ob gratulor aus einem gratio(r) auf die- 
selbe Weise wie z. B. vagulo aus vagio (s. unten) hervorgegangen 
sei. Jedoch halte ich, besonders im Hinblick auf grator, für wahr- 
scheinlicher das Wort auf jene Weise zu erklären. 

1) Epist. 13, 14. Die Handschriften schwanken jedoch. 

2) Das Wort fehlt hei Plautus, aber kommt bei Naevius, Ennius, Te- 
rentius, Afranius vor; aber auch grator hat alte Ahnen: Accius, Pacuvius. 

3) Vgl. Körting, Lateinisch-Komanisches Wörterb. '^ S. 492. 



Die lateinischen Verba auf -üläre {-iläre) 237 

Daß gratulor nach der jetzt üblichen Erklärung aus *gratitulor 
nach Art von opitulor entstanden sei^), ist meines Erachtens we- 
niger glaublich, opitulor hat doch neben sich ein opitulus, das die 
ä-Konjugation des Verbes erklären kann; weiter ist die Entstehung 
von opitulus durchsichtig, da opem tuli (tulam, tulat) eine übliche 
Redensart war. gratias oder grates tuli, das übrigens „Dank ernten, 
davontragen" bedeutet, ist, so viel ich weiß, sehr ungewöhnlich 
(Liv. 22, 26, 4; 4, 12, 8), und gratias referre ist doch etwas ganz 
anderes. Endlich muß man mit einer unwahrscheinlichen Silben- 
reduktion gra(ti)tulor rechnen. Michael Pokrowskij, Kuhns 
Zeitschr. XXXV S. 249, mahnt zu Vorsicht bei der Annahme von 
Silbenverlust durch Dissimilation. Er führt Beispiele vor, wo das 
Latein drei nach einander folgende Silben, die mit t anfangen, geduldet 
hat. Und es fällt mir schwer einzusehen, warum nicht gratitulor 
sich hätte halten können ebensogut wie z. B. intituhanter, suhti- 
tubo und die Zusammensetzungen von titulo. Man vergleiche auch 
den Typus fortitudo, ingratitudo, wo die Silbe ti größere Gefahr 
lief vor der langen Silbe tu eingebüßt zu werden. 

Mit focilo(r) ist zu vergleichen: 

ventilo zu ventus. 

pullulo (re-; vgl. pullulasco) zu pullus; es gibt zwar ein pul- 
lulus, aber spät und selten. Vgl. gratulor. Die gleiche Bildung 
erscheint in gallulasco, neben welchem nicht einmal ein gallulus 
vorkommt. 

violo zu vis, s. Walde S. 840. Walde spricht von einem 
verbalen Suffixe l für violo. Dies ist natürlich dasselbe Formans, 
von welchem in den vorigen Gruppen die Rede gewesen ist. Als 
ein Zwischenglied kann man sich ein Adjektiv *violus oder ein 
deminutives Nomen *viola vorstellen. Die Schwierigkeit aber liegt 
darin, das Adjektiv violens befriedigend zu erklären. Daß die Lö- 
sung darauf beruhen sollte, daß das Verb zwischen der ersten und 
der zweiten Konjugation schwankte, wie Stolz, Lat. Gr.* S. 271 
(L V. Müllers Handbuch) sagt, leuchtet mir nicht ein 2). Man darf ja 
nicht diese Form violens (opulens, truculens; vgl. auch fraudulenter 
-entia, turbulenter, luculenter, temulenterj isoliert behandeln, sondern 
muß sie im Zusammenhang mit der speziell lateinischen Ableitung 



1) 8. Brugmann, Gr. ^ I 2 S. 861; Walde S. 352. 

2) Zwar deutet opulesco (vgl. opulens, opulentus) auf die zweite Kon- 
jugation hin, aber nur scheinbar. Es verhält sich ja bekanntlich so, daß 
-esco die überwiegende Inchoativbildung ist, die zu jedem beliebigen Stamme 
gebraucht wird, vgl. z. B. masculesco, iuvenculesco, ßstulesco, spumesco. 



238 Johan Samuelsson 

violentus, truculentus, opulentus sehen, Formen, die gewöhnlicher 
und wohl auch älter sind. Man könnte die Formen auf -lens ent- 
weder durch Synkopierung der Endsilbe (s. Lindsay-Nohl S. 209) 
oder besser durch Rückbildung aus den Komparativen und Super- 
lativen erklären. Über dieses Suffix -ulentus -olentus s. Stolz H. 
Gr. S. 539 f. Wenn auch wirklich einige der fraglichen Wörter, z. B. 
vinolentus und somnolentus oft (nicht immer) ein o anstelle von u 
haben und dieses o möglicherweise aus volksetymologischem Einfluß 
erklärt werden kann: sonmö-lentus (vgl. Lindsay-Nohl S. 220) 
oder von olere, z.B. vinolentus (vgl. Stolz Lat. Gr. * S. 64; Walde 
S. 840) — aber mustulentus und merulentus — so kann man 
natürlich nicht von dieser volksetymologischen Form bei der Er- 
klärung des fraglichen Suffixes ausgehen, wie S kutsch, Glotta II 
S. 242, Anm. 2 u. 3 mit Zustimmung zu Stowasse r. Dieses Suffix 
hat nämlich einen weiten Bereich und kann jedem beliebigen Nomen 
angehängt werden, z. B. turbulentus, lutulentus, truculentus, potu- 
lentus, ja sogar corpulentus, das wohl eine analogische Bildung ist. 
Das Formans -ulo- kann übrigens auch mit anderen Suffixen z. B. 
-ösus verbunden werden, vgl. formidulosus, fraudulosus etc., s. Stolz 
H. Gr. S. 538. 

postulo wird heutiges tags gewöhnlich als eine Bildung von 
einem Nomen auf -tlo erklärt, wo t nach s blieb (vgl. Brugmann 
Gr. 3 I 1 S. 531; II 1 S. 343; Lindsay-Nohl S. 206 postulo < 
poscitulo durch Synkope). Man vergleicht das oskische pestlüm 
(templum). Was dieses Verb *postlo ursprünglich bedeutet haben 
soll, ist mir nicht recht ersichtlich. Unter den Verba auf -culo 
wenigstens kommt kein gleichwertiges Beispiel vor, unter den Verba 
auf -bulo vielleicht stabulo von stabulum? Wegen der Bedeutung 
wäre es besser, es an das umbrische persclu precatione anzuknüpfen. 
Aber in diesem Falle müßte man eine besondere dialektische Ent- 
wicklung von dem Suffixe -tlo nach s im Umbr. annehmen. Man 
erklärt ja auch das umbrische Wort auf andere Weise: aus persc- 
und dem Formans -(eßo, vgl. Brugmann, Gr. 2 IIS. 531; 
v. Planta, Gramm. II S. 29. 

Es scheint mir nicht allzu gewagt zu sein postulo aus einem 
Supinum postum oder Partiz. Perf. postus von posco zu erklären. 
*porsc-tos oder *posctus kann ja nichts anderes ergeben haben als 
postus, vgl. pastus aus "^pasctus, s. Sommer, Lat. Laut- und Formen- 
lehre S. 268. Daß postus sich nicht erhalten konnte, ist nicht zu 
verwundern. Teils war die Zusammengehörigkeit mit posco un- 
deutlich, teils die Ähnlichkeit mit pos(i)tus aus pono unbequem. 



Die lateinischen Verba auf -üläre {-ilare) 239 

So wird der ursprüngliche Sinn des Wortes völlig klar, postulo 
hat ja im allgemeinen dieselbe Bedeutung wie posco, nur mit einer 
schwächern Nuance (bei Plautus oft = velle; vgl. Aul. 361 f., Trin. 
441; s. Non. 375), und das stimmt gut mit einem Verb auf -ulo 
überein. 

Daß eine solche Bildung auf -ulo aus einem Partiz. Perf. mög- 
lich ist, zeigt 

ustulo (ambustulatum, sem(i)-ustulatus, -ustulandus) von ustus. 
Außer ustulo gibt es auch ein Verb collutulo (aus lütum, lütare), 
das bei Non. 84 und C. Gl. L. V 639, 1 vorkommt: coUutulet de- 
decoret, vgl. conlutulento Plaut. Trin. 693. S. jedoch Thesaurus. 

Das nominale Formans -ulo- -ula wird auch sonst dem pas- 
siven Partizip hinzugefügt. Man vergleiche tortula (contortulus), 
fixulae (Festus), clausula, Lautulae, Partula, Salsulae, secutuleius, 
anteventulus (Adjektiv, Apulej.), um nicht gewöhnliche Deminutive 
zu nennen wie cautulus, comptulus, limatulus, ornatulus, paratulus, 
pressulus, promptulus, scriptula (Ovid.), semiadopertulus, unctulus. 
Vgl. auch die noch üblicheren Adjektiva mit -^«-Suffix, z. B. coctilis, 
fissilis, flexilis, s. Lindsay-Nohl S. 379. 

Zuweilen tritt die Endung -culo (vgl. das Deminutivsuffix -culus) 
an das passive Partiz. Perf. 

fissiculo zu fissus; missiculo (Plaut.) zu missus; pensiculo (Gell.) 
zu pensus. 

Betreffend das letzterwähnte Verb könnte man vermuten, daß 
es eine Deminutivbilduug aus pensare ist, vgl. pandiculor oben 
S. 228. Stolz H. Gr. S. 596 erklärt, jedoch zweifelnd, diese 
Verba als Denominative, z. B. fissiculo aus einem *fissiculum aus 
fissum, was mir nicht begründet scheint. 

Hieher gehören einige latein. Verba auf -ulare (-ilare), die 
Laute, besonders tierische, ausdrücken. 

buhulo bubilo vgl. huho (s. Walde S. 99) vielleicht mit hubulus 
zusammengehörig, s. Persson Beitr. S. 38 f. Die Form huhilo 
scheint besser bezeugt zu sein. Riese (Anthol. Lat. 762, 37) 
schreibt bubilaf, aber eine Handschrift hat bubulat. Vgl. ital. btib- 
bolare, s. Meyer-Lübke Romanisches etymologisches Wörterbuch 
S. 99. 

paupulo vgl. pavo, s. Walde S. 567. Anthol. Lat. 762, 26 
kommt eine Nebenform pulpulat oder eher pupulat vor. 

ululo vgl. ulula, s. Walde S. 849. 

eiulo -or vgl. (h)ei, s. Walde S. 251. 



240 Job an Samuelsson 

vitulor, s. Persson Beitr. S. 348, Walde S. 845. Ob Vitula 
eine Rückbildung ist, ist unsicher, ebenso ob das Verb vi-tulari 
abzuteilen ist, wie Walde und Persson vermuten. 

vapulo s. Persson Beitr. S. 493f. 

Man vergleiche auch Suet. fragm. 251 : ciconiarum est crotolare 
(oder grottolare). 

Über andere, aus Verben gebildete, onomatopoetische Verba 
siehe unten. 

m. Verba &m£ -ulo aus Verbalstämmen 

A. Als Zwischenglied gibt es ein Verbalnomen auf -ulus -a -um. 
Ob das Formans, das dem Verbalstamme hinzugelegt wird, ur- 
sprünglich -elo-, -ulo-j -lo- usw. lautete, läßt sich nicht immer sagen. 
Vgl. V.Planta II S. 22f.; Stolz H. Gr. S. 506; Brugmann Gr. » 
I 1 S. 602. Für die meisten Fälle ist man geneigt anzunehmen, 
daß -ulo- auf ein -elo- zurückgeht. 

Was die Bedeutung dieser Verbalnomina betrifft, möge daran 
erinnert werden, daß sie gewöhnlich als Adjektiva oder Participia Praes. 
gebraucht werden. Aus dieser Grundbedeutung kann erklärt werden, 
daß sie als nomina agentis und nomina instrumenti vorkommen. 
Brugmann (Gr. ^ II 1 S. 373f.) scheint zu meinen, daß das Primär- 
formans -lo- ursprünglich in allen diesen Funktionen gebraucht 
worden ist. Es kommt mir jedoch vor, als ob keine Schwierigkeit 
darin läge von einer einheitlichen adjektivischen oder partizipiellen 
Bedeutung dieser Verbalnomina auszugehen. So ist capulus „An- 
fasser" = „wer faßt", vinculum = ,,was bindet", coculum = 
„Kocher" usw. durchaus wie legulus = legens, pendulus usw. Ich 
habe daher unten Verba zusammengestellt, ohne Rücksicht darauf, 
ob sie ein Substantiv auf -ulus -a -um oder ein Adjektiv mit den- 
selben Endungen neben sich haben. 

Ich sehe den Einwand voraus, daß kein prinzipieller Unter- 
schied zwischen einem solchen Verb wie stahulo aus stahulum, peri- 
culor aus periculum einerseits und vinculo aus vinculum oder copulo 
aus copula andererseits festzustellen ist und daß diese Verba wie jene 
denominativ sind. Aber es ist doch nicht zu leugnen, daß die 
Nomina auf -hulum und -culum eine festere und mehr fixierte sub- 
stantivische Funktion haben. 

Ferner möchte ich betreffs der Bedeutung dieser Adjektiva 
oder Partizipia bemerken, daß sie gewöhnlich aktiv ist wie garrulus, 
capulus, aber bisweilen passiv wie iaculus, reiculus. Vgl. Persson 
De orig. ac vi gerundii etc. S. 86f., M. Pokrowskij A. L. L. XI 



Die lateinischen Verba auf -uläre {-tläre) 241 

S. 357. Die Adjektiva auf -ilis dagegen haben öfter passiven Sinn, 
z. B. agilis, missilis, jedoch nicht immer, vgl. pensilis, vigil (so in 
der Regel, aber Justin XII 13, 7 pervigilem noctem = „durchwachte 
Nacht"). 

capulo „einfangen" aus capulum ,, Fangseil" aus capio. 

capulo „abziehen" aus capula „Schale" (vgl, Walde S. 126f.) 
aus capio (so Varro und Festus). Vgl. capulator. 

Das dritte Verb capulo mit der Zusammensetzung concipüo 
,, zerhauen" wird nicht zu capio, sondern zu anderen Verbalstämmen 
gestellt, s. Walde S. 127 und Persson ßeitr. S. 940. Was concipüo 
betrifft, ist die Annahme nicht ganz widerspruchsfrei. Denn die 
Übersetzung bei Festus (Paul. exe. 54 Lindsay): concipilavisti 
dictum a Naevio pro corripuisti et involasti paßt besser zu capio-, 
vgl. auch C. Gl. L. V 182, 31 conciplet corripiat; auch bei Apuleius 
wird das Verb in demselben Sinne gebraucht, vgl. v. d. Vliet A. 
L. L. IX S. 461 f. und Thesaurus. Ich möchte daher vermuten, 
daß in concipilo zwei verschiedene Verba stecken, von welchem das 
eine aus capio herzuleiten ist. 

Dieses ^o-Formans wird sehr allgemein mit dem Verbalstamme 
cap- verbunden. Vgl. capulus „Griff"; decipula, decipulum ,, Schlinge" 
aus decipio; excipula, excipulum ,, Behälter" (auch „Jagdspieß") aus 
excipio. Bekanntlich hat Stowasser (A. L. L. V S. 289) das eigen- 
artige discipulus aus einem *discipio (vgl. discepto) herzuleiten ver- 
sucht; discipulus sollte also „der Löser einer Aufgabe" bedeuten 
im Gegensatz zu dem Lehrer, der die Aufgabe stellt. Diese Ety- 
mologie wird von P. Kretschmer u. a. gutgeheißen, s. Einleitung 
in die Altertumswissenschaft I S. 220. Auch Walde S. 234 billigt 
sie mit irgend einer Modifikation von der Bedeutung des * discipio. 
Freilich ist * discipio nicht erhalten, aber das hat wenig zu sagen, 
da es für discepto disceptator usw. vorausgesetzt werden muß. 
Funck A. L. L. VII S. 488 macht indessen auf ein disceptim auf- 
merksam. Gewiß geht es nicht an, diese Etymologie mit dem 
Einwände (wie Breal A. L. L. V S. 579) abzulehnen, daß ein 
analoges concipulus, percipulus fehlt. Andere Deutungen sind lange 
nicht so ansprechend. Es scheint auch nach den Glossen discipu- 
lati edocti zu urteilen ein Verb discipulo vorgekommen zu sein. 

Weiter muscipula -ulum (Lucil.) „Mäusefalle" ,, Falle", vgl. 
muscipulator . Eine Glosse miscipulat (= muscipulat) TtoTtTivtei 
C. Gl. L. II 129, 59 scheint ein Verb muscipulo zu bedingen. Das 
Wort ist, so viel ich weiß, unaufgeklärt. Es wird wahrscheinlich 
„pfeifen" „Mäuse locken" bedeuten. Das griech. TtoTtTtvtoi be- 

Glotta VI, 3. 16 



242 Johan Samuelsson 

deutet ja auch „auf der Pfeife spielen". Man möchte an den Ratten- 
fänger von Hameln denken. Aristophanes Plut. 732 wird rtOTt- 
TCv'Qw von Aesculapius gebraucht: «I^' 6 i^sog snoTtTtvoev h^rj^ccTriv 
ovv ovo SgaMvi ex tov vsco . . . Der Scholiast (s. Rutherford) 
erklärt die Stelle so: STVOfC/tvaev ' iavQi^sv %va ol dqä'MVTEii l^eX- 

&0)OLV. 

copulo von copula aus *coapio; 

diluculat vgl. düuculum {YloMi.) aus diluceo (s. BrealetBailly 
Dict.). Man vergleiche außerdem luculentus (eher zu luceo als zu 
lux zu stellen) und illuculasco^ düuculasco. 

garrulo zu garrulus aus garrio. garrulo ist freilich selten, 
jedoch im Spätlat. gewöhnlich. S. Du Gange Glossarium mediae 
et infim. Lat. Im Vulgärlat. wird es üblich gewesen sein, denn 
es wird für das spanische garlar als Grundwort vorausgesetzt, 
vgl. Gröber A. L. L. II S. 433; W. Meyer-Lübke Roman. Etym. 
Wörterb. S. 276. 

iaculor vgl. iaculum aus iacio. iaculum scheint auch als Ad- 
jektiv vorzukommen Plaut. Truc. 35 rete iaculum „Wurfnetz". Ent- 
schieden passiven Sinn hat auch das Kompositum reiculus s. oben 
S. 240. Vgl, weiter amiculatus aus amiculum, amicio. 

pipilo vgl. pipulum oder -lus zu pipio, s. Walde S. 586. 

torculo vgl. torculum aus torqueo. Es findet sich auch ein 
Adjektiv torculus -a -um. Man darf daher mit Recht die Verba 
von dem Typus stabulo und periculor und z. B. ein torculo oder 
iaculor auseinanderhalten, denn die entsprechenden Nomina dieses 
Typus scheinen verhältnismäßig spät substantivierte Adjektive oder 
Verbalnomina zu sein, s. oben S. 240. 

vinculo aus vinculum vgl. vincio. Man vergleiche auch vigilo 
aus vigil^ zu vigeo. 

B. Ohne vermittelndes Verbalnomen. Es gibt auch Verba auf 
-ulare (-ilare), die im deutlichsten Zusammenhange mit Verbal- 
wurzeln stehen, ohne ein vermittelndes Adjektiv oder Nomen auf 
-ulus -a -um neben sich zu haben. Dies ist nicht so zu verstehen, 
daß derartige Nomina auf -ulus überhaupt nicht vorgekommen sind, 
obschon sie in der Literatur fehlen, und es ist andernteils klar, 
daß wenn man z. B. ein iaculor an der Seite von iacio hatte, man 
leicht -(u)lo als eine Erweiterung des Verbalstammes von derselben 
Art wie das indoeurop. Verbalsuffix -sko oder wie speziell lateinische 
Verbalsuffixe wie -urio, -urrio, -cinor usw. betrachtete. Man konnte 
es um so leichter tun, als die Komposita von iaculofr) z. B. eiaculo -or 
nichts anderes als iacio bedeuteten. Wie oben S. 239 bemerkt 



Die lateinischen Verba auf -ülare {-ilare) 243 

wurde, ist auch die Endung -culo (pandiculor, fissiculo usw.) als 
Verbalsuffix gebraucht worden. Man konnte also nach der Analogie 
von iacio iaculor aus einem specio ein speculor bilden. 

Besonders beachtenswert ist, daß diese Bildung im Vulgärlat. 
sehr beliebt gewesen zu sein scheint, nach den vielen romanischen 
Verben (ital. -olare) zu urteilen, die auf ein vulgärlateinisches 
Präsens *-ulo zurückgehen, das seinerseits von den Romanisten als 
ein Deminutiv aus anderen Verben betrachtet wird. 

Im Folgenden sind vulgärlateinische Verba auf -ulare zusammen- 
gestellt, aus welchen die Romanisten Verba und andere Wörter 
in den romanischen Sprachen herleiten. Dabei habe ich solche 
Verba nicht mitgezählt, die in der Literatur wirklich vorkommen 
und also schon oben behandelt worden oder nachher zu behandeln 
sind. Das nachstehende Verzeichnis ist hauptsächlich mit Hülfe 
des Wörterbuches von Meyer-Lübke (Romauisches-Etymologisches 
Wörterbuch) und, wo wir dieses noch vermissen, Körting, La- 
teinisch-Romanisches Wörterbuch, dritte Aufl., gemacht. 

*assulo aus asso; *bragulo aus *bragere, das irgendwie von 
lat. ragire oder rager e (Isid. diff. I 607 asinus ragit vel rudit) ab- 
zuhängen scheint, vgl. Meyer-Lübke S. 91. Aus ragire kommt 
auch *ragulo, ital. rag(g)liare, s. Körting S. 801. 

*concavulo aus concavo K(örting); scavitolare aus *cavito; 

*crepulo (vgl. crepulus) aus crepo, ital. screpolare; *excubulo 
aus cuho\ 

*excutulo aus excutio; *exsicculo aus exsicco; *exundulo aus 
exundo, IL; 

*fodiculo aus fodico; fodiculo würde demgemäß zwei Verbal- 
suffixe haben; 

*frictulo aus *frictOj K. oder vielleicht aus frictus, siehe unten ; 
misculo aus misceo; 

*nictulo aus nicto (-ere); smoccolare aus *mucculo aus *muc- 
care (muccus); 

*pendiculo aus *pendico (pendeoj; *rodiculo aus *rodico 
(rodo) K.; 

*radulo aus radula (rado)\ *submiculo aus mico; *ringulo 
aus ringo -or; 

*rugulo aus rugio; *seculo aus seco; *instigulo aus instigo, K.; 

*triculo aus tricor -o; *tritulo aus *trito, K.; *turbulo aus 
turbo, K.; 

*volutulo oder *voltulo aus voluto, K. 

Was frictulo und tritulo angeht, können sie natürlich aus 

16* 



244 Johan Samuelssoll 

frictus und tritus entstanden sein. Vgl. die latein. Verba postulo 
und ustulOf s. oben S. 238 f. Das Gleiche gilt von *incisulo (M.- 
Lübke S. 318). In den Fällen, wo ein Frequentativum oder Itera- 
tivum bezeugt ist, wird es sich wohl als richtiger empfehlen von 
diesen auszugehen, wie bei *volutulo und hinnitulo M. L. S. 305. 

Die denominativen Verba auf -ulo z. B. von dem Type gocciolo 
aus gocciola aus goccia (gutta) habe ich nicht mitgerechnet. Zu 
erwähnen ist ferner noch, daß das lat. capulo „einfangen" (s. oben 
S. 241) aus capulum ein Gegenstück in *excapulo „befreien", ital. 
scapolare hat (Meyer-Lübke S. 130 und 225). 

Verba wie *fluctulo *vagulo (K. S. 131) *vastulo (K. S. 147) 
können Denominative sein, obschon sie ebensogut wie die oben auf- 
geführten als deverbale „Deminutiva" betrachtet werden können. 

*ausulo leitet Meyer-Lübke S. 53 aus osk. *awsis „Ohr" ab. 
Man könnte vielleicht an den Konsonantstamm aus- (auscuUo) 
denken, falls in diesem Kompositum der erste Bestandteil in einem 
späteren Stadium vernehmlich gewesen ist. Jedenfalls aber wäre 
die Verbbildung ausulo kühn und seltsam. 

Die oben S. 239 genannten Verba missiculo usw. haben auch 
im Vulgärlatein entsprechende Formen: 

*apticulo zu aptus; *intorticulo zu intortus; * intrusiculo zu 
*intrusus (Meyer-Lübke scheint zu glauben, daß intrudo in der 
lat. Literatur bezeugt ist). 

Aber auch der vereinzelte Typus des lat. pandiculor (s. oben 
S. 228) wird im Vulgärlat. wiedergefunden: *appariculo aus apparo 
(M. L. S. 36). Körting S. 82 leitet es aus *pariculus von par her, 
„gleichartige Dinge ordnen". Aber der Sinn „herrichten" spricht 
unzweideutig für die Meyer-Lübkesche Meinung. Weiter 

*dormiculo zu dormio; *nidiculo ist schwierig zu erklären, 
weil das lat. Verb nidulor lautet. Entweder ist es direkt aus nidus 
— was übrigens auch von nidulor gilt — oder vielleicht aus einem 
*nidico (s. M. L. S. 437), vgl. lat. nidicus, gebildet. Weiter *ha- 
taculare zu hatare, M. L. S. 68 f. 

Besonders das Italienische hat eine Menge von Verbbildungen 
auf -olare, die teils auf vulgärlateinische Verba mit der Endung 
-ulo zurückgehen, teils Neubildungen nach dem Muster von diesen 
sind. Zu jener Gruppe gehören z. B. avvinchiare aus vinculo (s. 
oben S. 242) (divincolare ist wohl ein späteres Lehnwort) ; strillare 
aus *stridulo von strido; pigolare aus pipilo; ferner Bildungen aus 
passivem Partiz. z. B. * hrustolare aus comhustus (s. Körting S. 290; 
Diez erklärt es aus perustus), oder vielleicht besser aus atnbustus, 



Die lateinischen Verba auf -üläre {-ihre) 245 

weil ambustulatus schon im Latein vorkommt, s. oben S. 239; 
spenxolare (K. S. 401) aus *expensulo; tosolare aus tonsus. 

Von der letzteren Art sind die vielen italienischen Verba auf 
-olare, die einen Laut bezeichnen, z. B. chioccolare, cigolare aus 
*cigare, gongolare, miagolare, scricchiolare neben scricchiare, 
piangolare neben piangere. Man vergleiche auch andere Verb- 
dubletten auf -olare: -are (-ere) wie imbrodolare : imbrodare , rin- 
focolare : rinfocare, screpolare : crepare, pungolare : pungere, vago- 
lare : vagare, ja sogar von Verba germanischen Ursprungs z. B. 
trottolare : trottare. 

Auch im Latein erscheinen solche Verbdubletten, die als Muster 
gedient haben können, z. B. iocari : ioculari (oben S. 231), gratari : 
gratulari (oben S. 236), lutare : collutulare (S. 239), infricare : in- 
friculare (unten S. 246). 

Es ist klar, daß -olare ein sehr produktives Verbalsuffix ge- 
wesen ist; einigermaßen mag — wie im Latein — die Analogie 
der nominalen Deminutivbildung zu dieser Neubildung mit bei- 
getragen haben. Die Romanisten halten demgemäß auch diese 
Verba für Deminutiva, vgl. Meyer-Lübke, Grammaire des langues 
Romanes II §584. Meyer-Lübke gibt einige Beispiele von Verb- 
bildungen auf -ulare und hebt hervor, daß nur im Italienischen 
und Rumänischen Neubildungen vorkommen. In den übrigen 
Sprachen gehen alle Verba auf -ulare auf vulgärlateinische Formen 
zurück. 

Daß dieses vulgärlateinische Verbalsuffix seinen Ursprung und 
sein Vorbild im älteren Latein hatte, kann man ja a priori mut- 
maßen. Viele sichere Beispiele gibt es allerdings nicht, aber auch 
wenn sie vollständig fehlten, wäre es schwierig die Möglichkeit 
ihrer Existenz zu leugnen, da es so viele Verba auf -ulo gibt, die 
vermittelst eines Nomen auf -ulus im Zusammenhang mit Verbal- 
stämmen stehen (s. oben III A) und obendrein nominale Bildungen 
auf -ulus -a -um aus Verba — besonders aus den auf -eo und -io 
— so häufig vorkommen, wie unten gezeigt werden wird. 

Festus (Lindsay S. 262 und 514) zitiert aus den Gesetzen 
der zwölf Tafeln: vagulatio^) in XII significat quaestio cum con- 
vicio. „Cui testimonium defuerit, is tertiis diebus obvagulatum itoJ' 
Also haben wir ein obvagulo neben obvagio, ein vagulatio aus *va- 
gulo aus vagio. vagio bedeutet nämlich nicht nur „quäken", 
„wimmern" sondern auch „laut schreien", vgl. Ennius Ann. 386 
(Baehrens) clamor . . . per aethera vagit. 

1) Vgl. Mommsen, Köm. Strafrecht S. 991 Anm. 2. 



246 Johan Samuelsson 

speculor : specio. Im allgemeinen (z. B. von Stowasse r) wird 
ja angenommen, :daß speculor ein denominatives Verb von specula 
„Anhöhe zum Spähen", „Warte" sei. Möglich ist allerdings, daß ein 
Adjektiv speculus -a -um existiert hat, von welchem das Femininum 
specula und das Neutrum speculum substantiviert worden, und daß 
speculor aus diesem Adjektiv stammt. Jedoch dünkt es mich besser 
zu sein, speculor als eine unmittelbare Ableitung aus dem alter- 
tümlichen und außer Grebrauch gekommenen specio zu betrachten. 
Die Bedeutungen der fraghchen Verba gehen nicht so weit aus- 
einander — speculor bedeutet ja oft video, observo, attendo, und so 
wird CS auch in den Glossarien umschrieben — und es ist wohl 
außerdem wahrscheinlich, daß auch specio den Sinn „spähen" ur- 
sprünglich gehabt hat, vgl. Walde S. 729. 

*peUiculo : pellicio, vgl. Festus (Lindsay S. 280) pelliculationem 
Cato a pelliciendo, quod est inducendo. Ohnedies findet sich eine 
Glosse (V 567, 12) depelliculari decipere, dictum a pelliciendo. Und 
möglich ist, daß diese Herleitung richtig ist, denn decipere und 
inducere sind die gewöhnlichen Umschreibungen für lacio, vgl. Festus 
S. 25; 103; 104 1). Da lacio ungebräuchlich und wohl auch un- 
bekannt war, wurde pellicio als ein einfaches Verb angesehen und 
erhielt die Präposition de analogisch nach depeculor, depilor und 
anderen gleichlautenden Verba ähnlicher Bedeutung. 

infriculo : infrico Pelag. art. vet. 467. Die Handschriften haben 
infrigolato, aber Ihm schreibt infriculato, s. Ihms Commentarius 
zu dieser Stelle. Georges und Forcellini schreiben infricolato. 

mergulo : mergo. Gloss. mersus mergulatus, s. Loewe Prodrom. 
S. 410. 

obrepilatio : ohrepo, vgl. Thielmann A. L. L. I 72. 

vertilahundus : verto, s. Walde S. 824, nicht mit Stolz H. Gr. 
S. 393 verti-labundus abzuteilen. 

petulans : peto (?), s. Walde S. 580. 

sorhilo : sorbeo vgl. das Adverbium sorbilo. Über die Form 
sorbillo s. oben S. 226. 



1) Thurneysen (Thesaurus) vermutet zu depelliculari: an a pellicula? 
was mir nicht glaubhaft scheint. Nebenbei sei bemerkt, daß pellicula = 
scortum nach Varro de lingua Lat. VII 84 gewöhnlich als eine metonymische 
Verwendung von pellicula, dem Deminutiv von pellis, betrachtet wird, s. 
Georges, Körting, Lat. -Eom. "Wörterbuch " S. 734, vgl. auch A. L. L. VI 
S. 281. Trotz Varro und der Analogie von scortum ist wohl pellicula nichts 
anderes als eine Deminutivbildung von pelex, das ja auch pellex geschi'ieben 
wird. Vgl. corticulus, forßcula, lodicula, nutricula, radicula usw. 



Die lateinischen Verba auf -ülare {-ilare) 247 

ohstrigilo : strigo. Wird auch obstrigillo geschrieben, vgl. 
Funck A. L. L. IV S. 228, Persson Beitr. S. 458f. 

stritilo : strito s. Fuuck A. L. L. IV S. 243. Goetz und 
Schoell lesen jedoch Varro de 1. lat. VII 65 strettillando. 

Hierzu kommen einige Verba, die Laute bezeichnen. 

hombilo : bombio; cantilo : canto (vgl. oben S. 226); vgl. auch 
cantula Namen eines Vogels i). 

mugilo : mugio. Anthol. Lat. 762, 53 wird zwar mügilat in 
einem Heptameter (!) gemessen, aber in diesem Gedichte kommen 
viele andere metrische Verkehrtheiten vor wie cucüli cucülant, vä- 
giunt. Die romanischen Sprachen setzen ein mügilo voraus, vgl. 
Körting S. 671; Meyer-Lübke S. 422; Gröber A. L. L. IV 
S. 123; VI S. 395. Du Gange Gloss. führt ein mugulo im Sinne 
„murmeln" an. Vgl. ital. mugolare. 

Hierzu kommt noch das Schallwort zinzilare Anth. Lat. 733, 9, vgl. 
Suet. fragm. 252 merulorum .... zinziare. Anth. Lat. 762, 44 kommt in 
den Handschriften ein zinzizulare oder (wie Riese nach einer Handschrift 
schreibt) zinzilulare vor, eine Form, die von Körting Etym. Eom. Wörterb.^ 
S. 1044 gebilligt wird. Es wäre also hier zuerst eine Bildung auf -il- und 
noch obendrein eine auf -ul- zu konstatieren. 

Jedoch scheint es mir fraglich, ob nicht zinzitulare zu schreiben ist. 
Es gibt ja auch ein Verbum zinzitare Anth. Lat. 762, 13 und t wird leicht 
mit s vertauscht, vgl. Anth. Lat. 733, 9, wo die Handschriften sowohl zin- 
zilat als tintilat haben. Also 

zinzilare : zinziare; 

zinzitulare : zinzitare. 

Verba auf -ilo und das Sehwanken zvsdschen il und ul 

In der obigen Darstellung habe ich untereinander Verba auf 
-ulo und -ilo aufgeführt. Sie genau auseinander zu halten dürfte 
ebenso unrichtig als unmöglich sein. Wie man dieses Schwanken 
erklären soll, ist nicht leicht zu entscheiden. Am nächsten liegt 
wohl auf den bekannten Wechsel zwischen i und u vor Labialen, 
z. B. optimus optumus, hinzuweisen, wo man ja annimmt, daß die 
schwankende Schreibung darauf beruht, daß der fragliche Vokal 
als ein Mittellaut zwischen i und u ausgesprochen wurde. S. 
z.B. Lindsay-Nohl S. 26f.; Sommer S. 119. Nach dem Zeugnis 
der lateinischen Grammatiker vertritt die dumpfvokalische Form u 
eine ältere und bäurische Aussprache. Seelmann (Aussprache des 



1) frigulo : frigo , das bei Forcellini verzeichnet und von Walde 
S. 317 behandelt wird, ist schlecht bezeugt. Anthol. Lat. 762 v. 28 wird 
nunmehr mit Stütze der Handschriften fringulit et graculus gelesen. 



248 Johan Samuelssoll 

Lat. S. 206) scheint diese beiden Erscheinungen gleichzustellen, 
denn er führt auch Schreibungen mit u vor l z. B. vigules, vigul 
an. Außerdem nennt er auch als Beispiele dieses Schwankens 
Schreibungen wie versuculos, cornucularius, cubuclari. In dem letzten 
Worte kann wohl u vor c nicht ursprünglich sein. W. Schulze 
A. L. L. VIII S. 134 stellt sich zweifelnd gegenüber dieser An- 
nahme wegen Transskriptionen auf griech. Inschriften, wie z, B. 
oicyovlcov. Wie dem auch sei, so findet sich in der Tat sehr oft 
ein Wechsel zwischen ü und ul. 

Die Anzahl der lat. Verba auf -ilo ist sehr gering. Außer den 
oben unter Verba auf -ulo behandelten sind zuerst einige Denomi- 
nativa zu erwähnen. 

mutilo aus 7nutilus, s. Walde S. 505; nuhilo aus nubilus; 
rutilo aus rutilus; humilo (spätlat.) aus humilis; pugilor aus pugil-, 
iubilo aus iubilum; sibilo (sifilo) aus sibilum. Vgl. auch costüatus 
aus costula (?). Über cottilator s. Landgraf A. L. L. IX S. 363. 

Weiter einige Nicht-Denominativa, die Laute bezeichnen, vgl. 
oben S. 239 und 247 i). 

faccilo. Dieses Verb wird von Stimmen der Vögel (Drosseln) 
gebraucht Sueton. fr. p. 253 turdorum trucilare vel faccilare (var. 
lect. f aciliare, soccitare); Anth. Lat. 733, 10 faccilat hinc volitans 
turdus (var. lect. facilat, faxillat). Man kann in Frage stellen, ob 
nicht auch Festus 508 faccilantem zu schreiben ist. Die Stelle 
lautet: Voisgram avem quae se vellit augures . . . eandem fucillantem 
appellant. So lesen die Herausgeber. Über die Herleitung und Be- 
deutung des fucillantem weiß man gar nichts, vgl. Funck A. L. L. 
IV S. 242. Indessen hat das beste Apographon U (Lindsay) 
fucilantem und ein anderes X facillantem. 

iugilo vgl. iugit', trittilo vgl. trisso, s. Walde S. 793; trucilo 
(s. oben) und schließlich das vereinzelte schwerverständliche testilor 
(= testiculor) Festus, Paul. exe. 503. Ist es aus einem *testilus 
herzuleiten oder hat Festus testiclari statt Paul, testilari gehabt? 
Die Stelle ist übrigens nicht ganz sicher. Eine Handschriftfamilie 
hat die Formen testilari, testulari, tessulari, die andere tescilari. 
Das Wort findet sich nur hier. Beachtenswert ist das Schwanken 
zwischen testilari und testulari. 



1) Bemerkenswert ist, daß viele Tierlaute durch Verba auf -ilo und 
-ulo ausgedrückt werden. Vgl. Funck A. L. L. IV 83 und Hey XI 269 f., 
der unter vielen Intensiva und Frequentativa mugilare und bombilare erwähnt. 



Die lateinischen Verba auf -ülare {-iläre) 249 

-il und -ul variieren in folgenden "Verba: 

focilo -or : foculo; refocilo : refoculo. Gloss. refocilat recreat, 
refoculat recreat, s. oben S. 236. 

concipilo : concipulo : capulo, s. oben S. 241. 

bubilo : bubulo s. oben S. 239 ; mugilo : mugulo. Die letzte Form 
kommt im Spätlat. vor und wird außerdem für die romanischen 
Sprachen vorausgesetzt, s. oben S. 247. Körting S. 671 und 
Meyer-Lübke S. 422 setzen für sard. »»it«7are om mugilo und für 
ital. mugolare ein mugulo an, 

similo und simulo besonders in Komposita, z. B. adsimulo. 
Daneben scheint in späterer Zeit ein aus similis abgeleitetes similo 
„ähnlich sein" mit fixiertem il vorzukommen. 

destrigilo (distr-) vgl. strigula = strigilis. S. Funck A. L. L. 
VIII S. 375. Den einzigen Beleg für dieses Verb gewährt eine 
Glosse C. Gl. L. III 446, 29; 477, 26 distrigila me TtEqi^voov f.ie. 
Goetz schreibt distrigula. Und für ital. stregliare wird ein vul- 
gärlat. *strigulo oder strigula vorausgesetzt, s. Körting S. 922. 

ustulo aber auch ustilo, vgl. oben S. 239. 

ventilo s. oben S. 237. Das Italienische hat sowohl ventilare als 
ventolare. Du Gange (Gloss.) zitiert ein ventolium „locus ubi 
ventilatur frumentum". Vgl. Körting S. 1007. 

vigilo, vigilis aber auch vigul, vigules; die Schreibung -ul- 
kommt sowohl auf Inschriften wie in Handschriften vor, z. B. vi- 
gulante Plaut. Poen. 322. Ferner ist zu bemerken 

cantilo im Vergleich mit cantula s. oben S. 247. cantilo ist 
zwar spätlateinisch, aber vgl. cantilena. 

iugilo aus iugo oder iugio? Festus (Paul. exe. Linds. S. 92): 
iugere mihi dicuntur cum vocem emittunt, weiter einige Glossen, 
z.B. Seal. V 602, 10: iugit milvus cum vocem emittit; Anthol. Lat. 
733, 11 dum milvus iugilat (eine Handschrift iugulat). 

pipilo und pipulum s. oben S. 242, ital. pigolare Körting S. 751. 

sibilo, sibilum und subulo etrusk. = tibicen, s. Walde S. 751. 

Auch in einem anderen Worte und zwar fremden Ursprungs 
ergastulus variiert die Schreibung in den Handschriften. Früher las 
man ergastulus z. B. Georges (Handwörterbuch^), Weise, Die 
griech. Wörter im Latein. In der achten Auflage von Georges' 
Handwörterbuch wird jetzt ergastilus gelesen, wie von Marx Lucil. 
503. Lindsay dagegen schreibt ergastylus in seiner Nonius-Ausgabe 
447, 8. Die Handschriften zur Nonius-Stelle, aus welcher das 
Lucilius-Fragment stammt, haben auch -el- und -il-. Es kommt mir 



250 Johan Samuelsson 

jedoch bedenklich vor, ein so altes Lehnwort, das ein lateinisches 
Suffix bekommen hat, mit y zu schreiben i). 

Ferner sind zu vergleichen equila und equula, s. Stolz H. Gr. 
S. 179 f.; muculentus und mucilentus. Zu den Adjektiva 2iMi -ulentus 
(s. oben S. 237 f.) findet "sich nämlich ein Gegenstück in einigen 
Adjektiva auf -ilentus, außer mucilentus: gracilentus, pestilentus 
(vgl. testilor?), macilentus, lotilentus, aquilentus (aqua), sangiiilentus 
und Nebenformen gracüens, pestilens, vgl. oben über truculens usw., 
ja sogar ein gracilans, das auf ein gracilo aus gracilus (gracilis) 
zurückgehen kann. 

Weiter immusilus und immusulus, Namen eines Vogels. 

petilus und petulus. Daß das Wort kurzes i hat, ist klar 
durch das Schwanken zwischen i und u und geht übrigens aus der 
Skandierung der Nonius- Verse hervor. S. P. Persson Indog. Forsch. 
XXVI S. 67. Die Schreibung petulus kommt auch in den Nonius- 
Handschriften vor, s. Lindsays Ausgabe 149 und 205. Derselbe 
Wechsel zwischen i und u findet sich auch in demjenigen petilus^ 
das Scaevola, wie Festus (Linds. S. 224, b) erwähnt, als „alba 
ungula equi" gedeutet. Festus schreibt petilus, aber es gibt eine 
Glosse (C. Gl. L. Seal. V 608, 61) petulus mit derselben Deu- 
tung petulus equus qui habet albos pedes. 

stercilinum und sterculinum^). 

mutulus ,, Kragstein" sollte nach Waldes 3) Vermutung das- 
selbe Wort wie mutilus sein. 

Daß Rutuli in irgend einem Zusammenhang mit rutilus steht, 
ist, wiewohl unsicher, nicht unwahrscheinlich. S. v. Paucker, Die 
lat. Demin. usw. S. 26. 

Auch vor c variieren bisweilen i und u wie in cubuclari (oben 
S. 248), pediculus, peduculus, peduculo^). Jedoch kann dieses 
Schwanken als Analogie nach manuculus, cornuculum usw., wo u 
Heimatsrecht hatte, erklärt werden. 

Das orthographische Schwanken zwischen i und u in unbe- 
tonten offenen Silben hat im Latein eine große Tragweite. Nicht 



1) Mit Bezug auf die Schreibung el statt tl oder ul sei beiläufig be- 
merkt, daß Georges anläßlich der Schreibung sepulivit CLL. III 2326 
sepulio als eine Nebenform von sepelio ansetzt. Die Inschrift ist schlecht 
geschrieben („pessimis litteris"), und es kann ein Schreibfehler sein oder 
aucli ist ul als Analogie nach sepultus usw. zu erklären. 

2) Persson Beitr. S. 455 meint, daß diese Wörter möglicherweise 
auf ein sterceli- bzw. sterculi- mit altem u zurückgehen. 

3) S. 506. 4) 8. A. L. L. VIII S. 382. 



Die lateinischen Verba auf -uläre {-iläre) 251 

nur vor Labialen, vor l und c, sondern auch vor anderen Kon- 
sonanten, z, B. inclutus und inclitus, defrutum und defritum, ar- 
butum arhitum. S. Lindsay-Nohl S. 226, P. Persson Indog. 
Forsch. XXVI S. 62. 

Wenn, nach fast allgemeiner Annahme i), die passiven Verbal- 
adjektiva auf -ilis z. B. agilis sekundär zur dritten Deklination 
übergegangen sind, wenn ferner humilis, similis, pugil, vigil eben- 
falls von Anfang an mit ^o-Suffix gebildet sind und dann mut- 
maßhch die Form humulus, pugulus usw. (s. Lindsay-Nohl 
S. 431) gehabt haben, so bleibt in der Tat wenige Stütze übrig 
für die Annahme von einem ursprünglichen latein. Suffix auf -ü- 
oder von Verba auf -ilo. In solchem Falle ist ja die Variation 
der Schreibung leicht zu verstehen. Formen wie gracilus, noctu- 
vigila (Plaut. Cure. 196) sind dann als Kompromißformen von den 
lautgesetzlichen gracüis: *graculus, vigüis: vigul, vigulum zu fassen. 
Dieser Wechsel zwischen i und u wird ja allgemein als lautgesetz- 
lich anerkannt, u vor gutturalem l und i vor palatalem l, z. B. 
famul, famulus, simul, facul, Siculus, exul^ consul, speculor, postulo, 
aber familia, similis, facilis, Sicilia, exilium, consilium, conspicilium 
(conspicillum?), postilio, s. Sommer S. 112; Stolz H. Gr. S. 180. 
Stolz (S. 179 und mit einiger Modifikation S. 182) glaubt, daß 
auch diese Erscheinung — wie in Betreff von i und u vor 
Labialen — einen Mittellaut voraussetzt, der mit der Zeit als be- 
stimmter i- und w-Laut fixiert wurde. Was die Verba auf -ilo und 
-ulo betrifft, so läßt sich als wahrscheinlich feststellen, daß die 
beiden Laute, die ja übrigens nur in unbetonten offenen Silben 
vorkommen, keinen scharfen Unterschied vertraten, weil die 
wechselnde Schreibung zu verschiedenen Zeiten in demselben Worte 
vorzukommen scheint. Irgend eine lautgesetzliche Entwicklung 
wird schwierig sein zu konstatieren. Wenigstens ist gewiß nicht 
das oben erwähnte Lautgesetz von palatalem oder gutturalem l 
ausreichend, noch kann man, wie betreffs i und u vor Labialen 
(s. Brugmann Gr.* IIS. 224 minimus, maxumus, optumus mit 
Zustimmung zu Parodi) ersehen, daß der Vokal der vorausgehenden 
Silbe irgend etwas bedeutet hat (vgl. z. B. simulo, vigules, mugilo), 
sondern in diesen wenig zahlreichen Wörtern haben wohl Analogien, 
vulgärlateinische Formen und vielleicht auch reiner Zufall mit- 
gewirkt. 



1) s. Brugmann Gr.^ IIS. 456; Lindsay-Nohl S. 379. 



252 Johan Sarauelsson 

Jedenfalls habe ich keine scharfe Einteilung dieser Verba 
durchführen können, sondern sie in einem Zusammenhange be- 
handelt. 

Ambulo 

Betreffs der Etymologie des lateinischen Verbum ambulo ist 
eine große Menge von Vorschlägen vorgebracht worden. Da am- 
bulo allgemein als das Stamm- Verbum mehrerer Verba mit dem Sinne 
„gehen" in den romanischen Sprachen angesehen wird, haben sich 
auch die romanischen Philologen für diese Etymologierungsversuche 
interessiert. Indessen ist wohl keine von den bisherigen Erklärungen 
derartig gewesen, daß sie in allen Beziehungen Anerkennung ge- 
funden hat. 

Man hat bei der Erklärung dieses Wortes drei Wege einge- 
schlagen. Erstens hat man versucht ambulo als griechisches Lehn- 
wort nachzuweisen. Bugge (Bezzenb. Beitr. XIV S. 62; s. von 
Planta, Gramm, der osk.-umbr. Dialekte 1 S. 466) geht von der 
Annahme aus, daß der älteste Sinn des Wortes nicht „spazieren", 
sondern ,, reisen" ist. Er vermutet demgemäß, daß es aus dem 
griech. Worte cc/yelog in der Bedeutung „Eilbote", ,, Postbote", 
„reisender Bote" herzuleiten sei. Eine alte Erklärung von Voss, 
daß es auf ein a^TtoXEiv = dvartolüv zurückgehe, braucht kaum 
erwähnt zu werden. Ebensowenig ansprechend ist die Vermutung 
Sto Wassers 1), daß am&w^o von a^u/JoAi^ (avaßohj) in dem militäri- 
schen Sinne „Aufbruch" herkomme. 

Davon abgesehen, daß die beiden letzten Vorschläge Bedeu- 
tungen voraussetzen, die in den betreffenden griech. Wörtern nicht 
vorhanden sind, so gibt es auch einen anderen Umstand, der ent- 
schieden gegen die Lehnwortshypothese spricht. Das fragliche 
Verb ist schon in der ältesten latein. Literatur so geläufig (z. B. 
bei Plautus), so reichlich in Komposita und Ableitungen vertreten, 
daß es ein Wort von italischem Ursprünge sein muß. Außer am- 
bulo kommt bei Plautus vor: adambulo, ex-, ob-, 'per-, redambulo; 
ambulacrum; bei Terenz: de-, prod(e)ambulo, deambulatio; funam- 
bulus', weiter ambulator, ambulatrix (Cato agr.), ambulatio (Cic, 
Varro), inambulatio, obambulatio (Auetor ad Herennium), inambulo, 
ambulatiuncula (Cic); abambulo (Festus); circumambulo, ambu- 
latorius, ambulabilis (Vitruv), anteambulo, subst. (Martial, Suet.) etc. 

Zweitens hat man natürlich Wurzeln aus verwandten Sprachen 
herangezogen. Man hat ambulo als Zusammensetzung von amb- und 

1) Latein.-Deutsches Schulwörterbuch. 



Die lateinischen Verba auf -ülare {-iläre) 253 

einer Basis ala- oder ela-, die sonst beide im Latein unbekannt sind, 
gefaßt. Brugmann z. B, (Grundriß der vergl. Gramm. 2 II 2, 
S. 795) sagt: lat. amhulo vermutlich zu griech. aXaa&ai „umher- 
schweifen"*). K. F. Johansson und andere (s. Indogerm. Forsch. 3 
(1894) S. 203 und die dort angegebene Literatur) stellt amb-ula-re 
mit der indogerm. Basis ela- „treiben", „gehen" in sldco, elavvo), 
oder vielmehr mit einer modifizierten Wurzel lä- zusammen. In 
ähnlicher Weise zieht Vendryes (Bull, de la soc. de ling. 47 
S. XXIII) exul, exilium, proelium zu einer Wurzel eh „aller", die 
er auch in amhulare wiederfinden will. Auch Solmsen (Indog. 
Forsch. 26 (1909) S. 105) hat exulare und ambulare zusammen- 
gestellt. Er vergleicht übrigens, ebenso wie Brugmann und 
Walde, das griech. aläod^ai ,, umherirren, umherschweifen", und 
setzt fort: ^,exul wäre dann ,,wer herausschweift, herausirrt", ex- 
ulare faktitiv im Gegensatz zu dem intransitiven amb-uläre" etc. 
Was Solmsen unter der faktitiven Bedeutung von exulare versteht, 
weiß ich nicht. Bekanntlich ist ja exulare ebensogut wie ambulare 
intransitiv. Erst im Spätlat. kommt exulare im Sinne „verbannen" 
vor. Endlich mag erwähnt werden, daß Vanicek (Griech.-Lat.- 
Etym. Wörterbuch S. 185) und Curtius (Grundz. der Griech. 
Etym. ^ S. 473) von einer Wurzel bä-(lu-s) ausgehen. 

Es kann jedoch nicht richtig sein für eine so gewöhnliche 
Verbbildung wie -ulo fremde Sprachwurzeln in Anspruch zu nehmen, 
die sonst im Latein nicht vorkommen. Wenigstens muß man, um 
diesen verzweifelten Ausweg zu ergreifen, vorher von der Unmög- 
lichkeit eine befriedigende Erklärung mit den eignen Mitteln der 
lat. Sprache zu finden überzeugt sein. 

Schließlich haben auch einige Gelehrte versucht bei der Er- 
klärung von dem ersten Bestandteile des Wortes amb- auszugehen. 
Breal (Memoires de la soc. de hnguist. 12 S. 5) sieht in dem lat. 
ambulare eine unmittelbare Verbalbildung von einem Adverb ambe 
und meint, daß die Sprache für diese Verbalbildung sich des De- 
minutivsuffixes, das sich in somnolentus, fraudulentus findet, bedient 
oder das Wort analogisch nach violare gebildet habe. Ambulare 
bedeutete also ursprünglich, sagt er, „faire un tour". AuchBersu 
(Die Gutturalen S. 143) liefert eine solche Erklärung und betrachtet 
ambulare als „eine direkte Weiterbildung aus der Präposition". 
H. Rönsch (Zeitschrift für Roman. Philol. 11 (1887) S. 247f.) hat 
eine andere Deutung aufgestellt, die Breal mit Recht zurückweist. 



1) Vgl. Walde, Lat.-Etym. Wörterbuch'^ S. 33. 



254 Johan Samuelsson 

Ambulo soll nach Rönscil von ambo oder vielmehr von einem De- 
minutive ambuli -ae -a herrühren, das „die beiden Werkzeuge des 
Gehens" bezeichnet, und also eigentlich „auf beiden Seiten" gehen 
bedeuten. Er vergleicht übrigens das griech. cpoLxcw, das er aus 
{afx)cpoLT;a(a (!) ableiten zu dürfen glaubt. Breals eigner Vorschlag 
aber befriedigt der Bedeutung nach nicht. Er leidet an einer be- 
denklichen Schwäche, denn es fehlt in dieser Etymologie die Be- 
deutung „gehen", die unentbehrlich zu sein scheint. 

Eine alte Deutung, unter andern von Döderlein vorgebracht 
und von Georges gebilligt, ist, daß ambulo ein deminutives Verb 
von ambio sei. Weil aber die Stellung der deminutiven Verba wenig 
klargemacht war, so hat dieser ohne weitere Motivierung ausge- 
sprochene Vorschlag wenig Beachtung gefunden. J. B. Hof mann 
(Berl. Phil. Wochenschr. Nr. 21 1913 S. 665) sagt sogar in einer 
Rezension von K. E. Georges, Ausführliches Lat.-Deutsch. Hand- 
wörterbuch: ,, Vielleicht noch schlimmer ist, daß daneben mehrfach 
ganz indiskutable Etymologisierungen der 7. Auflage geblieben sind, 
wie ambulo Demin. von ambio, calo aus cabaUo'' etc. Und doch 
ist diese Erklärung, die als ein Beweis veralteten Standpunktes an- 
geführt wird, hinsichtlich der Bedeutung völlig befriedigend. Bei 
Plautus ist ambulo im Sinne „spazieren" gewöhnlich, und dieser wird 
der ursprüngliche gewesen sein (s. Thesaurus). Und diese vielleicht 
am besten bezeugte Anwendung des Wortes gibt ja auch für andere 
Bedeutungen des Verbs wie z. B. die „notio" pedibus eundi, de 
motu corporis valetudinis causa und andere einen guten Ausgangs- 
punkt. 

Die Grundbedeutung von ambulare kommt ferner in den Kom- 
posita gut zum Vorschein, wie in adambulo, z. B. Plaut. Bacch. 
768 adambulabo ad ostium, ut quando exeat etc., deambulo, -atio, 
inambulo, -atio, obambulo, -atio, die alle nur in der Bedeutung 
„hin und her gehen", „spazieren" gebraucht werden. Eine gute 
Parallele bildet das griech. Verb TteQLTtaxüv. Auch dieses Verb 
hat ja schließlich die Bedeutung von recht und schlecht „gehen" 
angenommen. 

Meines Erachtens ist ambulo — um es jetzt gleich zu sagen 
— aus ambio analogisch nach anderen Verba auf -io und -eo, z. B. 
vagulo aus vagio, s. oben HI B, oder nach solchen Verba, die unter 
Vermittlung eines Verbalnomens auf -ulus -a -um ein Verb auf 
-ulare entwickelt haben, z. B. garrulo aus garrulus aus garrio, s. 
oben HI A , entstanden. Da das Verb ambire, welches natürlich 
ursprünglich intransitiv gewesen ist (vgl. ambitus), schon in ältester 



Die lateinischen Verba auf -üläre {-iläre) 255 

Zeit ausschließlich als transitiv erscheint (vgl, circumire) und noch 
obendrein, abgesehen von der lokalen Bedeutung, eine spezielle 
Bedeutung petere erhalten hat, ist es ja erklärlich, daß die Ab- 
leitung ambulo in intransitiver Anwendung so wie TteQLnateiv kon- 
serviert ist. 

amhulare erscheint (vom Spätlatein abgesehen) einigemal trans- 
itiv; Cic. de fin. 2, 112 amhulavisset maria; Ovid. Met. 14, 188 
iUe quidem totam gemehundus ohamhulat Aetnam; Ovid. Fast. I 122 
libera perpetuas ambulat illa vias. Man kann zwar nicht deswegen 
behaupten, daß hier die ursprüngliche Bedeutung bewahrt ist, aber 
diese transitive Anwendung zeigt doch, daß die Verwandtschaft 
mit ambire dem sprachlichen Bewußtsein nicht ganz abhanden ge- 
kommen war. 

Jetzt drängt sich vielleicht die Frage auf, wie es kommt, daß 
nur ambio von allen Zusammensetzungen des Verbum eo ein „De- 
minutiv" gebildet hat. Auf diese Frage sei erwidert, daß ambio 
den Anschein eines einfachen Verbs trug, und daß der Zusammen- 
hang mit eo nicht so sehr gefühlt wurde, weil das erste Glied des 
Wortes im Absterben war^). ambio ist ja demgemäß zur 4. Kon- 
jugation übergegangen. In denjenigen Verben aber, wo eo einen 
deutlichen Kompositionsteil ausmachte, war eine ,, deminutive" Ab- 
leitung auf -ulo -ulus insofern unzweckmäßig, als das Stammverb 
in der Ableitung vollends ausgetilgt worden wäre. Man findet 
auch, daß von redeo ein Ableitungssuffix auf -culus gebildet wurde: 
Bediculus^). 

1) S. Brugmann, Gr.^ II 1 S. 39. 

2) Ob diese Endung geradeswegs auf ein redi-ths zurückgeht, wie all- 
gemein angenommen wird (vgl. v. Planta, Gramm, des osk.-umbr. Dial. I 
S. 437, II S. 28 ff., Walde, Wörterb.^ S. 646), ist vielleicht fraglich. Mir 
ist es wahrscheinlicher, daß rediculus von redire wie ridiculus von ridere, 
tintinnaculus von tintinnare eine Neubildung ist nach den gewöhnlichen neu- 
tralen Nomina mit instrumentaler Bedeutung, die in deutlichem Zusammen- 
hang mit Verben stehen, z.B. adminiculum {*mmere), appendiculuni (appendo 
s. Thesaurus; appendicula dagegen ist Deminutiv von appendix); cubiculum 
(cubo) weniger instrumental als lokal, de- di- re-verticulum {deverto{r) etc.), 
dividiculum {divido), discerniculum (discerno), everriculum (everro), offendiculum 
[offendo), tegiculum {tego), tendicula (tendo), terricula -ulum (terreo), um nicht 
die vielen auf -äculum zu erwähnen. — v. Paucker (Die Deminutive mit dem 
Suffix c-ulus, a, um, Zeitschrift für die Österreich. Gymnasien 1876 S. 604 ff.) 
sucht die Zahl der verbalen Adjektivbildungen auf -culus beträchtlich zu 
vermehren, indem er mehrere deminutive Adjektiva auf -culus ausmerzt, die 
von Nomina der 2. Deklination — also unregelmäßig — gebildet sind, und 
mit Verbalstämmen zusammenstellt, z. B. blandiculus, serviculus, somniculus 



256 Johan Samuelsson 

Man wird zweifelsohne einwenden, daß das umbrische amboltu 
(Tab. Iguv. VI b 52) gegen die oben vorgebrachte Etymologie spricht. 
Falls nämlich amboltu, wie jetzt gewöhnlich geschieht (s. v, Planta 
Gramm. I S. 466; Conway The Italic Dialects II S. 599 „pro- 
bably"; Thurneysen Thesaurus: „si hoc idem significat atque 
ambulato") mit der latein. Imperativform ambulato identifiziert 
wird, kann die obige Etymologie leicht beanstandet werden. Denn 
man sollte, wenn amhulo aus amhio stammt, im Umbr. nicht am- 
boltu sondern "^amblatu erwarten, vgl. previslatu (= praevinculato?) 
stiplatu (stipulator), arglataf (arculat-), s. v. Planta II 22 f. Die 
synkopierte Form amboltu deutet auf einfache thematische Präsens- 
flexion, nicht auf ä-Flexion. Und man vergleicht betreffs amboltu 
und des latein. ambulato den Wechsel zwischen sonere und sonare, 
lavito und lavato, s. v. Planta I S. 466 und II S. 248. Nun 
kommen aber im Umbr. von demselben Verb, ja sogar auf derselben 
Zeile (Tab. Iguv. IIa 28) verschiedene Imperativformen vor: prusektu 
und prusekatu, s. v. Planta I S. 359. Wenn das richtig ist, könnte 
man sich vielleicht auf diesen Wechsel auch für amboltu berufen. 
amboltu wäre demgemäß eine regelrechte Entwicklung aus '^ambltu^), 
der synkopierten Form von *am6Ze^w^ der einf. thematischen Neben- 
form zu der denominativen amblatu. Natürlich wäre die synkopierte 
Form sekundär wie prusektu {kt kann nicht alt sein) nach Art der 
primären Verba gebildet, wie diese primäre Flexion mit kurzem 
Vokal im Osk.-Umbr. sich auch sekundär in Perfekt und Partiz. 
Perf. {-eto-) auf Denominativa ausgedehnt hat, vgl. v. Planta 11 
S. 238, 243; Brugmann Gr. i 112 S. 1243. 

Aber wer weiß, ob amboltu identisch mit ambulato ist? Das 
Wort kommt nur einmal vor und in einem Zusammenhange, der 
ebensogut andere Deutungen wie ambulato zuläßt. Breal Tables 
Eugubines S. 171 fordert ein Verb mit der Bedeutung „sich um- 



{* somnire), cüniculus (cünire) etc. (Stolz, Histor. Gramm, der Lat. Sprache 
S. 525 und A. Weinhold, Archiv für lat. Lexikogr. lY S. 177 ff. sind von 
den Ausführungen v. Pauckers abhängig.) Aber hlandicule = blandienter 
ausgenommen, das zwar eine späte Form ist (Apul.) aber doch durch 
hlandicellus (Paul. exe. ex Fest. Lindsay S. 32: blandicella verba blanda per 
deminutionem sunt dicta) gestützt wird, sind die übrigen entweder, trotz der 
unregelmäßigen Form, wirkliche Derainutiva wie somniculus und serviculus 
(vgl. W. Heraeus, Arch. L. L. XII, Beiträge zu den Tironischen Noten, 
S. 67) oder auf andere Weise zu erklären. Jedoch ist ridiculus „Lachen 
erregend" eine sichere Verbalbildung und kann dem Worte Redicuhis 
„Kückkehr bewirkend" als Muster gedient haben. 
1) S. V. Planta I S. 314. 



Die lateinischen Verba auf -ulare [-llare) 257 

kehren" und schlägt vor amb + holtu oder amb + uolto abzuteilen. 
Und es ist auch recht unwahrscheinlich, daß in einem religiösen 
Gesetze, wo es auf Deutlichkeit ankommt und man sonst nicht 
Wiederholungen und stereotype Ausdrücke zu vermeiden pflegt, aus 
stilistischen Gründen der Begrijff „gehen" variiert wurde. Denn 
sonst wird immer etu (eetu) für ito und etuto für eunto gebraucht, 
kurz vorher auf Zeile 48 etu, 51 etuto und auf derselben Zeile etuto 
und 54 eetu. Aber es kommen hierzu auch formelle Bedenklich- 
keiten. Die Präposition ambhi (af^fpl) heißt sonst im Umbr. und 
Osk. amhr- bzw. amfr-. Nur in amholtu ,, scheint amb enthalten", 
s. Brugmann Gr.^ 12 S. 683, v. Planta I S. 466. Weiter muß 
die Form der Verbalwurzel ol statt el oder al(a) Bedenken er- 
wecken. Im Umbrischen ist der Übergang von el zu ol unbekannt, 
vgl. V. Planta I S. 83 f. und mit alt > olt steht es nicht viel 
besser, vgl. I S. 239. 

Wenn wir also mit guten Gründen ambulo aus ambio herleiten 
können, darf nicht die vereinzelte umbrische Form amboltu, von 
welcher wir am Ende nichts sicheres wissen, im Wege stehen. 

Verbalnomina auf -tilus -a -um 

Man würde indessen eine zu beschränkte Vorstellung von den 
analogischen Vorbildern eines ambio *ambulus ambulo bekommen, 
wenn man bei den relativ wenigen Verba, die oben (II und III) 
herangezogen sind, stehen bliebe. Es findet sich nämlich im Latein 
eine große Anzahl Verbalnomina auf -ulus -a -um, Adjektiva mit 
Bedeutung von Partiz. Präs., auch Nomina agentis und instrumenti 
(s. oben S. 240), primäre Bildungen aus Verbalstämmen, welche 
keine Verba auf -ulo entwickelt haben, aber trotzdem dergleichen 
Bildungen als Muster gedient haben können. Erwähnenswert ist, 
daß besonders viele Verba auf -io und -eo solche Ableitungen haben. 
Seltener gehen sie auf Verba erster Konjugation zurück. 

Diese Verbalnomina auf -ulus, die im Gegensatz zu den Verba 
auf -ulo ziemlich genau in den üblichen Handbüchern verzeichnet 
und behandelt sind (s. oben S. 226 f. und 240), findet man als An- 
hang der eigentlichen Deminutiven beiv. Paucker in seiner Schrift 
Die lat. Demin. auf einfaches -ulus usw. S. 25 f. zusammengestellt. 
Indessen ist sein Verzeichnis, wiewohl dankenswert, dennoch ohne 
gebührende Sichtung gemacht, sodaß es vieles, was nicht hin- 
gehört, enthält, und da es andererseits viel zugehöriges ver- 
missen läßt, habe ich für nützlich gehalten aufs neue die fraglichen 
Erscheinungen im Zusammenhang zu besprechen. Es muß zuge- 

Glotta VI, 3. 17 



258 Johan Samuelsson 

standen werden, daß es nicht immer leicht ist zu entscheiden, ob 
ein solches Nomen auf -ulus aus einem Verb oder aus einem an- 
deren Nomen herzuleiten ist. In solchen Fällen habe ich mich 
bemüht größere Vorsicht als v. Pa ucker zu beobachten. Ferner 
habe ich die Darstellung auf Ableitungen von der Präsensform des 
Verbs beschränkt und folglich nicht Formen wie figulus, tegula, 
regula (s. oben S. 232 f.) oder wie anteventulus, clausula (s. oben 
S. 239) oder Bildungen mit ursprünglichem Zo- Suffix, das im 
Latein geblieben ist, z. B. exemplum, als unter mein Thema fallend, 
behandelt. 

Aus dem Umstände, daß neben manchen derartigen Verbal- 
nomina auf -ulus eine entsprechende kürzere aus dem reinen Stamme 
gebildete Form vorkommt, scheint Stowasser (Latein.-Deutsches 
Schulwörterbuch) schließen zu wollen, daß im Verhältnis zu jenen 
Formen auf -ulus diese kürzeren auf -us primär sind. So setzt er 
z. B. bibulus < bibus, credulus < credere < credus, stridulus dem. 
von *striduSy wovon stridere, specula < *specus < specere usw. an. 
In den „Vorbegriffen" aber S. XV f. behauptet er, daß u in credulus 
auf u in creduam beruhe! Daß es nicht zweckmäßig ist, irgend 
eine besondere Erklärung von credulus hervorzuziehen, ist augen- 
fällig. Aber auch die erste Erklärung kann nicht richtig sein. 
"Wenn neben bibulus, capulus, gerulus, legulus ein multi-bibus, urbi- 
capus, armi-ger, furi-legus erscheint, so ist es offenbar, daß die 
letzteren nur in der Komposition existieren und folglich ebensogut 
wie jene Ableitungen sind. Von irgend einer Deminutivbildung kann 
jedenfalls nicht die Rede sein. Bisweilen ist es jedoch schwierig 
zu sagen z. B., ob sacrificulus aus sacrum facio oder aus sacrifico 
(so V. Paucker) oder endlich aus sacrificus herzuleiten ist. Die 
unzweideutige Kompositionsform weist jedoch am nächsten auf den 
letzten Ausweg hin. 

Der Vollständigkeit wegen werden hier unten auch diejenigen 
Bildungen auf -ulus -a -um aufgeführt, welche ein Verb auf -ulo 
neben sich haben und also schon oben behandelt sind. 

ago : agolum Festus, Paul. exe. S. 27 Linds.: agolum pastorale 
baculum, quo pecudes aguntur. Vgl. das passive agilis, s. z. B. 
Lindsay-Nohl S. 381. Im Spätlatein findet sich eine Neubildung 
curagulus (Prise. Part. II 480 (Keil) und Gloss.). Vgl. auch 
coügulum (s. Walde S. 21) mit dem Denominativum coagulo. 

adopto : adoptulus s. Thesaurus „exempli causa fictmn". 

apicio : apiculum Festus, Paul. exe. S. 21: Apiculum filum, quo 
fiamines velatum apicem gerunt. Vgl. die Glossen apicire ligare 



Die lateinischen Verba auf -ulare {-tlare) 259 

apicitus Ugafus, apiciendo legando. Falls Dicht die Glossen von 
einem Verb apicire erdichtet sind, bedeutet apiculum ,,Band" und 
die Lautähulichkeit mit apex ist dann nur ein Zufall, s. jedoch 
Walde S. 50. In Thesaurus wird vermutet, daß apex trotz der ver- 
schiedenen Bedeutung mit apicire zusammenhängt. Jedenfalls wird es 
schwer apiculum für etwas anderes als ein Verbaladjektiv zu halten. 

arceo : arculus Festus, Paul. exe. S. 15: arcula dicehatur avis, 
quae in auspiciis vetahat aliquid fieri. Hierher gehört wohl auch 
eine andere Glosse, die unmittelbar vorher in Paul. exe. gelesen 
wird : arculus putahaUir esse deus, qui tutelam gereret arcarum. Da- 
gegen dürfte wohl das Substantivum arculus = circulus, das bei 
Festus und in den Glossarien erwähnt wird, trotz der Glosse ar- 
culus circulus, quod ubique arceat ein Deminutiv von arcus sein. 

assequor : assecla, assecula mask. Spätlatein, auch asseculante 
(Du Gange). 

obsequor : obsecula (Laev.) fem., also obseculus -a -um. 

babit = yavQiä Gloss. : babulus; s. aber Walde S. 79 f. 

bibo : bibulus. 

canfo : cantula ,,nomen avis", s. oben S. 247. 

capio : capulum usw., s. oben S. 241. 

candeo : cicendula (vgl. cicindela). Spätlat. candula = „parva 
candela" (Du Gange). 

ceveo : cevulus, s. Heraeus A. L. L. XIII S. 54. 

cingo : cingulum aber auch cingulus und cingula fem., z. B. 
Ovid. remed. am. 236. Brugmann Gr. ^ II 1 610 glaubt, daß cin- 
gulus aus cingulum entstanden ist. Wahrscheinlicher verhält es 
sich so, daß cingulum eine substantivierte Form des Adjekt. cin- 
gulus ist. Die adjektivische Bedeutung ist klärlich in cinguli 
Festus, Paul. exe. S. 38 erhalten: cingulos appellabant homines, qui 
in his locis, ubi cingi solet, satis sunt tenues. Vgl. das vulgärlat. 
Verb cingulo, 's. Meyer-Lübke, Wörterb. S. 153. 

coquo : cocula n. pl. Vgl. ,, Kocher". 

*coapio : copula s. oben S. 242. 

coniveo : conivolus, vgl. Heraeus A. L. L. XIII S. 54. Das 
Wort kommt zweimal bei Festus (Paul, exe.) vor, S. 53 Conivola 
occulta, also in passivem Sinne, und S. 36 Conivoli oculi sunt in 
angustum coacti coniventibus palpebris, wo die Handschriften con- 
tuoli haben, das wegen der Form ebenso gut ist, aber die Ände- 
rung ist leicht und wird durch Glossen bestätigt. 

convolvo, involvo : convolvulus, involvulus von Insekten und 
Pflanzen gebraucht, s. Walde S. 190. 

17* 



260 Johan Sarauelsson 

credo : credulus (incredulus). 

cremo : turicremulus. Kann auch als Deminutiv von turi- 
cremus betrachtet werden, vgl. oben S. 258 über die Komposita. 

crepo : crepulus. Vgl. ital. screpolare, s. oben S. 243. 

crepito : crepitulum. Festus (Paul, exe.) S. 46 Crepitulum orna- 
menfum capitis; id enim in capitis motu crepitum facit. 

cunio : ancunulentae. Festus (Paul, exe.) S. 10: Äncunulentae 
feminae menstruo tempore appellantur ; unde trahitur inquinamen- 
tum. S. Brugmann Gr.^ I 1 S. 185; Walde S. 40; Stolz H. Gr. 
S. 539 „gewissermaßen von einem freilich nicht belegten ^cunulus 
abgeleitet". 

edo : edulus. Gloss. edulus consumtor, comestor vorator usw.; 
eduli voratores, degulantes. Außerdem finden sich einige Tiernamen 
auf -edula, die als hierhergehörig betrachtet werden: ficedula, mone- 
dula, querquedula, nitedula, acredula und der Pflanzennamen ace- 
dula. Vgl. auch coredulus, volksetymologische Umgestaltung aus 
corydalus {■/.OQvdah'g). Früher wurde -edula als ein Suffix ange- 
sehen, vgl. Stolz H. Gr. S. 423; Weinhold A. L. L. IV S. 176. 
Indessen ist man jetzt mehr geneigt anzunehmen, daß das Verbal- 
adjektiv edulus der andere Kompositionsteil sei. ßcedula und 
monedula seien die ursprünglichen Zusammensetzungen und die 
übrigen Analogien nach diesen. Vgl. Walde S. 288, 493; Nieder- 
mann Indog. Forsch. X S. 234 f. 

So viel scheint mir klar zu sein, daß die Volksetymologie diese 
Wörter in Verbindung mit edo stellte. Vgl. z. B. die Glosse: co- 
redulus quasi cor edens. 

Nun gibt es ein passives Verbaladjektiv zu edo, das die eigen- 
tümliche Form edrdis, nicht, wie man erwarten sollte, *edilis oder 
edibilis (spätlat.) hat. Das lange tl durch die Analogie currere : 
curulis = edere : ediilis wie Stolz H. Gr. S. 513 zu erklären, 
scheint mir gar nicht geraten zu sein. M. Pokrowskij Kuhns 
Zeitschr. XXXV S. 226 f. meint, daß edülis auf *edosUs (vgl. ideo- 
Tog) zurückgehe, das zuerst *eduslis, dann edidis ergeben habe. 
Er spricht auch von einer Form *edulo- (mutmaßlich mit langem u) 
nimmt aber keine Rücksicht auf das wirklich vorhandene edulus ^). 
Zweifelhaft bleibt übrigens das Mittelstadium *eduslis, da voraus- 
gesetzt werden muß, daß -os vor dem Ausfalle des s und der Deh- 
nung des Vokales zu -us geworden, obgleich es feststeht, daß -os 



1) Daß es kurzes u hat, wird durch Schreibungen wie edolos (Gloss.) er- 



wiesen. 



Die lateinischen Verba auf -ulare {-llare) 261 

vor dem Rhotazismus erhalten blieb, vgl. Sommer S. 385. Ferner 
sollte man die Form edes-lis eher als edos-lis erwarten; die s-Stämme 
haben ja in Ableitungen und Komposita gewöhnlich die Form -es; 
-US (-os) tritt nur in einigen Stämmen vor dem Suffixe -tos z. B. 
onustus, robustus hervor i). 

edento : edentulus? So Forcellini und v. Paucker. eden- 
tulus also mit passivem Sinn. Die Ableitungen auf -idus sind aber 
bei Verba erster Konjugation selten und unsicher. Es wird daher 
vielleicht ratsamer sein edentulus als eine unregelmäßige Demi- 
nutivbildung aus edens (so Georges) zu betrachten. 

emineo : eminulus^). Vgl. promineo : prominulus. 

ferio : ferula"^ S. Walde S. 286. 

frio : frivolus? S. Walde S. 318. Vielleicht aus einem *fri- 
vere, vgl. refrlva faba. 

1) Wenn man, wie Stolz meint, berechtigt wäre mit einem zufällig 
analogischen ü zu operieren, könnte derselbe Ausweg offen sein bei Er- 
klärung des Verbs adülo (so ist die älteste Form, s. Thesaurus), des ein- 
zigen lat. Verbs auf -ülo(r), abgesehen von den seltenen cucfdo (Denominativ 
aus cucülus) und pecülor. adülo trifft nämlich in der Bedeutung merk- 
würdigerweise mit adeo zusammen, und der spezielle Sinn des adülo kann 
wohl aus einer gemeinsamen Grundbedeutung von „sich in freundlicher und 
einschmeichelnder Absicht nähern" erklärt werden. Vgl. Thesaurus adire 
im Sinne von „adire ad deos vel ad homines exorandi causa" und adire mit 
Bestimmungen wie „supplex", „reverenter", „blandis verbis" (Plaut. Ps. 450). 
Man kann den Entwicklungsgang des Verbs ambio vergleichen, das in den 
Glossarien z. B. unter xoXaxdoi mit adulor gleichgestellt wird. Endlich 
will ich auf eine eigentümliche Auskunft von Festus aufmerksam machen, 
Paul. exe. S. 86 : Grassari antiqui ponebant pro adulari. Grassari autem di- 
euntur latrones vias obsidentes; gradi siquidem amhulare est, unde tr actum 
grassari, videlicet ab impetu gradiendi. Hieraus ergibt sich, daß wenigstens 
Festus geglaubt hat, daß adulari gewissermaßen dem Sinne eines Verbs der 
Bewegung gleich kommt, was sich wohl nicht mit der üblichen Auffassung, 
daß adülo von Anfang an aaCva bedeutete, vereinbaren läßt, s. Walde S. 13. 
Die einzige Stelle, Cic. Tusc. disp. II 10, 24, die für die Bedeutung „ab- 
wischen", „wegwedeln" spricht, kann ja auch im Sinne von ,, berühren" (also 
= adire) verstanden werden. Aber das lange ü ist so weit ich weiß in 
klassischer Zeit konstant (in späterer Zeit dagegen kurz, z. B. C. I. L. VI 
7898 Cumque pater materque deos pro me adularent; über ein vulgärlateini- 
sches *co{n)adülo s. Körting S. 294). Es wäre nicht kühner, das lange ü 
in adülo durch Analogie nach den sinnverwandten Verben alludo und adöro 
{adöro und adülo laufen u. a. in der Bedeutung nQoaxvvcS zusammen wie 
auch adulatio und adoratio, siehe die Glossarien) als edülis von curülis aus 
zu erklären. 

2) Stolz H. Gr. S. 587 führt eminulus als Adverb mit ^o-Suffix (von 
«TOWMs?) auf. 



262 Johan Samuelsson 

garrio : garrulus : garrulo s. oben S. 242. 

gemo : gemulus (Apul.; aber tard-ingemulus Laev.). 

gero : gerulus mit vielen KomiDOsita, s. Gradenwitz, Later- 
culi usw. 

iacio : iaculum usw. s. oben S. 242; amieio : amiculum S. 242. 

iungo : "^iungula; C. Gl. L. II 94, 5 iungla r^vtai' ^€vy.TL/.ai. 
Zwei Handschriften haben iugalia. Goetz vergleicht vincla iugalia 
Verg. Aen. IV 59. Die Form iungula muß für die romanischen 
Sprachen supponiert werden, s. Meyer-Lübke Wörterbuch S. 333. 

lego : legulus mit Komposita. 

luceo : luculentus, diluculum, anteluculo s. oben S. 242. 

marceo vgl. marculentus. 

misceo vgl. miscellus, commisculus, Gloss., s. M. Pokrowskij 
A. L. L. XI S. 357. cotnmisculus hat passiven Sinn. Im Vulgärlat. 
ist ein Verb misculo zu misceo gebildet worden, s. Du Gange. 
Grandgent Introduction to vulgär latin S. 17 glaubt, daß miscu- 
lare nach Analogie von maculare gebildet ist. Eine solche spezielle 
Erläuterung von misculare wird nicht vonnöteu sein. Vgl. oben III 
S. 240 f.. Über misculo als Grund verb romanischer Verba s. oben 
S. 243. 

oh(s)trudo : obstrudulentus; 

pateo : patulus, propatulus; 

pendeo : pendulus (de- ante- pro- retro- alti-pendulus) ; 

pergo : pergula (pergulanus)? S. Stolz H. Gr. S. 507; Walde 
S. 576 nach Osthoff. Vgl. jedoch Persson Beitr. S. 476. 

pipio : pipulum s. oben S. 242. 

posco : posculentus? Stowasse r Wien. Stud. XII S. 326 hat 
versucht ein latein. Verb posco = bibo nachzuweisen Cic. Verr. II 
1, 66 Mature veniunt, discumbitur. Fit sermo inter eos et invitatio, 
ut Graeco more biberetur; hortatur hospes, poscunt maioribus po- 
culis, celebratur omnium sermone laetitiaque convivium. Er bringt 
in diesem Zusammenhang posca in Erinnerung; noch näher liegt 
m. E. an posculentus zu denken, falls posco = bibo existiert. An 
sich kann ja posculentus aus posca wie esculentus aus esca, vgl. tur- 
hulentus aus turba, erklärt werden. 

queror : querulus vgl. querulosus. Im Spätlat. ist ein Verb 
auf -ulor gebildet worden nach den Formen querulans, querulari, 
querulatus (Du Gange; vgl. „Querulant") zu schließen. 

rabio (rahies) : rabulus; Gloss. rahidus = rabidus z. B. rabula 
canis. Auch rabula, rabidatio gehört vielleicht hieher, s. Lindsay- 
Nohl S. 203. Walde S. 638 stellt nach Havet rabula zu ravula. 



Die lateinischea Verba auf -ulare {-tlare) 263 

In solchem Falle wäre ä in rabula lang. Stolz Lat, Gramm.* (in 
I. V. Müllers Handbuch) S. 127 glaubt wie Havet, daß rabula 
eigentlich ein ravula ist, das volksetymologisch an rabies rabio an- 
geknüpft worden ist. Man merke jedoch die verschiedene Quantität 
räv- räb-, 

rado : radula; 

scando : scanduläca Festus (Linds. 442) : Scandulaca genus 
herbae frugibus inimieae, quod eas velut edera inpUcando necat. 
Der Name scandulaca steht einer Kletterpflanze gut an. Der Be- 
deutungswechsel von „steigen" „klettern" kommt auch sonst vor, 
vgl. Persson Beitr. S. 152, Anm. 1. scandulaca mit scandula zu- 
sammenzustellen, dürfte wegen der Bedeutung des Wortes schwierig 
sein. Es ist aber möglich, daß das fragliche Wort mit scandala, 
Nebenform scandula (Gloss.) ,, Spelt" zusammenhängt. Es finden 
sich einige Pflanzennamen mit der Endung -äca. Stolz H. Gr. 
S. 520 erwähnt (außer lingulüca) pastinaca, portulaca und ver- 
benaca. Vgl. auch porcillaca, proserpinaca oder scorpinaca. apiacus, 
das Stolz mitzählt, hat, wie man vermutet, kurzes ä und wird 
vielleicht richtiger mit den ursprünglich griechischen Pflanzennamen 
auf -axij, z. B. aphaca, sandaraca, styraca (= styrax), verglichen. 

scindo : scindula siehe v. Paucker S. 26. scindula hat wahr- 
scheinlich vom Anfang an nichts mit scindo zu tun, sondern scheint 
eine spätere Variante von scawc^wZa zu sein, vgl. Georges Wörterb. 
Wie Löfstedt Eranos XIII S. 72, an die Ausführungen im The- 
saurus s. V. descendo anknüpfend, dargetan hat, fand im Vulgärlat. 
eine aus phonetischer Ähnlichkeit bewirkte Vertauschung der Kom- 
posita auf -scendo und -scindo statt. Mutmaßlich steht der Wechsel 
zwischen scandula und scindula mit dieser Erscheinung so im Zu- 
sammenhang, daß, während scandula mit scando und dessen Kom- 
posita assoziiert wurde, das einfache scand- diesen Lautübergang 
mitmachte. Vermutlich wurde diese Vertauschung dadurch er- 
leichtert, daß scandula-scindula volksetymologisch mit scindo ver- 
bunden wurde. 

sedeo : sedularia. Dieses Wort braucht nicht eine Ableitung 
aus sedes zu sein; es kann ebensogut aus sedeo abgeleitet werden, 
vgl. sedile. Das Deminutivum von sedes heißt sedecula. 

seco : secula. 

serpo : serpula. S. Festus S. 472, 476. serpula ist kein De- 
minutivum, wie Georges zu glauben scheint: ,,eine kleine Schlange". 
Festus sagt nur: Inde (aus serpsit) serpulae dictae, quas nunc ser- 



264 Johan Samuelsson 

penfes dicimus etc. und serpula serpsit, ait idem Messalla, serpens 
inrepserit. 

specio : speculum, specula s. oben S. 246. 

strideo, strido : stridulus. Im Vulgärlat. gab es ein stridulo, 
wovon ital. strillare, s. oben S. 244. 

suhmeio : submeiulus. 

taedere : taedulus. Festus (Linds.) 498: Taedulum antiqui 
interdum pro fastidioso, interdum quod omnibus taedio esset, ponere 
soliti sunt. Das Genus Verbi dieser Verbaladjektiva ist, wie oft, 
schwankend, vgl. oben S. 240. 

*temeo vgl. temetmn, temetura Gloss. = /.isd^ri : temulentus 
-ulentia, -identer, vgl. Walde S. 38. 

tepeo : Tepula (aqua), vgl. neapol. tiepolo aus *tepulus. 

tinnio : tinnulus. 

tremo : tremulus (con-, in-)-, im Vulgärlat. kam ein Verb tre- 
mulo (Gloss.) vor; vgl. Grandgent Introduct. S. 101. 

torqueo : torcidus -a -um, torculicm, s. oben S. 242. 

tumeo : tumulus mit dem Denominativum tumulare. Es kann 
sein, daß tumulus nicht als Verbalnomen von tumeo, sondern als 
eine Bildung aus demselben Stamme tum- (s. Walde S. 797; 
Persson Beitr. S. 561 tu -\- m) zu betrachten ist, aber tumulus 
tumeo, specula specio sind ihrer Form nach völlig analog mit oben 
besprochenen, späteren (?) Ableitungen, die wirkliche Verbaladjek- 
tiva sind. 

vigeo vgl. vigilus, Plaut, noctuvigila vgl. oben S. 242. 

vincio : vinculum s. oben S. 242. 

Ich glaube im Vorausgehenden hinlänglich dargetan zu haben, 
daß eine Verbalbildung auf -ulo aus einem Verb auf -io oder -eo 
keine ungewöhnliche oder isolierte Erscheinung ist. Besonders zu 
beachten ist, daß im Vulgärlat. diese Verbalbildung auf -ulo lebendig 
und produktiv gewesen ist. 

Daß ein amhulo aus ambio wie vagulo aus vagio usw., also 
ohne ein erhaltenes Verbalnomen auf -ulus -a -um als Mittelglied, 
habe entstehen können, ist nicht zu leugnen. Aber es ist keines- 
wegs nötig, ausschließlich an dieser Möglichkeit für die Bildung 
eines ambulo festzuhalten. Zwar ist kein ambulus aus klassischer 
Zeit erhalten 1), aber wir haben doch ein altes gutes lat. Wort 



1) Du Gange verzeichnet ein ambulus und daneben findet sich eine 
dunkle Glosse C. Gl. L. Seal. V 601, 46 imbulus ab ambulando. 



Die lateinischen Verba auf -ülare {-ilare) 265 

fun(i)ambulus, das nicht erst von Messalla, wie Lindsay (Lindsay- 
Nohl S. 418) sagt, geschaffen worden; es kommt schon bei Terenz 
vor, Hec. Prol. I 4: ita populus studio stupidus in funambulo \ 
animum occuparat und Prol. II 34 funamhuli eodem accessit ex- 
pedatio. Porphyrio zu Horaz Sat. I 10, 28 1), auf den sich Lindsay 
beruft, hat folgende verworrene Angabe: Puhlicola et Messala adeo 
curasse dicuntur, ne Graeca Latinis verbis immiscerent, ut Messala 
primus funambulum dixerit, ne axoivoßdztjv diceret. Post hunc 
Terentius dixit: und dann folgt die zweite Terentiusstelle, die von 
Dziatzko unter Verweisung auf Grautoff eingeklammert wird. 
Es ist offenbar, daß Porphyrio über die Zeitfolge nicht klar ge- 
worden ist, oder daß er den Redner Messalla, der von allen Heraus- 
gebern als identisch mit dem bekannten M. Valerius Messalla Corvinus, 
Horaz' ein wenig älterem Zeitgenossen, angesehen wird, mit einem 
älteren Messalla verwechselt. Jedenfalls steht es fest, daß schon 
Terenz das Wort funambulus gebraucht hat, und das Alter des 
Wortes wird nicht geringer, falls man wie Schindler annimmt, 
daß die beiden Prologe der Hecyra von Ambivius geschrieben sind; 
siehe über diese Frage Dziatzko Praefat. Adnot. Critica S. XXXIV 
und Schanz Geschichte der röm. Lit. ^ 1 .1 S. 143. Das Wort 
kommt ferner bei Sueton Galba 6 und bei spätlat. Schriftstellern 
vor und wird mehrmals in den Glossarien angeführt. Spätere Bil- 
dungen wie praeambulus und mariambulus haben natürlich nicht 
die gleiche Beweiskraft. 

Stolz H. Gr. S. 418 und 596 sagt, daß funambulus eine Rück- 
bildung aus ambulo ist und stellt das Wort mit Verbalnomina mit 
-o-Suffix z. B. merobibus, turicremus usw. (s. oben S. 258) zusammen. 
Wenn man viel darauf gibt, daß das Wort ein Kompositum von 
Nominalstamm und Verbalstamm ist, kann man angemessener z. B. 
muscipula (s. Stolz S. 431) in Vergleich ziehen. Vielmehr könnte 
man sagen, daß das Substantiv anteambulo eine Rückbildung aus 
ambulo ist, wie eine Menge anderer Nomina auf -o -onis, die Fisch 
A. L. L. V S. 56 f. verzeichnet hat, z. B. appeto, bibo, blatero, ca- 
chinno, calcitro, erro, calculo usw. S. auch W. Meyer A. L. L. V 
S. 224f. und Stolz H. Gr. S. 491. Oder auch es ist von *ambulus 
aus wie gerulo von gerulus, epulo usw. gebildet. 

Aber es ist kein Grund, warum man nicht annehmen könnte, 
daß *ambulus ein Verbaladjektiv ist, aus ambulo gebildet, wie ia- 
culus, tinnulus, garrulus, eminulus, patulus usw. aus bzw. iacio, 



1) S. Holder und Keller. 



266 Johan Samuelsson 

tinnio, garrio, emineo, pateo usw. Daß kein einfaches ambulus be- 
zeugt ist, darf nicht allzusehr befremden. Diese Verbaladjektiva, 
die oben angeführt sind, kommen ja sämtlich ziemlich selten vor, 
wie natürlich ist. Denn sie hatten keine spezielle Funktion, die- 
jenigen Wörter ausgenommen, die in Substantiva übergegangen 
sind, z. B. iaculum. In ihrer üblichen Verwendung hatten sie viele 
Konkurrenten: Adjektiva, Participia Praes., Nomina agentis. Daß 
das Zeitwort ambulo dagegen so gewöhnlich ist, wird ebenso natür- 
lich sein. 

extilo 

Auch über die Etymologie dieses lat. Verbs sind viele An- 
sichten ausgesprochen worden. Die alten Grammatiker leiteten es 
von solum her, und diese Erklärung wird von Georges und auch 
von Stolz und zweifelnd von Walde gebilligt. Von den Ety- 
mologien, die von Vendryes und Solmsen vorgeführt sind, welche 
Gelehrte exulo und ambulo zusammenstellen, ist schon oben S. 253 
die Rede gewesen. Über andere Etymologien s. Walde S. 263. 
Die landläufigste von allen ist wohl Vaniceks Herleitung aus 
salio, vgl. Sommer S.'112 und Stowasser Schulwörterb. 

Die auf solum beruhende Erklärung scheint sich auf extorris, 
falls dieses Wort von terra kommt'), stützen zu können. Jedoch 
ist die Bedeutung von solum mit Bezug auf exsul — und dies gilt 
noch mehr von exulare — nicht gerade ansprechend. Die bei 
Cicero vorkommende Redensart solum vertere = in exilium ire ist 
wahrscheinlich von dieser Etymologie (exsulare aus solum) der Alten 
beeinflußt. Vgl. z. B. Festus S. 478: Solum autem quin significet 
locum, quis dubitet, cum exules quoque dicantur loco patriae suae 
pulsi? Cic. Parad. 4, 2, 31: exsules sunt, etiamsi solum non mu- 
tarunt. Der Ausdruck exsilii causa solum vertere findet sich Cic. 
pro Quinct. 19, 60; 28, 86; Phil. V 5, 14; Liv. III 13, 9; 58, 10 
und noch bei Ammian, Vgl. Cic. pro Caecina 34, 100: Exilium 
enim non supplicium est sed perfugium portusque supplicii. Nam 
qui volunt poenam aliquam supterfugere aut calamitatem, eo solum 
vertunt, hoc est sedetn ac locum mutant. Nur Cic. pro Balbo 11, 28 
scheint die Redensart solum vertere ohne unmittelbare Nähe von 
exsilium vorzukommen. 

Was am meisten gegen diese Etymologie spricht, ist aber m. E. 
der Umstand, daß es, so weit ich weiß, völlig unerhört wäre, wenn 



1) S. Brugmann Gr.« I 1 S. 502. 



Die lateinischen Verba auf -uläre {-iläre) 267 

ein denominatives aktives Zeitwort der ersten Konjugation, das aus 
Präposition und Nomen zusammengesetzt ist, intransitiv sein würde. 
Wäre diese Etymologie unanfechtbar, so sollte exsulo den Sinn von 
„des Vaterlandes berauben", „des Landes verweisen", „exilieren" 
haben. Aber diese Bedeutung des Wortes erscheint, wie oben S. 253 
erwähnt ist, erst im Spätlatein. Man vergleiche z. B. edentare, 
efferare, effeminare, eliminare, egurgitare usw., und auch wenn man 
von einem Nomen compositum exsul ausgeht, wird es nicht besser, 
vgl. z. B. elinguare, enodare, exanimare, excordare, exheredare, 
exossare usw. aus elinguis, exanimis usw.^). 

Weiter deutet die nicht ungewöhnliche Verbindung von exulo 
mit Präposition, ab ex, oder einfachem Ablativ, wovon ich sofort 
sprechen werde, darauf, daß in exulo die Wurzel eines Bewegungs- 
verbs enthalten ist. 

Wenn man exsulo aus dem Stamm sal- (salio) herleitet, werden 
zwar die erwähnten Schwierigkeiten vermieden, aber ein Blick 
auf den Sinn von salio und besonders von exsilio ist für diese 
Deutung nicht sehr günstig, exsul sollte demgemäß bedeuten ,,wer 
hervorspringt" oder „aufspringt". Bisweilen kann ja exsilire den 
Sinn von ,, hervoreilen", ,, plötzlich sich auf den Weg machen" an- 
nehmen, z. B. Plaut. Gas. 630; Terent. Heaut. 657 3), aber damit 
ist der Sache nicht viel geholfen. 

Auch meines Erachtens ist ein Verbalstamm in exulo enthalten. 
Sollte es allzu kühn sein anzunehmen, daß wie ambulo analogisch 
aus ambio neugebildet ist, auf dieselbe Weise exulo nach Analogie 
von den vielen Bildungen auf -ulus -ulare aus Verba auf -eo von 
einem exulus aus exeo herrühre? Insofern kann es allerdings 
größeres Bedenken erregen, als hier die Sache etwas anders als bei 
ambulo liegt. Denn exeo wurde wohl nie als ein einfaches Verb son- 
dern als ein Kompositum von eo aufgefaßt. Die Schreibung mit oder 



1) Auch einfache denominative Zeitwörter der ersten Konjugation 
kommen selten im Aktivum in intransitiver Verwendung vor. Stolz H. Gr. 
S. 600 verzeichnet außer exsulare aegrotare und propinquare von aegrotus und 
prupinquus. Von Substantiven derivierte Verba, die eine intransitive 
Handlung bezeichnen, sind auch nicht zahlreich, z. B. aestuare, sotnniare, 
meridiare (Suet. Cal. 38; gewöhnlich meridiari), scahiare (spätlat.), escare 
(spätlat.), lacrimare (auch als Deponens). Vgl. weiter ieiunare (spätl.) und 
rutilare aus ieiunus und rutilus. nuhilat ist wohl wie andere Witterungs- 
verba z. B. grandinat, fulmmat, fulgurat aufzufassen, vigilare hängt durch 
vigil rait vigeo (vegeo?) zusammen iind ist deshalb von einem andern Typus, 
8. oben S. 242. 

2) S. Solmsen Ind. Forsch. XXVI S. 105. 



268 Johan Samuelsson 

ohne s spricht weder für noch gegen diese Etymologie. Die Schrei- 
bung exul, exulo scheint sowohl in den plautinischen Handschriften 
wie auf den Inschriften (z, B. lex repetund. exilium) gewöhnlich 
zu sein i). Aber darauf ist nicht allzu großer Wert zu legen, wenn 
man weiß, daß x oft statt xs und vice versa geschrieben wurde. 
S. Ribbeck proleg. in Vergib S. 445f.; Solmsen Ind. Forsch. 
XXVI S. 105. In den plautinischen Handschriften kommt auch 
die Schreibung exolare, exsolare vor, z. B. Most. 597, Trin. 535 
(in A); Merc. 593, Pseud. 1035 (B), s. Brix zur Trinummus- und 
Lorenz zur Pseudolusstelle. Dies ist eine ältere lautgesetzliche 
Schreibung, die einen Übergangslaut bezeichnet. Man findet sie im 
Ambrosianus auch in anderen Wörtern auf -ulus, z. B. aemolos 
Pseud. 196, haiiolare Merc. 508; vgl. Festus 27 agolum und 68 
Epolonos dicebant antiqui, quos nunc epulones dicimus. Über die 
Inschriften vgl. Schneider Dial. Ital. exempla selecta I S. 136. 

Vielleicht wird man einwenden, daß exulare nach dem Ge- 
sagten ,,in Verbannung gehen" wie das ital. esulare bedeuten sollte. 
Aber dieser Einwand trifft auch jede Etymologie, in welcher der 
Stamm eines Bewegungsverbs als Bestandteil vorausgesetzt wird. 
Übrigens kommen, wie schon gesagt ist, verschiedene Verbindungen 
mit Präposition oder einfachem Ablativ vor, die beinahe eine solche 
Bedeutung, „in Verbannung gehen", voraussetzen oder wenigstens 
sehr wahrscheinlich machen. Vgl. Plaut. Pers. 555 perfidia et pe- 
culatus ex urbe et avaritia si exulant . . .; Most. 596 an metuis, 
nequo abeat foras \ urbe exolatum faenoris causa tui? S. Lorenz 
zu dieser Stelle. Terent. Eun. 610 nam domo exulo nunc. Martial. 
lib. Spect. 4, 5 exulat Ausonia profugus delator ab urbe. Ovid. 
Pont. IV 9, 41 mente tarnen, quae sola loco non exulat, utar . .; 
Trist. III 14, 11 saepe per extremas profugus pater exulat oras . .; 
Verg. Aen. XI 262 Atrides Protei Menelaus adusque columnas \ 
exsulat. Vgl. auch exulo in absoluter Verwendung, z. B. Cic. Parad. 
IV 2, 32 si in opertum Bonae Deae accessisses, exulares. Außer- 
dem ist es leicht, den gewöhnlichen absoluten Gebrauch des exulo 
im Sinne von „in Verbannung leben" zu erklären, wenn man es 
als Denominativ zu einem exulus „wer sein Vaterland verläßt", 
„ein Verwiesener" betrachtet. Auch exul erscheint mit Ablativ 
(gewöhnhch mit Genetiv, z. B. patriae Hör.) z. B. Sali. Jug. 14, 17 
Nunc vero exul patria, domo . . ., vgl. Plaut. Rud. 35. 



1) Über exsul und exul in den ciceronischen Handschriften vgl. Müller 
Adnot. Grit. II 2 p. XIX. 



Die lateinischen Verba auf -ülare {-ihre) 269 

Daß die Bedeutung von exire gut paßt, braucht wohl kaum 
hervorgehoben zu werden. Exire im Sinne von „auswandern" (Caes.), 
„außer Landes reisen", „wegsegehi" ist ja nicht ungewöhnHch. Cic. 
Verres II 2 36, 89 werden exire und emigrare nebeneinander ge- 
stellt: do7no eins emigrat atque adeo exit; nam iam ante emigrarat. 
Und in Pis. 14, 33 gebraucht Cicero von seiner eignen Verbannung 
den Ausdruck exire e patria. Der Bedeutungsunterschied, der 
zwischen exire und exulare vorhanden ist, ist jedenfalls nicht größer 
als z. B. zwischen exire und exitium. 

Man vergleiche das Verhältnis im Griech., wo e^ievat ebenfalls 
von Auswanderung gebraucht wird, z. B. Herod. I 94 e^üvai sk 
Tr^g xfJ^Q^S, und i^eXd^eiv von freiwilligem Exil, z. B. Plat. Apol. 
Soor. 37 D und E; Soph. El. 778; Demosth. 634, 21. 

Hinsichtlich der Form exul sollte man freilich erwarten , daß 
das Wort nach den o-Stämmen flektiert wurde. Auch in dem Fall, 
daß man exid als eine Rückbildung aus exsulare betrachtete, sollte 
dieses Nomen, wie Solmsen Indog. Forsch. XXVI S. 106f. richtig 
hervorhebt, nicht die Form eines Wurzelnomens, sondern eines o- 
Stammes (exsulus) haben. Stolz (Lat. Gr.* S. 182) glaubt auch 
in Anlehnung an Vanicek (Griech.-Lat Etym. Wörterbuch S. 1025), 
daß exsul aus einem älteren exsulus entstanden ist. Wie aber dieser 
Übergang geschehen ist, darüber äußert er sich nicht. Daß bei 
adjektivischen o- Stämmen ein Übergang zur dritten Deklination 
stattgefunden hat, wird ja gewöhnlich eingestanden, und wenn auch 
dies nicht ohne weiteres für alle Verbaladjektiva auf -ilis Gültig- 
keit hat^), so ist doch ersichtlich, daß die Stämme auf -elo- vor- 
zugsweise diesen Wandel mitgemacht haben, vgl. oben S. 251. Ge- 
wöhnlich sind zwar diese -eZo-Stämme zu den i-Stämmen übergetreten, 
vgl. similis, humilis, gracilis, sterilis (s. Brugmann a. a. 0.; 
Lindsay-Nohl S. 386f.), aber man könnte vermuten, daß exulus 
z. B. nach famul famula famulum famuli usw., satur satura sa- 
turum (übrigens können ja auch Adjektiva auf -er -era -erum 
-eri usw. daran mitgewirkt haben) zur Nominativform exid um- 
gestaltet worden. Sodann wurde der Übergang zu den Konsonant- 
stämmen leicht. Als Analogie hätte dienen können consilium : 
consul = exilium : exul. Daß auch consul ursprünglich ein o-Stamm 
gewesen ist, wie Stolz in seiner Lat. Grammatik (2. u. 3. Auf läge) 
annimmt, scheint mir nicht begründet. Brugmann Gr. ^ II 1 
S. 143 leitet consilium aus considium her, consulo < *con9elo < 
*con-sedo und consul < consel usw. 

1) Vgl. Brugmann Gr.* II 1 S. 374. 



270 P- Wahrmann 

Es wäre zwar verlockend consulo auf eine ähnliche Weise wie 
amhulo und exulo erklären zu können, aber es wird, wie mich 
bedünkt, nicht möglich sein. H. Pedersen, Kuhns Zeitschr. 39 
S. 355, hat, ohne es näher zu begründen, die kühne Hypothese 
ausgesprochen, daß consulo aus censeo mittels eines Verbalsuffixes 
-el- gebildet sei. Dieses Verbalsuffix el wäre ja mit dem oben 
behandelten identisch, und jedenfalls hätte Pedersen, um seine, 
wie es scheint, beiläufig hingeworfene Etymologie, was den ur- 
sprünglichen Sinn der beiden Verba betrifft, zu stützen, die Aus- 
sage von Festus herbeiziehen können, Paul. exe. S. 36 (Lindsay): 
consulas antiqui ponebant non tantum pro consilium petas et per- 
conteris, sed etiam pro iudices et statuas (also == censeo). Aber 
wie ist der Vokalwandel co(n)sulo für *ce(n)solo, cofn)sul für 
'*ce(n)sol zu erklären? Dieses *censolo könnte wohl nicht so spät 
gebildet sein, daß es den o-Umlaut erfahren hätte? Die Annahme 
hat ja viel für sich, daß dieser Assimilationsprozeß, der übrigens 
wohl nur in offener Silbe bekannt ist, stattgefunden hat, ehe -el- 
zu -ol- geworden, z. B. *nebola aus ^'nehela, nicht '^nohola, vgl. 
Sommer S. 129. Daß cons- geradezu, wie Pedersen nach An- 
nahme von Walde S. 188 gemeint hat, eine Ablautsstufe von 
cens- darstelle, kommt mir absurd vor. Und ferner sollte man ein 
consulare, nicht ein consulere erwarten. Oder könnte der Konju- 
gationswechsel möglicherweise auf dialektischem Einfluß beruhen, 
vgl. umbr, amboltu zu lat. amhulato, falls diese Formen wirklich 
identisch sind (vgl. oben S. 256)? 

Upsala Johan Samuelsson 



Caccitus bei Petronius, Cena Trim. 63 

In dem Satze Upsimi nostri delicatus decessü, mehercules mar- 
garitum, caccitus et omnium numerum bereitet caccitus dem Ver- 
ständnis Schwierigkeiten und wurde zumeist durch Konjektur be- 
seitigt i). So wird catamitus von Jacobs und Jahn, eccritus von 
Reinesius, sacritus von Rönsch^) in Vorschlag gebracht. Wenn 



1) Bücheier, Petronii Saturae* ad locum; Friedländer, Cena Trimal- 
chionis^ 320; Heraeus, Petronii cena Trimalchionis (in der Sammlung vul- 
gärlateinischer Texte) Heidelberg 1909 ad locum. 

2) Jahrbücher für Mass. Phil., 1882, p. 424 = Coliectanea 256; sa- 
critus = zacritus = SiäxQitog wie saphitus = zaplutus = ^ünkovrog. 



Caccitus bei Petronius, Cena Trim. 63 271 

auch die beiden letztgenannten Lesungen einen befriedigenden Sinn 
geben, so entfernen sie sich doch immerbin noch erheblich von der 
Überlieferung, so daß keine von ihnen allgemeine Aufnahme in den 
Text gefunden hat^). Ich möchte daher eine andere Deutung vor- 
tragen, die an der Überheferuug festhält, und, wie mir scheint, 
auch inhaltlich möglich ist, ohne es freilich zu verkennen, daß das, 
■was ich beibringe, nicht über eine Hypothese hinauskommt. 

Ich sehe nämlich in caccitus ein lateinisches Lehnwort aus gr. 
'^Y.axcLY.oLTog. Dieses ist nur überliefert bei Ibykos Frgt. 1 (Hiller- 
Crusius 2) 6/7 hfxoi d' sqog ovdsfxiav xaraitotTOg loqav in der Be- 
deutung 'auf dem Lager ruhend' 2); erst bei dem Byzantiner Dukas 
(Hist. Byz. p. 25 B u. ö.) findet es sich wieder 3). Indessen schließt 
diese große zeitliche Kluft zwischen den Belegen die Möghchkeit 
nicht aus, daß es in den Dialekten und auch in der xotvj^' weiter- 
gelebt hat und vielleicht nur deshalb in der Literatur fehlt, weil 
es als vulgär empfunden wurde, was uns von einer anderen Ab- 
leitung zu '/.oirr] von Phrynichos (Lob. 252) geradezu bezeugt wird: 

x6 (X8V 'AOLTtüV döo/Uf-lOV, tÖ ÖS TtgO/MlZCOV OV d6'/.lf.tOV. 7j(.UV öe 

aalov xQ^oS^at xw ^Attcmo ovofxaxi. ftQodcofxarLOv yag XiyovoLV, 
knei xal ötof-idriov rcv -/.oiTaiva. Überdies stammt der einzige alte 
Beleg von einem Dichter Großgriechenlands, so daß das Wort eben 
für die Gebiete überliefert ist, die für eine Entlehnung in erster 
Linie in Betracht kommen^). Lautlich läßt sich caccitus unschwer 
auf y.aTü-/.oiTog zurückführen. Die erste Silbe ist durch Synkope ^) 
aus xarait mit folgender Assimilation ß) des ^ an c hervorgegangen. 
Man könnte auch an ein griechisches *zaxxotTOg denken'); es 
spricht jedoch der Umstand, daß die Dialekte Unteritaliens xar 
nur vor Dentalen kennen «), mehr für die erstere Annahme. Der 
Wandel des oi in l in nachtoniger Silbe findet sich auch bei einem 



1) Bei Sengebade-Lommatzsch, Lex. Petron., im Thesaurus L. L. und 
bei Walde, Etym. Wtb.^ wird c. als unsicheren Ursprungs bezeichnet. 

2) Vgl. die Lexika von Passow und Benseler-Pape und den Thesaurus 
Graecus von Stephanus. 

3) Thes. Graecus s. v. 

4) Meyer-Lübke, Gramm, der Roman. Sprachen, I 30 ff. 

5) Stolz, Lat. Gramm.* 165. 

6) Ebda. 136 und Lindsay-Nohl, Die Latein. Spr. 856 Beispiele für die 
Assimilation von t {d) an c. 

7) Vgl. Homer Ilias A 606 xaxxdovTsg. 

8) E. Günther, Die Präpositionen in den griech. Dialektinsehriften, 
IF. 20 (1906/7), 47 und Bück, Greek Dialects, 75. 



272 P- Wahrmann, Caccitus bei Petronius, Cena Trim. 63 

anderen griechischen Lehnwort anqulna aus ayyioiva, ayyiolvtj^). 

Die in beiden Fällen verschiedene Wiedergabe des griech. xot 
läßt sich angemessen durch den Einfluß lateinischer Partizipial- 
bildungen wie accUus erklären. Übrigens sind die Vertretungen 
des griech. yiv in griech. Lehnwörtern so mannigfach und z. T. noch 
so sehr einer festen Regel entbehrend, daß diese Diskrepanz wohl 
auch bei dem lautlich nahestehenden xol wenig ins Gewicht fällt ^). 

Was die Bedeutung anbetrifft, kann für die Petronstelle die 
oben angegebene nicht ausreichen; indessen liegt ein Bedeutungs- 
wandel, der einen befriedigenden Sinn ergibt, nicht ferne. Könnte 
Y.atdy.OLTog nicht eine vulgäre Bezeichnung für xa rcaidiKa gewesen 
sein? So würde es sich auch erklären, daß das Wort in der Lite- 
ratur so selten vorkommt. Als Ausgangspunkt für diese Bedeutungs- 
entwicklung kann sowohl der Kneipjargon gelten, wo ytaTaxelod^aL 
häufig für das 'Bei Tische hegen' verwendet wird 3), so daß xara- 
noLTog eigentlich zunächst der 'Zecher' hieß, dann aber jene 
andere Nebenbedeutung erhielt*), als auch die koittj in dem Sinne, 
in dem sie in den Epigrammen der Anthologia Palatina XII 211 
{dEOTtoTiKij Y.OLTTj) Und 226 (liiovvolsxelg y.oirag) erwähnt wird und 
den sie in dem Fremdwort embasicoetas {sfxßaGii^oirag) Petr. 24, 1 
und 26, 1 hat. Bei dem üppigen Leben der unteritalischen Griechen- 
städte mag leicht ein solches Wort frühzeitig in die lateinische 
Vulgärsprache eingedrungen sein. 

Wien P- Wahrmann 



1) Brugmann, Grdr. I^ 227, Stolz a. a. 0. 70; Sommer, Hdb. d. lat. 
Laut.- u. Formenlehre 115; Marx, Lucilius II 353 (zu V. 1113). 

2) Stolz a. a. 0. und die dort zitierte Literatur; ferner Th. Claussen, 
Koman. Forsch. 15 (1904), 867. 

8) Plato, Symp. 177 D u. E; Rep. 372: PoUux 6, 9 u. 12. 
4) Den Übergang kann Anth. Pal. XII 34 illustrieren, wo es von dem 
naiSoTQCßTjg beim Gastmahl heißt: ds amov xaxixHT vnoxokniog, hs inkg 

(JüflOV. 



Paul Kretschmer, Literaturbericht für das Jahr 1912 273 



Literaturbericht für das Jahr 1912 

Griechisch 

Allgemeines 

Hirt, Herrn. Handbuch der griechischen Laut- und Formen- 
lehre. 2. umgearbeitete Aufl. = Idg. Bibliothek 1 1, 2. Bd. Heidel- 
berg, C. Winter 1912. 652 S. Das Buch von H. ist von Brug- 
manns Griech. Grammatik in Geist und Methode nicht so wesent- 
lich verschieden, daß es darin allein seine Existenzberechtigung 
fände. Diese würde ich vielmehr in dem Bedürfnis nach einer 
kürzeren und knapperen Darstellung der Ergebnisse der griechi- 
schen Sprachwissenschaft sehen. Freilich würde das Buch diesen 
Charakter einbüßen und dem Brugmannschen Werk immer näher 
kommen, wenn es in derselben Weise weiter wüchse wie die zweite 
Auflage gegen die erste, die etwa 190 Seiten weniger hatte. Nicht 
unbedingt Hingehöriges hätte wegbleiben können, so die Beschrei- 
bung der idg. Sprachen mit Literaturangaben S. 13 ff. Wenn jede 
Grammatik der Idg. Bibliothek dieses Kapitel enthielte, worauf ja 
jede das gleiche Recht hätte, so würde dies doch zu ebenso vielen 
Tautologien führen. Auch z. B. die Aufführung von Belegen für 
gr. 7t = idg. p, T = tj d = d usw. ist in einer knapperen Dar- 
stellung überflüssig. Demgegenüber vermißt man manches, was 
man wohl erwarten könnte. Im Sachregister fehlt das Stichwort 
Apokope ganz, und S. 253 wird die Erscheinung nur gerade an- 
gedeutet und von der reichen, ja überreichen Literatur über diese 
vielerörterte Frage wird nichts zitiert. — Ein Versehen ist es doch 
wohl nur, daß S. 281 die Frage nach der Natur des Gravis als 
durch Wackernagel erledigt bezeichnet und die Widerlegung dieser 
Ansicht durch Ehrlich KZ. 39, 571 nicht einmal erwähnt wird. 
— S. 111 behauptet der Verf., er sei in seinem Buch über den 
Ablaut (1900) zu der Ansicht gekommen, daß der langen Nasalis 
sonans vielmehr er9, eh, emd, end zu Grunde liegen. Tatsächlich 
ist diese Auffassung schon etwa ein Jahrzehnt früher von mir 
KZ. 31, 400ff. vorgetragen worden. — S. 32 wird nur von einer 
eteokretischen Inschrift Mus. Ital. II 673 gesprochen; die längere 

Glotta VI, 4. 18 



274 Paxd Kretschmer 

und wichtigere Conwaysche hätte hier nachgetragen werden müssen. 
— S. 241 entscheidet sich der Verf. für Entstehung von ßovlofxac 
aus *ß6lGonar. meine etymologischen Ausführungen über dieses 
Verbum Glotta III 160 ff., die für eine solche Grundform sprechen, 
sind hier nicht berücksichtigt. — S. 252 will H. die Herleitung 
von Eiv und vtibLq aus *Evj und *v7tsQJ retten und wird dadurch 
jedenfalls unklar im Ausdruck. Auch mit der Art, wie er sich 
S. 13 über die Stellung des Ligurischen, Etruskischen, Lykischen, 
Hethitischen ausdrückt, ist dem Leser nicht gedient. — Daß ovo 
die uralte idg. nichtflektierte Form des Zahlwortes sei (S. 439), 
ist die KZ. 31, 451 Anm. von mir geäußerte Ansicht. — Mit Recht 
hat H. (S. 404) die Auffassung der Nomina auf -bvq als w~Stämme, 
in der wir zusammengetroffen sind, auch in dieses Lehrbuch auf- 
genommen. 

Wright, Joseph: Comparative Grammar of the Greek Lan- 
guage. Oxford University Press. London 1912. 384 S. Das 
Werk gehört zu Wrights The Students' Series of Historical and 
Comparative Grammar, ist also ein Lehrbuch, das den englischen 
Studenten die wichtigsten Ergebnisse der griechischen Sprach- 
wissenschaft vermitteln soll. Das Vorwort betont ausdrücklich, 
daß es nicht für Spezialisten bestimmt ist, und so wird man Neues 
darin weder suchen noch finden. Den Lehrzweck, den es sich 
gesetzt hat, ist es ganz geeignet zu erfüllen. 

Oleye, Arthur: Kretische Studien. I. Die westfinnische In- 
schrift auf dem Diskus von Phaestos. Tomsk 1912 (in Kommission 
bei 0. Harrassowitz, Leipzig). 47 S. Auf den Versuch von G. 
Hempl, The Solving of an Ancient Riddle (Harpers Monthly Ma- 
gazine. Jan. 1911), die Sprache der berühmten kretischen Diskus- 
inschrift als einen vorhomerischen ionischen Dialekt zu erweisen, 
folgt nun diese phantastische Deutung aus einem westfinnischen 
Idiom, das G. genauer als urestnisch bezeichnet. Er sieht darin 
eine Bestätigung seiner Ansicht, daß die ,,ägäischen Leleger" dem 
westfinnischen Volkstum angehörten (er denkt sie sich vom Norden 
des Schwarzen Meeres nach Süden gedrängt). Die Deutung der 
piktographischen Schrift des Diskus erzielt er durch Vergleichung 
der Bilder mit den Zeichen der kyprischeu Silbenschrift und der 
hettitischen Bilderschrift sowie durch Heranziehung der estnischen 
Sprache; denn den estnischen Charakter der Leleger glaubt er 
eben schon vorher (vgl. seine Hettitischen Studien. I. Leipzig 1910) 
genügend erwiesen zu haben. Ein Beispiel für sein Vorgehen ! Ein 
Zeichen, das wie ein Rundschild mit 7 Buckeln aussieht — ein 



Literaturbericht für das Jahr 1912 275 

Kreis, in dessen Inneres 7 kleine Kreise eingezeichnet sind — 
scheint dem Verf. (wir erfahren nicht, warum) einen Vokal auszu- 
drücken, er erkennt darin ein Bild der Nacht, die estn. öö == 
finn. I/o heißt, und setzt daher das Zeichen = ö. Mit Pernier und 
Evans (Scripta Minoa I 274) und gegen Ed. Meyer (Sitzgsber. Berl. 
Akad. 1909, XL) und Hempl liest er die Inschrift vom Zentrum 
zur Peripherie hin, daher im allgemeinen von links nach rechts, 
trotzdem aber die einzelnen durch Querstriche getrennten Zeichen- 
gruppen zuweilen auch von rechts und links, und behauptet, daß 
die Schrift keine Silbenschrift, sondern aus Zeichen für einzelne 
Laute, Silben und Begriffe zusammengesetzt sei. Was sich ihm 
schließlich aus der Entzifferung der Inschrift ergibt, ist ein lele- 
gisches Volkslied, aber es ist leider ein von Gleye, nicht von den 
Kretern gedichtetes. Die Haltlosigkeit seiner Voraussetzungen 
bedarf keines besonderen Nachweises. 

Altgriechische Dialekte 
Keil, Josef: Forschungen in der Erythraia II. Jahreshefte d. 
Ost. Arch. Inst. XV Beibl. 68 — 76. Bemerkenswert sind in den 
Namenlisten die Genitive 'EQy?]oT€leo, 'Ii^tgoqxivev. Vgl. Thumb 
Gr. Dial. S. 330. 355. 

Bück, Carl D. A New Epigram from Thessaly. Class. Phil. 
VII 351-353 liest das von Hatzfeld BGH. XXXV 239 heraus- 
gegebene Epigramm von Oloosson 

Nr]7tia eovo^ ed-avov /.ai ov Xdßov avd'og et t^ßag 
aXX^ l/.ifxav TtQoozev 7toXvdäy.Qvov elg ^AxIqovtw 
[xvä(.ia de telöe tcut^q ^Yrtegdvogog rtalg Klsoda/xog 
araas /.is Gso{a)aXiai, xal (.idtriQ d-vyaxQl KoQcova. 
Bemerkenswert sind tvqootev = TtQooS-sv (vgl. unten S. 295), telös 
und das Fehlen der Aspiration in er Tqßag. Letzteres scheint 
dem Verf. für Wackernagels Ansicht zu sprechen, daß der Asper 
erst durch attischen Einfluß in das Epos gedrungen sei; denn 
Jacobsohn Phil. 67, 331 habe erklärt, dies sei bewiesen, sobald 
sich in einem nicht psilotischen Dialekt ein homer. Wort ohne h 
finde, das in unserm Text aspiriert sei. In Wirklichkeit wird aber 
dieser Beweis sehr schwer zu erbringen sein. Denn, wie ich in 
Gercke-Nordens Einl. I^ 165 (P 545) gezeigt habe (vgl. Glotta 
IV 325), gebrauchen die Verfasser der lapidaren Epigramme in 
älterer Zeit epische Formen nur so weit sie metrische Vorteile 
bieten (daher Fehlen des Augments in ardos), im Übrigen nur 
ihre eigene Mundart, also auch die Aspiration, wenn sie ihrem 

18* 



276 Paul Kretschmer 

Dialekt eigen ist. Es ist von vorn herein garnicht zu erwarten, 
daß ein Mann, der fxdtrjQ, rKo^av usw. schreibt, in der Aspiration 
nicht gleichfalls seinem Dialekt, sondern dem Epos folgen werde. 
Die Psilose in unserm Epigramm muß also aus dem Dialekt des 
Kleodamos stammen. Er schreibt ja auch seines Vaters Namen 
ohne Heta, obwohl auf einer Inschrift aus dem Anfange des V. 
Jahrhunderts in archaischem Alphabet das Heta geschrieben sein 
müßte, wenn es im Dialekt des Schreibers bestand. Daß er sich 
auch in diesem Namen nach Homer gerichtet habe, ist doch nicht 
anzunehmen. Aber — wird man einwenden — dem thessalischen 
Dialekt ist doch die Psilose fremd. Ich antworte: Kleodamos war 
eben kein Thessaler. Woher ich das weiß? — Weil er schreibt, 
daß er seiner Tochter ,, in Thessalien" das Grabmal errichtet habe: 
kein Thessaler hatte in Thessalien Ursache ausdrücklich zu er- 
klären, daß er seine Tochter in Thessalien begrabe. Also stammte 
Kleodamos aus einem psilotischen Dialektgebiet, z. B. dem aiolischen 
und verlor auf der Reise mit seiner Familie in Thessalien seine 
kleine Tochter. Vielleicht war seine Frau Korona eine Thessalerin 

— ihr Name erinnert an den der thessalischen Heroine KoQwvlg 

— und besuchte mit ihrer Familie ihre Heimat. Wenn ein Epi- 
gramm von einem Ortsfremden abgefaßt wurde, so pflegte dieser 
bald seinem eigenen Dialekt, bald dem des Ortes zu folgen. Kleo- 
damos hat die Psilosis aus seiner Mundart beibehalten, während 
TtQOGTsv, dessen ar = oS^ zu thess. TtsTteiaTecv sXsateiv stimmt, 
aus dem Thessalischen stammen wird. 

Avezon, Gh., et Gh. Picard, La necropole de Thessalonique. 
Melanges d'archeol. XXXII 337—361. Auf dem Sockel einer 
Terrakotta-Statuette der Aphrodite (erste Kaiserzeit) steht I^ttoA- 
Xovvog. Ist das ov später Rest des thessalischen Dialekts, wie 
in Soviöag = ^wiöag? 

'PcöfiaXog, K. A. TEyEaTL/.al enLyQacpai. BGH. 36, 353 — 386. 
Nr. 1. Das an erster Stelle mitgeteilte Fragment einer Stelen- 
aufschrift, in den 1913 erschienenen IG. V 2 Nr. 75, ist schon 
BGH. 1901, 268 bekannt gemacht worden. Der Herausgeber er- 
gänzt: 

roqytg MaLvaXlLog '^AXiai f.i avsd^rfMv aße&Xa 

y.al X STtiovTa 

Bemerkenswert ist das Heta von '^At'a und afed-la. "^AXia sieht 
*P. als umgekehrte Schreibung an. In t Itziovxol = xa ertiovTa 
liegt Elision statt Krasis vor. Wilamowitz ergänzt öig laßelv. — 
Nr. 2 = IG. V 2, 107: Töpfersignatur auf dem Fuß einer Schale: 



Literaturbericht für das Jahr 1912 277 

noXeag Ircolrig. Auf das Sigma von ercolrig folgte kein weiterer 
Buchstabe. Der Herausgeber will diese Verbalform in einer mir 
unklaren Weise aus Analogie von ^g == att. ^v erklären. Wenn 
STtoirig nicht verschrieben für e/toitjae ist, so stellt es eine sehr 
interessante altertümliche Bildung dar. Nach Ausweis von avest. 
täst, därdst, ved. apräs 3. Sg. aus d-prä-s-t trat im sigmatischen 
Aorist die Personalendung ursprünglich direkt an das -o- an und 
mußte lautgesetzlich im Griechischen wie im Indischen abfallen. 
Es wurde also irtolrioa, "^s/voitjog, *£7toir]0t flektiert, und ^enoiriav 
wurde regelrecht zu iitolr^g. enolrjos ist Neubildung nach dem 
Perf. XiXoiTte {eTtoirjoa: ertolriae = XeXoiTta: XskoiTte). Die kypri- 
schen Inschriften zeigen nur diese Endung: tataoe, Y.ccteOA.evFaoe. 
usw. (Hoffmann Gr. Dial. I 271). — Nr. 3 = IG. V 2, 33. Bruch- 
stück einer tegeatischen Bauurkunde: etpoöog scheint 'Steinschicht 
zu bedeuten. Von den Ordinalzahlen lassen sich ergänzen /r^w]ra, 
ÖEVT\eQa^ T;QlT\ay T£T]o^ra, 7teix\Tt6xa. xtroqiog war schon aus der 
tegeatischen Bauinschrift IG. V 2 Nr. 6, 104 bekannt. Neu ist 
Ttif^nozogy wenn richtig ergänzt ist; 'P. erklärt es aus Einwirkung 
von diytoTog. Lautliche Entwicklung von o wegen der Konsonanten- 
häufung ist wohl weniger wahrscheinlich. — Nr. 4: Rechte Hälfte 
einer Marmorplatte mit Gesetz über Tempelreinigung. Ich lasse 
die Lesung von IG. V 2, 4 folgen. 

Ig TÖl IjSQoT t^Uv Tu d' UQoy xad^ägaL 

T]a öi vGtfiqaL i/nTiXaTiaL iXaay.ead-aL 

rat dt TQixcti 

Tc\Xiovog ^^TtoXXwvog aZrij- 

5 x]avv kg e/crj . . XO«t 

zöv ccQaeva [eirig av] tji [n]dg d^rjXiat, 

d-e]aQdjv '/.al legitov -/.[al tej^ojuvajuovw»' 

(xrßdiv aTciyßv zog 6Q[xri\o'cag 

(xride avTd\v iqva\L \^/.ad-a\Q6v 

10 BTOi Tig twv oq[xi'IOtcc]v t[üjv 

fiai, xüv de Iowa Iv . . 

|U6'ar av aaXiog dv[T€XXoc 

.... za]^/^£rot avd^QWTtov .... fi[ljr£ . . 

a xa^agov tjvai eLT[e xa\d^aQO . 

15 Te^vaoTog E-neqo . . . . v . El 

tOV dvd^QlüTCOV El, 07TV 

Aad^aqbv rvai , cii 

Tfi l'/.aotc oiaai. [El d ] aexcov 

Qog TÖl x^[«]ot. El ÖS xXiog tot 



278 Paul Kretachmer 

20 xa^Ja^ov rjvai. El XiXa&e 

filVe iv lEQol «Ire iv oaioi 

juejate tccTOv eol cefioiva 

Z. 6 d^TjXsa = d^rjhri mamma. Z. 18 las 'P. Fsi/iaava. Neu sind 
die Wörter IfiTtXaTia 2, das mit den Kuchennamen kniTrXaTOQ, 
BTtiTtekaviag, l^rcsXava, %Xeoq 19, das mit xA^dog verglichen wird, 
^azov 22, das 'P. = ßarov setzt, Hiller v. Gaertringen von *^aw, 
dem vorausgesetzten Stammwort von täzEu) ableitet. Die Stelle 
ist zu wenig deutbar, um eine Erklärung dieses und des folgenden 
Wortes afxoLva zu gestatten, das an lat. amoenus erinnert, welches 
Brugmann mit äfxeivov verknüpfen will. — Nr. 5 und 6 sind 
Namenverzeichnisse: yliacov, Jvorilijg, 2a%l^g, ^^giOTO^gevrig ver- 
dienen Hervorhebung. — Nr. 7 Ehrendekret für einen Argiver, die 
mit den Worten evvoiav sveau v.al svegysolav Tag Iv rav tioXiv 
schließt. — Nr. 8 Sevaylg, ^Aqloxw aved^hav. — Nr. 9 KaXXlvog 
Tloaeiöan. — Nr. 10 MeyiozM ^^QTf/^i ^lOTsigai ['£]vox/a[t. — 
Nr. 11 Grabstele des Apollonis, der als einer der (xat(J^veg be- 
zeichnet wird, über die Athen. IV 149 zu vergleichen ist. 

Herzog, R. Auf den Spuren der Telesilla. Philol. XXV 1—23. 
Selten hat eine neue Lesung einen so gänzlich anderen Text ge- 
zeitigt, wie diese, die H. der von Vollgraff BGH. 32, 236—258 
herausgegebenen argivischen Inschrift hat angedeihen lassen. Diese 
beim Temenos des Apollon Deiradiotes gefundene Inschrift lautet 
nach H.s Lesung: 

'^ AdvXvqai Jiog viov ^uäjiöXXiov Aqia\iav ayvöv 

Evd^Eoi lartjoav &i'a6t | deiav di dvtoydv. 
5 '^EßÖEfxaTai f.iea{o)ai \\ dvoiav ayo^Eg v.azd. f^^vag, 

^E^ Ol) nXEiaraQxov vi'}{.[t]ioq | e^ijXaaE ^AttoXXwv. 

Agxictg Tif^o'KQcezrig 

QEvvoa ^Xs^Eug 
10 KXEvdvöga KXsodafxog 

MeXitu MEVEXatöag 

'u4aia BovY-oXiiov 

Jd^Eov Ni^avÖQog 

^yiqiaTEOv ^^yaiog 
15 KaXXiazQdra 

EvKQaTELa noXv/.Qdrrjg 

Evy.QdTEia IIoXvaxQaTog 

^va Odiqvog 

. . . aQiara AQXixeXrig 



Literaturbericht für das Jahr 1912 279 

20 K\XevävÖQa Niy.i(ov 
NvALTCTta ^Aqloxwi 

noXvxgdtrig 
üoXvaTQdxa. 
Hervorzuheben sind d^laoi, kßöefidtai, und KksvdvÖQa mit auffäl- 
ligem ev (vgl. Glotta VII 37). 

Pomtow, H. Delphica III. Berl. phil. Wochenschr. 1912 
Sp. 573 f. Ein sehr altes Anathem der Hermioneer in Delphi, 
wohl die älteste Inschrift der Stadt (um 450 v. Chr.), zeigt die 
Namensform Oeqoecpöva. Von der Inschrift ist sonst nur noch 

'^EgiJ.ioveg dvE& erhalten. — Ein etwa gleich altes Epigramm 

der Insel Peparethos Sp. 603 f. mit der Signatur des Atheners 
Diopeithes ist wegen der Dialektmischung merkwürdig, die wohl 
aus der Verschiedenheit der Herkunft des Künstlers und der 
weihenden Gemeinde sich erklärt: 

JiOTteid^eg ircoieoEv ^^d^evato\g. 
Näe övö KuQÖv JIsTtagsd^ioi [alxf^^i hs]l6vTEg 
kareoav dsKccrsv hey.aTaßcXoi ^ ÄTtiXkövi. 
Sp. 1077 f. Eine Porossäule unbekannter Herkunft in Delphi zeigt 
die Weihinschrift (1. Hälfte des V. Jahrhunderts) eines ^Aquctöag 

F (oder A, E). — Sp. 1394—97 teilt F. den auf einem 

Cippus beim Athenerhaus stehenden Hymnus des Korinthers Ari- 
stonoos auf Hestia mit, der den Apollohymnus Bull. corr. hell. 
XVII 563 verfaßt hat. Er beginnt '^legäv ieqcov avaaaav Eaziav. 
Neu ist Z. 12 das Verbum relcpsvio, das P. zu d^dXrtio, Qsl/vovaa 
(TsAcpovoa), bei Steph. B. QcclTtovaa stellt: liiowa rtvlgl z]sX(fevovaa 
ßojfxovg. 

Orsi, P. Di una anonima cittä siculo-greca. Monumenti 
antichi XX 729—850. Auf dem Berge S. Mauro bei Caltagirone 
in Sicilien sind Reste einer altgriechischen Stadt zu Tage ge- 
kommen, unter denen sich auch einige Bronze-Inschriften in ar- 
chaischem Alphabet befinden. Comparetti hält das Alphabet für 
chalkidisch, V = x, OS = ip, c = y. Die Inschriften sind so frag- 
mentiert, daß sich nur wenige Worte ergeben. Fraglich ist, ob 
der Dialekt ionisch oder dorisch war, da die Ergänzung 'A&rj[v(av 
od. dgl. nicht sicher ist. Bemerkenswert ist Nr. 5 Sp. 837 f. 
. . . i;Tig : dv\ßo zdXav[Ta. Also dvßo = ovo. Digamma auch in 
Frg. 3. In Nr. 1 faßt Comparetti Idv ös als sdv öi (Nr. 7 : Id . . . .); 
möglich wäre auch das Zahlwort i'a. Nr. 6 hrirtsQ = '^tieq. 

Malten^ Ludolf: Kyrene. Sagengeschichtliche und historische 



280 Paul Kretschmer 

Untersuchungen. Phil. Untersuch, her. von Kiessling und Wilamo- 
witz-Moellendorff. XX. Heft. Berlin, Weidmann. 1911. In Kap. VI 
(S. 142 — 146) handelt M. auch über den kyrenäischen Dialekt und 
erörtert namentlich die inschriftlichen Formen cvi^y.oiaav und 
TtQoyeyovolaaig, die in cpiqoioa, ßaXoloa, y.QeioLöi usw. bei dem 
Kyrenäer Kallimachos ihre Parallelen haben. Da an lesbische 
Elemente nicht wohl gedacht werden kann, so nimmt M. spontane 
Entwicklung von ova zu olö im kyrenäischen Dialekt an wie in 
kret. ügiaiaog = ügiavoog, ther. ßia'oaioav, naiaiq)CiV£iav. 

Praschiiiker, Camillo: Bronzene Spiegelstütze im Wiener 
Hofmuseum. Jahreshefte d. Ost. Arch. Inst. XV 219 — 252. Die 
angeblich aus Nemea stammende altertümliche Bronze-Statuette 
stellt ein nacktes Mädchen dar; P. glaubt für die stilistisch ver- 
wandten Bronzen großenteils Sparta als Entstehungsort annehmen 
zu dürfen. Unter diesen trägt die Pariser Figur auf dem linken 
Oberschenkel eine archaische Inschrift +ID)?/;IMI. Ob der letzte 
senkrechte Strich ein Buchstabe (Jota) ist (er ist weniger tief als 
die übrigen Zeichen eingeritzt), ist zweifelhaft. Über die schwie- 
rige Lesung der Inschrift habe ich bei Praschniker S. 251 f. ge- 
handelt. XiQiqßlg {SiQTißig) oder iQTjFig {= UQSia?) oder igt] el^i? 

Bück, C. D. The Delphian Stadium Inscription. Class. Phil. 
VII 78—81, erklärt in dieser Inschrift (BGH. XXHI 611) eg rov 
dqofxov einleuchtend = ex %ov öqöfxov, während Keramopullos kg 
(ra) zov dQO/iWv verstand; aber delphisch ist sv c. Acc, während 
sich ig neben 6x im Delphischen verteidigen läßt. 

Literatursprachen 
Witte, Kurt: Homeros. Sprache. Real-Encyclopädie der class. 
Altertumswiss. VIII 2213 — 2247. Der Artikel Homer im Pauly- 
Wissowa beschränkt sich auf die Vita des Dichters und die Sprache 
des Epos, welche letztere W. zu behandeln übernommen hat. Den 
Lesern der Glotta sind Wittes Ansichten über die homerische 
Sprache aus zahlreichen Aufsätzen unserer Zeitschrift bekannt. 
Es ist willkommen zu heißen, daß er nun Gelegenheit erhalten 
hat, diese Ansichten zusammenzufassen und den ganzen Komplex 
der an Homer sich knüpfenden Sprachfragen im Zusammenhang 
zu erörtern. Daß dabei seine eigenen neuen Gedanken in den 
Vordergrund und anderes mehr zurücktritt, wird niemanden sehr 
wundern. Ich bin im wesentlichen mit W.s Ansichten einverstanden, 
denn ich war angeregt von Ellendts Abhandlung Über den Einfluß 
des Metrums auf Wortbildung und Wortverbindung bei Homer 



Literaturbericht für das Jahr 1912 281 

(1861) schon früher zu denselben Schlüssen gelangt und habe sie 
in Vorlesungen vorgetragen (vgl. auch KZ. 33, 570 f., wo unter 
anderm die homer. Endung -juea^a statt -fxed^a in qjSQOf^eod^a, 
yevöfieod^a usw. aus metrischem Zwange erklärt ist). Aber W. 
hat diese Gedanken mit großer Energie weiter verfolgt und alle 
Konsequenzen daraus abgeleitet. Dabei geht er dann zuweilen 
weiter als ich ihm folgen kann. Gleich die Formulierung seiner 
Theorie in dem Satz: die Sprache der homerischen Gedichte ist 
ein Gebilde des epischen Verses, fordert zum Widerspruch heraus, 
weil es die ganze homerische Sprache zu einseitig unter dem Ge- 
sichtspunkt des metrischen Zwanges betrachtet. Erst war doch 
die Sprache und dann der Vers, der erst aus und an der Sprache 
sich entwickelt hat, so daß man mit mehr Recht sagen könnte: 
der epische Vers ist ein Gebilde der griechischen Sprache. Die 
epische Sprache erhält ihr Gepräge durch die Vermischung alt- 
ionischen Dialekts mit aiolischen Elementen, die durch den Über- 
gang dieser Dichtung aus aiolischen in ionische Hände sich er- 
klärt. Gegenüber diesem wichtigsten Vorgange hat die Kon- 
servierung mancher Aiolismen an gewissen Versstellen doch nur 
nebensächliche Bedeutung. — Sp. 2235 = Glotta IV 117 ff. erklärt 
W. die merkwürdige Tatsache, daß /taig fast durchweg in der 
Senkung steht, also zweisilbig (ftaig) war, dagegen die Casus ob- 
liqui uaiöog Tiaidi naidsg usw. sowie naidvog rtalCto Ttaidocpovog 
durchgehends das ai in der Hebung, also einsilbig haben, daraus, 
daß Ttd'ig vor der bukolischen Diärese seinen festen Sitz hatte, 
während die Casus obliqui einen derartigen „Schlupfwinkel" im 
daktylischen Hexameter nicht hatten. Aber nach Sp. 2217 wurden 
die anapästischen aiolischen Wortformen niavQeg, ccfxvöig, Xf-isvat 
wegen ihrer metrischen Qualitäten konserviert. Warum wurden 
also nicht naiöög, Ttdiöeg, Ttaidoiv usw. wegen derselben Quali- 
täten bewahrt? Dazu kommt, daß auch im Lesbischen nur der 
Nom. und Vok. rtaig, jtaC offen vorkommt (neben rcalg), die an- 
deren Kasus nur kontrahiert (Hoffmann Dial. H 419). Die boioti- 
schen Inschriften haben nur naig, nicht ftrjg; bei Korinna ist 
Ttrjg nrda neben Ttaida überliefert (Glotta I 351): vielleicht wurde 
im Boiotischen Tiä'ig nridog flektiert und die Ratio von den Gram- 
matikern verkannt. Also wird das Verhältnis von hom. rtaig : 
naiöög sich sprachlich, nicht metrisch erklären und die Kontraktion 
wie in mq : riqog i^QLvog im dreisilbigen Tcaiöog früher erfolgt sein 
als im zweisilbigen Ttd'ig (vgl. Glotta III 120 Anm.). — Übrigens 
waren ja auch die ionischen Formen TeaaaQsg, ccfia, üvau metrisch 



282 Pä'il Kretschmer 

ebenso brauchbar wie die aiolischen TiiavQsg, a^vdig, If^svai, deren 
Konservierung W. ihrer metrischen Beschaffenheit zuschreibt. So 
wird eine Durchprüfung der neuen Theorie, die bisher noch nicht 
vorgenommen ist, noch zu manchen Fragestellungen führen, z. B. 
wie sich die Neigung des epischen Dichters zum ,,Isosy Ilabismus" 
erklärt, wenn er zu dem den Vers schließenden Gen. ^^vTKpatao 
X 114 den kVk.^AvztqjaTTJa bildet, der doch eigentlich das Sprach- 
gefühl des Hörers beleidigen mußte, statt wie o 242 und M 191 
die regelrechte Form ^Awifparriv zu verwenden, die sich ebenso 
gut, wenn auch an anderer Versstelle, anbringen ließ. — W. aber 
bleibt jedenfalls das Verdienst, den bisher viel zu wenig berück- 
sichtigten metrischen Gesichtspunkt für Homer energisch zur Gel- 
tung gebracht zu haben. 

Bolling, George Melville: Contributions to the Study of Ho- 
meric Metre. H. Length by Position. Amer. Journ. of Phil. 33, 
401 — 425, polemisiert, wie vorher schon Danielsson IF. XXV 264 
(Glotta HI 310), gegen Solmsens Theorie Untersuch. 129 ff., daß 
das Unterbleiben der Positionslängung in homerischen Fällen von 
der Art %Qrjyvov emag auf einer Silbenteilung 'A.QTqyvo-v Feinag be- 
ruhe, und nimmt hier vielmehr Digammaschwund an, was in der 
Tat wahrscheinlicher als Solmsens doch sehr gekünstelte Er- 
klärung ist. 

Herzog, Rudolf: Die Umschrift der älteren griechischen Lite- 
ratur in das ionische Alphabet. Programm der Univ. Basel 1912. 
103 S. Eine ganze Monographie über die Umschrift hätte man 
eigentlich nicht mehr erwartet. Im besten Falle, d. h. wenn diese 
Theorie im Prinzip Recht hat, bleibt die Erklärung von Text- 
verderbnissen durch die Umschrift immer nur eine Möglichkeit, 
für die ein wirklicher Beweis in bestimmten Einzelfällen nicht er- 
bracht werden kann. H. erstreckt seine Theorie über das ho- 
merische Epos hinaus auf Hesiod, Theognis und andere Lyriker, 
Pindar, die Tragiker und Aristophanes , aber für Homer kommt 
sie jedenfalls in erster Linie in Betracht. Gegen die Theorie vom 
homerischen f.iETaxctQaA.TriQio^6g habe ich aber schon Glotta III 308 
den Einwand erhoben, daß sie zu wenig mit einer mündlichen 
Tradition neben der schriftlichen rechne. Es ist doch etwas 
anderes, ob ein byzantinischer Mönch einen klassischen Text ab- 
schreibt, den er erst aus der Handschrift kennen lernt und den 
er nur halb versteht, oder ob ein im Munde des Volkes lebendes 
nationales Epos, das in der Schule gelesen, von den Rhapsoden 
öffentlich vorgetragen, von jedem Gebildeten zitiert wird, nicht 



Literaturbericht für das Jahr 1912 283 

bloß von einem einzelnen Abschreiber, sondern ganz allgemein in 
ein jüngeres Alphabet umgeschrieben wird. Schon die antike Sitte, 
laut zu lesen (vgl. darüber Glotta V 261), mußte eine mündliche 
Überlieferung der Aussprache der homerischen Worte mit sich 
bringen, die neben der handschriftlichen herging. Wer vollends 
wie Cauer eine mündliche Tradition der Epen bis ins VI. Jahr- 
hundert V. Chr. voraussetzt, hat nicht das Recht anzunehmen, 
daß sofort nach der ersten Niederschrift die mündliche Über- 
lieferung verstummte und das folgende Jahrhundert gleich völlig 
von toten Handschriften abhängig war. Man hat also im V. Jahrh. 
jedes homerische Wort so oder so ausgesprochen. Beging man 
dabei Fehler, so konnte mau sie sowohl vor wie nach der Um- 
schrift begehen, aber doch nicht bloß bei der Umschrift! Und 
da wir nicht feststellen können, wann sie begangen wurden, so 
bleibt eben die Erklärung durch die Umschrift eine bare Möglich- 
keit. Wer ferner nicht die Ansicht Cauers teilt, daß die erste 
Niederschrift der Epen in Attika erfolgte, wird annehmen, daß die 
erste Aufzeichnung der ionischen Dichtungen durch lonier und in 
asiatisch- ionischem Alphabet geschab: dann waren graphische 
Verwechslungen von i] und et oder s, lo und ov oder o, die in der 
Umschrifttheorie eine große Rolle spielen, ausgeschlossen. Ich 
habe nun aus der Berliner Duris-Vase, auf der der Hexameter 
einer Buchrolle in ionischem Alphabet geschrieben ist, während 
Duris auf dieser Schale und sonst durchweg attische Schrift an- 
wendet, wie sie seiner Zeit (um 480 v. Chr.) gemäß ist, den Schluß 
gezogen, daß das ionische Alphabet schon um 480 im griechischen 
Buchwesen das herrschende war. H. findet diese Folgerung vor- 
eilig: wie soll man aber seine Einwände bezeichnen? Er führt 
gegen ein Dutzend Vasen an, auf denen Verse, die dargestellten 
Personen in den Mund gelegt werden, in attischem Alphabet ge- 
schrieben sind, und folgert daraus den Gebrauch dieses Alphabets 
für das attische Buch- und Schulwesen der 1. Hälfte des V. Jahr- 
hunderts — als ob eine Vase ein Buch wäre. Wer behauptet 
denn, daß ein Athener, der in dieser Zeit gelegentlich einen Vers 
niederschrieb, dabei das ionische Alphabet verwendete? Auf zwei 
Schalen allerdings sind Rollen dargestellt, auf denen attisch ge- 
schriebene Wörter stehen. Aber auch dies beweist nichts gegen 
meine Ansicht. Denn 1) können wir nicht erwarten, daß jeder 
Vasenmaler so pedantisch genau wie Duris auf der Berliner Vase 
die Buchschrift charakterisierte, und 2) habe ich nicht behauptet, 
daß es im V. Jh. kein Buch in attischem Alphabet gab, sondern 



284 Paul Kretschraer 

daß die ionische Schrift im damaligen Buchwesen die herrschende 
d. h. doch also vorwiegende war. 

Arnim, Hans v.: Sprachliche Forschungen zur Chronologie 
der Platonischen Dialoge. Sitzgsber. d. "Wien. Akad. 169. Bd. 3. Abh. 
235 S. Das Ziel dieser Arbeit ist kein sprachwissenschaftliches, 
sondern ein philologisches: sie will mittels der vielumstrittenen 
sprachstatistischen Methode die historische Reihenfolge der pla- 
tonischen Dialoge feststellen und bemüht sich diese Methode in 
einwandfreier Weise auszugestalten. Daher beschränkt A. seine 
Statistik auf formale Momente der dialogischen Technik, und zwar 
wählt er speziell die Bejahungsformeln und Zustimmungsausdrücke 
aus. Er sucht festzustellen, mit welchen Büchern jeder einzelne 
Dialog oder jedes Buch eines Dialoges in der Auswahl und Fre- 
quenz dieser Ausdrücke am genauesten übereinstimmt, und schließt 
aus der relativ größten Affinität, die in dieser Beziehung zwischen 
zwei Dialogen besteht, auf deren zeitliche Zusammengehörigkeit. 
Sprachlich von Interesse ist zunächst die ungemein große Mannig- 
faltigkeit der Bejahungsformeln in Piatos Dialogen, die sich hier 
herausstellt. Neben den einfachsten Zustimmungspartikeln wie 
vai, vrj Jia, ndvv ys, navvdjtaoiv, acpoöga ye, /.Of^iörj, nokv ye, 
(xdXa d^TTOv, Ttctvxiov f-tdliara finden sich die verschiedenartigsten 
Bejahungssätze: Tiiog d' ov /xeXXsi; ti yccg av tig dkXo qtair}; ovy- 
XtoQto Tauza, ^vvoiOf-iaL, (pa/uev ye fxiqv, (xeydXni avdyytr], ovk l'x^ 
dkXwg elnelv, cXrjd^rj Xeyeig, /.aXtög el/veg, eolks ydg ovTwg, s^ioiyB 
öo-/.ei, cpaivExai fxoi, toxi lavxa usw. Der Verf. setzt voraus, daß 
Piatos Gebrauch dieser Ausdrücke einer allmählichen Entwicklung 
unterlag, die freilich keine gleichmäßig fortschreitende gewesen zu 
sein brauche. Dies wird im allgemeinen vielleicht zutreffen; tat- 
sächlich stimmt die Statistik nach A. in Fällen, wo die Reihen- 
folge anderweitig bekannt ist, z. B. bei den 10 Büchern der 
Republik. Aber Ausnahmen sind doch nicht ausgeschlossen: da 
die aufi'ällige Mannigfaltigkeit dieser Ausdrücke auf beabsichtigt 
Abwechslung hinweist, so hat Willkür in die angenommene Ent- 
wicklung eingegrifi'en, und es scheint mir denkbar, daß Plato eben 
der Abwechslung halber gelegentlich einmal in einem Dialog die 
im vorhergehenden gebrauchten Zustimmungsformeln möglichst 
vermieden und auf solche in früheren Dialogen zurückgegriffen 
hätte. Einen ähnlichen Einwand erhebt 

Pohlenz, Max: Aus Piatos Werdezeit. Berlin, Weidmann 
1913 (428 S.) S. 360. Aus dieser im wesentlichen philologischen 
Untersuchung fallen in unser Gebiet hauptsächhch die Seiten 



Literaturbericht für das Jahr 1912 285 

356 — 361, in denen der Verf. die sprachstatistische Methode kriti- 
siert. H. V. Arnim hat auf diese Kritik in dem mir noch nicht zu- 
gänglichen Buch Piatos Jugenddialoge (Lpz. 1915) geantwortet. 

Kallenberg, H. ^'Otl und wg bei Plato als Hilfsmittel zur 
Bestimmung der Zeitfolge seiner Schriften. Rhein. Mus. 68, 465 
— 476. In den letzten sechs Dialogen Piatos, Philebus, Sophistes, 
Politicus, Timaeus, Kritias und den Gesetzen, wird wg für ort vor 
vokalischem Anlaut des folgenden Wortes, also zur Vermeidung 
des Hiatus verwendet. Da der Philebus noch etwas geringere 
Hiatusscheu zeigt, hält ihn K. für den ältesten jener 6 Dialoge. 
In derselben Dialoggruppe tritt dij ovv des Hiats wegen gegen 
ovv dri zurück. 

Johnson^ A. C. A Comparative Study in Selected Chapters 
in the Syntax of Isaeus, Isocrates and the Attic Psephismata pre- 
ceding 300 B. C. Athens, „Hestia". 1911. 78 S. Angeregt durch 
die Beobachtung von K. Fuhr Rhein. Mus. 33 (1878), 577ff., daß 
die attischen Redner den seltenen Gebrauch von re xat mit den 
attischen Dekreten teilen, vergleicht J. die Syntax eines Gerichts- 
redners und eines Epideiktikers, Isaios und Isokrates, mit der 
Sprache der attischen Psephismen (Präpositionen, Kasus, Tem- 
poral-, Kausalsätze, Partizipien, Infinitive) und findet, daß Isaios 
begreiflicherweise der Gesetzessprache näher steht als Isokrates. 

Koine und. "Vulgär griechisch 
Maidhof, Adam: Zur Begriffsbestimmung der Koine besonders 
auf Grund des Attizisten Moiris. Die Schrift ist an drei Stellen 
erschienen, als Münchner Dissertation (Würzburg, Kabitzsch 1912. 
97 S.), in Schanz' Beitr. zur bist. Syntax d. gr. Spr. XX und in 
der Festgabe für M. v. Schanz S. 277 ff. M. hat sich die Aufgabe 
gestellt zu untersuchen, was die Alten unter Kolvtj verstanden 
haben, und kommt zu dem Ergebnis, daß ein dafür maßgebender 
Grammatiker, der Attizist Moiris mit -kolvov, ytoivwg die niedrige 
Umgangssprache, mit "ElXrjveg, '^EXXrjvi/.wg die Schriftsprache der 
hellenistischen Zeit gemeint habe und daß die späteren Attizisten, 
Lexikographen, Scholiasten diese Ausdrücke in gleichem Sinne ge- 
brauchen. Dadurch wird die moderne Bezeichnung der griechi- 
schen Vulgärsprache als Koiv^ durchaus gerechtfertigt, während 
dieser Name sich als der hellenistischen Schriftsprache eigentlich 
weniger zukommend erweist. Hier zeigen die kritischen Ausfüh- 
rungen des Verf. eine Lücke. Wir Modernen verstehen KoLvrj im 
Sinne von „Gemeinsprache" im Gegensatz zu den Dialekten, Moiris 



286 Pail Kretschmer 

aber im Sinne von „gewöhnlich, kommun, ordinär". Die Verwen- 
dung von Koiviq für Gemeinsprache ist freilich auch antik, aber, 
wie M. S. 11 ff. darlegt, bei andern Grammatikern, Johannes Phi- 
loponos, Gregorius Corinthius u. a. üblich. Also mit Moiris stimmen 
wir im Gebrauch von KoLviq mehr äußerlich als innerlich überein. 

Arnim, Maximilianus: De Philonis Byzautii dicendi genere. 
Dissert. Greifswald 1912. 168 S. Philo von Byzanz, von dessen 
Werk über die Kriegstechnik nur das 4. und 5. Buch erhalten 
sind, von A. in den Ausgang des III. vorchristlichen Jahrhunderts 
gesetzt, gehört zu den frühesten Vertretern der literarischen 
KoLv^. Diese ausführliche Beschreibung seiner Sprache, welche 
auch Syntax, Wortschatz und Stilistik einschließt, muß uns daher 
sehr willkommen sein. Aus der Lautlehre erwähne ich oracplg = 
aoTctcpig, immer xaraTraArjyg (neben y,aTa7tslTacpiTrjg) , oxLJtTivov 
(wie in der LXX, s. Glotta III 313) neben OTVTrrtiov, ixoXißog: 
fioXißdovg, ixolöxri, tißvvrj, aus der Flexionslehre rc yidxQv = tj 
yidxQvg (S. 44), von der Wortbildung die Vorliebe für Deminutiva: 
Gioktjviov, TTQLOViov, ovQiyyiov , Tv/^rranov , a^oviGxog, '/.vaXiO'A.og, 
ovio/tog, TOQviG/Mg, /tagadeiy/^aTagiov, awXqvidiov. 

Meister, Richard: Das Genus der Substantiva im Sprach- 
gebrauch der LXX. Wiener Stud. 34, 77 — 81, gibt Ergänzungen 
zu Helbings und Thackerays LXX-Grammatiken nach der Seite 
des Genus der Substantiva, besonders der Feminina auf -og. 

Jacob, Anton: Septuagintastudien zu Ezra. Diss. Breslau 1912. 
48 S. Vgl. Byz. Z. XXII 236. 

Zorell, Franciscus: Novi Testamenti lexicon graecum. Paris, 
Lethielleux. 1911. 646 S. Wie die Grammatiken mehren sich auch 
die Wörterbücher der neutestamentlichen Sprache. Das vorliegende, 
ein Band des von der Gesellschaft Jesu herausgegebenen Cursus 
scripturae sacrae, ist ein sehr brauchbares und tüchtiges Werk, 
das auch auf die Sprache der LXX sowie der Papyri und In- 
schriften Rücksicht nimmt. Die Wörter und Bedeutungen, die 
zuerst im NT. oder in der LXX oder bei hellenistischen Autoren 
vorkommen, sind durch Sterne und Kreuze gekennzeichnet. 

Helbing, Roh. Auswahl aus griechischen Papyri. Samml. 
Göschen. Berlin-Lpz., Göschen. 1912. 146 S. H. vereinigt hier 
24 sprachlich ebensowie sachlich interessante Privatpapyri und 
begleitet sie mit einem Kommentar, der das Grammatische stark 
berücksichtigt. In ßaaihaaa, das H. S. 72 als ionisches Lehn- 
wort bezeichnet, hat Schulze Lat. Eigennamen 40 ^ ein make- 
donisches Wort vermutet, rol in dem Ehevertrag des Herakleides 



Literaturbericht für das Jahr 1912 287 

311/10 V. Chr. wird S. 42 durch die Analogie mit den andern 
Artikelformen erklärt, nur um den Dorismus nicht zuzugeben, der 
hier unbestreitbar ist: die Braut ist eine Koerin, die Zeugen 
stammen aus Gela, Temnos, Kyrene und Kos; wir haben es mit 
dorischen Söldnern der Insel Elephautine zu tun, denen wir wohl 
ein dorisches roi zutrauen können. In dem grammatischen Para- 
graphen des „Allgemeinen Teils", der die Einleitung zu den Papyri 
bildet, bespricht H. auch die Streitfrage nach dem Verhältnis der 
Koivri zu den alten Dialekten. Gegen meine Theorie weiß er nur 
das eine Argument anzuführen, daß sie wenig Billigung gefunden 
habe — das ist ja überhaupt der Haupteinwand, der unaufhörlich 
gegen meine Ansicht ins Feld geführt wird — und spricht dann 
Anschauungen aus, die sich schon sehr bedenklich den meinigen 
nähern. „Aber gänzlich wird heute niemand mehr den Einfluß 
der Dialekte, besonders des ionischen, der ein weites Gebiet be- 
herrschte, leugnen wollen." „Ihrer umfassenden Stellung ent- 
sprechend hat die Koivrj unter Wahrung der attischen Grundlage 
spezifisch Attisches abgestreift und sich an das angelehnt, was 
bei der Mehrzahl der übrigen Dialekte bereits üblich war." Eine 
Sprache, die neben Attischem eingestandenermaßen so unendlich 
viel Ionisches und doch auch Dorismen enthält, zeigt eben eine 
Mischung verschiedener Dialekte; das ist der Kern meiner Theorie, 
den noch niemand widerlegt hat. 

Oxyrhynchus Papyri IX ed. Arthur Hunt. London 1912. 
304 S. Außer den literarischen Texten, unter denen Sophokles' 
^Ixveviai und Satyros' Biographie des Euripides das meiste Auf- 
sehen erregt haben, enthält der Band auch Urkunden und Privat- 
briefe. Ich erwähne daraus die Form dfj.t6^eyt,a Nr. 1198, 33 
(150 n. Gh.), die Latinismen sKocpovvysvaiv (lat. expungere 
streichen), ariv.Qi^Tqf — secretario, xofxsvTaQtJGiog Nr. 1204 (299 
n, Chr.); o iTtfroTtozdixig Nr. 1220, 21 (3. Jh. n. Chr.). 

Wilamowitz-Moelleudorff, Ulr. v., und Gerb. Plaumann, 
Ilias-Papyrus P. Morgan. Sitzgsber. d. Berl. Akad. 1912, 1198— 
1219. Dieses „fast vollständige Papyrusbuch" aus der Zeit um 
300 n. Chr. enthält einen nicht korrigierten, von Fehlern wim- 
melnden Iliastext, der die bekannten orthographischen Verwechs- 
lungen des ägyptischen Griechisch gehäuft zeigt: aoifxeviv = arj- 
fiaivEiv, ETCLvv = alTCELvri, -/.Xoivavveg == '/.Xivavzeg , vafxfxayia = 
vavfiaxcc, xrivov = 'kzlIov, gioav = QiLav, x^Covtai = xctoaovraL, 
OQfxiKofiev = oQfxLGoo^Bv. Die Schwankungen zwischen tt, ß und 
cp, X, y und % möchten die Herausg. als Beweise einer Aussprache 



288 ^^^^ Kretschmer 

^j j^ = p -{- h, k -{- h noch um 300 ansehen (s^aTcccTtoiTO, jiXoyä- 
(xovg usw.). Doch ist bei so weitgehender Entstellung der Sprache 
die Beweiskraft dieser Schreibungen gering. 

Antike Fluchtafeln herausgegeben und erklärt von Richard 
Wünsch. 2. Aufl. Kleine Texte herausg. von H. Lietzmann 20. 
Bonn, Marcus und Weber. 1912. 31 S. Wie Helbings Büchlein 
ist auch dieses geeignet, in die Kenntnis der griechischen Vulgär- 
sprache einzuführen. Die 2. Auflage ist gegen die 1. (vgl. Glotta 
II 331) nicht wesentlich verändert; ein Register ist hinzugefügt. 

Ch. Picard, A. J. Reinach. Voyage dans la Chersonese et 
aux lies de la Mer de Thrace. Bull, de corr. hell. 36, 275—352. 
Eine Inschrift aus Sestos (Ende der Flavischen Epoche) bietet den 
Namen von Alopekonnesos in der Form c örjf.iog tüv ^^Xarto- 
viovrialojv. Die Assimilation des lo an das a erinnert an ngr. 
Formen wie ^avacfavctvov = i^avaq)Cüva'Co} , fxava%6q = f.iovax6g, 
f^avaoir^Qi, aXaxQSvco = ccqotqiüJ (Hatzidakis Einleit. 331). 

Calder, W. M. Inscriptions d'Iconium. Revue de philol. 36, 
48 — 77. Die Inschriften zeigen die in dieser Gegend üblichen 
Spuren der Vulgärsprache, wie ^^dgraxav S. 60, elove = savat, 61, 
BvoQ/.iat,o) 65. In Nr. 1 und 2 sind rcc TceXja genannt, nach C. 
:^ VTToßaoig, in den phrygischen Grabschriften avyKQOvaTov, 
OTQw^a, d^efxa, ßad^Qiy,6v, y.gtj7tig, der Sockel oder Unterbau, auf 
dem der Sarg stand. 

Schmidt, Ericus: De Pausaniae ratione loquendi quaestiones 
ad res fere archaeologicas pertinentes. Dissert. v. Rostock. Leipzig 
1912. 128 S. Die Arbeit hat einen rein philologisch-archäologi- 
schen Charakter. 

Immisch, 0. Sprach- und stilgeschichtliche Parallelen zwi- 
schen Griechisch und Lat. N. Jahrb. f. d. klass. Alt. 29, 27 — 49. 
Pflster, Vulgärlatein und Vulgärgriechisch. Rh. Mus. 67, 195 — 208. 
Da Kroll diese beiden Aufsätze unten bespricht, so erwähne ich 
hier nur ein bisher weniger beachtetes interessantes Zeugnis für 
die Zweisprachigkeit des Imperium Romanum: tj/tag avyLcoTOv, mgr. 
avKcoTiov (Malalas), ngr. (jüXfJrt "^Leber = lat. ficatum mit Feigen 
gemästete Leber, rum. ficdt, it. fegato, span. higado. Für griechi- 
schen Ursprung dieser Benennung der Leber läßt sich geltend 
machen, daß das Vulgärgriechische alle solche Anomala der De- 
klination wie riTcag rjnaxog zu beseitigen gesucht hat. Die Ver- 
allgemeinerung einer Speisebezeichnung hat eine Parallele in ngr. 
xl'äqt 'Fisch' aus di/^a^foy' Zukost' als Ersatz von l^^vg. — Außer 
Körting hat auch K. Dieterich, ebenfalls nicht sehr glücklich. 



Literaturbericht für das Jahr 1912 289 

Über Neugriechisches und Romanisches gehandelt KZ. 37, 407. 
39, 81 ff. 

Wackernagel, Jak. gibt in seinem unten S. 296 f. be- 
sprochenen Programm unter Nr. IV S. 27—32 einen Nachtrag zu 
seinen Helienistica, in denen er Dorismen der Koine nachgewiesen 
hatte (Glotta I 360): die Wortstellung €t tig av z. B. Plut. Gracch. 15, 
statt sav tig, beeinflußt durch dor. al rig xa. 

Nachmanson, Ernst: Die Konstruktion von Tteid^aQxeiv in der 
yioivtj. Eranus X 201—203 sieht in nsid^aQxetv mit Gen. statt 
Dat. auf Papyri und Inschriften der hellenistischen Zeit einen 
lonismus der Koine. 

Mittelgriechisch 

Yasmer, Max: Über den Wert der altruss. Azbukovniki für 
die mittelgriechische Wortforschung. Actes du XVI. Congres 
Internat, des Orientalistes. Session d'Athenes. 1912. S. 161 — 163. 
V. berichtete in diesem Vortrage auf dem Orientalistenkongreß in 
Athen über wichtige russische Quellen für unsere Kenntnis der 
mgr. Sprache. Die Azbukovniki sind Glossarien des 16. und 
17. Jahrhunderts, die aus älteren kompiliert sind und griechische 
Wörter in kyrillischer Schrift und mit russischen Erklärungen geben. 
Sie entstammen teils einem griech.-russ. Gesprächsbuch, der Rec 
tonkoslovija greceskago, deren älteste Handschrift in das Ende des 
15. Jahrh. fällt, teils einer zweiten unbekannten Quelle. In der 
Rec tritt uns ein nordgriechischer Dialekt entgegen mit u, i für 
unbetontes o, e und slavischen Lehnwörtern. V. plant eine Aus- 
gabe der Rec, die gewiß sehr willkommen wäre und neue sprach- 
geschichtliche Aufschlüsse verspricht. 

Hahn, Ludw. Zum Gebrauch der lateinischen Sprache in 
Konstantinopel. Festgabe für M. v. Schanz (Würzb. 1912, C. Ka- 
bitzsch) S. 173 — 183, trägt für sein Lieblingsthema, die Herrschaft 
der latein. Staatssprache in Byzanz von der Zeit Konstantins bis 
auf Justinian, Material zusammen. 

Goertz, J. De Chionis quae feruntur epistulis. Diss. Leipzig 
1911. 60 S. Vgl. Idg. Jahrb. I 97. 

Fenuer, Fridericus: De Basilio Seleuciensi quaestiones selectae. 
Diss. V. Marburg 1912. 98 S. Vgl. die Anz. von Dräseke Wochenschr. 
f. klass. Phil. 30, 373—77. 

Hopfner, Theodor: Thomas Magister, Demetrios Triklinios, 
Manuel Moschopulos. Eine Studie über ihren Sprachgebrauch in 
den Scholien zu Aischylos, Soph., Eurip., Aristoph., Hesiod., Pind. 

Glotta VI, 4. 19 



290 Paul Kretschmer 

und Theokr. Sitzgsber. d. Wien. Ak. 172. Bd. 3. Abb. 73 S., 
sucht auf Grund sprachlicher Kriterien die Scholien eines jeden 
dieser drei byzantinischen Grammatiker von denen der anderen 
zu scheiden. 

Neugriechisch 

Xaz^iödHig, r. Neoelliqviv.al fxtlezai. SA. aus ^^d^riva XXIV 
1 — 72. I. ^ETV(xoloyi/.d. 1. H. verfolgt die lautliche Entwicklung 
von ccTfiog über aq)v6g d^vog, cupva ayyct zu divoTH] (nach ^ yX,vv.a: 
y^fzoTiy) und Ntr, PI. xd xvora (vgl. ra veova). 2. dd^ißoli] 
d&ißdXXco aus di.ig)Lßolr] , -ßdXXo) durch Dissimilation! q> — ß zu 
d- — ß; vgl. TQOTioXig aus TtgoTtoXig, ßXaOTiq^iZ aus ßXaacprifxa) . 
3. Über einige unregelmäßige Praesentia. Begriffsverwandte Verba 
erzeugen analogisch neue Praesentia: so d^QiqvIto) neben d^gijVM 
pont. y,XaivtCo) neben 'A.Xauo. Pont. yioXaiiZo) = xoXdCcj nach 
xpt|Uar/Cw, Xaf.i7il^(ji} = XdfiTia) nach (pwTi^cü, XeiTtd^oftai nach dem 
Synonymen xqeidtofAaL. — IL (Dwvijrtxa: eine Übersicht über die 
verschiedenen Arten der ngr. Vokalveränderungen. Von den zahl- 
reichen Einzelbeobachtungen erwähne ich den „Kompositionsvokal 
o" in canoXaTog, jtQwtoXdxrig, navoyvQi^ usw. S. 26, die Volks- 
etymologien S. 27 und 29 ff.: dQ/.QOv(D aus d/.ovw -f d-^^QOtoixai, 
yEvdiy.a nach yevvä), dt%tv aus di%rv + öt^onat; neu ist juovißovg 
statt Omnibus. S. 43 pont. ('^txtdot; 'draußen'. — III. Ablehnende 
Kritik von MrtovTOVQug, Oiovrjxmd vial OQ^oygaipi'ad rijg NeoeX- 
Xrjviyi^g (s. Glotta V 291). — IV. H. verteidigt von neuem (vgl. 
^u4d^i]vd XXII 219ff.) gegen Bernardakis seine Ansicht, daß der 
ngr, Komparativ kaliteros als Analogiebildung nach ßgadvTSQog u. a. 
Y,aXhTeQog, nicht KaXXiTSQog nach altgr. yiaXXi-^ zu schreiben sei. 

Hatzidakis, G. Kai /rdXiv rcegl trjg Xeyo^evrjg e^aod^Evioosiog 
Tov ov elg i. ^^ihrjvd XXIV 285 — 288, polemisiert gegen Buturas' 
Hypothese, daß in den nordgriechischen Dialekten unbetontes u 
zu i geschwächt worden sei. 

Pernot, Hub. Changement de TS en K' ä Delphes. Revue 
de phonetique II 139 f. P. hat im heutigen Delphi den seltenen 
Wandel von za in palatales k beobachtet, z. B. ek'i aus ezai. 

ZaQQäcpxrjg, 'ld/.ioßog: *^0 dyäg. Kwfxojdia elg zgelg nqc^eig. 
Athen 1912. Dieses Lustspiel mag hier als Probe des heutigen 
koi sehen Dialekts erwähnt werden. 

Soyter, Gust. Untersuchungen zu den ngr. Sprachkomödien 
Babylonia von D. K. Byzantios und Korakistika von K. J. Rhizos. 
Diss. München 1912. 64 S. Vgl. Byz. Z. XXH 241. 



Literaturbericht für das Jahr 1912 291 

üanayecoQyiov , TlexQog: Hegt zojv orjfxaaKov tov q^/naTog 
(XQfxeviCoj. 'Ad^ijvä XXIV 459 — 468, untersucht die verschiedenen 
Bedeutungen des Verbums ägfievlCco und schöpft dabei aus dem 
reichen Material des Archivs für den ngr. Thesaurus, aqfxevov, 
schon Od. £254 von der Segelstange gesagt, bedeutet jetzt ^Schifif', 
aQ/usvltw "^schiffe, segele^ wird aber noch in anderen übertragenen 
Bedeutungen verwendet: 1) ölol/m, 'besorge, benutze'; 2) von der 
Wöchnerin: jy ywalv^a agfisviae = /.aKotTtad^e; 3) aQfXEvi'Co^aL == 
ßaoKalvoiuai. Wie erklärt sich aber der Bedeutungsübergang? 
Älteste Zeugnisse für das Verbum sind Leont. v. Neap. p. 18, 6. 
19, 10 und Theophan. I 380, 7. 

Xar^iöäxig, F. ^A^id — ^a. '^d^rjvä XXIV 335—338. Kret. 
^a i-tov => In iixoi laxi ist nicht aus e^ovaia entstanden, sondern 
aus o^a, das zu a^novio gebildet wurde nach eQii^uovo) : egr^^iiä u. a. 

MnovxovQag, 'Ad-avdoiog: Td veosXXrjviyid xvgia ovöfiara 
tOTOQiyiwg yial yXioaarMog iQ(.irjvEv6^Eva. Athen 1912. 218 S. Eine 
Untersuchung der ngr. Taufnamen, die in folgende Gruppen geteilt 
sind: 1) Antike Namen (z. B. '^^rjva). 2) Kirchliche N. ('^/J^ac'jU, 
^ArtöoxoXog). 3) N. aus Mittelalter und Neuzeit {Jov-Aag, 0Qav- 
TosoKog). 4) Geographische N. (Bldxog). 5) Neugebildete N. 
{TQLdvxdifvlXog, KalruAsgrig). 6) N. unbekannter Herkunft. Die 
wohl nicht vollständige, aber reichhaltige Sammlung berücksich- 
tigt auch die zahllosen Kurz- und Koseformen. 

Ronzevalle, L. Les emprunts turcs dans le grec vulgaire de 
Roumelie et specialement d'Andrinople. Melanges de la faculte 
Orientale Beyrouth (Syrie) V 571 — 588. Der Verf. faßt in diesem 
auf dem Orieutalistenkongreß in Athen 1912 gehaltenen Vortrag, 
von dem ein Auszug auch in den Actes du XVI. Congres des 
Orientalistes 167 — 169 steht, zusammen und ergänzt, was er aus- 
führlicher in dem Aufsatz Journ. Asiatique 1911 S. 66. 257. 405ff. 
dargelegt hat. Bei einem 13jährigen Aufenthalt in Adrianopel 
hat er die türkischen Elemente des griechischen Dialekts dieser 
Stadt gesammelt und gibt im Journ. As. ein alphabetisches Ver- 
zeichnis der Lehnwörter. Diese Sammlung ist sehr nützlich und 
dankenswert, obwohl sie von einem sprachwissenschaftlichen Laien 
herrührt. Letzteres zeigt sich in der Unkenntnis der einschlägigen 
Literatur und in der Aufnahme von echtgriechischen Wörtern in 
die Liste der Lehnwörter z. B. bge J. As. 1911, 263, acovsi 327, 
■negaräg 430, i^dvdalov 441 ; dvziyia 96 aus dem Italienischen usw. 
Da aber in den meisten Fällen die Entlehnung sicher und leicht 
zu erkennen ist, so bleibt die Sammlung wertvoll. Die Ansicht 

19* 



292 Paul Kretschraer 

des Verf., daß der Einfluß des Slawischen auf die griechische 
Sprache in Rumelien der Aufnahme türkischer Elemente den Boden 
geebnet habe, könnte ich nicht gerade unterschreiben. Daß Sla- 
wisch und Türkisch einige Laute gemein haben, die dem Griechi- 
schen fehlen, macht so viel nicht aus, und die kleinasiatischen 
Dialekte des Griechischen, z. B. die kappadokischen, wimmeln nicht 
weniger von türkischen Lehnwörtern als die rumelischen. Daß es 
auch viele Wiederentlehnungen gibt, z. B. tcovtvm — türk. fendek 
— cpovvTomi, ^r]tlvrj lat. resina — t. recine — qstoIvl (vgl. G. 
Meyer Türk. Stud. I 34), TtiarccKiov — t. fsstek — (piaxiyn, oeg- 
VLV.6 — t. zernik — pont. KiQvW, hat R. nicht berücksichtigt. 

Xax^iödxig, F. Jlsgl tov EXXijvrAOv Xe^iy-ov. ^^d'tjva XXIV 
373 — 384. HanayecoQyCov f IIsTQog: ^u4va'/.oivtüaig TcgcoTt] CErci- 
TQonrj TOV le^cyiov Trjg eXlriv. yXtuaarjg). Athen 1912. 31 S. 
MjiovxovQag, ^A. JlQoXeyofxeva eig ro NeoeXXr^viyiöv Xe^iy.6v. Athen 
1911. 76 S. EXeyxog knl rijg ÜQWTrjg avaxoivioaewg II. Ilana- 
yewQylov. Athen 1912. 15 S. Diese Schriften handeln von dem 
in Athen vorbereiteten großen Ngr. Wörterbuch. Hatzidakis be- 
sprach in seinem auf dem Orientalistenkongreß in Athen gehaltenen 
Vortrag (Actes du Congres S. 167), der in der ^Ad^rjvc abgedruckt 
ist, die Aufgaben dieses Lexikons im allgemeinen. Papageorgiu ^) 
fordert seine Landsleute zu weiterer Einlieferung neuen Materials 
in das Wörterbucharchiv auf: das bisher gesammelte betrage erst 
neun Zehntel des wirklich vorhandenen. Zur Probe werden für 
9 Wörter, aii^a, ßag&aXaiuidi, yXvto, öaa/,aXog, ^i^öiov, i^XeoftoQog, 
T^Xio/rvQiv, ^aQQETog, Xaßtovio, die bisher gesammelten Auskünfte 
mitgeteilt. Buturas gibt — abgesehen von seinen persönlichen 
Polemiken — in ähnlicher Weise Material für ßccTQuxog, ßXenWy 
ßgs, ßQr/.6Xay.ag, el/uai. 

Brighenti, Eliseo: Dizionario greco moderno-italiano e 
italiano-greco moderuo della lingua scritta e parlata. Mailand, 
Hoepli. 1912. 612 S. B. nennt sein Neugriechisch-italienisches 
Taschenwörterbuch das erste, das in Italien das Licht erblickt. 
Freilich ist es nicht das erste neugriechisch-italienische Lexikon 
überhaupt: darin hat B. einen sogar sehr hervorragenden Vor- 
gänger in Somavera, der, selbst ein Franzose (Somavera ist Ita- 
lianisierung von Sommevoire), seinen Tesoro della lingua greca 

1) Ich bemerke bei dieser Gelegenheit, daß der Gelehrte so, nicht 
Papageorgios heißt, wie manche deutsche Philologen schreiben. Die Griechen 
haben auch Familiennamen genitivischer Form; vgl. Kretschmer, Der heutige 
lesb. Dial. 401. 



Literaturbericht für das Jahr 1912 293 

volgare et italiano 1709 in Paris herausgab. Für unsere Zeit aber 
darf allerdings dieses Wörterbuch als ein Zeichen des erwachenden 
Interesses der Italiener für die Sprache der nazione sorella, wie 
B. die Hellenen nennt, gewürdigt und begrüßt werden. Der Verf., 
von dem in demselben Verlage auch eine Crestomazia neoellenica 
erschienen ist, hat neben der Schriftsprache auch die Volkssprache 
reichlich berücksichtigt, hätte sich aber deswegen bei den Puristen 
nicht zu entschuldigen brauchen. Auch hätte er bei den volks- 
sprachlichen Wörtern die volkstümliche Form mehr bevorzugen 
sollen: also (fovyxa, nicht (fovyaa (II 305), yvivt st. xreVt, Aa/- 
zagitü). '/.vtraCto wird man künftig koltccCc» schreiben müssen, 
vgl. Glotta V 284f. 

Lautlehre 
Ehrlich, Hugo: Untersuchungen über die Natur der griechi- 
schen Betonung. Berlin, Weidmann. 1912. 275 S. Der Haupt- 
gedanke des Buches ist S. 154 in dem Satz zusammengefaßt, daß 
exspiratorische Akzentwirkungen im Griechischen nicht vor Mitte 
des IV. Jahrhunderts v. Chr. wahrnehmbar und daher sprachliche 
Veränderungen in älteren Perioden als unabhängig von der Be- 
tonung zu betrachten sind. Ich teile im allgemeinen diese An- 
schauung, kann aber im einzelnen dem Verf. nicht immer zu- 
stimmen. Das I. Kapitel, von der Apokope handelnd, leitet aus 
einer Statistik der homerischen Fälle die Folgerung ab, daß die 
Apokope der Präpositionen eintrat, wenn auf den auslautendem 
Vokal ein einfacher Konsonant und Kürze folgte. Es ist mir 
schwer verständlich, wie nach den vielen Ausführungen von Witte 
noch der Einfluß des Metrums so wenig anerkannt werden kann. 
E. meint S. 27 Ttägd Jiog _ ^ l; _ wäre ja metrisch ohne jeden 
Anstoß gewesen; vgl. eIv ayogfj, vtieIq aXa usw. Aber die metrische 
Dehnung ist doch ein Gewaltmittel, das fast nur angewendet wird, 
wo es unvermeidlich ist; Ttägä Jiog konnte jedoch durch Wahl 
der apokopischen Form rtaq vermieden werden. ^Qog führt E. 
vpieder auf tzqoti vor Vokalen zurück und beruft sich dafür auch 
auf rtQoocoTvov = skr. pratika- (S. 34). Allein diese Wörter decken 
sich auch im Vokalismus des zweiten Gliedes nicht völlig. *7r^o- 
TiWTtov wäre im Griechischen entweder wie TtgoTioGao/uai, ngoti.- 
ctTtTO), STtio^liofxat geblieben oder wie srtoipOfxaL zu ^TtgorioTtov 
geworden. nqoGWTtov braucht nicht notwendig aus der Urzeit zu 
stammen, sondern konnte auch (vgl. fietiOTtov) im Griechischen 
aviS^TtQog und -wrto- zusammengesetzt werden oder aber älteres 



294 Paul Kretschmer 

* TTQOT{i)iü7tov ersetzen. S. 44 wird für das Dreikürzengesetz, das 
E. aufstellt, auch die Vaseninschrift Kvf.iaTd^6a angeführt. Wie 
mir Prof. Sieveking auf meine Anfrage freundlichst mitteilt, steht 
auf der Schale in München Nr. 331 bei der Nereide IAOOTAMV><. 
Der Theta-Punkt im drittletzten Buchstaben sei „ganz sicher und 
sehr deutlich". Es ist also Kv{.iar6d^a(i) zu lesen. Ich halte 
Ehrlichs Gesetz für so wenig erwiesen wie Ed. Hermann, der jetzt 
(Idg. Fo. 34, 338) eine neue Erklärung der Apokope versucht. 
Beide Gelehrte erwähnen die Vermutung von Brugmann Berichte 
d. Sachs. Ges. 63 (1911), 173 nicht, daß die Präposition pros auf 
der Grabschrift von Corfinium vorliege. Ich finde meine Auffassung 
der Apokope Glotta I 34 nicht widerlegt, kann aber hier nicht 
wieder auf die Frage eingehen. Das II. Kap. macht wie das I. 
und überhaupt das ganze Buch gegen J. Schmidts Proklisentheorie 
Front und speziell gegen seine Behandlung des Dat. PI. und des 
Gen. Sg. der o-Deklination im Griech. E. bestreitet auch Wacker- 
nagels bestechende Theorie über den idg. Adverbialkasus auf -I und 
hält an der Annahme eines Lokativs auf -ei (-o?) in genitivischer 
Funktion fest. Nebenbei wird (S. 81 ff.) die Etymologie von Ja- 
(xäiriQ und UoTeidaßiüv behandelt, aber nicht glücklich. Thess. 
zla(x(.iaTr^Q erweist kein *z/aa^aTrj^, wie thess. (.Lvai-ii-iEiov lehrt, 
und was soll ein so äußerliches Etymologisieren wie die Ver- 
knüpfung von IIoTsidä- mit ftoTai-wg, ftovTog und oid(.ia oder skr. 
indu- Tropfen? Auch durfte sich E. für die Ansicht, daß Posei- 
dons Name die flüssige Natur im weitesten Umfange ausdrücke, 
nicht auf Robert Prellers Mythol. * 567 berufen, da Robert, wie 
er auch im Vorwort mitteilt, Prellers jetzt stark veralteten Text 
meistens unverändert gelassen hat und weit entfernt davon ist, 
alles darin zu billigen. Im III. Kap. wird der Satz verfochten, 
daß (XL vor t zwar im Attischen zu ä, im Ionischen aber zu a ge- 
worden sei, im IV. ,, Lautgesetze des exspiratorischen Akzents im 
Griechischen" untersucht. Der Verf. hat hier die Vorfrage nicht 
geprüft, ob gewisse Lautgesetze (J. Schmidts Erklärung von Qi- 
diOQog, Sommers These über die Wanderung der Aspiration) not- 
wendig exspiratorische Betonung voraussetzen: man hat bekannt- 
lich auch die indogermanischen Vokalreduktionen mit musikalischem 
Akzent vereinigen zu können geglaubt. Kap. V polemisiert gegen 
Hilbergs Theorie der Endsilbenschwächung. Unklar ist mir, wie 
der Verf. mich an die Anhänger der Hilbergschen Ansichten mit 
der Bemerkung anreihen kann, daß ich Glotta II 344 „wenigstens" 
von einer Minderwertigkeit auslautender Silben spreche: das hat 



Literaturbericht für das Jahr 1912 295 

doch mit dem exspiratorischen Akzent nichts zu tun. Im Anhang 
ist der Aufsatz aus KZ. 39 wiederabgedruckt, in welchem E. gegen 
Wackernagel sehr wahrscheinlich gemacht hat, daß der stell- 
vertretende Gravis ein musikalischer Mittelton war. 

Thumb, Albert: Über die Behandlung der Lautgruppe -ad^- 
in den nordwestgriechischen Dialekten. IF. 31, 222 — 229. In 
Lokris, Phokis und Elis erscheint im Infin. und Imperativ oft av 
statt ad^: xQTJOTaL, eXiorai, Ivadarco, yivsaTU) usw. Th. bestreitet, 
daß hier lautlicher Wandel von a& in ot wie in der jüngeren 
Gräzität vorliege, und nimmt analogische Einwirkung des Impera- 
tivs Akt. -TW auf den Imper. Pass. -ad^co an, wie umgekehrt thess. 
eiXov^o, boi. naXeord^i, phok. iGTavS^co usw. ihr ^ der Endung -ads 
verdanken. Diese Auffassung scheitert schon an delph. tzqüoto 
= TtQood-a, el. TTQooTituov, dessen Erklärung als Ttgoad-LÖiiov da- 
durch nicht zweifelhaft wird, daß der Satz, in dem es steht, teil- 
weise zerstört und deshalb unverständlich ist. Dazu kommt 
/tQoorev auf dem oben S. 275 besprochenen thess. Epigramm, das 
gleichfalls nordwestgriechisches Element sein kann. Die künst- 
liche Annahme von Th., daß das t von 7tq6a%a aus aiol. ora, 
Ttöxa^ aXXoxa übertragen sei, die er für das Delphische erschließt, 
obwohl o^/ia^ to^a, -tzo/m überliefert sind, richtet sich selbst; 
wir müßten dasselbe auch noch für das Elische und Thessalische 
annehmen. Außerdem wäre es sehr unwahrscheinlich, daß die 
Analogie in demselben Dialektgebiet zweimal ad- durch gt er- 
setzt hätte. Die Auffassung von Th. wäre selbst dann nicht 
zwingend, wenn man die Analogiewirkungen zugäbe. Denn der 
Vorgang könnte orthographischer Natur gewesen sein: d. h. od^ 
war lautlich zu ot geworden, man behielt aber o& als historische 
Schreibung bei, außer wo die Analogie die Schreibung or unter- 
stützte. Auch delph. ^Ttaiqog = ^cpaXqog erklärt der Verf. in 
gezwungener Weise. Meine Vermutung, daß das spätgriech. ot 
= o& mit der gleichen nordwestgriech. Erscheinung zusammen- 
hänge, ist also nicht hinfällig geworden. Den zeitlichen Abstand, 
der hier bestehen soll, übertreibt Th. etwas; denn der jüngste 
nordwestgriech. Beleg aftoXelvoiw fällt ,,kurz nach Chr. G.". 

Rahlfs, Alfred: Griechische Wörter im Koptischen. Sitzgsber. 
d. Berl. Akad. 1912. XLV S. 1036—1046. R. zieht aus dem 
Koptischen neue Aufschlüsse über die griechischen Lautverhältnisse 
der nachchristlichen Zeit. Für x vor i und et ergibt sich ihm 
palatale Aussprache, qp^ ist mit rtd- umschrieben, wie im Lat. 
mit pth. Die Bemerkung aber, die der Verf. daran knüpft, daß 



296 P*^l Kretschmer 

zwei Aspiraten hinter einander kaum aussprechbar seien, möchte 
ich nicht unterschreiben. Die armenischen Lautverbindungen 
phs, khs, kht, khth zeigen, was in dieser Beziehung alles möglich 
ist. Im Neuarmenischen kommt thsths sogar anlautend vor: daß 
dabei zwischen s und th ein schwacher Gleitvokal hörbar wird 
(Finck Lehrb. d. neuostarm. Litteraturspr. 14), tut nichts zur 
Sache, weil es doch eben kein Vollvokal ist, der geschrieben würde. 
Die Verdopplung in kopt. laK^toßog neben laytoiß, d^dXlaoaa deutet 
R. auf exspiratorischen Akzent des Griechischen. Zu kopt. vt = ö 
vgl. auch das Lykische: Einl. in d. Gesch. d. gr. Spr. 296. 423. 
Radermacher, L. Das Epigramm des Didius. Sitzgsber. d. 
Wien. Akad. phil.-hist. Kl. 170. 9. Abh. 31 S. Der Schulmeister 
Didius Taxiarches (2. Jahrh. n. Chr.) hat in Rom ein Epigramm 
(IG. XIV 1537) hinterlassen, in welchem er vom daktylischen zum 
iambischen Versmaß übergeht, weil sein Name Ta'^Lagxrjg, wie er 
sagt, sich nicht in den Hexameter fügt. Da dies aber doch durch 
Verschleifung des Jota möglich gewesen wäre, so vermutet R., 
daß Didius das Epigramm des Kritias auf Alkibiades nachgeahmt 
habe, der ebenso verfährt, weil der Name ^AlycißiaÖT^g nicht in 
das elegische Metrum paßt. Dies gibt R. Veranlassung, die noch 
wenig geklärte Frage der Synizese des i in der griechischen 
Dichtung zu untersuchen. Er findet, daß die Synizese in der 
älteren hexametrischen Poesie wesentlich durch die Schwierigkeit, 
einen Namen unterzubringen, bedingt und überall an die Nähe 
einer langen Silbe gebunden ist. Auch in der Spätzeit galt die 
Synizese anscheinend als Notbehelf und tritt vorwiegend in Eigen- 
namen und Titeln auf. S. 19 wird ein Fall von Synizese (Aisch. 
Sieben 569) durch die Lesung ^Anfpägeio beseitigt. Dies würde 
voraussetzen, daß'^^^^c; oder etwa dQuofiav in dem Namen steckt; 
gewöhnlich wird er aber aus d!xg)l + laQSvg erklärt. Zuletzt 
darüber Bechtel KZ. 45, 58. 

Flexionslehre 
Wackernagel, Jac. Über einige antike Anredeformen. Progr. 
d, Univ. Göttingen 1912. 32 S. Der Hauptgegenstand der Ab- 
handlung ist der Vokativ von d^eog und lat. deus. Das ngr. ^s = 
■d^ee hat Vorläufer schon in der LXX, aber der gewöhnliche jü- 
disch-christliche Vok. ist 6 i9-£('g, was W. als Hebraismus erklärt. 
In älterer Zeit fehlt der Vok. von ^eog (dafür öaXfxov), während 
er von d^eä. schon Homer ganz geläufig ist. W. will dieses Problem 
durch die Beobachtung lösen, daß auch der Vok. dveg außerhalb 



Literaturbericht für das Jahr 1912 297 

des ehelichen Verhältnisses ungewöhnlich, dagegen yvvai ganz 
normal war; dieser Sprachgebrauch sei auf die Götterwelt über- 
tragen worden. Mir leuchtet diese Erklärung nicht ein; das Ver- 
hältnis avrJQ : yvvj^ ist mit ^eSg : ^ed zu wenig gleichartig. Die 
nächstliegende Ansicht, daß die Form d^ee wie im Lat. dee in 
älterer Zeit aus lautlichen Gründen vermieden wurde, tut W. S. 6 
zu kurz ab. Homer hat doch auch den Vok. vee nicht, der wohl 
überhaupt nicht existiert, während der Vok. veoi wie Vok. d^eoi 
mehrere Mal (N 95. i^ 202. v 361) vorkommt. W. wendet zwar 
ein, daß ^A[X(fl&se, Kekse geduldet werden, aber diese Wörter sind 
erstens mehrsilbig und zweitens jünger als das alte Appellativum 
d'eog. ^££ hätte zunächst zu *^£t kontrahiert werden müssen: 
diese Form wurde vermieden oder wieder beseitigt (auch *xgvaeL 
für XQvaee kommt nicht vor), weil sie von den übrigen Kasus zu 
stark abwich. Es blieb also d^es, wie ja auch seit der LXX ge- 
sagt wird. Nun ist in zwei andern Vok. auf -ee „Hyphaeresis" 
eingetreten: hom. r^Xa aus r^Xet und att. w ^eXs aus w juslee, eine 
Herleitung, die man nicht der Bedeutung wegen anzweifeln sollte 
(vgl. die Anreden w rdlav und ngr. ^ojqs). Wir hätten also S^e 
aus d^ee zu erwarten: daß aber eine solche einsilbige kurzvokalische 
Form zumal als Anrede an eine Gottheit vermieden wurde, ent- 
spricht dem von W. selbst in seiner Studie über Wortumfang und 
Wortform aufgedeckten Prinzip. Das Ngr. nimmt an Qe keinen 
Anstoß, so wenig wie an dem einsilbigen Vok. je = vU, ßqe = 
fio)Q€: andere Zeiten, andere Sitten. — Gegen W.s Ansicht äußert 
sich auch Schwering, deus und divus IF. 34, 30ff. 

Sommer, Ferd. Zum indogerm. Personalpronomen. IF. 30, 
393—430. Die homer. Flexion Nom. Dn. vwi aus *vwßi: Akk. vw 
erklärt S. kühn, aber scharfsinnig aus älterem N. /t = got. wi-t: 
A. v(a, woraus durch Kontamination der N. *viöfi entstanden sei. 
Im Exkurs verteidigt S. seine Hypothese, daß r^iniv, vf^iv ursprüng- 
lich kurzes i. besessen haben (Glotta I 219£f.), gegen Witte (ebd. 
II 8), der darauf im Rhein. Mus. 68 (1913), 217—238 geant- 
wortet hat. 

Magnien, Victor: Le futur grec. 2 Bände. Paris, Champion. 
1912. Das Werk ist eine große Materialsammlung zur Geschichte 
des griechischen Futurums ähnlich wie sie Lautensach für den 
Aorist geliefert hat. Aus den Hauptautoren der voraristotelischen 
Zeit, ferner aus Herodas, Theokrit, Kallimachos, Lykophron, Po- 
lybios sind die Belege nach Angabe des Verf. mit einigen Aus- 
nahmen vollständig, aus der LXX, dem Neuen Testament, den 



298 Pau^ Kretschmer 

Dialektinschriften, den Papyri und den jüngeren Autoren eine 
Auswahl verzeichnet. Der I. Bd. behandelt die Formen, der II. 
die Syntax und die Ursprungsfrage: M. betont die voluntative 
Bedeutung des Futurums und sieht darin ein mit s- gebildetes 
Desiderativum. 

Drewitt, J. A. J. The Augment in Homer. Class. Quarterly 
VI 44—59. 104 — 120. Der Verf. ist zu sehr eigentümlichen An- 
sichten über das Augment bei Homer gekommen. Er konstatiert: 
1) „Present-aorists", wie sie in Gleichnissen und Sprüchen vor- 
liegen, haben das Augment. Es gibt nur 16 unaugmentierte 
Aoriste in Gleichnissen. 2) Iterativa haben kein Augment: einzige 
Ausnahme v 7. 3) In der Erzählung sind Aor. und Imperf. relativ 
viel seltener augmentiert als im Dialog. 4) Im Dialog haben die 
„Present-reference- Aoriste" (bei denen eine Beziehung auf ein 
Präsens vorliegt) fast immer das Augment, in Verbindung mit vvv 
43mal. Dagegen können echte Vergangenheitsaoriste das Augment 
weglassen. So kommt D. zu dem Schluß, der der herrschenden 
Meinung diametral entgegengesetzt ist, daß das Augment das 
Präsens, nicht die Vergangenheit bezeichnet. Das obligatorische 
Augment der historischen Tempora im Griechischen und Skr. sei 
spätere Entwicklung. 

Shewaii, A. The Homeric Augment. Class. Philology VII 
397 — 411, polemisiert gegen den eben besprochenen Aufsatz von 
Drewitt über das Augment bei Homer und deckt seine Schwächen 
auf. Mau begreift unter anderm nicht, wozu das Präsens noch 
ein Augment brauchte und wie dessen Funktion sich später in ihr 
gerades Gegenteil verkehren konnte. 

^Wortbildung 
Lommel, Herrn. Studien über indogermanische Feminin- 
bildungen. Diss. V. Göttingen 1912. 82 S. Die Erkenntnis, daß 
die griech. und lat. Feminina auf -os uralt sein müssen, weil sie 
sich als sekundär nicht erklären lassen, führt zu der Konsequenz, 
daß andererseits die Motion mit der Endung -ä zur Bezeichnung 
des weiblichen Sexus verhältnismäßig jung ist. Der Verf. führt 
diese Ansicht durch und schließt sich weiter der Theorie von 
Jacobi an (die gleichartigen von R. Henning KZ. 33, 402ff. und 
Wheeler Journ. of Germ. Phil. II 528 hätten auch erwähnt werden 
sollen), daß die Motion mit -a von dem geschlechtigen Pronomen 
idg. so : sä == gr. 6 : rj ausgegangen und zunächst auf die Adjek- 
tiva, dann erst auf die Substantiva übertragen worden sei. Diese 



Literaturbericht für das Jahr 1912 299 

Auffassung hat ja viel Einleuchtendes, aber es wird dabei eine 
Schwierigkeit verkannt: gerade bei den Substantiven läßt sich in 
der von Michels Germania 36, 121 angegebenen Weise verstehen, 
wie die Stämme auf -ä zur Bezeichnung des weiblichen Sexus 
dienen konnten; wie aber kam, wenn die Motion bei den Prono- 
mina zu Hause war, dort ein Wechsel von o und ä (so : sä) dazu, 
den sexuellen Unterschied zu bezeichnen? und wie verhält sich 
dieser Wechsel zu demselben bei den Substantiven (f'ff/«^og : ko- 
7i8Qä, ÖQiTtavov : ÖQeTvävrj, lat. epulum : epula usw.)? Soll die 
Übereinstimmung etwa zufällig sein? 

Eichhorn, Fridericus: De graecae linguae nominibus deri- 
vatione retrograda conformatis. Diss. v. Göttingen 1912. 56 S. 
Die retograde oder postverbale Nominalbildung, die in den mo- 
dernen Sprachen eine so große Rolle spielt, ist im älteren Grie- 
chisch nicht übermäßig häufig. Auf einige Fälle wies Wacker- 
nagel KZ. 30, 299 f., auf v/xjy, aTtskevS^egog Brugmann, auf q)vXa^ 
Fick und Lagercrantz hin, und ich erklärte so einen Teil der 
Nomina auf -8vg. E. bemüht sich mit Erfolg die Zahl dieser 
Fälle zu vermehren, kommt aber auch zu dem Ergebnis, daß die 
Erscheinung erst in der späteren Zeit häufiger wird. Auf diesen 
chronologischen Gesichtspunkt hätte er noch etwas mehr Aufmerk- 
samkeit verwenden können: daß die Postverbalia im Neugriechi- 
schen sehr zahlreich (vgl. z. B. Hatzidakis Einleit. 365 f.) und die 
hellenistischen Fälle Vorläufer dieser Erscheinung sind, hat er 
nicht erwähnt. (xhaXXov soll zu jusTaXlda) nach Analogie von 
TciXavTov : xaXavxav et al. gebildet sein. Für xaXavväv gibt der 
Verf. keinen Beleg: Passow verzeichnet nur Et. M. 744, 15; das 
häufigere synonyme taXavtevu) begegnet auch erst spät, bei Diodor, 
Heliodor usw. (ngr. TaXavxevio, TaXavxw). Und dieses späte, ganz 
seltene xaXavxäv soll zur Bildung des schon herodotischen (xe- 
xaXXov verhelfen haben? — S. 16 behandelt der Verf. die retro- 
graden Fälle unter den Nomina auf -evq, ohne meine Ausführungen 
über diese Frage Zeitschr. f. d. öst. Gymn. 53, 711 genügend zu 
würdigen. Er begnügt sich, auf einige dürftige Gegenbemerkungen 
von Fränkel Denomin. 173 A. 2 und N. van Wijk IF. XVII 315 
hinzuweisen und gibt meine Ansicht mit grober Entstellung wieder: 
„commemorem hie Kretschraerum contendere omnia nomina in 
-Evg cadentia retrograda derivatione derivata esse a verbis in -evuv 
exeuntibus". Ich habe a. a. 0. ausdrücklich neben postverbale 
Nomina auf -evg eine zweite Klasse von Nomina auf -evg gestellt, 
„die, von jenen Postverbalien zu scheiden, ursprünglich w-Stämme 



300 Paul Kretschmer 

sind", und noch eine dritte Klasse, die auf Neubildung nach Ana- 
logie der anderen beruht. Trotzdem spricht der Verf. von omnia 
verba, wobei er das omnia noch dazu gesperrt druckt. Auch 
Fränkel hat sich a. a. 0. fast derselben Entstellung schuldig ge- 
macht, er gibt als meine Ansicht an, daß ich iTtnsvg und über- 
haupt „die Menge der in klassischer Zeit auftretenden Nomina" 
auf -Evg als Postverbalia ansehe, während ich nur aQiazevg, rjvio- 
Xevg^), IsQSvg, /«Axfiy'g genannt habe und iTtTteig S. 718 ausdrück- 
lich zu der von andern nominalen Stämmen abgeleiteten Klasse 
rechne. 

Fay, E. W. Is Greek -avvri cognate with Sanskrit -tvana-m? 
IE. 29, 413 — 418, F. bestreitet Zusammenhang von -avvri und 
skr. -tvana-m und stellt die etwas abenteuerliche Hypothese auf, 
daß iTtTtoovvTi zu iTVfroaoag Rossetreiber gehöre und eigentlich 
^ Rossetreibung' bedeute, (xax^oaivrj 'impudicarum consectatio' und 
das Suffix sich von solchen Fällen aus, nachdem seine Bedeutung 
verblaßt war, ausgebreitet habe. 

ra^dbcag, F. IJegl Trjg nQiSrrjg rcov ngoS^EOeuiv ev rip Xoyu) 
ificpaviasiog y.al xQiqGEwg. ^\ rtqod^ioug ev owSeöbl. ^d^tjva 
XXIV 73 — 176. Der Verf. betrachtet es als eine Lücke in Kühner- 
Gerths Griech. Syntax, daß in Kap. IV die Präpositionen nur im 
Satz, nicht in der Zusammensetzung behandelt sind, und will diese 
Lücke für zwei Präpositionen, uTto und s-/,, ausfüllen. Er ver- 
kennt, daß es üblich ist, Zusammensetzungen unter der Rubrik 
Wortbildung, nicht in der Syntax zu behandeln. Der Aufsatz 
untersucht, welche Bedeutung die Präpositionen ex und ccTto den 
mit ihnen zusammengesetzten Verben geben. S. 169 — 174 sind 
auch die ugr. mit ^e- zusammengesetzten Verba behandelt. S. 103 
sind Simplizia zusammengestellt, die ohne cctto privativen Sinn haben, 
wie xaqniCo) = Xanßdvo) xag/tov, av^Evil^a) = tvtttio zov av%kva\ 
vgl. die lat. Parallelen Glotta III 203. 

Etymologie und Wortforschung 

Passows Wörterbuch der griechischen Sprache völlig neu 
bearbeitet von Wilh. Crönert. 1. Lief. a — a\iia.x6qqv%og (1912). 
2. Lief. ai/iiaToa7t6driTog — aXcpizov (1913). 3. Lief, alcpog — avd 
(1914), zusammen 480 Spalten. Göttingen Vandenhoeck & Ru- 
precht. Das bisher von diesem Unternehmen Erschienene stellt 



1) Daß bei hom. ^v(,oj(fja metrische Gründe mitgewirkt haben können 
Witte Glotta IV 3, 210), ist zuzugeben. 



Literaturbericht für das Jahr 1912 301 

der Gelehrsamkeit, dem Fleiß und der Gründlichkeit des Be- 
arbeiters, den man richtiger als Verfasser bezeichnen muß, das 
beste Zeugnis aus, und nicht minder verdient der Opfermut, mit 
dem die Verleger sich an das große Werk gewagt haben, den 
wärmsten Dank aller Gräzisten. Mir liegt es hier um so ferner, 
an Einzelheiten der Arbeit Kritik zu üben, als ich der Meinung 
bin, daß aus praktischen Gründen eher von einem Zuviel als von 
einem Zuwenig gesprochen werden muß. Die altgriechischen 
Studien bedürfen zur Zeit zweier lexikalischer Hilfsmittel. Erstens 
eines Thesaurus, dessen wesentliches Merkmal annähernde Voll- 
ständigkeit und damit Verzettelung aller oder der meisten Texte 
bildet. Wie ich Glotta I 339 berichtet habe, beschäftigt sich die 
Internationale Assoziation der Akademien seit 1904 mit diesem 
Plan, dessen Schicksal natürlich jetzt durch den Krieg vorläufig 
ein ganz ungewisses geworden ist^). Da aber ein solcher The- 
saurus zu seiner Herstellung eines sehr langen Zeitraumes bedarf, 
so brauchen wir vorher ein provisorisches Wörterbuch, das die 
seit dem alten Thesaurus, Passow und Pape erschienenen zahl- 
reichen neuen Texte und Ausgaben in einem gewissen Umfange 
ausbeutet und so den ungeheuren Zuwachs an neuem Sprachstoff 
der lexikalischen Benutzung etwas mehr zugänglich macht. Der 
oberste Grundsatz dieses Wörterbuches muß im Gegensatz zum 
Thesaurus Schnelligkeit des Erscheinens sein, wenn es seinen 
Zweck erfüllen soll, es muß in etwa zehn Jahren vollendet sein 
und inhaltlich nicht mehr anstreben, als in dieser Zeit mit 
den zur Verfügung stehenden Mitteln und Kräften erreichbar ist. 
Die Verlagsbuchhandlung hatte wohl etwas derartiges im Sinn, 
als sie das Verlagsrecht für den Passow zum Zweck einer Neu- 
bearbeitung erwarb. Aber C. hat sich hiermit nicht begnügt, 
sondern er hat ein völHg neues Werk begonnen, das vom alten 
Passow so viel entnimmt, als es jedes andere Wörterbuch auch 
tun würde und dürfte. So steht es in der Mitte zwischen einem 
Thesaurus und einem provisorischen Wörterbuch, Es kann und 
will nicht einen Thesaurus ersetzen, aber es hat den Nachteil 
eines solchen — die voraussichtlich sehr lange Dauer des Er- 
scheinens. Das Vorwort spricht sich hierüber nicht bestimmt aus: 
„Die Fertigstellung des alten Passow (5. Auflage), heißt es dort, 

1) Ich habe auf der Generalversammlung der Assoziation in Peters- 
burg Pfingsten 1913 der Thesauruskommission einen Vorschlag über die 
Anlegung eines griechischen Thesaurus gemacht, der einstimmig angenommen 
wurde. Darüber wird an anderer Stelle berichtet werden. 



302 F&nl Kretschmer 

hat nach Ausgabe des bis sQxof-iai reichenden 1. Teiles noch 
16 Jahre erfordert. Wir wagen nicht zu prophezeien, daß das 
viel umfangreichere neue Werk schneller abgeschlossen sein wird". 
Tatsächlich sind „etwa 50 Lieferungen" geplant. Die erschienenen 
3 Lieferungen enthalten, am Pape ^ gemessen, ein Zwanzigstel des 
gesamten Sprachstoffes, was 60 Lieferungen ergäbe. Da die ersten 
3 Hefte 3 Jahre zu ihrem Erscheinen gebraucht haben, so müssen 
wir für die Vollendung des Wörterbuchs auf 60 Jahre rechnen, 
und wer mag auf eine erhebliche Verkürzung dieses Zeitraumes 
hoffen, wo die Erfahrung lehrt, daß alle solchen großen Unter- 
nehmungen (wie der latein. Thesaurus, Pauly-Wissowa) weit mehr 
Zeit in Anspruch nehmen als anfänglich angenommen wurde? Man 
sieht, der neue Passow-Cröuert ersetzt weder einen Thesaurus 
noch ein provisorisches Wörterbuch, das der Gegenwart dienen 
soll. Was hilft es uns, daß wir jetzt 29 Spalten über äv erhalten, 
wenn wir für £2 und 2 und U Zeit unseres Lebens auf die alten 
Lexika angewiesen sind? Wir brauchen also entweder neben diesem 
noch ein weiteres wissenschaftliches Wörterbuch mit kurzfristigem 
Erscheinen oder das vorliegende müßte eine ganz außerordentliche 
Beschleunigung erfahren, die dann auch eine wesentliche Ein- 
schränkung des Umfanges und Inhaltes zur Voraussetzung hätte. 
Wer au einem solchen Wörterbuch arbeitet, muß ja bald inne 
werden, daß die Arbeit ins Uferlose geht, wenn ihr nicht bestimmte 
Grenzen gesetzt werden. Man vermißt in dieser Beziehung etwas 
Klarheit und Zielbewußtsein, wenn man in einer Mitteilung zum 
2. Heft liest, daß nachträglich noch Schriftquellen wie Polybios 
und Strabo durchgearbeitet werden sollen. Vielleicht werden 
später Dionysios v. Halikarnass, Plutarch, Luciau folgen und so 
fort. Dies ergibt nicht nur eine unliebsame Ungleichmäßigkeit 
der einzelnen Teile des Wörterbuchs, die ja übrigens auch Rosts 
Bearbeitung des Passow anhaftet, sondern verspricht auch ein 
weiteres Anschwellen des Umfanges und eine weitere Verlang- 
samung des Erscheinens. Auf eine Neuexzerpierung von Sprach- 
quellen hätte im allgemeinen grundsätzlich verzichtet werden 
können, da schon die Verarbeitung und gar die Nachprüfung des 
in Sonderwörterbüchern und Indices vorliegenden Stoffes genug 
Zeit und Mühe kostet. Ich glaube, daß eine zweckmäßige Be- 
grenzung des so dankenswerten Unternehmens auch dem Heraus- 
geber sowie den Verlegern willkommen sein muß. 

Favre, Christophorus: Specimen thesauri verborum quae in 
titulis ionicis leguntur cum Herodoteo sermone comparati, Diss. 



Literaturbericht für das Jahr 1912 303 

V. Freiburg i. d. Schweiz. Heidelberg, C. Winter 1912. 108 S. 
Der Thesaurus der ionischen Inschriften, von dem diese Disser- 
tation eine a — ö umfassende Probe gibt, ist inzwischen (1914) 
445 Seiten stark erschienen. Vom wissenschaftlichen Standpunkt 
aus kann es nicht zweifelhaft sein, daß solche Sonderwörterbücher 
sehr erwünscht sind, die Frage ist weit mehr eine ökonomische, 
was man schon aus den hohen Preisen ersieht, die meist für solche 
Speziallexika verlangt werden, und in diesem Falle liegt schon 
beinahe eine Verschwendung vor, insofern in demselben Jahre das 
Register zu den Ionischen Inschriften von P. Gärtchen und 0. Hoff- 
mann in der Sammlung der GDI. (Göttingen 1914) erschienen ist. 
Freilich bietet F. mehr: die Bedeutungen sind erläutert, die Stellen 
z. T. ausgeschrieben und der herodotische Sprachgebrauch ver- 
glichen. Vielfach zieht aber der Verf. auch die jüngere Jas, die 
Papyri, den attischen Sprachgebrauch heran und behandelt auch 
das Syntaktische. Wis können daher diesen Thesaurus neben 
jenem Register recht gut brauchen. 

Persson, P. Beiträge zur indogermanischen Wortforschung. 
Skrifter utg. af K. Hum. Vetensk.-Samf. i Uppsala 10. 2 Halb- 
bände. 1113 S. Der Gegenstand des inhaltreichen Werkes geht, 
wie schon der Titel zeigt, über das Gebiet der lateinischen und 
griechischen Grammatik hinaus. Im II. Halbband verteidigt P. 
seine Theorie von den Wurzeldeterminativen besonders gegen 
Bloomfield und Hirt. Im I. behandelt er 108 Etymologien, dar- 
unter auch viele lateinische und griechische, so (psQZEQog (wie 
Osthoff, vgl. Glotta V 298), S^ig, d-voaavog, yvrti^, y,6la^, yuofxvg, 
ey^oveo) (zu lat. cönor wie Nazari, s. unten u. öiccKovog), xö/tog, 
'Kvddto), ccfxßXvg, df-iegdix), f.ivKotv, wXiyyr], TtagdaKog, ßovXi/uog 
(S. 251), oy.rjQl7tTü), OKvgog, OTtdqyo), arokog, OTQaxog (S. 451), 
gdfxvog, wQay.iäv. Etymologische Untersuchungen, zumal wenn sie 
in solcher Häufung auftreten, werden leicht etwas eintönig und 
ermüdend, wofern der Verfasser nicht über eine ungewöhnliche 
Gestaltungskraft verfügt. Dieser Gefahr ist die Abhandlung nicht 
ganz entgangen: sie bleibt in vielen Fällen bei der Konstatierung 
etymologischer Zusammengehörigkeit stehen und geht weniger auf 
das Begriffliche und Sachliche ein, als es jetzt Mode, aber auch 
berechtigt ist. Nach der lautlichen Seite ist die Untersuchung 
methodisch geführt und erörtert verschiedene lautgeschichtliche 
Einzelheiten, wie das Schicksal von kF- (S. 124 f.), den Wechsel 
von Tenuis und Aspirata (41 6 ff.). 

Döhring, Alfred: Etymologische Skizzen. Beiträge zur idg. 



304 Paul Kretschmer 

Sprach- und Sagenkunde. Progr. des Kgl. Friedrichskollegiums in 
Königsberg i. Pr. 1912. 57 S. Die Arbeit, die eine große Reihe 
von griechischen und römischen Wörtern, vorwiegend mythischen 
Namen behandelt, steht auf einer so tiefen Stufe der etymologi- 
schen Kunst, daß sie wissenschaftlich ganz unbrauchbar ist. Es 
genüge als Probe, daß ^OövaaEvg aiol. ^Ydvoaevg aus *ßiößiö-G€vg 
'der Wissende' und"OXvu7tog aus *0-/Aogvog 'Feuerberg' zu ßsl- 
%avog lat. Volcanus erklärt wird. 

Brugmann, K. Verdunkelte Präpositionalkomposita im Grie- 
chischen. IF, 29, 229—243, sucht sein Präfix o, über das er 
Grundriß ä II 2, 816ff. gehandelt hat, auch in oioiÄai, oiazog, oltovog, 
oii-ia (o + is- = skr. is-) sowie in ol'yvvf.ii, lesb. oelyriv aus o + 
-€iy- wie in ETteiyio. Es scheint mir bedenklich, viel mit diesem 
aus einem bloßen Vokal bestehenden Präfix zu operieren, dessen 
Bedeutung so wenig scharf hervortritt. 

Fräiikel, Charlotte: Satyr- und Bakchennamen auf Vasen- 
bildern. Halle, Niemeyer 1912. 110 S. Seit Heydemann im 5. 
Hallischen Winckelmannsprogramm die Satyr- und Bakchennamen 
der griech. Vasen gesammelt hat, sind nicht viel neue Fälle der- 
artiger Beischriften zu Tage gekommen, und so sieht die Verf. 
ihre Aufgabe mehr in der genaueren sachlichen Erklärung dieser 
Namen, die sie, wie sie sagt, für eine Geschichte der Thiasos- 
Vorstellungen des VI. und V. Jahrhunderts verwerten will. Die 
fleißige Arbeit wird ihrem Zweck auch nach der sprachlichen 
Seite gerecht. 

Bechtel, F. Eretrische Namen. KZ. 45, 147—159, beutet 
die Glotta V 262 besprochenen eretrischen Namenkataloge für die 
griechische Onomatologie aus. Den Namen Tlgiytiov, der auch 
aus Tanagra belegt ist, bringt B. zweifelnd mit 5T€(>xvog zusammen: 
ich ziehe es vor an ngr. ngiytog = TCiyiQog zu denken und in 
ngiytiov den ältesten Beleg für diese Form zu sehen, deren Me- 
tathesis ja in dor. rgacpog = täcpQog und, wie B. 152 nachweist, in 
eretr. Kqoiöwv — Koiöqiov altgriechische Parallelen hat. 

Haupt, Paul: Babylonische Wörter im Griechischen. Actes 
du 16. congres des orientalistes 1912 S. 84 f. H. führt in diesem 
auf dem Orientalistenkongreß in Athen gehaltenen Vortrag gr. 
TTWQog auf assyr. pülu == pilu 'Muschelkalk' zurück: v.riQog und 
XaAt seien sumerisch, y.Qr]7tig eine Umformung des babyl. kipir, 
kipru üfermauer, Asphaltverkleidung, kupru Asphalt: vgl. Kgr^Ttlg 
Asphaltbelag Hdt. I 185, 20. 



Literaturbericht für das Jahr 1912 305 

dyavög: E. Schwyzer, Znr griech. Etymologie, IF. 30, 430 — 434 
stellt fest, daß dieses formelhafte Epitheton nur im 4. und 6. Fuß 
bei Homer vorkommt, und faßt es als metrische Form für ^dyaßog. 

dyyaQsvco s. unter eyyaQCü. 

äjKLfioqi Emil Thomas Studien zur lat. u. griech. Sprach- 
geschichte (Berlin, Weidmann 1912) S. 125—134 liest. Cic. Ad Att. 
X 12, 4 ay.ii.iov ov und erkennt hier ein Adjektiv ay.Lf.iog 'heilbar. 

'Äfia^cbv: 0. Lagercrantz, Amazon. Xenia Lideniana (Stock- 
holm 1912) S. 270 — 274 führt '^. auf einen iranischen Volksnamen 
*hamazan- Krieger {af.iatccyaQav' Ttolef-ielv. IliQaai Hesych) zurück: 
eine recht ansprechende Deutung. 

äveco: K. Brugmann, Hom. aveco (aveq)) und nachhom. sveog. 
Festschrift für Vilh. Thomsen (Leipzig, Harrassowitz. 1912) S. 1 — 7. 
B. erklärt aveio 'still, schweigend' als Instr. oder, wenn ävsM rich- 
tiger ist, Dat. eines Adjektivs *av-eßo-g 'nachlassend, still' von 
dvirjixL; Grundbedeutung 'mit Stille, in Stille'. Aber warum ist in 
Verbindung mit eivai, yevead^ai, ra&ai nicht der Nom. des Ad- 
jektivs gewählt? Anders erklärt das Wort jetzt Bechtel Lexilogus 
zu Homer 45. — IvEog stellt B. zu der Basis euä- in evvig, skr. 
und- 'unvollständig' und nimmt Nasalinfix an. Nicht überzeugend. 

'Äfiq)iaQrjxeT8ai: F. Bechtel KZ. 45, 58 von ^^(.KfiLaQrjievg = 
^ AfKpidgrjßog zu isgriTSvci}. 

ßaiög: F.A.Wood KZ. 45, 64 zu lit. galszti 'schwinden , Be- 
grifflich nicht recht wahrscheinlich. 

ßdeXvtzofiai: E. Ki eckers Idg. F. XXX 190—192 zieht ß. zu 
ßdsü). Es scheint, daß der Verf. die Etymologie für neu hält: sie 
ist aber natürlich uralt (s. z. B. die Wörterbücher von Passow, 
Pape, Curtius Et. ^ 230) und eigentlich selbstverständlich. Auch 
die Ansicht, daß ßdvXXw eine onomatopoetische Bildung sei, hat 
schon Debrunner LF. XXI 98, doch leuchtet sie mir nicht ein. 

ydXai E. Schwyzer IF. 30, 438 — 440 konstruiert ein Para- 
digma *yXa aus '^yXayx = lat. lac : Gen. y%ayx6g (vgl. ylayto- 
q)dyog). *yXa mit Vokalentfaltung zu ydXa, dann auch ydXayxog. 
Ich habe mir die Entwicklung auch so gedacht. Nur wünscht 
man für die Vokalentfaltung Parallelen (alt ist sie auch in eßdo- 
(xog, dor. eßdsixalog): ßavd, yvviq neben fxvä-, ved. gnä fällt wohl 
hierher. 

yvfivög: E. H. Sturtevant, yvfxvog and nudus. Amer. Journ. 
of Phil. 33, 324—329 findet die auf Cuypert zurückgehende An- 
sicht, daß yvfAvog und lat. nudus nicht nur 'nackt', sondern auch 
'wenig bekleidet' bedeuten, nicht erwiesen. 

Glotta VI, 4. 20 



306 F&mI Kretschmer 

drj: F. Stürmer Berl. phil. Woch 1912 Sp. 1844 hom. öij in 
der Bedeutung 'aber z. B. v 92. 

dtaHovog: Oreste Nazari Rivista di filol. 40, 572 f. verbindet 
d. = dici -\- ayiovog und dy-/.6vovg' 6iaY.6vovg Hes. mit sabin. ancus 
'servus' und trennt es von ey-y.oviofiai, das er zu lat. cönor stellt. 

tyyaQÖ: E. Ernault, J. Hatzfeld dyyaQeio — tyyaQico. Rev. des 
et. anc. XIV 279—281, mir zur Zeit nicht zugänglich. 

e'öva: Georg Finsler, Hermes 47, 414 — 421 konstatiert das 
homerische Problem, daß in der Telemachie ß 195 ff. eeöva die 
Ausstattung, das Wittum bedeutet, das der Vater der Tochter in 
die Ehe mitgibt, in der übrigen Odyssee aber ein von dem Freier 
gegebenes Heiratsgut; obwohl aber die Sitte des Brautkaufes älter 
scheine als die der „Ausstattung", herrsche sie in der Odyssee, 
die als Gesamtheit jünger sei als die Telemachie. Eine Lösung 
dieses Problems hat übrigens Rothe, Die Ilias als Dichtung 89 f. 
versucht. 

elöog s. unter idia. 

^aqa svxea ivxvo): Ed. Schwyzer IF. 30, 440—442 verbindet 
svaqa wie tvxEa mit Wz. sen 'vollenden, zustandebringen und sieht 
als Grundbedeutung 'Ausgeführtes, Gerät', daher *" Waffe' an. 

iad"^g: E. Schwyzer IF. 30, 443 erklärt das Wort als Kon- 
tamination von eod^og und *6(jrj^g, dies haplologisch aus *FeOTO- 
rä%- wie rcorr^g aus "^TtoTÖxäx-. Ansprechend. Es hätte noch 
auf Piudars la^ag hingewiesen werden können, das Entstehung 
des ri aus ä erweist. 

fbn^6a(anog'. Karl Praechter Herm. 47, 159: ev. ist Plut. de 
cohib. ira I p. 556, 29 ff. wie /tgoocoTtov 'Angesicht, Rang, Stellung' 
V. doppelsinnig. 

evQiaHco: K. Brugmann IF. 30, 376—382 sucht im Anlaut 
von £^. ein Präfix e- wie in sd-eXio; e -uro- zu ir. -fuar 'fand'. 

iqjiXrjg: A. Fick KZ. 45, 56 f. leitet L und 'Qcpelrig, ETtMcpilrig 
von einer Wz. ebhe, die auch in zari^yrg stecken soll. 

'd'Vfiikr} : A. S. F. Gow, On the Meaning of the Word d^vfxelrj. 
Journ. of Hell. Stud. 32, 213—238, sucht nachzuweisen, daß d^vfxilrj 
eigentlich 'Herd', nicht 'Altar bedeutete, wie d'veiv ursprünglich 
'verbrennen. Die d^vfxslr] rov ßco^ou einer deHschen Inschrift 
entspricht der ßiö^iog saxagcc Eurip. Phoin. 274. 

löia: C. M. Gillespie, The Use of elöog and lösa in Hippo- 
crates. Class. Quart. VI 179—203 über die Bedeutung dieser bei 
Hippokr. synonymen Ausdrücke. Erwiderung gegen Taylor, Varia 
Socratica I. 



Literaturbericht für das Jahr 1912 307 

KafiöXrjg: F. Bechtel KZ. 45, 58 f. sieht diesen thas. Namen 
mit Recht als thrak. an. 

xaz ävxrjaziv: E. Schwyzer IF. 30, 434—438 erklärt crvrijff- 
Tig in Aar üvxrioxLv "^gegenüber v 387 aus avxr}- (zu avri^v) + 
aiL- wie in k'^aoTig, skr. prati-sthi- zu ovä-, also "^das Gegenüber- 
stehen'. Einleuchtend. 

XdßSa: J. Psichari, Lamed et lambda. Revue des etudes 
juives 64, 1—29 tritt für die Echtheit der Form kdßöa (nicht 
Id^ßöa) ein. Die hebr. Form war lamd: ßd trat durch Laut- 
substitutiou für md ein. Ps. findet, daß die ngr. Form Idfxda, 
wie auch wir den Buchstabennamen zu sprechen pflegen, sich nur 
aus antikem Aa/?(5a,^ nicht IdfÄßda erkläre. Der Nasal sei sekundär 
entwickelt wie in sambatum frz. samedi und analogen Fällen. Die 
Beweisführung hat mich vorläufig nicht recht überzeugt. 

AdUr/g: F. Bechtel KZ. 45, 59 f. leitet thas. ^. aus ^äf- 
aßelAijg ion. ^^eälr^g ab. 

Xiyifg: Wood KZ. 45, 65 zu lett. ligöt hin und her schwanken, 
got. laikan hüpfen. 

fieidgaiog: Wilh. Capelle, Philol. 25, 449—456 weist nach, 
daß fxeTccQOiog, das bei Empedokles, Sophokles, Eurip., Hekataios, 
corpus Hippocrateum vorkommt, bei Aischyl. nur rcedagoiog, 
ionisches Synonym von att. (xsTicoQog ist. 

vvfi<paafia: Em. Thomas Stud. 116 — 122 erklärt vvfx(paoi.iaTa 
in einem sibyllinischen Orakel (Diels, Sibyll. Blätter 113) mit Hap- 
lologie aus vvfxcp-vcpäoi^axa 'Gewebe für die vv^(pri . 

vvvafiai: K. Brugmann IF. 30, 371—375 trennt gort, vvvafxai 
von övvai-iai, weil derartige Assimilationen dem Griechischen fremd 
seien, und stellt es zu voog, Tttvvoig' ovveoig Hesych. : v. = ich 
habe Verständnis für etwas, verstehe, kann. Hypothetisch. 

'OfißgiKÖg: Charl. Fränkel, Korinthische Posse. Rhein. Mus. 
67,94—106 deutet die Beischrift '0|U^txog auf einem korinthischen 
Krater (Kretschmer Vaseninschr. 23) scharfsinnig als umbrischen 
Sklaven; A. Körte hatte darin eine Epiklese des Bakchos gesucht. 
Es wäre der älteste Beleg für den Namen der Umbrer. 

ötpekog ö(peXX(o', K. Brugmann IF. 29, 410—412 zu skr. pha- 
lati verdickt sich, phdlam sich verdickendes Gebilde, Frucht, Er- 
folg; ocfeXXio eig. "^ich mache anschwellen . 

naico: E. Schwyzer IF. 30, 443—446. Kypr. tkxF'hm auf der 
Glotta III 302 mitgeteilten Inschrift == lat. yavio vereinigt Seh. 
mit navM zu einem Paradigma naFioi : sTtavaa, die in Paradigmen 
Ttaico : tnaiöa und naiM : mavöa auseinander gingen; jtavo) xivd 

20* 



308 Paul Kretschmer 

tivog habe eigentlich 'ich schlage jemanden von etwas weg' be- 
deutet. Anders Ehrlich Natur d. gr. Beton. 99, der Trafico als 
*ich brenne' zu Ttävog Fackel, ftvg stellt. Aber sein Einwand, daß 
naito, wenn aus TcaFuo, ein Fut. Tvavoio haben müßte, wird durch 
Sch.'s Etymologie hinfällig. Boiot. Tvqco beweist nichts gegen 
TtaFio), da auch boiot. 7irjg = TidFig überliefert ist. Aber Be- 
denken macht mir der Bedeutungsübergang 'schlagen' > 'aufhören 
machen' und die Verbindung von navw mit dem Infin. schon bei 
Homer. 

jiaQaXova'd'aL: Edw. Capps Amer. Journ. of Phil. 33, 78—82 
deutet 7t. Aristoph. Anagyros fr. 55 K. 'bei Seite baden, ein Frei- 
bad nehmen'. 

ndQvoip: E. H. Sturtevant Class. Phil. VII 235—244 bringt 
TT. und Varianten Trögvoif.', xo'^voi/^, kürzer Tigava (dazu Jlgavixog), 
ocY-ogvol OKOQVol mit KccQvrj' ^rif-iia, yiagog' . . . cpS^ogä -/.dgawog' ri 
tri/.iLa Hes. zusammen und deutet es als schadenstiftendes Tier, 
wie auch die Laus xdgvog und die Wanze v-ogig heiße. Zur Unter- 
stützung dieser Erklärung könnte hinzugefügt werden, daß auch 
der gewöhnliche Name der Laus (p^elg die Verderberin bedeutet. 
Mit Rücksicht auf llaQvaaaog, ndgvrig, üagvcov, Zevg IlaQvr^d^iog 
= ^ATzrifiiog Pausan. I 32, 2 , ^A7i6X'kwv Uagvomog vermutet St. 
vorgriechischen Ursprung des Wortes. 

jrdßog: Martin Rudolph, Uogog. Diss. v. Marburg 1912. 96 S., 
untersucht mit Heranziehung eines reichen Materials, doch etwas 
breiter als nötig die verschiedenen Bedeutungen von rc. Durch- 
gang, Zugang, Ausgang, Furt, Übergang; dann übertragen Aus- 
weg, Ttoqoi Einkünfte, endlich die medizinische und philosophische 
Verwendung des Wortes. 

nvtXog'. L. Masing, Etymologische Miscellen. Pädagog. An- 
zeiger f. Russland 1911 S. 723 zu lit. pus^ Hälfte, imsiän halb. 

^lt,a\ W^ood KZ. 45, 66 zu ndrh. writen 'drehen'. 

aaQxC^fo: T. Hudson- Williams Class. Rev. XXVI 122 f. zu der 
privativen Bedeutung ('Fleisch ablösen') des Wortes. 

SäxvQog: F. Solmsen IF. 30, 36—47 von aa- = zßa-, skr. 
tuvi- Wz. tu- 'schwellen , das auch in ad^ri, oaivto, odvviov, 2ala- 
ßanxw, oa/tvXXeiv, odßvzrog u. a. stecke. Solmsens Deutung von 
2ilr]v6g in demselben Aufsatz S. Iff. habe ich schon Glotta IV 
351 ff. besprochen. 

SneXUag: Stanisl. Witkowski, Studia Aristophanea III Eos 17, 
143—152. Kirchhoff wollte Aristoph. Vögel 126 das überlieferte 
2%eIUov wegen IG. I 422 in 2y.eUov ändern. W. hält 2y.eXXiov 



Literaturbericht für das Jahr 1912 309 

aufrecht und leitet den Namen von OKeXog ' krumm , krumm- 
beinig^ her. 

ovHO<pdvxrjg: Vladimir Riffer Idg. Forsch. XXX 388—390 trägt 
dieselbe, wahrscheinlich richtige Etymologie des Wortes vor, die 
A. B. Cook (Class. Rev. 1907, 133) schon 5 Jahre früher gefunden 
hat. S. Glotta I 386. 

xdXaq: Ed. Schwyzer IF. 30, 446—448 will r. aus altem *Ta- 
lavog Fem. TaXaLva ableiten. Ich hoffe, daß S. diese Ansicht nach 
meinen Ausführungen Glotta III 266 aufgegeben hat. xalaq war 
von Haus aus VT-Stamm; die Flexion raXas tdkavog wurde durch 
fxiXag (xslavog hervorgerufen. 

TevxCajiXog: W. Prellwitz KZ. 45, 159 erklärt diesen el. Namen 
aus idg. tenta Volk -\ — OTilog altn. afl Kraft. 

TitvQog: F. Solmsen IF. 30, 32—35 zu Wz. tu- schwellen. 

TQaycpöia: L. H. Gray Class. Quarterly VI 60—63 trennt t. 
von zgdyog und zieht es zu einer Wz. tereg- 'stark, schrecklich'; 
r. soll sich auf die Schrecken des chthonischen Reiches beziehen. 
Dagegen mit Recht Boisacq Rev. de l'Univ. de Bruxelles März 1912. 

TQonatHiaZog: Bruno Keil Hermes 47, 151 — 153 zeigt, daß 
der TO'/iog TQO/ta'iMolog einer Stiftungsurkunde aus Magnesia a. Sip. 
den monatlich auf einen Victoriatus (gr. Tgo/taLinov) festgesetzten 
Zinsfuß bedeutet; vgl. xiKog ÖQaxf^uaiog. 

rvTcb: W. Schulze KZ. 45, 96 onomatopoetisch: vgl. Plaut. 
Men. 653 noctuam, quae 'tu tu' usque dicat tibi. 

d)SCg: Wood KZ. 45, 65 zu neuisl. kveisa Bauchgrimmen, aisl. 
kuiäe Angst. 

Syntax 

Kieckers, E. Zum Accusativus limitationis im Griechischen. 
IF. 30, 361 — 366, erklärt den Acc. limitationis aus dem Acc. des 
Inhalts in Sätzen wie II. 2 487 oqxtov d^ tJv y.al a^a^av £7ti/.l7jOLV 
■/.aMovOLv, wo ErtivlijOLv Acc. des Inhalts wie in ovof-ia ovoixa^SLV ist. 

Keith, A. Berriedale: Some Uses of the Future in Greek. 
Class. Quarterly VI 121 — 126, findet die Angaben unserer Syntax- 
darstellungen über den Gebrauch des Part. Fut. z. B. Monro Hom. 
Gramm. § 244, Kühner-Gerth I 185 unvollständig (Magnien kennt 
er noch nicht). Die Anwendung des Part. Fut. in Fällen wie 
ßaleovti eotxfJg Od. 11, 608, d/toQQiijJovTi soLiuog Hes. Schild 215, 
ehvvoovTa Pind. N. 1, eaao^evag 0. 12, 8, yiLvdvveiaovTag Thuk. 
VI 78 geht durch die Gräzität durch. Dann bespricht K. Fälle 
des Opt. Fut. 



310 F&al Kretschmer 

Komassa, Stanislaus: Quaestiones de verbi actionibus apud 
Antiphontem. Diss. v. Münster. Berlin 1912. 68 S., gibt eine 
fleißige Materialsammlung für die verschiedenen Aktionen des 
Verbums in den Reden des Antiphon. Die von den herrschenden 
Ansichten abweichende Theorie von Kunst (vgl. Glotta III 340) 
hat er nicht berücksichtigt. 

Kieckers, E. Zum Perfekt des Zustandes im Griechischen. 
IF. 30, 186—190, sammelt aus den drei Tragikern und Aristo- 
phanes Belege, in denen das Perfekt parallel mit einem Präsens 
erscheint, z. B. Aristoph. Acharn. 30 areviü, /.ex^jvo, a'Koqdiviofxat 
usw., und hält für wahrscheinlich, daß diese Perfekta des Zu- 
standes sich noch durch intensive Bedeutung von daneben vor- 
kommenden Präsentien {necpoßrK.iat : cpoßovixai) unterschieden. 

Hermann, Eduard: Griechische Forschungen I. Die Neben- 
sätze in den griech. Dialektinschriften im Vergleich mit den Neben- 
sätzen in der griech. Literatur und die Gebildetensprache im 
Griechischen und Deutschen. Leipzig, Teubner 1912. 345 S. 2 Taf. 
H. kommt in diesem Buch auf den Gegenstand seines ersten Auf- 
satzes in KZ. 33, 484 zurück, das syntaktische Problem der Neben- 
sätze. Im ersten Teil stellt er das Material aus den griechischen 
Dialektinschriften und der Literatur nach den die Nebensätze ein- 
leitenden Pronomina und Konjunktionen geordnet zusammen, im 
zweiten Teil läßt er die syntaktische Untersuchung folgen. Zwischen 
diese beiden Abschnitte, die dem Hauptthema des Buches in vor- 
trefflicher Weise gerecht werden, hat der Verf. ein Kapitel ein- 
geschoben, welches die Verlängerung des Buchtitels verschuldet: 
Schriftsprache, Gebildetensprache und Mundart. Ich bin mit dem 
Verf. der Ansicht, die ich auch noch an anderer Stelle vertreten 
werde, daß die Bedeutung der Gebildetensprache mehr gewürdigt 
werden muß. H. schreibt der letzteren zunächst nur für die Ver- 
breitung des Hochdeutschen Wichtigkeit zu: es fragt sich aber, 
ob sie nicht auch — worauf Zeugnisse über die meißnische oder 
kursächsische Gebildetensprache hinweisen — für die Entstehung 
oder weitere Ausbildung des Hochdeutschen von Einfluß war. So- 
dann verteidigt H. gegen Thumb die von Schwyzer und mir ver- 
tretene Meinung, die eigentlich für jeden Sprachforscher selbst- 
verständlich sein sollte, daß die Ausbreitung der Koine, wie sie 
in den Inschriften hervortritt, nicht den gleichzeitigen völligen 
Untergang der Volksmundart erweise. Wenn H. sagt, Thumb habe 
darin Recht, daß die Koine als gesprochene Sprache einge- 
drungen sein müsse, so ist das nur eine goldene Brücke, die er 



Literaturbericht für das Jahr 1912 • 311 

ihm baut. Denn das Bestehen einer mündlichen Koine neben der 
schriftlichen ist ja allgemein anerkannt. Die Träger dieser münd- 
lichen Koine waren aber wohl nicht nur die Gebildeten, die der 
Mundart die Ungebildeten, sondern der Verkehr hat hier ver- 
mutlich eine große Rolle gespielt: die Landbevölkerung, die Bauern 
und Hirten, dann auch die Frauen werden die Mundart länger 
bewahrt haben als die Städter, die Kaufleute und alle, die ihren 
Wohnort wechselten. 

Pearson, A. C. On the Use of orav with causal implication. 
Amer. Journ. of Phil. 33, 426 — 435, sammelt die Fälle (z. B. Eurip. 
Ion 744), wo otov mit Konjunktiv in kausalem Sinne verwendet ist. 

Croodell, Thomas D. Imagination and Will in /üj. Amer. 
Journ. of Phil. 33, 436—446. Gildersleeye, Basil: Usque recurret 
iU9^', ebd. 447 — 449. Nach Goodell erklären sich die zwei Funktionen 
von fit] nicht, wenn die Partikel ursprünglich, wie man gewöhnlich 
annimmt, den negierten Willen bedeutet. Er erneuert daher die 
Anschauung von G. Hermann, Matthiae, Aken, daß f.irj die Ne- 
gierung für das Gebiet des Abstrakten oder Ideellen, ov für das 
des Realen bezeichne. Gildersleeve hält an der Ansicht fest, daß 
furj von Haus aus volitiv war und die spätere Ausdehnung des 
Gebrauchs, durch die jui^ mit nv konkurriert, sekundär ist. 

Eisemann, Friedrich: Anaximenea. Diss. v. Leipzig 1912. 
75 S., untersucht im I. Teil die Wortstellung in Anaximenes' 
Rhetorik, von der er zwei Arten, 'bipartitio' und 'variatio^ unter- 
scheidet. 

Kieckers, E. Stellung der Verba des Sagens in Schaltesätzen 
im Griechischen und in den verwandten Sprachen. IF. 30, 145 
— 185. Die Wortfolge Prädikat : Subjekt (ecpt] 6 KvQog) stellt sich 
als die herrschende heraus; doch kommt vereinzelt auch die um- 
gekehrte Stellung (o 2a)/.QdTrjg ecprj Xen. Mem. II 1, 18) vor. 

Grunewald^ C. Die Satzparenthese bei den zehn attischen 
Rednern. Festgabe für M. v. Schanz S. 215 — 275. Untersuchung 
der eingeschobenen Sätze bei den attischen Rednern, die abgesehen 
von der stilistischen Würdigung dieser in der Rhetorik beliebten 
Satzparenthesen für die Sprachwissenschaft weniger ergibt. 

Nachmanson, Ernst: Syntaktische Beiträge. Eranus XII 181 
— 188. I. Hellenistische Fälle der Konstruktion KagrAÖg ovv tfj 
ywaiKL .... avsS^rjy.av. II. Ein Gen. des Sachbetreffs auf einer 
lakon. Inschrift. III. Bemerkungen zu Vettius Valens ed. Kroll. 

Paul Kretschmer 



312 • Felix Hartmana 



Italische Sprachen und lateinische Grammatik 

Das Berichtsjahr zeigt deutlich die zunehmende Beschäftigung 
mit der etruskischen Sprache; leider aber stehen die Ergeb- 
nisse noch immer in keinem annehmbaren Verhältnisse mit dem 
aufgewendeten Fleiß, namentlich fehlt es auch diesmal wieder nicht 
an gänzlich mißglückten Deutungsversuchen. Hocherfreulich ist 
das Erscheinen der ersten Lieferung der zweiten Abteilung des 
zweiten Bandes des Corpus inscriptionum etruscarum, in dem 
Gustav Herbig die faliscischen Inschriften herausgegeben hat 
(S. 1 — 116, Leipzig. J. Ambr. Barth, 36 M.). Eine andre Ver- 
öffentlichung betrifft nur die etruskischen Inschriften aus Bologna: 
Pericle Ducati, Le pietre funerarie Felsinee, Monum. antichi dei 
Lincei 20, 364 — 725 mit 5 Tafeln. Der Vf., der namentlich auch 
eingehend über die in den Gräbern gefundenen Beigaben berichtet, 
gibt Sp. 705 — 714 eine Übersicht über die meist fragmentarischen 
etruskischen Inschriften und reichliche Nachweise über die Ver- 
suche, sie zu verwerten. Erwähnt sei hierbei auch die umfang- 
reiche und sorgfältige Studie von Albert Grenier, Bologne Villa- 
novienne et Etrusque, Bibl. des ecoles frang. d'Athenes et de Rome 
106, Paris 1912, 540 S., die die Frage der Besiedlung Felsina- 
Bolognas durch Etrusker behandelt und die Zeit der etruskischen 
Herrschaft daselbst festzustellen sucht. 

Eine Anzahl zweisprachiger Inschriften, etruskische Glossen 
und Götternamen, die Zahlwörter, eine Stelle aus den Mumien- 
binden, die Frage der Verwandtschaft mit den Indogermanen be- 
handelt '/azw/iog QiofxÖTtovXog in seinen IIeXaayL/.d, Athen, Sa- 
kallarios, ga und 871 S. auf S. 453—565. Der Vf. deutet alles 
aus dem Albanesischen und glaubt damit die Frage des Etruski- 
schen und der übrigen von ihm fürs Pelasgische in Anspruch ge- 
nommen Sprachen endgültig gelöst zu haben. — Ebenso unglücklich 
ist der Versuch des Barons Carra de Vaux, La langue etrusque, 
Paris, Champion 1911, XXXIII, 195 S., der Verwandtschaft mit 
dem Ural-Altaischen gefunden zu haben glaubt; man vgl. darüber 
E. Kannengießer, Orient. Litztg. 15, 83. — Endlich ist auch °J. 
Cserep, De Pelasgis Etruscisque quid fabulis heroicis ac priscis 
nominibus doceamur. Budapest, Lampel 40 S., wie E. Thomas 
Rev. crit. 1912, 2, 119 angibt, entgleist. 

Kleinere Veröffentlichungen von Inschriften sind die von B. 
Nogara, Piccolo ipogeo della familia Ceicna di Chiusi. Mitt. des 



Literaturbericht für das Jahr 1912 313 

arch. Inst. Rom. Abt. 1912, 51 — 61, der auf die merkwürdige Er- 
scheinung hinweist, daß zwei Söhne der gleichen Eltern den gleichen 
Vornamen, ar., arnd^ tragen. — Ferner G.Her big, Neue etruskische 
Funde aus Grotte S. Stefano und Montagna, Glotta IV, 165 — 187, 
der dabei erneut die Frage behandelt, ob die Wörter auf -al als 
Genetive oder als Adjektiva anzusehen sind. — Die Frage der 
Einreihung des neuen Bruchstücks des etruskischen Mumientextes 
behandelt überzeugend A. Ehrenzweig Glotta IV, 262 — 265; A. 
Rosen berg behandelt ebenda 51 — 78 die Formen siid^i neben 
sutna, hind^u neben hind-a, bei denen er erweisen zu können glaubt, 
daß die Abwechslung nicht immer nur sachliche, sondern gelegent- 
lich auch stilistische Gründe hat, und gibt für größere zusammen- 
hängende Stellen der Mumienbinden eine annähernde Übersetzung. 
— Ein einzelnes Wort, atr^ übersetzt A. Torp KZ. 45, 99 f. mit 
"^selbst' und stellt es zu lyk. atla mit der gleichen Bedeutung; vgl. 
auch Idg. Anz. 30, 33. — Die enklitische Kopulativpartikel -c oder 
-/ behandelt Elia Latte s in den Sumbolae in honorem lulii de 
Petra, Neapel 1911, 143 ff. ; er stellt die Beispiele der Erscheinung, 
in Gruppen geordnet, zusammen und vermutet Zusammenhang mit 
lat. ac, nee, ohne sich über die Gewagtheit dieser Annahme im 
Unklaren zu sein. — Derselbe unermüdliche Gelehrte veröffentlicht 
in den Memorie della Reale accad. di archeol. lett. e belle arti. 
Vol. II 1913 S. 1 — 116 die Fortsetzung seines Saggio di un indice 
lessicale etrusco; der Band enthält den Buchstaben C. — In dem 
Aufsatz Per la storica estimazione delle coucordanze onomastiche 
latino-etrusche, Klio 12, 377 — 386 hebt Lattes stark hervor, daß 
der engen Durchdringung gegenüber, die das römische und das 
etruskische Namenmaterial zeigen und die er mit den Beispielen 
des Buchstaben C belegt, die spärlichen Entsprechungen, die bei 
etruskischen Namen mit außeritalischen Orts- und Personennamen 
beobachtet worden sind, nicht viel beweisen können. Dagegen sucht 
er im einzelnen festzustellen, worin die lateinische Namengebung 
etruskischen Einfluß zeige, und führt nach W. Schulzes Vorgang 
die Ausbreitung des wa-Suffixes, der Namen auf -sa, die Ähnlich- 
keit der Ableitungen, die auch auf das Gebiet der Appellativa 
überzugreifen scheine, vor allem aber die völlige Gleichheit der 
Namensformeln bei Latinern und Etruskern an. Ablehnend ver- 
hält er sich gegen W^. Schulzes und Herbigs Annahme eines dop- 
pelten Entlehnungsprozesses, glaubt aber seinerseits nicht nur an 
massenhafte Entlehnungen aus dem Etruskischen ins Lateinische, 
sondern sucht auch an etruskischen Namen, die im Lateinischen 



314 Felix Hartmann 

keine Entsprechung haben, wahrscheinlich zu machen, daß das 
Etruskische die lateinischen Appellativa cucuma, cumerus, cortina, 
gnarus, gramina, flavus, prasina besaß oder erborgt hatte. — In 
Fortsetzung einer in den Rendiconti dei Lincei, Serie 5, Bd. 20, 
veröffentlichten Studie Dalla'Toponomastica della Valle dell' Arno', 
die nur die Ableitung italienischer Ortsnamen aus Personennamen 
im allgemeinen behandelt, legt Silvio Pieri im 21. Bande, S. 145 
— 190 in dem Aufsatz D'alcuni elementi etruschi nella toponoma- 
stica toscana eine große Anzahl von italienischen Ortsnamen vor, 
für die er namenthch auf Grund der Forschungen W. Schulzes 
etruskischen Ursprung wahrscheinlich macht. — Nicht zugänglich 
waren mir °E. Benvenuti, Vecchie dissertazioni sulla lingua 
etrusca nella diocesi di Bressanone, Estratto dell' Archivio per 
l'Alto Adige. Trient, 1911, Zippel, 14 S., und °G. Buonamici, 
Nuovo saggio sulla lingua etrusca, Parte I (Analisi dei caratteri 
esterni dell' etrusco) sezione 1 (Alfabeto e scrittura etrusca) Faenza, 
Morgagni 1910, 95 S. 

Ebenso unerreichbar blieb mir des zuletzt genannten Gelehrten 
Aufsatz ° Del genetivo doppio in tnessapico e delle sue relazioni 
ed analogie coi casi composti di altri idiomi. Faenza 1911, Dal 
Pozzo, 42 S. — A. Sogliano, Sanniti ed Osci, Rend. dei Lincei, 
Serie 5, Bd. 21, 206 — 216 geht von einer Bemerkung d'Ovidios 
aus, der in den modernen italienischen Dialekten die echt samniti- 
schen von den auf oskischer Grundlage erwachsenen unterscheiden 
will. Er untersucht, wie der Name des Oskischen auf die Sam- 
niten übertragen wurde, deutet das Wort, wie üblich, auf grund 
von osk. üpsannam, lat. opus, operare als Bezeichnung für die 
Sprache der Ackerbauer und schildert sodann, wie die Bevölkerung 
der alten Ausones-Aurunci zuerst unter den Einfluß der Griechen, 
danach unter den der Etrusker gekommen sei, wie dann seit der 
Mitte des fünften Jhs. die Samniten von ihren Bergen herabstiegen 
und ihre Schrift an die etruskische anlehnten. — Osk. am fr et er- 
klärt W. Schulze KZ. 45, 182 aus *am-ferent und vergleicht für 
die Bedeutungsentwickelung intransitives Ttegiäyeiv, TiEQicptQEiv und 
passivisches nsQLcpeQi^g. — F. d'Ovidio gibt in den Sumbolae in 
honorem Julii de Petra Neapel 1911, 107 ff. zu erwägen, ob die in 
den modernen samnitischen Dialekten vorkommende, auf die 3. s. 
beschränkte und nur selten auf die 3. pl. übergreifende Endung 
-atte auf die oskischen Formen des Perfektums wie prüfatted, 
dadikatted zurückgehen könne. 

Umbrisch mandraclo, mantrahklu, mantraklu, das in 



Literaturbericht für das Jahr 1912 315 

der Bedeutung dem lat. mantele entspricht, erklärt K. Brugmann 
IT. 30, 375 f. in seinem zweiten Bestandteil zu lat. terere, dessen 
Stamm durch ä erweitert sei. — Seine Erklärung der 2. PI. auf 
-to (KZ. 41, 318ff.) hält J. Wackernagel IF. 31, 258« gegen 
Brugmann aufrecht (vgl. Glotta V, 316), 

Von sprachlich wichtigen Inschriften wurden behandelt die 
Inschrift des Cippus vom Forum Romanum durch Th. v. Grien- 
berger, der IF. 30, 210 — 215 . . . quoi ha\uelod nequ . . ,\. , . od 
iouestod \ louquiod liest und hauelod als Ablativ eines Verbal- 
adjektivs mit der Bedeutung favens, louquiod als Ablativ eines von 
lucus '^B.sdn abgeleiteten Adjektivs deutet; die Inschrift sei bei den 
leges de lucis sacris unterzubringen. Ferner wendet sich A. Träx- 
1er in dem Programm Über die Inschrift auf der columna rostrata 
Budweis 1909/10 (17 S.) energisch gegen den Versuch Wölfflins 
und seine Unterstützung in Pauli-Wissowas Realenzyklopädie sowie 
seitens der Thesauruskommission, die Inschrift als echt gelten zu 
lassen. Er bringt für seine entgegengesetzte Ansicht überzeugende 
Gründe aus dem Wortschatz, der Orthographie und der Grammatik 
bei. — Mehrfach behandelt wurde die Lex lulia municipalis. L. 
Mitteis sucht in der Zschr. der Savignystiftung, Rom. Abt. 33, 
159 — 180 Savignys Datierung des Gesetzes auf ungefähr 45 v. Chr. 
zu verteidigen und das Gesetz als Beispiel einer lex satura zu er- 
weisen; ferner haben °E. Pais, Circa l'etä e la natura della Lex 
latina di Eraclea in den Studi istorici per l'antichita class. 5, 43 
— 107 = Rendiconti dei Lincei, Roma 1911, 52 S. und °S. S. 
Lukianov im Februarheft des Zurnal min. narodn. prosv. die In- 
schrift behandelt. — Erwähnt sei ferner ein Aufsatz von L. Sont- 
heimer in der Festschrift der k. Altertümersammlung in Stuttgart, 
D. Verlagsanstalt, S. 78 — 84, der vier Stempel des Augenarztes 
Honestius Lautinus für trockene Augenzäpfchen behandelt und die 
Bezeichnungen dialepid ölcc XeTiLÖog, diamisus öiä (.ilavog, dialba- 
num öia Xißavov, diagesam öic yrjg 2afj.tag nach ihren Bestand- 
teilen und ihrer Geschichte erklärt. — Wilhelm Schulze hat Eigen- 
namen 117 drei Inschriften angeführt, die augenscheinlich Duale 
enthalten; einen vierten Fall vermutet A. Zimmermann IF. 30, 
2 19 f. in der Inschrift Eph. ep. 9 n. 619: Q. A. Aidicio Q. f. T. 
Rebinio Q. f. aidile moUatico. Die Worte bleiben auch bei dieser 
Annahme noch recht schwierig. — Über W. Sherwood Fox, The 
John Hopkins Tabellae defixionum, Suppl. to the Am. Journ. of 
Phil. 33 (Heft 129), sowie die das Vulgärlateinische behandelnden 
Aufsätze von Niedermann, Immisch und Pfister vgl. unter Syntax. 



316 Felix Hartmann 

Der erste, die Elementar-, Formen- und Wortlehre behandelnde 
Teil der vielgebrauchten Ausführlichen Grammatik von Raphael 
Kühner erschien XVI, 1127 Seiten stark in zweiter Auflage (Han- 
nover, Hahn) in der Neubearbeitung von F. Holzweißig. Der Be- 
arbeiter hat für die notwendigen Ergänzungen Raum gewonnen, 
indem er die literarische Einleitung fortließ, und hat begonnen in 
Zeitzer Schulprogrammen (vgl. Glotta IV, 361) über die Quellen 
und Hilfsmittel der lateinischen Sprache zu berichten; über seine 
eigne, unendlich mühevolle und schwierige Arbeit läßt sich aber 
wenig Anerkennendes sagen. Nach längerer, ausgiebiger Benutzung 
des Buches möchte ich mich nicht darauf beschränken, auf die 
Beurteilung zu verweisen, die F. Skutsch noch in der D. Litztg. 
33, 292 f. veröffentlicht hat. Für den sprachwissenschaftlich Ge- 
schulten ist die Materialsammlung brauchbar, wenn auch Unge- 
nauigkeiten und Versehen nicht fehlen und auch Neue und Georges' 
Wortformen immer noch nachgeschlagen werden müssen. Aber die 
Benutzung ist durch die Anordnung des Stoffs sehr erschwert, weil 
die rein formalen Gesichtspunkte vielfach durch angeblich sprach- 
wissenschaftliche Anordnungsprinzipien durchbrochen und dabei 
die Ansichten von mindestens drei Generationen durcheinander 
gemengt werden. Ohne nach dieser Richtung auf Irrtümer und 
Verkehrtheiten gröbster Art zu stoßen, kann man keinen Absatz, 
kaum eine Zeile lesen; die sehr umfangreichen Übersichten über 
Lautwandel, Kasus- und Tempusbildung u. dergl. sind gänzlich 
verfehlt und für den, der nicht sprachwissenschaftlich gründlich 
geschult ist, gradezu gefährlich und irreführend. Sehr bezeichnend 
ist, daß zwar in den Literaturübersichten einige neuere Werke wie 
z. B. Brugmanns Grundriß erwähnt werden, daß dies Werk jedoch 
irgendwo benutzt wäre, habe ich bis jetzt noch nicht bemerkt; 
von dem Besten, das über lateinische Lautgeschichte geschrieben 
worden ist, den Arbeiten von Skutsch, Solmsen und Sommer sucht 
man in dem Buche vergebens eine Spur. — ° Nicht zugänglich war 
mir die wegen der Durchführung mancher Neuerungen in Termino- 
logie und Stoffanordnung interessante New latin grammar von A. 
Sonnenschein, Oxford, Clarendon Press 1912. — Paul Linde 
setzt (vgl. auch unten S. 360) seine Beurteilung der Werke, die 
sich mit der Verwendung der Ergebnisse der Sprachwissenschaft 
für den Unterricht befassen, fort; seine Forderung, die Wortbil- 
dungslehre in der Schule mehr zu verwerten, unterstützt er durch 
eine Übersicht, die auf die Bedürfnisse der Schule Rücksicht nimmt 
und der Beachtung warm empfohlen zu werden verdient (s. a. unten 



Literaturbericht für das Jahr 1912 317 

bei F. Gottanka); nicht ganz frei von Ungenauem und Unsicherem 
ist der letzte Absatz 'Bedeutung der Komposita'. — Umständlicher 
geht ein andres Programm zu Werke. Max Schlossarek, Die 
sprachwissenschaftliche Methode und der Lateinunterricht in Sexta, 
Jsb. des Gymn. zu Kattowitz, erörtert ausführlich die Vorteile, die 
die sprachwissenschafthche Methode gewähren kann, ich stimme 
dem Vf. darin bei, daß diese Methode vor allem die ganze Auf- 
fassung von Wesen und Leben der Sprache in der Schule umwandeln 
und den grammatischen Betrieb auf eine andre Grundlage stellen 
muß. Dafür aber sind Einzelkenntnisse und Einzelergebnisse der 
Wissenschaft nebensächlich, und ich denke über deren Verwendung 
im Anfangsunterricht, besonders auch in Hinsicht auf die Aus- 
sprache, ganz anders als der Vf. Aber die Wärme, mit der er 
seinen Gegenstand behandelt, ist wohltuend und seine Ausführungen 
sind lesenswert. 

Orthoepische Fragen beschäftigen, wie schon vor zwei 
Jahren (Glotta IV, 362) erwähnt wurde, vielfach die französischen 
Gelehrten. Ich erwähne °A. Mace, La prononciation du Latin. 
Manuel pratique resumant le minimum de prosodie necessaire et 
süffisant et precede d'une introduction sur l'essence de Taccent 
latin. Paris, C. Klincksieck 1911. 149 S. [Nouvelle collection ä 
l'usage des classes 24.] Vgl. H. Meltzer, DLtztg. 1912, 665f. — 
"C. Couillant, La reforme de la prononciation latine. Paris, 
Blond 1911, XIIII, 174 S. — °L. Havet, La prononciation du 
latin, Paris, Vuibert 1911, 20 S. 

OrtJiographische Fragen behandelt Georg Goetz an 
mehreren Stellen seines Aufsatzes Sprachliche Bemerkungen zu 
Varro de re rustica IF. 31, 298 — 308, so spricht er über die 
Schreibung e für ae S. 305 (balare dicunt extrita litter a 2, 1, 6 
was baelare voraussetzt), über Tremelius und Tremellius S. 307 f., 
über Wechsel von m b v ebenda (primilegium, Ttgif-iilayiov) ; vgl. 
auch Fr. Scholl ebenda 317 über die Schreibung ccmthus für can- 
tus, worüber unten S. 333. — Roland G. Kent wiederholt Glotta 
IV, 299 ff. seine Darlegungen über die orthographischen Regeln des 
Lucilius aus Am. Journ. of Philol. 32, 272 ff., vgl. Glotta V, 319. 

— Edwin W. Fay dagegen glaubt Am. Journ. of Philol. 33, 311 
— 316, Lucilius habe keinen phonetischen Unterschied bezeichnen, 
sondern nur äußerliche Anweisungen für das Gedächtnis geben 
wollen. Er schreibt meille und meiles, was nicht zu glauben ist. 

— Eine andere mit der Orthographie von i und ei zusammen- 
hängende Frage behandelt Roland G. Kent Transact. and proc. of 



318 Felix Hartmann 

the Am. philol. ass. 43, 35 — 56. Er macht in gründlicher Er- 
örterung auf die Fälle aufmerksam, in denen beim Aufeinander- 
treffen von zwei oder drei i entweder e für / wie z. B. in abiecio, 
oder i für e, wie z. B. in iei für el geschrieben wird; ii werde, 
wie auch sonst die doppelte Setzung der Vokale, gemieden; aber 
die genannten Schreibungen sprechen für getrennte Aussprache. 
Soweit gehen die Ausführungen des Vfs, ob man daraus aber, wie 
neuerdings geschieht, schließen darf, daß abiecio der republikani- 
schen Zeit wiedergegeben werden müsse, ist eine andre Frage; die 
Inschriften zeigen uns in verschiedenen Zeiten verschiedene Ver- 
suche, die Schwierigkeit zu überwinden; aber die Schreibung läßt 
auf die Aussprache nur unsichere Schlüsse zu, und wie iei für el 
zeugt, so zeugt abiecio nicht notwendig für die Aussprache mit e, 
sondern wahrscheinlich nur für abjicio. — Edgar Howard Sturte- 
vant, The pronunciation of ciii and huic in denselben Transactions 
S. 57 — 66 sucht der diphthongischen Aussprache des ui namentlich 
auf grund der Grammatikerzeugnisse beizukommen und die Unter- 
scheidung von einsilbigem cui und qui als der lebendigen Sprache 
angehörig zu erweisen. — Der Romanist A. Thomas weist in den 
Comptes rendus de l'acad. des inscr. vom 15. Dez. 1911 darauf 
hin, daß auf einer Inschrift aus Delos lateinisches t mehrfach mit 
e wiedergegeben ist; er sieht darin eine Bestätigung von Dietz' 
Ansicht, daß die romanische Aussprache, in der I dem e ähnelt, 
auf alte Zeit zurückgeht, nicht erst dem Vulgärlatein angehört. 
Vgl. Wschr. 1912, 669 f. — E. A. Sonnenschein, Hidden quan- 
tities. Class. Rev. 26, 78 ff. gibt eine Übersicht über solche Fälle, 
in denen der Thesaurus, die Wörterbücher von Stowasser, Heinichen 
und die Grammatik von Hale-Buck bei der Bezeichnung gedeckter 
Vokale abweichen. Er knüpft daran recht bedenkliche pädagogi- 
sche Ratschläge. — A. Sloman setzt ebenda S. 220 f. die Unter- 
suchung fort, lehnt im Unterricht halbe Maßregeln ab und stimmt 
betreffs der Aussprache des Vokals vor ns und nf der Ansicht 
Niedermanns zu, der aus frz. conseil, enfant schließt, daß zuerst 
die Orthographie, dann die Aussprache das schon ausgefallene n 
wieder eingeführt habe. 

Fragen des Akzents im Zusammenhang mit dem Rhythmus 
behandelt seit langer Zeit in einer schwer verständlichen und von 
niemand gebilligten Weise Thomas Fitzhugh, über dessen Arbeit 
The West-indoeuropean superstress, Proceedings of the Am. Philol. 
ass. 41 (1911) xxxi— xxxvj H. Draheim, Wschr. 1912, 487 ff', aus- 
führlich berichtet und zutreffend urteilt. Der Vf. will die dem 



Literaturbericht für das Jahr 1912 319 

vorlateinischen Anfangsakzent zugeschriebenen Erscheinungen aus 
rhythmischen Gesetzen ableiten, die er erst künstlich und durchaus 
willkürlich zurechtmacht. — Um so mehr Zustimmung hat dagegen 
eine der letzten Veröffenthchungen F. Skutschs, der geistreiche 
Aufsatz über den lateinischen Akzent Gl. IV, 187 — 200 gefunden. 
Er führt den altlateinischen Anfangston auf etruskischen, das spä- 
tere Dreisilbengesetz, wenn auch zweifelnd, auf griechischen Einfluß 
zurück und hebt stark hervor, daß auch der Akzent der klassischen 
Zeit exspiratorisch war. — R. L. Turner, Against the stress ac- 
cent in Latin. Class. Rev. 26, 147 — 153 sträubt sich allerdings, für 
das Dreisilbengesetz ursprünglichen exspiratorischen Ton anzu- 
nehmen; er sucht solche Lautgesetze, die hauptsächlich auf dem 
Starkton der klassischen Zeit aufgebaut sind, wie den Übergang 
von ov_j. in av^ (foveo, favere) und das Auftreten vortoniger i in 
offener Silbe für e, in andrer Weise zu erklären. Aber die Er- 
klärung des Vfs hat wenig Überzeugungskraft, zumal noch andre 
Anzeichen genug für die exspiratorische Betonung sprechen. — 
Charles Exon, The accentuation of words of the type commemo- 
rare. Class. Philol. 7, 84f. beruft sich auf die Betonung (stressing!) 
bei Plautus, um aus dem Nebeneinander von commöditaUm und 
cömmoditdtem ein gesprochenes commbditdtem zu erweisen; diese 
Betonung ergebe sich ferner aus ital. incollerirsi span. Saragossa 
(aus * Caesäraugüsta). Er verweist dabei auf den Aufsatz von 
Shipley, Class. Philol. 6, 414. Es würde sehr viel umfangreicheren 
romanischen Materials bedürfen, um eine Entscheidung zu treffen. 
Die Plautinische Prosodie ist in dieser Frage ganz ohne Belang; 
die romanischen Sprachen aber würden nur eine späte Entwickelung 
bezeugen können. 

Eine vergleichende Lautlehre des Altindischen, Griechischen, 
Lateinischen und Altslavischen hat für seine Vorlesungen °V. 
Porzezii'sky veröffentlicht (Ocerk sravnitel'noj fonetiki drevne- 
indijskago, greceskago, latinskago i staroslavjanskago jazykov. 
Posobie k lekcijam. Moskau, Kuznecev 1912, 83 S. — Viele Fragen 
der Lautlehre behandelt Per Persson in seinem umfangreichen 
Werke Beiträge zur idg. W'ortforschung (Uppsala VIII, 1113 S.), 
woraus im folgenden einige wichtigere angeführt werden. — 
S. 137 ff. behandelt P. die Frage, ob es einen Ablaut e : a in der 
e- und e-Reihe gebe, und bietet dazu neues Material. Er beab- 
sichtigt nicht, die Frage endgültig zu entscheiden, wozu es viel 
umfassenderer Untersuchungen bedürfte. — Ob ghr-, ghl im Lat. 
zu r-, l- geworden seien, untersucht P. S. 296 — 305 und kommt 



320 Felix Hartmann 

zu einer ablehnenden Antwort; höchstens könne eine von satz- 
phonetischen Bedingungen abhängige gelegentliche Vertretung durch 
r-j l- zugegeben werden, während gr-, gl- als regelmäßige Vertre- 
tung zu gelten haben. Demnach glaubt P. nicht an den gewöhn- 
lich behaupteten Zusammenhang von ruo und congruo; er verhält 
sich überhaupt gegen die — berechtigten — Versuche ruo auf 
mehrere Etyma zurückzuführen, ablehnend. — Daß ri vor Kon- 
sonanten in haupttoniger Silbe zu er geworden sei, wie man aus 
ter, testis (aus *ter-stis) zu schließen pflegt, bestreitet P. S. 314 1; 
bei der Dreizahl sei der Stammwechsel ter-, tri- uralt (aind. 
trtiyas); bei testor könne man obendrein an den Einfluß der ur- 
sprünglich anfangsbetonten Komposita denken, crispus, crista 
widersprechen der üblichen Fassung der Regel. — Lat. tu- wird 
nach P. S. 471 ff. zu t-, wie auch Ciardi-Dupre in der Glotta 
V, 337 zitierten Abhandlung annimmt; die Annahme Sommers, daß 
tu- zu i)- werde, wird abgelehnt. — Über den Wechsel von idg. p 
mit ph, k mit kh, besonders nach auslautendem s äußert sich P. 
S. 416ff. Da sich der Wechsel nicht bloß im Griechischen, sondern 
auch im Altindischen, wie P. meint, nachweisen läßt, so sucht er 
darin ein aus der Ursprache stammendes Schwanken der Artikula- 
tion. Über sth- und st- vgl. 428 1. — Die Lehre, daß qu zu u 
geworden sei, bekämpft P. S. 523 ff., vielmehr sei es mit hu zu- 
sammengefallen und erscheine als qu. Als Beispiele nennt er con- 
quinisco, quatio, querquedula. Ebenso bestreitet er, daß quu zu u 
geworden sei, wie man bei ubi, unde, uter usw. annimmt; er leitet 
diese Wörter von einem Pronominalstamm u- ab. Das ist aber 
eine Verlegenheitsannahme, die sich mit der eigenartigen Geschichte 
der Pronomina Interrogativa, die auch als Indefinita und Relativa 
fungieren, nicht verträgt, denn keine dieser Funktionen kommt dem 
sonst bekannten Pronominalstamm u- zu. — Die Schicksale des 
an- und inlautenden du sucht Nicolaus Rudnicki Eos 1912, 168 ff. 
als entsprechend zu erweisen, aus Duellius werde nach r Bellius, 
nach / Dellius. Inlautende Beispiele sind morbus und das frag- 
liche derbiosus für rdu, für Idu mollis. 

Eine wichtige Frage der Lautentwickelung des klassischen 
Lateins behandelt R. Hartenbargers Dissertation De -o finali 
apud poetas Latinos ab Ennio usque ad luvenalem. Bonn 1911, 
107 S. Der Vf. erklärt die allmähliche Kürzung des langen -ö aus 
dem zunehmenden Einfluß der Vulgärsprache und gibt eine sehr 
übersichtliche, auch tabellarische Übersicht über den Sprachge- 
brauch der einzelnen Dichter, vgl. auch unten unter Prosodie. 



Literaturbericlit für das Jahr 1912 321 

Die Formen der lateinischen ersten Deklination in den 
Inschriften behandelt die Tübinger Dissertation von A. Hehl (VIII 
72 S.)- Sie gibt eine geordnete Übersicht über die Formen, deren 
Einzelheiten mit guter Kenntnis erörtert werden. Zu freigebig 
schaltet der Vf. mit der Annahme dialektischer Einflüsse, besonders 
auch mit der Annahme der Einwirkung unbekannter Größen wie 
Etruskisch und Iberisch. Dankenswert sind die Zusammenstellungen 
über die Erweiterung lateinischer und griechischer Eigennamen mit 
n und t, wie sie die Genetive auf -e/nis, -anis, -inis, -atis, -etis zeigen. 
— Eine Breslauer Dissertation von Petrus Neumann, De vocum 
Graecarum apud poetas Latinos ab Hadriani temporibus usque ad 
Claudiani aetatem usu (VI, 116 S.) schließt sich an das früher von 
Zwiener und Sniehotta in ihren Dissertationen für ältere Epochen 
behandelte Thema an und ergänzt sie in übersichtlicher Darstellung 
auf erwünschte Weise. — S. Alessi, La flessione dei nomi greci 
in Valerio Flacco. Boll. di filol. cl. 19, 56 — 59 verfolgt die von 
Valmaggi formulierte Absicht: restituire ai singoli scrittori le 
forme richieste dal tempo e dalla scuola indipendentemente affatto 
dai codici e, di regola generale, senz' altra eccezione che per i 
poeti la ragione del metro. Er verspricht darüber eine ausführ- 
liche Veröffentlichung und gibt einige statistische Angaben über 
seine Beobachtungen. Unter 1089 Fällen bieten nur 30 Formen 
griechischer Namen lateinische Formen ohne metrische Notwendig- 
keit, die der Vf. — offenbar voreilig — den Schreibern, nicht den 
Dichtern zuweist. Er behandelt außerdem die Endungen -os (Nom. 
und Gen.), -ön (Nom. der 3. Dekl. und Gen. PI.) und -e; die Ab- 
lative Ida und Lihya führen zu der Bemerkung, daß der Lateini- 
sche Kasus bei griechischen Wörtern keine griechische Form an- 
nehmen konnte. — Die Flexion Aiax, Aiacis will W, Schwering 
IF. 30, 220 ff. durch oskischen Einfluß erklären. Nach Analogie 
von meddis, meddikeis sei zunächst im Oskischen der Nom. 
^Yag in die Deklination der Gutturalstämme übergetreten, im 
Lateinischen habe sich dann auch der Nom. der Form der obliquen 
Kasus angepaßt. Auf dieser unsicheren, wenn auch möglichen, 
Grundlage erbaut der Vf. eine Schilderung des Einflusses, den die 
Kampaner bei der Überlieferung griechischer Kultur auf die Römer 
ausgeübt haben. 

Einige Fälle, in denen der Nom. im Lateinischen an die Stelle 
des Vok. getreten ist, oder vielmehr den fehlenden Vokativ ersetzt, 
behandelt Jakob Wackernagel in einem Göttinger üniversitäts- 
programm 'Über einige antike Anredeformen\ Sehr lehrreich ist 

Glotta VI, 4. 21 



322 Felix Hartmanu 

sein Hinweis auf die fehlerhaften Angaben der herkömmlichen 
grammatischen Darstellung und auf die Vererbung dieser Fehler 
aus der Zeit des Mittelalters; er erklärt, weshalb ein Vok. von 
deus im klassisch-heidnischen Latein im Sing, nicht vorkam, während 
dea, diva nicht ungewöhnlich sind, und weist nach, daß der Vok. 
deus der christlichen Schriftsteller, der nach längerem Schwanken 
mit dee durchdringt, dem jüdisch-griechischen 6 ^eog nachgebildet 
ist. Ebenso fand der griechische Übersetzer des alten Testaments 
keinen lebendigen Vok. zu 'kaög, er verwandte den Nom., und die 
römischen Christen sind ihm gefolgt. Mit Recht betont W., daß 
Appellativa sich überhaupt gegen die Bildung eines Vokativs sträu- 
ben, was gewöhnlich ganz unbeachtet bleibt. 

A. Meillet, Remarques sur le sens du genitif en Indo-europeen 
Festschrift Wilhelm Thomsen S. 31 — 23 macht einige allgemein 
gehaltene Bemerkungen über die Mischung grammatischer und 
lokaler Bedeutung im idg. Kasussystem in Anknüpfung an Wacker- 
nagels Aufsatz über den Genetiv in der Saussure-Festschrift; be- 
sonders bespricht er den Unterschied, der zwischen dem Verhältnis 
von Genetiv und Ablativ im Singular, wo die Kasus z. T. zusammen- 
fallen, und im Dual und Plural besteht, wo sie scharf geschieden 
werden. 

Die Genusregeln der konsonantischen und ^'-Deklination im 
Lateinischen versucht Ferdinand Gottanka in einem Bayreuther 
Schulprogramm neu zu formulieren. Das vorgeschlagene Verfahren 
ist ziemlich umständlich und wissenschaftlich wertlos; es wäre nun 
endlich Zeit für die Erkenntnis, daß es für solche heterogenen, aus 
zwanzig Formenklassen zusammengewürfelten Zufallskonglomerate, 
wie es die dritte Deklination ist, keine Genusregeln geben kann, 
daß es auch pädagogisch verkehrt ist, hier den Schein von Ord- 
nung vorzutäuschen, und daß durch verständiges Sondern der Auf- 
gaben der grammatischen Formen- und Wortbildungslehre einer- 
seits und der Aufgaben des Lexikons anderseits die Lösung der 
Schwierigkeiten zu suchen ist. — 

Fragen der pronominalen Deklination behandelt 0. Hujer IF. 
30,49 — 54; auf Grund einer ziemlich künstlichen, aber feinsinnigen 
Rekonstruktion der slavischen Formen des Pron. pers. der ersten 
und zweiten Person nimmt er an, daß für tibi von einer Stamm- 
form mit u auszugehen ist; das Nebeneinanderliegeu von aind. 
tuhhyam und avest. taihya erweist das Schwanken der Stammform 
als uralt; doch ist anzuerkennen, daß die Form mit e- Vokal leicht 
auf Grund der Stammgestalt und Vokalisation der übrigen Formen 



Literaturbericht für das Jahr 1912 323 

der Pronomina der ersten und zweiten Person neugebildet werden 
konnte. — Die Genetive auf -tus deutet J. Wackernagel IF. 31, 
268 ff. in Anlehnung an Sommers Erklärung aus -sw, vgl. aind. 
ast/a, kasya usw., und nimmt an, daß unter dem Einfluß der Gene- 
tive auf -OS ein -s an sie angetreten sei. Die Aufrechtsche An- 
nahme, daß diese Genetive aus Adjektiven erwachsen seien, bekämpft 
er mit überzeugenden Gründen. 

Mit der Verbalflexion beschäftigen sich folgende Arbeiten. 
2. Bdarig, De imperativi tertia persona. ETciOTruxovLYjj S7tETr]Qlg 
Z' (1910|11) 155 — 159 untersucht die Nachrichten der lateinischen 
Grammatiker über das Verhältnis des Konj. präs. zum Imperativus 
präs. und fut. Eine Anzahl von Beispielen aus Cicero de leg. dient 
ihm dazu, die Formulierung des Gebrauchs bei Diomedes (398 K.) 
als richtig zu erweisen, der im Gegensatz zu Charisius und Probus 
den Konj. präs,, allerdings nur für die dritte pl., dem Imp. fut. 
gleichsetzt. Er gibt dann noch eine Anzahl Stellen, die zeigen 
sollen, daß in der klassischen Sprache der Imp. fut. der 3. Pers. 
auch im Sinne des Präsens und der Konj. präs. in gleicher Ver- 
wendung gebraucht wurde. Die Frage ist nicht unwichtig und ver- 
dient eine umfassende Untersuchung; das Urteil des griechischen 
Gelehrten verdient um so mehr Beachtung, als in seiner Mutter- 
sprache der Imp. präs. und aoristi geschieden werden und diese 
Unterscheidung durchaus lebendig ist. Mit diesem Unterschiede 
aber berührt sich die Bedeutungsverschiedenheit des präsentischen 
und futurischen Imperativs des Lateinischen, wiewohl noch nicht 
feststeht, auf welche Weise die Unterscheidung hier zustande ge- 
kommen ist. — J. Lloyd-Jones The development of the verbal 
r-formes. Mi scell. presented to Kuno Meyer. Halle, Niemeyer, lehnt 
jedes Eingehen auf den Ursprung des r-Suffixes ab, behandelt aber 
dessen weitere Ausbreitung in beachtenswerter Weise. Er unter- 
scheidet in dem ältesten italischen und keltischen Sprachmaterial 
nach Conways Vorgang einerseits rudimentäre Formen wie osk. 
loufir, umbr. ier, ferar, anderseits entwickelte Formen, die das 
Hinzutreten des r zu ausgebildeten Aktiv- oder Medialformen 
voraussetzen, wie lat. sequitur, sequatur, osk. v in et er, umbr. 
herter. Er schließt nun: ursprünglich sei das r-Suffix an den 
Verbalstamm angetreten; die danebenliegenden Medialformen auf 
-tai, -to haben dann ihre Schlußvokale auf die bedeutungsverwandten 
r-Formen übertragen, danach verschmolz umgekehrt das r mit den 
Medialformen. So bekommen wir die Reihenfolge l.*bherer neben 
*bheretai, *bhereto, 2. *bherrai, *bherro neben *bheretai, *bhereto, 

21* 



324 Felix Hartmann 

3. *bheretrai, '^bheretro. Das führt bis zu vincter, ferenter 
(aus *-tro); für die lateinischen Formen auf -tur aus *toro wird 
Anfügung von -ro an die Sekundärendung des Mediums vermutet. 
— K. Brugmann, Der Ursprung des lateinischen Konjunktivus 
Imperfekti und Konjunktivus Plusquamperfekti. IF. 30, 338 — 360, 
geht von einer Erörterung der Bedeutung der Formen aus und be- 
spricht zuerst die oskischen Formen, die dieser Bildung zugewiesen 
werden, fusid, patensins, herrins oder ferrins des Cippus 
Abellanus, wobei er Skutsch' Deutung von patensins Glotta III, 
101 und ebenso die des Imperfektums auf -bam ablehnt; er ver- 
wirft auch Thurneysens Erklärung des Konj. Impf. Sodann er- 
örtert B. die Mittel, mit denen jüngere idg. Sprachen einen Konj. 
Impf, neugeschaffen haben, erinnert an die nahe Zusammengehörig- 
keit von Inf. Präs. und Konj. Impf, einerseits, Inf. Perf. und Konj. 
Plqpf. anderseits und glaubt „nicht auf einem Holzwege zu sein", 
wenn er den Ausgang -em mit eo, ire zusammenbringe. Diese Ver- 
mutung sucht er durch syntaktische Erwägungen ;zu stützen. In 
-em sieht er ein altes Imperfektum von ire. Einzuwenden ist, daß 
die nahe Verbindung von ire mit dem Inf. präs. und gar Perf. in 
den sehr spärlichen Belegen der alten Zeit, die noch dazu auf 
griechischem Muster beruhen werden, keine Stütze findet, besonders 
neben der echt lateinischen engen Verknüpfung von ire mit dem 
Supinum; sehr gewaltsam ist auch die Konstruktion eines Impf. 
*em für den modalön Gebrauch, während es in seiner Hauptfunk- 
funktion durch ibam ersetzt wurde. Erwünscht ist dagegen die 
Feststellung, daß die Bildungen wie faxo, amasso, osk.-umbr. fust 
keinen oder nur ganz entfernten Zusammenhang mit dem Konj. 
Impf, und Plqpf. des Lateinischen haben. — Mit der Flexion des 
lat. Perfektums beschäftigt sich Hermann Collitz in seinem Buch 
Das schwache (germ.) Präteritum und seine Vorgeschichte. Hesperia 
Heft 1. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, S. 189 — 205. Ihm 
kommt es hauptsächlich darauf an, den Zusammenhang des lateini- 
schen Perfekts mit den ursprachlichen Perf. Med. nachzuweisen, 
und dabei behandelt er ausführlicher li, il, das er dem altind. iye 
gleichsetzt. Er glaubt ferner, Perfekta mit kurzer Stammsilbe 
stammen aus dem Medium, solche mit langem Stammvokal aus dem 
Aktiv. Diese Formulierung ist recht unglücklich, schon die e-Per- 
fekta wie venl, legi usw. werden besser an das Medium angeschlossen, 
da sie ja den Unterschied des Vokalismus im Sing, und Plural wie 
got. qam qemum nicht zeigen. Das e selbst will C. aus dem alten 
Medialaorist, vgl. aind. agämi erklären; aber auf diesem Wege wird 



Literaturbericht für das Jahr 1912 325 

ihm schwerlich jemand folgen. Auch was C. über die Perfekta 
auf -ui und -vi darlegt, ist wenig glaubhaft; wir stehen bei diesen 
Formen fast überall vor jungen lateinischen Neubildungen, bei 
denen es bis zu einem gewissen Grade Sache des Zufalls ist, ob 
es gelingt, die verworrenen Fäden wieder aufzulösen, die in den 
geschichtlich gewordenen Bildungen durcheinanderlaufen. Eine in 
jeder Beziehung befriedigende Erklärung ist noch nicht gefunden. 

J. Vendryes, Le type verbal en *-5Ä;«/o de l'indo-iranien. 
Festschrift V. Thomsen 173 — 182 sucht zu erweisen, daß die in- 
kohative Bedeutung, die das Suffix -scö in vielen lateinischen Ver- 
ben zeigt und die sich auch im Germanischen und Iranischen be- 
legen läßt, nicht ursprünglich war; vielmehr finde sich -scö ur- 
sprünglich bei solchen Wurzeln, von denen das Idg. keine thematische 
Präsensbildung besaß. — Gerson Blatt, Nowsze pogl%dy na genez§ 
slow lacinskich na -io (capio — audio). Eos 1912, 198 ff., verweist 
auf die im Baltisch-Slavischen erhaltene Unterscheidung der Flexion 
der /«/o-Stämme, die z. T. wie aslaw. lizq,, -est, lit. leziü, leziame, 
flektieren, z. T. im Stammauslaut zwischen i und e wechseln wie 
aslaw. sedisi, sedeti, lit. sedime, sedeti; aber der bloße Hinweis 
hierauf genügt nicht, um damit den Unterschied von cupimus und 
audimus gleichzusetzen und dessen Erklärung durch das lamben- 
kürzungsgesetz abzulehnen, aslaw. sMeti, videti neben lat. sedere 
videre weisen, was der Vf. auch fühlt und vergeblich zu entkräften 
sucht, tatsächlich nach ganz anderer Richtung. — °F. Zitzmanns 
Grammatische Bemerkungen zum 1. Supplementband des VIII. Bandes 
des CIL. Schluß. Programm, Prachatitz 1911, 20 S. habe ich auch 
diesmal nicht erhalten. Vgl. E. Vetter, ZöGymn. 63, 546f. 

Stammbildung. Mit der Bildung auf -l im Idg. beschäftigen 
sich zwei Aufsätze, die sich z. T. nahe berühren. Hermann Hirt 
schreibt darüber IF. 31, 1 — 23; während nach der herkömmlichen 
Ansicht die Feminina der o-Stämme mit -ä, die der Konsonant- 
stämme mit -i gebildet werden, macht er darauf aufmerksam, daß 
nicht nur im Indischen, sondern auch in den europäischen Sprachen 
das Feminin der o-Stämme oft ein «-Suffix voraussetzt, dessen 
Häufigkeit er durch die Ableitungen — im Lateinischen kommen 
Bildungen wie festivus, stativus, vocivus, pruina, gallina, caprinus, 
divinus, quintilis, pueriUs, formica, lorica, cornix, Verba wie untre, 
hlandiri in Betracht — zu erweisen sucht. Er deutet die Erschei- 
nungen so, daß er in dem «-Suffix des Feminins und des Duals die 
Bedeutung der Zugehörigkeit sucht, während das ä-Suffix des 
Feminins und des Neutr. Plur. kollektive Bedeutung hatte. — Die 



32G 'Felix Hartmann 

Dissertation von Hermann Lommel, Studien über idg. Feminin - 
bildungen. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 81 S. untersucht 
die Frage der Entstehung der Motion im Idg. und streift dabei die 
der Entstehung des grammatischen Geschlechts. Der Vf. geht von 
Meillets Ansicht aus, daß die idg. Grundsprache bei substantivischen 
o-Stämmen das Feminin vom Maskulin nicht geschieden habe, und 
verfolgt an den Einzelsprachen das Aufkommen gesonderter Wörter. 
Dabei behandelt er S. 16 ff. die Fälle, wo das Fem, jünger, S. 20 
solche, wo das Fem. älter ist als das Mask., bespricht dabei auch 
Wörter wie sponsus und viduus, S. 23 Fem. auf ä von Wörtern der 
3. Dekl. wie fidicina, haruspica, coniuga, endlich soc(e)ra und nura. 
S. 67 ff. behandelt die schwierige Frage, was aus der doppelten 
2-Flexion des Idg. im Lateinischen geworden ist. Mala ist nach 
J. Wackernagel gleich aind. mahl zu setzen; gewisse Wörter der 
5. Dekl., wie acies, Scabies, pernicies zeigen nie, andre wie die Ab- 
strakta auf -ities regelmäßig Nebenformen nach der 1. Dekl. Ferner 
entsprechen vulpes und neptis aind. vrkls und naptls. Es haben 
also mannigfache Übertragungen und Ausgleichungen stattgefunden, 
und auch die Verhältnisse der Ursprache liegen verwickelter, als 
es den Anschein hat. 

Eine Prinzipienfrage der Wortbildung behandelt E. W. Fay 
Composition or suffixation? KZ. 45, 111 — 133. Schon im vorigen 
Jsb. S. 326 f. wurde über die eigenartigen Ansichten des Vfs. be- 
richtet. Er ist auf dem besten Wege, sich eine Privatsprachwissen- 
schaft für seinen ausschließlichen Gebrauch zurecht zu machen. Er 
arbeitet (vgl. auch unten über stha) mit Wortzerlegungea der früher 
gekennzeichneten Art und stellt zur Erhöhung der Unwahrschein- 
lichkeit seiner Spekulationen oft gleich mehrere zur Auswahl. So 
ist origo im Text aus oriri und gigno, in der Fußnote aus oriri 
und *wrlgwen- (qiCa) gebildet; imago, daß der Vf. erst kürzlich 
mit aifxatv zusammengestellt hatte (IF. 26, 27 ff.), wird jetzt zu 
*im- oder *e-mägo, gehört zu fxüooio und bedeutet sy.fxay^a. Die 
Ableitungen auf -lägo gehören teils zu Xa%ava, teils zu lacus usw. 
vinolentus bedeutet vino violentus factus, opulentus ope *polentus, 
das von pollere kommen soll; kurz, man kann nur bedauern, daß 
die umfassende Belesenheit und Sprachenkenntnis des Vfs. durch 
seine Phantasie so auf Abwege geleitet und in nutzlosen Kombi- 
nationen verausgabt werden. — Derselbe Gelehrte behandelt Deri- 
vatives of the root stha in composition Am. journ. of phil. 33, 
377 — 400; hier heißt es z. B. S. 390: Acc. 86 mulier funesta veste 
= quae in veste funerali stat. Auf diese Weise läßt sich jedes st, 



Literaturbericht für das Jahr 1912 327 

s und t und noch vieles andere als aus stare entstanden deuten, 
nur muß dies Verfahren die ernste und schwierige Wissenschaft 
der Etymologie aufs Bedenklichste diskreditieren. — Das formative 
-p- behandelt P. PerssonS. 308—354 seines Werks (s. oben S. 319), 
frühere Ausführungen ergänzend und die von Joh. Schmidt ge- 
gebenen Beispiele vermehrend. Besonders behandelt er die Ver- 
bindung -sp-, die er aus gesonderten Elementen ableitet. Hierbei 
werden auch die Verbindung -sk- und -st- und ihr Wechsel mit 
-sp- besprochen. — R. Thurneysen, Zur Wortschöpfung im La- 
teinischen. IF. 31, 276 — 281, behandelt unter 1) die Verba auf 
-tgäre, bei denen er annimmt, daß das Vorbild remex, remigare 
zuerst auf Verbindungen wie litem oder h'te agere einwirkte, an die 
sich dann andre Wörter anschlössen, so mitigare, levigäre, danach 
levigare, variegare, ähnlich nach purgare (s. unten S. 342) fumi- 
gare, dann kumigare, rumigare. Unter 2) stellt Th. einige Wörter 
zusammen, die in der späteren Schriftsprache durch absichtliche 
Verdrehung auf Stämme bezogen sind, zu denen sie ursprünglich 
in keiner Beziehung stehen. So schon das erwähnte levigare, ferner 
deliquium'^ Finsternis' , später *^ Schmelzen', rfgpaZare ' abpfählen', spät 
'öffentlich machen'; desidia *^ Faulheit', spät 'Nachlassen'; desolatus 
'vereinsamt', spät desolare = hA,xo7tiZo)\ detestatio 'Kastrieren , 
<??scer«/cM/Mm 'Haarnadel', spät 'Unterschied'; com/;?7are 'plündern , 
spät 'durchbleuen'; corrfa^t; 'beherzt'; /a^war« 'faseln', spät 'inspirari ; 
feminalia 'Schenkelbinden', spät feminal 'weibliches Glied'; forensis 
*zum Forum gehörig', später 'auswärtig' (zu foris). Zum Schluß 
erwähnt er formelle Anlehnungen wie adlicefacio an liqiiefacio, 
belUcare nach velUcare, linire nach lenire für linere; die letzte Zu- 
sammenstellung ist fraglich. — Walter Prellwitz KZ. 45, 89 und 
135 leitet gewisse Wörter vom Lokativ ab, so horreum, cavea; 
granarium vom Lok. pl. auf äsi. — Karl Meister veröffentlicht 
KZ. 45, 183—189 die Glotta IV 364 erwähnten Beobachtungen 
über genetriXj monitrix und Verwandtes. — A. Zimmermann 
veröffentlicht IF. 30, 216ff. Randbemerkungen zu Brugmanns Dar- 
stellung der Wortbildung; in diminutivischen Formen wie homuncio, 
pumilio sieht Brugmann Umbildungen des neutralen -ium, das z.B. 
noch in senium fortlebte. Z. bestätigt das, indem er aus Inschriften 
Senio und Senario (f.) nachweist; daran knüpft er Kaesio und 
Caesario, Peculio 'Schätzel', Gaudio, Auxilio, Severio (f.), Secun- 
dio (f.), Portio (f.). Die Ableitungen auf -Uo- führt er etwas 
anders, als Brugmann tut, auf ^-Stämme zurück. Bei Urtica neben 
usticium, nasica neben narica nimmt er analogischen Einfluß von 



328 Felix Hartmann 

urere und nasus, bei rubrica nachträglichen Einschub von r an; 
in einer Anmerkung betont er, daß wir mit der herkömmlichen 
Auflassung des Übergangs von s zu r nicht auskommen. — A. 
Zimmermann behandelt ferner KZ. 45, 136 f. das Suffix -ercus 
im Latein. Er geht auch hier von dem Deminutiv-Kosesuffix -ar 
aus, das er in den soeben erwähnten Senario, Caesario annimmt. 
Aus der Reihe mamma, Md/xf^agog [Ma^f-iagov, Maf-ifAccgiov), Mam- 
marius, Mamercus, Ma/xag/uva schließt er, da neben mamma 
(mäma) die Kurzform ma liege, Marcus sei Kurzform zu Mamercus; 
ebenso schließt er aus ^vAaqiwv auf Lupercus. Viel überzeugender 
als diese Kombinationen ist die Vermutung, daß altercum, alter- 
culum 'Bilsenkraut' seinen Namen von der Unglücksbedeutung trägt, 
die alter ofi zeigt, ferner daß entsprechend der altera mater ein 
*novera (iuschriftlich Novera) aufgekommen sei, von dem noverca 
stamme. — Ferdinand de Saussure, Adjectifs indo-europeens du 
type caecus 'aveugle'. Thomsen-Festschrift S. 202 — 206 äußert eine 
höchst gewagte, aber bestehende Vermutung über eine Gruppe iso- 
lierter Adjektiva, die entweder ai, au oder ar, al, an, am auf- 
weisen. In der Gestaltung dieser Adjektiva — aus dem Lateinischen 
kommen caecus, blaesus, paetus, scaevus, laevus, saevus, aeger, taeter; 
claudus, scaiirus, plaufus, raucus, paucus, saucius; halbus, calvus, 
valgus, tardus, bar aus, parvus, parcus, varus; ancus, niancus, 
rancus, plancus, pandus in Betracht — sei das a als formatives 
Element anzuerkennen, wie der Umstand bestätige, daß sie ganz 
überwiegend körperliche Gebrechen bezeichnen. Auch Substantiva 
wie callus, caenum, naevus können hierhergehören, balbus zeigt 
in barbarus Erweiterung durch -aros. 

Auf dem Gebiete der JEigennamen ist der Aufsatz von 
M. Lambertz, über die Ausbreitung des Supernomens, Glotta IV 
78—143 zu erwähnen, zu dem P. Kretschmer ebenda 207f., 
W. Kroll Glotta VI S. 364 Nachträge geben. 

Sehr lebhaft ist die Tätigkeit auf dem Gebiete der Lexiko- 
graphie. Zwar vom Thesaurus ist nur die neunte Lieferung des 
dritten und die vierte des fünften Bandes, sowie das dritte Heft 
des Supplements erschienen; doch der Bericht der Kommission in 
den Göttinger Nachrichten 1912 zeigt den erfreulichen Fortschritt 
der Arbeiten. — Die Absicht, aus dem Gesamtwerk einen hand- 
lichen Auszug zu veranstalten, für die die Verlagsbuchhandlung 
Fr. Vollmer und E. Bickel gewonnen hatte, ist leider auf 
Schwierigkeiten gestoßen: von der Epitome Thesauri latini ist nur 
die erste Lieferung a-aedilis, 160 S. erschienen. — Immerhin ist 



Literaturbericht für das Jahr 1912 329 

die Veröffentlichung die Veranlassung zu einem glänzend ge- 
schriebenen lateinischen Aufsatz Gustafsons Eranos, 12, 85ff. 
gewesen, der die Anordnung,' der Wortbedeutungen im Thesaurus 
und der Epitome einer sorgfältigen Untersuchung unterzieht und 
manchen berechtigten Tadel äußert. Die Forderung, auf die Grund- 
bedeutung und ihre Weiterentwickelung zu achten und mit der 
Angabe von Übersetzungen vorsichtig zu sein, ist selbstverständlich 
nicht leicht und nicht auf einmal zu erfüllen, sie gehört mit zu 
den Aufgaben, an denen mitzuarbeiten auch ich Glotta IV 144 
aufgefordert, aber bisher vergeblich aufgefordert habe. — Die Neu- 
bearbeitung des Wörterbuchs von Georges bespricht unten W. Kroll. 
— Über die Vorarbeiten zur Anfertigung eines Index plenus zum 
Codex Justiuianus berichtet R. v. Mayr Zschr. der Savignystift. 
röm. Abt. 32, 338 ff. — Sehr ausführliche Indices hat Otto Graden- 
witz zu Bruns' Fontes iuris Romani antiqui veröffentlichen lassen 
(Tübingen, Mohr, VIII 183 S.). — H. Bruhn, Specimen vocabu- 
larii rhetorici ad inferioris aetatis latinitatem pertineus, Dissert. 
Marburg 1911 50 S. gibt im Anschluß an Nordens antike Kunst- 
prosa eine Übersicht über die Bedeutung der technischen Ausdrücke 
aus der rusticitas, der aÖectata modestia und dem genus Asianum 
vornehmlich der christlichen Schriftsteller; ein Schlußkapitel han- 
delt de cothurno Gallicano. Der Vf. hat auch die auf die attische 
Stilart bezüglichen Ausdrücke gesammelt, die er in anderem Zu- 
sammenhange zu veröffentlichen gedenkt. — Die Herstellung eines 
lateinisch-russischen Spezialwörterbuchs für die Ausgabe der im 
Südwesten des Reichs gefundenen Dokumente verlangt J. M. Ka- 
manin in den Serta Borysthenica 1911, S. 322 ft\ Er begründet 
seine Forderung mit dem Hinweis auf das eigenartige Sprachmaterial. 
Kr. Sandfeld Jensen, Notes sur les calques linguistiques, 
Thomsen-Festschrift 166 — 173 sucht die JBedeutungsle/inwörter 
in bestimmte Gruppen zu sondern. Er unterscheidet 1) Bedeutungs- 
erweiterung nach fremden Vorbild, 2) neue Wortbildung, 3) Über- 
setzung ganzer Wortgruppen. Leider belegt er diese Gruppen, in 
dem Bestreben, die Erscheinung als Beispiel der von Ch. Bally be- 
haupteten mentalite europeenne darzustellen, nur mit modernem 
Sprachmaterial; aber daß auch die griechische und lateinische 
Wortforschung aus dem Studium der Bedeutungsübertragung er- 
heblichen Nutzen ziehen könnten, ist offensichtlich und bisher viel 
zu wenig beachtet. — 0. Groß, De metonymiis sermonis latini a 
deorum nominibus petitis, Dissert. Halle, Bd. 19, 296 — 410, legt 
zuerst dar, wie er den Ausdruck 31etonyniie verstanden wissen 



330 Felix Hartmann 

will. Er beachtet dabei wohl, daß die Verwendung eines Götter- 
namens im übertragenen Sinne nicht bloß Ausdrucksmittel zu sein 
braucht, sondern auch die Götterperson selbst mitbenennen kann. 
Wie weit darin aber ein rein stilistisches Mittel liegt, wie weit 
poetische Gestaltung der Handlung vorliegt, läßt er leider ununter- 
sucht. Die Zusammenstellung ist dankenswert, bietet aber nichts 
wesentlich Neues oder Unerwartetes. Ausführlicher bespricht G. 
dabei das Verhältnis der Prätexta Oktavia zum Ätna; er glaubt 
hier schließen zu können, daß der Ätna die Oktavia voraussetzt, 
und da diese nach 69, jener vor 79 entstanden sein muß, so er- 
gibt sich für beide eine ziemlich genaue Datierung. — G. Frid- 
berg, Die Schnieichelworte der antiken Literatur. Dissert. 
Rostock, 83 S., ordnet auf Grund einer ausgedehnten Lektüre die 
ihr begegnenden substantivischen und adjektivischen Schmeichel- 
wörter, je nach dem Mittel, das zum Schmeicheln verwendet wird, 
in Gruppen; die ersten fünfzehn Kapitel geben die Bezeichnungen 
für Seele, Leben, Körperteile (caput, ocelle), Licht, Pflanzen, Tiere, 
Süßigkeiten, Schönheit, Schmuck, Liebe, Vergnügen, Freude, Hoff- 
nung, Sehnsucht, Trost, Sorge, Herr und Herrin, für Ausdrücke 
der Kinderstube, Vergleiche mit Göttinnen; sodann werden Dimi- 
uutivbildungen behandelt. Die eigentlichen Kosenamen sind aus- 
geschlossen. Die Vf. deutet auch kurz an, wie sich die Schrift- 
steller in der Verwendung der Schmeichelwörter unterscheiden, wie 
die Ausdrücke wandern und verblassen. — Nicht gesehen habe ich 
°E. S. Mc Cartney, Figurative uses of animal names in Latin 
and their application to military devices. Dissert. University of 
Pennsylvania. Lancaster 1911, New Era Printing Co. — Auf die 
verschiedensten Gebiete der Wortforschung führen E. Thomas' 
Studien zur lateinischen und griechischen Sprachgeschichte. Berlin, 
Weidmann, 143 S. Eine beträchtliche Anzahl von Stellen, nament- 
lich aus Petronius und spätlateinischen Schriftstellern, deren Über- 
lieferung oder Deutung Schwierigkeiten bietet, werden in der Weise 
besprochen, daß durch genauesten Anschluß an den vorliegenden 
Text und durch sorgsames Erwägen der möglichen Beziehungen 
das Verständnis erschlossen wird. Die einzelnen Aufsätze sind in 
der Methode musterhaft, die Ergebnisse vielfach überzeugend, immer 
beachtenswert, wenn auch Unsicheres natürlich nicht zu vermeiden 
war. Eine Anzahl einzelner Wörter sind unten in die alphabetische 
Übersicht eingereiht; aber auch zahlreiche Einzelheiten der Wort- 
bildung und der Bedeutungsentwicklung werden besprochen; na- 
mentlich achtet der Vf. auf griechisch-lateinische Mischwörter. 



Literaturbericht für das Jahr 1912 331 

Die Zeiten, wo Männer mit wissenschaftlicher Bildung die 
Etymologie als einen bequemen Tummelplatz schrankenlosester 
Phantasien ansahen, sind, wie schon im Vorangehenden bemerkt 
werden mußte, leider noch immer nicht überwunden. Alfred Döh- 
ring, der schon 1907 eine Sammlung etymologischer Unmöglich- 
keiten veröffentlicht hatte, die zur Grundlage ganz haltloser mytho- 
logischer und sagengeschichtlicher Spekulationen dienen sollten, 
ist durch die gänzliche Ablehnung seiner Vermutungen nicht ab- 
geschreckt worden. In einem Programm des Friedrichskollegiums 
in Königsberg veröffentlicht er weitere Etymologische Skizzen. Bei- 
träge zur Sprach- und Sagenkunde i). Der Vf. versucht nirgend die 
geringste Begründung und operiert mit den merkwürdigsten Laut- 
übergängen. Nur zur Charakterisierung seines Verfahrens sei er- 
wähnt, daß die Göttin Ops mit oipe, opacus, deutsch obst zusammen- 
gebracht wird; da dem Vf. vermutlich die mhd. Form obez un- 
bekannt ist, sieht er in obst einen Superlativ und übersetzt (warum?) 
*das Späteste'. Ebenso soll pömum postumum bedeuten, granum 
zu yiQiiiv gehören. Roma stellt er zu goi-ißog, elementiim zu ado- 
lere, conari zu coxa; am verfehltesten ist der Versuch, die Negationen 
aus dem bejahenden ne abzuleiten. — Wenig Verwendbares ent- 
halten die Notes on Latin Etymologies, die Francis A. Wood jahr- 
aus jahrein veröffentlicht. Diesmal stellt er Class. Phil. 7, 302 — 334 
zweiundachtzig Wörter zusammen, bei denen er in Waldes Wörter- 
buch ^ eine ausreichende Rücksicht auf die Bedeutungsentwicklung 
vermißt und die Lücke auszufüllen unternimmt. Indes nur ganz 
Weniges ist überzeugend oder fördernd. Vielfach führt er zu den 
Stichwörtern Parallelwörter an, um irgend eine auffällige Bedeu- 
tungsentwicklung zu stützen. Zumeist aber sucht er auf sehr all- 
gemeine Begriffe zurückzugehen, ein Verfahren, das methodologisch 
den ernstesten Bedenken unterliegt und heutzutage wohl allgemein 
abgelehnt wird. So stellt er z. B. den Grundsatz auf, daß die 
Bedeutung Funkeln, Flimmern nie ursprünglich sei, sondern auf 
Bezeichnung für schnelle Bewegungen zurückgehe. Einige der 
Einzelwörter sind unten eingeordnet; im übrigen muß es Walde 
überlassen bleiben, was er von des Vf.s Vorschlägen verwenden kann. 

absque behandelt Paul Lejay Rev. de phil. 36, 213 — 259, er 
glaubt im Gegensatz zu Skutsch und Vollmer (vgl. Glotta III, 46) 
ohne Annahme einer Ellipse auskommen zu können, indem er für 
que nachzuweisen sucht, daß es Parenthesen einleiten kann. Er 
verfolgt auch den Übergang des Plautinischen absque ted esset 

1) Vgl. oben S. 303 f. 



332 Felix Hartmann 

zu dem spätlateinischen rein präpositionalen Gebrauch. Vgl. auch 
Rev. arch. 19, 423 f. und unten unter Partikeln. 

adoleo 'brenne' adolesco dass. will F. A. Wood Cl. Phil. 7, 302 
mit ac^o^gsco 'heranwachsen', a/o 'nähren', a/acer vermitteln, indem 
er auf westf. lodern üppig wachsen' nhd. lodern 'emporflammen' 
verweist; ebenso stellt er al'd^w 'brenne' zu aind. Sdhate 'wächst'. 
Nicht überzeugend. 

Aefula, Aeflanus, das letzthin mehrfach die Gelehrten be- 
schäftigt hat, — A. Kunze will es auch bei Sali. Cat. 43, 1 für 
Faesulanus lesen, vgl. BphW. 1912, 670ff. — wird in seinem Stamm 
von Carlo Pascal Boll. di fil. cl. 19, 87 f. zu ald^co, ^l&loip ge- 
stellt, tnons Aeflanus 'il monte luminoso'. (?) Vgl. auch L. Buccia- 
relli Rendic. dell' accad. dei Lincei Serie 5, 21, 125 — 144. 

alter erklärt F. A. Wood Class. Phil. 7, 302 besser aus 
* älteres als Walde aus *alUerus, indem er auf das Verhältnis von 
aind. anyas : antaras verweist. 

alteruter hat vielleicht durch Vermischung mit einem volks- 
tümlichen * alterulterum die spätlat. Bedeutung 'einander bekom- 
men. J. Wackernagel IF. 31, 254f. 

atnplus behandelt P. Persson, Beitr. z. idg. Wortf. 1 ff. Er 
vermutet Verwandtschaft mit aind. amatram 'Krug', lat. ampla 
'Handhabe', ansa 'Griff'. Dabei wird die Entwickelung von ml 
zu mpl, von ms zu ns besprochen. Die vermutete Basis am- 'fassen 
wird als eine Phase von em- 'nehmen' angesehen und die Ver- 
wandtschaft mit gotisch niman erwogen. 

an ist nach Skutsch aus at-ne entstanden, was E. Fränkel 
Glotta IV, 47 ff. durch Analogien aus dem Griechischen und Alt- 
indischen stützt. 

andare deutet Mario Barone, Boll. di fil. cl. 18, 85 als Zu- 
sammensetzung aus *aw- = dvc und dare in der Bedeutung 'be- 
wegen', also 'muover verso'. Ganz unglaublich. 

animuni despondere erklärt Joseph Köhm IF. 31, 286 ff.: 
„Der die Besinnung verlierende, in Ohnmacht fallende Mensch gibt 
sein Bewußtsein wie ein Opfer der Gottheit hin", was er durch 
einzelne Züge, die die Auffassung der Geisteskrankheiten im Alter- 
tum kennzeichnen sollen, zu stützen sucht. 

ante will F. A. Wood Cl. Phil. 7, 302 f. als Ableitung von 
*ana, dva deuten, wie ngovi zu /tgo. 

apoculare se erklärt E. Thomas Studien 89 f. vermutlich 
richtig als Kompositum aus cctcc mit oculus, obwohl genau ent- 
sprechende Bildungen sonst nicht begegnen. 



Literaturbericht für das Jahr 1912 333 

arcus 'Bogen will F. A.Wood Cl. Phil. 7, 303 zu aind. arkds 
'Strahl, Sonne, Feuer' stellen; er geht dabei aber, durch die deut- 
schen Entsprechungen verleitet, vom Pfeil statt vom Bogen aus. 

ariamne belegt Vincenzo Ussani Glotta IV, 260 aus der 
Kasseler Handschrift des 'Hegesippus'; vgl. Glotta III, 276f. 

asser, assis 'Brett, Bohle' soll nach Herbert Petersson 
Glotta V, 297 f. zu lit. ardai 'Stangengerüst' gehören. Nicht über- 
zeugend. 

assias als scherzhaft gebildeten Krankheitsnamen zur Bezeich- 
nung übermäßiger siccitas vermutet E. Thomas Studien 85jBf. bei 
Petronius 44, 9 und sucht die Vermutung durch Besprechung 
andrer hybrider Wortbildungen wahrscheinlich zu machen, ich 
kann ihm jedoch nicht zustimmen. 

atavus will Franc. Stabile Class. i Neol. 8, 258ff. aus ad 
und avus ableiten wegen pro-, abavus und adnepos. 

babaecaltis bei Petronius 37, 10 verteidigt E. Thomas 
Studien 92 ff. überzeugend durch den Hinweis auf Aristophanes 
Vögel 272. 

ben(e) vict(a)e = (ei) quae bene vixit nach Georges Seure 
auf einer Grabstele aus Plewna, Rev. arch. 20, 273. Die Deutung 
scheint aber zweifelhaft. 

hiberarius bei Seneca Epist. mor. 56, 2 will E. Thomas 
Studien 21 ff. nicht von hiber, bibere, sondern von *biberare ab- 
leiten, das ital. abbeverare zugrunde liegt. 

blaesus 'lispelnd, stammelnd' gehört nach P. Persson S. 87f. 
schwerlich zu awnord. Meiss 'lispelnd'. 

bliteus, blituni, wohl entlehnt aus griech. ßXlrov für ^fiXlrov, 
vgl. mhd. melde 'Melde' behandelt P. Persson S. 213. der es zu 
einer Basis m(e)le(i)- zieht. 

bubulus, bubile, Bubona will P. Persson S. 38 f. von einer 
onomatopoetischen Basis bou- (bau-) ableiten, die auch noch an- 
dern Tiernamen und den Bezeichnungen mancher Tierlaute zu 
Grunde liege; er sucht auf diese Weise der Annahme der Ent- 
lehnung zu entgehen und denkt auch an Einfluß auf lat. bös, bei 
dem so ebenfalls die Annahme oskisch-umbrischer Herkunft über- 
flüssig werde. 

caccitus, Petronius 63, 3, ändert E. Thomas Studien 108 f. 
in cacclistus aus Tiaray-Xeiatog. 

caelebs führt F. de Saussure, Festschrift Wilhelm Thomsen 
205 mit aind. kevalas auf *kaiwalos 'solitaire' zurück. 

cantus 'Radkranz', das die neueren Hsgb., auch der The- 



334 Felix Hartmann 

saurus und Walde^ canthus schreiben, ist nach Fritz Scholl 
IF. 31, 317ff. nicht aus dem Griechischen entlehnt, sondern um- 
gekehrt ins Griechische aus dem Lateinischen übergegangen. Wie 
andre Ausdrücke des Wagenbaus sei es vermutlich keltischen Ur- 
sprungs: kymr. cant, bret. kant. 

catorogare bei Petronius 132, 2 will E.Thomas Studien 94ff. 
als Latinisierung eines griechischen %azoqya.v deuten, für das er 
die Bedeutung 'einem das Fell gerben' zu erweisen sucht. Fraglich. 

Cerdo, das der Thesaurus als Appellativum verzeichnet, ist 
nach J. van Wageningen, Mnemos. 40, 1470". noch als Eigen- 
name zur Bezeichnung eines gewöhnlichen Menschen zu verstehen, 
van W. untersucht bei dieser Gelegenheit die ganze Menge der 
Eigennamen, die gelegentlich appellativ verwendet werden. 

cervesarius, bisher nur in einem Belege bekannt, findet Chr. 
Hu eisen Röm.-germ. Korrbl. 5, 86 in einer Metzer Inschrift 
Boissards, wobei er die Verläßlichkeit von dessen Inschriften- 
sammluug erörtert. 

classis erklärt Herbert Petersson Glotta IV, 294f. als'Nieder- 
lage, Depot' und stellt es zu aisl. hloäa 'laden . Kaum richtig. 

collocare pecuniam heißt nach B. Keller Melanges Girard 

2, 43 — 61 Geld verwenden', nicht 'anlegen', wie er in eingehender 
Darlegung der juristischen Verhältnisse in Cic. pro Caeciua H — 16 
zu erweisen sucht. 

configere 'rob, injure, wrong generally belegt Clara Louise 
Thompson Cl. Philol. 6, 352 ff. aus Prov. 22, 23 und Maleachi 

3, 8. An ersterer Stelle übersetzt Aquila Kad^ijlwaei zovg xa^jjAw- 
aavTag avrov. 

considerare, desiderare will F. A. Wood Cl. Phil. 7, 304 von 
einem ursprünglichen *siderare aus deuten, das 'tend toward, 
Stretch toward' bedeuten soll; entsprechend faßt Wood die Be- 
deutung von contemplari. Darin liegt derselbe Irrtum wie bei 
der Erklärung Thurneysens, daß dem Kompositum eines abgeleiteten 
Verbums ein Simplex zugrunde liegen müsse, während doch die 
Fälle augenscheinlicher Dekomposition und also unursprünglicher 
Simplizia gar nicht selten sind. Ich erinnere nur an luo 'waschen'. 
Vgl. auch unten populari und siderare. 

cordus 'spät entwickelt' will P. Persson mit der Gruppe lit. 
shurstü 'im Wachstum zurückbleiben', aind. krdhüs 'verkürzt, man- 
gelhaft' oy,vQd^dhog ' veavioxos Hes. ags. sceort 'kurz' ahd. scttrz, 
mhd. schürz "^gekürztes Kleidungsstück' verbinden. 

delactus 'entwöhnt' vermutet E. Thomas Studien 42ff. bei 



Literaturbericht für das Jahr 1912 335 

Grattius 1, 303 und bespricht dabei gleichzeitig delictus 'depulsus' 
und delitum aTtoyakav.TLod^ev der Glossen und das bei Varro ver- 
mutete delicus. Er denkt an Umgestaltung von delactus zu delictus 
unter Anlehnung an delinquere, was schwer zu glauben ist; auch 
die Grattiusstelle ist noch nicht klar. Vgl. d. folg. 

delitus für die übliche Lesart delicus bei Varro de re rust. 
2, 4, 16 und delictus in den Glossen will Georg Goetz IF. 31, 300 
nach der Überlieferung schreiben; er erklärt es 'getilgt, gestrichen, 
im Verzeichnis der Sauglämmer gelöscht', was nicht recht überzeugt 
und zu der Umschreibung ""depulsus, ccrtoyalaKTiad^eLg nicht paßt. 

dicterium, dictabolaHimi, hybride Bildungen zu dicere be- 
handelt E. Thomas Studien 91 f. 

dimissui futurani liest Gustav Landgraf BphW. 1912, 1299 ff. 
bei Cic. pro Rose. Am. 11 statt des von Madvig vermuteten und 
von Clark eingesetzten dignissimam und übersetzt Abhilfe schaffen, 
Einhalt tun werde'. S. 1490 wird nachgetragen, daß Madvig diese 
überzeugende Verbesserung schon selbst gefunden hat. 

dives verbindet W. Schulze KZ. 45, 190 in der Bedeutung 
mit slaw. bogatü, 0. Schraders Ausführungen bestätigend; ebenso 
stellt er dem osk. deiuatud ""er schwöre' das lettische deewatees 
"^schwören' und die Analogie des russischen bozit'-sja gegenüber. 

durare 'härten' und 'dauern' sieht P. Persson S. 47 ff. als 
Denominativbildung zu durus an und lehnt für das zweite den 
Zusammenhang mit duduin usw. ab. Beachtenswert. 

ecquis und etquis behandelt Franz Gruenler in seiner Dis- 
sertation, Marburg 1911. Er verlangt, wo die Handschriften es 
gestatten, Wiederherstellung von etquis, das er nach J. Schmidt 
und Birt als mit demselben Wort zusammengesetzt ansieht, das 
in D. etwa, etwelcher enthalten ist. Th. Stangl dagegen vergleicht 
et mit «rt, das wie auch etiam im Fragesatze gebraucht werde. 
Seine lehrreiche Besprechung Wschr. 1912, 684ff. weist auf die 
Notwendigkeit weiterer Untersuchung hin. 

eretor, eritor für editor belegt E. Löffstedt Glotta IV, 258. 

evacatio Jul. Val. 2, 23, evacuatores Didasc. Apost. 31, 12f. 
beseitigt E. Löffstedt Glotta IV, 259 durch leise Änderungen. 

execrabiliter bei Apuleius Met. 2, 2 S. 26, 2 H. verteidigt 
E. Thomas Studien 64ff.; er faßt es dem homerischen aivcbg ent- 
sprechend und sammelt dazu entsprechende Beispiele, desperatum, 
insanum u. ä. in steigernder Bedeutung. 

explicitio, Ableitung von explicit, "Beendigung' belegt M. 
Cagnat Rev. arch. 19, 462 no. 30. 



336 I'eli^c Hartmann 

extdris steht nach J. Wackernagel IF. 31, 256 bei Plautus 
Rud. 135 für extalis wegen des vorhergehenden aula; Dissimilation 
im Satz. 

extorquere hat nach Emilio Albertario, Zschr. der Savigny- 
stift. 32, 307 — 324 in älterer Zeit die Bedeutung gewaltsamen 
Entwindens, wo diese fehlt, ist nachjustinianischer Ursprung in 
Rechtsquellen anzunehmen. 

fere, ferme bespricht P. Persso n S. 49 ff.; er erörtert die 
Bedeutung und die Form; in ferme sieht er einen Superlativ, mit 
dem in der Bedeutung /.laXiOTa und unser ^ meist' zusammentreffe; 
zu vergleichen sei ahd. bora-, bor-, z. B. boralang 'sehr lang'. 

ferrago bei Varro de re rust. 1, 31, 5 behandelt Georg Goetz 
IF. 31, 309 f. und macht wahrscheinlich, daß es sich nicht um ein 
anderes Wort als farrago, sondern nur um eine andre Form des 
Wortes und eine falsche Etymologie handelt. 

flagrare 'auspeitschen, bescheiten', fiagrator, flagro neben 
flagrio behandelt E. Thomas Studien 6 ff. und sucht sie gegen 
Änderungsversuche zu schützen. 

flavus will F. A. Wood, Cl. Phil. 7, 305, von ahd. bläo 'blau 
trennen und zu fiäre stellen; er schlägt aber auch Vergleichung 
mit aind. 6ÄäZam 'Glanz' akirchsl. 6efö 'weiß' vor. Beides wertlos. 

floccus vergleicht Herbert Petersso u Glotta IV, 296 f. mit 
schwed. blänor, blär 'Werg, Hede', ahd. /^ZacÄa 'ärmliche Kleidung'. 
Wenig überzeugend. 

fluo behandelt P. Persson S. 54ff.; er lehnt die Vergleichung 
mit (pXlxp ab und begründet die mit -<f^v^, oZvoqpAf^' weintrunken'. 
Auf die weiteren Verbindungen mit (pXko, qiXvco, (pXvdaio gehe ich 
nicht ein; beachtenswert ist die mit rco(.iq)6Xv^. 

forsit behandelt L. Havet, Revue de phil. 36, 192f., der es 
nicht bloß bei Horaz sat. 1, 6, 49 lesen und bei Terenz, Eun. 197, 
Andr. 957 herstellen will, sondern auch in den Oden 1, 28, 31 es 
als lectio difficilior aufnehmen zu müssen glaubt. H. erinnert 
daran, daß Groeber, Archiv f. lat. Lex. 2, 426 auch im Romani- 
schen Spuren von forsit zu finden meinte. Vgl. jetzt auch Mey er- 
Lübke Rom. etym. W^b. 

fortis (alat. forctus, forctis) bespricht P. Persson S. 51 ff., 
der die Brugmannsche Vergleichung mit aind. brhäti 'macht feist, 
stärkt' gegen Solmsen verteidigt. 

freino und seine Beziehungen zu ahd. breman 'brummen' und 
ßQ^luio bespricht P. Persson S. 35f.; er hält Anlautswechsel von 
bh und b für möglich und gibt dazu andre Beispiele; die Erklärung 



Literaturbericht für das Jahr 1912 337 

aus anlautendem mr- lehnt er ab. Vgl. auch W. Schulze KZ. 
45, 55. 

frigo '^emporrichten'' vergleicht F. A. Wood KZ. 45, 66 mit 
norw. hrikja 'hoch emporragen', zweifelnd auch mit ahd. hiirian 
'erheben'. Fraglich. 

frigo 'rösten' mit cpQvyo), aind. bhrjjdti zu verbinden, hält 
F. A. Wood KZ. 45, 66 für unwahrscheinlich; er vergleicht, noch 
unwahrscheinlicher, mhd. brieke 'ein Flenngesicht'. 

fullo gehört nach Herbert Petersso n Glotta IV, 295 f. zu 
lit. hildinu bildinti 'klopfen', nhd. bolz. 

funus ist bei Lucan in der Handschrift G mehrfach mit foedus 
verwechselt; L. Havet Rev. de phil. 36, 193 ff. vermutet deshalb, 
daß bei Lucan *foenus zu schreiben und auch 1, 429 für das 
schwerverständliche foedere mehrerer Handschriften foenere einzu- 
setzen sei. 

gibbus, gibber stellt P. Persson S. 83 ff. zu norw. dial. keiv 
'schief, verkehrt', lit. geibus 'plump, ungeschickt'. 

gurdus behandelt Fritz Scholl IF. 31, 313ff. E. Löfstedt 
(vgl. Glotta IV, 375) berichtigend; Quintilians Zeugnis für spani- 
schen Ursprung des Wortes sei wertlos, da gurdus schon mehrere 
Generationen vor ihm in Rom eingebürgert war; es sei als zufällig 
anzusehen, daß nur der westliche Teil der Romanen das Wort er- 
halten habe. 

herba schlägt F. A. Wood Cl. Phil. 7, 307 vor mit aengl. 
grced, gcerd 'Gras', ahd. gruoen 'grünen' zusammenzustellen; das 
kann richtig sein, doch ist die Wortbildung noch ganz unklar. 

horreuni soll nach W. Prellwitz KZ. 45, 135 als 'das in 
der rauhen Zeit zur Verfügung stehende', 'der Lagerplatz dafür 
vom Lokativ eines Neutrums *horrum 'die rauhe Zeit' abgeleitet 
sein. Nicht überzeugend. 

imtnissio, incursio, incursus als Termini, mit denen die Be- 
sessenheit bezeichnet wird, weist Friedrich Pfister Wschr. 1912, 
758 nach. 

inanis heißt nach W. Prellwitz 'das, wo Luft drin ist*, 
wozu er anima 'Atem', aind. änas 'Mund' vergleicht. 

indulgere stellt P. Persson S. 130 — 156, indem er ind-ulgere 
zerlegt, zu mnd. lak 'lose, schlaff', ahd. stach 'locker, schlaff', 
Xiqyo} (aus *oXriyo)) 'aufhören , laxus, languere. Der Vf. geht dabei 
auf die Frage eines Ablauts e : ä ein und bespricht ferner den 
Wechsel von e mit l im Griechischen. 

invitare heißt nach P. Persson 520ff. ursprünglich nicht 

Glotta VI, 4. 22 



338 Felix Hartmann 

schlechtweg 'einladen', sondern 'genießen lassen, erfreuen, be- 
wirten'; er stellt es zu aind. veti 'nimmt gern an, genießt', slaw. 
vitati 'bewillkommnen'. 

irritare erklärt P. Persson S. 281 ff. als Iterativum von *ir- 
rlre, das er an oQivto anknüpft; dabei nimmt er an, daß die Ver- 
mischung mit hirrlre 'knurren' (Non. 31, 23 Irritare dictum est 
proprie provocare, tractum a canibus, qui cum provocantur irriunt) 
nur von den Grammatikern konstruiert sei. Darauf weise bes. 
proritare, Plin. N. h. 26, 90. 

iubar stellt F. A. Wood KZ. 45, 67 wieder zu iuba und 
beide zu aind. yödhati, lit. jmidii. 

iuventa ist, wie Fr. Scholl IF. 31, 309 ff. überzeugend nach- 
weist, nach dem Vorbild von senecta (aetas) gebildet, während 
K. Brugmann das Verhältnis Archiv f. lat. Lex. 15, 7 noch um- 
gekehrt beurteilte. 

laganufn bei Horaz, Serm. 1, 6, 115 bedeutet, wie B. L. Ull- 
mann Cl. Philol. 7, 442 ff. vermutet, eine Art Maccaroni. 

lama vergleicht W. Schulze Sb. der Berl. Akad. 33, 581 mit 
slav. jama, lit. loma, er nimmt im Anlaut mouilliertes l an. 

Latium "" Plattland' sucht P. Persson S. 198ff. mit latus 
'breit, latus 'Seite' und zweifelnd auch mit later 'Ziegelstein', 
lämina 'Platte' zu verbinden, indem er annimmt, daß die Basis 
*stelä-, * stete- 'ausbreiten', von der man latus ableitet, eine Neben- 
form ohne s besaß, vgl. lett. tilät 'ausgebreitet liegen', ahd. dili 
'Diele', lat. tellus. 

latus 'Seite' sucht F. A. Wood erneut an later e 'verborgen 
sein anzuknüpfen. Die Entsprechungen für den Bedeutungsüber- 
gang, die er aus andern Sprachen beibringt, nützen aber nichts. 
Wenn Zusammenhang besteht, so hat er sich im Lateinischen 
individuell entwickelt und ist nicht mehr nachweisbar. 

lentus stellt F. A. Wood zu einer Wurzel ^le-i- 'nachlassen' 
wie ventus zu *xie-i-, zu der auch lenis, letum gehört. 

Lepcitanus weist L. Valmaggi Boll. di filol. cl. 19, 231 in- 
schriftlich nach und erinnert daran, daß diese Form des Wortes 
auch durch die mediceischen Handschriften bei Tac. Hist. 4, 50 
bestätigt wird. 

letum gehört nach F. A. Wood KZ, 45, 68 mit lenis, lentus 
zu einer Wurzel *le- 'nachlassen'. 

libutn stellt P. Persson S. 303 f. zu llbäre, Xslßu). 

livere verbindet F. A. Wood Cl. Phil. 7, 308 f. mit aind. la- 



Literaturbericht für das Jahr 1912 339 

yate, liyate 'duckt sich, verschwindet'. Diese Art, Farbenbezeich- 
nungen zu deuten, ist nicht zu billigen. 

Itnna 'genus herbae vel potius Spinae' nach Paul. F., stellt 
P. Persson S. 203 f. zu Xvyog 'biegsamer Zweig, Weide' und der 
germanischen Sippe von an. lok, die ein Unkraut bezeichnet. Er 
stellt beide zu einer Wurzel "^leuy- 'biegen'. Vgl. luxus, lucta. 

lupatria 'Hexe' bei Petronius 37, 6 behandelt E. Thomas 
Studien 89 f. 

luxus 'verrenkt' sucht P. Persson S. 205 ff. mit litcta, luc- 
tari von einer Wurzel leug- 'biegen' abzuleiten und mit luxus, 
luxuria 'Üppigkeit' nach dem Muster der Alten zu verknüpfen. 
Schwer zu glauben. — Dankenswert sind die Zusammenstellungen 
betreffs der Suffixbildung -s-u in luxus, -üs S. 208. 

tnadulsaf Pseudolus 1252, erklärt E. Thomas Studien 32 ff. 
als eine Kontamination aus modere und mulsa. 

malum als Ausruf deutet M. ßreal Revue de phil. 36, wie 
wohl allgemein geschieht, als Akk. Er knüpft daran Bemerkungen 
über mälum, das als mollities aufzufassen sei und aui * malvus zu- 
rückgehe wie osk. mallus. Ich sehe darin eine Entgleisung. 

niaritus 'beweibt' führt J. W^ackernagel IF. 31, 255f. auf 
^marütus zurück, vgl. lit. marti- 'Braut', kret. Bgizo/nagtig. 

mensa gehört nach J. S. Speijer Festschrift Wilhelm Thomsen 
S. 24 ff. nicht zu metiri, sondern zu aind. mäms-, mämsä- 'Fleisch', 
aksl. m^so, got. mimz; umbr. mefa widerspreche nicht, Virg. An. 
7, llöff. lasse sich dagegen weder für die ältere, noch für die 
neue Deutung verwenden. 

mensis, bemerkt F. A. Wood Cl. Phil. 7, 3 10 f. richtig, kann 
'Mond' bedeuten, ohne von einer Wurzel *me 'messen zu kommen; 
daß aber die Wurzel *me, von der mensis benannt ist, 'strahlen 
bedeuten müsse, wird ihm niemand glauben. 

nieridie ist nach J. Wackernagel IF. 31, 251ff. aus *me- 
dieidie durch dissimilatorischen Schwund des ersten i entstanden. 

niiles leitet H. Hirt IF. 31, 13 ^ von dem gleichen Stamm 
wie oj.ülog ab, das er auf f'jitog zurückführt. Er vergleicht ferner 
aind. samlkdm 'Kampf. 

minus dicere poenani = ^eiovv vrjv ^r^/nlav belegt Th. Stangl 
Wschr. 1912, 29. 

miser, maestns verbindet F. A. Wood KZ. 45, 68 mit fiiaQog 
und ndl. Dialektausdrücken, z. B. ostfries. mis 'feucht, nebelig, 
trübe'. Unwahrscheinlich. 

moneta will Babelon, Rev. arch. 1912, 20, 419, 420, wieder 

22* 



340 Felix Hartmann 

von der altitalischen Göttin luno moneta herleiten, nachdem 
J. Aß mann Klio 6, 477fif. den phönizischen Ursprung des Wortes 
mit großem Glück wahrscheinlich gemacht hatte. Nicht glaublich. 

morbus behandelt P. Persson S. 213ff., indem er eigene 
frühere Aufstellungen und Etymologien anderer kritisiert, ohne zu 
einer bestimmten Entscheidung zu kommen. 

multacimn in der Bedeutung multifariam sucht E. Thomas, 
Studien 14 ff., bei Petronius 30, 1 zu verteidigen. 

nestro, nestris für nostrom, nostris nach vester gebildet weist 
E. Löffstedt RM. 67, 209 nach. 

niteo, rentdeo leitet F. A. Wood Gl. Phil. 7, 313f. von einer 
hypothetischen Wurzel ^nei Mrip, flow; wash cleanse' her, die 
auch in viCw, aind. nedati vorliegen soll; das ist aber erst zu be- 
weisen. 

obaerarius bei Varro de re rust. 1, 17, 2 verteidigt Georg 
Goetz IF. 31, 298, hauptsächlich durch den Hinweis auf die 
Glossen aerarius und obaerarius, die er anführt und behandelt. 

obliquus verbindet F. A. Wood KZ. 45, 64 mit aksl. Ukü 
* Reigen' norw. liga 'sich biegen . 

obliviscor verbindet F.A.Wood Gl. Phil. 7, 314 wohl richtig 
mit Uvere, doch äußert er über dessen Bedeutungsentwickelung 
(s. 0.) wenig wahrscheinliche Ansichten. 

Odium behandeln erneut F. Skutsch Glotta III, 285 — 287 
und A. Walde IF. 30, 139—144. Vgl. Glotta V, 333. 

omen erklärt S. Pantzerhjelm-Thomas Nord. Tidskr. f. fil. 
1912, 145 ff. als Ableitung zu *opere, praedopiont, optare, opinari 
und übersetzt' Votum, TtQoaöo-aia unter Ablehnung der Erklärungen 
von Brugmann und Wackernagel sowie der Herleitung von oiio. 
Voraus geht eine Besprechung der Bedeutung des Wortes. 

paedor stellt Herbert Pedersen Glotta IV, 297 zu aind. 
päyus 'After'; schwerlich richtig. 

Palätium, palam behandelt P. Persson S. 227 ff.; er sucht 
es mit lni-nol.71 'Oberfläche', schwed. fala 'baumlose Ebene', weiter 
mit slav. *polnü, *polnina, lat. planus zu verbinden. 

palla, palliutn, paludatus sucht P. Persson S. 225 ff. von 
einer Basis peleu-, pelü-, pelu- abzuleiten. 

optare, praedopiont, optio, umbr. upetu, upetuta stellt J. 
Wackernagel IF. 31, 258ff. zu h7ii6\po(.iaL, das er von eTtoil'Of^ai, 
kcfOQäv trennt. 

parabola, das gemeinromanisch an die Stelle von verhum ge- 
treten ist, behandelt J. Wackernagel IF. 31, 262ff.; er leitet 



Literaturbericht für das Jahr 1912 341 

den auffälligen Bedeutungsübergang aus der Übersetzungspraxis 
der Redaktoren der Septuaginta her und belegt seine Ansicht 
durch den Hinweis auf parallele Erscheinungen. 

parens soll nach Charisius 102, 20 K auch von Frauen ge- 
braucht Maskulinum sein. Fritz Scholl erklärt die Stelle IF. 31, 
311 ff. überzeugend unter Verwendung der Fragmente von Briefen 
der Mutter der Gracchen. 

partes erklärt P. Persson S. 472ff. als Ableitung aus der 
Wurzel sp(h)er-, sp(h)ere- 'mit dem Fuße stoßen; versperren, ver- 
schließen' zu deren s-losen Nebenform er u. a. von italischen Wör- 
tern auch pertica, osk. perek(ais), umbr. perka-, lat. porticus, 
portex, partecta stellt. 

perdux vermutet W. A. Bährens Glotta IV, 265 ff. bei Sext. 
Aurehus Victor im Liber de Caesaribus 33, 31. 

Pestis erklärt F. A. Wood Gl. Phil. 7, 315 aus *tues-tis und 
vergleicht ahd. tkweshen 'auslöschen, vertilgen, verderben', lat. 
tesqua, aind. tucchyds 'leer, öde'. Aber der Lautübergang tu : p 
wird bestritten, tesqua widerspricht, und eine Wurzel *tues ist 
nicht gesichert. 

pirus, pirum verbindet Emile Boisacq Rev. de l'instr. publ. 
en Belg. 1912 S. Iff. aufs neue mit anLog, auLOv, indem er dia- 
lektische Einwirkung annimmt. Der Vorschlag ist beachtenswert, 
aber die Etymologie damit noch nicht gesichert. Vgl. auch IF. 30, 
Anz. 33. 

plecto behandelt P. Persson S. 229 ff.; er verwirft Sommers 
Anknüpfung an multa und verbindet das Wort wieder mit lit. 
plekiu, plekti 'schlagen'; neben der Wurzel *plek-, *pldk- steht 
dann *pläk-, *pläg- in pläga, TtXfjytj, Trlrjoaco. 

plunibum will P. Persson S. 33 Anm. zu Ttehog 'schwarz- 
blau' stellen und mit dem Suffix -bho- daraus ableiten. Äußerst 
unwahrscheinlich, da dies Suffix sonst nur Tiernamen bildet. Russ. 
goluböj 'blau' neben kslav. golqbi 'Taube' bezeichnet die Farbe 
nach ihrem Träger. Vgl. R. Findeis, über das Alter und die Ent- 
stehung der idg. Farbennamen, Triest 1908. 

populari hatte S kutsch Glotta III, 201 aus depopulari er- 
klärt; dagegen wendet sich mit Unrecht S. Pantzerhjelm-Tho- 
mas, Nord. Tidskr. f. filol. 1912, 12ff., indem er sich auf K. Sand- 
feld Jensens — irrige — Ansicht beruft, daß abgeleitete Verba 
ursprünglich ohne Präpositionen gebildet und erst später zusammen- 
gesetzt werden. 



342 Felix Hartmann 

poricinum Petronius 48, 7 deutet E. Thomas Studien 26 ff. 
als ein vom Schweinskopf benanntes Werkzeug. 

praefigere soll nach Georges bei Ps. Quint. Decl. 10, 8 'be- 
zaubern' heißen, was Clara Louise Thompson Cl. Philol. 6, 352 ff. 
bestreitet. 

praesto, praestu behandelt P. Persson S. 240 f.; er sieht 
darin einen erstarrten Kasus eines Stammes *prae-sto- 'dabei 
stehend, bei der Hand seiend' und gibt Beispiele für derartige 
Wortbildungen. 

prehendo vergleicht F. Holthausen IF. 30, 47 ansprechend 
mit deutsch beginnen, indem er für dies von einer Grundform 
*gintnan ausgeht. 

primäres will E. Frank el Glotta IV, 43 f. wieder als Kom- 
parativ auffassen, was ich für verfehlt halte. 

purgare leitet R. Thurneysen, unter Benutzung einer Ver- 
mutung von Skutsch, von *piir^ tvvq 'Feuer' her und hält es für 
eine Schwesterbildung zu fumigare. Vgl. oben S. 327. 

putus 'kleiner Knabe' will L. Havet nach Rev. arch. 1912, 
19, 427 bei Plautus in den Menächmen 40 Quito für huic) lesen 
und pufulos für pumilos bei Stat. Silv. herstellen. 

quatio stellt P. Persson S. 530 zu ahd. scutilön 'schütteln', 
mhd, kotzen, hossen 'schaukeln, schüttern'. 

quia heißt nach J. Wackernagel IF. 31, 267 ursprünglich 
'warum' und entspricht genau dem megar. oc {(.läv) 'wieso', böot. 
TCL 'warum'. Skutsch' Deutung von quia als Neutr. PI. hält er für 
unwahrscheinlich, mir scheint, mit Unrecht. 

quod in konditionalem Sinne behandelt Paul Lejay Rev. de 
phil. 36, 259 ff. in einer Polemik gegen E. Bennet, Syntax of early 
Latin, der an einigen Stellen konzessive Bedeutung angenommen 
hatte. Lejay sucht den Ursprung in der Gesetzessprache und 
vermutet, daß dies konditionale quod später durch quod si er- 
setzt sei. 

rävus 'grau' will F. A. Wood Cl. Phil. 7, 317 f. in andrer 
Weise, als Walde tut, mit der Wurzel *gher vermitteln, die nicht 
'strahlen', sondern 'shoot out, grow; radiate, beam' bedeute; er 
will es an ravus 'hoarse' anknüpfen. 

refrigerimn behandelt Pierre de Labriolle Bulletin d'an- 
cienne litterature et d'archeologie chretiennes 2, 214 — 219. Er 
sucht nachzuweisen, daß sich die Bedeutungsentwickelung 'Kühlung, 
Labung, Unterstützung, Geldhilfe, Erlösung, Seligkeit, Paradies' 
innerhalb der christlichen Welt vollzogen habe, daß daher Creuzers 



Literaturbericht für das Jahr 1912 343 

Annahme ägyptischen Einflusses, die ziemlich allgemein gebilligt 
wird, nicht nur nicht nötig, sondern durch die entgegengesetzte 
einer Einwirkung der christlichen Vorstellungen auf die ägyptischen 
zu ersetzen sei. Dieser letzte Teil bedarf erneuter und um- 
fassenderer Untersuchung, denn mit dem bloßen Hinweis auf das 
ipvxQOv vdioQ beim Osirisdienst ist der Gegenstand nicht erschöpft. 

refrigidiunt liest E. Thomas Studien 11 bei Seneca, Nat. 
quaest. 4a, 2, 27. 

ren erklärt F. A. Wood Cl. Phil. 7, 319 als verwandt mit 
vB(fQoi, nefrones, indem er Umstellung aus *negfihr- in *reg'Jhn- 
annimmt. 

reus erklärt P. Persso n S. 279ff. als einen von res, Stamm 
*rei-, abgeleiteten o-Stamm. 

rideo soll nach F. A. Wood Cl. Phil. 7, 320 weiter zu aengl. 
wrcestan, anord. reista Werdrehen, verrenken' gehören, wozu Ana- 
logien angeführt werden. Unsicher. 

ruo behandelt P. Persson S. 284 — 305. Er lehnt die Ver- 
mutungen von Solmsen und Hoffmann ab, wonach zwei oder drei 
verschiedene Verba in dem lateinischen Wort zusammengeflossen 
seien, und sucht nachzuweisen, daß sowohl für die Bedeutung 
Weißen, raffen, graben' als für Wich heftig bewegen' von einer 
Wurzel ^ereu- auszugehen sei. Über den Zusammenhang mit 
ingruo, congruo vgl. oben S. 320. 

rüspari 'durchsuchen' behandelt P. Persson 305ff., der es 
mit nhd. riuspeln riuspern vergleicht. 

sacer gehört nach F. A. Wood Cl. Phil. 7, 321 nicht zu 
anord. sdttr 'versöhnt', da dies wie aengl. seht Wgreed', sehtan 
Wettle' zu aind. sajatl 'hängt, haftet' zu stellen ist. 

sacer mag nach W. Warde Fowler, Journ. of Rom. Stud. 
1, 57ff., ursprünglich die Bedeutung ' heilig' oder 'verflucht', ohne 
Beziehung auf eine Gottheit gehabt haben und dem 'tabu' ent- 
sprechen; die weitere Entwickelung der Bedeutung sucht er mit 
der Ausbildung des römischen Staatswesens in Zusammenhang zu 
bringen. 

Satura, das Wort und die literarische Gattung hat letzthin 
die amerikanischen Philologen viel beschäftigt, vgl. G. L. Hen- 
drickson, Satura — the Genesis of a Literary Form Class. Phil. 
6, 129ff.; J. W. D. Ingersoll, Roman Satire: Its Early Name? 
ebenda 7, 59—65; R. H. Wehl, On the Origin of Roman Satire, 
ebenda 7, 177—199; Knapp, Am. Journ. of Phil. 33, 125ff.; 
A. L. Wheeler, Satura as a Generic Term. Class. Phil. 7, 547 



344 Felix Hartmann 

—477; B. L. Ullmann, Satura and Satire, Class. Phil. 8, 172 
— 194. Dieser untersucht die Geschichte des Wortes, stellt fest, 
daß von dem Ausdruck per saturam auszugehen ist, um zu dem 
Begriff der Dichtungsgattung zu gelangen, er sucht zu begründen, 
daß lex per saturam und satura, die in den Glossen mit vo^og 
TtolXa. TtBQitxujv übersetzt werden, alte Fachausdrücke der Rechts- 
sprache waren und vermutet diesen Fachausdruck auch bei Lu- 
cilius in dem Vers Per saturam aedilem factum qui legibus solvat. 
So unterscheidet er schließlich vor Horaz drei Bedeutungen: 1. Fülle, 
2. Gemisch, 3. Täuschung, die letzte Bedeutung aus der Gesetzes- 
sprache entwickelt. Ebenso glaubt er für die Verwendung des 
Wortes zur Bezeichnung von Dichtungen drei Bedeutungen unter- 
scheiden zu können, die auch zeitlich geschieden sind: zuerst be- 
zeichnete es eine Sammlung gemischter Gedichte, zu Horaz Zeit 
ward daraus eine Sammlung satirischer Dichtungen und damals 
entstand der Begriff der Satire. Seit Juvenal nennt man das ein- 
zelne satirische Gedicht satura. 

scintilla stellt F. A. Wood Gl. Phil. 7, 321, da auch andere 
Wörter für 'Funke, funkeln, glänzen' auf 'spritzen, sprühen' zu- 
rückzugehen scheinen, vielleicht richtig zu got. skaidan, *sqeit-. 
Vgl. splendeo. 

sedulo von se-dolo herzuleiten, wie üblich ist, ist semasio- 
logisch nicht recht befriedigend, wie F. A. Wood Gl. Phil. 7, 322 
bemerkt; aber die Zusammenstellung mit aind. sädhüs 'grade, 
richtig' ist es noch weniger. 

sentis 'Dornstrauch', sentus 'dornig' behandelt P. Persson 
S. 356 ff., indem er seine frühere Etymologie, nach der die Wörter 
zu ^(Xivo) gehören, verteidigt und Schraders und Charpentiers 
Vergleichungen (aatg, alj-i-aoid) ablehnt. Vor allem hält er an 
der, auch von Norden bestrittenen Zusammengehörigkeit von 
sentus und sentis fest. An Zusammenhang mit öivofxoi (Bücheier 
RM. 42, 5860".) ist natürlich nicht zu denken. Vgl. dazu Glotta 
V, 337 Ciardi-Dupre. 

serius will F. A. Wood Gl. Phil. 7, 322 f. mit serus und sino 
von einer Wurzel *sei- "^langsam, spät kommen, sich hinausziehen' 
ableiten, die schon Walde für identisch mit *se^- 'nachlassen hält. 
Als Grundbedeutung vermutet er 'stretcb, protract, delay'. Auch 
Situs Rost', suis sollen hierher gehören. Nicht überzeugend. 

siderare, considerare, desiderare behandelt P. Persson 
S. 366ff. Nach seiner Meinung ist nicht von sidus 'Gestirn' aus- 
zugehen, sondern von der Grundbedeutung der mit diesem ver- 



Literaturbericht für das Jahr 1912 345 

wandten Wörter lit. svidüs "^glänzen', lett. swtstu swldu swlst an- 
brechen, tagend also 'Glanz, Blick, Auge', considerare soll dem- 
nach 'seine Blicke auf etwas sammeln', desiderare 'nach etwas hin- 
sehen' schwed. se (titta) efter nägot heißen. — Ich fürchte der 
zuletzt genannte schwedische Ausdruck ist an der ganzen ver- 
fehlten Etymologie schuld. Von sidus 'Gestirn' führt der Weg zu 
considerare 'betrachten' genau so gut wie von templum zu con- 
templari; was desiderium, ursprünglich 'Fehlen eines Sterns' be- 
trifft, so erklären die bei Verfinsterungen von Mond oder Sonne 
üblichen Kultgebräuche (vgl. BoU bei Pauli-Wissowa unter Finster- 
nisse, 2) den Bedeutungsübergang zu 'beklagen , 'vermissen', 'herbei- 
sehnen'. 

silicemiuni, wie Murko wollte (vgl. Glotta IV, 379), mit 
einem Suffix -erno- + -io- abzuleiten, lehnt MaxVasmer, Rocznik 
slawisticzny 5 (1912) ab; man habe an silex -f- cernere zu denken, 
dies aber sachlich zu stützen, sei er nicht in der Lage. 

sincerissimus bei Porphyrio zu Hör. Sat. 1, 6, 30 verteidigt 
E. Thomas Studien 67 ff., indem er an die gleiche Verwendung 
von merus erinnert. 

soliutn stellt F. Persson S. 379ff. nicht zu sedere, weil es 
auch 'Wanne, Badewanne' und 'Sarg' heiße, und stellt es vielmehr 
zu lit. sllis 'Krippe' sUe 'Trog', aind. sdras 'Trog, Eimer, Becken . 
Mit diesen Wörtern vereinigt er noch, von einer Basis seuel- aus- 
gehend, eine große Anzahl von Wörtern; aber schon der Ausgangs- 
punkt erscheint sehr problematisch. 

spissus behandelt P. Persson S. 386 — 421; er zeigt zuerst, 
daß im älteren Latein, bis zu Ciceros Zeit nur die Bedeutung 
'ausgedehnt, lang (bes. zeitlich), langsam, langwierig, spät' vor- 
komme und erst durch sekundäre Verschiebung die Bedeutung 
'dicht, dick' zu stände komme. Daher vergleicht er zunächst 
OTTidiqg, OTcidiog 'ausgedehnt, weit', bei dem er denselben Bedeu- 
tungsübergang nachweist; sodann erörtert er eine große Anzahl 
entfernter verwandter, z. T. weit abliegender Wörter, für die er 
auf die Basisformen *spe- *spd- spei- spei- spsi- spi- schließen zu 
können glaubt. Auch „Seitenformen" dieser Basis werden heran- 
gezogen. 

splendeo sucht F. A. Wood Gl. Phil. 7, 327 an engl, splint, 
splinter anzuknüpfen. 

spondeo, üTvivöco führt F. A. Wood Gl. Phil. 7, 327 f. unter 
Ablehnung von Meringers Erklärung auf die Bedeutung 'ausgießen 
zurück und verbindet es mit aind. spandate 'zuckt'. 



346 I'elix Hartmann 

staminata, Petronius 41, 10 behandelt E. Thomas Studien 
97 ff., er leitet es von oxafxvog ab und übersetzt 'von dem Umfang 
eines Kruges'. 

stermis 'Mist, Dünger, Schlacke' behandelt P. Perssou S. 454ff., 
nach seiner Meinung ist das Wort u. a. auch mit nhd. Dreck ver- 
wandt. 

stei^nax 'pavidus', zu consternore gehörend, behandelt P. 
Persson S. 429 i. 

stolo, onis * Wurzelschoß' behandelt P. Persson S. 422 ff.; er 
zieht es zu oxolog 'hervorstehender Schiffsbalken , crtAAw und ver- 
bindet damit stultus, stolidus und vieles andere. 

stHgare "^stehen bleiben, innehalten' (von Zugtieren) stellt 
P. Persson S. 458 ff. mit obstrigillare 'hemmend im Wege stehen', 
ohstrigülator zu lit. strigsoti 'stillstehen', ^-stringu, ^-strigti 'stecken 
bleiben', norw. dial. strika 'den Lauf hemmen'; ob Zusammenhang 
mit striga 'Strich', stringere besteht, bleibt offen. 

sturnus soll nach F. A. Wood Cl. Phil. 7, 329 zu Stella ge- 
hören. 

subalapa vermutet E. Thomas Studien 75 ff. bei Petronius 38; 
er sieht darin eine hybride Bildung aus einem zu cclaTiduiü 'prahlen 
gebildeten ^aXarcäg. 

stibito = statim ut belegt Th. Stangl Wschr. 1912, 27 f. 

sugillare enthält nach W. Prellwitz KZ. 45, 71 subs und 
gilvus. 

tama 'Geschwulst', das Festus aus Lucilius belegt, will P. 
Persson S. 470 ff. mit der Basis *teuä- 'schwellen , lat. tumeo, 
aind. tavlti, odog, oiög verbinden. Er vergleicht zunächst aduog 
'Anhöhe'. Über den Wandel von tu- zu /-, der dabei angenommen 
wird, siehe oben S. 320. 

tangotnenas faciamus bei Petronius 34, 7 und 73, 6 erklärt 
E.Thomas Studien lOlff. in Anlehnung an Heraus als lateinische 
Umgestaltung von xeyyoixtvag, nimmt es aber in der Bedeutung 
ebrias (epulas). Mir scheint, daß dabei die Anlehnung an tätigere 
noch nicht zu ihrem Recht kommt; es ist wohl au beiden Stellen 
gemeint de die usque in lucem cenemus. 

tardus stellt F. A. Wood Cl. Phil. 7, 330 f. zu aind. tar- 
dayati, trnatti 'durchbohrt, spaltet'. Nicht glaublich. 

teltmi erklärt F. A. Wood Cl. Phil. 7, 331 mit Recht als 
verwandt mit tc^ov und stellt es zu texo. 

tempus 'Zeit, Schläfe', teinplum 'Bezirk, Dachbalken' stellt 
P. Persson S. 484ff. zu einer Basis temp- 'spannen'. 



Literaturbericht für das Jahr 1912 347 

textorum dicta bei Petron. 32 übersetzt Eberhard Gothein 
Sitzber. d. Heidelb. Akademie ph.-hist. Kl. 1912, 4 'Redensarten 
der Weber', was er durch Berufung auf Buch er s Arbeit und 
Khythmus und ausführliche Darlegung des Zusammenhangs zu 
stützen sucht. 

tinctoriutn 'Blut' vermutet E. Thomas Studien 40 ff. Anthol. 
lat. 1, 415, 27. 

tusctilarius liest E. Thomas Studien 81 ff. etwa in der Be- 
deutung turarius als Titel eines magister collegii in der Beamten- 
liste des Kaiserpalastes von Antium C III 20; die Inschrift bietet 
TVSCVL, Mommsen hatte iuscularius vermutet. 

nrruncuiH streicht Georg Goetz IF, 31,303 aus den Lexicis, 
indem er nachweist, daß bei Varro de re rust. 1, 48, 3 nur urru 
überliefert ist. 

Alterns will F. A. Wood Cl. Phil. 7, 335 nicht von uter, utris 
trennen; fraglich. 

vapulare deutet E. Thomas Studien 37 ^ als Ableitung von 
dem Naturlaut vä, wie paupulare und ^pipulare. Dagegen leitet 
esP. Perssou 493 ff. von einer Wurzel uäp- uäh- üp- üb- 'schreien, 
rufen' ab. 

varius will P. Persson S. 496 f. auf die gleiche Wurzel wie 
varus, väricus zurückleiten. 

vavato Petronius 63, 8 erklärt E. Thomas Studien 35 ff. als 
Ableitung zu *vavatare, dessen Bildung er aufzuhellen sucht; er 
sieht in dem Wort eine Schallnachahmung des Schreiens oder 
Lallens. 

vellimna verteidigt Georg Goetz IF. 31, 302 bei Varro de 
re rust. 2, 11, 9 und verbindet damit das de 1. lat. S. 18, 8 
überlieferte velleinera. 

veniri 'verkauft werden' belegt Th. Stangl Wschr. 1912, 142 
einmal öfter aus den Gronovscholien zu Cicero. 

verus wird von F. A. Wood Cl. Phil. 7, 333 erneut mit 
*uere- {tQco, et^iijxa) 'sprechen' zusammengestellt. Nicht glaublich. 

via 'Weg' erklärt P. Persson S. 511ff. aus *ui(i)ä und stellt 
es zu einer Basis we?'- M?-; er vergleicht lit. pa-vi;^s' Strecke Wegs , 
aind. pada-vl 'Spur, Weg' und stellt u. a. auch lat. vena "Ader' 
dazu. 

vidulus 'Korb, Koffer' vergleicht P. Persson S. 5 10 f. mit 
aind. vec^ds ' Grasbüschel zum Fegen' und leitet es von einer Wurzel- 
form ueid- md-, einer Erweiterung von uei- ui- 'drehen, winden' her. 

viscus, -era vergleicht F. A. Wood Cl. Phil. 7, 334 mit aind. 



348 Felix Hartmana 

veskäs 'Schlinge zum Erwürgen', anord. viskr 'Bündel', ahd. wisc 
'Wisch'. 

vitimn sollte nach F. A. Wood Cl. Phil. 7, 334 auch mit 
asächs. imvid 'Bosheit, Tücke' verglichen werden. 

vitulari 'jubeln' kann nach F. A. Wood KZ. 45, 68 auf *§mt- 
zurückgehen und zu aind. gltis 'Gesang' gehören. 

vitulus 'Kalb' will F. A. Wood KZ. 45, 68 aus *gmtelos er- 
klären und mit nordgerm. Wörtern wie norw. dial. kvidra 'sich 
unruhig hin- und herbewegen, huschen verbinden. Ganz unwahr- 
scheinlich. 

vola 'Wölbung der Hand und des Fußes' zieht P. Persson 
S. 538 ff. mit vallus, vallum, vallis zu der gleichen Wurzel wie 
volvo, Vulvae, valvolae. 

xeropliagiae sebeae liest E. Thomas Studien 104 ff. statt 
des überlieferten aecrophagie saele. 

Felix Hartmann 

Syntax 

1. Allgemeines und Vermischtes 
Von R. Kühners Ausführlicher Grammatik ist der zweite, die 
Satzlehre enthaltende Band von C. Stegmann neu bearbeitet worden ; 
man hat ihn diesmal in zwei Teile zerlegt, deren erster im Berichts- 
jahre erschienen ist (Hannover, Hahn). Es ist sehr schwer, zu 
diesem Werke die richtige Stellung zu nehmen. Da die Verlags- 
handlung wünschte, daß „die ganze Anlage des Buches im wesent- 
lichen die alte bleiben sollte", so waren St. die Hände gebunden 
und er hat sich hauptsächlich auf das Einarbeiten der in der 
neueren Literatur gegebenen Beispiele und Angaben über diese 
Literatur beschränkt. Er ist sich darüber klar, daß „die psycho- 
logische Erklärung und die vergleichende Syntax zuweilen etwas (!) 
zu kurz gekommen sein mögen", und erklärt, daß auch eine historische 
Syntax nicht beabsichtigt war, sondern daß das Buch ein Nach- 
schlagewerk (Repertorium) für den Lateinlehrer bilden solle. Zu- 
gegeben einmal, daß eine Sammlung syntaktischer Beispiele aus 
der Zeit von Plautus bis Apuleius dem Lateinlehrer von Nutzen 
ist, so wird dieser stark beeinträchtigt oder gar aufgehoben durch 
den diese Beispiele begleitenden, in jeder, aber auch in jeder Be- 
ziehung veralteten Text. Gerade in einer Zeit, die den Sprach- 
unterricht mit wissenschaftlichem Geiste zu erfüllen sucht (vgl. 
F. Stürmer o. S. 79), wird der Lateinlehrer, fürchte ich, das Buch 



Literaturbericht für das Jahr 1912 349 

voll Unmut aus der Hand legen. Man kann es dem Bearbeiter gar 
nicht einmal verdenken, daß er nur schüchterne Versuche gemacht 
hat, den Text zu modernisieren: ihn auf die Höhe der modernen 
Forschung heben hätte geheißen, ein neues Buch d. h. eine wissen- 
schaftliche lateinische Syntax schreiben. Auf Einzelheiten einzu- 
gehen hat unter diesen Umständen kaum einen Zweck: es wäre 
verlorene Mühe, ebenso wie die von St. auf die Nachprüfung der 
Zitate und die Angabe der Monographieen verwandte Mühe leider 
ziemlich vergeblich sein wird. Übrigens fehlt in diesen Literatur- 
angaben, obwohl der Bearbeiter „über 400 größere und kleinere 
Werke, Programmabhandlungen und Dissertationen" eingesehen hat. 
Mancherlei, z. B. beim poetischen Plural S. 82 die (übrigens Glotta 
Hl 375 besprochene) Arbeit von Em. Schmidt De poetico argenteae 
latinitatis colore, Breslau 1909 (die 1911 erschienene Jenenser 
Dissertation von W. Schink konnte er wohl noch nicht benutzen). 
Als Beispielsammlung für den Forscher behält das Buch immerhin 
einen gewissen Wert: aber man darf zweifeln, ob dadurch die Neu- 
bearbeitung gerechtfertigt war. 

W. A. Bährens, Beiträge zur lateinischen Syntax (Philol. 
Suppl. 12 H. 2), hat für mehrere Gruppen von Erscheinungen ein 
ungeheures Material zusammengebracht mit der ausgesprochenen 
Tendenz, Übersehenes und von den Herausgebern mit Unrecht Ver- 
ändertes wieder in sein Recht einzusetzen. So gern man dieser 
Tendenz zustimmt, so wird man doch im Einzelnen dem gelehrten 
Verf. nicht immer folgen können; auch hat er öfters übersehen, 
daß die von ihm gemachten Beobachtungen nicht neu sind und 
gerade für die ältere, besonders wichtige Zeit aus den vorhandenen 
Darstellungen ergänzt werden können '). Vgl. Rh. Mus. 69, 95. — 
Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit den Konstruktionen 
aud %oivov, zunächst mit solchen Fällen, wo die Präposition zurück- 
wirkt. Hier sollen wir an vielen Stellen Härten ertragen wie Varr. 
L. L. 8, 23 quod declinatione voluntaria sit anomalia, in naturali 
magis analogia, statt hinter quod ein in einzuschieben. Gewiß gibt 
es solche Fälle, schon Plaut. Asin. 124 solus solitudine ego ted atque 
ah egestate abstuli (Leo Anal. Plaut. 1, 42); aber hier stehen die 
beiden Subst. durchweg nahe bei einander, während sie das in den 
von B. gesammelten Beispielen nur selten tun. Korrespondierende 
Partikeln wie nec-nec werden nur einmal gesetzt, wofür ich einen 
durch das Metrum geschützten Beleg aus der Poesie anführe, Val. 

1) In den Nachträgen hat er vielfach selbst die älteren Belege an- 
gegeben. 



350 Wilhelni Kroll 

Fl. 2, 231 quos sternere Bessi nee Geticae potuere manus. Weniger 
auffallend und oft besprochen ist es, wenn Subst. u. a. zu zwei 
Gliedern gehörende Worte zum zweiten gesetzt werden wie Caes. 
b. c. 1, 19, 5 id tie fieri posset, ohsidione atque oppidi circum- 
munitione fiehat. Auch hier war auf Leo zu verweisen. — Dann 
bespricht B. Fälle, in denen das Wort vorauswirkt, wie Cic. leg. 
3, 33 ego in ista sum sententia, qua te fuisse semper scio: dieses 
Beispiel schon in Reisigs Vorlesungen § 418, während B. behauptet, 
die Konstruktion finde sich nicht vor dem ersten Jahrh. n. Chr. 
Ja schon Plaut. Gas. 317 quicum litigas Olympio? Cum eadem qua 
tu semper (Hauler zu Ter. Phorm. 171). — Im 2. Kap. werden 
verwandte Konstruktionen behandelt wie die bekannte einmalige 
Setzung der Präpos. et in Caesare et Antonio Cic. ad Br. 1, 11, 1, 
wo B. Fälle von Varro an aufzählt, vgl. aber Plaut. Asin. 430 
erus in hara haud aedibus habitat. Nicht glauben kann ich an 
das Fehlen der Präp. bei Varr. R. R. 3, 8 Optimum esse partum 
aequinoctio verno ad autumnale, wo durch die Nennung des Zieles 
das Verständnis des Satzes auch ohne ab gesichert werde — ein 
Gesichtspunkt, dessen Berechtigung ich nicht anerkennen kann. 
Ferner wird über Auslassung von cum vor tutn gehandelt, wo viel- 
leicht nur tum „ferner" vorliegt. Darauf folgen in Kap. 3 „Andere 
Ellipsen" d. h. sehr verschiedenartige Erscheinungen, darunter die 
Weglassung des Demonstrativums vor dem Relativsatz, für die B. 
Beispiele von der silbernen Latinität an gibt, während er auf Cato, 
Varro usw. kurz hinweist. Will man aber die Syntax wirklich 
fördern und nicht bloß den Herausgebern etwas am Zeuge flicken, 
so muß man vom Altlatein ausgehen, für das ich auf Glotta III 
S. 12 verweise. Ganz bedenklich ist der Versuch, den Akk. der 
Richtung in weitem Umfange und als indogermanisches Erbgut 
nachzuweisen : an den dafür angeführten Stellen liegt entweder ein 
Gräzismus vor oder die Präpos. ist einzusetzen. Ähnlich steht es 
im allgemeinen mit dem Versuche, den Abi. separationis nachzu- 
weisen. — Ein weiteres Kap., von B. nochmals als drittes gezählt, 
bringt Einiges zur Wortstellung, z. B. über unlogische Stellung von 
korrespondierendem et^ Gurt. 6, 10, 2 ignoro et quomodo animo 
meo et tempori parcam (nach B. ,,bis zum heutigen Tage verborgen", 
aber z. B. von Ahlquist Studien zu Chiron 109. Sternkopf zu Cic. 
ad Att. 3, 6 S. 78 behandelt). Lehrreich sind die Mitteilungen 
über ungewöhnliche Stellungen von quoque, autem, quidem und 
enim, wo sich namentlich für die ältere Zeit das Material oft ver- 
mehren läßt, so durch Cic. Verr. 2, 1, 71 quo tempore quidem signi 



Literaturbericht für das Jahr 1912 351 

satis dedit (Piasberg zu Acad. S. 42, 19). Vorangestelltes enim bei 
Julius Valerius hat Faßbender, De Jul. Val. sermone. Münster 1909 
S. 52 richtig als Archaismus erklärt. — Das Kapitel über die 
Pleonasmen bringt in bunter Ordnung reiches Material namentlich 
für die Wiederholung oder überflüssige Setzung von ut, für die 
sich aus Plautus mehr Beispiele beibringen lassen, z. B. Amph. 495 
suamque ut culpam expetere in mortalem ut sinat; ähnlich wird si, 
riBj cum wiederholt, ut tritt dann besonders im Spätlatein ver- 
stärkend zu quia, si, cum, quoniam: et zum Relativum, zu ideo, 
quomodo und zum Abi. absol. Bei dem zum Abi. instr. gesetzten 
in wird man sehr mit der Einwirkung von iv rechnen müssen, das 
B. nur beiläufig erwähnt (vgl. Pfister, Rh. Mus. 67, 202): zu den 
Beispielen füge ich hinzu Apul. met. 2, 11 vini cadum in aetate 
pretiosi. 2, 2 senex iam gravis in annis (trotz des vergilischen und 
horazischen gravis amiis). Hist. Apoll. 42, 14 fit magnum gaudium 
in citharis lyris et canticis. Endlich wird auf Mischkonstruktionen 
eingegangen wie Varr. R. R. 1, 1, 2 quoniam emisti fundmn, quem 
hene colendo fructuosum cum facere velis, . . experiar. In einem 
kurzen Abschnitt, der im Index als 5. Kap. gezählt wird, bestreitet 
B. (wie ich glaube, mit Unrecht), daß Uli = illic ein Archaismus 
sei. Das ebenfalls nur im Index als 6. gezählte folgende Kapitel 
bringt reiches Material zur Synesis, nicht Alles sicher, weil meist 
durch Zufügung oder Streichung eines n der Plural resp. Singular 
hergestellt werden kann (wie überhaupt oft die von B. beanstan- 
deten kritischen Operationen die denkbar einfachsten sind). Auch 
in dem folgenden Abschnitt „Über einige sogenannte Gräzismen" 
stehen neben dankenswerten Sammlungen aus dem Spätlatein sehr 
gewagte Behauptungen: so sind die Beispiele von Infin. statt Imper. 
nur teilweise richtig und können keinesfalls den Beweis verstärken, 
daß hier indogermanisches Erbgut vorliege. Noch weniger vermag 
ich das von dem Singular des Prädikates nach einem Neutrum 
Plur. glauben; wo ein solcher wirklich vorliegt, haben wir einen 
Gräzismus zu erkennen. Daß der Dativus auctoris echt lateinisch 
sei, ist in dieser Formulierung nicht richtig, und was uns B. als 
neues Material vorlegen will, ist z. T. recht arg. So soll bei Sen. 
ben. 7, 16, 3 pecuniam, quam a creditore acceperat, libidini aut 
aleae absumpsit ein griechischer Instrumental-Dativ (!) vorliegen, 
■während es derselbe ist wie bei insumere und bedeutet ,,auf (für) 
etwas verwenden". Zum Schlüsse kommt B. auf den lateinischen 
Konjunktiv zu sprechen und wirft hier allerlei durcheinander, nimmt 
auch (wie überhaupt häufig) lieber aus Handschriften zweiten Ranges 



352 Wilhelm Kroll 

das Auffallende und Ungewöhnliche auf, statt der besten Über- 
lieferung zu folgen. Namentlich für den Wechsel zwischen Konj. 
und Indik. ist hier ein großes Material gesammelt, das bei richtiger 
Verwendung gute Dienste tun kann. Vorläufig hat sich der ge- 
lehrte und arbeitsfreudige Verf. noch sehr von dem Gedanken leiten 
lassen, die kritische Methode zu verbessern, und darüber ist die 
eigentliche Sprachgeschichte zu kurz gekommen. 

E. Thomas' Studien (s. o. S. 330) enthalten auch einige syn- 
taktische Bemerkungen, so S. 56 über servire aliquem „Jemanden 
bedienen", S. 64 über Steigerung durch execrahiliter (Apul. met. 
2, 2) und verwandte Worte, S. 103 über periphrastische Verwen- 
dung von facere {fugam f. „fliehen") und S. 115 über Petron. 58, 7, 
wo qui te primus deiiro de fecit gedeutet wird als öevqo dr] ,,der 
dir den Appell beigebracht hat". Dazu handelt Th. über diese 
Verwendung des Imperativs; ich verweise auf Cedo alteram! als 
Name eines Centurionen Tac. A. 1, 23. 

W. A. Bährens, Vermischtes über lateinischen Sprachgebrauch 
(Glotta IV 265) handelt in lehrreicher Weise u. A. über eo quo 
= eo quod, potest und debet „es ist möglich (notwendig)", prae 
mit dem Akk., post = postquam. Als besonders wichtig hebe ich 
den Abschnitt über den Nom. absol. hervor, in dem B. diese Er- 
scheinung schon bei Curtius nachweisen will und einen Fall bei 
ihm unmittelbar mit denen bei Aetheria zusammenbringt. Das 
geht selbst in dem Falle nicht an, daß die Fälle bei Curtius (die 
man bisher wohl mit Recht emendiert hat) stimmen; denn man 
'muß für das Spätlatein mit dem Auftreten von zwei neuen Fak- 
toren rechnen, dem Verfall des Kasussystems und dem Einfluß des 
griechischen Nom. absol. In dem von B. nachgewiesenen Falle 
Justin. 16, 5, 15 qui iure familiaritatis admissi, dum alterum . . 
audit tyrannus, ah altero obtruncatur liegt eigentlich kein Nom. 
absol., sondern ein Nom. pendens (Anakoluth) vor; s. Pfister Rh. 
Mus. 67, 205. 

Viel Wertvolles enthalten wiederum Löfstedts Sprachliche 
und epigraphische Miscellen (Glotta IV 253). Ich mache nament- 
lich auf die von ihm nachgewiesenen Fälle von syntaktischer Kon- 
tamination aufmerksam, wie Poen. 659 tu si te di amant agere 
tuam rem occasiost und CIL 6, 15221 quodsi adversus hoc propo- 
situm facere supersederit, dahit aerario . . (wozu die von Paul Prin- 
zipien § 120 gesammelten Beispiele zu halten sind). Mit der 
Parataxe nach ita CIL 6, 33981 eos possideri debere ita: neque 
vendant neque donent sind Konstruktionen bei Plautus zu ver- 



Literaturbericht für das Jahr 1912 353 

gleichen wie Aul. 376 atque eo fuerunt cariora: aes non erat. Most. 
146. Pseud. 881. 

Stangl gibt in Woch. klass. Phil. Bd. 29 an verschiedenen Stellen 
Bemerkungen zum lateinischen Sprachgebrauch. S. 27 weist er 
im Schol. Gronov. zu Cic. S. 300, 13 subito im Sinne von „sobald 
als" nach, S. 29 ebd. S. 303, 24 minus dicere poenam = (.leiovv 
TT^v C,rjf.iiav, was sich zu minus facere und minus esse (Löfstedt 
Studien 68) stellt. — S. 142 verteidigt er ebd. S. 301, 21 veniri 
„verkauft werden". S. 586 bespricht er die Ellipse von ire beim 
Schol. Bob. 168, 18 quod tnaliierit in exilium u. Ä., S. 669 die 
Verbindung des Sing, senatus mit pluralischem Beziehungswort 
aus Anlaß von Ascon. 58, 14 senatus decrevit . . quod decretum 
eorum. 

2. Verbum. 
E. Lerche, Prädikative Participia für Verbalsubstantiva im 
Französischen (Beihefte zur Zeitschr. f. roman. Philol., 42. Heft. 
Halle, Niemeyer) behandelt den Fall: c'etait son reve accompli 
„das war die Erfüllung ihres Traumes" in sehr gründlicher Weise 
und mit steter Heranziehung des Lateinischen. Hier haben das 
Beste zur Erklärung der Erscheinung Lübbert Commentat. syn- 
tacticae. Gießen 1871 und Brugmann Idg. Forsch. 5, 145 gesagt, 
während man bei Schmalz Syntax 456 ein vortreffliches Referat 
über den Gebrauch im historischen Latein findet. Soweit ich das 
Material übersehe, bedürfen wir noch einer Arbeit, die die Zeiten 
und die Autoren nach ihrer Stileigentümlichkeit auseinanderhält. 
Wenn Livius schreibt duo consules interfecti terrebant (27, 44) oder 
gar diu non perlitatum tenuerat dictatorem (7, 8) und Tacitus das 
sogar auf andere Worte ausdehnt und schreibt (A. 1, 19) filius 
legati orator publicae causae satis ostenderet necessitate expressa, 
quae . ., so ist dergleichen von den alten volkstümlichen Ausdrucks- 
weisen wie ante hanc legem rogatam und post solem occasum himmel- 
weit entfernt. Man versteht, daß aus quinque minis opus est leicht 
quinque minis inventis opus est wird (PI. Pseud. 732) und sieht 
auch, daß der stilistisch gewissenhafte Römer post datam civitatem 
sagen muß, weil datio zwar möglich aber nicht geläufig ist, und 
wie sich von hier aus die übrigen Gebrauchsweisen entwickeln. Die 
wichtige Frage, ob die romanischen Konstruktionen historische 
Fortsetzungen der lateinischen sind, behandelt L. am Schlüsse und 
neigt dazu, sie (abgesehen von gelehrten Autoren vom 15. Jahrh. 
ab) zu verneinen. 

Glotta VI, 4. 23 



354 Wilhelm Kroll 

°B. M. Aken, Un the Omission of the auxiliary esse. Class. 
Journ. 7 S. 130 f. 

J. Wackernagel, Futurum historicum im Altpersischen. Fest- 
schrift V. Thomsen 131 — 137. Der Vf. unterscheidet das dem 
perfektiven Präsens des Slawischen entsprechende, wie ein Präsens 
historicum gebrauchte erzählende Futurum des Altpersischen, das 
er an einer Stelle vermutet, von dem im historischen Stil des La- 
teinischen gebrauchten Futurum wie hie erit iuvenis bei Liv. 21, 
46, 8, das namentlich in romanischen Sprachen weiter gebraucht 
wird. 

W. G. Haie, Origin of the distinction of tenses in Latin pro- 
hibitions IF. 31, 272—275. H. sucht zwischen der Lehre Mad- 
vigs, daß der Perfektkonjunktiv das individuelle, der Präsens- 
konjunktiv das allgemeine Verbot ausdrücke, und der Ansicht 
Eimers (Am. Journ. of Phil. 1894), daß der Perfektkonjunktiv 
energischer verbiete, zu vermitteln, indem er bemerkt, daß man 
sich in einem an eine Person gerichteten Verbot stärker ausdrücke 
als in einer Maxime. Delbrücks Erklärung Vgl. Synt. 2, 380 f., der 
den Bedeutungsunterschied aus den Aktionsarten ableitet, hat er 
offenbar nicht richtig verstanden, sonst würde er nicht Plaut. Epid. 
723 7ie attigas, einen klaren Aoristkonjunktiv, als Präsens auffassen 
und den Parallelismus mit dem griechischen Gebrauch bemerkt 
haben. 

3. Nomen 1). 
E. B. Lease, The Dative with prepositional Compounds (Amer. 
Journ. of Philol. 33 S. 285), wendet sich gegen die (anscheinend 
von F. Schultz herstammende) Regel der Schulgrammatiken, wonach 
Verba composita den Dativ bei sich haben. Er gibt eine ausführ- 
liche Statistik für die amerikanischen High-School- und College- 
Autoren, aus der hervorgeht, daß nur in 14,3 %, bei Cicero und 
Caesar sogar nur in 13,5 % bei Kompositen der Dativ steht, und 
verlangt eine genauere Fassung der Regel. Man wird ihm darin 



1) Ich will wenigstens nachträglich kurz hinweisen auf A. Marty, 
Zur Sprachphilosophie. Die logische, lokalistische und andere Kasustheorien. 
Halle, Niemeyer 1910 (!). Das Buch richtet sich gegen "Wundts Scheidung 
von Kasus der inneren und der äußeren Determination, und obwohl ich 
überzeugt bin, daß man diesen Problemen am besten mit einer von philo- 
sophischem Geiste angehauchten historischen Betrachtungsweise zu Leibe 
geht, so ist es doch erfreulich, daß auch ein Philosoph von seinem Stand- 
punkt aus zur Ablehnung der Wundtschen Ansichten gelangt. 



Literaturbericht für das Jahr 1912 355 

nur Recht geben können : die Kasussyntax muß auch in der Schule 
auf Grund Ziemerscher Prinzipien getrieben werden. 

Breal, L'exclamation malum (Rev. de Phil. 36, 29), bespricht 
mit epigrammatischer Kürze den bekannten Sprachgebrauch (z. B. 
Ter. Ad. 544 quid hoc, malum, infelicitatis?) und erklärt malum 
für einen Akk. der Richtung im Sinne von abi in malam rem. Das 
entspricht der gangbaren Erklärung („zum Henker"), deren Rich- 
tigkeit mir freilich zweifelhaft ist. An dem, was B. über die Ety- 
mologie von mälum sagt (woher er das lange a hat, weiß ich nicht), 
mögen sich die Etymologen delektieren. 

H. Koch handelt über den epexegetischen Genitiv bei Cyprian 
(Zeitschr. f. neutest. Wiss. 13, 165), veranlaßt durch ep. 48, 3 
ut ecclesiae catholicae matricem et radicem agnoscerent ac tenerenf. 
Er weist den Genitiv der Identität in weitem Umfange bei Cyprian 
nach, z. B. temeritatis audacia, divisionis portio, fraus erroris. 
Es ist dieselbe Verwendung, wie sie Firmicus liebt und die von 
der damaligen Rhetorenschule gelehrt wurde; freilich ist gerade 
der Fall, von dem K. ausgeht, anderer Art, und ohne die dogmen- 
geschichtliche Frage (von der K. ausgegangen war) übersehen zu 
können, möchte ich meinem Zweifel Ausdruck geben. — Die Er- 
scheinung hängt, wie auch die von Gaudiglio (Macedonici cog- 
nomen, Boll. fil. class. 18, 135. 171) behandelte, eng zusammen 
mit denen, die Schuchardt in seinem Aufsatz ' Geschichtlich ver- 
wandt oder elementar verwandt?' Magyar Nyelvör 1912 behandelt 
und an die sich eine längere Erörterung zwischen ihm und Meyer- 
Lübke angeschlossen hat. Vgl. Litbl. für germ. u. rom. Phil. 1912, 
294ff., Zschr. f. rom. Phil. 36, 6: La ville de Paris. 

4. Pronomina. 
Methner, Der Gebrauch von aliquis in negativen und quis- 
quam in affirmativen Sätzen (Glotta IV 281), wendet sich mit Recht 
gegen die üblichen Erklärungen dieser Erscheinung und findet das 
Richtige bei Nipperdey zu Tac. A. 1, 4. 2, 33 angedeutet. Indem 
er eine größere Zahl von Beispielen aus der klassischen Prosa 
untersucht, gelangt er zu dem Ergebnis: „Aliquis findet sich in 
negativen Sätzen, wenn der Redende nicht lediglich etwas als nicht- 
wirklich hinstellt, sondern sich erst die Möglichkeit desselben vor- 
stellt, um diese Möglichkeit sofort zu verneinen oder zu bestreiten". 
— „Quisquam findet sich in nichtnegativen Sätzen, wenn der Re- 
dende an der Richtigkeit dessen, was in dem Satze mit quisquam 
enthalten ist, einen Zweifel andeuten will oder sich den Anschein 

23* 



356 Wilhelm Kroll 

gibt, als hege er Zweifel." Das mag für das klassische Latein zu- 
treffen; das Altlatein kennt abweichende Fälle wie Capt. 809 eorum 
si quoiusquam scrofam in puhlico conspexero, ex ipsis dominis meis 
pugnis exculcabo furfures. Naev. com. 96 si umquam quicquam 
filium rescivero argentum amoris causa sumpse tnutuom, extemplo 
illo te ducam ubi non despuas. Auch auf CatuU 76, 7 trifft M.s 
Erklärung nicht recht zu: nam quaecumque homines bene cuiquam 
aut dicere possunt aut facere, haec a te dictaque factaque sunt. 
Hier ist quisguam ein stark betontes „irgendwer", das es seiner 
Etymologie nach sein muß: und vielleicht wird es hier einmal am 
richtigsten sein, von dieser auszugehen. 

5. Partikeln. 

F. H. Fowler (Gl. Ph. 7, 355) behauptet, indem er von dem 
bei Plautus elfmal vorkommenden mirum quin ausgeht, daß quin 
gar nicht entsprechend der üblichen Ansicht „warum nicht?" be- 
deutet, sondern etwas Anderes: was, ist mir aus seinen Ausfüh- 
rungen nicht klar geworden. Er übersetzt nequeo contineri quin 
loquar „I can't be stopped, nay, I will speak" und findet in non 
dubium est quin den Sinn: Nichts hindert einen zu glauben daß. 
Ich halte die übliche Erklärung für ganz sicher und würde es be- 
dauern, wenn sie zugunsten einer schlechteren aufgegeben würde. 

E. Fränkel (Glotta IV 47) stützt Skutschs Herleitung von 
an aus atne außer durch indische Erscheinungen durch die Ver- 
wendung von alXa in der Doppelfrage (Ind. Forsch. 28, 239). 

Absque wird von Lejay, Rev. de Phil. 36, 243, gründlich 
untersucht, der sich gegen die Versuche wendet, das que durch den 
Wegfall eines Gliedes zu erklären (s. Vollmer Glotta III 46), und in 
que das eine Parenthese einleitende erblickt. Er findet dieses in alten 
Inschriften (3 Fälle), z.B. Lex de Termessibus (Schneider 309) 11: 
quei agrei quae loca . . sunt fueruntue . . quaeque insulae eorum 
sunt fueruntve . . quodque earum rerum . . habuerunt possedermit, 
wo man quodque übersetzen kann: sofern sie diese Gegenstände 
besessen haben. Dem Einwand, daß das Kurialstil sei, begegnet 
er durch den Hinweis auf zwei Cicerostellen, Att. 3, 15, 6 wo man 
idque meist in id quod ändert, und off. 1, 95 est enim quiddam 
idque intellegitur in omni virtute, wo que m. E. „und" heißt. Auch 
spricht es nicht gerade für L.s Erklärung, daß gewöhnhch der Satz 
mit absque voransteht (Bacch. 412 nam absque te esset, ego iilum 
haberem rectum ad ingenium bonum). — Veranlaßt durch quod 
absque Capt. 754 behandelt er in einem Anhange S. 259 das kon- 



Literaturbericht für das Jahr 1912 357 

dizionale quod im Gegensatz zu Bennett, der in Fällen wie Plaut. 
Rud. 1150 quod posterius postules te ad verum convorti, nugas 
mulier magnas egeris einen konzessiven Sinn finden wollte. Er 
zeigt, daß man überall mit der Bedeutung ,,wenn" auskommt, und 
verweist auf Jordan Krit, ßeitr. 347. Dieser hat auch schon die 
richtige Erklärung gegeben, die ich bei L. nicht bestimmt formu- 
liert finde, daß quod weiter nichts ist als der Akk. des Relativums 
(vgl. Gl. Ottos in Bd. VII zu besprechende Arbeit). 

6. Wortstellung. 
Einen sehr wichtigen Beitrag zur Lehre von der Stellung des 
Verbums bedeutet die Arbeit von N. Schneider, De verbi in lingua 
Latina collocatione (Diss. Münster), die auch bei Kennern wie 
Landgraf und Schmalz gebührende Anerkennung gefunden hat 
(DLZ. 1914, 1060. Berl. phil. Woch. 1914, 375). Seh. legt seinen 
Untersuchungen Caesar zu Grunde, weil dessen Sprache einfach ist, 
obwohl man auch bei ihm mit Raffinement rechnen muß; Plautus 
oder Terenz bieten für diese Untersuchung den Nachteil, daß der 
Einfluß des Versmaßes fortwährend in Rechnung gestellt werden 
muß. Seh. behandelt zunächst die enklitische Stellung des Ver- 
bums und hebt richtig hervor, daß durch Wackernagels Entdeckung 
die Enklise an die Stelle des Rhythmus getreten ist, von dem die 
Früheren etwas unklar zu reden liebten. Das Verbum ist oft, aber 
nicht immer enklitischen Charakters; dieser zeigt sich nicht bloß 
in der Stellung nach dem Satzanfang, sondern auch in der Ein- 
sehiebung zwischen zusammengehörige Worte. Also non posse 
eius imperia diutius sustinere b. g. 1, 31, 13 oder communi enim 
fit vitio naturae b. c. 2, 4, 4 (wo zwei enklitische Worte an der 
zweiten Satzstelle stehen), aber auch quo spatio plures rem posse 
casus recipere intellegehant b. c. 1, 78, 4. Mit Vorliebe tritt das 
Verbum an die vorletzte Satzstelle: Fompeius eo proelio imperator 
est appeUatuß b. c. 3, 71, 2 (von Marouzeau^) falsch beurteilt). 

1) La phrase ä verbe etre en Latin. Paris 1910. Da die feinsinnige 
und anregende Arbeit im Bericht über 1910 (Glotta IV S. 394) nicht be- 
sprochen ist, so will ich kurz auf ihre Bedeutung hinweisen. M. behandelt 
die Wortstellung in den mit esse gebildeten Sätzen auf Grund des Materiales 
bei Plautus und Terenz; auf die spätere Entwicklung geht er in einem 
Anhang ein. Ich muß gegen seine Betrachtungsweise und z. T. auch gegen 
seine Eesultate zwei Bedenken geltend machen. Einmal leugnet er den 
Einfluß des Versmaßes auf die Wortstellung, der sich doch am Versende 
deutlich zeigt. Zweitens wendet er sich gegen Wackernagels Entdeckung 
von der schwachen Betonung der zweiten Satzstelle, indem er Meillets 



358 Wilhelm Kroll 

So stehen z. B. auch die mit einem Infinitiv verbundenen „Hüfs- 
verba": has omnes actuarias imperat fieri b. g. 5, 1, 3. In Neben- 
sätzen lehnt sich das Verbum (besonders natürlich das Verbum 
substantivum) gern an das einleitende Relativum oder ut an, z. B. 
frumentum, quod essent publice polliciti b. g. 1, 16, 1. — Eine 
zweite Gruppe bilden die Fälle, in denen das Verbum am Anfange 
steht, und in denen nach Jespersens Terminologie der Neuheits- 
oder Gegendruck wirkt. Letzterer b. c. 1, 50, 1 conatus est Caesar 
reficere pontes, sed nee magnitudo fluminis permittebat . . Ersterer 
b. g. 5, 44, 7 transfigitur scutum Pulloni . . Avertit hie casus va- 
ginam . . Succurrit inimicus Uli Vorenus (wo doch auch wohl, wie 
in vielen der S. 53 gesammelten Beispiele, ein gewisses Streben 
nach Pathos, ein diskret verwendetes Raffinement mitwirkt). Gern 
steht das Verbum in der or, obl. voran, b. c. 1, 22, 1 velle se si 
sibi fiat potestas Caesarem convenirej oder das einen Grund ent- 
haltende: b. g. 1, 47, 1 velle se de his rebus . . agere cum eo : iiti 
. . conloquio diem constitueret. S. 57 werden Fälle besprochen wie 
b. g. 3, 21, 1 ^;roe^iMm renovarunt . . pugnatum est diu atque 
acriter. Seh. sieht hier den Grund der Voranstellung in dem engen 
Zusammenhange zwischen den beiden Verben: ob nicht die passi- 
vische Fassung d. h. der Umstand mitwirkt, daß das Verbum das 
logische Subjekt enthält? Ferner stehen so expositioneile, den 
Fortschritt der Erzählung unterbrechende Verben: erant in ea le- 
gione fortissimi viri b. g. 5, 44, 1. Nicht auffällig ist es, wenn 
auch vor betonte Verba Partizipien und adverbiale Bestimmungen 

Gegenbemerkungen ausspielt (Mem. Soc. Ling. 14 S. 21); wenn das Verbum 
oft an zweiter Stelle steht, so liege das daran, daß es mit dem ersten 
Worte eng zusammengehöre. Selbst wenn das zutrifft, so bleibt die enkli- 
tische Natur von esse in diesen Fällen bestehen, namentlich aber in denen 
von zwischengestelltera esse. Gewiß steht unbetontes esse doch deshalb 
hinter numquam und non (S. 82), weil auf diesen der Hauptton liegt, daher 
wohl auch die Stellung sanus non es (S. 86). Wie bedenklich es ist, Alles 
erklären zu wollen — eine Klippe, die auch Schneider nicht ganz vermieden 
hat — zeigt Amph. 402 hie homo sanus non est neben Merc. 951 hie homo 
non aanust, wo M. einen Bedeutungsunterschied herausfinden will. Bei der 
Stellung Gas. 346/8 dis sum fretus und deis sunt freti ist der nicht zu wider- 
legen, der die Wahl der unbetonten Versstelle für das ausschlaggebende 
Motiv hält (M. S. 95, vgl. Ottenjann, De vocum encliticarum collocatione, 
besprochen Glotta V S. 346). Doch muß Jeder, der sich mit dem Problem 
der lateinischen Wortstellung beschäftigt, die inhaltreiche Arbeit selbst 
lesen; ich mache u. A. auf die Erörterungen über nominale Ausdrucksweise 
(„Ellipse" von esse) S. 133 und über die „Apokope" amatu's, amatust S. 202 
aufmerksam. 



Literaturbericht für das Jahr 1912 359 

an den Satzanfang treten; dagegen kommt es im b. g. nicht vor, 
daß ganz unbetonte Worte hinter dem Verbum am Satzende stehen 
wie b. c. 3, 70, 1 quod haec 2)raeter speni acciderant eins. Drittens 
steht das Verbum oft an vorletzter Stelle, weil die letzte von einem 
betonten Wort eingenommen wird wie b. g. 1, 18, 3 quod illo li- 
cente contra liceri audeat nemo, häufig bei Zahlworten und Eigen- 
namen sowie dann, wenn das Schlußwort in syntaktischer Verbin- 
dung mit dem folgenden Satze steht wie b. g. 7, 12, 3 legati ad 
eum venissent oratum, ut . . Überaus wichtig aber für Caesars 
Stil ist die durch Rücksicht auf Deutlichkeit bedingte Stellung 
(S. 86 — 101). So steht das zu mehreren Satzgliedern gehörende 
Verbum voran, b, c. 3, 5, 3 praeerat Aegyptiis navibus Pompeius 
filius, Asiaticis D. Laelius usw. Dar Verbum tritt vor das er- 
weiterte Partie, coniunctum, b. c. 1, 42, 2 neque idcirco Caesar 
opus intermittit confisus praesidio legionum trium et munitione fossae, 
oder vor ausgedehntere adverbiale Bestimmungen, Infinitive (und 
AcL), oft sogar an den Anfang, b. g. 5, 47, 5 docet omnes equi- 
tatus . . . longe ab suis castris consedisse. Es bleiben einige wenige 
Beispiele, in denen rhetorische Rücksichten wirksam zu sein scheinen: 
Anaphora, unwillkürlich gebildete Klauseln. Zum Schlüsse wird 
die sehr häufige Stellung vor dem letzten Worte erörtert und auf 
die enklitische Natur des Verbums zurückgeführt, wozu stimmt, daß 
sie sich besonders beim Hilfsverbum esse und den einen Infinitiv 
regierenden Verben findet (s. o.). — Die Arbeit bedeutet, zusammen 
mit den im vorigen Bericht besprochenen von Ammann und Ahl- 
berg (S. 343), einen erheblichen Fortschritt in unserer Kenntnis 
der lateinischen Wortstellung; vielleicht wären Cl. Lindskogs Bei- 
träge zur Geschichte der Satzstellung im Latein (Lund 1896) mit 
Nutzen herangezogen worden. 

Kieckers behandelt in seinem Aufsatz über Die Stellung der 
Verba des Sagens in Schaltsätzen (Idg. Forsch. 30, 145) auch das 
Lateinische ziemlich eingehend. Wie im Griechischen, so ist auch 
im Lat. in einfachen Schaltsätzen die Stellung Prädikat — Subjekt 
die übliche: inquit Agrius; dicere zunächst nur, wo die Formen 
von inquit versagen, seit Petron auch ait ille, respondit Hannibas, 
exdamat Oenothea. Selten sind Erweiterungen, die gewöhnlich in 
einem Dativ bestehen (inquit vilicoXjic. rep. 1, 59). Wie im Griech. 
(H. Schöne Rh. Mus. 54, 633), so findet sich auch im Lat. die 
Trennung von Prädikat und Subjekt, z. B. Cic. Brut. 91 quid igitur, 
inquit, est causae, Brutus (vgl. Jahns und meine Anm.). Arnob. 
2, 55 p. 91, 13 ex elementis, inquiunt, et ex eorum inaequabilitate, 



360 Wilhelm Kroll 

sapientes. Ovid. am. 2, 9, 25 vive deus posito si quis mihi dicat 
amore (durch den Verszwang etwas verändert, vgl. Boldt De liberiore 
verb. coUoc. 158): Stellen, die bei K. fehlen, vgl. auch Stangl 
Tulliana 16. Frese Beitr. zur Beurt. der Sprache Cäsars S. 71. Doch 
findet sich auch inquit Stolo und Fälle wie Scrofa: prius, inquit, 
discernendum utriim . ., Letzteres namentlich bei Satzerweiterungen 
üblich wie Stolo subridens: dicam, inquit, eisdem verbis. Nicht er- 
wähnt finde ich den Fall, daß die Erweiterung beim Verbum steht 
(Jahn zu Cic. Brut. 300). Dieselben Beobachtungen kann man 
machen, wenn inquit im Nachsatze steht; in diesem Falle Trimalchio 
exclamat, also andere Stellung und anderes Verbum, bei Petr. 49, 5. 
Ferner kommt es vor, daß inquit ein vor der Rede stehendes Ver- 
bum des Sagens aufnimmt, wofür ich wieder Beispiele anführe, die 
bei K. fehlen. Plaut. Mil. 61 rogitahant: hicine Achilles est? inquit 
mihi. 178 ubi abit, conclamo: heus quid agis tu, inquam, in tegulis. 
CatuU. 63, 77 hostem Stimulans ita loquitur: agedum, inquit, age 
ferox (vgl. Bährens z. St.). Apul. met. 1, 21 ad haec ego risum (?) 
suhicio: benigne, inquam, et prospicue . . Filastr. p. 22, 16 dicit 
enitn ita: viginti quattuor, inquit, litterae sunt (vgl. 15, 2). Augustin. 
epist. 118, 2 ita scripsisti: Possem te, inquit, plus . . exorare. 
Spätere Beispiele bei Löfstedt Komm, zur Aeth. 229 (der angibt, 
daß nur Bonnet Latin de Greg. 715 diesen Gebrauch kurz kon- 
statiert habe; vgl. auch Hache, Quaest. archaicae, Bresl. 1907 S. 20). 
K. belegt die Gebrauchstypen, soweit möglich, auch aus anderen 
indog. Sprachen, namentlich auch aus dem Romanischen. 

Die Stellung von „deferred nouns" d. h. von in den nächsten 
Vers verschlagenen Substantiven und Adjektiven erörtert Prescott 
(Class. Phil. 7, 34), indem er von der griechischen Technik und 
zwar von Homer ausgeht. Die römischen Dichter stehen unter dem 
Einflüsse der hellenistischen Tradition, zuerst Ennius, bei dem sich 
15 Fälle finden: so A. 30 isque pium ex se | Anchisen generat. 
183 proletarius puhlicitus scutisque feroque \ ornatur ferro. Lukrez 
rückt das abgetrennte Wort oft weit in den nächsten Vers hinein, 
während CatuU und Vergil (Norden Aeneis VI S. 390) innerhalb 
der hellenistischen Technik bleiben. P. kommt zu dem Resultat, 
daß weder metrische Gründe noch solche der Betonung alle Er- 
scheinungen erklären, sondern die Konvention eine große Rolle 
spielt. Ich komme im nächsten Berichte anläßlich der Arbeit von 
Linpinsel auf die Frage zurück. 

Rhys Roberts (Class. Rev. 26, 177) macht einige Bemerkungen 
über Wortstellungen, die zur Vermeidung von Unklarheit {aio te 



Literaturbericht für das Jahr 1912 361 

Aeacida usw.) gewählt seien, z. B. Cic. Verr. V 21 totiens te se- 
natum Panormitanum adisse supplicem (mir zweifelhaft). 

7. Komposition. 

Mit der Systematik der Komposita beschäftigt sich H. W. 
Pollak in zwei kleinen Aufsätzen IF. 30, 55—64. Er sucht 
zuerst den Begriff der exozentrischen Komposita darin, 'daß sie in 
ihrem Bedeutungsinhalte den Begriff einer grammatischen Kategorie 
mitumfassen, der nicht im determinierten bzw. regierenden Gliede 
enthalten ist, wenn es sich um Unterordnung, nicht in irgend einem 
der Glieder, wenn es sich um Beiordnung handelt\ Sodann gibt 
er, von Delbrück ausgehend, auf logisch-syntaktischer Grundlage 
eine Einteilung der Komposita. 

Über die älteren Komposita haben wir eine ausführliche Arbeit 
von A. Grenier, Etüde sur la formation et l'emploi des composes 
nominaux dans le Latin archaique (Annales de l'Est 26, 2. Paris- 
Nancy, Berger-Levrault). Über das Morphologische zu urteilen 
fühle ich mich nicht berufen, habe aber nicht den Eindruck, daß 
der Verf. hier Neues zu bringen wünscht; auch mit den neueren 
Spekulationen über die Einteilung der Komposita setzt er sich nicht 
auseinander, sondern scheidet Worte, die einen Verbalstamm ent- 
halten, und solche, in denen er fehlt; nur unter den dichterischen 
Komposita erscheinen solche mit umgekehrter Reihenfolge (wie 
flexanimus). Neu ist aber der Versuch, die Komposita nach ihrer 
Herkunft in 6 Klassen zu scheiden: die der juristischen Sprache, 
der Religion, des Ackerbaus und der Handwerker, der Poesie, der 
Komödie (Plautus), und des Terenz. Worin die Mängel dieser 
Einteilung liegen, brauche ich nicht zu sagen; aber jede solche 
Einteilung wäre unvollkommen geworden, und diese ist nicht ohne 
Interesse. Aber freilich wird es einmal nötig werden zu scheiden, 
welche Bildungen in der lebenden Sprache zuhause waren und 
welche der Willkür einzelner Schriftsteller ihr Dasein verdanken. 
W^ir finden hier cordolium, ludificare, huslirapus, tragicomoedia unter 
derselben Rubrik (Plautus), also Bildungen von ganz verschiedener 
Herkunft. Wer eine umfassende Behandlung der lateinischen Kom- 
posita unternimmt, die ein dringendes Bedürfnis ist, wird an G.s 
Buch eine anregende Vorarbeit haben. 

W, Schönwitz De re praepositionis usu et notione (Diss. Mar- 
burg) bietet reiches statistisches Material, namentlich Tabellen, die 
alle Komposita mit re bis Ovid und ihr Vorkommen bei den ein- 
zelnen Autoren aufzeigen ; das spätere Latein wird nur summarisch 



362 Wilhelm Kroll 

behandelt. Von dem, was über die Bedeutung der Komposita mit 
re gesagt wird, ist das Wichtigste der Nachweis, daß die Dichter 
sie bisweilen aus metrischer Bequemlichkeit statt der Simplicia 
brauchen, z. B. Vergil recondere statt condere. Es fehlt jede Er- 
örterung der wichtigen Erscheinung, daß re die Bedeutung des 
Verbums in das Gegenteil verkehrt, wie bei redudere refigere reli- 
gare (Vahlen Ind. Berlin 1897); daher ist auch te recharmida Plaut. 
Trin. 977 nicht zu ändern, da es eben den erforderten Sinn „ent- 
charmidiere dich" hat. Für die formale Frage beruft sich Seh. 
auf die Ansicht von Birt, wonach in reddo und den Perfekta rec- 
cidi repperi reppuli rettudi rettuli die Form red steckt, und gibt 
ausführliche Nachweise über die (im Grunde nicht berechtigte) 
Schreibung repperio. 

M. Pokrowskij, Zur lateinischen Nominalkomposition IF. 31, 
282 — 285 behandelt benignus, das er wie malignus, privignus 'se- 
parat geboren' mit veoyvog zusammenstellt, ferner conseminus, -neus, 
-nalis, bei denen ein konkretes Nomen wie ein Nomen aktionis ge- 
braucht wird; bei armifer u. ä. gegenüber gr. -(pogog weist er auf 
die parallele Erscheinung im Slavischen hin, das zwar den Ablaut 
e : noch nicht verloren hat, aber in neuen Zusammensetzungen 
vielfach schon die e-Stufe im zweiten Gliede verwendet. Bei plusscia 
'Hexe' erinnert er daran, daß auch im Russischen jemand, der 
vieles weiß, ein Zauberer genannt wird. 

Hier sei auch kurz hingewiesen auf P. Linde, Die Fortbildung 
der lateinischen Schulgrammatik. 2. Wortbildungslehre (Programm 
Königshütte), der eine Lanze für die Berücksichtigung der Wort- 
bildungslehre in der Schule bricht und zusammenstellt, wie sich 
die vorhandenen Schulgrammatiken dazu verhalten. Auf wenigen 
Seiten gibt er auch eine Übersicht der Komposition, wie er sie 
sich für Schulzwecke geeignet denkt. Als ein Anfang ist das sehr 
erfreulich und scheint mir, der ich freilich in pädagogischen Fragen 
Laie bin, praktisch gut verwertbar. Über Einzelheiten zu rechten 
hat vorläufig keinen Zweck, doch sei bemerkt, daß patricida minde- 
stens nicht alt und vereinzelt ist. 

Sprachgeschichte 

Über den Zuwachs an InscJiriften berichte ich nach den 
N(otizie degli scavi) und Cagnat-Besnier, L'Annee epigraphique (A.). 
Der umfangreichste Text ist die römische Grabschrift der Allia 
Potestas von der Wende des 3. u. 4. Jahrh. (N. 156), deren Haupt- 



Literaturbericht für das Jahr 1912 363 

Interesse nicht im Sprachlichen Hegt (Kroll Philol. N. F. 27 S. 274). 
Doch notiere ich kurz V. 3 seriola Deminut. von seria. V. 8 fortis 
„stark", V. 9 munda domi sat munda foras „draußen". V. 11 
inreprehensa manehat, 22 anxia non mansit, 27 mansit et infamis 
(18 nitor in fade permansit eburneus Uli) haben wir manere „sein". 
V. 13 se tulit ad quietem, wo quetem gesprochen wurde. V. 16 
haec sihi non placuit „bildete sich nichts ein". V. 25 nil Uli pla- 
cuit nisi quod per se sihi fecerat ipsa wol durch suus sihi ver- 
anlaßt. V. 43 übernimmt Allius aus Ovid Tr. 1, 6, 36 carminihus 
vives tempus in omne tneis, gestaltet aber das Original um: versi- 
culis vives quandiucumque meis. V. 45 begegnet das seltene 
Fem. serta. 

Bedeutsamer sind die fünf Defixionstafeln der John Hopkins 
Universität, die W. Sherwood Fox herausgibt (Amer. Journ. of 
Philol. 33 Suppl.). Sie waren um einen 12 cm langen Nagel ge- 
wickelt, haben sich aber z. gr. T. von ihm losgelöst und sind in 
diesem Zustande arg zerstückelt gefunden, angeblich in Rom. Ver- 
wünscht werden vier Frauen, Avonia, Vesonia, Secunda und Aquil- 
lia, und ein Sklave der Avonia namens Plotius. Wahrscheinlich 
geht also die Verwünschung von einer Frau aus. Für alle fünf ist 
dieselbe Formel fast ohne Abweichungen benutzt; sie ist neu und 
eigenartig, wenn sich auch die Einzelheiten fast alle aus verwandten 
Monumenten belegen lassen. Angerufen wird Proserpina Salvia, die 
wir bisher nicht kannten, und in der F. die aiozeiQa erblickt; das 
ist möglich, da sie auch als Ackeruosia (so) angerufen wird. Vieles 
wirkt altertümlich, so die Schreibungen mit ei: deicere, sei, seine, 
seic, nei (daneben ni, niemals ne), sueis und die Endung us in pol- 
liciarus; illunc und illanc sind noch lebendig (an das 1, 43 von F. 
ergänzte ecillunc glaube ich nicht), ebenso außer dem drei- und 
mehrgliedrigen auch das zweigliedrige Asyndeton: illunc evincant 
vincant, scripsit mandavit, tradas mandes. Das paßt zur Datierung 
der Kursive an das Ende der republikanischen Zeit. Im Übrigen 
hebe ich hervor: virtus = Kraft, wohl Übersetzung von dvvafxLg, 
V. 3 eripias salutem corpus colorem vires virtutes Ploti. 37 ni possit 
Stare sua virtute (vgl. Löfstedt Aetheria 113. Cumont, Relig. Orient. 
297). In dem Satze V. 5 tradas illunc febri quartanae tertianae 
cottidianae, quas cum illo luctent deluctent ist außer aktivem luc- 
tare (alt: Neue 3, 53) die Verwendung von quas für den Nom. 
merkwürdig, weil sie sich zu den von Marx (Neue Jahrb. 24, 439) 
und K. Meister (Idg. Forsch. 26, 69) behandelten Fällen stellt 
(z. B. Pompon. 141 quot laetitias insperatas modo mi inrepsere in 



364 Wilhelm Kroll 

sinum. Ebd. 151 ego quod comedim quaero, has quaerunt quod 
cacent: contrariumst ändert man allgemein). Zu V. 12 7ne mittas 
arcessitiim canem tricepHem zitiert F. Fest. 156, nach dem die 
Alten me für mihi gebraucht hätten, was aber anders gemeint ist: 
es wird wirklich gemeint sein „laß mich den Cerberus holen". 
Dieser soll palmas, caricas, poreum nigrum erhalten, die als tres 
victimae zusammengefaßt werden. Es werden dann die einzelnen 
Glieder des Opfers der Proserpina überantwortet; dabei erscheinen 
auf der dritten Tafel die palpebrae als palpetrae in einer von Varro 
bezeugten und im Romanischen fortlebenden Form. Die Ohren 
heißen oriculae, der Nabel umhlicus. — V. 24 Proserpina Salvia, 
do tibi nares labra (auf Tafel III labras) oriculas nasum linguam 
dentes Ploti, ni dicere possit Plotius quid sibi doleat . . . pectus 
iocinera cor pulmones, ni possit sentire quit sibi doleat: es ist die 
alte Konstruktion von dolere, oft bei Plautus (Bennett Syntax 2, 
108). Zu V. 28 ni possit aliquit se adiutare vgl. die Beispiele, die 
C. F. W. Müller, Syntax des Nom. und Akk. 75 für aliquid adiu- 
vare gibt. V. 33 (do tibi) viscum sacrwn, nei possit urinam facere 
ist sowohl die Deklination von viscus als auch die Bezeichnung der 
vesica als viscus sacer (oder viscum sacrum) neu. V. 38 seiue plus 
seiue paruum scriptum fuerit, quomodo quicquid legitime scripsit 
mandavit, seic ego Ploti tibi trado mando. Hier ist die Schreibung 
paruum durch zwei Tafeln und quicquid dadurch gesichert, daß 
einmal quicqui, ein anderes mal q . . t erhalten ist. paruum muß 
parum „zu wenig" sein und sieht aus, als enthielte es eine Er- 
innerung an den Ursprung, quicquid steht für quidque wie etwa 
in der Lex agr. vom J. 111 Z. 32 utei quicquid quoieique ante 
h(anc) l(egem) r(ogatam) licuit (Neue II 511); auf der 2. u. 3. Tafel 
steht Z. 6 ni possit cogitationibus sueis hoc quicquid vitare statt 
quicquid est wie Catull. 68, 28; vgl. Sonny Arch. Lex. 11, 98. Müller 
zu Cic. III 1, 138, 11. Leo Plaut. Forsch. 289. Große Schwierig- 
keiten macht V. 43 male perdat male exset male disperdat, was 
nach F. = pereat exeat dispereat sein soll: eher ist Cerberus wieder 
das Subjekt, dem Proserpina das Opfer übergeben soll, und exset, 
dessen Anlaut nur einmal erhalten ist, steht für vexet. Am Schlüsse 
steht das archaische Aktivum contemplare. F. macht für die rö- 
mische Herkunft der Tafeln geltend, daß der Name Avonia be- 
sonders in Rom vorkommt, was vielleicht trügerisch ist (vgl. W. 
Schulze Zur Gesch. lat. Eigenn. 72). Vendryes, der Rev. de Phil. 36 
S. 203 über die Sprache der Tafeln handelt, hält den Nom. quas 
für einen Provinzialismus, und indem er an ähnliche marrucinische 



Literaturbericht für das Jahr 1912 365 

und pälignische Formen erinnert, möchte er die Texte auf einen 
marsischen Zauberer zurückführen. Das Fundament für diese 
Hypothese ist doch nicht recht haltbar. 

Aus den übrigen notiere ich kurz einiges AuffäUige, zunächst 
aus der Laut- und Formenlehre. N. 46 (Rom, Via Pinciana) be- 
gegnet die Schreibung huzus statt huiiis, für die Mancini weitere 
Belege beibringt. In einer Wahlempfehlung aus Pompeji N. 136 
treten die quactiliari auf, d. h. coactiliari „Filzfabrikanten", ebenso 
N. 188 Nr. 29: Beispiele bei Della Corte zu ersterer Inschrift und 
im Thes. Die synkopierte Form naucla (navicula) steht mehrmals 
in den Quittungen über Öl auf Ostraka aus Karthago, die der Zeit 
um 373 n. Chr. angehören (Cagnat und Merlin, Journ. des Sav. 
1911, 514). Die Analogiebildung emitum {^iait emptum) findet sich 
^n dem Columbarium der Via Labicana N. 123 Nr. 11. Ebd. 124 
Nr. 17 die Genitivbildung Cryseronis, N. 24 der Dativ Eroni. In 
einem anderen benachbarten Columbarium der auf Inschriften nicht 
seltene Sing, delicium (N. 90 Nr. 33). In Pompeji haben 4 Ge- 
nossen die Erinnerung an ihr feines Collegium verewigt: Coelius 
cum Rufio et Eburiolo et Fausto [frjatrahiliter (vgl. CIL 4, 659). 
Wichtiger ist die Cippus-Inschrift aus Rom: Sacrum Dianae Sil- 
vano Bonadiae N. 313, wo Bonadia ein Kompositum geworden ist 
wie Diasuriae CIL 3, 10393 (Jacobsohn, Charites 417), deutsch 
„des Grund und Bodens" (Paul Prinzipien § 230). Aus Syntax 
und Wortbedeutung hebe ich hervor A. 60 Nr. 194 (Tirnovo) ex 
Votum posuit und A. 87 Nr. 300 (Ulmetum in Moesia) pro salutem 
suorum. Den Genitiv zur Datierung benutzt die Inschrift aus 
Lambaesis A. 7 Nr. 19 Gymnasium (d. h. gymnastische Spiele) 
quodannis III iduum Aprüium hie praehetur (älter als die Bei- 
spiele bei Konjetzny Arch. Lex. 15, 329). Der durch Büchelers 
Behandlung berühmt gewordene Gebrauch des Part. Praes. in pas- 
sivem Sinne findet sich A. 14 Nr. 46 (Lyon) : infanti dulcissimo et 
desiderantissimo non solum a parentibus, sed et ab amicis, qui 
amissionem eiius flagitant (was nicht heißen wird „sie fordern seine 
Freigabe von den Unterirdischen", sondern „sie machen seinen 
Verlust zu einem Gegenstande des Vorwurfes"). Ebenso N. 158 
Nr. 6 (Rom Via Salaria) M. Ulpius Aug. üb. Spende fratri suo et 
Ulpia Successa pientes semper mihi desiderantissimo. Für das Ein- 
dringen von yiaza liefert ein Beispiel A. 63 Nr. 211 (Henchir-el- 
Kohl, Tunis) lulia Artemis C. liberta domo Alexandria Cataegipto, 
wie in den meisten Fällen eine direkte Übertragung aus dem Grie- 
chischen. Merkwürdig ist die Verwendung von ut in A. 14 Nr. 46 



366 Wilhelm Kroll 

(s. 0.), wo es nach flagitant weitergeht: q(ui) vixit annis VI m. 
1 d. X ut subita valetudine sit abreptus (was heißen muß „zu 
welcher Zeit er starb"). Quod „weil" mit dem Konj. braucht eine 
Inschrift aus Commodus' Zeit aus Oehringen Rom. Germ. Korr. 
1912, 2 quod aqua non esset, induxit per Jul. Demetrianum. Nicht 
aufifallend sind die Beispiele für den Verfall des Komparations- 
systems, N. 92 (Rom, Via Nomentana) hom(ini) innocentissimo et 
[injcomparabili, Ebd. 327 (Rom) uxori sanctissimae et incompara- 
bili. Ebd. 379 (Rom, Via Nomentana, 1. Jh. n. Chr.) patri optimo 
et indulgenti. A. 49 Nr. 146 (Tunis) Memoriae Victoriae genio 
concordiae castitatis indufstriae] frugalitatis supra quam cuiquam 
credibüest dulcissime atquamantissimae sponsae (doch ist vielleicht 
nach genio zu interpungieren und der Satz mit supra gehört zu 
den Genet. quäl). In N. 18 (Columbarium an Via Labicana) Nr. 11 
libertis libertabusque posterisque suorum liegt eine Mischung von 
suis und eorum vor. Was den Wortgebrauch angeht, so scheint 
N. 381 merkwürdig: D. M. Darnas fecit coiugi Daphnidi quae abuit 
ad Nymfas posita cum filis suis. Hier liest Paribeni (h)ab(ita)vit 
und denkt an die in Rom bezeugte Lokalität ad Nymphas. Man 
könnte vielmehr an habere = habitare denken; aber es ist wohl 
abiit gemeint und der Tod des Ertrinkens bezeichnet (Türk De 
Hyla 72. CIL 3, 686, 19). A. 29 Nr. 99 (Tarraco) findet sich das 
seltene Wort comptus (ad comptum civitatis). A. 10 Nr. 30 (Thu- 
burnic) legatione ae[que] Italica et gratuita suscepta post explc- 
tionem rediens col. Ostiis defunctus est erklärt man explicitionem; 
sollte nicht expletionem gemeint sein? — Die Stadt Thuburbo Maius 
in Numidien hat im J. 212 exceptoria .... iana a solo p(ecunia) 
p(ublica) errichtet: wohl ein Amtslokal für die exceptores? — de- 
cumbere ,, ruhen" A. 56 Nr. 176 (Madaura) quere piam sedem: hie 
enim sepulti decumbunt. — In Tiaret errichtet ein Aedil ein pon- 
derarium (A. 52 Nr. 156), ein „Aichamt" (Michon Dar. Saglio 4, 
547). Aus den Bezeichnungen für Handwerke nenne ich die in- 
fectores in Pompeji (N. 139, Walempfehlung) und die stuppatores 
resftionejs in Ostia N. 278. Zu Zweifeln Anlaß gibt die Wal- 
empfehlung aus Pompeji N. 220 L. Popidium L. F. Ampliatum ae- 
d(ilem) Montanus cliens rogat cum latruncaris: da für Pompeji ein 
besonderes Kollegium von Damenbrettfabrikanten kaum anzunehmen 
sei, möchte Della Corte hier lieber einen Spielverein erkennen. Im 
Columbarium an Via Labicana begegnet eine lanipenda Lucretia 
Thalaxa. — Endlich will ich zwei signa notieren; A. 14 Nr. 46 
(s. 0.) beginnt: D. M. et memoriae aeternae C. Marti Valeri qui 



Literaturbericht für das Jahr 1912 367 

et Viventi vano siyno cognominatus und A. 58 Nr. 184 M. Baebio 
Celeri qui et Bato (ein illyrischer Name). 

°Poukens, Syntaxe des inscriptions latines d'Afrique (Musee 
Beige 16, 185. 241). Ich verweise schon jetzt auf die im nächsten 
Bericht zu besprechende Arbeit von Friese. 

Die seit dem Abschlüsse von Büchelers Sammlung hinzuge- 
kommenen inschriftlichen Gedichte hat E. Engström gesammelt 
(Carmina latina epigraphica, Götaborg-Leipzig, Harassowitz) , ein 
nützliches Unternehmen, das in verständigem Anschluß an Bücheier 
mit der wünschenswerten Sorgfalt durchgeführt ist. Es ist auch 
nur zu billigen, daß E. sowohl in der Aufnahme später Gedichte 
als auch in der Annahme metrischer Fassung weit gegangen ist: 
ich glaube freilich nicht, daß N. 6 Felicem Aufidium felicem semper 
deus faciat durch Weglassung von Aufidium zum Senar wird oder 
daß sich hinter Cacator sie valeas, ut tu hoc locum traseas (N. 14) 
ein Vers verbirgt; auch aus 87 bene fideliterque laborabit et fato 
cessit kann ich nicht, indem ich laboravit durch ein Verbum der 
Form _ u _ w ersetze, einen trochäischen Septenar herstellen. Zu 
32 ut decet parenti filius fecit suo bemerkt E. „pes primus creticus", 
als ob das lambenkürzungsgesetz nicht existierte. Zum Nachweis 
der poetischen Vorbilder füge ich hinzu, daß 173 Salve sancte, 
iterum luli salvete recepti (so zu schreiben) cari Herum cineres = 
Verg. Aen. 5, 80 ist, 207 si fata dedissent = 11, 112, 219, 8 si 
fata fuissent = 2, 433. Für Laut- und Formenlehre ergibt sich 
bei der späten Zeit, aus der die meisten Inschriften stammen, Vieles 
von der Norm abweichende, aber wenig wirklich Interessantes; auch 
genügen hier E.s Mitteilungen über die Überlieferung nicht immer. 
383, 7 sagt Jemand von seiner Gattin: mihi in conu(i)uio per 
annos XX XX, wozu E. bemerkt seil, iuncta. Aber gemeint ist 
conubio. Syntaktisch hebe ich hervor 30, 2 rogo ne velis tribus 
sepulchris molestari. 240, 4 quem ambulo et quero miser, von 
Hirschfeld richtig erklärt, gehört zu cultrum fures venisse atque 
abstulisse Plaut. Aul. 95 (dazu Vahlen Herrn. 15, 261. Boldt De libe- 
riore coUocatione verborum 176. Hache Quaest. archaicae 32). 
267, 5 et comitatus (von Victoria) agas provedus gaudia palmas 
ist provedus Acc. plur. des Nomens. 337, 2 fatale hoc vitium est 
parcere te puero ,,es ist die Schuld des Schicksals, daß es dich den 
Knaben überleben läßt". 369, 5 cette deo patrium dedamus honorem 
kennt der Dichter das seltene Wort ebenso wie boare V. 6 wohl 
aus Glossaren. 370, 3 corpus ut terram manere, spiritum celum 
sequi liegt das von Bährens Beitr. 468 nachgewiesene ut mit Acl. 



368 Wilhelm Kroll 

vor. 397, 5 quae duxit seciim honos et gloria sollen Akk. sein 
(der Tod der Gattin hat sein Leben zerstört). Das drollige Epi- 
mythium der Grabschrift 412 tu qui legis vade in Apollinis lavari, 
quod ego cum coniuge feci: vellem (sc. facere), si adhuc possem ist 
so zu interpungieren: wie soll denn feci für facere oder fecisse 
stehen? Vgl. die Bemerkungen von Lundström Eran. 13, 1 und 
Löfstedt Rh. Mus. 67, 209^). Dieser macht u. A. zu 189 ut iremus 
properes ad nostrum immaturum tuendum auf die häufige Ellipse 
von p,lius (z. B. bei unicus) aufmerksam, ferner zu 358, 8 cui co- 
niunx moriens non fuit alter amor auf den Nomin. absol.^). 

Cicero, Es scheint, daß wir allmählich zuverlässige kritische 
Ausgaben erhalten sollen. Im Berichtsjahre ist eine solche des 
Cato maior von K. Simbeck erschienen (Leipzig, Teubner). Da 
die Überheferung gut ist und die paar Verschreibungen meist sicher 
emendiert sind, so kam es darauf an, den Bestand der Überliefe- 
rung festzustellen und in bequemer Weise vorzulegen, eine Aufgabe, 
die S., ein Schüler Vollmers, trefflich gelöst hat. 

Eine Ausgabe sämtlicher Ciceroscholiasten verdanken wir 
Th. Stangl (Ciceronis orationum scholiastae rec. St. Vol. 2. Wien- 
Leipzig, Freytag & Tempsky). In der Hauptsache sind es Asconius, 
Pseudo-Asconius, der Scholiasta Bobiensis und Gronovianus, die 
man hier seit der Baiter-Orellischen Ausgabe zum ersten Male 
wieder vereinigt liest. Ist schon das sehr erfreulich, so noch mehr 
die minutiöse Sorgfalt, die St. auf diese Ausgabe verwendet hat; 
denn er hat nicht nur sämtliche Handschriften neu verglichen, 
sondern auch alle nur irgendwie auf diese Texte bezügliche Lite- 
ratur durchgearbeitet und unter dem kritischen Apparat einen 
zweiten angelegt, der außer dem Nachweis der Zitate und den 
Parallelstellen Material zur historischen Erklärung enthält. Das 
ist alles sehr schön, aber ein wenig weitschichtig, und wenn man 
erfährt, daß nicht bloß ein erster, sondern auch ein dritter Band 

1) L. macht, wie ich nachträglich sehe, z. T. dieselben Bemerkungen 
wie ich. 

2) Nur kurz hinweisen will ich auf Eugene Stock McCartney, 
Pigurative Uses of Animal Names in Latin and their Application to Mili- 
tary Devices (Diss. Philadelphia, Lancaster). Hier wird der (in allen 
Sprachen vorkommende) Gebrauch von Tiernamen für Werkzeuge nament- 
lich militärischer Art eingehend besprochen ; interessant ist, daß diese Be- 
nennungen volkstümlich sind und daher von manchen Schriftstellern ge- 
mieden oder mit Vorsicht eingeführt werden. So spricht Vegetius 2, 25 von 
ferreos karpayonas, quos lupos vocant, und Tacitus geht solchen Worten aus 
dem Wege. 



Literaturbericht für das Jahr 1912 369 

folgen sollen, so ist das keine ungetrübte Freude. Immerhin kann 
dieser zweite, freilich auch recht kostspielige Band auch für sich 
bestehen. Das sprachliche Fazit sollen die Indices des dritten 
Bandes ziehen, aber St. hat auch hier schon in den Anmerkungen 
manche sprachlichen Nachweise gegeben. 

F. Patzner, De parataxis usu in Ciceronis epistulis praecipuo 
(Dissert. philol. Vindobon. <J, 119—184. 1910!), will das Thema 
nicht erschöpfen, sondern nur die Parataxe bei Verben behandeln, 
die einen Finalsatz oder Akk. c. Inf. bei sich zu haben pflegen. 
Er gliedert das Material nach Verben mit Willensbedeutung, Verba 
dicendi und sentiendi und unpersönlichen Ausdrücken wie licet 
oportet. Innerhalb dieser Abschnitte werden die einzelnen Verba 
alphabetisch aufgeführt. Der Benutzer hat Mancherlei zu sichten: 
ßlio dixeram librum tibi legeret (ep. 6, 7, 4) u. Ä. gehört zu den 
Verben mit Willensbedeutung; ecce ist kein Verbum und iurat ita 
sibi parentis honores consequi lice.at (Att. 16, 15, 3) enthält keine 
Parataxe, da der Inhalt des Schwures nicht mitgeteilt ist. Von 
besonderer Art sind die Fälle mit cave existimes usw., in denen 
cmie beinahe zur Konjunktion geworden ist und eine merkwürdige 
syntaktische Verschiebung stattgefunden hat. 

Parzinger, Beiträge zur Kenntnis der Entwicklung des Cice- 
ronischen Stils, 2. Teil (Progr. Dillingen, Landshut), setzt seine 
fleißigen und nützlichen Beobachtungen fort, die er in Syntaktisches, 
Phraseologisches (!) und Stilistisches gliedert, wobei unter letzterer 
Rubrik kontrahierte Verbalformen und Klauselrhythmus aufgeführt 
werden. Das Hauptverdienst des Verf. besteht in der Durcharbei- 
tung der Literatur, aus der er nur allzuviel aufgenommen hat, ohne 
es gründlich zu verarbeiten und das für seinen Zweck Unbrauch- 
bare auszuscheiden. Wer über bloße Zusammenstellungen, die nur 
einen vorläufigen Wert haben, hinauskommen will, muß vor Allem 
auf die verschiedene Stilisierung der verschiedenen Schriften achten 
und auf das Hervortreten des Purismus nach der frühesten Periode, 
wofür die Tatsachen durch Hellmuth und Landgraf trefflich ge- 
sammelt sind. Die Dinge liegen hier so verwickelt, daß Tabellen, 
wie sie P. gern gibt, uns meist nicht viel lehren, daß oft die ein- 
zelne Stelle einer Erläuterung bedarf, die eigentlich nur in einem 
Kommentar gegeben werden kann. 

Vergil. Mackail, Virgils Use of the Word ingens (Gl. Rev. 
26, 251), sucht zu zeigen, daß ingens bei Vergil keineswegs immer 
„ungeheuer" u. dgl. bedeute, sondern daß dem Dichter in vielen 
Fällen eine Etymologie vorschwebe, nach der das Wort = ^ingenens 

Glotta VI, 4. 24 



370 Wilhelm Kroll 

sei, das dasselbe bedeute wie innatus („engendered"). So übersetzt 
er Aen. 5, 172 exarsit iuveni dolor ossibus ingens „engendered in 
bis boiies" usw. Ich kann das nicht für richtig halten, während 
Conway im Anschlüsse an M.s Aufsatz S. 254 den Gedanken für 
richtig erklärt und nur an die Ableitung von ingenens nicht glaubt, 
sondern an ingenuus erinnert, 

Livius, Von R. B. Steele Gase Usage in Livy ist im Be- 
richtsjahre das 3. Heft erschienen (The Accusative. Leipzig, Brock- 
haus). Ich kann auf das Glotta V 355 Gesagte verweisen, hebe 
aber auch hier die große aufgewendete Mühe hervor. Wer festzu- 
stellen sucht, worin Livius geneuert hat und was er der poetischen 
Syntax verdankt, wird Steeles fleißige Sammlungen gern benutzen; 
aber dare operam und dare negotium gehören nicht zusammen, 
und bei aller Hochachtung vor der Statistik vermag ich nicht ein- 
zusehen, welchen Nutzen die Aufzählung der mit Ortsakkusativen 
verbundenen Verben bringen soll. 

Vitf*iivlus, Von diesem sprachgeschichtlich wichtigen Autor 
hat uns F. Kr oh n eine neue Ausgabe bescheert (Leipzig, Teubner), 
für die er dieselben Handschriften wie Rose benutzt, aber neu ver- 
glichen hat. Den Text hat er sehr energisch durchgearbeitet, so 
daß sich jede künftige Beschäftigung mit Vitruv mit seiner Text- 
gestaltung auseinandersetzen muß. In der Vorrede begründet er 
den Ansatz der Schrift vor der Schlacht bei Actium und erklärt 
die widerstrebende Stelle 5, 1, 6 — 10, in der der Beiname Augustus 
vorkommt, für interpoliert. 

°Tosatto, De ablativo apud Valerium et Florum et Justinum 
(Padua, Drucker). 

Apuleius. J. V. Geisau, De Apulei syntaxi poetica et 
graecanica (Diss. Münster), bildet den ersten Teil einer Arbeit, die 
vollständig in den Indog. Forsch, erscheinen soll. v. G. will die 
Lücke ausfüllen, die Leky in seiner Arbeit De syntaxi Apuleiana 
absichtlich gelassen hatte, und steht vor der schwierigen Aufgabe, 
Gräzismen und poetische Wendungen von einander zu scheiden. 
Er geht dabei vorsichtig zu Werke, und wenn trotzdem Zweifel 
bleiben, so will das nicht viel besagen: wenn nur die Frage erst 
gestellt ist. So will v. G. in der Weglassung eines Komparatives 
vor quam weder einen Archaismus noch einen Gräzismus erblicken, 
und vielleicht ist es etwas von beidem. Ausführlich behandelt wird 
der poetische Plural; von Gräzismen hebe ich sie nach einem Par- 
tizip hervor (met. 6, 18 expetens portorium sie . . deducit), während 
est ut (met. 2, 3 numquam. erit ut non apud te devortar) fälschlich 



Literaturbericht für das Jahr 1912 

dazu gerechnet wird. Hoffentlich kann bald die ganze Arbeit be- 
sprochen werden. 

JPs. Quintilian. °Tosatto, Studio sulla grammatica e 
lingua delle declamazioni maggiori Pseudoquintilianae (Intra, Berto- 
idtti)^). 

Gaius. Von F. Knieps Gaius ist der zweite Band erschienen, 
enthaltend den Commentarius secundus §§ 1 — 96 (Sachenrecht). 
Text mit Vorwort, Erklärung und Anhängen (Jena, Fischer). Wäh- 
rend die Erklärung sich nur auf das Sachliche bezieht, enthalten 
die unter dem Text gegebenen Bemerkungen auch sprachliche Be- 
obachtungen, die teils der Textgestaltung zur Rechtfertigung dienen, 
teils K.s Hypothese von einem ürgaius unterstützen sollen; am 
Schlüsse findet man auf vier Seiten den von K. herausgeschälten 
Grundstock abgedruckt. 

Hihel, Eine Übersetzung des Psalters hat aus Cod. Ca- 
sinens. 557 aus der Zeit um J. 1166 M. Amelli herausgegeben 
(Liber Psalmorum iuxta antiquissimam latinam versionem = Col- 
lectanea Biblica latina cura et studio monachorum S. Benedicti. 
Vol. I. Rom, Pustet). Die Handschrift enthält den Psalter viermal, 
und während die drei anderen Texte das Psalterium Hebraicum, 
Gallicauum und Romanum wiedergeben, ist der dritte, den Amelli 
herausgibt, eigenartig und entspricht nach seiner Meinung einer 
alten afrikanischen Übersetzung. An sich ist das nicht unmöglich, 
und Amelli hat sich redliche Mühe gegeben, allerlei Beweismaterial 
dafür zusammenzubringen, das in einer Reihe von Anhängen dem 
Leser nicht gerade bequem vorgelegt wird. Nicht Alles ist stich- 
haltig, und die Kenner dieser Literatur werden A.s Gründe genau 
nachprüfen müssen. Die Vorstellung vom afrikanischen Latein 
spukt in gewissen Regionen noch immer. 

Aetheria. Pfister, Zum Sprachgebrauch der Silvia (Woch. 
klass. Phil. 29, 196) handelt über den Konjunktiv statt Infinitiv in 
indirekter Rede (die beiden in Betracht kommenden Stellen sind 
von den Herausgebern geändert, lassen sich aber durch Parallelen 



1) Da italienische Gelehrte manchmal über die Nichtberücksichtigung 
ihrer Arbeiten durch die deutschen Fachgenossen klagen, so möchte ich 
feststellen, daß ich weder von dieser noch von der anderen Arbeit Tosattos 
ein Eezensionsexemplar erhalten konnte. Mir ist auch keine Besprechung 
seiner Arbeiten bekannt geworden, nach der ich über den Inhalt berichten 
könnte ; sie scheinen also unter Ausschluß der Öffentlichkeit erschienen zu 
sein. Die Akademie-Schriften, in denen die Abhandlungen von Gubernatis 
und Easi erschienen sind, sind auf der hiesigen Bibliothek nicht vorhanden. 

24* 



372 Wilhelm Kroll 

aus Gregor usw. stützen) und den umgekehrten Fall: Infinitiv statt 
des von einer Konjunktion abhängigen Konjunktivs, der sich ähn- 
lich in der Koine findet (vgl. Löfstedts Kommentar S. 251). 

Von Commodians Instructiones hat J. Durel eine Ausgabe 
veröfi'entlicht und gleichzeitig einen Band Untersuchungen: Com- 
modien. Recherches sur la doctrine, la langue et le vocabulaire du 
poete (Paris, Leroux). Dem Text ist eine Übersetzung und ein 
nicht eben reichhaltiger Kommentar beigegeben; der vorausge- 
schickte kritische Apparat bringt nur die Abweichungen von Dom- 
barts Text. Verf. setzt Commodian ins 3. Jahrh. und sieht in 
seiner Sprache die des damaligen Afrika. Obwohl er allerlei ge- 
sammelt hat, fehlt es ihm doch an der nötigen Schulung und an 
Kenntnis der sprachgeschichtlichen Literatur; was Commodian 
speziell angeht, so ist ihm außer anderen (bei Teuffel § 384 ge- 
nannten) Arbeiten die leider auch dort übersehene tüchtige Bres- 
lauer Dissertation von H. Scheifler, Quaestiones Commodianeae 
(1908) entgangen, die überall mehr in die Tiefe geht. Auch die 
Ausgabe ist das Werk eines Dilettanten. 

Helge Ahlquist, Kritisches zur Mulomedicina Chironis. Eranos 
150 — 169 enthält manche rein sprachliche Beobachtung, z. B. über 
laxari für laxare, salvaticus für süraticus, luhrica für rubrica, re- 
probrare für reprobare, die einen Tag, Perfekta auf -ui wie con- 
vertui, terui, subvenin\ auf -i wie dispergi, eregi, accedi, plaudi; 
über quod numerum, eliberare, conspartus, oleum malinum, saga- 
pemen, expito für expuito, concordia als Pflanzenname, maligrani 
für granati. 

Vulgärlatein. Reiche Belehrung bietet M. Niedermanns 
Vortrag Über einige Quellen unserer Kenntnis des späteren Vulgär- 
lateinischen (Neue Jahrb. 29 S. 313), in dem besonders medizinische 
Literatur ausgebeutet wird, nämlich Chiron, Marcellus, Anthimus 
und die Übersetzungen des Oribasius und Dioskurides. Es werden 
namentlich solche Erscheinungen besprochen, die sich im Romani- 
schen fortsetzen, und reiche Belege aus den romanischen Sprachen 
gegeben: so die Dissimilation (prudire, radus statt pnirire, rarus)^ 
Metathesen {crancus, porcada, Spgche aus Cancer, portulaco, Psyche), 
Flexionswechsel {nervia statt nervi, olivus „Olivenbaum"), cadere, 
innigere, flortre. Aus der Wortbildung Vertauschung von pro und 
jjrae (profocare Chir. 29, 29), ab und ob (obripia statt abrepta 
CIL 8, 21284); retrograde Bildungen wie morsicus „Biß", stermitus 
„Niesen", inclinus ,, geneigt", Rekomposition in decadere, conspar- 
gere, repremere. Aus der Syntax post ,, nachdem" (Soran. 40, 1 



Literaturbericht für das Jahr 1912 373 

quid faciemus, si post lac biberit, frequentius ploret?), der Über- 
gang aus einem Relativsatz in einen Hauptsatz (Chiron. 51, 18 
alii artriteni hunc vocant graece . . quem et alii hunc morbum su- 
spirium dixerunt), die Verwendung transitiver Verba in intransi- 
tivem und reflexivem Sinne. Aus dem Wortschatz das Vordringen 
der Intensiva und Doppelkomposita, die Neigung zur Periphrasis 
(Chiron sagt odinm facit, wo Vegetius fastidit, jener vena ruptionem 
patitiir, dieser vena rupta est), der Verfall der Komparation, die 
Fälle umgekehrter Sprechweise (ruptatio für ructatio, ieptare und 
fluptare, die Grundformen zu frz. jeter und flotter, statt iectare und 
fluet(u)are. N. spricht es selbst aus, daß auf diesem Gebiete mit- 
zuarbeiten in erster Linie der Romanist berufen ist; jedoch hat 
die Erfahrung gerade der letzten Jahrzehnte gezeigt, daß sich auch 
der klassische Philologe hier nützlich betätigen kann. 

Über sprach- und stilgeschichtliche Parallelen zwischen Grie- 
chisch und Lateinisch plaudert anregend und geistreich 0. Immisch 
(Neue Jahrb. 29 S. 27). Ich weiß nicht, ob er das 1896 erschienene 
Buch von Körting „Neugriechisch und Romanisch" absichtlich nicht 
genannt hat (was zu begreifen wäre): immerhin liegt dort für die 
spätere Entwicklung, mit der sich I. besonders befaßt, reiches 
Material vor. Ich brauche nicht zu sagen, daß ich die von I. ge- 
triebene und empfohlene parallelisiereude Betrachtungsweise der 
beiden Sprachen durchaus billige; auf Einzelheiten einzugehen hat 
angesichts einer fast durchweg nur andeutenden Skizze keine eigent- 
liche Berechtigung. Jedoch sei etwas Prinzipielles herausgehoben. 
I. wendet sich gegen die allzu scharfe Scheidung von Schrift- und 
Volkssprache: schon in urzuständlichen Zeiten finde sich die Nei- 
gung zu höherer Stilisierung. Er denkt dabei, wie mir vorkommen 
will, zu sehr an das, was entweder Literatur ist oder werden kann 
und was die eigentliche Weiterentwicklung der Sprache, also die 
von Lateinisch zu Romanisch, nur zum kleinsten Teile bedingt. 
Ihr reichstes Leben führt die Sprache im Verkehr des Volkes unter 
sich, und diese Umgangssprache des Alltages ist der Träger der 
breiten historischen Entwicklung, über die uns alle Aufzeichnungen 
(auch die sogen, vulgären) nur mangelhaft unterrichten. Ich halte 
immer noch für richtig, was ich Rh. Mus. 52, 572 darüber gesagt 
habe. Einem Schreiber kann ein Archaismus wie rccqoq, in die 
Feder kommen, aber ich bezweifle, daß er das Wort in den Mund 
genommen hätte. Umgekehrt kann ich, wenn Tacitus A. 2, 69 
malefica für Zaubermittel braucht, darin keine Entgleisung in die 
Volkssprache sehen, die ich Tacitus überhaupt nicht zutraue. Na- 



374 Wilhelm Kroll 

türlicli befinden sich Schrift- und Volkssprache in einer dauernden 
Wechselwirkung: aber das Romanische aus einer lateinischen Koine 
etwa der Zeit um Christi Geburt abzuleiten, die auch aus der 
Literatursprache Manches aufgenommen hätte, kann ich mich nicht 
entschließen. — Einen gewissen Widerspruch mit dieser Auffassung 
finde ich in dem, was I. über die Entwicklung der lateinischen Be- 
tonung sagt. Er stimmt hier Abbot zu, der die dynamische Be- 
tonung der niederen, die tonische der höheren Schicht zuweist und 
sie als eine durch griechische Muster und Regeln hervorgerufene 
Episode in der lateinischen Sprachgeschichte auffast. Ich kann 
nur mit Skutsch sagen (Glotta I 399): ,,Ich kann mir das zu 
meinem Bedauern nicht recht vorstellen". Eine solche Beeinflus- 
sung zweier Sprachen kann ich mir nur in einem ausgeprägt doppel- 
sprachigen Gebiete, also namentlich an der Sprachgrenze denken, 
mir aber nicht vorstellen, daß alle griechischen Muster und Regeln 
selbst einen gebildeten Römer zu einer Änderung seiner Betonung 
veranlaßt haben. Über das Mißverständnis von Cic. Orat. 17o ver- 
weise ich auf meinen Kommentar. Im Einzelnen geht dann I. bei 
der Frage: Konvergenz oder Gräzismus? mit erfreulicher Besonnen- 
heit zu Werke. Doch beweist m. E. eine Übersetzung wie die von 
Luc. 1, 14 EJTi xfj ysvvijaei avcov durch in nafivitate eins wenig, 
da das Streben der Bibelübersetzer nach wortgetreuer Wiedergabe 
zu allerlei Verlegenheitsauskünften treibt: ob das betr. Wort wirk- 
lich volkstümlich war, ist meist nur aus dem Romanischen mit 
Sicherheit festzustellen, und das kennt nativitas nicht. Im Übrigen 
zweifle ich nicht, daß seine feinen Bemerkungen (z. B. über den 
Einfluß des hellenistischen Barockstiles auf die silberne Latinität) 
Viele zum Nachdenken anregen werden. 

Einen ähnlichen Zweck verfolgt F. Pfister mit seinem Auf- 
satz ,, Vulgärlatein und Vulgärgriechisch" (Rh. Mus. 67, 195 — 208). 
Er bietet viel Lehrreiches, bevorzugt aber auffallend den von ihm 
herausgegebenen Archipresbyter Leo, der ins 10. Jahrh. gehört 
und eigentlich nicht als eine Quelle für Vulgärlatein bezeichnet 
werden kann- Schließlich kommt man doch um das Altlatein nicht 
herum, z. B. verweise ich für die Verwendung von qui als Inter- 
rogativum und von giiis als Relativum auf Glotta lil S. 3 und auf 
plautinische Fälle wie Cist. 707 plus qui vocat seit quod ve.lit quam 
ego quae vocor. Rud. 1355 mens arbitratust, lingua quod iuret mea. 
Mit Recht betont Pf. den vulgären Charakter des zum Ersätze des 
Aoristes gebrauchten coepi: er wird am deutlichsten durch die 
massenhafte Verwendung bei Petron (vgl. Friedländer S. 200 und 



Literaturbericht für das Jahr 1912 375 

Segebade-Lommatzsch im Lexicon), Das Anakoluth ist nicht bloß 
„in gewisser Weise", sondern überhaupt (soweit es nicht rhetori- 
sches Raffinement ist) für die Volkssprache charakteristisch; für 
den Nominativus pendens verweise ich auf Bell. Afr. 25, 1 rex 
Juba cognitis Caesaris difficultatihus . . non est visum dari spatium 
(wo Cellarius und leider auch noch Schneider regi Juhae einsetzen). 
Hierher gehört Verg Aen. VI 541 dextera qiiae Ditis magni sub 
moenia tendit, hac itfr Elysium nobis (uud umgekehrt Vit. Hadr. 
3, 11 Traiani ei famüiaritas crebuit . . . usus Plofitiae quoque 
favore). Mit Recht parallelisiert Pf. den lateinischen und den grie- 
chischen Nom. absol., und in einem großen Teile der Fälle liegt 
sicher ein Gräzismus vor; vgl. außer dem von Ahlquist Stud. zu 
Chiron 53 gesammelten Material Apul. met. 9, 34 terra dehiscens 
imitus largissimus emicuit sanguinis fons (wo Helm mit Früheren 
den Akk. herstellt). Hist. Apoll. 59, 5. 112, 15. Dietze Quaest. 
Hygin. 16. 

Lexikograjyhie, Von der achten „vermehrten und ver- 
besserten" Auflage des K. E. Georges sehen Handwörterbuches, 
die der Sohn des Lexikographen H. Georges besorgt, ist der erste 
Halbband (A — contentio) erschienen (Hannover, Hahn). Das be- 
währte Buch würde man mit Freuden begrüßen, auch wenn man 
die Hoffnung hegen dürfte, den Abschluß des Thesaurus zu erleben; 
da aber wohl Niemand so vermessen ist und eine Epitome The- 
sauri (die doch auch an das Schneckentempo des großen Werkes 
gebunden gewesen wäre) ihr Erscheinen eingestellt zu haben scheint, 
so füllt der neue „Georges" eine empfindliche Lücke aus. Bei dem 
vorliegenden Halbbande war die Aufgabe des Bearbeiters nicht 
schwer, da für A — C der Thesaurus fertig vorlag; er teilt mit, daß 
er außerdem das Arch. f. Lex., Waldes Wörterbuch und seines 
Vaters sowie eigene Sammlungen ausgebeutet habe. Daß er den 
überkommenen Text mit Pietät behandelt hat, begreift man, be- 
dauert es aber auch gelegentlich. Georges hat seine lexiko- 
graphische Tätigkeit im J. 1828 begonnen, im J. 1879 die letzte 
Auflage herausgegeben und ist 1895 gestorben: in der Zwischenzeit 
hat das Buch an vielen Stellen Patina angesetzt, die sich unschwer 
hätte beseitigen lassen. Es begegnen Literaturangaben, die heute 
gar keinen oder doch so geringen Wert haben, daß sie hier, wo 
der Raum kostbar ist, hätten wegfallen müssen. Es werden ver- 
altete Ausgaben zitiert (z. B. Fickert und Haase bei Seneca), und 
wo die neuen eingesehen sind, ist die veraltete Lesart nicht immer 
beseitigt. Bei manchen W^orten wird der Anschein erweckt, als 



376 Wilhelm Kroll 

seien alle Belege aufgeführt; sieht man im Thes. nach, so erkennt 
man, daß wichtige fehlen. Bei aliquantisper ist zu den im Thes. 
verzeichneten Stellen eine aus Firraicus zugefügt, die ihr Dasein 
der Gnade Brückners verdankt. Ferner muß berücksichtigt werden, 
daß das Buch heute kaum noch in den Händen von Schülern ist: 
also sind die geographischen und historischen Erläuterungen zu 
den Eigennamen, die dem Schüler das Aufschlagen weiterer Lite- 
ratur ersparen sollten, zu tilgen. Einen breiten Raum nehmen An- 
gaben aus der Formeulehre ein, die in dieses Werk nur teilweise 
gehören, zumal wir jetzt für diese Dinge andere treffliche Hilfs- 
mittel besitzen. Durch die Beseitigung dieses Ballastes würde Raum 
für die Artikel selbst frei werden, die eine Erweiterung und Ver- 
tiefung sehr wohl vertragen könnten. Es wäre bedauerlich, wenn 
das nicht bloß für Philologen dringend notwendige Werk sich nicht 
auf der Höhe hielte. 

Prosodie und Metrik 
Das Problem der lanibenkürzung untersucht G. Jach- 
mann, Studia prosodiaca ad veteres poetas scaenicos latinos spec- 
tantia (Habilitationsschrift Marburg). Und zwar will er im Gegen- 
satz zu Skutsch, Klotz u. A. die unbedingte Geltung dieses Ge- 
setzes einschränken, indem er die vorletzte Arsis der iambischen 
und trochäischen Verse ins Auge faßt. Er findet hier nur ganz 
wenige Fälle, die man als lambenkürzung auffassen müßte, wenn 
sie richtig überliefert wären; z. B. Cap. (32 conari desuhito nos 
agere tragoeclkim (wo man allgemein umstellt: agerenos tragoediam). 
Im Übrigen stehen an dieser Stelle nur Worte wie bene male tibi 
ego mihi, die damals bereits pyrrhichisch waren und nicht erst 
gekürzt zu werden brauchten; wo sie als lamben vorkommen, liege 
ein Archaismus vor. Dazu gehören auch Imperative wie tace tene 
cave abi (das nur 6 mal bei Plautus und nie bei Tereuz als lambus 
gebraucht wird); ferner modo, das jedoch 16 mal bei Plautus und 
einmal bei Terenz einen lambus füllt. Auch Wortgruppen wie hie 
est, quid, est bildeten damals einen Pyrrhichius. Dasselbe gilt von 
übi il(lic) Ter. Andr. 742, was J. durch eine Betrachtung der 
Fälle vor der Cäsur des Senars zu stützen sucht; auch hier näm- 
lich fänden sich nur solche iambischen W^orte und Silbenfolgen 
pyrrhichisch gebraucht, die schon in der lebenden Sprache gekürzt 
waren; so Ter. Andr. 745 quid turbaest apud forum, quid tili hö- 
minum litiganf? (Der Fall beweist nicht, was er soll, da es — 
auch nach J. — auf die Betonung quid Uli ankommt: doch legt 



Literaturbericht für das Jahr 1912 377 

J. vielleicht auf den Versiktus kein Gewicht. Vgl. jetzt Lindsay 
Burs. Jahresber. 167, 24). Dieselben Beobachtungen macht J. an 
den Diaeresen der Langverse, wo ebenfalls bene ego mihi tibi oft 
stehen, während Fälle wie Plaut. Asin. 449 quam niox mi operam 
das? Ehem optume: quam dudum tu advenisti? selten sind. Bei 
diutius diutinus, die nur dreimal mit langem u, sonst immer mit 
kurzem vorkommen, entscheidet sich J. ebenfalls für Verkürzung 
in der lebenden Sprache und gegen die zuletzt von Radford be- 
hauptete Synizese. Dagegen nimmt er sie für die Pronominalformen 
meum tuom suom eum usw., ferner für die Formen von deus, ire 
(z. B. eamus) scio an; für die Formen von ire gibt er eine voll- 
ständige Statistik auch betreffs der übrigen Versstellen, wonach 
z. B. eamus bei Plautus 29 mal zwei- und 3 mal dreisilbig ist, 
während die entsprechenden Zahlen bei Terenz 3 und 13 sind_ 
Man kann zunächst bezweifeln, ob J. alle diese Thesen bewiesen 
hat. Es bleiben manche Gegeninstanzen, deren Bedeutung auch 
durch seine immer ernst zu nehmenden Erörterungen nicht ent- 
kräftet ist. So sollen wir am Senarschlusse Amph. 104 die über- 
lieferte Wortfolge j^dter meus umkehren, damit 'pater nicht dem 
lambenkürzungsgesetz unterliegt (S. 12). Er sträubt sich gegen 
die IK. bei Laber. 341 kic est ille gurdus usw.: sie habe damals 
nicht mehr gewirkt. Ich finde sie aber in commodä bei Catull 
10, 26 (und vielleicht auch im folgenden Verse in mane) und viel- 
leicht noch später GEL. 24. 64 [s. u.] und Engström 32 (wo ältere 
Muster nachwirken können); namentlich aber in Erscheinungen wie 
der Kürzung des auslautenden o: man kann aus Hartenbergers 
(u. S. 378) Tabellen sehen, daß sie gerade bei Lucrez und Catull 
zuerst in größerem Umfange auftritt. Ich meine, auchJ. wird hier 
nicht die Antwort geben, die wir mehrfach von ihm hören, der- 
gleichen stamme ex arte, nicht ex sermonis usu. — Gegen die 
Versschlüsse Cure. 354 sibi in manum und Amph. 1061 sibi invocat 
vermag er nichts einzuwenden, auch nicht gegen die Dimeter nullus 
frugi esse p)6test homo (Bacch. 654) und turbida tempestas heri fuit 
(Rud. 940), die aber als Dimeter auf einem anderen Brette stehen 
sollen. Den Versausgaug Phorm. 806 quid hoc siet, möchte er für 
verdorben halten; Truc. 687 haben schon Frühere aus den Worten 
tene hoc tibi das hoc entfernt, ebenso aus Most. 373 cMo ut bibam, 
das ut (vgl. Cure. 654). tibi et tuis Amph. 1131 sei eine gebräuch- 
liche Formel, wie aus GEL 64, 4 hervorgehe (die Inschrift wendet 
auch im vorhergehenden Verse qui bene cognorunt , cognitam, bene 
existumant die IK an). Vor der Diärese des troch. Septenars findet 



378 Wilhelm Kroll 

sich modo iste hämo Haut. 731, das doch mit fesien Verbindungen 
wie quid istuc est? nicht ohne Weiteres zusammengeworfen werden 
darf. Mil. 1273 postquam te asjjexit. Viri quoque armati idem 
istuc faciunt gegen die Überlieferung zu ändern liegt kein Grund 
vor. Doch ich will nicht mit der Aufzählung der schwachen Punkte 
fortfahren, zumal da J. sich darüber klar ist „remanere quae non 
satis sint expedita". Ich will lieber anerkennen, daß seit langer 
Zeit keine Arbeit erschienen ist, die dem schwierigen Problem der 
IK und Synizese so energisch zu Leibe geht wie diese. Jedoch 
ist es mir fraglich, ob dieses Problem bei der Beschränkung auf 
eine Versstelle gelöst werden kann. Die Beobachtung J.s, daß die 
IK besonders häufig gebrauchte Worte ergreift, die auch in der 
Sprache des Lebens pyrrhichisch waren, ist gewiß richtig, gilt aber 
dann natürlich auch für andere Versstellen. Namentlich aber läßt 
sich die ganze Frage von der der Betonung nicht loslösen: die 
Kürzung von Clutäeinestra (Liv. 11) oder quod ärgSntum (Cure. 613) 
macht viel geringere Schwierigkeit als die von dolores (Stich. 165) 
und ämätori (Truo. 40), und in Fällen der letzteren Art liegt doch 
wohl eine (durch den Versiktus nur knapp entschuldigte) Gewalt- 
samkeit des Dichters vor. — Auch die Synizese läßt sich vielleicht 
in einem so engen Rahmen nicht behandeln; es wird nötig sein, 
das ganze Material namentlich mit Rücksicht auf die Fälle von 
Totalelision durchzuprüfen. 

Über die Verkürzung des auslautenden o l)ei den Dichtern 
hat R. Harten berger eine sehr gründhche Untersuchung ange- 
stellt (De finali apud poetas Latinos ab Ennio usque ad lu- 
venalem. Bonn 1911). Sie bestätigt mehr, als der Verf. selbst 
Wort haben will, den Einfluß der lambenkürzung; hätte er den 
ohne Vorbehalte anerkannt, so hätte er über Lucil. 303 cwn poclo 
hibo eodem nicht so viele Worte zu machen gebraucht. Erst Ovid 
verkürzt einige spondeische Worte wie ergo nemo, und Germanicus 
und Manilius machen ihm das nach. Alle Schranken durchbricht 
Seueca, bei dem man auch caligö regio imagö invideo lesen kann, 
und findet in Martial und luvenal gelehrige Schüler. Die Tabellen 
am Schlüsse gestatten eine bequeme Übersicht über die gewonnenen 
Resultate. 

°Rasi, De positione debili, Rendic. Istit. Lombardo 40 S. 653. 

Metvih. Fitz-Hugh entwickelt auf wenigen Seiten (Procee- 
dings of rhe Amer. Philol. Assoc. 43 S. XIX) seine Ansicht über 
„Caesius ßassus and the Hellenization of Latin Saturnian 
Theory". Er denkt sich Bassus als Mittelpunkt einer gefährlichen 



Literaturbericht für das Jalir 1912 379 

Klique, die absichtlich die richtige Theorie des Saturniers, nach 
der in jeder Dipodie der Sprachakzent höchstens einmal verletzt 
werden durfte, verdunkelte und an ihre Stelle eine hellenisierende 
Theorie setzte; dadurch ging der Schlüssel zur indogermanischen 
Metrik verloren. Dazu ist zu bemerken, daß sich die Existenz 
einer richtigen Theorie des Saturniers vor Bassus nicht erweisen 
läßt (sie ist sogar höchst unwahrscheinlich), und daß die moderne 
Forschung sich schließlich von dem verhängnisvollen Einflüsse des 
Bassus freigemacht hat und dieser unschuldig daran ist, wenn sie 
(nach F.s Meinung) am Richtigen vorbeigeht. 

°Lenchantin de Guberuatis, La polimetria uella comniedia 
latina. Memorie della Accad. di Torino 61 (1911) 37. 

Klausel. Rhythmen in Oiceros Reden behandelt J. May 
(Progr. Durlach) in der aus seinen früheren Arbeiten bekannten 
Weise, indem er etwa die ältesten Reden bis de leg. agr. II vor- 
nimmt und eine Fortsetzung verspricht. Er greift aus den Reden 
solche Stellen heraus, au denen zwei benachbarte Phrasen metrisch 
ganz oder ungefähr gleich sind. Schon eine Betrachtung seiner Ta- 
bellen zeigt, daß die Sache nicht stimmt. Denn erstens sind die Ge- 
bilde häufig recht verschieden: qui seniel hoc commisit und ut tibi 
praesto non esset (Quinct. 52) sind eben nicht identisch und von 
keinem antiken Hörer als identisch empfunden worden. Zweitens sind 
viele der von May angesetzten Kola überhaupt keine metrischen 
Reihen, z. B. (peJUtoris jjersoiiam capere, dem accusatoris deponere 
entsprechen soll (wo ich über die Abtrennung der ersten Silbe eines 
Wortes ebensowenig reden will wie über die Synizese fnortuos). 
Sieht man aber erst gar in den Cicerotext, so zeigt sich, daß M. 
die Worte Ciceros zerreißt, um die Responsion herzustellen. So 
sollen parallel sein Rose. com. 7 quid est quod nef/legenter und 
quid est quod diligenter: aber zwischen diesen beiden Kola (die 
keine sind) stehen die Worte scrihamus adversaria? Das Verfahren 
ist also noch schlimmer als das seinerzeit von Blaß angewendete. 
Ich will daher nicht wiederholen, was ich Berl. phil. Woch. 1906 
S. 1195 gesagt habe, und nur nochmals erklären, daß dieser Weg 
nicht zum Ziele führen kann. 

F. di Capua, Le clausule in S. Agostino con tre sillabe atone 
fra i due accenti (Boll. di filol. 19 S. 12) greift auf eine Bemerkung 
von Terzaghi (Bollett. 18 S. 55) zurück, nach der bei Augustinus 
zwischen den beiden Akzenten der Klausel immer zwei oder vier 
unbetonte Silben liegen, und begründet diese — freihch nicht aus- 



i380 Otto Iramisch, Nachtrag zu S. 193 ff. 

nahmslose — Erscheinung aus der Entwicklung der metrischen 
Klausel zur rhythmischen (vgl. Glotta V 367). 

Wilhelm Kroll 



Nachtrag zu S. 193 ff. 

H. Thiersch, der mir u. a. zu den schmetterlingsflügligeu See- 
pferdchen aus Mykenai eine ähnliche Gruppe aus Volo nachwies 
(Eph. arch. 1906, 230 f. u. T. 14), macht mich soeben auf den 
2. Band von 0. Kellers antiker Tierwelt aufmerksam, welches 
schon 1913 erschienene Buch von mir in der Tat ohne Entschuldi- 
gung übersehen worden ist. Zwar berührt der Abschnitt über die 
Schmetterlinge (S. 435 ff.) meine Ergebnisse, soviel ich sehen kann, 
nicht. Indessen der Schlußabschnitt über vsKvöalog (S. 203 ff.) 
durfte nicht im Anschluß an Blümner von der Annahme eines 
Cocon-IiDports in Kos ausgehen. Der von Aristoteles gemeinte 
Schmetterling war bereits festgestellt (Lasiocampa otus). Er ist 
bei Keller 444 nebst Raupe und Cocon abgebildet, und darnach 
werden die vorgelegten Texte neu zu untersuchen sein. Daß aber 
vEv.vöaXog, worauf es mir allein ankam, den Cocon bedeutet, dürfte 
bestehen bleiben. — Zu p. 193 trage ich bei dieser Gelegenheit 
nach, daß Walde ^ S. 807 mit ijTtlolog lat. vappo zusammenstellt 
(anhnal volans, quod vulgo animas vocant; vgl. Marx, Lucilius 
II 432). — Noch sei zu 198 ff. (über das Wort GvSvog) auf Aeschylus' 
Choeph. 999 hingewiesen, wo das Bahrtuch, welches bei der tzqo- 
&eoig (nach v. VVilamowitz' Erklärung) Leiche und Sarg {ÖQolziq) 
bis aufs Antlitz verhüllt, mit den Worten bezeichnet wird: vekqov 
TtüdevSvTOv ÖQOirrjg y.araa/.TJrcof^ia. — Endlich zu dem S. 200 
und 201 an der Form oz-^v geäußerten Zweifel bemerkte Rader- 
macher, es sei wohl o^r^v zu schreiben, wonach dann axijvow ffjt^i'w- 
wa GK7jv = aq))]v6a) ocpr^viof.ia ocpii\v, gewiß einleuchtend und den 
letzten Zweifel an der wichtigen Glosse beseitigend. 

Freiburg i. Br. Otto Immisch 



Berichtigungen. 

S. 300 Z. 15 v. 0. 1. i^iayloovvtj. — S. 306: 1. evqIokco (statt 
erQiay.io). — S. 320 1. Harteuberger (statt Hartenbarger). — 
S. 335. 340 lies: Löfstedt. 



381 



Indices 

von H. Ottenjanii 



I. Autoren-Register 

für den griechischen und lateinischen Literaturbericht 



Ahlquist 372 
Aken 354 
Albertario 336 
Alessi 321 
Amelli 371 
Arnim, H. v. 284 
Arnim, M. 286 
Avezon 276 

Babelon 339 f. 
Bährens 341. 349 f. 352 
Barone 332 
Bäarig 323 

Bechtel 304. 305. 307 
Benvenuti 314 
Bickel 328 
Blatt 325 
Boisaeq 309. 341 
Bolling 282 
Breal 339. 355 
Brighenti 292 f. 
Brugmann 304 — 307. 

315. 324 
Bruhn 329 
Buceiarelli 332 
Bück 275 f. 280 
Buonamici 314 

Cagnat 335 
Calder 288 
Capelle 307 
Capps 308 
Capiia 379 f. 
Carra de Vaux 312 
XarCK^cixis 290—292 
Collitz 324 f. 
Conway 370 
Couillant 317 
Crönert 300 ff. 
Cserep 312 



Dieterieh 288 f. 
Döhring 303 f. 331 
Drewitt 298 
Ducati 312 
Durel 372 

Ehrenzweig 313 
Ehrlich 293 ff. 308 
Eichhorn 299 f. 
Eisemann 311 
Engström 367 f. 
Ernault 306 
Exon 319 

Favre 302 f. 
Fay 300. 317. 326 f. 
Fenner 289 
Fick 306 
Finsler 306 
Fitz-Hugh 31 8 f. 378 f. 
Fowler, F. H. 356 
Fowler. W. H. 343 
Fränkel, C. 304. 307 
Fränkel, E. 332. 342. 356 
Fridberg 330 

FagSixag 300 
Gaudiglio 355 
Geisau 370 f. 
Georges 375 f. 
Gildersleeve 311 
Gillespie 306 
Gleye 274 f. 
Goertz 289 
Goetz 317. 335. 836. 340. 

347 
Goodell 311 
Gothein 347 
Gottanka 322 
Gow 306 



Gradenwitz 329 
Gray 309 
Grenier 312. 361 
Grienberger 315 
Gross 329 f. 
Gruenler 335 
Grunewald 311 
Gustafson 329 

Hahn 289 
Haie 354 

Hartenberger 320. 378 
Hatzfeld 306 
Haupt 304 

Havet 317. 336. 337. 342 
Hehl 321 
Helbing 286 f. 
Herbig 312. 313 
Hermann 310 f. 
Herzog 278 f. 282 ff. 
Hirt 273 f. 325. 339 
Holthausen 342 
Holzweissig 316 
Hopfner 289 f. 
Hudson-Williams 308 
Huelsen 334 
Hujer 322 f. 
Hunt 287 

Jachmann 376 if. 
Jacob 286 
Jensen 329 
Immisch 288. 373 f. 
Johnsen 285 

Kallenberg 285 
Kamanin 329 
Keil, B. 309 
Keil, J. 275 
Keith 309 



382 



H. Ottenjann 



Keller 334 
Kent 817 f. 
Kieckers 305. 309—311. 

359 f. 
Kniep 371 
Koch 355 
Köhm 332 
Koraassa 310 
Körting 288 f. 
Krohn 370 
Kunze 332 

Labriolle 342 f. 
Lagercrantz 305 
Lambertz 328 
Landgraf 335 
Lattes 313 f. 
Lease 354 f. 
Lejai 331 f. 342. 356 f. 
Lencliantin de Guber- 

natis 379 
Lerche 353 
Linde 316 f. 362 
Lloyd-Jones 323 f. 
Löfstedt 335. 340. 352 f. 
Lommel 298 f. 326 
Lukianov 315 

Mace 317 
Mackail 369 f. 
Magnien 297 f. 
Maidhof 285 f. 
Malten 279 f. 
Marouzeau 357^ 
Marty 354 ^ 
Masing 308 
May 379 
Mayr 329 

Mc Cartney 330. 368 ^ 
Meillet 322 
Meister, K. 327 
Meister, R. 286 
Methner 355 f. 
Meyer-Liibke 355 
Mitteis 315 
MnovTOVQug 291. 292 

Nachmanson 289. 311 
Nazari 306 
Neumann 321 
Niederraann 372 f. 
Nogara 312 f. 

Orsi 279 
Ovidio 314 

Pais 315 



Pantzerhi'elm - Thomas 

340. 341 
nanccyfcoQyiov 291. 292 
Parzinger 369 
Pascal 332 
Patzner 369 
Pearson 311 
Pedersen 340 
Pernot 290 
Persson 303. 319 f. 327. 

332-347 
Petersson 333. 334. 336. 

337 
Pfister 288. 337 f. 371 f. 

374 f. 
Picard 276. 288 
Pieri 314 
Plaumann 287 f. 
Pohlenz 284 f. 
Pokrowskij 362 
Pollak 361 
Pomtow^ 279 
Porzeziiiski 319 
Poukens 367 
Praechter 306 
Praschniker 280 
Prellwitz 309. 327. 337. 

346 
Prescott 360 
Psichari 307 

Eadermacher 296 
Rahlfs 295 f. 
Rasi 378 
Reinach 288 
Riffer 309 
Roberts 360 f. 
'Pcjficctog 276 
Ronzevalle 291 f. 
Rosenberg 313 
Rudolph 308 
Rudnicki 320 

Saussure 328. 333 
Schlossarek 317 
Schmidt 288 
Schneider 357 ff. 
Scholl 317. 333 f. 337. 

338. 341 
Schönwitz 361 f. 
Schuchardt 355 
Schulze 309. 314. 335. 338 
Schwering 297. 321 
Schwyzer 305. 307 f. 309 
Seure 333 
Shewan 298 
Shipley 319 



Simbeck 368 
Skutsch 319. 340 
Sloman 318 
Sogliano 314 
Solmsen 308. 309 
Sommer 297 
Sonnenschein 316. 318 
Sontheimer 315 
Soyter 290 
Speijer 339 
Stabile 333 
Stangl 335. 339. 346. 

347. 353. 368 f. 
Steele 370 
Stegmann 348 f. 
Stürmer 306 
Sturtevant 305. 308. 318 

Thomas, A. 318 
Thomas, E. 305. 307. 330. 

332—336.339.340.342. 

343. 345-348. 352 
&ixj/^6novkog 312 
Thompson 334. 342 
Thumb 295 
Thurneysen 327. 342 
Torp 313 
Tosatto 370. 371 
Träxler 315 
Turner 319 

Ullmann 338. 344 
Ussani 333 

Valmaggi 338 
Vasmer 289. 345 
Vendryes 325. 364 f. 
Vollmer 328 

Wackernagel 289. 296 f. 

315. 321 f. 323. 332. 

336. 339. 340. 342. 354 
Wageningen 334 
Walde 340 
Wilamowitz - Moellen- 

dorff 287 f. 
Witkowski 308 f. 
Witte 280 ff. 297 
Wood 305. 307 — 309. 

331—334. 336—348 
Wright 274 
Wünsch 288 

Zc(OQc'((fiTr]g 290 
Zimmermann 315. 327 f. 
Zitzmann 325 
Zorell 286 



Indices 



383 



n. Wörterverzeichnis 



Altindisch. 

äsphälayati 150 ^ 160 
iye 324 
tubhvam 322 
nedati 340 
phalakara 149 
phälas 160 
madhulit 86 
madhulih- 86 
mä 206 
skhalate 150 
spbal 160 

Avestisch. 

taibyä 322 
räna- 192 
skarena 150 

Lettisch. 
warde 191- 

Lltaulsch. 

kvvkti 83 
varle 191'^ 

Slavisch. 

kvicati 83 
sedeti (sedere) 325 
videti (vider«) 325 
z (c. iDstrum.) 34. 38 

Armenisch. 

sxalem -im 150 



Albanesisch. 



bar 96 



Griechisch. 

äßör]g 5^ 
dyaysTv 135 
dycivög 305 
dyyccQfvw 305 
Idy^htog 104 
dyrig 5^ 
"Ayidog 108 
ctyxoiva, «yxoivt] 272 
ayogäCw [dyoQcioi^i) 133. 
134 



i'yoQmog 117 



Ky(i}ViL.ofÄCit 134 
ttSdnarog 117 
ccaC 116 
afe^ltt 276 
-äCw 131. 133 
"Ad-nvu 99 f. 
kf^rivaiTji 100 1 
'Ax^rjvonöXtt^t 108 
'Ad^rjj'OTiöhog 106 
Atag 321 
«r^w 332 
tdve^r\vttt, 136 
ah'iw 132. 134 
aiQid-rjvcu 136 
alQfvufvovg 128 
ccIq/^üj 127 
aicüvcog 117 
-«;<>] 263 
'äxifJ-og 305 
dxölov&og 117 
dxoXovO^wg 115 
dxüQVoC 308 

dxQCCTlStV 131 

AXc(ßca>dttg 107 
AXaTioxovr]aiutv, 6 drifiog 

TMV 288 
!^Af« 276 
J^Af^KrJoa"? 107 
i/ilf|fj~( 108 
Ji>l6|t(Fo? 108 
dXißag 5^ 
U).xißtd3r]g 296 
yllxia&ev(vg 112 
«AA« 356 
«AA«yjjr«( 138 
«AAijAo? 120 
«AAor« 295 
«Awj'f« 135 

l^^K^MV 305 

«^/SAi'f 303 
dfiSfiTiTüjg 115 
df^eoSw 303 
dfifTC(/u^ik>]Twg 115 
dfJSTQiog 117 
dfioira 278 
afivdig (d/LiK) 281 f. 
A(A.(fäQtu3 296 
d/uqeaßdrei {dfjupEaßaTri- 

xag) 127 
dfi(feaß(CT)]Xfiv 127. 132 

AfJ.iftCiQr]TilÖtti 305 

A^(^iiHi 297 
d/Li(fva(fd}.Xftv 153 f. 159 

'AfiifiTÜ.OV 111 

dfACfcWeQoc 121 
«r 19 



dvuyyitXcd 134 
dvecyyeXtl 132 
drccyyfXijrcct. 138 
dvccyyfXx^fjvKc 138 
dvuytynufx^ivov , earai 
^ 124 

«i'rty;f«cfw 134 
dvayoQSv&fjvai [dva^Qt]- 

,^»Jj'fa) 137 
drayouipdr (o 138 
dvdXcouK (nicbt «rTjAwu«) 

128 
i^j/alfttTo? 102 
Idru^txodTovg 110 
Avai^lXaog 104 
UvaiCXag 100 
«?'«ffffw c. gen. 20 
dvao(fdXXeiv 158 
^AvÖQouivov 111 
'Av^Qo^EVOvg 110 
!^r()V)oro? 109 

Avd'QOOt'i-gVOV 112 
'l4x'Jow7o? 109 

drtTTcei- 134 

dvixTtja,'Ha 126 

dvtXXiTirig 117 f. 
dviXXiTiTog 117 

«rf^ 296 
ßj'fo» («i'fw) 305 
dvi]xoiaav 280 
avS-Tjcc 110 
dvCxa 116 
^Arovßiöog 109 
dvTrjOTig 307 
Ai'TiyfveiSctg 145 
AvTiys'vov 111. 112 
AvTio/cl 101 
^ivTiifCiTTJa (^AvTKpaTrjv) 

, 282 

dv(i)ixiac(v 127 
«Itooj 128 
d^iwUfjvca 137 
dioviirxog 286 
dnccQdxXrjTog 117 
dnKQT(t] 4^ 
«7r«f 118 
dneXfvd^egog 300 
uniX&tv (dnfiXd-av) 128 
^Anf-XXcc, -eng 101 
'AneXXsa 100 
'AnfXXip' 100 
'AnsXXov 100 
dnsvca'Ti 115 
dnhOTaXxa {-ficii) 125 
dnearaXu^vog -«, tjV 124 
"Anidi 109 



384 



H. Ottenjann 



CntövTog 130 
uniQoy.üXtüg 115 
anö 300 

«710 öixalwv 116 
«710 ToO öixaiov 116 
dnoäÖTiüdav 124 
('(Tiod-ewatg 210 ff. 
(inoiaovTcts 132 
unoxaTsarriaa -t{v) -a/uev 

, 127 
dnoxQi&ii -Tjvai (ano- 

xoh'ao&ai) 137 
'AnoXäv 102 
clnoXfXvaTw 295 
^AnoXhl, Kl 101 
'^rroAAftJ'o? 102 
"AnoXXüg 100 
'^TToAAoi^j'o? 276 
^ An oXko(f'((Vov 111 
'AttoXXcü 102 

(i7I0^Q('(Vx'}^(J(x)l 140 

cljxoaifCiXXeiv 150 ff. 
dnoifavovvrca 132 
clnQoifuaiafJSVüjg 116 
«p«t 134 

^AoiciQÜiirig 143 
'AQtßug 143 
aQitfTfvg 300 

^AQlGTOy'fVOV 111. 112 
^AQiOToyh'ovg 110 
^AoiaToxQ^Trjg 278 
^AQiOTo/Ltt'rov 111 
uQiaTog 118 
'AQiaTO(f(cvov 111 
äp/^öCw (nicht «^^uörrw) 

. 134 
«()7r«t(ü 134 

'AQUOXOCiTtC 113 

'AoTiucc, -ili 101 
'AgtificiSog 102 
"AQTifxtg -iSog 109 

103 
'Ag/(Xnog 104 
-KQ/og 105 
«(j;^aj c. gen. 20 

ttQW/iiaTtXo} 133 

-«?, Eigennamen auf 100 
-«?, Kurz- u. Spitznamen 

auf 100 ff. 
-«fft (-«!', -ff«!'), Perf.- 
^ Endung 123 f. 
daxagi^bj 4® 
daxtua ö'** 
daxtoiaxa 5^ 
'AaxX.rjTiuiöovg, -ov llOf. 
aö7r«A«| 161 

«OTfAft ;<«t «(TTTOJ'J'fl 114 



doifdXa^ 161 

daifnXrjg (-fw?) 155 f. 

da(ficcXiCofiat 134 

-«r«t 124 

aTa()«xToi' 117 

-«To 124 

" ArraXog 141 

dnaviTag 5^ 

Kv&aiQETw